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Atanga macht Ferien

So., 29.Jul.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1155, 11.850 sm von HH

Wir machen Urlaub und fliegen Morgen für drei Wochen nach Deutschland.

Sobald wir zurück sind, geht es hier in gewohnter Weise weiter.
Ich habe nach wie vor viel Vergnügen unsere „Abenteuer“ mit Euch zu teilen.

Es warten der Panama-Kanal und der riesige Pazifik auf uns.
Also, ich würde mich freuen, Euch alle hier wieder zu treffen.

Bis dahin, Ahoi.

Damit die Wartezeit nicht zu lang wird, hier noch das neueste Video über unsere Mexiko-Rundreise.

 

Koom mi nich an de Farv!

Mi., 12.Jul.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1138, 11.850 sm von HH

Dieser Hamburger Schnack als ernst gemeinter Hinweis hat eine Lebensdauer von 15 Minuten. Als mein Held von der Dusche zurück kommt, steht er mit dieser Pose im Salon. :shock:

Breitbeinig und gut aufgelegt.
Das ändert sich spontan als ich an anbölke: „Hand ab! Rechts ist doch frisch gepinselt!“

Szene nachgestellt

Szene nachgestellt

Dass es eine Herausforderung werden würde auf dem Schiff zu wohnen und gleichzeitig heikle Stellen zu lackieren, war zu erwarten. Aber das? Den Kopf nur zum Haare schneiden, oder wie? :mrgreen:

Ist man nur eine Minute abgelenkt, schon hat man Malheur.
Um die kritische Stelle herum liegt Papier, von der Decke hängen Bänder, um auch beim letzten Crew-Mitglied die Erinnerung wach zu halten: „Achtung, frisch gestrichen.“

Dabei sind die Grundvoraussetzungen gar nicht schlecht. Durch die Hitze ist der Lack  nach dreißig Minuten schon staubtrocken. Ich kann morgens den ersten Schlag drauf pinseln und nachmittags bereits anschleifen und die zweite Schicht lackieren.
Trocknung wie im Lackier-Raum. Cool.

Dazwischen gibt es diese schwierige Phase, wo Anfassen unerwünschte Fingerabdrücke hinterlässt.
Die Erkennungsdienstlichen Maßnahmen sind angeschlossen. Alle Fingerabdrücke in die Schiffs-eigene Datenbank übernommen. Ausreden ‚ich war’s nicht‘ sind ab sofort, für uns beide, zwecklos.

Wir kommen um das Pinseln nicht länger herum.
Der Lack ist ab. Weg. Einfach abgegrabbelt. Natürlich nur an Stellen, die tausend Mal am Tag angefasst werden. Scheuerleisten in Bad, Pantry und am Navitisch. Und alle Haltegriffe.

Um uns beiden das Leben zu erleichtern, lackiere ich zuerst die Steuerbordseite, dann kommt Backbord. „Vorsicht, Achtung, Bauch einziehen, nicht gegen lehnen. :shock: Koom mi nich an de Farv, Du Dösbaddel.“

Liebliches Providencia

So., 18.Jun.17, Kolumbien/Providencia, Tag 1114, 11.213 sm von HH

Providencia ist toll.
Ums Dorf führen kleine Trampel-Pfade, mal durch die Mangroven, mal am Küstensaum entlang. Immer idyllisch, immer sauber, immer sicher.
Über Kriminalität auf Providencia gibt es keine Berichte, ein Schubkarren-Diebstahl ist der schlimmste Vorfall der letzten Jahre.

Wundervolle Wanderwege

Wundervolle Wanderwege

Auf Atanga sieht es anders aus. Nix Idylle.
Egal was wir anfassen und kontrollieren, es gibt was auszubessern. An unserem kleinen Vorsegel, was uns die elf Tage hier hoch gepeitscht hat, sind zwei kleine Risse zu finden.
Das Unterlieg hat ebenfalls Scheuerspuren.
Die Risse näht Achim mit der Hand-„Nähmaschine“, dem ‚Speedy Sticher‘. Zwei Flicken müssen bis zum nächsten Segelmacher halten.

Das Einroll-Reffband für das Vorsegel ist ebenfalls hin. Zwei Scheuerstellen kurz vor durch. Wenn das bei 30 Knoten Wind reißt, hat man Stress auf dem Kahn.
Da haben wir ja mal richtig Schwein gehabt.
Ersatz ist nicht an Bord, aber die Reffleine ist lang genug. Es brauchen nur die Beschädigungen abgeschnitten werden.

Als das Vorsegel geflickt, die Leine gekürzt und alles fertig zum Aufrollen ist: Ende.
Die zuständige Winsch für die Schot dreht durch. Achim leitet eine außerplanmäßige Wartung ein.

Ist es denn zu fassen? Diese 1000 Meilen gegen an mit dem starken Wind haben dem Schiff mehr zugesetzt als 5000 ’normale‘ Meilen.

Es gefällt uns gut, dieses Providencia. Aber irgendwann müssen wir weiter. Ich mag noch gar nicht daran denken. Schön verdrängt diese Tatsache in den letzten drei Wochen.
Wir haben noch einmal 500 Meilen vor uns. Hoch am Wind. :shock:

Wasser- und Kettenspiele

Fr., 16.Jun.17, Kolumbien/Providencia, Tag 1112, 11.213 sm von HH

Es gießt wie aus Eimern. Endlich, möchte man sagen. Darauf haben wir gewartet.
Leck-Ortung ist angesagt. Leichter Landregen reicht da nicht aus, es muss schon pladdern.

Wir werden fündig. Es hat doch ein Dorade-Lüfter Schuld. Eindeutig.
Zwar nicht einer im Salon, sondern einer im Vorschiff. Hier hatten wir eigentlich die Luke in Verdacht.
Ist das Problem mal erkannt, kann es mit ein wenig Bastelei behoben werden.
So zumindest die vorläufige Annahme. Jetzt ist es wieder trocken, so können wir nicht arbeiten. Wir warten auf Regen. ;-)

Das Wasser-Problem hinter der Sitzbank ist bleibt vorläufig noch ein Rätsel. Küchentücher sind in alle verdächtigen Ritzen gesteckt, um zu sehen, wo überall Wasser vorbei gelaufen kommt.

Außerdem hat Achim sich unserer Ankerkette angenommen.
Der neuen, verzinkten. Das Teil ist echt scheiße.
Ein grandioser Fehlkauf auf Martinique. 350 EUR für den Herrn. Die Kette kann nichts dafür, es ist allein unser Fehler. Wenn man eine Kuhkette kauft, muss man sich nicht wundern, wenn man eine Kuhkette bekommt. Das Teil ist nur galvanisiert, statt feuerverzinkt.
Die rostet im Ankerkasten vor sich hin. Das kann unmöglich so bleiben.

Die Versuchung ist groß, sie einfach „über Bord“ gehen zu lassen. Schwupps, weg mit dem Mist-Ding. Allerdings wollten wir ja gerne eine „Ersatz-Kette“ haben.
Mal eben im Laden um die Ecke eine DIN-Kette (es muss DIN sein wegen der Nuss auf der Ankerwinsch) zu finden, wird schwierig.

Was diese Kette braucht, ist ein trockener Lagerplatz.
Sie ist jetzt entrostet, gespült und getrocknet. Im Salon wurde ein Schapp (einer der besten im gesamten Schiff) frei geräumt und durch die Luke von oben abgelassen. Einhundert Kilo Lebendgewicht.

Da liegt sie jetzt als Schnecke Platz sparend eingerollt.
Gewichts-technisch ein guter Platz.
Einsatz-technisch ein schlechter Platz, aber das Beste, was wir der Kette zu bieten haben.

Wenn wir Ersatz gefunden haben, kommt sie „über Bord“. Das Mist-Ding.

Mast Marathon

Di./Mi, 13./14.Jun.17, Kolumbien/Providencia, Tag 1109/10, 11.213 sm von HH

Das ist die neue sportliche Betätigung auf Atanga. Aber nur für Achim.
Ich darf unten stehen und ihn sichern. Und ich darf an Strippen ziehen, wenn das entsprechende Kommando von oben kommt.
Achim hat es keine Ruhe gelassen, dass unser Windmesser wirklich kaputt sein soll und somit nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Das Kabel für den Windmesser steht unter Tatverdacht und soll aus dem Mast raus.
Es muss von oben gezogen werden, denn oben ist ein Stecker für den Windsensor befestigt. Unten kommt eine Pilotleine dran, damit das Kabel nach der Kontrolle wieder an seinen Platz zurück kann. Das klappt vom Feinsten.

Schieres Entsetzen bei der Begutachtung des Kabels.
Es ist auf eine Länge von zwei Meter korrodiert. Da kann ja kein Wind mehr durchkommen.
Am liebsten würde Achim das Kabel komplett tauschen, aber sechs-ädrig gibt es auf Provedencia nicht zu kaufen.
Im Kabel-Fundus von Atanga befinden sich noch sieben Meter entsprechendes Kabel. Also wird als Notreparatur ein Stück an das alte Kabel dran geflickt.
Es wird gelötet und gebastelt. Bis hierhin alles fein.

Das geflickte Kabel soll nun an seinen Platz zurück. Jetzt kommt mein Einsatz.
Ich darf unten an der Pilotleine ziehen bis das Kabel kommt. Kurz bevor es aus dem Mast-Loch flutschen soll, ist Feierabend. Nichts geht mehr.

Alle Kabel im Mast (Antenne, Toplicht, Radar) laufen in einer Art Kabel-„Rohr“. Dieses Rohr hat sich am Mast-Fuß etwas verdreht, einen Knick gebildet, so dass das Wind-Kabel dort stecken bleibt. Alle Versuche bleiben ohne Erfolg. Mit Isolierband und Vaseline ein geschmeidiges Flutschen zu erzwingen, scheitern. Das Kabel bleibt kurz vor dem Ausgang stecken.

Das Loch im Mast, aus dem die Kabel kommen ist klein. Nicht mal groß genug, um zwei Finger gleichzeitig reinzustecken. Aber man kann fühlen, das Problem ist das abgeknickte Rohr. Außerdem ist das Rohr proppe voll. Voll mit Kabeln, aber auch mit diversen Pilotleinen, die irgendwer dort mal „vergessen“ haben muss.

Mit Zange, Messer, Zahnarzt-Besteck und einer Rohr-Reinigungs-Spirale rückt Achim dem Knick im Rohr auf die Pelle. Stück für Stück kann er die verdächtige Stelle abbrechen. Stunde um Stunde prökert er in dem winzigen Loch herum.
Okay, nun kommt das große Aufräumen. Groß Reinmachen im Kabel-Rohr. Alle überflüssigen Pilotleinen werden losgeschnitten, entfernt und gezogen.
Nun sollte es klappen. Das Kabel sollte aus dem Loch flutschen.

Beim Ziehen an der Pilotleine kommt es, wie es kommen muss, sie reißt.
Durch die vielen Fehlversuche hat sie sich am Knick aufgerieben. :cry:
Das Kabel für den Windmesser ist nun unerreichbar.

Als neue Pilotleine für den Windmesser kann jetzt nur noch ein anderes Kabel fungieren, was sich bereits im Kabel-Schacht befindet. Achim wählt das Kabel für das Toplicht. Das funktioniert prima.

Aber, dass wir no
ch Licht auf dem Mast-Top haben, grenzt an ein Wunder. Das Top-Licht-Kabel ist ebenfalls rott. Ersatz, Ihr habt es gleich erraten, gibt es auf der Insel nicht.
Alle drei-ädrigen Kabel sind zu dick, der Platz im Schacht ist begrenzt.
Kurzerhand opfert Achim die Kabeltrommel. Da sind 25 Meter drauf, das langt.

Nach zwei Tagen ist es geschafft.
Der Windmesser zeigt wieder Wind in Richtung und Stärke an. Und das Top-Licht leutet ebenfalls noch.
Wir sind happy über unsere Mast-Stufen. Niemals hätte ich Achim so oft hoch winschen können. Ein unverzichtbarer Ausrüstungs-Gegenstand.
Ich weiß nicht, wie oft Achim den Mast hoch geklettert ist. Fünfzehn Mal. Zwanzig Mal. Oder mehr.

Übrigens, das Antennenkabel hat eine Scheuerstelle, das Kabel vom Radar muss ebenfalls noch getauscht werden und der 13-polige Radar-Stecker ist ebenfalls vergammelt. Das alles tauschen wir am Festland, wenn es wieder Kabel zu kaufen gibt.
Ein neuer Mast-Marathon wartet.