Archiv der Kategorie: Allgemein

Caribe – L8

Di./Mi., 12./13.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1292/3, 12.217 sm von HH

So heißt unser Weihnachtsgeschenk.
Die Nachricht, dass der Kreditkarten-Leser von Käpt’n Jack wieder funktioniert, überrascht uns beim Polieren. Kurzentschlossen machen wir den Nachmittag frei, setzten wir uns ins Taxi und fahren bis Portobelo.
Der ominöse Jack entpuppt sich als älterer Amerikaner und Chef über ein hübsches Restaurant mit Hotel.

Rodrigo ist pünktlich. Im Auto liegt unser Dinghy. Zu erkennen ist nichts. Im Grunde kaufen wir einen Plastik-Kokon für 3.000 USD.

Die Schlauch-Katze im Sack

Die Schlauch-Katze im Sack

Auf diesen fixen Preis – inklusive Lieferung und Gebühren (für Jack) – haben wir uns mit ihm im Vorwege geeinigt. Rodrigo startet noch einen Versuch drei Prozent Kreditkartengebühr aufzuschlagen. Ein Blick in Achims Gesicht lässt ihn verstummen. Fixpreis ist Fixpreis – Deal ist Deal, Nachverhandeln ausgeschlossen.

Der Kokon entblättert unseren neuen Schmetterling: unser erstes Marken-Schlauchboot. Von No-Name haben wir die Nase voll. Das erste (ein AWN Hyperlon) war uns auf den Kap Verden geplatzt. Dort hatten wir keine Wahl und mussten nehmen, was es gab. Keine zwei Jahre ist das her, schon ärgerlich.
Wer billig kauft, kauft zweimal.

Das neue Dinghy ist etwas kürzer, hat aber breitere Schläuche. Irgendwie ein schwimmender Quadratmeter. Und es hat ebenfalls einen festen Boden, GFK diesmal, statt Alu.

Danke, lieber Weihnachtsmann, dich können wir echt weiter empfehlen.
Und Rodrigo von SukiMotor/Panama bekommt ebenfalls den Daumen hoch. Seine Preise, Zuverlässigkeit und Kreativität sind absolut in Ordnung.
Als letzter bekommt Achim von mir das Prädikat ‚besonders wertvoll‘. Alle Verhandlungen, Verabredungen und Vereinbarungen mit Rodrigo liefen auf Spanisch. Über what’s app, mal geschrieben, mal als what’s app-Telefonie. Bestimmt hundert Messages liefen hin- und her.
Großartig gemacht, Skipper. :-)

Das richtige Logo kommt zum Vorschein

Das richtige Logo kommt zum Vorschein

 

Am nächsten Tag beenden wir unsere Arbeiten und werden ebenso umsichtig ins Wasser zurück getragen, wie vor ein paar Tagen raus.
Das Wetter war auf unserer Seite, es hat nur nachts und beim Dinghy Transport geregnet. Atanga sieht phantastisch aus. Wir sind happy und versöhnt mit dem üblen Empfang, den Panama uns bereitet hat.

Schickes Schiff, schickes Schlauchboot

Schickes Schiff, schickes Schlauchboot

 

Wenn das Boot an Land steht

So., 10.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1290, 12.217 sm von HH

Wenn das Boot an Land steht, ist Segeln richtig scheiße. :lol:

Bei so einer Aktion gibt es immer einen Verlierer:

Schiff abkratzen ist mein Job.
Unser Unterwasserschiff sieht ganz passabel aus. Achim hat in Santa Marta gute Arbeit geleistet. Nur wenig harter Bewuchs kommt zum Vorschein.
Der grün-schwarze Schleim verschwindet durch den Hochdruckreiniger.
Die unendlichen Stempel-Abdrücke der Seepocken und Muscheln bleiben haften. Die kleinen Füße, die stehen bleiben, müssen mit dem Spachtel abgekratzt werden.
Die wenigsten lassen freiwillig los.

Farbe rühren ist mein Job.
Das neue Zeug stinkt zum Himmel. Ich habe die Wahl zwischen ohnmächtig werden oder ertrinken in meiner Gasmaske. Ich wähle die Maske, der Gestank ist zu arg. Heiß ist es unter der Maske. Der Schweiß fließt.
Ich brauche fast eine Stunde, bis ich 20 Liter Farbe zu einer homogenen Masse gerührt habe. Oben steht das Dünne und unten hat sich eine unfügsame Schicht Dickes abgelagert. Schwer und zäh wie Teer.

 

Wir haben immer Selbst-Polierendes Antifouling. Das bedeutet, dass sich beim Segeln eine mikrodünne Schicht abfährt, vorhandenen Bewuchs mit in die Tiefe reißt und sich eine neue, aktive Antifouling-Schicht bildet. Das funktioniert gut und wir sind zufrieden.

Allerdings trägt sich an immer gleichen Stellen die Farbschicht schneller ab. Gut zu erkennen an den grünen Flecken. Dort schimmert bereits das Gel-Shield durch.
Außerdem hält das Antifouling schlecht auf unserem Wasserpass, den wir vor zwei Jahren einfach über gepinselt haben.

Diesmal haben wir uns Primer besorgt und tragen ihn an den kritischen Stellen auf.
Der Primer soll für besser Haftung vom Antifouling sorgen. Man darf gespannt sein.

In den anderen Jahren haben wir immer nur 10 Liter Farbe verbraucht. Dieses Jahr verpinseln wir den ganzen Pott Antifouling. „Viel hilft viel“, hat Oma immer gesagt.
Hoffentlich stimmt das. Im schlimmsten Fall müssen wir trotzdem in 12 Monaten wieder aus dem Wasser und hätten die Hälfte der Farbe verbrannt (250 EUR).
Dafür brauchen wir nicht den halbleeren riesigen Eimer Farbe mit uns herum schippern.

Und wir sind wieder zu schwarzem Antifouling zurück gekehrt, was uns final besser gefällt.
Das fühlt sich nach der Trocknung wie Latex-Farbe an, leicht gummi-artig. Hempl Markenware.
Hoffentlich weiß die Farbe das auch.

Bei so einer Aktion gibt es auch immer einen Gewinner: Klebeband abreißen, ist Achims Job. :mrgreen:

Der Klebeband-Abreißer

Der Klebeband-Abreißer

Kran-Tag

Sa., 09.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1288, 12.217 sm von HH

Beinahe hätte es wieder nicht geklappt mit unserem Termin.
Der viele Regen hat ein großes Loch in den Boots-Stellplatz gespült und der Weg zu unserem geplanten Standplatz ist unpassierbar.
Achim spricht mit Engelszungen auf den Werft-Chef ein. Der lässt sein Herz erweichen und zirkelt mit dem Maßband aus, ob er uns noch auf der anderen Werft-Seite dazwischen quetschen kann.
Der Travel-Lift ist für Katamarane dimensioniert und hat bestimmt eine Breite von zwölf Metern. Da kann er nicht einfach überall dazwischen fahren.

Atanga ist schon fast etwas zu klein für die Gurte und sieht etwas verloren in dem Gestell aus.

Der Chef macht an der Fernbedienung eine gute Figur. Im ‚Crocodile-Dundee-Style‘ manövriert er ruhig und souverän seinen Travel-Lift an die vorgesehene Stelle. Zum Nachbarschiff passt noch eine Handbreit dazwischen.

 

da staunt der Kollege Nachbar schon mal

da staunt der Kollege Nachbar schon mal

Die Werft ist noch sehr neu, das Gelände ist gepflegt und aufgeräumt.
Die sanitären Einrichtungen befinden sich in einem Container, sind aber blitzsauber. Kein einziger Schimmel-Belag ist zu finden.
Es wird gerade an einem festen Gebäude gebaut. Das hier wird mal eine schicke Marina und Werft.

Bei so einer Kran-Aktion gibt es immer einen Verlierer. :mrgreen:
Heute trifft es unseren Fender, der unbeabsichtigt vom Gurt eingequetscht wird.

Wenn die Industrie es schafft, Gegenstände herzustellen, die das aushalten, obwohl sie bereits acht Jahre alt sind und dauerhaft dem UV-Licht ausgesetzt sind, warum kann das dann nicht für alles gelten?

Ein neues Schlauchboot soll her

Mo., 04.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1283, 12.217 sm von HH

Hast Du schon mal versucht in Panama ein neues Dinghy zu kaufen? :mrgreen:
Das stinkt verdammt nach einer großen Herausforderung.

Wir haben Internet, wir haben den Bauhaus (der wichtigste Revierführer für Panama) und wir haben ‚Panama Cruising Guide‘, eine kostenlose Sammlung aller wichtigen Adressen in Panama.
Damit sind Händler, die Schlauchboote verkaufen, schnell gefunden.

Ein paar Stunden und eMails später kommen zwei Händler in Frage: Marine Warehouse, ein Importeur, der Schlauchboote aus den USA liefern lässt. Wenn wir bis zum 16.Dezember unsere Bestellung übermitteln, dann käme unser Dinghy mit dem nächsten Schiff und wir können es Anfang Januar in die Arme nehmen.

Und es gibt Rodrigo. Rodrigo hat das Dinghy, was uns am besten gefällt. Und Rodrigo liefert sogar von Colon nach Puerto Lindo. Aber Rodrigo will cash. 2.850 USD! Soviel Bargeld haben wir nicht.

Der nächste Geldautomat ist zwei Stunden Busfahrt entfernt. In Portobelo gab es mal einen, der wurde geklaut. :lol: Pro Tag bekommen wir am Automaten 500 USD pro Kreditkarte – wir haben Karten zwei verschiedener Institute – also 1000 Dollar täglich.
Blöd, das würde ja zwei Übernachtungen bedeuten oder endlose Gondelei mit dem (unzuverlässigen) Bus.

In Colon soll es die Möglichkeit geben in einer bestimmten Bank eine ‚Sonderauszahlung‘ zu vereinbaren. Ob das stimmt, ist nicht gesichert.
Auf blauen Dunst nach Colon zu fahren, um dann doch nur 1000 Dollar in der Hand zu halten, lässt uns diesen Versuch verwerfen.

Da hat Rodrigo eine Idee: „Wir fragen Käpt’n Jack. Der hat einen Kreditkarten-Leser und sitzt in Portobelo.“
Jack ist mit dem Plan einverstanden, möchte aber für seine Dienste 200 USD haben. :lol: :lol:
Während Achim und ich noch darüber lachen und diskutieren, kommt schon die nächste What’s App rein: Der Automat von Jack ist kaputt. Der Deal ist gestorben.

Wir möchten aber eigentlich schon gerne das Dinghy von Rodrigo.
Wir fragen ihn, ob er es uns so lange reserviert, bis wir von den San Blas Inseln zurück sind und sowieso nach Colon kommen. Dann können wir ‚bequem‘ zum Automaten, USD sammeln und Rodrigo bar bezahlen.

Er ist einverstanden. Und wir riskieren es.
Jetzt heißt es Daumen drücken, ob in Panama solche Verspechen einen Wert haben.
Falls nicht, bleibt uns nur auf das übernächste Schiff aus den USA zu warten, wahrscheinlich bis Anfang Februar.

Unser Dinghy schwimmt wieder…

Sa., 02.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1281, 12.217 sm von HH

… allerdings immer noch mit Loch.

Die Bedingungen zum Flicken sind denkbar schlecht.
Es hätte keine blödere Stelle sein können. Genau dort, wo eine umlaufende Gummiwulst verläuft, strömt die Luft raus. Fast unmöglich an der Stelle vernünftig zu reparieren.

Die Anleitung für den Kleber empfiehlt: Keine Luftfeuchtigkeit über 60% und Temperaturen zwischen 18 und 25 Grad. :mrgreen:
Das Zeug bindet in so schnell ab, dass es schwierig ist, die zweite (erforderliche) Lage aufzubringen.
Und dann muss das Ganze auch noch in einer Regenpause passieren.

Achim gibt alles.

Nach 48 Stunden Wartezeit hat sich der Kleber ausreichend vernetzt. Solange darf das Dinghy nicht belastet werden. Ungeduldig harren wir an Bord aus.

Die Probe-Pumpung zeigt den Misserfolg sofort: pffft!

Trotz Loch können wir das Dinghy benutzen, um an Land zu kommen. Durch unseren festen RIP-Boden aus Aluminium sinken wir nicht, aber auf der Wulst kann man nicht sitzen und somit nicht anständig fahren.
Ein Dauerzustand ist es nicht. Fahren Pumpen, fahren, pumpen.

Unser Ankerplatz befindet sich schon ziemlich am Arm der Heide. Internet von Restaurants oder gar ein public Wifi existiert nicht.

Aus Portobelo bringen wir eine lokale Sim-Karte mit, damit wir recherchieren können, wo wir einen Dinghy-Doktor oder gar ein neues Dinghy finden.
Die Aktivierung der 2GB Karte erweist sich zunächst als leichte Aufgabe. Aber bereits nach 200 MB ist Schluss.
Durch verzweifeltes Klicken auf diverse Links, Kaufoptionen und Auflad-Button läuft die Karte plötzlich wieder. :-)
Nun ist Wochenende und kaum jemand ist zu erreichen.

Panama ist topografisch irgendwie schwierig.
Es fängst damit an, dass man glaubt, es verläuft als schmale Landbrücke in Nord-Süd-Richtung.
Dabei liegt es waagerecht auf der Landkarte.

Die Musik in Panama spielt am Kanal. In Colon auf der Atlantik-Seite, hauptsächlich jedoch in Panama City im Pazifik. Der Rest des Landes ist wenig besiedelt und schlummert vor sich hin.

Die Hauptattraktion in Panama sollen die San Blas Inseln sein.
Die liegen zur Zeit östlich von uns (ca. 100 km) und Colon mit neuem Dinghy wartet 70 km westlich.

Was tun?

Da wir noch immer keinen Termin zum Kranen haben, könnten wir zuerst die schönen San Blas Inseln besuchen. Das ist zwar gegen die deutsche Regel ‚erst die Arbeit, dann das Vergnügen‘, würde aber unsere Wartezeit angenehm verkürzen.
Für diese Zwecke reicht das Loch-Dinghy (wohl) noch aus.

Dagegen spricht, dass es den ganzen Tag regnet. Wir wissen gesichert von Mitseglern, dass es im Osten auf den Inseln nicht besser aussieht.
Türkise Buchten an Traumstränden sind bei Regen eben auch nur grau, da können wir auch in Puerto Lindo bleiben. Hier haben wir eine Art Infrastruktur und Internet, was wir brauchen, um ein Dinghy zur organisieren und endlich einen Platz zum Kranen zu finden.