Archiv der Kategorie: Reparaturen/Refit

Feste Reling im Selbstbau erstellt

Fr., 29.Sep.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1217, 11.850 sm von HH

Es gab einen schlimmen Schandfleck an Bord: Die Befestigung unseres Solar-Paneels an der Reling. Die Stütze an der Rückwand  (wird benötigt für den ausgeklappten Modus)  war lieblos mit Band an der Reling festgebunden. Ein Holzklotz, der als Abstandhalter diente war ebenfalls nur mit Band vertüttelt.
Das ganze Werk war am Reling-Draht festgelascht. Mit Klemmen, die viel zu groß für den Draht gewesen sind.
Ein wackeliges, hässliches, ewig währendes Provisorium.

Das ist vorbei. :-)

Inspiriert durch die Neuinstallation von Solar-Paneelen auf dem Nachbarschiff, geht Achim ebenfalls auf die Suche. Zunächst sind nur Alu-Rohre in der richtigen Länge und Stärke aufzutreiben.
Ein drei Meter langes Rohr gibt es für 4,00 EUR fast geschenkt.
Unser Nachbar berichtet, dass er Edelstahl-Rohre zu astronomischen Preisen gefunden hätte, um die hundert Euro für den Meter. :shock:
Ein bisschen viel des Guten bei einem Bedarf von sechs Metern.

So richtig gefällt Achim die Alu Lösung nicht.
Er geht weiter auf die Suche und wird fündig: Edelstahlrohr V2A – sechs Meter für 22 EUR. Na bitte, geht doch.

Die Löcher, die er für die Aufnahme auf den Reling-Stützen benötigt, bekommt er für vier EUR raus gebraten. Okay, keine Hochpräzisionsarbeit. Es fehlen an der optimalen Passform ein paar Millimeter. Die feilt Achim per Hand raus.

Der Reling-Draht wird gelöst.
Auf die letzte Reling-Stütze vor dem Geräteträger wird das Rohr mit dem (nun passenden) Loch gestülpt. Im rechten Winkel zum Schiff. Dann wird das Rohr in Schiffs-Richtung gedreht. Dadurch verriegelt das Rohr auf dem Ring der Reling-Stütze quasi wie ein ‚Twist-and-Lock‘- Schloss.
Der lose Reling-Draht wird wieder durch alle Stützen und das Rohr geschoben und neu gespannt. Somit benötigt die neue feste Reling keine extra Befestigung am Geräteträger, weil sie dort auf dem Draht aufliegt und nicht verrutschen kann.

Nun ist endlich eine saubere Befestigung des Solarpanels möglich. Der Schandfleck ist zum Schwan geworden.

Aus Gründen der Symmetrie hat Achim die feste Reling an beiden Seiten montiert. Wir werden jetzt mal sehen, ob wir damit glücklich werden. Falls ja und wir irgendwo in Regionen kommen, in denen es gutes Edelstahlrohr zu kaufen gibt, wird noch einmal nachgebessert.

Allerdings haben Provisorien die Neigung ewig zu halten.

Die Lackerarbeiten sind abgeschlossen und die Treppe zum Niedergang ist ebenfalls zum Schwan geworden.

 

 

Unser neues Bimini – Ein Marathon

Mi., 27.Sep.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1215, 11.850 sm von HH

Es gibt ein Sprichwort: „Warum hat der Teufel seine Großmutter erschlagen? Weil ihr keine Ausrede mehr einfiel!“
Was wir in den letzten Monaten an Ausreden gehört haben, hätte sogar den Teufel beeindruckt.

Bei unserer Ankunft in Santa Marta Anfang Juli waren wir beeindruckt. In der, zur Marina gehörenden, Werft haben wir uns nach einem Persennig-Näher erkundigt. Der Mann stand bereits an Tag drei nach unserer Ankunft neben dem Schiff. Hörte unsere Wünsche und versprach in fünf Tagen habe er ein Angebot für uns. :lol:

Als er sich nicht meldet, erhalten wir nacheinander folgende Infos:

-Er kann nicht kommen, sein Sohn sei krank
-Er kann nicht kommen, er sei krank
-Er kann nicht kommen, er sei im Gefängnis (die coolste Ausrede von allen)

Okay, daraufhin vermittelt die Werft einen zweiten Planen-Mann. Der erscheint ebenso schnell wie unser Knast-Bruder.
Nimmt unser altes Bimini und unsere Lazy-Bags als Muster mit. Ich mahne und warne, dass man das nicht machen soll, denn Persenning-Leute nehmen ihr eigenes Maß.

Die neuen Teile werden nach unserem Deutschland Aufenthalt fertig sein, so wird uns versichert. Natürlich sind sie es nicht:

-Der neue Mann warte noch auf Material

Wir fragen im Abstand von zwei Tagen nach, wann es weiter geht. Eine Anzahlung von 60% (1.070 EUR) haben wir zum Glück an die Werft gezahlt und nicht an einen der windigen Kammeraden. Sein Ausbleiben hat folgende Ausrede:

-Er kann nicht kommen, der Bruder sei krank

Uns platzt der Kragen, wir setzten eine letzte Frist.

Diese Frist wird nur um einen Tag überzogen, dann aber erscheint der zweite Mann mit ‚etwas Genähtem‘.
Die Lazybags sind komplett nicht zu gebrauchen. Obwohl er ein Muster vorliegen hat, näht er es trotzdem so falsch, dass es nicht zusammen mit dem Segel in die Nut im Baum eingefädelt werden kann.
Das Bimini passt zwar, ist allerdings echter Müll. Beim Säumen wurde daneben genäht, keine Zick-Zack-Naht, Druckknöpfe wurden falsch herum eingestanzt und die Naht in der Mitte wurde gar nicht umsäumt und gegen das Licht kann man die Perforation der Nadel erkennen.
Dieses Bimini wird vom ersten Tag an undicht sein. Diesen Schrott nehmen wir nicht ab.

Wir stornieren den Auftrag und fordern die Werft auf, uns die Anzahlung zurück zu erstatten. Das möchten die natürlich nicht so gerne und ein dritter Persenning-Mann kommt ins Spiel. Auch der steht bereits am nächsten Tag neben dem Schiff. Und nimmt Maß.

-er kann den Auftrag nicht annehmen, weil er Mann Nummero 2 kennt und die sich wohl nicht in die Quere kommen wollen.

Also quatscht die Marina auf uns ein, dass der zweite Persenning-Experte eine zweite Chance bekommen soll. Okay, wir knicken ein.
Wir wollen ja neu haben, unsere Lazy-Bags sind irreparabel am Ende und das Bimini ist eine Dauerbaustelle zum Flicken.

Unser Persenning-Mann zwei erscheint erneut.
Es wird besprochen, was er anders machen soll und wo seine Fehler liegen.
Dieses Treffen findet an einem Montag statt. Der Planen-Mann beteuert, dass er am Freitag oder Samstag fertig sei.

-Freitag kommt eine Mail, es wird Samstag
-Samstag kommt eine Mail, es wird Montag

Achim hat weiße, geblähte Nasenflügel. Ein schlechtes Zeichen. Die erscheinen nur, wenn er extrem sauer ist. Er bestellt den Werft-Chef ans Schiff und setzt ihm die Pistole auf die Brust: Entweder der Deal ist geplatzt, wir wollen sofort unser Geld zurück oder Montag ist der Kram an Bord und wir zahlen nicht einen Cent mehr als bereits geleistet. Das sei das letzte (!! :lol: ) Ultimatum!

Der Chef nimmt Vorschlag zwei an – 60% sind ihm genug.

-Montag kommt eine Mail, es wird erst Dienstag was, weil auf Material gewartet wird
-Dienstag kommt eine Mail, es wird erst Mittwoch was, weil es in Cartagena so stark geregnet hat

Achim hat wieder diese Nasenflügel: „Mittwoch oder Geld zurück. Jetzt wirklich (!) Ende der Diskussion.“

Dann das Wunder: Pünktlich am frühen Nachmittag kommt der Persenning-Typ mit beiden Teilen.  Das Lazy-Bag lässt sich einfädeln und das neue Bimini hat mit dem Proto-Typ nichts zu tun. Es ist sicher keine perfekte Segelmacher-Arbeit, aber doch besser als okay.
Ob wir es für den vollen Preis genommen hätten? Wir sind nicht sicher. Durch die erhebliche Preisreduzierung ist es nun aber sein Geld wert.

Teakdeck

So., 24.Sep.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1212, 11.850 sm von HH

Es gibt wohl keinen schöneren Decks-Belag.
Ein Teakdeck sieht so richtig schön schiffig aus. Richtig praktisch ist es allerdings nicht. In den Tropen schon gar nicht, barfuß drauf laufen, kann man völlig vergessen. Viel zu heiß.

Unser großes Teakdeck-Refit  liegt sieben Jahre zurück.
Seitdem haben sich weitere Millimeter vom Holz abgetragen. Schätzungsweise zwei, vielleicht zweieinhalb Millimeter.
Die gute Nachricht: das ist normal. Die schlechte Nachricht: uns fallen zunehmend die Holz-Pfropfen raus.

Die Teakbretter sind auf dem Deck verschraubt. Jede dieser Schrauben hat einen Holz-Pfropfen erhalten. Zum einen damit man die Schrauben nicht sieht, zum anderen damit es dicht ist.

Mit dem Holzplanken haben sich auch die Proppen abgetragen. Als hauchdünne Plättchen halten sie nicht mehr auf der Schraube und fallen ab.

Die Erneuerung ist recht simpel. :mrgreen:
Schraube raus, mit Führungs-Schablone und Forstnerbohrer das Loch vertiefen, Sika (haben wir genommen, war grad offen) oder wasserfesten Holzleim rein, neuen Pfropfen einschlagen, auf Faser-Richtung achten (sonst sieht es kacke aus ;-) ), warten bis der Leim trocken ist, Pfropfen mit dem Steckeisen abschlagen (in Faserrichtung, sonst kann er splittern), überstehenden Rest abschleifen, well done.

Das schreibt sich leichter als es ist. Fünfzig Schrauben-Löcher erneuert Achim. Eine fiese Plackerei. So recht will sich kein schattiges Plätzchen an Deck finden lassen.

Ein Loch erwischt er mit massiver Feuchtigkeit. Genau neben dem Want, was wir in Verdacht hatten für den Wassereinbruch verantwortlich zu sein. Das ist inzwischen längst dicht, aber so leicht scheint sich die Feuchtigkeit nicht zu verziehen.

Neben den Pfropfen erneuert Achim noch einige schlechte Fugen in dem kritischen Bereich.
Das geht super mit dem Multi-Master, ein wunderbares Gerät von ‚Fein‘.

Das Messer holt die alte Fugenmasse raus wie Butter. Die Fuge wird dann mit der Flex etwas vertieft und geglättet. Dann nur noch abkleben, neu verfugen, abschleifen.

Unser Teakdeck hat im Mittel noch eine Stärke von 8 Millimeter. Das entspricht dem Auslieferungszustand einer neuen Bavaria. Das klingt viel, aber in zehn Jahren ist trotzdem Schicht. Ich mag nicht dran denken.

Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott

 Di., 13.Sep.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1201, 11.850 sm von HH

Direkt nach unserer Ankunft in Santa Marta vor 2 Monaten habe ich mit den Leuten vom Boatyard bezüglich eines neuen Unterwants gesprochen. Alles hörte sich super an und es schien, als ob es in Cartagena einen Rigger gäbe, der ein neues Want anfertigen könnte. Unser defektes Unterwant, das seit unserer Überfahrt von Belize nach Providencia notdürftig mit einer Kette repariert seinen Dienst tat, habe ich der Werft als Muster übergeben.


Es dauerte knapp zwei Wochen, bis der Rigger mitteilen ließ, dass er das notwendige Stemball Terminal (das ist der „Haken“, der auf den Draht aufgepresst wird, um es am Mast zu befestigen) nicht in Kolumbien auftreiben könnte. Kein Problem dachte ich, da unsere Reise nach Hamburg bevorstand und ich die Terminals aus Deutschland mitbringen könnte.

Wieder in Santa Marta, übergab ich die neuen Terminals der Werft, um dann 2 Wochen später erfahren zu müssen, dass ein 10mm Draht in Kolumbien nicht erhältlich sei. Hier gäbe es nur 3/8 Zoll Drähte…. Hätten sie das gleich gesagt, dann hätte ich solche Terminals mitbringen können. Es drängt sich leider der Verdacht auf, dass die Werft hier nicht besonders bewandert ist, wenn es um Segelboote geht.

Um für zukünftige Notfälle gerüstet zu sein, hatte ich in Hamburg aber auch noch eine Reihe von Schraubterminals gekauft. So einen Notfall hatten wir nun und ich beschloss das alte Want mit einem Schraubterminal zu reparieren.

Schritt 1: Absägen des alten Terminals oberhalb der Bruchstelle. Den Draht habe ich in einen Schraubstock geklemmt wobei dessen Backen mit Bleiplatten bedeckt waren, um Beschädigungen des Wants zu vermeiden.

Schritt 2: Einfädeln des Konus. Dazu werden die 12 Drähte, die den Kern umspannen gelöst und leicht geöffnet, sodass sich der Terminal-Konus über den aus 7 Drähten bestehenden Innenkern des Wants geschoben werden kann. Bei einem 10er Want schreibt sich das leichter als es ist… Die Kardeele dürfen bei dieser Aktion auf keinen Fall geknickt werden.

Schritt 3: Nun werden die losen Drähte des Wants ordentlich um den Kern gelegt und die äußere Schraubhülse darüber gezogen.

Schritt 4: Wenn alles gut aussieht, wird das Gegenstück aufgesetzt und mit moderater Kraft verschraubt.

Schritt 5: Die Verbindung wird noch einmal aufgeschraubt und die Drahtenden sollten sich nun schön um den Konus gelegt haben.

Schritt 6: …mit Kraft verschrauben….

Logischerweise wird das Want insgesamt etwas kürzer. In unserem Fall reichte jedoch ein Toggle (das ist so eine Art Verlängerungsstück), um das Want wieder anzubringen.

Jetzt muss es nur noch halten …..

Fazit: ich habe es leider versäumt mir eine Reihe von Schraubterminals für jede Wantenstärke zu besorgen bevor wir losgefahren sind. Das war ein Fehler, den ich jetzt allerdings korrigieren konnte.

 

Koom mi nich an de Farv!

Mi., 12.Jul.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1138, 11.850 sm von HH

Dieser Hamburger Schnack als ernst gemeinter Hinweis hat eine Lebensdauer von 15 Minuten. Als mein Held von der Dusche zurück kommt, steht er mit dieser Pose im Salon. :shock:

Breitbeinig und gut aufgelegt.
Das ändert sich spontan als ich an anbölke: „Hand ab! Rechts ist doch frisch gepinselt!“

Szene nachgestellt

Szene nachgestellt

Dass es eine Herausforderung werden würde auf dem Schiff zu wohnen und gleichzeitig heikle Stellen zu lackieren, war zu erwarten. Aber das? Den Kopf nur zum Haare schneiden, oder wie? :mrgreen:

Ist man nur eine Minute abgelenkt, schon hat man Malheur.
Um die kritische Stelle herum liegt Papier, von der Decke hängen Bänder, um auch beim letzten Crew-Mitglied die Erinnerung wach zu halten: „Achtung, frisch gestrichen.“

Dabei sind die Grundvoraussetzungen gar nicht schlecht. Durch die Hitze ist der Lack  nach dreißig Minuten schon staubtrocken. Ich kann morgens den ersten Schlag drauf pinseln und nachmittags bereits anschleifen und die zweite Schicht lackieren.
Trocknung wie im Lackier-Raum. Cool.

Dazwischen gibt es diese schwierige Phase, wo Anfassen unerwünschte Fingerabdrücke hinterlässt.
Die Erkennungsdienstlichen Maßnahmen sind angeschlossen. Alle Fingerabdrücke in die Schiffs-eigene Datenbank übernommen. Ausreden ‚ich war’s nicht‘ sind ab sofort, für uns beide, zwecklos.

Wir kommen um das Pinseln nicht länger herum.
Der Lack ist ab. Weg. Einfach abgegrabbelt. Natürlich nur an Stellen, die tausend Mal am Tag angefasst werden. Scheuerleisten in Bad, Pantry und am Navitisch. Und alle Haltegriffe.

Um uns beiden das Leben zu erleichtern, lackiere ich zuerst die Steuerbordseite, dann kommt Backbord. „Vorsicht, Achtung, Bauch einziehen, nicht gegen lehnen. :shock: Koom mi nich an de Farv, Du Dösbaddel.“