Archiv der Kategorie: Reparaturen/Refit

Die Axt im Schiff ersetzt den Tischler

Do., 01.Feb.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1342, 12.404 sm von HH

Achims Achilles-Sehne ist getroffen: Tischlerarbeiten.
Das liebt er nicht.

Die neuen Geräte (die ja bestimmt bald kommen) haben andere Maße als die alten Dinger.
Also passen die ursprünglichen Löcher in unserer hölzernen Navi-Ecke natürlich nicht mehr.
Größer sägen, kein Problem. Blöd, wenn die neuen Geräte erheblich kleiner sind. Das Loch muss zu, soll dabei aber optisch auch noch was hermachen.

In Panama City soll es Handwerker für alle Gewerke geben, erzählt man uns. Allerdings will ein Kühlschrankfritze allein für die Anfahrt 120 USD haben. Da wird ein Tischler nicht weniger nehmen. Dann muss der mindestens zweimal kommen und schon kostet eine neue Holzblende 400 USD. Irgendwo hört es ja auch mal auf.
Außerdem hat Achim nicht die Geduld auf einen Mañana-Handwerker zu warten, er möchte alles fertig haben, wenn die Geräte (die ja bestimmt bald kommen) geliefert werden.

Aber woher Holz nehmen, was optisch zur Navi-Ecke passt? Um uns herum ist Tropenwald, da wird sich doch wohl irgendwo ein Teak-Baum finden.
Es fügt sich einfacher. Das neue Ladegerät fällt ebenfalls größer als das alte aus. Damit es überhaupt an seinen angestammten Platz im Schrank verschraubt werden kann, muss in den Einlegeboden ein großes Loch geschnitten werden. Zufällig haben die Einlegeböden im besagten Schrank ein perfektes Teak-Funier. Zwar schon etwas schrabbelig und mit Bohrloch, aber es passt farblich perfekt zur Navi-Ecke.
Aber hallo, Glück muss die Sau haben.

Das untere Loch muss kleiner werden

Das untere Loch muss kleiner werden

Jetzt braucht der Tischler-Meister nur noch ( :lol: ) ein passendes Stück aus dem Einlegeboden heraus, nun, nennen wir es operieren.
Abends muss ich ihm den Mund mit Seife auswaschen, da er zu viele schmutzige Wörter benutzt.
Trotz Schablone will das Puzzle-Stück nicht richtig passen: „Mein Teil ist perfekt gesägt. Es liegt am Loch. Das Loch hat Schuld.“
In der Tat ist das Loch vorne etwas größer als hinten, da die Loch-Wand schräg ausgesägt wurde.

jetzt nur noch das Loch für das neue Gerät (was ja sicher bald kommt) hinein sägen

jetzt nur noch das Loch für das neue Gerät (was ja sicher bald kommt) hinein sägen

Und nun mit Loch für das neue Gerät

Und nun mit Loch für das neue Gerät

 

Final kann sich das Ergebnis aber sehen lassen. Wird das neue Gerät eingepasst, dann ist nicht mehr viel vom neuen Puzzle-Teil zu sehen.

Und Morgen sind die Löcher für die Navigation im Cockpit dran. Hart-Kunststoff diesmal. Die Lochsägen an Bord passen grad eben auf den Millimeter genau. :-)

Die toten Augen von London müssen größer

Die toten Augen von London müssen größer

Kabel, Kabel, Kabel

Mi., 31.01.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1341, 12.404 sm von HH

Nach hinten hin sind alle Kabel grau.
Diesmal liegen sie hinter unserer Wand-Vertäfelung im Schlafzimmer versteckt. Dicht an dicht in ein Rohr gestopft. Da kann man ziehen wie ein Berserker, das gewünschte Kabel zuckt nicht mal.

Raus soll das Kabel, was zum Kurzwellen-Tuner führt. Der ist ganz hinten im Schiff in der Backs-Kiste montiert und sein Plastikgehäuse durch den Blitz zersplittert. Im Inneren des Tuners hat es mehrere Schalt-Elemente gesprengt.

Wenn Achim am Tuner-Kabel zieht, bringt das richtige Kabel die Nachbarn ebenfalls zum Wackeln. Einmal stramm gezogen, muss ich in dem kleinen Loch das verdächtige Kabel wieder lockern. Achim zieht erneut, der Gegner ist erkannt. Jetzt „nur“ noch das Kabel aus dem Rohr zerren.
Nebenbei wird die Hälfte der Kabel als überflüssig identifiziert. Das schafft Platz.

Das war mal unser Schlafzimmer

Das war mal unser Schlafzimmer

Die Demontage schreitet allgemein gut voran. Aber alle Projekte dauern. Allein den Radar-Dom vom Mast zu holen ist ein Mehr-Stunden-Projekt. Das Teil wird riesengroß, wenn es mal so vor einem liegt. Unhandlich und rutschig.

Das Schiff verfällt zwischenzeitlich in schweres Chaos. Umdrehen, bewegen, gar leben und sich wohl fühlen ist ein Kampf gegen Windmühlen.

Mein Tanzbereich

Pantry

Pantry

 

Sein Tanzbereich. :lol:

ehemaliger Navi-Tisch

ehemaliger Navi-Tisch

 

Dazwischen befindet sich eine, mehr oder weniger, bewohnbare Grauzone.
Überall steht etwas herum. Kaputte Teile müssen wir aufbewahren. Sie gehören faktisch der Versicherung und die entscheidet, was damit passieren soll.

Die Versicherung hat bereits letzte Woche ihr ‚okay‘ zur Bestellung der Ersatzteile gegeben.
Ein 60 Kilo Paket ist auf dem Weg. Der größte Teil kommt aus den USA von einem großen Marine-Ausstatter (Defender). Lieferzeit fünf Tage, heißt es bei der Bezahlung.
Ich lache mich schlapp, während Achim optimistisch zweimal täglich das Tracking verfolgt.
Am Montag lache ich nicht mehr, unser Zeug hat bereits den Status ‚imported in Panama‘: Lieferung erfolgt planmäßig am Mittwoch.
Heute Morgen wird mein belastetes Lieferung-nach-Panama Weltbild wieder gerade gerückt: ‚Auslieferung verspätet‘. Ohne Angabe von Gründen und ohne Angabe, wie lange die Verspätung sich zieht.

Unser Kühlschrank ist da

Fr., 26.01.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1336, 12.404 sm von HH

So habe ich mir das nicht vorgestellt.
Ich hatte ‚plug and play‘ erwartet.

Dass das halbe Schiff zerlegt werden muss, war nicht zu erwarten.
Fast alle Kabel, die unter der Decke entlang Richtung Kühlschrank führen, sind rot.
Es gibt so viele schöne Mädchenfarben: Mauve, Fuchsia, Koralle. Warum nutzt die Kabelindustrie das nicht? Das beraubt die Menschheit um so schöne Sätze wie „Ich verlege heute die lavendelfarbenen Kabel“.

Welches der roten Kabel mag das richtige sein?
„Zieh doch einfach am Kühlschrank-Ende und ich beobachte, welches Kabel wackelt“, versuche ich zu helfen.
Ein tötender Männerblick: „Alle Kabel sind mit einer Plastikspirale zusammen gebündelt, damit man ja nicht an einem Kabel ziehen kann. Und damit das auch wirklich nicht funktioniert, ist zusätzlich alle vierzig Zentimeter das Bündel mit Isolierband umwickelt.“
Ich höre auf mit klugen Tipps.

Damit Achim das richtige Kabel finden kann , muss die Decke in der Pantry runter.
Damit die Decke runter kommt, muss der Haltegriff neben dem Niedergang ab.
Damit der Haltegriff abgeschraubt werden kann, muss eine weitere Holzleiste weg. Die ist geschraubt und geleimt und gerade in Santa Marta frisch von mir lackiert.
Damit er das Isolierband vom Bündel puhlen kann, muss ein weiteres Deckenelement im Salon runter.

Viele, viele böse F-Wörter später hat Achim das richtige Kabel gefunden.

Wohnlichkeit jetzt auch in der Pantry

Wohnlichkeit jetzt auch in der Pantry

Na, wo ist den das rote Kabel?

Na, wo ist den das rote Kabel?

Die Küchen-Decke, mein ewiger Feind bei der Fett-Spritzer-Suche, liegt offen neben mir. Jetzt kommt Schwager Jürgen mit seinen tollen Ratschlägen ins Spiel: Ich kann den Feind putzen, ohne mir über Kopf die Arme zu verrenken.
Es ist eben nichts so schlecht, dass es nicht für irgendetwas gut wäre.

Achim prökelt derweil weiter. Er versucht das richtige Kabel aus der Spiralen-Umklammerung zu ziehen. Keine Chance. Ohne die Spirale zu entfernen, wird das nichts.

Schlappe 24 Stunden später läuft der Kühlschrank und die Deckenplatten sind wieder an ihren Platz. Nebenbei wurden noch ein paar Kabel von ‚Lüfter Küche‘ und ‚Lüfter Deckshaus‘ entfernt. Keiner von uns hat je diese Lüfter zu Gesicht bekommen.
Also, es geht voran. :-) Jetzt mit kaltem Bier zum Feierabend.

Das Chaos hat begonnen

Sa., 20.01.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1330, 12.404 sm von HH

Die Versicherung hat ihr ‚go‘ für die Demontage der kaputten Geräte gegeben.
Zehn Minuten später reißt Achim die ersten Verkleidungen von der Decke. Gemütlich.
Aber wohin mit den 2,50 Meter langen Teilen? Wir finden keinen Platz, wo wir sie lagern könnten.
Draußen an Deck geht ebenfalls nicht – habe ich schon berichtet, dass es jeden Tag regnet und das Wetter eine Katastrophe ist?

Die Marina verleiht abschließbare Kammern und Butzen. 1,23 x 1,23 x 1,23 ist das größte Loch, was zur Zeit frei ist. Na, super.
Da fällt uns der Segelmacher ein, der etwas abseits seine Arbeits-Halle stehen hat. Dort dürfen wir für eine Woche unsere Deckenverkleidung unterstellen. Eine Woche wird nicht reichen, aber was erst mal irgendwo steht, fällt nach kurzer Zeit nicht mehr auf. Tot stellen, lautet die Devise.
Und vielleicht werden ja Lager-Räume in Kürze frei.

Schöner wohnen

Schöner wohnen

Die Liste mit den Ersatz-Geräten ist fertig und liegt der Versicherung zur Entscheidung vor.
Was noch fehlt, sind die dazu gehörigen Kabel. Achim erstellt ein Installations-Layout. Dieses bespricht und verfeinert er mit Rudi. Die Recherche, welches Gerät mit welcher Kabellänge und Kabelart (Spur-Kabel, Raynet-Kabel, Devicenet-Kabel oder Backbone-Kabel) geliefert wird, verbleibt bei ihm. Einige Geräte kommen standardmäßig mit zu kurzen Kabeln. Sollte man im Auge behalten, sonst ist man bei der Installation der Voll-Doofe. :mrgreen:

Ich lege zu ‚Blitzschaden‘ noch ‚Kabel‘ als Unwort in die Auswahl für 2018.

Wo neue Kabel rein sollen, müssen zunächst die alten Kabel raus.
Hinter der Verkleidung findet Achim Kabelleichen, ohne Anfang und Ende, und Kabel unbekannter Funktion. Kabel, die hinter Deckenverkleidungen verschwinden und andeuten, dass noch mehr von der Verkleidung runter muss.

Strippen finden und ziehen

Strippen finden und ziehen

Gemütlicher Arbeitsplatz

Gemütlicher Arbeitsplatz

Außerdem zeigt unser Schaltkasten drollige Phänomene seit dem Blitz: Wenn man den Knopf für die Duschpumpe drückt, leuchten die Sicherungen bei AIS und Gaswarner auf. Das lässt auf einen Kurzschluss hinter der Wand schließen und auf Kabel, die zusammengeschmort sein könnten.
Hier möchte Achim nicht so gerne ran, sondern will das Rudi überlassen.
„Ein ‚paar Geräte‘ installieren ist eine Sache“, sagt er, „aber da soll ein echter Fachmann ran“.

 

Feste Reling im Selbstbau erstellt

Fr., 29.Sep.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1217, 11.850 sm von HH

Es gab einen schlimmen Schandfleck an Bord: Die Befestigung unseres Solar-Paneels an der Reling. Die Stütze an der Rückwand  (wird benötigt für den ausgeklappten Modus)  war lieblos mit Band an der Reling festgebunden. Ein Holzklotz, der als Abstandhalter diente war ebenfalls nur mit Band vertüttelt.
Das ganze Werk war am Reling-Draht festgelascht. Mit Klemmen, die viel zu groß für den Draht gewesen sind.
Ein wackeliges, hässliches, ewig währendes Provisorium.

Das ist vorbei. :-)

Inspiriert durch die Neuinstallation von Solar-Paneelen auf dem Nachbarschiff, geht Achim ebenfalls auf die Suche. Zunächst sind nur Alu-Rohre in der richtigen Länge und Stärke aufzutreiben.
Ein drei Meter langes Rohr gibt es für 4,00 EUR fast geschenkt.
Unser Nachbar berichtet, dass er Edelstahl-Rohre zu astronomischen Preisen gefunden hätte, um die hundert Euro für den Meter. :shock:
Ein bisschen viel des Guten bei einem Bedarf von sechs Metern.

So richtig gefällt Achim die Alu Lösung nicht.
Er geht weiter auf die Suche und wird fündig: Edelstahlrohr V2A – sechs Meter für 22 EUR. Na bitte, geht doch.

Die Löcher, die er für die Aufnahme auf den Reling-Stützen benötigt, bekommt er für vier EUR raus gebraten. Okay, keine Hochpräzisionsarbeit. Es fehlen an der optimalen Passform ein paar Millimeter. Die feilt Achim per Hand raus.

Der Reling-Draht wird gelöst.
Auf die letzte Reling-Stütze vor dem Geräteträger wird das Rohr mit dem (nun passenden) Loch gestülpt. Im rechten Winkel zum Schiff. Dann wird das Rohr in Schiffs-Richtung gedreht. Dadurch verriegelt das Rohr auf dem Ring der Reling-Stütze quasi wie ein ‚Twist-and-Lock‘- Schloss.
Der lose Reling-Draht wird wieder durch alle Stützen und das Rohr geschoben und neu gespannt. Somit benötigt die neue feste Reling keine extra Befestigung am Geräteträger, weil sie dort auf dem Draht aufliegt und nicht verrutschen kann.

Nun ist endlich eine saubere Befestigung des Solarpanels möglich. Der Schandfleck ist zum Schwan geworden.

Aus Gründen der Symmetrie hat Achim die feste Reling an beiden Seiten montiert. Wir werden jetzt mal sehen, ob wir damit glücklich werden. Falls ja und wir irgendwo in Regionen kommen, in denen es gutes Edelstahlrohr zu kaufen gibt, wird noch einmal nachgebessert.

Allerdings haben Provisorien die Neigung ewig zu halten.

Die Lackerarbeiten sind abgeschlossen und die Treppe zum Niedergang ist ebenfalls zum Schwan geworden.