‚Ciudad Perdida‘ – Tag 5 – Finale

So., 23.Jul.17, Kolumbien/Sierra Nevada de Santa Marta, Tag 1149, 11.850 sm von HH

Ausschlafen. Zum letzten Abschnitt der Strecke brechen wir erst um 7:00 Uhr auf.
Nur noch knapp vier Stunden liegen noch vor uns. Ein weiterer Halbtagsjob und der Trip ‚Verlorene Stadt‘ ist vollbracht.

Die steilen Matschwege vom ersten Tag sind abgetrocknet, das Laufen ist mühelos, sieht man von der üblichen Schufterei ab, steil bergauf klettern zu müssen. Meine Blase ist gut versorgt und lässt mich halbwegs in Ruhe. Das nahe Ende zieht.

Um 11:00 Uhr haben wir es dann geschafft.
Ciser gratuliert. Nicht nur mir, der lahmen Ente. Es sind ernstgemeinte Worte der Anerkennung. Diesen Treck würde nicht jeder schaffen (mir fällt grad die Oma ein) und wir könnten ein wenig stolz auf uns sein. :-)

Foto-Finish

Foto-Finish

Unser Fazit.
Das Essen ist ausgezeichnet. Schmackhaft und sättigend.
Umso mehr, wenn man bedenkt, dass jede Tomate und Papaya auf Maultieren die gesamte Strecke transportiert werden muss. Reis oder Kartoffeln mit Linsen oder Erbsen, Huhn oder Fisch, auch mal Rind. Etwas Salat an der Seite.
Vegetarier und Allergiker können extra Wünsche anmelden und bekommen sie sogar erfüllt.

Der heimliche Held dieser Wanderung ist unser Koch.
Wir haben bei ‚Expotour‘ gebucht (260 EUR übrigens pro Person) und die nehmen zu jedem Camp ihren eigenen Koch mit. Er ist dafür verantwortlich, dass die Leute ohne Durchfall durch die Tage kommen.
Der arme Kerl steht bereits um 3:30 Uhr auf, bereitet alle drei Mahlzeiten zu und muss so nebenbei noch die Strecke laufen. Der 21 jährige Bengel ist dabei noch gut gelaunt und aufmerksam. Großartiger Typ.

Während der Wanderung gibt es in den Pausen Berge an Obst und zum Nachtisch immer einen kleinen Schokoriegel oder Kekse. Wer keinen Kaffe zum Frühstück mag, bekommt heiße Schokolade. :-)

Meinen Rucksack mit seinen maximal 5,5 Kilo konnte ich gut tragen.
Trotzdem haben Achim und ich immer zuerst mein Wasser getrunken. Jedes Gramm, was fehlt, ist ein gutes Gramm.

Frische Klamotten für jeden Tag werden überbewertet. Damit sollte man sich nicht abschleppen. Meine lange Unterhose hatte ich nur zum Schlafen eingepackt, bin damit dann aber auch zum Essen und Frühstück gegangen. :shock:
Dort saß die Hose in guter Gesellschaft von zweifelhaften Leggings, Pluder- und Schlafanzughosen. Einen Spiegel bekommt man fünf Tage nicht zu Gesicht.

Lange Beine und Ärmel sind überlebenswichtig wegen der Moskitos. Sonst wird man lebendig gefressen. Achim und ich haben zwei Flaschen ‚Mücken-Schutz‘ (‚Off Amazonic‘ und ‚Selvatic Ultra‘) verbraucht. Beides hat gut geholfen und wir sind jeder mit einem Dutzend Stiche davon gekommen.
Insbesondere oben in der ‚Verlorenen Stadt‘ wird man auch tagsüber gefressen, wer da nicht aufpasst, der sieht dann so aus.
Nicht das einzige paar Beine, was so zerstochen war.

Die gefürchteten Bett-Wanzen können nicht bestätigen. :-)

Der Nationalpark ‚Tayrona‘ wirbt mit Fürsorglichkeit: Man wolle aus der ‚Ciudad Perdida‘ kein zweites ‚Machu Picchu‘ machen und die täglich zugelassenen Personen seien limitiert.
Leider können wir das nicht bestätigen.

Die Strecke und die Camps sind zu voll. Zwar verlieren sich im Laufe des Tages die Menschen, aber die Versorgung ist das Problem. Die vielen Mulis (und Menschen) treten die Wege kaputt. Die Erosion hat bereits vielfach unwiderruflich die Wege zerstört.

Die sanitären Anlagen reichen für die zahlreichen Gäste ebenfalls nicht. Es wäre sehr wünschenswert, wenn man das gesetzte Limit wieder einhalten würde.

Würde ich es wieder machen? Nein! Es war sehr schön und eine echte Erfahrung. Trotzdem nein!
Zum einen, weil ich es ja nun schon gesehen habe, zum anderen weil diese Tour mein persönliches Limit war. Tag zwei wird mir lange im Gedächtnis bleiben.
Wanderung im Busch, ja – gerne wieder, Übernachten in ‚urigen‘ :lol: Camps, ebenfalls ja, aber 15 Kilometer am Tag die Berge hoch und runter kraxeln, nein.

Achim kommt bei der Tour irgendwie besser weg.
Der ist fit wie ein junger Hund durch den Wald gehechelt. Total ätzend.
Hoffentlich hört er nicht zu rauchen auf, dann macht er sowas in Zukunft im Dauerlauf. :mrgreen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*