Alltag in Südamerika

Mo., 13.Nov.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1262, 11.850 sm von HH

Wir kommen hier nicht weg. Also machen wir Dinge, die man so macht im Alltag.

Ich brauche für unser verrostetes Tischbein weißen Lack für Metall. Eine winzige Menge soll mir reichen. In dem Stadt-Viertel der Maler suche ich mir einen beliebigen Laden aus.

Der junge Mann hinter dem Tresen scheint meine Anfrage zu verstehen. Er verschwindet nach hinten und kommt mit einer Fünf-Liter-Dose ‚Weiß‘ zurück.
Das mit der ‚winzigen Menge‘ ist wohl verloren gegangen. Ich frage nach einer kleineren Dose. Hat er nicht. Aber das ist kein Problem.
Er reißt sofort die brandneue Dose auf, rührt die Farbe und füllt mir geschickte in eine alte Cola Flasche meine winzige Menge ab. Der Schweinkram an der Cola-Buddel hält sich in Grenzen, das Teil ist noch transportfähig. Nur einen knappen Euro will er für seinen Service haben. Südamerika! Zum Niederknien unkompliziert.

Die Farbe entpuppt sich dann als unstreichbar. Als fadenziehende Masse bekomme ich sie nur in Streifen auf das Tischbein gepinselt.
Südamerika! Es gibt alles, aber nicht alles ist zu gebrauchen.

Es ist mal wieder so weit, ich muss zum Friseur. Als gebranntes Friseur-Kind suche ich mir einen richtigen Salon: Klimatisiert und keine Open-Air-Bude an der Ecke.
Die junge Frau macht einen guten Job. Ich fühle das, ich sehe das. Ich entspanne mich und atme auf. Bis zum Schluss der Pony dran ist. Mehr ein Unfall als ein Haar-Schnitt.

Pony-Unfall

Pony-Unfall

 

Den habe ich jetzt so gut es ging begradigt. Dazu musste ich auf Prinz-Eisenherz-Niveau kürzen. Was soll’s, der alte Spruch behält seine Gültigkeit: wächst ja wieder.
Südamerika! :cry:

Kleine Besorgungen beschäftigen uns den halben Tag.
Beim Optiker mal eben die Brille richten lassen? So einfach ist das nicht. Beim Optiker kann man Brillen kaufen. Mehr nicht. Die Optiker-Werkstatt ist am anderen Ende der Stadt.
Eine Art Sammelwerkstatt für alle Optiker.

Im Stoffladen gibt es kein Garn. Dazu muss man drei Straßen weiter.
Im Garnladen gibt es kein Nähmaschinenöl. Dazu muss man drei Straßen weiter.
Südamerika! Zum Verrücktwerden kompliziert.

Südamerika, wir lieben Dich.

2 Gedanken zu „Alltag in Südamerika

  1. Steffi

    Ja, genau so ist es. Es geht alles, aber nicht alles gut. Oder es geht nichts…
    Und genau deshalb lieben wir Südamerika auch!
    Macht es weiterhin gut!
    Liebe Grüße
    Steffi
    PS: Meine Mutter hat während meiner Pubertät immer gesagt: Solange es sich rauswächst, reg ich mich nicht auf!

    Antworten
  2. Cornelia

    Aber das Foto mit dem Pony ist super genial! Du hättest den Pony auch so tragen können, dann wäre das jetzt die neue Mode in Südamerika und dem Rest der Welt!
    Liebe Grüße
    Cornelia

    Antworten

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