San Blas – Guna Yala

Di., 19.Dez.17, Panama/Uchutupu Dummat, Tag 1298, 12.224 sm von HH

Wer schon immer mal wissen wollte, wo die kitschigen Foto-Tapeten herkommen: Sie stammen von den San Blas Inseln!
Besser kann man sich eine Landschaft nicht ausdenken: Kleine Inseln liegen im Meer verstreut wie Sommersprossen in einem lachenden Gesicht. Azurblauer Himmel, das Meer schimmert, wie sich das gehört, in allen Tönen türkis. Auf den winzigen Inselchen wiegen Kokos-Palmen ihre grünen Wedel im Passat. Der weiße Strand ist Backpulver fein. Am Horizont bricht sich mit viel Schaum die anrollende See. Wie ein weißes Spitzenband legt sich die Gischt am Außenriff ins tiefe Blau.

Ein Postkarten-Idyll. An jeder Ecke schreit es nach Bacardi-Feeling. Ein Traum.

Unsere erste Fototapeten-Insel

Unsere erste Fototapeten-Insel

 

Nuinudup

Nuinudup

Wir ankern auf fünf Meter Wassertiefe direkt vor einer dieser Insel. Uchutupu Dummat heißt sie in der Sprache der Kuna. Das ist noch einer der leichteren Namen.
Den Kuna gehören die San Blas Inseln oder ‚Guna Yala‘, wie sie in ihrer Sprache heißen. Vor gut einhundert Jahren haben sich die Ureinwohner Panamas ihr autonomes Territorium blutig erkämpft. Die Kuna haben sich in einer Revolte gegen Panama aufgelehnt und gewonnen. Sie dürfen sich selbst verwalten solange sie die Hoheit Panamas anerkennen. Aufgrund einer Änderung der Verfassung Panamas haben sie seit 1983 das Recht auf eine eigene Vertretung in Parlament von Panama.

Es gibt 365 Inseln in Guna Yala, aber nur gut 50 sind dauerhaft von den Kuna bewohnt. Trotzdem stehen auf den meisten Inseln ein paar windschiefe Hütten. Die Kunas nutzen diese Hütten, wenn sie zur Kokosnuss-Ernte anreisen. Eine wichtige Einnahmequelle. Es ist uns Touristen verboten die Nüsse zu sammeln. Sie gehören ausnahmslos den Kunas. Doch die Zeiten im Kokosnuss-Geschäft sind schwierig, grad noch 40 Cent werden pro Nuss gezahlt.
Uchutupu Dummat ist eine Touristen-Insel. Sie gehört fünf Familien, die sich die Erträge aus dem Geschäft mit den Gästen teilen. In bescheidenen Cabanas können Touristen vom Festland übernachten und Robinson und Freitag spielen. Das dazugehörige Restaurant bietet drei schlichte Mahlzeiten: Fisch, Languste oder Huhn. Aus einer Stereoanlage schallt Pink Floyd. „Die Musik kommt direkt von ‚you tube‘, ich streame“, erklärt uns Aaron, der das Restaurant leitet. „Huch, hier gibt es Internet?“, wir sind überrascht. „Ja klar, ich habe eine Flat-Rate, ich bin Geschäftsmann“, jubelt Aaron in gutem Englisch.

Die Kunas sind sehr auf die Erhaltung ihrer Traditionen bedacht, dem Modernen gegenüber trotzdem offen. Dies führt zu einem buntem Mix zweier Welten. Die Häuser der Familien, traditionell mit Palmenwedeln gedeckt, zieren große Solar-Paneele. Die urigen Kanus, als Einbäume im Wald geschlagen und ausgehöhlt, liegen einträchtig neben Holzkähnen mit PS-starken Außenbordern. Eine junge Frau trägt stilbewusst die Kuna-Tracht zum Smart-Phone. Zu einer quietsch-bunten Bluse mit Puff-Ärmeln wird ein knielanger Wickelrock getragen, dessen Muster weder zur Bluse noch zu den aufgenähten Molas passen wollen. Die Arme und Beine sind eng mit Ketten aus bunten Perlen umwickelt. Das schwarze Haar ist kurz und die Frisur durch einen Art ‚Piss-Pott-Schnitt‘ recht uneuropäisch.

Tradition und Moderne

Tradition und Moderne

 

Kuna Frau mit traditioneller Tracht und rot geschminkten Wangen

Kuna Frau mit traditioneller Tracht und rot geschminkten Wangen

Aaron mag eine Flat-Rate haben, das Internet, was wir mit unserer Sim-Karte empfangen, ist langsamer als ein berittener Bote. Auf den falschen Anbieter gesetzt, lautet die Diagnose. Die Fotos zum Beweis, dass wir in einer Bounty-Werbung wohnen, müssen somit noch etwas warten.

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