Oh, du fröhliche – Oh, du selige

So., Heiligabend 2017, Panama/Olosicuidup, Tag 1303, 12.224 sm von HH

…Gnaden bringende Weihnachtszeit, sagt deutsches Liedgut.
Wir beginnen den Tag mit einem Mord, genauer gesagt mit einem Doppelmord. Unser Kuna Nachbar hat geliefert.
Dabei sah es mit zuerst gar nicht so aus, als ob sich Papa Kuna noch an unsere Langusten-Bestellung erinnern würde. Wir ankern genau vor den beiden Kuna-Hütten. So nah, dass wir die Kinder lachen hören können. Vier Kinder zwischen drei und zehn Jahren, plus ein Teenager-Mädchen, Mama und Papa und ein weiterer erwachsener Mann, dessen Rolle im ‚Vater-Mutter-Kind‘ Klischee nicht zu erkennen ist. Vielleicht ein Onkel.

Vater und Onkel holen morgens das Kanu vom Strand und paddeln Richtung Außenriff. Gegen Wind und Welle. Total mutig, wie wir finden. Die Brandung ist nicht ohne und den wackeligen Einbäumen würden wir nur schwer vertrauen. Nach ein paar Stunden kommen sie zurück gesegelt. Die Einbäume haben weder Kiel noch Ruder und sind eigentlich unsegelbar. Die Kuna Männer beweisen uns etwas anderes.

Kuna Kanu unter Segeln

Kuna Kanu unter Segeln

Wenn sie genug gefangen haben, bieten zu uns Fisch zum Verkauf, der Rest ist Eigenbedarf. Heute Morgen tut sich am Nachbarstrand nichts. Unruhig beobachten wir, das Kanu bleibt in seiner Garage. Im Geiste gehen wir unsere Alternativen zu köstlicher Languste durch. Armselige Alternativen: Kürbiseintopf mit Linsen oder Labskaus ohne Rote Bete. Nur Ei und Gewürzgurken sind noch an Bord. Da kommt doch das Kanu auf uns zu. Nanu? Vier Langusten liegen im Einbaum. Wo hat Papa Kuna die denn so schnell her? Eine ist riesig, wir wählen zwei gleich große für zehn Dollar pro Stück. An den Antennen reicht unser Nachbar die Tiere rüber.

Weihnachtsbraten

Weihnachtsbraten

Widerstandslos lassen sie sich in einen Eimer stecken. Sie leben aber, ihre Kiemen bewegen sich.
Es dauert seine Zeit, bis das Wasser in unserem größten Topf zu kochen beginnt. Genug Zeit einen Schuldigen zu suchen, der die Biester kopfüber ins Wasser stopfen wird. Ich will mit dem Mord nichts zu tun haben. Männersache. Achim hat ebenfalls Hemmungen, aber als ganzer Kerl, übernimmt er den Job.

Oh Gott, oh Gott, Gnaden bringende Weihnachtszeit. Drauf gepfiffen.
Die erste Languste ist fällig. Mit dem Schwanz schlagend, zeigt sie beim heraus heben aus dem Eimer ihren Unwillen an. Achim zieht es durch: Deckel hoch, Languste ein, Ruhe. Nummero zwei erleidet das gleiche Schicksal. Der Rest ist dann einfach. Vom Kopf die Fühler abdrehen und vom Schwanz den Kopf abdrehen. Die Schwänze teilt Achim längs mit der Machete und das köstliche Fleisch löst sich problemlos vom Panzer. Mit einer Häkel-Nadel bekomme ich das Fleisch aus den Fühlern. Groß-ar-tig. Vor uns liegt ein Pfund feinste Languste. Die gibt es nachher mit Spaghetti und einem trockenen Roten aus Chile. Aus dem Tetrapak. Wir freuen uns auf den Schmaus, aber die Tötung ist nicht so recht was für uns, das werden wohl unsere letzten Langusten sein.

Wir wünschen allen Lesern ein köstliches Weihnachtsmahl, fröhliche Weihnachten und besinnliche Stunden mit der Familie und Freunden.

Weihnachtsinsel

Weihnachtsinsel

Ein Gedanke zu „Oh, du fröhliche – Oh, du selige

  1. herbert

    Also, liebe Atangas, morgen sagen wir hier adieu zum schnee und fliegen nach Panama zur Kali Mera und dann werden wir uns wohl dort irgendwo auch endlich einmal treffen. sylvester sind wir in der shelter bay, dann geht es als linehander kurz einmal durch den kanal und dann entweder richtung bocas del toro oder nach san blas oder umgekehrt. wie sieht euer reiseplan für die nächsten wochen aus? lg herbert

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