Amateurfunk – Einbau und Technik

Um es vorweg zu nehmen. Der Einbau einer Kurzwellenanlage auf einem Segelboot kann sich unter Umständen als nicht ganz einfach erweisen. GFK Boote haben es in diesem Zusammenhang noch etwas schwerer als ihre Schwestern aus Alu oder Stahl, da das Schaffen einer guten Erdung (Gegengewicht) in den Plastikschiffen deutlich aufwendiger ist.

Wer keine Lust hat, sich mit der Materie auseinanderzusetzen, kann sich aber in professionelle Hände begeben und bekommt mit Sicherheit eine gute funktionierende Anlage. Dass das allerdings ein mächtiges Loch in das Budget reißt, soll hier nur am Rand erwähnt werden. Profis werden einem „Nichtswisser“ viele Teile für viel zu viel Geld verkaufen wollen. Ich hatte Angebote für Funkgeräte auf dem Tisch, die mich fast haben ohnmächtig werden lassen. Recherche auch bei Internationalen Händlern lohnt!

Funkgerät

Wir hatten uns zunächst für ein IC-706MKIIg entschieden, da es relativ klein ist und für ca. 500€ gebraucht zu haben ist. Um es kurz zu machen…in Portugal haben wir es gegen ein IC-718 ersetzt. Der Hauptgrund dafür war, dass das IC-706KIIMKg sehr stark rauschte.
Das IC-718 ist sicher nicht das modernste aller Funkgeräte. Es kommt ohne DSP und hat auch ansonsten keine wirklichen Filtereinstellungen anzubieten. Es ist jedoch robust und hat schon auf vielen Schiffen erfolgreich seinen Dienst geleistet.

Wie bei allen Funkgeräten, die für den Deutschen Markt gebaut werden, war auch bei diesem Gerät der TX Bereich auf die Amateurfunkbänder begrenzt. Bei den meisten Geräten ist eine Frequenzerweiterung leicht möglich und so haben wir die sperrende Diode kurzerhand ausgelötet. Wem das zu heiß ist, der kann sich die Diode eventuell beim seinem Händler entfernen lassen. Mehr als € 25 sollte das nicht kosten.

Frequenzerweiterung IC-718

Gesamtkosten des Geräts ca: € 600

Das Funkgerät sollte direkt an die Batterie angeschlossen werden (Sicherung nicht vergessen). Hierbei darf beim Kabelquerschnitt nicht gespart werden, da ansonsten die Spannung unter Last zu sehr einbricht. Bei unserem Gerät führt das dazu, dass es nur noch mit verminderter Leistung sendet. Wir haben 2x6mm² verlegt, mehr wäre aber auch nicht schlecht gewesen. Also…“kurze Wege und dicke Kabel“.

Pactor Modem

Ein Pactor 4 Modem war uns zu teuer und somit haben wir ein gebrauchtes PTC-IIUSB mit Pactor 3 Lizenz für ca. € 350 erworben. Das Modem wird mit zwei Kabeln an das Funkgerät angeschlossen. Unser Gerät wies bereits die Möglichkeit der Bluetooth Kommunikation mit dem Notebook auf, was den großen Vorteil hat, dass man nicht mit kabelgebundenen Störungen zwischen Modem und Rechner zu kämpfen hat.

Pactor Modem

Pactor 4 hat sicher viele Vorteile, wenn man auch eine Gegenstation hat, die diesem Standard entspricht. Auf 30m z.B. findet man aufgrund der Bandbreitenlimitierung schon nicht einmal mehr Pactor 3.

Tuner

Mehr oder weniger zufällig habe ich, als ich mich für Funk zu interessieren begann, einen SG-230 Automatik Koppler mit Smartlock in der „Bucht“ gekauft. Mit ca. € 350 war das allerdings ein guter Kauf. Der Tuner sollte so nah wie möglich an der „Erde“ angebracht werden. Gleichzeitig ist es erstrebenswert, die Zuleitung vom Koppler zum Achterstag möglich kurz und geradlinig zu legen. Auf unserem Schiff ist dies schwer zu erreichen, da er Isolator im Achterstag in ca. 2,30m über dem Deck hängt. Der Kompromiss sah daher so aus, dass der Tuner ca. 1m von der Erde entfernt sitzt.

Verbindung Transceiver zu Tuner

Da ich es besonders gut meinte, habe ich Aircell 7 für die Verbindung von Transceiver zum Tuner verwandt. Gerade für diese Zuleitung hätte es aber auch das billigere und einfacher zu verlegende RG58 auch getan.

In den Anleitungen von Merger&Friends hatte ich gelesen, dass die Zuleitung etwas länger gemacht werden sollte und das überschüssige Kabel als Luftspule gewickelt werden sollte. In meiner ersten Installation hatte ich diese Spule wenig sorgsam gewickelt, was sich als überhaupt nicht hilfreich herausstellen sollte. Dieser Fehler ist inzwischen behoben und die Luftspule ist nun sauber gewickelt direkt vor dem Tuner.

Direkt vor dem Tuner habe ich eine fertig konfektionierte Mantelwellensperre von DX-Wire angebracht. Außerdem habe ich kurz hinter dem TX zusätzlich je 10 Ferrite LBF 15909-000 und CST 16/7.9/14-4S2 auf das Koaxkabel aufgefädelt und mit Schrumpfschlauch fixiert.

Beide Maßnahmen haben den Störpegel um 2-3 S abgesenkt.

 

Erdung

Die strahlende Antenne benötigt in jedem Fall ein ausreichend großes Gegengewicht. In der Anleitung des SG-230 wird auch ausdrücklich darauf hingewiesen die Erdung elektrisch nicht kleiner als die Antenne auszulegen, da sich die Antenne sonst verkehrt und man viele lustige Effekte beim Senden erblicken kann, die von der durch das Schiff wabbernden HF erzeugt werden. Hierzu gehören insbesondere Lichteffekte von LEDs , oder ein Abschalten des Autopiloten)….

Eine schon seit langer Zeit beschriebene Methode besteht in der kapazitiven Erdung (siehe auch Handbuch SG 230 von 1992). Hierbei wird eine Metallfolie im Rumpf unterhalb der Wasserlinie verlegt, die mit dem GFK als Dielektrikum und dem Wasser einen Kondensator bildet, der bekanntlich für HF nur einen Widerstand nicht aber eine Leitungsunterbrechung darstellt. Je nachdem wie trocken das Schiff ist, kann man dicke Alufolie bzw. Kupferfolie nehmen.

Alternativ kann man auch leitende Kupferfarbe verwenden und hiermit die Bilge streichen. 2-3m² sollten hierzu ausreichen. Nicht unbedingt zu empfehlen sind irgendwelche Elektrosmogabwehrfarben aus dem esoterischen Bereich. Es gibt mindestens einen professionellen Anbieter einer funktionierenden Farbe. Daneben existieren jedoch auch noch andere Anbieter, die gute Kupfer-Farben anbieten, die allerdings nur ein Drittel kosten. Hier lohnt es sich ein wenig Recherche zu betreiben.

Wir haben uns aus Kostengründen für 0,3mm starke Kupferfolie entschieden. Die Folie ist gerade noch dünn genug, um sie sauber verlegen zu können und ist auf jeden Fall mechanisch stabil genug, dass sie nicht mal so eben reißt. In Summe haben wir ca. 4Kg dieser Folie unter den Kojen im Achterschiff verlegt und somit ca. 3m² Fläche für unsere kapazitive Erde geschaffen.

Erdung mit Kupferfolie

Gesamtkosten der Erdung ca. €110 + eine Tube Montagekleber

Anschluss Tuner an Erdung

Der Anschluss der Erdung an den Tuner habe wir mit einem ca. 20cm breiten und 0,3mm starken Kupferband gelegt.

Anschluss an das Achterstag

Viele Segler verwenden Frösche (Seilklemmen), um das Antennenkabel vom Tuner am Achterstag zu fixieren. Die sicherlich berechtigte Kritik an dieser Installation ist, dass die Möglichkeit besteht, das Wasser in das Kabel eindringt und es irgendwann für den Funk unbrauchbar werden lässt. Ein zweiter Nachteil ergibt sich aus der relativ kleinen Kontaktfläche zwischen Seilklemme und Achterstag. So eine Installation ist OK, aber sie benötigt Überwachung und Pflege.

Es gibt natürlich professionelle Anschlussklemmen für das Achterstag….aus Edelstahl….schön anzusehen….wasserdicht….und teuer. Man muss hier mit € 40-50 rechnen.

Man kann so eine Klemme aber auch mit Bordmitteln exakt für die Gegebenheiten an Bord selbst herstellen. Messing hat gegenüber Edelstahl 2 Vorteile.

  • Messing ist leicht zu bearbeiten
  • Es ist weicher als das Achterstag und somit sind Verletzungen des Stahls durch festes Anziehen eher ausgeschlossen

Anschlussklemme für Achterstag

Kosten: € 6,80 und sechs 4er Edelstahlschrauben

Stand-Offs – Abstandhalter

Das Kabel vom Tuner zum Achterstag ist bereits Teil der strahlenden Antenne. Es ist ratsam, dieses Kabel nicht zu lang und zu verschlungen durch das Boot laufen zu lassen. Auch darf man hier kein Koax-Kabel verwenden.

Läuft dieses Kabel nun parallel zu einer geerdeten Metalkonstruktion (z.B. der  Teil des Achterstags, der unterhalb des Isolators ist), so ist auf ausreichenden Abstand zu achten (+/-15cm). Diesen erreicht man mit Abstandshaltern, die man entweder als bereits fertige Teile kauft, oder man erstellt diese aus etwas Schlauch und 2 Kabelbindern selbst. Kosten für die Eigenanfertigung gebe ich mal nicht an, weil sie lachhaft biedrig sind.

Gesamtkosten 

Funkgerät (neu): € 600
Tuner mit Smartlock (gebraucht): € 350
Pactormodem (gebraucht): € 350

Antennenkabel, Stecker, Ferrite, Kupferfolie, Kleinteile: € 300

Ich denke, dass man ab € 1600 eine brauchbare Installation auf einem GFK Boot hinbekommen kann. Kauft man allerdings alle Teile neu, wid es insbesondere durch das Pactormodem deutlich teurer. Automatik Koppler gibt es schon in der €300 Klasse neu (allerdings dann nicht der SG230).

Auf einem Stahlschiff wird es natürlich blliger, da die Erdung kein Problem ist.

Winlink vs. Sailmail

Als Funkamateur wird man sicherlich Winlink für sich entdecken. Winlink wird von Funkamateuren für Funkamateure betrieben. Es ist dem entsprechend kostenlos und es gibt eine große Zahl von Kontaktstellen, über die per Pactor Emailverkehr, Wetterdaten als Gribs , Positionsmeldungen etc. geschickt und empfangen werden können. Die zeitlichen Begrenzungen sind dabei so großzügig gewählt, sodass es hier keine Schwierigkeiten gibt.

Für diejenigen, die nicht lizensierte Funkamateure sind, bleibt sowieso nur der kostenpflichtige Service von Sailmail. Die Kosten liegen wohl irgendwo über € 200 pro Jahr. Auch gibt es eine wöchentliche Begrenzung der Zugangszeit, die ich aber im Moment nicht weiß.

Störquellen

Megapulse/Batteriepulser
Von diesen Teilen haben wir drei Stück an Bord und alle haben nun Schalter bekommen, um sie abstellen zu können; die Dinger stören beachtlich

Solarregler
noch keine Lösung…..

Kühlschrank
noch keine Lösung

Netzteil unseres Routers Alfa R36
Das 220V Netzteil des Routers störte s stark, dass ich es aus dem Verkehr gezogen habe und den Router dauerhaft an das Bordnetz angeschlossen habe. Ich hatte einge Bedenken, da die Spannung im Tagesverlauf von ca. 12,2 bis 14,5V variiert. Das Ganze läuft jetzt aber seit zwei Wochen störungsfrei und auch der Router wird nicht unnormal warm.

Alles zum Thema Funk auf unserer Website: Alle Afu Berichte auf Atanga.de

Frust oder Lust

Wer sich an den Einbau einer Funkanlage auf einem Segelschiff macht, sollte mit etwas Frust umgehen können. Nicht alles klappt auf Anhieb. Umso größer ist die Befriedigung, wenn die Anlage das macht, was man erwartet. Man lernt viel dabei, trifft neue Leute, die sich mit ähnlichen Problemen rumschlagen bzw. schon gelöst haben und man spart eine Menge Geld, das man lieber für andere schöne Dinge ausgeben kann.

 

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