Archiv der Kategorie: Südsee

Wir schwimmen wieder

Mi., 07.Aug.19, Franz.Polyn./Tahiti/Phaeton, Tag 1893, 18.355 sm von HH

Es ist geschafft! Alle Osmose-Löcher sind wieder zu und Atanga sieht – wider Erwarten – nicht wie ein Golfball aus. Glatt wie eine Nektarine kommt unser Unterwasser-Schiff daher. Spachteln, schleifen, spachteln, schleifen – der Skipper hat ganze Arbeit geleistet.
Auch der Schaden an der Flanke und am Ruder sind super geworden – die Crew hat ganze Arbeit geleistet. ;-) Nach dem Spachteln noch ein paar Lagen Gel-Shield (die Wassersperre) aufpinseln, eine Lage Primer, damit das Antifouling haftet und fertig. Alles ist geputzt, gewaschen, gewienert und blitzsauber. Den Overkill an Frischwasser haben wir ausgenutzt. So viel Wasser direkt neben dem Schiff hatten wir zuletzt in Panama vor anderthalb Jahren.

Ein paar Lagen Gel-Shield machen das Schiff „wasserdicht“

Als wäre nichts gewesen

 

Auch das Ruder ist wie neu

Jetzt wollen wir nur noch die Rechnung bei Yvan bezahlen. Der hat sich die Geschäftsidee vom Wäsche-Service zu eigen gemacht: je länger du bleibst, desto teurer wird der einzelne Tag. Für die zwei Tage Verlängerung, weil wir auf den Schweißer gewartet haben, knöpft er uns den Wochenpreis an Standgebühren ab. Zehn Tage für den Preis von sieben gilt nun nicht mehr. Diesen Rabatt hätte er uns nur gewährt, weil es ja sein Verschulden war, dass er uns in der einen Woche nicht ins Wasser lassen konnte. Achim handelt ihm noch 70 Dollar aus den Rippen; mehr liegt nicht drin. „No cash – no splash!“ Yvan sitzt am längeren Hebel.
Die zwei Tage kosten 130 USD Aufschlag, grrrr.

Atanga wird ebenso umsichtig wieder ins Wasser gelassen, wie Yvan sie aus dem Wasser gezogen hat. Unser Fazit über das ‚Tahiti Nautic Center‘: Man kann Yvan mit ruhigem Gewissen sein Schiff anvertrauen. Aber das Drumherum kann man vergessen. Yvan ist ein mundfauler Kerl, dem man jede Information aus der Nase ziehen muss. In zwölf Tagen haben wir ihn nicht einmal lächeln sehen. Ein Mann, der wenig Freude an seinem Job ausstrahlt, ihn dafür aber gut erledigt.

Schnell noch die Flecken streichen, wo die Stützen standen

Vor uns kommt noch der Nachbar ins Wasser eng, aber machbar

 

Wir liegen jetzt in der Bucht am Anker. Die schöne neue Kette im Schlamm versenkt. Die Mücken, die wir von Land mitgenommen haben, sind tot; das Schiff ist zufrieden, wir sind zufrieden. Kleiner Rammer, große Wirkung. Aber so ist es halt, Dinge passieren. Alle freuen sich auf neue Wege.Und Pläne schmieden, ist immer das Schönste.

 

Noch mehr Eisen-Probleme

Di., 06.Aug.19, Franz.Polyn./Tahiti/Phaeton, Tag 1892, 18.355 sm von HH

„Wenn du’s entdeckt hast, musst du’s machen lassen,“ stellt Yvan, der Werftchef,  trocken fest. Der herbeigeholte Schweißer vom gegenüberliegenden Schiff nickt bestätigend: „Beängstigend ist es noch nicht, kann bis Neuseeland halten, aber … „. Na gut, der Mann wittert einen Auftrag, der muss das sagen.

Dabei hatte ich so schön Antifouling drüber gepinselt. :mrgreen: Ich hab die kleinen Löcher nicht registriert. Aber Achims hat’s trotzdem entdeckt.
Alle stehen um unser Ruder herum und beäugen einen Riss in unserer Ruderaufhängung. Schon wieder Lochfraß im Edelstahl. Das warme Wasser setzt dem Material ganz schön zu. Vielleicht ist auch die Pier in Hao nicht ganz unschuldig, vermutet Achim. Im Beton war viel Eisen verbaut, da mag es zu einer Reaktion mit unserem Edelstahl gekommen sein. Aber alles Spekulation – nur die Perforation nicht, die ist eindeutig zu erkennen.
Der Schweißer bekommt den Auftrag. Wir haben keine Lust auf einen Platz in der Rettungsinsel. Sollte die schwere Spange unserer Ruderaufhängung brechen würde, wär’s das mit Atanga. Das Ruder würde abreißen und das Schiff unweigerlich voll laufen.
Der Schweißer ist kooperativ. „Ihr gebt mir das ausgebaute Teil am Montag und bekommt es spätestens Dienstag zurück“. Deal! Wir verlängern um zwei Tage unseren Landaufenthalt.

Lochfraß im Edelstahl

Achim schraubt die Spange ab. Wider Erwarten lässt sich das Teil anstandslos demontieren. Mit der Flex ist der Edelstahl schnell blank poliert. Der Schweißer öffnet den Lochfraß-Riss, schließt die hässliche Wunde und schweißt eine Edelstahlplatte oben drauf. Optisch sieht es nach einer guten Arbeit aus. Ob er gut in Edelstahl schweißen ist, wird sich in ein paar Monaten zeigen. Aber wir sind optimistisch.

Geschweißt und wieder eingebaut, kann es nun endlich ins Wasser zurück

Freud und Leid auf dem Ship-Yard

Do., 01.Aug.19, Franz.Polyn./Tahiti/Phaeton, Tag 1887, 18.355 sm von HH

Die erste heiße Dusche seit acht Monaten. Ach, was rede ich, die erste Dusche überhaupt seit acht Monaten. Der Duschraum hat Aufputz-Leitungen und einen blinden Spiegel. Das Wasser kommt als Strahl ohne Brause einfach aus der Wand. Aber es ist heiß und in unendlicher Menge verfügbar. Es ist herrlich ohne Waschbewegungen einfach nur unter dem heißen Wasser zu stehen. Eine typische Männer-Werft-Dusche wird zur Wellness-Oase.

Das war’s aber auch schon an Genuss. Der Rest ist eine schwierige Angelegenheit. Milliarden Mücken wollen uns leer saugen. Tagaktive Quälgeister, die sogar im strahlenden Sonnenschein über uns herfallen. Ohne dauerhafte Salbung mit Antimücken- Gift würden wir getötet werden.
Der Weg zur Toilette ist lang und unbeleuchtet. Querfeldein führt ein Schleichweg am Ship-Yard und den Marina-Liegern vorbei. Rattengroße Krebse haben dort ihre Löcher gebuddelt. Nach Regen verwandelt sich der Weg in einen rutschigen Schlammpfad. Von den nachtaktiven Mücken auf dem Weg dorthin will ich gar nicht reden. Also verlässt im Dunkeln keiner mehr das Schiff, es komm der berüchtigte Pipi-Eimer zum Einsatz. Wichtig nur, dass man morgens bei der Entleerung mit dem brisanten Inhalt nicht stolpert. :mrgreen:

Das Werft-Internet ist nicht an Bord verfügbar. Durch die Installation eines einfachen Repeaters wäre die Sache behoben, so empfängt nur ein elitärer Teil der Land-Steher das (gute) Netz. Es gibt auf dem Gelände keine „nette“ Sitzecke mit ein paar Tischen, so dass wir auf einem Steg auf der Erde sitzend müssen, um Empfang zu haben. Nach Einbruch der Dunkelheit ein Selbstmord-Unterfangen. Da hilft es auch nicht, den Laptop als Hotspot (danke nochmal für den guten Tipp) einzurichten.

Die Dusche ist nach einer Woche noch immer heiß und ein Genuss, aber leider wird dort nicht mehr sauber gemacht. Der Werftbetrieb hat so eine Art Betriebsferien, denn die halbe Belegschaft erscheint seit Montag nicht mehr zur Arbeit. Einschließlich der Putz-Fee. Geschätzt nutzen dreißig Menschen zwei Toiletten und zwei Duschen. Wie die Waschräume nach einer Woche aussehen, kann sich jeder vorstellen. Zumal es häufig regnet und alle mit ihren Matsch-Füssen in die Nasszellen latschen. Der Müllsack quillt über von benutztem Klopapier.

Mit den Betriebsferien ist auch der Mittags-Service ‚Essen-auf-Rädern‘ eingestellt worden. Das ist schade. Aus einem Kofferraum raus konnte man von ‚Mama Tahiti‘ frisch gekochte Hausmannskost kaufen: Curry-Eintopf mit Huhn, Kartoffeln und Reis. Für 5 Dollar kein Fastfood-Mist, sondern gutes Essen. Ein Imbiss in Laufnähe fehlt leider. Eine Bude in der man abends ein kaltes Bier, Pommes und ein halbes Hähnchen bekommt. Es gibt nur ein Nobelrestaurant, in dem man sich mit Dreck unter den Fingernägeln nicht blicken lassen kann. Die müden Knochen, die abends nach dem Sofa schreien, müssen erst noch vor dem Herd stehen und was kochen.

Eine Waschmaschine existiert in der Marina ebenfalls nicht. Es gibt wohl einen Wäsche-Service, aber von der Preispolitik fühle ich mich auf den Arm genommen. Je mehr Wäsche man abgibt, desto teurer wird das Kilo. Außerdem ist der Typ schwer zu fassen zu kriegen. Also wasche ich mit der Hand. Zwischen Alex, der sein Schiff schleift und Gilbert, der sein Schiff mit Grundierung spritzt. :mrgreen: Aber so viel Süßwasser habe ich nie wieder zur Verfügung. Nur zum Tankauffüllen ist es nicht geeignet. Wenn es geregnet hat, kommt Sand mit aus der Leitung.

Werft-Romantik

 

Auch Werft-Romantik

Wir sind nicht das Prinzenpaar, aber ein sauberer Waschraum, Licht auf dem Weg zur Toilette und ein Internet-Empfang auf allen Stehplätzen wäre schon schön. Wer Puff-Preise verlangt, kann nicht nur Brause ausschenken. Wo bleibt der Champagner?

Achim hat jetzt das Schließen der Löcher übernommen

Der Osmose-Teufel

Di., 30.Jul.19, Franz.Polyn./Tahiti/Phaeton, Tag 1885, 18.355 sm von HH

Die Reparatur des Unfallschadens ist einfacher als man (als ich) denkt. Alles, was wir an Material benötigen, führt Atanga in ihrem dicken Bauch bei sich. Erstaunlich, was der Skipper alles so in seinem Fundus hat. Die Reparatur beinhaltet allerdings etliche Arbeitsschritte:
1. Das Antifouling in der Umgebung muss abgeschliffen werden, da darauf nichts haftet.
2. Die tiefen Ratscher müssen erweitert werden, damit für aufzubringendes Epoxid und Spachtel „Platz“ geschaffen wird.
3. Die große Verletzung wird mit Gasfasermatte und Epoxid gefüllt. Warten bis trocken.
4. Darauf kommt Epoxid Spachtelmasse – warten – schleifen – spachteln – warten – schleifen …

Wer es reingefahren hat, muss es auch wieder raus machen

Hier arbeitet nur die Crew

Die Flächen sind klein, viel Arbeit ist das nicht. Die Wartezeiten bis die Materialien trocken sind, nehmen die meiste Zeit in Anspruch. Was liegt da näher auf der Hand das Antifouling ebenfalls neu zu streichen? Über die überfällige Notwendigkeit eines Neuanstrichs diskutieren wir seit Monaten.
Eine große Tonne Antifouling haben wir dabei. Günstig in Ecuador gekauft – für 500 USD. Beim Öffnen der Tonne dann die Überraschung: das Antifouling ist rot. Feuerwehrauto-rot. Dass es rot ist, wussten wir (war halt günstig :roll: ), aber doch nicht sooo rot.
Aber egal, hier auf Tahiti müssten wir bestimmt das Doppelte bis Dreifache bezahlen. Und richtig, ungeachtet der Farbe steht schon bald ein Geier neben dem Schiff, der fragt, ob wir anfallende Reste verkaufen würden. Also alles richtig gemacht.

Die Farbe lässt sich prima auftragen, die Stellen mit den Reparaturen sparen wir einfach aus.
Das Rot modelliert leider ein paar unschöne ‚Boppel‘ aus. Die waren uns schon beim letzen Antifouling-Job aufgefallen. Aber Schwarz macht schlank, wir haben über die Beulen geflissentlich hinweg gesehen. Was nicht sein kann, darf eben nicht sein: Osmose!
„Soll ich mal eine Blase anstechen, um zu sehen, ob es wirklich Osmose ist?“,fragt Achim.
„Zeit hätten wir ja, die Löcher aufzustechen, auszuschleifen, zu epoxidieren, zu spachteln, zu schleifen, zu spachteln, zu schleifen … Und dass das recht einfach ist, wissen wir ja jetzt auch.“ Gesagt, getan – er sticht zu. Und natürlich läuft uns eine Essigsauce entgegen. Atanga hat Osmose!

Eine ausgeschliffene Osmose-Blase

Osmose ist für ein Schiff wie Karies unter einer Plombe. Unter dem Gel-Coat (der wasserdichten Schicht über dem Polyester) bilden sich Blasen, die sich mit Wasser füllen, nach Essig stinken und das Laminat zerfressen (verkürzt und wissenschaftlich nicht ganz exakt beschrieben). Von alleine heilt das leider nicht, sondern wird immer schlimmer, die Blasen werden größer. Fast jedes GFK-Schiff ist davon betroffen. Ein dauerhafter Aufenthalt des Schiffes im warmen Wasser fördert Osmose. Es gibt wahrhaftige Osmose-Hysterien und eine Industrie lebt sehr gut von der Beseitigung. Fakt ist, dass man von Osmose nicht sinkt. Fakt ist aber auch, dass man was unternehmen muss. Achim greift zum Schleifer und öffnet kurzentschlossen die Blasen. Komischerweise haben wir nur an der Backbord-Seite einen Befall. Vierzig Blasen sind jetzt geöffnet, bereits mit Epoxid und Spachtel behandelt. Noch einmal Schleifen, dann sind die Löcher wieder zu.

Frische Löcher im frisch gestrichenen Schiff

Nur ein Blechschaden

Do., 25.Jul.19, Franz.Polyn./Tahiti/Phaeton, Tag 1880, 18.355 sm von HH

Es ist absolut windstill als Atanga von der gammeligen Spundwand losgebunden wird. Nur mit dem Heck ist sie noch lieblos mit dem Land verbunden. Der Anhänger auf den unser Schiff geladen werden soll, befindet sich bereits im Wasser.
Per Hand zieht Ivo, der Chef der Werft, Atanga über den Anhänger. Wie er das bei Wind machen will, ist uns schleierhaft, soll aber unsere Sorgen heute nicht sein.
Ivo zieht und zerrt, schnorchelt und kontrolliert. Immer wieder paddelt er um Atanga herum und prüft, ob das Schiff genau über dem Anhänger schwebt. Sechs seitliche „Halte-Arme“ können hydraulisch aus dem Anhänger ausgefahren werden. Diese geben den Halt zu den Seiten während Atanga mit dem eigenen Kiel auf dem Hänger stehen soll.

Atanga wird ausgerichtet für den Anhänger der schon im Wasser wartet

 

Ivo sucht die Mitte über dem Hänger

Atanga wurde bereits ein paar Zentimeter höher gepumpt

Der Skipper ist noch misstrauisch – aber zu jedem Zitpunkt wird der Sitz von Atanga kontrolliert

Ivo schwimmt Runde um Runde um Atanga. Er gibt Hinweise an den Mann mit dem Joystick, der die Halt-Arme ausfährt. Ivo prüft und wackelt, schnorchelt und kontrolliert. Mit jeder Runde beruhigen wir uns mehr: hier weiß jemand, was er tut; und er tut es nicht das erste Mal. Die Sorgfalt mit der unser Schiff behandelt wird, beeindruckt uns. Die Nervosität lässt nach.
Zentimeter um Zentimeter werden die Halte-Arme ausgefahren, Atanga taucht wie eine Nymphe aus dem Wasser auf. Eine Nymphe vom anderen Stern, so sieht unserer verkabelter Dampfer aus. Eine Alien-Schiff.

Alien-Schiff

Atanga taucht auf

Noch ein paar Apfelkisten als Stütze vor den Bug – fertig

Jetzt zieht uns der Trecker an seinen Platz

Mit einer Winde zieht der Trecker den Anhänger aus dem Wasser. Der Trecker selber ist mit einer schweren Kette an einem Träger befestigt, damit nicht er ins Wasser gezogen wird.
Der hintere Teil des Anhängers wird ebenfalls hydraulisch angehoben, so dass Atanga jederzeit waagerecht auf dem Hänger steht und an der Rampe – vom Übergang Wasser zu Land – nicht einfach nach hinten wegrutscht. Das gäbe einen schönen Klatscher.
Trecker und Anhänger bringen Atanga dann noch zu ihrem Standplatz.

Dort bekommen wir die üblichen Stützen und können endlich unseren Schaden begutachten.
Wir haben wirklich Glück gehabt: nur ein Blechschaden mit ein paar Kratzern. Es läuft kein Wasser aus dem Kiel. Das Antifouling trocknet am Schaden genauso schnell wie überall anders. Alles ist trocken. Das Ruder sieht etwas angeknabbert aus, aber auch das sind nur Schönheitsfehler. Achim dreht die Schraube, die sich an der Unterseite des Ruders befindet raus. Als wir das Schiff neu hatten, haben wir ein Loh in das Ruder gebohrt, um zu sehen, ob es voll Wasser ist. Damals wie heute ist alles trocken.

Die Ruderblatt-Unterseite ist etwas angefressen

Das ist der Schaden am Kiel wir haben wirklich Glück gehabt

Aber es war richtig, dass wir uns schnell um einen „Kran“-Termin gekümmert haben. Das Laminat liegt stellenweise offen und wird durch Wasserkontakt nicht besser werden.
Hab ich schon gesagt, dass wir wirklich Glück gehabt haben? ;-)

Man achte übrigens auf das saubere Unterwasserschiff – kein einziger Bewuchs. Da hat aber einer in Hao gute Arbeit geleistet. Sauber, Skipper! Okay, er hat auch zwei Pullen Luft verbraucht, ist aber vom Verdacht freigesprochen, dass er nur einen Fun-Dive unternommen hat.