{"id":132473,"date":"2017-05-21T23:39:00","date_gmt":"2017-05-21T23:39:00","guid":{"rendered":"http:\/\/atanga.de\/?p=132473"},"modified":"2017-05-31T01:59:43","modified_gmt":"2017-05-31T01:59:43","slug":"tag-3-nach-providencia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atanga.de\/?p=132473","title":{"rendered":"Tag 3 Nach Providencia"},"content":{"rendered":"<p>So., 21.Mai 17, Karibisches Meer, Tag 1086, 10.535 sm von HH<br \/>\nIch liege im Bett und wache von zunehmenden Ger\u00e4uschen auf. Das klingt nach viel Wind. Dabei ist die Achterkoje der beste Platz im gesamten Schiff. Ruhig und wenig Schiffsbewegung. Es ist fast 22:00 Uhr, gleich wird Achim mich zum Schichtwechsel wecken. Ich lausche auf das Heulen des Windes und das Schlagen der Wellen an den Rumpf. Gruselig.<br \/>\nHabe ich Angst? Nein, wir haben komplett gerefft und Atanga kann das. Und ich kenne die Notl\u00f6sung: einfach in die andere Richtung fahren, den Wind von achtern nehmen, schon w\u00e4re Ruhe im Schiff. Aber wir denken gar nicht daran, auch nur eine gewonnene Meile wieder herzugeben.<br \/>\nDann kommt Achim auch schon. &#8222;Ist es sehr schlimm?&#8220;, frage ich.  &#8222;Nein, l\u00e4uft. Das schlimmste scheint vorbei. Wenn wir an H\u00f6he verlieren, holst Du das Gro\u00df etwas dichter.&#8220;  Der Mann hat Probleme. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_wink.gif\" alt=\";-)\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/> Wir tauschen die Pl\u00e4tze.<br \/>\nIch werfe ein Blick ins Logbuch: &#8222;20 Uhr, Boen, Windst\u00e4rke 8, schei\u00dfe.&#8220; Na prima, das baut auf. Im Cockpit ist es laut wie im G\u00fcterbahnhof. Die Wellen haben eine beeindruckende H\u00f6he erreicht. Die Biester fangen an sich zu brechen. Unmengen wei\u00dfer Schaum  ist sogar in der Dunkelheit gut zu erkennen. Es faucht, schl\u00fcrft, sch\u00e4umt und g\u00fcrgelt. Das R\u00e4tsel um das nasse Cockpit ist auch gel\u00f6st. Das sind keine seitlichen Brecher, sondern das ist Gischt von vorne. Hundert, zweihundert Liter Wasser schie\u00dfen \u00fcbers Deck, \u00fcber die Sprayhood, um dann im Cockpit ihr Ende zu finden. Wir werden jetzt h\u00e4ufiger von solchen Brechern begl\u00fcckt. Alles ist nass und schmierig. Unter Deck, der Salon, ist auch kein Hort der Freude. Es ist lange nicht so laut wie oben, aber \u00fcber 30 Grad abgestandene Luft sind schwer zu ertragen. Wie in einer alten Turnhalle. Verschwitze T-Shirts, feuchte, salzige Handt\u00fcchern und der eigene ungeduschte Duft. Lecker.<br \/>\nAch ja, und dann haben wir noch Wassereinbruch im Salon. Durch einen Dorade-L\u00fcfter und eine noch unbekannte Stelle, kommt Wasser durch die Decke. Keine Mengen, aber grade genug, um Laufspuren an der Decke und den Schr\u00e4nken zu zeigen. Oder kleine Pf\u00fctzen auf dem Tisch oder im Schapp zu bilden. \u00dcblicherweise segeln wir trocken, da sind diese Macken vor uns verborgen geblieben.<br \/>\nAus dem Cockpit tragen wir zus\u00e4tzlich Salz mit nach unten. \u00dcberall klebt es, der Fu\u00dfboden ist glitschig. Es ist sowieso schon schwierig zu laufen, das macht es nicht einfacher. Der Salon ist eine Art Salz-Tropf-H\u00f6hle geworden. Ich kann hier nicht sitzen. Diesen Bericht zu schreiben, bedarf drei Unterbrechungen. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_mrgreen.gif\" alt=\":mrgreen:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/><br \/>\nAchim soll Recht behalten, den \u00e4rgsten Wind habe ich verschlafen. Daf\u00fcr bin ich ehrlich dankbar. Ein Dauerwind von \u00fcber 25Knoten und knapp 32er Boen langt mir. Ich bleibe im Cockpit hocken, trotz drohender Dusche. Ganz dicht hinter der Sprayhood ist man noch recht sicher.  Dank Pille Nummer drei kann ich lesen und muss nicht immerzu auf den Windmesser starren. Morgens um f\u00fcnf reffen wir aus. Wind zwischen 20 und 23 Knoten. Vollzeug. Wir wollen H\u00f6he fahren und nicht auf der alten Kurslinie zur\u00fcck.<br \/>\nKulinarisch sind wir im Lummerland angekommen. Ich kann noch immer nicht lange unten sein und Achim noch immer nicht kochen. Aber Nudeln kann er. Eine Million Kinder k\u00f6nnen nicht irren: Nudeln mit Tomaten-Ketchup muss was Gutes sein. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_lol.gif\" alt=\":lol:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/> 93 gesegelte Meilen mit einem Ost-Gewinn von 27 Meilen. Ich sag nichts dazu, f\u00e4llt der Zensur zum Opfer.<br \/>\n228 Meilen Rest nach Osten.<\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"gef\u00e4llt mir\" data-post-id=\"132473\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">3    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"doof\" data-post-id=\"132473\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So., 21.Mai 17, Karibisches Meer, Tag 1086, 10.535 sm von HH Ich liege im Bett und wache von zunehmenden Ger\u00e4uschen auf. 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