{"id":134379,"date":"2018-06-04T23:05:00","date_gmt":"2018-06-04T23:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/atanga.de\/?p=134379"},"modified":"2018-06-12T15:01:27","modified_gmt":"2018-06-12T15:01:27","slug":"tag-2-nach-ecuador-wenn-der-himmel-brennt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atanga.de\/?p=134379","title":{"rendered":"Tag 2 nach Ecuador &#8211; Wenn der Himmel brennt"},"content":{"rendered":"<p>So., 03.Juni 18, Pazifik, Tag 1463, 12.736 sm von HH, etmal 78<br \/>\nSir Francis Drake, der anhand der Logb\u00fccher von Fernando Magellan als zweiter Entdecker den Erdball umsegelte, sah die Sache mit dem Pazifik anders. Er fand, dass der Name &#8218;Mare Furiosum&#8216; -der Aufgebrachte- die passendere Bezeichnung sei. Seit letzter Nacht wissen wir, wie er das meinte. Es beginnt alles ganz friedlich. Den ganzen Tag ziehen wir mit guten 3,5 Knoten unsere Bahn in genau die gew\u00fcnschte Richtung. Der Wind kommt \u00fcber St\u00e4rke drei nicht hinaus, so dass wir mit dem Ergebnis mehr als zufrieden sind. Zur Dunkelheit bricht dann die totale Flaute \u00fcber uns ein. Erst lassen wir uns noch ganz tapfer von der Str\u00f6mung treiben. Wir schaffen drei Meilen in zwei Stunden. Wir werfen entnervt doch die Maschine an. Zum Beginn meiner Nachtwache, um 22:00 Uhr, ist ein zaghafter Wind zur\u00fcck. Wir entscheiden uns gegen den Blister (wir haben noch immer Schiss bei Nacht mit diesem Teil zu segeln) und setzen Gro\u00df und Genua. Das Tuch der Genua ist deutlich schwerer, trotzdem steht das gro\u00dfe Segel.<br \/>\nMit mickrigen vier Knoten Wind schaffen wir einen Knoten Geschwindigkeit. Das geht eigentlich gar nicht. Normalerweise klappen die Segel bei so wenig Wind in jedem Wellental zusammen und man wird wahnsinnig vom Schlagen der Segel. Heute Nacht funktioniert es: eine alte Windsee existiert nicht, eine alte D\u00fcnung ebenfalls nicht. Was dann folgt, ist wohl die bezauberndste Stunde auf See, die ich je hatte. Ger\u00e4uschlos ziehen wir durchs Wasser. Nur am Heck ist ein leises Gluckern zu h\u00f6ren. Keine Fahrger\u00e4usche, kein Wind im Ohr, kein Wellengepl\u00e4tscher. Unter Deck ist es totenstill. Nichts klappert oder rappelt. Kein Geplapper, Achim schl\u00e4ft. Der Mond ist noch nicht aufgegangen, ein paar Sterne sorgen f\u00fcr diffuse Beleuchtung. \u00dcber dem Festland flackert Wetterleuchten und macht die Szenerie noch gespenstischer. Wir gleiten durch die Nacht. Wir schweben f\u00f6rmlich. Wie ein Geisterschiff. Wir fliegen. Wie der Fliegende Holl\u00e4nder. Wir sind der Fliegende Holl\u00e4nder. G\u00e4nsehaut! Der Plotter teilt meine Begeisterung nicht. Frech grinst er mich an: bei der gegenw\u00e4rtigen Geschwindigkeit br\u00e4uchten wir noch 15 Tage bis Ecuador. Nach einer Stunde ist der Zauber vorbei, der Wind nimmt zu, die Ger\u00e4usche ebenfalls. Das Wetterleuchten wird heftiger. Hinten rechts, \u00fcber Panama, steht die gr\u00f6\u00dfte Zelle. Dort brennt der Himmel. Wie ein Magengeschw\u00fcr werden die Wolken von innen beleuchtet. Dann erscheinen kleinere Zellen hinten links und vorne links. Wir sind umzingelt von brennenden Wolken. Sch\u00f6n. Wundersch\u00f6n. Aber be\u00e4ngstigend. In der Ferne grummelt der Donner, der zu den zuckenden Wolken geh\u00f6rt. Trotz Gewitterzellen an allen Fronten bleibt der Wind nur schwach, knapp 10 Knoten. Um 2:00 Uhr \u00fcbernimmt Achim die Wache. Der Himmel brennt noch immer lichterloh und das soll bis zur D\u00e4mmerung so bleiben. Ich gehe ins Bett und werde um 5:30 Uhr fast aus der Koje gerollt. Atanga legt sich heftig auf die Seite. Squall Alarm. Eine der Gewitterzellen hat dann wohl doch etwas Wind im Gep\u00e4ck. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_mrgreen.gif\" alt=\":mrgreen:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/> Wie gut, dass wir den Blister nicht oben haben. Mit voller Genua und Gro\u00df ist es schon \u00e4tzend genug die 25 Knoten Wind abzuwettern. Nat\u00fcrlich gie\u00dft es wie aus Eimern. Eine kalte Dusche noch vor dem Aufstehen. Wie \u00e4tzend. Drei\u00dfig Minuten sp\u00e4ter ist die Angelegenheit wieder vorbei. Der Wind stirbt wie abgeschaltet, was bleibt ist der Regen und die Blitze. Noch 18 Tage bis Ecuador wei\u00df der Plotter. Wir starten den Motor.<br \/>\nTagesmeilen 78 &#8211; davon 28 unter Motor Noch 394 to go&#8230;<\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"gef\u00e4llt mir\" data-post-id=\"134379\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">3    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"doof\" data-post-id=\"134379\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So., 03.Juni 18, Pazifik, Tag 1463, 12.736 sm von HH, etmal 78 Sir Francis Drake, der anhand der Logb\u00fccher von Fernando Magellan als zweiter Entdecker den Erdball umsegelte, sah die Sache mit dem Pazifik anders. 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