{"id":134859,"date":"2018-09-06T22:27:15","date_gmt":"2018-09-06T22:27:15","guid":{"rendered":"https:\/\/atanga.de\/?p=134859"},"modified":"2018-09-06T22:27:15","modified_gmt":"2018-09-06T22:27:15","slug":"die-bombenbastlerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atanga.de\/?p=134859","title":{"rendered":"Die Bombenbastlerin"},"content":{"rendered":"<p><em>Di.,4.Sep.18, Ecuador\/Bah\u00eda de Car\u00e1quez, Tag 1557, 13.337 sm von HH<\/em><em><\/p>\n<p><\/em>&#8222;Wir haben einen positiven Alarm&#8220;, sagt der junge Mann an der Sicherheitskontrolle zu mir, &#8222;warten Sie bitte hier, die Polizei wird gleich kommen&#8220;. Was positiver Alarm bedeutet, will er mir nicht n\u00e4her erl\u00e4utern. Ich warte. Dass mein Handgep\u00e4ck unangenehm auffallen w\u00fcrde, damit habe ich gerechnet. Zw\u00f6lf Kilo Metall im Rucksack (erlaubt) und weitere sechs Kilo in der Handtasche. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_lol.gif\" alt=\":lol:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/><br \/>\nGep\u00e4ck-Optimierung nenne ich das. &#8222;Verr\u00fcckt bist Du&#8220;, hat Achim mir gemailt, &#8222;mach das lieber nicht.&#8220; Aber ich wei\u00df\u00a0es besser und m\u00f6chte so viel wie m\u00f6glich mit nach Ecuador mitnehmen.<\/p>\n<p>Da soll der Alarm schon mal los gehen: Der Abzieher f\u00fcr die Welle, f\u00fcnf Anoden (drei f\u00fcr den Propeller, zwei f\u00fcr das Bugstrahlruder), ein Bronzerohr (Wellenlager), Ankerkralle und ein extrem verd\u00e4chtiges Rohr, was sich Wellendichtung nennt. Daneben fallen die Akkus f\u00fcr unsere Handys und einen Laptop gar nicht mehr auf. Auch die bombenf\u00f6rmige Batterie f\u00fcr unsere Epirb (Rettungsboje falls wir sinken) bleibt unentdeckt.<\/p>\n<div id=\"attachment_134860\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a class=\"boxersandswipers\" title=\"Vor allem das Rohr erregt Aufmerksamkeit\" href=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Vor-allem-das-Rohr-erregt-Aufmerksamkeit.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-134860\" class=\"wp-image-134860 size-full\" src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Vor-allem-das-Rohr-erregt-Aufmerksamkeit.jpg\" alt=\"Vor allem das Rohr erregt Aufmerksamkeit\" width=\"800\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Vor-allem-das-Rohr-erregt-Aufmerksamkeit.jpg 800w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Vor-allem-das-Rohr-erregt-Aufmerksamkeit-300x225.jpg 300w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Vor-allem-das-Rohr-erregt-Aufmerksamkeit-768x576.jpg 768w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Vor-allem-das-Rohr-erregt-Aufmerksamkeit-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-134860\" class=\"wp-caption-text\">Vor allem das Rohr erregt Aufmerksamkeit<\/p><\/div>\n<p>Die Frau Polizistin, die nach kurzer Warterei erscheint, nimmt mir als erstes meine Bordkarte ab. Nicht, dass ich noch abhaue.<br \/>\nSie w\u00fcnscht sich, dass ich Handtasche und Rucksack leere. Alles geht erneut durch die Durchleuchtung. Ein Sprengstoff-Abstrich wird vorgenommen. Ich kann eine Diskussion zwischen Security-Mann und Polizei \u00fcber meine harmlosen Artikel beobachten. Und gebanntes Starren auf den Monitor. Frau Polizistin wirkt entt\u00e4uscht, gerne w\u00fcrde sie schon morgens um 4:00 Uhr eine Verhaftung vornehmen. Hat sie doch schon eine Bombenbastlerin in mir gesehen.<br \/>\nAber ich bzw. meine Gegenst\u00e4nde sind ungef\u00e4hrlich. Ich bekomme meine Bordkarte zur\u00fcck, darf alles wieder einpacken und gehen. Puh, H\u00fcrde Nummer eins erfolgreich abgearbeitet.<\/p>\n<p>Meine beiden Koffer mit erlaubten 22 und 23 Kilo Inhalt sind bereits auf dem Weg zum Flugzeug.<br \/>\nIch schleppe mich zum Gate. Den Rucksack bekomme ich nur auf den R\u00fccken geschwungen, wenn er erh\u00f6ht steht. Blo\u00df nicht das Teil auf der Erde abstellen. Er rei\u00dft an den Schultern beim Schlange stehen zum Boarding. Die 18 Kilo habe ich massiv untersch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Zwischenlandung in Amsterdam. Schiphol ist riesig: von hier ab noch 18 Minuten bis zu meinem Gate. Ich werde verr\u00fcckt mit dem Gewicht. Ich schwitze. Ein kleiner Karren ist meine Rettung. Leider muss ich den an der Passkontrolle stehen lassen. Dahinter lauert erneut eine Sicherheitskontrolle. Ich schwitze mehr. Aber die holl\u00e4ndischen Kollegen sind tiefenentspannt. Ich muss zwar wieder den Rucksack \u00f6ffnen, aber es folgt keine Staatsaff\u00e4re. Unbehelligt komme ich weiter. H\u00fcrde Nummero zwei.<\/p>\n<p>Von hier ab noch zehn Minuten zum Gate. Der Schwei\u00df l\u00e4uft. Meine Schultern brennen. Wieder in der Schlange stehen zum Boarding. V\u00f6llig ausgepumpt sinke ich in meinen Platz. Mitte, Mitte. Ein schlechterer Sitzplatz war nicht zu kriegen. Obwohl ich wahrscheinlich der erste Fluggast war, der morgens eingecheckt hat. Schuld war der beknackte Onkel in Hamburg, der mich gezwungen hat, den Automaten zum &#8217;self-check-in&#8216; zu benutzen. &#8222;Der funktioniert leider nicht&#8220;, mecker ich ihn an. &#8222;Kommen Sie, ich zeige Ihnen wie das geht&#8220;. Trottelgesicht.<br \/>\nBei ihm geht es auch nicht. Auch nicht nach mehrmaligen Versuchen. Mein Pass wird nicht erkannt. Ich triumphiere.<br \/>\n&#8222;Haben Sie eine Flugbescheinigung&#8220;?<br \/>\n&#8222;Ach, Sie meinen das St\u00fcck Papier, was man eigentlich gar nicht mehr braucht beim Einchecken? Ja, das habe ich.&#8220; Mit dem Buchungs-Code klappt es dann. Zumindest halbwegs. Er k\u00f6nne mich nur bis Quito durchchecken und mein Gep\u00e4ck auch. Um meinen Anschlussflug m\u00fcsse ich mich dann selber k\u00fcmmern. Watt f\u00fcr ein Trottel. Er dr\u00fcckt mir meine Bordkarten in die Hand. Mit dem schlechten Sitzplatz. So ein Mist.<\/p>\n<p>Rechts von mir sitzt ein freundlicher Asiate. Links bleibt alles frei. Ich frohlocke. Zu fr\u00fch. Eine f\u00fcnfk\u00f6pfige Familie rollt auf meine Sitzreihe zu. Der j\u00fcngste Sohn ist zwei und hat einen trotzigen Zug um den Mund. Ich bef\u00fcrchte das schlimmste: ein Arschloch-Kind. Wir haben kurz Blickkontakt. Ich signalisiere dem Kleinen, wer heult, fliegt raus. Mit Erfolg. Die ganzen langen elf Stunden ist er super lieb und ruhig. Papa stellt sich schnell als das gr\u00f6\u00dfere Problem heraus. Ihm l\u00e4uft der Schwei\u00df von der Stirn. Drei Kinder nebst halben Hausstand \u00fcber den Flughafen zu bugsieren, haben ihm alles abverlangt. Dampfend nimmt er zwischen seinem Sohn und mir Platz. Sein Geruch wabbert zu mir r\u00fcber. Elf Stunden lang. Und er puhlt sich die gesamte Zeit in den Z\u00e4hnen. Manchmal w\u00fcnscht man sich ein quengelndes Kleinkind neben sich.<\/p>\n<p>In Quito wartet der Zoll. Ich rolle todesmutig mit meinen zwei Koffern, dem brisanten Rucksack und meiner Handtasche an. Wieder ist es das Handgep\u00e4ck, was Aufsehen erregt. Erneut muss ich den Rucksack auspacken. Wof\u00fcr die Teile sind und was sie kosten, will der freundliche Z\u00f6llner wissen. Ich l\u00fcge ihm irgendwelche Mondpreise vor. 15 USD f\u00fcr die Anoden. 70 USD f\u00fcr die 300 Euro Wellendichtung. Er hat keinen Plan und offensichtlich Mitleid mit meinen stotterigen spanischen Erkl\u00e4rungen wof\u00fcr man das mysteri\u00f6se Rohr verwendet. Ich kann gehen.<br \/>\nAllerdings wirft seine Kollegin einen Blick auf meinen letzten Proviant-Apfel. Wenn ich den nicht an Ort und Stelle esse, darf er nicht mit. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_rolleyes.gif\" alt=\":roll:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/> Ich gebe ihr den Apfel. Und ziehe mit mehreren Mettw\u00fcrsten, Speck und Schinken im Koffer von dannen. Die gef\u00e4hrlichste H\u00fcrde ist geschafft.<\/p>\n<p>Dann ein letztes Mal Sicherheitskontrolle. Nat\u00fcrlich muss ich Handtasche und Rucksack auspacken. Fassungsloses Staunen und Kopfsch\u00fctteln. &#8222;Nein, so geht das nicht&#8220;, verstehe ich, &#8222;der Rucksack muss aufgegeben werden&#8220;. Ich stelle mich doof und verstehe angeblich kein Wort. Das n\u00fctzt mir nichts, der nette Security-Mann holt einen Kollegen mit Englisch-Kenntnissen.<br \/>\nDie Anoden d\u00fcrfen nicht mit in die Kabine. Damit k\u00f6nnte ich jemanden erschlagen, demonstriert er indem er dem Kollegen andeutungsweise eine \u00fcberzieht. Es hilft kein Betteln.<br \/>\nIch darf in Ruhe alles Zerbrechliche aus dem Rucksack entnehmen und die Jungs sind so nett und begleiten mich durch die Katakomben zum Check-In-Schalter meiner Airline. Das M\u00e4del hat mit einem dritten Gep\u00e4ckst\u00fcck ebenfalls kein Problem. Mein Rucksack verschwindet auf dem Laufband.<\/p>\n<p>Total fix und alle sitze ich an meinem Gate und frage mich, ob ich es vielleicht doch \u00fcbertrieben habe mit der Gep\u00e4ck-Optimierung. &#8222;S\u00e4binn W\u00e4lner, please&#8220;, h\u00f6re ich da aus dem Lautsprecher. Huch, meinen die mich? Klingt ja wie mein Name. &#8222;S\u00e4binn W\u00e4lner, please, come to the Security Desk.&#8220;<br \/>\nDort wartet man schon auf mich. Die Security spricht englisch: &#8222;Wir haben ein Problem mit einem ihrer Gep\u00e4ckst\u00fccke. Sie m\u00fcssen mit mir kommen und wir \u00f6ffnen gemeinsam ihr Gep\u00e4ck.&#8220; Ich kann es nicht glauben. Durch Hintert\u00fcren und G\u00e4nge geht es aufs Rollfeld zu den Gep\u00e4ckwagen.<\/p>\n<p>Schon von weitem kann ich ihn sehen. Anklagend steht mein ehemaliger Handgep\u00e4ck-Rucksack auf einem Tisch. Nat\u00fcrlich steht er da. Die Kofferkontrolle kann ja nicht wissen, dass er schon beim Handgep\u00e4ck durchleuchtet wurde. Zum x-ten Mal zeige ich das Rohr, die Anoden und sonstigen Metallkram vor. Alles okay, der Rucksack darf mit und ich werde zum Gate zur\u00fcck gef\u00fchrt.<br \/>\nDie letzte H\u00fcrde ist geschafft.<\/p>\n<p>In Manta holt mich Achim ab und drei Stunden sp\u00e4ter sind wir zu Hause. &#8222;Ich bin schon ganz gespannt, was Du alles in den Koffern hast&#8220;, freut er sich. &#8222;Ist schon der Hammer, wie du 63 Kilo hierher bringen konntest. Das war sicherlich nicht so einfach. Erz\u00e4hl mal, wie ist es gelaufen.&#8220; <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_mrgreen.gif\" alt=\":mrgreen:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/><\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"gef\u00e4llt mir\" data-post-id=\"134859\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">4    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"doof\" data-post-id=\"134859\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Di.,4.Sep.18, Ecuador\/Bah\u00eda de Car\u00e1quez, Tag 1557, 13.337 sm von HH &#8222;Wir haben einen positiven Alarm&#8220;, sagt der junge Mann an der Sicherheitskontrolle zu mir, &#8222;warten Sie bitte hier, die Polizei wird gleich kommen&#8220;. 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