{"id":135232,"date":"2019-01-08T22:07:26","date_gmt":"2019-01-08T22:07:26","guid":{"rendered":"https:\/\/atanga.de\/?p=135232"},"modified":"2019-01-23T11:26:23","modified_gmt":"2019-01-23T11:26:23","slug":"vergaser-versager","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atanga.de\/?p=135232","title":{"rendered":"Vergaser Versager"},"content":{"rendered":"\n<p>Mi. bis Sa., 02.bis 05.Jan.19, S\u00fcd-Pazifik, Tag 1676-9, 15.744 sm von HH <br><br>Tag1: &#8222;Paddel als ob es um dein Leben geht&#8220;, schreit Achim mir zu. Ich gebe alles. Aber wir kommen Atanga nicht einen Meter n\u00e4her. Wir sitzen zusammen in unserem Dinghy und benutzen die Riemen als Stechpaddel. Zwanzig Knoten Wind fegen \u00fcber uns hinweg. Das Mutterschiff ist unerreichbar. Es sind nur l\u00e4cherliche f\u00fcnfundzwanzig Meter, aber wir stehen auf der Stelle. &#8222;Ich schwimme hin, kletter an Bord und werf dir eine Leine zu&#8220;, schlage ich zwischen zwei St\u00f6\u00dfen vor. &#8222;Keine gute Idee, die Badeleiter ist oben, du kommst nicht an Bord.&#8220; Hinter uns kommt nur Wasser. N\u00e4chster Stopp Pitcairn, tausend Meilen entfernt. Es w\u00fcrde uns schon jemand finden, \u00fcberlege ich so, w\u00e4hrend mir die Kraft ausgeht. Wir haben die Hand-Funke dabei und drau\u00dfen fahren immer ein paar Fischer entlang. Da naht Hilfe herbei. Scottsman von der &#8218;Cool Change&#8216; ***hat uns gesehen. Es geht doch nichts \u00fcber die Segler-Gemeinschaft. Einer passt immer auf.  <br><br>Drei Minuten sp\u00e4ter sind wir sicher an Bord. Ich habe die Nase gestrichen voll. Der Tag fing schon bescheiden an. Am zweiten Morgen nach unserer Ankunft wollen wir etwas anderes als Wasser sehen. Ein ausgedehnter Landgang ist nicht geplant, wir wollen dem Anker noch etwas mehr Zeit geben, sich festzusetzen. Aber ein Blick in den &#8218;Hafen&#8216;, den wollen wir uns g\u00f6nnen. <br>Das Dinghy d\u00fcmpelt im Wasser, der Motor ist montiert, ein Probelauf ist gemacht. Ich sitze erwartungsvoll vorne im Bug vom Dinghy. Der Motor stirbt, noch bevor ich die Leine losget\u00fcttelt habe. &#8222;Klingt abgesoffen&#8220;, findet Achim. Alle Versuche den Motor erneut zu starten, schlagen fehl. <br><br>Er baut den Vergaser aus, reinigt, pustet und guckt wissenschaftlich. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter h\u00f6re ich den Motor brummen. &#8222;Kommst du?&#8220; Schnell springe ich ins Dinghy. &#8222;Ich bleibe erst mal in der N\u00e4he von Atanga.&#8220; &#8222;Gute Idee, Skipper.&#8220; Der Motor stirbt. &#8222;Klingt abgesoffen!&#8220; Jedes Mal, wenn Achim etwas Gas zur\u00fcck nimmt, f\u00fcllt sich der Vergaser mit Sprit und s\u00e4uft ab. Wir treiben direkt auf Atanga zu. Achim gibt mit den Riemen nur ein wenig St\u00fctzruder.  <br><br>Das Cockpit wird erneut zur Werkstatt. Der Vergaser bekommt aus dem Reparatur-Kid eine neue Nadel und einen neuen Schwimmer. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Skipper-gibt-alles.jpg\" alt=\"Skipper gibt alles\" class=\"wp-image-135233\" srcset=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Skipper-gibt-alles.jpg 800w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Skipper-gibt-alles-300x225.jpg 300w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Skipper-gibt-alles-768x576.jpg 768w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Skipper-gibt-alles-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Skipper gibt alles<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Motor schnurrt wie ein K\u00e4tzchen. &#8222;Komm, wir versuchen es noch einmal&#8220;, fordert Achim mich auf. Nach ein paar gut funktionierenden Sicherheits-Schleifen um Atanga verrecken wir auf halber Strecke zum Hafen. &#8222;Klingt abgesoffen.&#8220; Na, den Spruch kenne ich nun bereits. Achim beginnt zu rudern, aber das kann man bei unserem Schlauchboot und Wind komplett vergessen. Damit schaffen wir kaum einen Meter vorw\u00e4rts. Die Stechpaddel-Methode kommt zum ersten Mal zum Einsatz. Mit Ach und Krach schaffen wir es, nicht vertrieben zu werden und erreichen Atanga. <br><br>Erneut liegt der Vergaser auf den OP-Tisch. Sogar ich werde zu Rate gezogen, ob ich an dem Ventil, dass von der neuen Nadel geschlossen wird, etwas erkennen kann. N\u00f6, sieht gut aus. Beide schauen wir wissenschaftlich in das Ger\u00e4t. Achim pustet, fummelt, probiert und baut den Vergaser erneut ein. &#8222;Jetzt aber&#8220;, freut sich der Skipper. Im Standgas l\u00e4uft der Au\u00dfenborder eine Viertelstunde neben dem Schiff. Achim dreht etliche Ehrenrunden, dann versuchen wir es noch einmal gemeinsam. Und, oh Wunder, wir kommen bis zu Hafen. Ein kurzer Blick und Orientierung, wie das hier wohl laufen mag und ein Schw\u00e4tzchen mit unseren schwedischen Nachbarn. Der Au\u00dfenborder springt danach problemlos an und wir d\u00fcsen zum Schiff zur\u00fcck. Hundert Meter davor s\u00e4uft der Motor ab. Wir stechpaddeln bis Scottsman zur Hilfe eilt. <br><br>Tag2: &#8222;Mir reicht es&#8220;, l\u00e4sst Achim mich wissen, &#8222;ich tausche jetzt noch alle Membranen und Dichtungen, die sich im Reparatur-Set befinden.&#8220; Gesagt, getan und von Erfolg gekr\u00f6nt. Achim d\u00fcst durchs Ankerfeld, mit viel Gas, mit wenig Gas, alles super. Kurz bevor er stolz die &#8218;Cool Change&#8216; erreicht, ist der Ofen wieder aus. Allgemeine m\u00e4nnliche Ratlosigkeit. Achims Diagnose lautet: die &#8218;Schwimmernadel&#8216; schlie\u00dft nicht hundertprozentig das Ventil. Allerdings nur unter bestimmten Umst\u00e4nden, die noch im Dunkeln liegen. <br><br>Scottsman bringt Achim zu Martha. Martha ist eine junge Einheimische, die auf ihrem Segelboot wohnt und mit Touristen Sundowner-Segel-Touren unternimmt. Sie kennt zwei Mechaniker, die sie sofort anruft. Der eine l\u00e4sst uns wissen, er habe keine Zeit, der andere ist gar nicht auf der Insel und wird erst am 11. Januar zur\u00fcck erwartet. Wir sind ratlos. Mit unserem Dinghy k\u00f6nnen wir nicht an Land. <br>Scottsman f\u00e4hrt uns nachmittags mit seinem Dinghy. Wir sollen uns noch einmal bei der Armada (Marine) melden, wurde uns beim Einklarieren erkl\u00e4rt. Und einkaufen w\u00fcrden wir auch ganz gerne etwas. Bei der Armada l\u00e4uft es super. Wir erkl\u00e4ren, warum wir nicht bereits gestern vorbei gekommen sind. Da macht Se\u00f1or Gomez ein wichtiges Gesicht. Drei Telefonate sp\u00e4ter strahlt er und erkl\u00e4rt er uns, dass Morgen Nachmittag im Hafen ein Mechaniker auf uns warten w\u00fcrde. Und, dass wir nun zwei Monate (statt nur 30 Tage) auf der Osterinsel bleiben d\u00fcrfen. Na, das l\u00e4uft ja! Ein erster Versuch, per Internet Kontakt mit dem Rest der Welt aufzunehmen, ist von kurzem Vergn\u00fcgen. Es gibt ein \u00f6ffentliches Netz, aber das so langsam, das kann man vergessen. <br><br>Tag3: Kein Mechaniker um 14:00 Uhr im Hafen. Ich warte am Dinghy, was Scottsman f\u00fcr uns in den Hafen geschleppt hat, um den Kerl nicht doch noch zu verpassen. Achim stiefelt zur Armada. Drei\u00dfig Minuten kommt Achim mit dem jungen Fabien zur\u00fcck. Es stellt sich heraus, dass Fabien der Mechaniker der Armada ist und extra f\u00fcr unsere Reparatur &#8218;freigestellt&#8216; wurde. Er startet den Motor, fummelt an der Standgas-Schraube. Dann guckt er in den Vergaser, pustet, pr\u00fcft, pustet wieder, spielt mit der Nadel und ist nach zwei Stunden der gleichen Meinung wie Achim: Die Nadel dichtet das Ventil nicht richtig ab.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Fabien-gibt-alles.jpg\" alt=\"Fabien gibt alles\" class=\"wp-image-135234\" srcset=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Fabien-gibt-alles.jpg 800w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Fabien-gibt-alles-300x225.jpg 300w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Fabien-gibt-alles-768x576.jpg 768w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Fabien-gibt-alles-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Fabien gibt alles<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Beherzt verbiegt er die Lasche am Schwimmer, um mehr\/fr\u00fcher Druck auf die Nadel zu bringen. Eine gemeinsame Probefahrt l\u00e4uft gro\u00dfartig. Fabien m\u00f6chte f\u00fcr seine Arbeit 12,50 EUR. Alle sind happy: &#8222;Muchas gracias, amigo.&#8220; Achim und ich kaufen noch etwas ein, finden ein Internet-Cafe mit sowas \u00e4hnlichem wie Internet. Vergaser gut, Ende gut. <br><br>Wir fahren mit schurrenden Motor durchs Ankerfeld und legen einen Stopp bei der &#8218;Cool Change&#8216; ein, um die frohe Kunde zu verbreiten. Nach einem kurzen Plausch, springt der Motor nur z\u00f6gerlich an. Grrrrr. Und bei wenig Gas gibt es jetzt ein ungesundes Ger\u00e4usch. Das ist neu. <br><br>Tag4: Achim dreht die Standgas-Schraube in die Ursprungs-Lage zur\u00fcck. Jetzt springt das Baby wieder vern\u00fcnftig an. Dieses Problem ist vom Tisch. Er schaut erneut wichtig in den Vergaser. Bei Probefahrten wird klar, der Vergaser s\u00e4uft nicht mehr ab und funktioniert bei Vollgas hervorragend. Die Reparatur war erfolgreich. Bei Standgas und langsamen Tempo stirbt der Vagaser nun an Spritmangel. So als ob jetzt zu viel Druck auf das Ventil ausge\u00fcbt w\u00fcrde. Es ist zum Heulen. Wir brauchen einen verl\u00e4sslichen Au\u00dfenborder. Ausgerechnet am Arm der Heide stehen wir vor diesem Problem. <br>Plan A: wir wollen versuchen, einen neuen Vergaser zu bestellen. Fast t\u00e4glich kommt ein Flieger auf die Osterinsel aus Santiago de Chile. Wir haben wenig Hoffnung. Hier fahren alle Yamaha, wir haben einen Tohatsu. <br>Plan B: Achim pumpt mit der kleinen Handpumpe vom Benzinschlauch manuell Sprit in den Vergaser, wenn der droht zu ersticken. Bei ersten Probefahren klappt die Methode gut. &#8218;Cool Change&#8216; ist ein halbes Jahr so durch die Gegend gefahren. <br>Plan C: gibt es nicht. <br><br>*** Kleine Nebengeschichte: Die &#8218;Cool Change&#8216; haben wir vor 2,5 Jahren auf Grenada kennen gelernt. Dort haben die beiden Filmemacher-Jungs unsere nagelneue Leine an der wir in der Marina an der Mooring hingen, kaputt gefahren. Dann haben wir uns aus den Augenverloren und vor zwei Monaten in Ecuador wieder getroffen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" width=\"1038\" height=\"779\" src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/S\u00fc\u00dfes-Land-nicht-erreichbar-1038x779.jpg\" alt=\"S\u00fc\u00dfes Land nicht erreichbar\" class=\"wp-image-135236\" srcset=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/S\u00fc\u00dfes-Land-nicht-erreichbar-1038x779.jpg 1038w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/S\u00fc\u00dfes-Land-nicht-erreichbar-300x225.jpg 300w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/S\u00fc\u00dfes-Land-nicht-erreichbar-768x576.jpg 768w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/S\u00fc\u00dfes-Land-nicht-erreichbar-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1038px) 100vw, 1038px\" \/><figcaption>S\u00fc\u00dfes Land nicht erreichbar<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"gef\u00e4llt mir\" data-post-id=\"135232\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">1    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"doof\" data-post-id=\"135232\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mi. bis Sa., 02.bis 05.Jan.19, S\u00fcd-Pazifik, Tag 1676-9, 15.744 sm von HH Tag1: &#8222;Paddel als ob es um dein Leben geht&#8220;, schreit Achim mir zu. 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