{"id":135571,"date":"2019-03-12T01:08:00","date_gmt":"2019-03-12T01:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/atanga.de\/?p=135571"},"modified":"2019-03-21T18:20:18","modified_gmt":"2019-03-21T18:20:18","slug":"tag-13-pitcairn-hello-and-goodbye","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atanga.de\/?p=135571","title":{"rendered":"Tag 13 ==&gt; Pitcairn &#8211; Hello and goodbye!"},"content":{"rendered":"<p>So.\/Mo., 10.\/11.Mrz.19, Pazifik, Tag 1743\/4, 17.021 sm von HH<br \/>\nWas haben wir nicht alles versucht, die letzten zw\u00f6lf Tage, um schneller voran zu kommen? Genua ausgebaumt, Gro\u00dfsegel dazu, Gro\u00dfsegel runter, Blister raus. Und jetzt, am letzten Tag, sind wir zu schnell. Wie paradox kann segeln denn noch sein? Windst\u00e4rke 5 bis 6, in B\u00f6en bis 28 Knoten, peitscht uns durch die Nacht. Mit zweifach gerefftem Gro\u00df erreichen wir 7,5 bis 8 Knoten Spitzen-Geschwindigkeiten. Verflixt und zugen\u00e4ht! Wir sind viel zu schnell. Wer je versucht hat ein Segelschiff langsamer zu machen, wei\u00df, wie hoffnungslos dieses Unterfangen ist. Um nicht im Dunkeln gegen die Insel zu fahren, fangen wir an Kreuzschl\u00e4ge zu segeln, um die Strecke zu verl\u00e4ngern. Mit dem Morgengrauen erwartet uns eine hohe See und ein bleischwerer, regenverhangener Himmel. Der Wind hat etwas nachgelassen. Trotzdem, die Bedingungen f\u00fcr die Bounty Bay sind so viel zu rau. Wir m\u00fcssen Zeit gewinnen -bis Morgen- dann besteht f\u00fcr uns vielleicht noch eine Chance an Land zu kommen. F\u00fcr Morgen Tag ist &#8222;Flaute&#8220; angesagt. K\u00f6nnte das unsere Gelegenheit sein?<br \/>\nWir vertr\u00f6deln den Vormittag mit weiteren Kreuzschl\u00e4gen Richtung Pitcairn. Dann starren wir fassungslos auf das AIS. Wir reiben unsere Augen. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Zwei Kreuzfahrtschiffe n\u00e4hern sich Pitcairn. Eines kommt aus Norden, der andere aus S\u00fcdamerika. Das Kleinere (150 Meter) wirft seinen Anker in der Bounty Bay, das Gro\u00dfe (300 Meter) treibt. Wir gucken s\u00e4uerlich. Besser kann der eigenen, beschwerlichen Anreise  jede Exklusivit\u00e4t nicht genommen werden. Das sticht. Touristen hassen nichts mehr als andere Touristen. Wir sind aber die Guten, tr\u00f6sten wir uns. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_mrgreen.gif\" alt=\":mrgreen:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/>  Zehntausend Euro auf den Tisch legen, ist keine Leistung, \u00e4tzen wir. Der dicke Kreuzer dreht eine d\u00fcmmliche Runde um die Insel. Bei drei Meilen Abstand und Regenwetter steht sowieso keiner auf dem Balkon und guckt. Noch mehr sinnlose Tonnen Treibstoff verbrannt. Uns bleibt ein  kleiner geh\u00e4ssiger Trost, dass die G\u00e4ste nicht an Land k\u00f6nnen. hehe. Pitcairn hat gar nicht die Kapazit\u00e4ten und Anlagen, um tausend Menschen und mehr an Land zu bringen. Auch auf der Osterinsel wurde h\u00e4ufig nur geankert, zum Ausbooten waren oft die Bedingungen zu ruppig. In dieser Region sind Kreuzer wirklich deplatziert. Jeder soll reisen, wie er mag, aber k\u00e4me heute jemand mit einer Unterschriften-Sammlung vorbei &#8217;stop-the-Cruisers now&#8216;, wir w\u00e4ren dabei.<br \/>\nZur\u00fcck zu uns. Am fr\u00fchen Nachmittag sind wir bis auf eine halbe Meile an Pitcairn heran gesegelt. Die Bounty Bay k\u00f6nnen wir vergessen. Auflandiger Wind von 20 Knoten und beachtlicher Schwell stehen in die &#8218;Bucht&#8216;. Wir versuchen unser Gl\u00fcck eine Meile weiter im Norden. Echten Schutz bietet die &#8218;Tedside&#8216; nicht. Der einzige Vorteil, hier bl\u00e4st der Wind ablandig. Sollte der Anker nicht halten, zerschellen wir wenigstens nicht an der Insel. Der Anker f\u00e4llt auf zwanzig Meter. Wir k\u00f6nnen Sandfl\u00e4chen erkennen, aber auch dunklen Grund, der auf Felsen oder Korallen hindeutet. Beim zweiten Versuch sitzen wir fest. Den Anker abzuschnorcheln, macht keinen Sinn. Bei dem bedeckten Himmel w\u00e4re er in der Tiefe nicht zu erkennen. Wir m\u00fcssen darauf hoffen, dass wir Sand getroffen haben.<br \/>\nMisstrauisch be\u00e4ugen wir den Platz. Rechts von uns, 500 Meter entfernt, rollen monstr\u00f6se Brecher an die Felsen. Die D\u00fcnung, die sich an der S\u00fcdspitze von Pitcairn teilt, vereinigt sich hier im Norden wieder. Direkt unter Atanga. Von rechts kommt ein zwei Meter Schwell unter uns durch. Der von links ist um einen Meter niedriger. Wir schaukeln wie im W\u00fcrfelbecher. Unser schlimmster Ankerplatz aller Zeiten. Es ist ja nur f\u00fcr eine Nacht, beruhigen wir uns.<br \/>\nZum Abend l\u00e4sst der Wind, wie versprochen, nach. Die Schaukelei leider nicht. Wir sind gerade mit dem Abendessen durch, als es f\u00fcrchterlich rasselt an der Kette. Achim ist sofort am Bug. Der Tampen (16 mm), der unseren Kettenhaken h\u00e4lt, ist f\u00f6rmlich explodiert. Einen echten Grund daf\u00fcr erkennen wir zun\u00e4chst nicht. Die Kette h\u00e4ngt senkrecht runter, kein Zug drauf. Die nun nicht mehr entlastete Ankerkette rappelt in der D\u00fcnung in ihrer R\u00f6hre. Wir schauen uns in die Augen: &#8222;Anker auf!&#8220;, kommt aus einem Munde, &#8222;bevor wir noch unser komplettes Ankergeschirr verlieren&#8220;. Wir haben noch eine halbe Stunde Tageslicht, das reicht. Beim Kette hoch ziehen, wird die Ursache f\u00fcr den gerissenen Tampen klar. Die Ankerkette muss sich um Felsen gewickelt und dadurch erheblich verk\u00fcrzt haben. Wenn Atanga nun eineinhalb Meter mit dem Bug eintaucht, zerren unglaubliche Tonnen an der Kette. Diese Kr\u00e4fte k\u00f6nnen richtigen Schaden anrichten. Da ist es auf See sicherer.<br \/>\nUnd nun? Segel setzten und auf zum n\u00e4chsten Ziel? Morgen kommt doch die Flaute, das k\u00f6nnte unsere Chance sein. Nach kurzer Diskussion sind wir uns einig, wir werden die Nacht vor der Insel auf und ab zu segeln. So einfach geben wir nicht auf. Schlie\u00dflich gilt es ja noch Marlon Brando auf der Insel zu treffen.<br \/>\nWir fahren auf die Leeseite von Pitcairn und nehmen durch &#8218;Beidrehen&#8216; Fahrt aus dem Schiff. Durch ein backstehendes Vorsegel (es steht dann auf der falschen Seite vom Schiff) treiben wir mit 1 bis 3 Knoten auf und ab. Unsere Wachen halten wir wie \u00fcblich ein und wechseln alle paar Stunden die Richtung, um uns nicht zu weit von Pitcairn zu entfernen. Eine tolle Methode dieses Beidrehen, sollte man viel h\u00e4ufiger machen. Atanga wackelt nicht, die Segel schlagen nicht und die Freiwache schl\u00e4ft tief und fest.<br \/>\nWir halten durch bis zum Sonnenaufgang. dabei war uns beiden eigentlich schon mitten in der Nacht klar, dass das sinnlos ist. Der Wind geht zwar runter auf 12 bis 14 Knoten. Aber immer wieder schieben sich dunkle Wolken vor die Sterne, bringen 16,17,18 Knoten Wind mit. Mit Tageslicht haben wir Gewissheit. Die D\u00fcnung betr\u00e4gt mindestens zwei Meter. Pitcairn k\u00f6nnen wir vergessen. Wir wenden. Gut, dass unsere Freunde, die Kreuzfahrtg\u00e4ste, nicht wissen, dass wir ebenfalls nicht an Land konnten. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_wink.gif\" alt=\";-)\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/><br \/>\nUnser neuer Kurs liegt an: Noch dreihundert Meilen bis zu den Gambier Inseln. Ein Katzensprung. Tagesmeilen: 24 &#8218;auf der Stelle&#8216;, noch 287 to go, direkter Weg.<\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"gef\u00e4llt mir\" data-post-id=\"135571\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">3    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"doof\" data-post-id=\"135571\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So.\/Mo., 10.\/11.Mrz.19, Pazifik, Tag 1743\/4, 17.021 sm von HH Was haben wir nicht alles versucht, die letzten zw\u00f6lf Tage, um schneller voran zu kommen? Genua ausgebaumt, Gro\u00dfsegel dazu, Gro\u00dfsegel runter, Blister raus. Und jetzt, am letzten Tag, sind wir zu schnell. Wie paradox kann segeln denn noch sein? Windst\u00e4rke 5 bis 6, in B\u00f6en bis [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[35,5],"tags":[],"class_list":["post-135571","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-auf-see","category-via-email"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/atanga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/135571","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/atanga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/atanga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/atanga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/atanga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=135571"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/atanga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/135571\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":135602,"href":"https:\/\/atanga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/135571\/revisions\/135602"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/atanga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=135571"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/atanga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=135571"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/atanga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=135571"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}