{"id":136634,"date":"2020-03-19T01:53:12","date_gmt":"2020-03-19T01:53:12","guid":{"rendered":"https:\/\/atanga.de\/?p=136634"},"modified":"2020-03-19T01:53:12","modified_gmt":"2020-03-19T01:53:12","slug":"corona-in-french-polynesia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atanga.de\/?p=136634","title":{"rendered":"Corona in French Polynesia"},"content":{"rendered":"<p>Mi., 18.Mrz.20, Franz.Polyn.\/Gambier\/Insel Mangareva, Tag 2117, 20.254 sm von HH<\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen dachten wir noch: &#8222;Hier sind wir gut aufgehoben!&#8220;<br \/>\nSo wie Bundes-Spahn, Millionen anderer Menschen auf der ganzen Welt, so haben auch wir uns geirrt. Heute wurden zwei weitere Corona-F\u00e4lle auf Moorea gemeldet. Die Regierung von Franz\u00f6sisch Polynesien erl\u00e4sst seit Tagen neue Anweisungen im Stundentakt. Die Schulen sind ab heute geschlossen &#8211; zun\u00e4chst bis Ostern. Auch auf den kleinen, abgelegenen Inseln wie bei uns in Gambier. Heute werden die Kinder, die in Tahiti zur Schule gehen hier eingeflogen. Ob es das letzte Flugzeug hierher sein wird? Das ist noch offen. Es gibt Diskussionen dar\u00fcber den Flugverkehr zwischen den Inseln einzustellen. Mit den Flugzeugen kommen dringende Artikel aus Tahiti, wie Medikamente und Post. Lebensmittel, Diesel, Gas zum Kochen und Benzin liefern die Versorgungsschiffe. Hier sind keine Einschr\u00e4nkungen im Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Der Flugverkehr aus Franz\u00f6sisch Polynesien raus, nach Europa, ist bis auf weiteres eingestellt worden. Bis gestern kam man noch nach Frankreich &#8211; die T\u00fcr ist geschlossen. Kreuzfahrtschiffe d\u00fcrfen nicht mehr ins Land, nur noch Frachtschiffe. Unter den Langfahrtseglern herrscht gerade Haupteinreisezeit vom S\u00fcdamerikanischen Kontinent nach Franz\u00f6sisch Polynesien. Bedingt durch die lange Anreisezeit von drei, vier Wochen hat die Regierung beschlossen, dass ankommende Yachten keine zus\u00e4tzliche Quarant\u00e4ne ben\u00f6tigen. Durch die neuen Corona-F\u00e4lle auf Moorea ist dies wieder aufgehoben worden: Einreiseverbot f\u00fcr Ausl\u00e4nder, hei\u00dft es nun. Au\u00dferdem wurde beschlossen, dass der Verkehr zwischen den Inseln f\u00fcr Segelboote untersagt ist. Ob das bedeutet, dass wir auch in Gambier nicht mehr die Inseln wechseln d\u00fcrfen? Wir wissen es nicht. Das erste Mal sehen wir heute die Gendarmerie mit einem Boot durch den Ankerplatz ziehen.<\/p>\n<p>An Corona zu erkranken, ist keine Sorge von uns. Wir haben sowieso wenig Sozialkontakte, mal ein Abendessen beim Segelnachbarn oder mal ein Einkauf im Dorf. Das war&#8217;s.<br \/>\nDie Nebenger\u00e4usche stimmen uns bedenklicher. Bleibt die Versorgung so bestehen wie bisher? Die Polynesier neigen nicht zum Hamstern. Ihnen ist eine Denkweise weit in die Zukunft zu planen fremd. In ihrer Muttersprache gibt es nicht mal &#8218;Futur&#8216;, hat Vanessa uns erz\u00e4hlt. Sie sparen nicht, sie haben kein Bier auf Vorrat zu Hause und eine Cola wird direkt beim Bezahlen getrunken. Vor ein paar Tagen haben wir noch f\u00fcnfzig Kilo Mehl im Shop gesehen. Einen Tag sp\u00e4ter war es verschwunden. Wenn es die Polynesier nicht waren, kommen nur Segler als K\u00e4ufer in Frage.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens auf den Kap Verdischen Inseln lernt man als Weltumsegler: &#8218;Du musst Dinge dann kaufen, wenn du sie siehst, nicht wenn du sie brauchst. Am n\u00e4chsten Tag kann der Artikel f\u00fcr Monate aus den L\u00e4den verschwunden sein.&#8216; Diese Regel haben wir uns in den letzten Jahren angeeignet. Au\u00dferdem haben wir h\u00e4ufig schon f\u00fcr Monate gebunkert, weil wir wissen, dass im neuen Land die Preise deutlich h\u00f6her sind. Zur Planung, wenn man Tahiti verl\u00e4sst, geh\u00f6ren volle Schr\u00e4nke dazu. Auf Gambier gibt es zwar vieles, aber Haferflocken, N\u00fcsse oder Vollkornmehl bekommt man einfach nicht. Wir haben immer f\u00fcr bestimmt vier Wochen Nahrungsmittel an Bord, weil man auf einem Boot nie wei\u00df, ob man nicht f\u00fcr etliche Tage an Bord bleiben muss oder schnell einen Ort verlassen muss. Hamstern, wie es jetzt ja hei\u00dft, ist uns also nicht mehr fremd. Aber f\u00fcnfzig Kilo Mehl ist schon eine Hausnummer. Wer braucht so viel Mehl?<\/p>\n<p>Wir als Ausl\u00e4nder stehen in Polynesien am Ende der Nahrungskette. Wir sprechen (trotz aller Bem\u00fchungen <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_lol.gif\" alt=\":lol:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/> ) die Sprache nicht. Wir kennen keinen, der im Notfall noch den Keller voll Kartoffeln hat. Auf einer Insel in den Tuamotu soll es Schilder gegeben haben, die Segler auffordern auf dem Boot zu bleiben. Ein gewisser Vorrat an Bord bekommt eine neue Bedeutung.<br \/>\nHier bei uns im Dorf wurden Schilder aufgeh\u00e4ngt, die die Symptome von Corona erkl\u00e4ren und zeigen, wie man sich verhalten soll (der in den Ellenbogen-niesen-Katalog). Phillipe, bei dem man neben Internet auch noch Brioche (feines Brot) kaufen kann, erz\u00e4hlte uns, dass die Dorfkrankenschwester ihn aufforderte, dass er einen Mundschutz und Handschuhe tragen soll, wenn er sein Brot verkauft. Segler haben ihm jetzt beides geschenkt. Die junge Frau an der Kasse im Supermarkt tr\u00e4gt seit gestern ebenfalls Gummi-Putz-Handschuhe und es ist uns ein Chinese von einer Perlenfarm mit Mundschutz begegnet. &#8222;Haben die Polynesier Angst?&#8220;, haben wir Philippe gefragt. &#8222;Nein, noch nicht, aber sie stellen Fragen.&#8220;<\/p>\n<p>Wie lange wir hier gefangen sein werden, wir wissen es nicht. Gro\u00dfraum-Quarant\u00e4ne w\u00fcrde ich es nennen. Gefangen im Paradies, trifft es auch. Und ganz pl\u00f6tzlich bekommt das Paradies einen Beigeschmack. Im Ausland gefangen zu sein und nicht jederzeit nach Hause zu k\u00f6nnen, macht ein merkw\u00fcrdiges Gef\u00fchl.<br \/>\nBleibt gesund in eurer Quarant\u00e4ne.<\/p>\n<div id=\"attachment_136636\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a class=\"boxersandswipers\" title=\"Gro\u00dfraum-Quarant\u00e4ne\" href=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Gro\u00dfraum-Quarant\u00e4ne-Platz.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-136636\" class=\"wp-image-136636 size-full\" src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Gro\u00dfraum-Quarant\u00e4ne-Platz.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Gro\u00dfraum-Quarant\u00e4ne-Platz.jpg 800w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Gro\u00dfraum-Quarant\u00e4ne-Platz-300x225.jpg 300w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Gro\u00dfraum-Quarant\u00e4ne-Platz-768x576.jpg 768w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Gro\u00dfraum-Quarant\u00e4ne-Platz-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-136636\" class=\"wp-caption-text\">Gro\u00dfraum-Quarant\u00e4ne<\/p><\/div>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"gef\u00e4llt mir\" data-post-id=\"136634\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">2    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"doof\" data-post-id=\"136634\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mi., 18.Mrz.20, Franz.Polyn.\/Gambier\/Insel Mangareva, Tag 2117, 20.254 sm von HH Vor ein paar Tagen dachten wir noch: &#8222;Hier sind wir gut aufgehoben!&#8220; So wie Bundes-Spahn, Millionen anderer Menschen auf der ganzen Welt, so haben auch wir uns geirrt. 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