{"id":136762,"date":"2020-05-28T23:25:11","date_gmt":"2020-05-28T23:25:11","guid":{"rendered":"https:\/\/atanga.de\/?p=136762"},"modified":"2020-05-28T23:25:11","modified_gmt":"2020-05-28T23:25:11","slug":"stell-dir-vor-man-darf-wieder-segeln-und-keiner-faehrt-los","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atanga.de\/?p=136762","title":{"rendered":"Stell dir vor, man darf wieder segeln und keiner f\u00e4hrt los"},"content":{"rendered":"<p><em>Do.,28.Mai.20, Franz.Polyn.\/Gambier\/Insel Mangareva, Tag 2188, 20.254 sm von HH<\/p>\n<p><\/em>So in etwa muss man sich die Situation in Gambier vorstellen. Seit einer Woche ist der &#8218;Inter-Island-Travel&#8216; wieder erlaubt. Zwischen den Archipel-Gruppen darf uneingeschr\u00e4nkt gesegelt werden, hat die polynesische Regierung beschlossen. Halt, uneingeschr\u00e4nkt? Nein, ganz so einfach ist es nicht. Es hei\u00dft, dass man in den Tuamotu vor der Ankunft in einem Atoll beim B\u00fcrgermeister melden soll, ob man seine Insel anfahren darf.<br \/>\nEin gro\u00dfer Teil der Segler in Gambier hat keine Lust 450, 500 oder 600 Seemeilen zu segeln, um dann vor verschlossener T\u00fcr zu stehen: &#8222;du kommst hier nicht rein!&#8220; Dieser Teil lehnt sich zur\u00fcck und l\u00e4sst erst mal die &#8218;Pioniere&#8216; lossegeln und wartet auf deren Berichte. Ein Drittel der Crews vor Ort geh\u00f6rt zur Gruppe &#8218;der nicht offiziell Einklarierten&#8216;, die Boote, die nach dem Lockdown noch hier angekommen sind. F\u00fcr die hei\u00dft es immer noch beh\u00f6rdlich angeordnet, dass sie direkt nach Tahiti m\u00fcssen, gehe nicht \u00fcber die Tuamotu. Viele dieser Segler haben bei der Einreise Reparaturen genannt, die sie an der Weiterreise nach Tahiti hindern, da w\u00e4re es nun unglaubw\u00fcrdig, wenn diese Schiffe in den Tuamotu kreuzen w\u00fcrden. Eine Zwickm\u00fchle.<br \/>\nF\u00fcr eine kleine Gruppe von f\u00fcnf, sechs Schiffen ergibt sich Morgen oder \u00dcbermorgen ein Wetterfenster, so dass diese Gruppe als die ersten Pioniere los segeln wird.<\/p>\n<p>Und was ist mit uns? Wir waren mal wieder besonders schlau. In Angesicht der Tatsache, dass wir ab September nur noch eine g\u00fcltige Kreditkarte haben werden, dachten wir, wir lassen uns die zwei Karten zuschicken, die zu Hause auf dem Schreibtisch liegen, w\u00e4hrend wir sowieso nicht weiter d\u00fcrfen. Die Karten sind seit drei Wochen als Dokumentenversand in der Welt unterwegs: Hamburg =&gt; Leipzig =&gt; USA =&gt; Australien =&gt; Neuseeland. Gestern sind sie in Papeete angekommen. Leider erlaubt &#8218;unser&#8216; B\u00fcrgermeister noch keine Fl\u00fcge nach Gambier, somit wird die Post mit dem Versorgungs-Schiff hierher transportiert &#8230; das M\u00e4dchen in der Post hat gleich gesagt, es dauert drei Monate bis unser Brief hier sein wird. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_mrgreen.gif\" alt=\":mrgreen:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/><\/p>\n<p>Es ist voll geworden in Gambier. Es stauen sich die Schiffe. Seit Monaten durfte kein Segler die Inselgruppe verlassen, aber aus S\u00fcdamerika kamen fast t\u00e4glich noch Schiffe eingetrudelt. Somit sind wir fast vierzig Boote in Gambier. An Tagen mit ruhigem Wetter verteilen sich die Boote auf verschiedene Ankerpl\u00e4tze an den Inselchen &#8211; den Motus &#8211; am Au\u00dfenriff. Dann ist alles gut und friedlich. Bei schlechtem Wetter kommen fast alle Schiffe zum Hauptankerplatz nach Rikitea, weil es auf den Motus keinen richtigen Schutz vor dem ber\u00fcchtigten S\u00fcd-Ostwind gibt. Rikitea bietet nicht genug Platz f\u00fcr so viel Schiffe. Das Wasser ist tief &#8211; im Mittel 17 Meter &#8211; so dass alle viel Kette gesteckt haben. Siebzig Meter sind die Regel.<br \/>\nUnser Nachbar schwoit anders als wir, weil er mit drei\u00dfig Meter Kette (viel zu wenig) und siebzig Meter Leine ankert. Die ganze Nacht sitzt er mit seinem Pickhacken an Deck und stupst Atanga bei Ber\u00fchrungsgefahr zur Seite. Achim kriegt ebenfalls kein Auge zu, obwohl der Nachbar tapfer die ganze Nacht Wache geht.<br \/>\nBei jedem Windwechsel wird umgeankert, weil Schiffe aufs Riff zu schwoien drohen. Jedes Boot versucht sich noch irgendwo dazwischen zu quetschen. Ein kleiner Alptraum. Die brenzligen Situationen h\u00e4ufen sich. Eine gro\u00dfe Motoryacht kommt einem Franzosen zu nahe. Das Motorboot ist unbemannt und droht den Segler beim n\u00e4chsten Winddreher wegzufegen. Schnell kommen von anderen Booten die Schlauchboote zur Hilfe und versuchen das Segelschiff zu sch\u00fctzen bis der Eigner wieder an Bord ist und seinen gro\u00dfen Kahn umankern kann.<\/p>\n<div id=\"attachment_136763\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a class=\"boxersandswipers\" title=\"Dicht gepacktes Ankerfeld\" href=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Dicht-gepacktes-Ankerfeld.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-136763\" class=\"wp-image-136763 size-full\" src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Dicht-gepacktes-Ankerfeld.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Dicht-gepacktes-Ankerfeld.jpg 800w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Dicht-gepacktes-Ankerfeld-300x225.jpg 300w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Dicht-gepacktes-Ankerfeld-768x576.jpg 768w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Dicht-gepacktes-Ankerfeld-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-136763\" class=\"wp-caption-text\">Dicht gepacktes Ankerfeld &#8211; zu dicht<\/p><\/div>\n<p>Wenn das Versorgungs-Schiff kommt, folgt der n\u00e4chste Alptraum. Wie die Heuschrecken st\u00fcrzen sich fast alle Crews in die L\u00e4den. Sie kaufen, hamstern, bunkern und lassen die Kreditkarte krachen. Die nicht so zahlungskr\u00e4ftigen Einheimischen k\u00f6nnen da nicht mithalten. Sie bekommen nur einmal in der Woche ihren Lohn. Vom letzten Versorgungs-Schiff soll subventioniertes Mehl verkauft worden sein. F\u00fcnfundzwanzig Kilo f\u00fcr sensationelle sechs Dollar. Und g\u00fcnstiges Bier soll es gegeben haben, statt siebzig nur f\u00fcnfzig Dollar f\u00fcr die Palette. Normalerweise soll ein Gendarm bei solchen Verk\u00e4ufen Wache stehen, der hat aber wohl durch Abwesenheit gegl\u00e4nzt. Ich glaube, dass weder Mehl noch Bier bei den Einheimischen angekommen sind. Zu schnell ist die Seglergemeinde. \u00dcber Funk werden die Nachrichten blitzschnell verteilt und schon d\u00fcsen die ersten Dinghies an Land. Es sind definitiv zu viele Segler hier, die die L\u00e4den leer kaufen. Ein h\u00e4sslicher Nebeneffekt der Corona-Krise. Es ist an der Zeit, dass sich der Segelboote-Stau aufl\u00f6st und sich die Segler auf weitere Atolle verteilen.<\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"gef\u00e4llt mir\" data-post-id=\"136762\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">2    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"doof\" data-post-id=\"136762\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Do.,28.Mai.20, Franz.Polyn.\/Gambier\/Insel Mangareva, Tag 2188, 20.254 sm von HH So in etwa muss man sich die Situation in Gambier vorstellen. 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