{"id":137945,"date":"2021-11-04T02:20:00","date_gmt":"2021-11-04T02:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/atanga.de\/?p=137945"},"modified":"2021-11-10T00:23:25","modified_gmt":"2021-11-10T00:23:25","slug":"tag-18-nz-der-wettbewerb-gegen-die-flaute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atanga.de\/?p=137945","title":{"rendered":"Tag 18 ==&gt; NZ &#8211; Der Wettbewerb gegen die Flaute"},"content":{"rendered":"<p><em>Do.,4.Nov.2021, Pazifik, Tag 2712, 24.345 sm von HH<\/em><\/p>\n<p>Kurz vor dem Abendessen entdeckt Achim einen Riss in unserem Bimini. Wenn das rei\u00dft, h\u00e4tten wir einen schlagenden Derwisch, der schwer zu b\u00e4ndigen sein d\u00fcrfte. Der Wind bl\u00e4st weiterhin mit plus\/minus drei\u00dfig Knoten. Das Bimini muss runter. Der Riss sieht nicht gut aus.<br \/>\nBereits vor der Reise gab es Diskussionen pro oder contra zu Bimini stehen lassen. Die Entscheidung ist uns nun abgenommen. Unser Bimini ist eine gewagte Konstruktion, bestehend aus drei B\u00fcgeln und vielen Quadratmetern Tuch, die sich bis weit vor die Sprayhood erstreckt. Gut am Ankerplatz, aber nicht mal eben abgebaut. Die B\u00fcgel sind solide 40 mm Rohre und werden nur von der gespannten Tuch-Konstruktion gehalten. Wer einfach die Rei\u00dfverschl\u00fcsse der Halter\u00f6hren um die B\u00fcgel \u00f6ffnet, wird von den B\u00fcgeln erschlagen. Wir sitzen eintr\u00e4chtig nebeneinander zur Besprechung der Vorgehensweise des Abbaus im Cockpit. Mein Blick geht zuf\u00e4llig nach rechts. Eine gro\u00dfe Welle bricht sich an Atangas Bug. Der \u00fcberschwappende Kamm ergie\u00dft sich aufs Deck. Zweihundert, dreihundert Liter auf Schlag. Die H\u00e4lfte davon landet in Achims Nacken. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_smile.gif\" alt=\":-)\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/> Ich kann mich vor dem Schlimmsten durch Ducken hinter der Sprayhood bewahren.<\/p>\n<p>Der Skipper legt sich trocken und wir beginnen mit dem Abbau. Der erfolgt fehlerfrei, so dass wir zwanzig Minuten sp\u00e4ter mit offenem Verdeck unterwegs sind. Die B\u00fcgel halten wir nun durch eine Seilkonstruktion an Ort und Stelle.<\/p>\n<p>Der starke Wind h\u00e4lt noch bis 22:00 Uhr an. Knapp 3,5 Knoten schaffen wir gegen die Wellen anzubolzen. Dann geht er kontinuierlich runter. Endlich. Um Mitternacht sind wir bei 18 bis 20 Knoten angekommen. Wir nehmen das dritte Reff aus den Segeln. Wir w\u00fcrden lieber untertakelt gem\u00fctlich segeln, aber wir haben es eilig. Wenn das Tief, was uns im Augenblick so auf Trapp h\u00e4lt, vorbei gezogen ist, soll f\u00fcr f\u00fcnf Tage eine Flaute folgen. Bis wir die erreichen, wollen wir so nah an Neuseeland ran gekommen sein, das wir die Restmeilen motoren k\u00f6nnen. Je nachdem wie die Bedingungen sind (Str\u00f6mung, Welle) k\u00f6nnen wir zwischen drei bis f\u00fcnfeinhalb Knoten schnell motoren.<\/p>\n<p>Wir haben beim Ausreffen noch 350 Restmeilen zu segeln. Sind die Bedingungen optimal, reicht rechnerisch der Diesel ab hier. Aber das w\u00fcrde Null Reserve bedeuten. Genau das richtige f\u00fcr den Skipper <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_mrgreen.gif\" alt=\":mrgreen:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/> Ich bin ja immer f\u00fcr ein Leben am Limit zu haben. Unvergessen, dass ich mit dem Auto mit drei Restkilometer im Tank an die Tankstelle gefahren bin. Da steht Achim der Schwei\u00df auf der Stirn.<\/p>\n<p>Wir rumpeln und donnern also den Wellen zum Trotz entgegen. Nachdem wir das Rennen gegen das Tief verloren haben, starten wir einen neuen Wettbewerb: Ladies und Gentlemen, der Wettlauf gegen die Flaute hat begonnen.<\/p>\n<p>Um 7:00 Uhr reffen wir dann komplett aus &#8211; noch 15 Knoten Wind. Die schlimmste Windwelle verschwindet zum Gl\u00fcck ja immer recht schnell, so dass wir wieder recht komfortabel unterwegs sind. Noch immer Wind von vorne. Im Laufe des Vormittags schl\u00e4ft er ein: 12 Knoten, 10 Knoten, 8 Knoten &#8230; Nein, das darf nicht sein. Wir wollen den Wettbewerb unbedingt gewinnen. Wir brauchen noch Wind f\u00fcr 50 bis 80 Meilen, damit auch Achim sich wohl f\u00fchlt. Die G\u00f6tter haben ein Einsehen und schicken ach einer Stunde erneut um die 12 Knoten Wind. Wir sind wieder im Spiel.<br \/>\nDas Leben an Bord kehrt bei f\u00fcnf Windst\u00e4rke zum Normal-Zustand zur\u00fcck. Nasse Socken, tonnenweise Handt\u00fccher und T-Shirts h\u00e4ngen in der Sonne zum Trocknen. Und wir k\u00f6nnen in der Achter-Kaj\u00fcte wieder l\u00fcften. Dort roch es zwischenzeitlich nach einer Mischung aus faulen Kohlrabi-Bl\u00e4ttern und K\u00e4fighaltung. Es wird auch wieder geduscht. Noch immer im Cockpit. Die Sonne schickt wohl warme Strahlen, allerdings schneidet der Wind eisige Furchen in die Haut. Seit den Kap Verden haben wir nicht mehr in unserem Bad geduscht. Die Feuchtigkeit ins Schiff zu tragen, muss nicht sein und die W\u00e4nde (alles aus Holz bei uns) und die Toilette sind unweigerlich nass gespritzt. Das Holz kann das zwar ab, aber die trocken Wischerei &#8230; Augen roll &#8230; da hat keiner von uns Lust dazu. Und au\u00dferdem liegt dort jetzt auch noch das pudelnasse Bimini aufgerollt. Also wird tapfer drau\u00dfen geduscht. Mit warmen Wasser aus dem Kessel. Das Meer hat nur noch 18,5 Grad. Brrr.<\/p>\n<p>Essen: Heute kommen die von mir so gef\u00fcrchteten Ravioli aus der Dose in den Topf. Ich bin total im Eimer. Diese Anstrengung mich auf den Beinen zu halten, die Bimini-Aktion, zwei N\u00e4chte fast ohne Schlaf. Ich k\u00f6nnte im Stehen einschlafen. Den Niedergang hoch zu klettern, um nach dem Rechten zu schauen &#8211; eine Qual. Beide H\u00e4nde an der Leiter ziehe ich mich schlapp die sechs Stufen hoch. Bitte keinen Dr\u00fccker auf die Seite, wenn ich auf den Stufen stehe. Nach f\u00fcnf Stunden Schlaf und mit dem abnehmenden Wind geht es besser. Die Lebensgeister sind wieder da. Aber Ankommen w\u00e4re nun doch sehr willkommen.<\/p>\n<p>Tagesmeilen &#8211; 88 &#8211; Restmeilen direkter Kurs: 321<br \/>\nPosition: 31\u00b0 59,7 S &#8211; 179\u00b0 08,5 O<\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"gef\u00e4llt mir\" data-post-id=\"137945\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">70    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"doof\" data-post-id=\"137945\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Do.,4.Nov.2021, Pazifik, Tag 2712, 24.345 sm von HH Kurz vor dem Abendessen entdeckt Achim einen Riss in unserem Bimini. 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