{"id":139733,"date":"2023-06-18T05:22:00","date_gmt":"2023-06-18T05:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/atanga.de\/?p=139733"},"modified":"2023-07-01T03:04:24","modified_gmt":"2023-07-01T03:04:24","slug":"von-nz-nach-fiji-tag-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atanga.de\/?p=139733","title":{"rendered":"Von NZ nach Fiji &#8211; Tag 8"},"content":{"rendered":"<div class=\"postie-post\">Sa.,17.Jun.23, Pazifik, Tag 3305, 25.554 sm von HH<br \/>\n Wir sind in den letzten neun Jahren ungef\u00e4hr 220 Tage auf See gewesen. An viele Tage haben wir keine Erinnerung mehr, aber  Tag 8 nach Fiji wird ausdr\u00fccklich im Ged\u00e4chtnis bleiben.<br \/>\nWer kennt &#8222;Tribute von Panem&#8220;? In diesem Film werden Probanden in einer k\u00fcnstlichen Welt von einem Spielmacher mit allerlei Tricks daran gehindert ihre Aufgaben zu l\u00f6sen. Uns scheint, wir haben auch so einen Spielmacher, der die Kn\u00f6pfe auf seiner Schalttafel dr\u00fcckt. Willkommen in unserer pers\u00f6nlichen Matrix, Tribute von Fiji.<br \/>\n Mit dem letzten D\u00e4mmerlicht erkennt Achim eine dunkle Front, die auf uns zu kommt. Ich bin eigentlich so weit, um mich vor meiner Nachtwache noch einen Augenblick hinzulegen. Ein Squall &#8211; kein Problem &#8211; kennen wir und reffen rechtzeitig das Gro\u00dfsegel. Achim in vollem Segel-Outfit. Schlauer Skipper. Ich denke so, f\u00fcr die f\u00fcnf Minuten brauche ich nicht extra eine Segelhose anzuziehen (scheinbar nichts dazu gelernt in neun Jahren <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_wink.gif\" alt=\";-)\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/> ). Der Squall kommt, es sch\u00fcttet wie aus Eimern. Grade rechtzeitig schaffe ich es noch, meine Socken und Fleecehose nach unten zu kicken. Es dauert nur zwei Minuten und meine Unterhose ist klitschnass. Der Wind dreht, wir m\u00fcssten eigentlich anluven. Unm\u00f6glich. Das Vorsegel ist ausgebaumt und am Wind fahren somit nicht m\u00f6glich. Wir donnern mit \u00fcber sieben Knoten Richtung Westen. Hey, da kommen wir her. Auf einmal rennt der Kahn, sind wir auf Kurs kriechen wir mit drei Knoten vorw\u00e4rts.<br \/>\nNach einer Stunde ist der Spuk vorbei. Der Baum vom Vorsegel kommt weg und ich gehe noch f\u00fcr eine Stunde schlafen. Noch kommt uns nichts verd\u00e4chtig vor, normaler Segelalltag.<br \/>\n Um 22:00 Uhr \u00fcbernehme ich die Wache. In der Ferne gl\u00fcht heftiges Wetterleuchten. Nach anderthalb Stunden schl\u00e4ft der Wind komplett ein. Ich wecke Achim. Wir starten die Maschine. Der Keilriemen quietscht erb\u00e4rmlich. Noch vor der Abfahrt frisch gespannt, dreht er jetzt durch. &#8222;Achim guckt mich an: &#8222;Reicht es nicht, dass ich meine Pause unterbrechen muss? Jetzt auch noch an der Maschine herum fummeln? Mitten in der Nacht!&#8220; Mit ein paar Andr\u00fcck-Tricks \u00fcberredet Achim den Riemen dann zu greifen. Wir nehmen die Segel runter, der Skipper verschwindet wieder im Bett. Das Wetterleuchten flimmert jetzt im Minutentakt.<br \/>\n Um 1:00 Uhr ist das Gewitter bei uns. Es steht Backbord voraus. Ich sehe erste Blitze auf der Wasseroberfl\u00e4che einschlagen. Unruhig beobachte ich, dass die Gewitterzelle schnell und bedrohlich grell n\u00e4her kommt. Ich \u00e4ndere den Kurs um drei\u00dfig Grad nach Osten. Blo\u00df weg von dem Biest. Unter Maschine schaffen wir 5,5 Knoten. Alle zwei Minuten ein Blitz. Mir wird mulmig. Ich korrigiere noch einmal den Kurs um weitere zwanzig Grad. Das Teil kommt n\u00e4her. Mir f\u00e4ngt der Spielemacher an auf den Geist zu gehen.<br \/>\n W\u00e4hrend ich noch so dar\u00fcber nachdenke, was ein Blitzeinschlag f\u00fcr Folgen hat, h\u00f6re ich unsere Bilgepumpe gluckern. Im Cockpit h\u00f6rt man sie am besten, da Wasser im Schiff \u00fcber die beiden Lenzrohre im Cockpit nach au\u00dfen gepumpt wird. Es blitzt, der Donner folgt vier Sekunden sp\u00e4ter. Wieder gluckert die Pumpe. Blitz. Donner. Gluckern. Dann h\u00f6rt das Gluckern gar nicht mehr auf. Was soll das? Ich hechte nach unten. Und tats\u00e4chlich, die Alarmlampe der Bildgepumpe steht auf Dauer-Rot. Ich hechte mit wackeligen Beinen einen Raum weiter, Achim wecken. &#8222;Aufwachen, aufwachen, unsere Bilgepumpe h\u00f6rt nicht mehr auf zu pumpen&#8220;. Ich sehe in tellergro\u00dfe Augen. Achim sprintet in den Salon. &#8222;Mach die Maschine aus, damit ich das Wasser besser sehen kann&#8220; [O-Ton <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_lol.gif\" alt=\":lol:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/> ]. &#8222;Nein geht nicht&#8220;, rufe ich ihm zu, &#8222;wir m\u00fcssen weg hier, wir haben ein Gewitter, was \u00fcber uns hinweg zieht.&#8220;<br \/>\n Achim h\u00f6rt schon gar nicht mehr hin. Hecktisch rei\u00dft er Bodenbretter hoch. Leuchtet hierhin und dahin. Wo kommt das Wasser her? Er \u00f6ffnet die Klappe vom Maschinenraum. Da steht bereits Wasser und \u00fcber eine schmale Rinne kommen schwallartig gr\u00f6\u00dfere Mengen nach. Wir gucken uns entsetzt an. Jetzt geht mir der Arsch auf Grundeis. Das erste Mal auf See, dass ich echt Angst habe. Zum Gl\u00fcck h\u00f6rt man unter Deck wegen des Dr\u00f6hnens der Maschine das Donnern vom Gewitter nicht. Achim sucht hektisch die Quelle f\u00fcr den Wassereinbruch. Ich kontrolliere, ob wir dem Gewitter entkommen. Und ich sammele wichtige Dinge zusammen. Unsere Segelklamotten, die Handfunke. Ich lege eine Hand an die Eprib (unsere Rettungs-Boje), um mich schon mal mit dem &#8222;von der Wand rei\u00dfen&#8220; anzufreunden. Achims Geschmackprobe ergibt: wahrscheinlich S\u00fc\u00dfwasser. &#8222;Mach mal schnell die Sicherung von der Frischwasser-Pumpe aus!&#8220; Wir warten. Nach ein paar bangen Minuten und weiteren Pumpen-Glucker-Ger\u00e4uschen ist Ruhe. Wir werden nicht sinken!<br \/>\n Wir sinken gemeinsam ersch\u00f6pft auf die Cockpitbank. Uns ist der Schreck ganz schon in die Glieder gefahren. Puh, das war ein Detail zu viel des Guten. Wir zeigen unserem Spielemacher den Stinkefinger. Auf dem Radar sehen wir, dass das Gewitter jetzt genau auf unserer Kurslinie sitzt. Die Flucht nach Osten mit Kurs 90 Grad (wieder knapp zwei Stunden weg vom Ziel) war die richtige Entscheidung. Wir atmen auf. Wir sind die Helden in unserer Matrix.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Morgen wechselt Achim den Keilriemen und findet den Fehler an der Wasserleitung. Eine Rohrverbindung hat sich &#8222;losgeschraubt&#8220;.  &#8222;Das geht eigentlich gar nicht&#8220;, erkl\u00e4rt Achim mir, &#8222;das ist eine Verschraubung mit Widerhaken, die kann sich gar nicht l\u00f6sen. So was kommt nur in Filmen vor.&#8220;<br \/>\n Tagesmeilen: 88 Meilen (davon 43 unter Maschine &#8211; ab Mitternacht kein Wind bis zum Morgengrauen).<br \/>\nBereits gesegelt: 797 Meilen Noch 572 Meilen bis Fiji, noch 156 Meilen bis Minerva Position: 26\u00b020,3 S &#8211; 179\u00b012,3<\/div>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"gef\u00e4llt mir\" data-post-id=\"139733\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">57    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"doof\" data-post-id=\"139733\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sa.,17.Jun.23, Pazifik, Tag 3305, 25.554 sm von HH Wir sind in den letzten neun Jahren ungef\u00e4hr 220 Tage auf See gewesen. 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