{"id":142695,"date":"2025-08-11T04:24:25","date_gmt":"2025-08-11T04:24:25","guid":{"rendered":"https:\/\/atanga.de\/?p=142695"},"modified":"2025-08-17T02:54:01","modified_gmt":"2025-08-17T02:54:01","slug":"ein-unfreundlicher-besuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atanga.de\/?p=142695","title":{"rendered":"Ein unfreundlicher Besuch"},"content":{"rendered":"<p><em>08.08.25, Neukaledonien\/\u00cele Ouen, Port Koube, Tag 4.087, 29.243 sm von HH<\/em><\/p>\n<p>Wir sind gerade mit dem Fr\u00fchst\u00fcck fertig, da h\u00f6ren wir ein Motorenger\u00e4usch. Mit schneller Fahrt n\u00e4hert sich ein Schlauchboot. Ein Blaulicht geht an. \u201eBonjour\u201c, ruft Achim. Sein Gru\u00df wird erwidert und die Frage gestellt, ob wir Franz\u00f6sisch sprechen. Ein paar lockere Spr\u00fcche von Achim \u00fcber unsere schlechten Sprachkenntnisse ignoriert die Besatzung. \u201eWir sind vom Zoll und wollen an Bord.\u201c<br \/>\nDas ist erlaubt. Fast \u00fcberall auf der Welt hat der Zoll das Recht auf solche Ma\u00dfnahmen. Man stelle sich aber vor, wenn vier M\u00e4nner das Hotelzimmer st\u00fcrmen, in dem man drei Wochen Urlaub macht (danke, Inga f\u00fcr diesen Vergleich). Ein Eindringen in die Privatsph\u00e4re ist immer unangenehm.<\/p>\n<p>Mit eisigen Mienen und wortkarg entern die vier Herren unser Boot. Einer beh\u00e4lt seine Sturmhaube auf. Vermummt bleibt er an der Badeleiter stehen. Die anderen drei dr\u00e4ngen ins Cockpit. Zwei f\u00fchren die Unterhaltung mit uns, einer bleibt stumm.<\/p>\n<p>Sie wollen wissen, wie lange wir schon in Neukaledonien sind. Ob und wo wir einklariert h\u00e4tten. Und ob wir nur zu zweit an Bord seien. Achim berichtet, dass in Noum\u00e9a ein Mann von der Biosicherheit an Bord war, dass die Marina die Zoll-Formalit\u00e4ten f\u00fcr uns \u00fcbernommen h\u00e4tte und dass wir selber zur Immigration gegangen seien, um einzuklarieren. \u201eNein, eine schriftliche Best\u00e4tigung vom Zoll haben wir nicht von der Marina erhalten.\u201c<\/p>\n<p>Die Unterhaltung zieht sich, da das Englisch der Z\u00f6llner nicht so flie\u00dfend ist. Da entdeckt einer der Herren Achims Leathermen im G\u00fcrtelhalfter. Unser Cockpit wird zur Messerverbotszone: \u201eBitte das Taschenmesser rausnehmen und abgeben.\u201c Wir bekommen runde Augen. Die vier M\u00e4nner sind mit schusssicherer Weste und Pistolen ausger\u00fcstet. Was k\u00f6nnte Achim da wohl f\u00fcr einen Angriff starten?<\/p>\n<p>\u201eWir gehen jetzt nach unten\u201c, verk\u00fcndet der Wortf\u00fchrer. Ich mache Anstalten vorweg zu gehen, werde aber in meinen Sitz zur\u00fcck gen\u00f6tigt. Die beiden steigen laut rufend den Niedergang herunter: \u201eHallo, Zoll Neukaledonien. Hallo, Zoll Neukaledonien. Ist jemand da?\u201c<\/p>\n<p>Sehr albern. Wir k\u00f6nnen uns ein Grinsen kaum verkneifen. Ich erwarte jeden Moment ein \u201egesichert, alles sauber\u201c zu h\u00f6ren. Wir bekommen mit, dass ein paar Schapps ge\u00f6ffnet werden. Die beiden gehen nach hinten, werfen einen Blick ins Bad und Vorschiff. \u201eWir m\u00f6chten die P\u00e4sse sehen und die Einklarierungspapiere\u201c, schallt es von unten. Achim geht runter und holt die gew\u00fcnschten Unterlagen. Leider passiert ihm ein kleines Missgeschick. Er zieht aus Versehen seinen zweiten Pass hervor, mit dem er nicht einklariert hat.<\/p>\n<p>Als alle wieder im Cockpit sitzen, f\u00e4llt beim Vergleich der Unterlagen auf, dass Achim den falschen Pass erwischt hat. Er will nach unten gehen, um den richtigen Pass zu holen. Alleine darf er nicht, einer der Z\u00f6llner begleitet ihn.<br \/>\nAls Achim aufsteht, gibt er den Blick auf die Nautilusse frei, die wir gestern gefunden haben. Die ganze Zeit habe ich sie wegen der Grauzonen-Problematik schon im Hinterkopf. Die beiden Exemplare liegen unschuldig auf der Sitzbank und sind bislang unentdeckt geblieben. Der stumme Mann Nummer drei wird jetzt auf sie aufmerksam und nimmt sie in Gewahrsam.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist aber noch der doppelte Pass Stein des Ansto\u00dfes. Warum, wieso, weshalb wir den haben, wird gefragt. Achim erkl\u00e4rt, dass wir vielleicht durchs Rote Meer zur\u00fcck nach Europa wollen und wenn wir zuerst in einem arabischen Land waren und dann nach Israel m\u00f6chten, k\u00f6nnte es Probleme bei der Einreise geben.<\/p>\n<p>Eine lebhafte Diskussion auf Franz\u00f6sisch entbrannt. Sogar Sturmhaube quetscht sich jetzt noch ins Cockpit. Wir verstehen, dass einer der M\u00e4nner die Problematik zu kennen scheint und dass er versucht, seinen Kollegen die Sachlage zu erkl\u00e4ren.<br \/>\nSturmhaube sch\u00fcttelt den Kopf. Er wei\u00df nichts davon. Achim sagt, dass es in Deutschland legal sei, zwei P\u00e4sse zu besitzen. Sturmhaube l\u00e4sst das nicht gelten: \u201eWir sind hier in Frankreich. Hier gibt es so etwas nicht. *** \u00a0Mich interessieren die Regeln in Deutschland nicht.\u201c<br \/>\nAchim h\u00e4lt dagegen, dass wir ja nun aber mal Deutsche seien. Er habe diesen zweiten Pass zu Recht. Harsch gebietet Sturmhaube, der sich als der Chef der Viergruppe entpuppt, Achim ruhig zu sein. Er wird den Vorfall pr\u00fcfen lassen. Sich an seine Vorgesetzten wenden.<br \/>\nDa fallen ihm die zwei Nautilusse wieder ein. Dass wir die an Bord haben, sei auch illegal. Wo wir sie herhaben? Ob wir noch mehr haben? Oder andere verbotene Substanzen? Waffen? Drogen? Schildkr\u00f6ten?<\/p>\n<p>Als ich ansetzte, um zu erkl\u00e4ren, was wir mit den Nautilussen vorhaben und dass ich gelesen habe, alte Schalen d\u00fcrfte man behalten, wird Sturmhaube ungehalten. \u201eHier wird nicht diskutiert. Basta!\u201c<\/p>\n<p>Er gibt seinen drei M\u00e4nnern Anweisungen, noch einmal das Schiff zu durchsuchen. Achim muss mit nach unten. Er muss die Arme heben und wird auf Waffen abgetastet (direkt neben der Magnetleiste mit den Fleischermessern; Anmerkung der Redaktion).<br \/>\nVermeintlich wird jetzt gr\u00fcndlicher gesucht. Das ist auf einem Boot eine fast unl\u00f6sbare Aufgabe. Somit \u00f6ffnen sie noch einmal die gleichen Schr\u00e4nke. Wieder ohne auf verd\u00e4chtige Gegenst\u00e4nde zu sto\u00dfen. Solange, bis einer auf unsere Mehrvorr\u00e4te st\u00f6\u00dft. Umgef\u00fcllt in 5-Liter Wasserflaschen sieht das nun wirklich nach Drogen aus. Achim erz\u00e4hlt ihm, dass es sich nur um Mehl handeln w\u00fcrde. Auf eine Krimi typische Geschmacksprobe verzichtet der Mann vom Zoll.<\/p>\n<p>Ich muss derweil bei Sturmhaube im Cockpit bleiben. Eine Leibesvisitation h\u00e4lt er f\u00fcr entbehrlich. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_mrgreen.gif\" alt=\":mrgreen:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/> Er ignoriert mich komplett. Daf\u00fcr bl\u00e4ttert er intensiv in unseren P\u00e4ssen. Vergleicht Achims P\u00e4sse akribisch. Sogar die eingepr\u00e4gten Sterne auf den Au\u00dfenseiten der P\u00e4sse tastet er ab.<br \/>\nGedanken sind frei und meine formulieren immer h\u00e4ufiger das Wort \u201aSpinner\u2018.<br \/>\nDann telefoniert er zweimal. Er spricht nicht mit Mutti, so viel bekomme ich mit. Jemand erh\u00e4lt die Nummern der P\u00e4sse. Er macht Fotos. Viel Palaver, viel Aufregung seitens Sturmhaube.<\/p>\n<p>Ich h\u00f6re wie unten die Klappe vom Motorraum auf unsere Bodenbretter knallt. Das \u00d6ffnen der zweiten Motorraumklappe verhindert Achim gerade noch. Baut man vorher nicht die Leiter vom Niedergang ab, verbiegt man alle Scharniere. Das erscheint den Herren dann doch zu viel M\u00fche, auf das \u00d6ffnen wird verzichtet.<\/p>\n<p>Endlich scheinen die drei mit ihrer Durchsuchung zufrieden. Alle nehmen wieder im Cockpit Platz. Sturmhaube steigt wortlos auf das Schlauchboot \u00fcber, um dort weiter zu telefonieren.<br \/>\nDer vorherige Wortf\u00fchrer belehrt uns, dass sie die skandal\u00f6se Passangelegenheit an die Beh\u00f6rden in Noum\u00e9a weiterleiten. Das regt uns nicht auf, denn bei der Einreise wurden wir nicht nach dem Besitz von weiteren P\u00e4ssen gefragt. Es gibt L\u00e4nder wie Neuseeland, die dies abfragen und dort haben wir stets alle P\u00e4sse angegeben.<\/p>\n<p>Der Besitz von Nautilussen sei verboten, belehrt uns der Wortf\u00fchrer weiter. Achim gibt die einzig richtige Antwort auf diesen Umstand: \u201eDas haben wir nicht gewusst.\u201c Das wird mit einem wohlwollenden Nicken quittiert. Ich verzichte auf weitere Erl\u00e4uterungen zur Causa Nautilus.\u00a0 Zur gro\u00dfen Freude vom Skipper. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_wink.gif\" alt=\";-)\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/><\/p>\n<p>\u201eWir beschlagnahmen die Nautilusse. Sie kommen in die Asservatenkammer. Oder sie werden als abschreckendes Beispiel in den \u00f6ffentlichen B\u00fcros beim Zoll ausgestellt.\u201c<br \/>\n\u201eMan k\u00f6nnte sie auch ins Meer zur\u00fcckwerfen. Dann w\u00fcrden sie an den Strand gesp\u00fclt und blieben dort, wo sie hin geh\u00f6ren\u201c, findet Achim.<br \/>\n\u201eNein, das ist nicht m\u00f6glich\u201c, entgegnet der Zollmann. Aber sie sehen davon ab uns eine Strafe zu verh\u00e4ngen. Und das, obwohl der Besitz von einem Nautilus \u2013 jetzt wird es unglaubw\u00fcrdig \u2013 gleichzusetzten sei mit Waffen oder Drogen.<br \/>\nWir rollen innerlich mit den Augen.<\/p>\n<p>Es werden handschriftlich und langatmig zwei Protokolle aufgesetzt. Einer \u00fcber die Kontrolle an sich und eins \u00fcber die Nautilus-Schalen. Noch zweimal wird betont, dass auf eine Strafe verzichtet wird. Viel Lob von unserer Seite bekommen die Herren f\u00fcr ihre Gro\u00dfz\u00fcgigkeit nicht. Unser Dank wird ihnen ewig nachschleichen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der unfreundlichste Besuch vom Zoll, den wir bislang erlebt haben, findet nach 90 Minuten ein Ende.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_142696\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a class=\"boxersandswipers\" title=\"Da dampfen sie ab\" href=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Da-dampfen-sie-ab.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-142696\" class=\"wp-image-142696 size-full\" src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Da-dampfen-sie-ab.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Da-dampfen-sie-ab.jpg 800w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Da-dampfen-sie-ab-300x200.jpg 300w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Da-dampfen-sie-ab-768x512.jpg 768w, https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Da-dampfen-sie-ab-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-142696\" class=\"wp-caption-text\">Da dampfen sie ab. Sturmhaube und seine drei Freunde.<br \/>Leider ohne Blaulicht, aber sinnlos mit zwei Perlboot-Schalen im Gep\u00e4ck.<\/p><\/div>\n<p>*** Eine unrichtige Aussage, wie uns sp\u00e4ter das Internet best\u00e4tigen soll. Frankreich hat mehr oder weniger das gleiche Passrecht wie Deutschland. Sturmhaube ist also nicht nur unfreundlich, sondern auch unwissend.<\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"gef\u00e4llt mir\" data-post-id=\"142695\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">68    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"doof\" data-post-id=\"142695\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>08.08.25, Neukaledonien\/\u00cele Ouen, Port Koube, Tag 4.087, 29.243 sm von HH Wir sind gerade mit dem Fr\u00fchst\u00fcck fertig, da h\u00f6ren wir ein Motorenger\u00e4usch. 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