{"id":1779,"date":"2014-09-08T15:03:49","date_gmt":"2014-09-08T15:03:49","guid":{"rendered":"http:\/\/atanga.de\/?p=1779"},"modified":"2015-03-03T21:05:22","modified_gmt":"2015-03-03T21:05:22","slug":"100-tage-fazit-getrennt-von-einander-befragt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atanga.de\/?p=1779","title":{"rendered":"100 Tage Fazit (getrennt von einander befragt)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Sabine`s Fazit:<\/span><\/p>\n<p>Ich vermisse nicht\u00a0Fernsehen oder Auto, nicht die Arbeit (wen wundert&#8217;s) und weder Waschmaschine noch Geschirrsp\u00fcler. Noch nicht einmal meinen Garten, denn meine liebsten Pflanzen haben ja eine neues Zuhause gefunden.<\/p>\n<p>Das neue Leben bietet mehr als genug Herausforderungen, jeder Tag kommt mir wie ein kleines Abenteuer vor. Denn neue Orte, Gesch\u00e4fte, Waschsalons, Gepflogenheiten und M\u00e4rkte mit st\u00e4ndig wechselnden Sprachen wollen erobert und sich erarbeitet werden.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sind wir ja nun nicht mehr nur K\u00fcstensegler, sondern machen jetzt die langen Segel-Schl\u00e4ge mit den Nachtwachen und Wachwechseln (die aber halb so schlimm sind, wie ich\u00a0erwartet hatte), mit \u00a0der ungew\u00f6hnlichen Atlantikd\u00fcnung und dass 6 Windst\u00e4rken auf einmal Normalit\u00e4t zu sein scheinen (es gibt Charterfirmen in der Ostsee, die verbieten bei 6 das Auslaufen aus dem Hafen). <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_eek.gif\" alt=\":shock:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/><\/p>\n<p>Die Seekrankheit h\u00e4lt sich, wenn ich bei Welle die ersten Stunden konsequent an Deck bleibe, prima zur\u00fcck. Und Achim als Skipper erweist sich nicht nur als seefest, sondern als vertrauenerweckend souver\u00e4n, umsichtig, zuverl\u00e4ssig, streng und gerecht und sehr liebensw\u00fcrdig. Aber trotz der zunehmenden Gew\u00f6hnung an das Segeln und das wachsende Vertrauen in unser Schiff, wird dies nie meine Passion werden, aber als Mittel zum Zweck ist es akzeptabel und ertr\u00e4glich.<\/p>\n<p>Langeweile ist bislang ein Fremdwort:<\/p>\n<p>Spanisch Vokabeln werden gepaukt, mein Gitarrenspiel wird je nach akutem Erfolg oder Misserfolg fortgef\u00fchrt oder sein gelassen&#8230;. Mal muss die Naht an einer Tasche gen\u00e4ht werden, ein Obst-Netz wird geh\u00e4kelt oder die \u00a0Blog-Eintr\u00e4ge wollen geschrieben werden, Fotos sortiert und eine Art Buchhaltung \u00fcber unsere Ausgaben wird erstellt (peinlich <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_mrgreen.gif\" alt=\":mrgreen:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/> )&#8230; genau genommen ist es eine echte Buchhaltung mit einem alten Einnahme-\u00dcberschu\u00dfprogramm (sehr peinlich <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_mrgreen.gif\" alt=\":mrgreen:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/> \u00a0<img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_mrgreen.gif\" alt=\":mrgreen:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/> )<\/p>\n<p>Ich habe viel Zeit zum gem\u00fctlichem Einkaufen und Kochen, eigentlich einem meiner liebsten Hobbies. Wir gehen auf richtige touristische Sightseeing-Touren, machen Fahrrad- oder Fotoausfl\u00fcge und selten, ganz, ganz selten ist noch etwas Zeit zum Lesen \u00fcbrig. ;-)Zum Video Filmen bin ich noch gar nicht gekommen, die Tage sind einfach zu kurz&#8230;.<\/p>\n<p>Zwischenmenschlich l\u00e4uft es auch\u00a0super gut&#8230; was bei 24 Stunden auf engstem Raum zusammen leben nicht selbstverst\u00e4ndlich sein muss. Auch wenn es mal atmosph\u00e4rische St\u00f6rungen zwischen uns gibt, so sind diese nicht ausgepr\u00e4gter als im ersten Leben. Besonders einfach wird das Miteinander dadurch, dass wir uns \u00fcber die Reisegeschwindigkeit, Ortswahl, Freizeitgestaltung und Zeiteinteilung einig sind. Der Rest wird mal mehr mal weniger impulsiv besprochen&#8230;<\/p>\n<p>Tja, und \u00a0vermissen&#8230;, was ich wirklich vermisse\u00a0neben der Familie, Freunden und dem besten Kumpel, ist eine\u00a0Dunstabzugshaube.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Joachim`s Fazit:<\/span><\/p>\n<p>Nach 100 Tagen ist nun an der Zeit ein erstes Fazit zu ziehen. War die Entscheidung richtig, alles aufzugeben und haben wir das bekommen, was wir uns ertr\u00e4umt hatten?<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist es so, dass es mir so vorkommt, alles w\u00e4ren wir schon ewig unterwegs. Die Erinnerung an unser altes Haus in Hamburg verblasst und es gab nur wenige Tage, an denen ich \u00fcberhaupt noch einmal daran dachte. Wahrscheinlich ist die Anzahl von neuen Eindr\u00fccken einfach zu gro\u00df. Wenn wir z.B. die H\u00e4fen zu schnell hinter einander wechseln, dann erwischt man sich schon fast dabei, dass man nicht mehr wei\u00df, wo man gerade ist. Meist umgehen wir dieses \u201eProblem\u201c, in dem wir einfach in jedem Hafen etwas l\u00e4nger bleiben. Ich denke, dass man das am Besten mit dem Zeitempfinden w\u00e4hrend der eigenen Kindheit vergleichen kann. Als Kind habe ich die Jahre als sehr lang empfunden, ohne dass diese langweilig waren.<\/p>\n<p>Das Leben an Bord hat sich recht gut eingespielt. Wir haben zwar nicht mehr so viel Platz wie fr\u00fcher, aber vermissen tun wir\/ich das nicht. Was haben wir eigentlich mit diesem Platz angefangen? Wir gingen zur Arbeit und abends wurde h\u00e4ufig ausgiebig ferngesehen. Fernsehen\u2026.was war das noch? In den vergangenen 3 Monaten haben wir nur ein paar Spiele w\u00e4hrend der WM in verschiedenen Kneipen gesehen und zweimal haben wir uns einen Film auf dem Laptop angeschaut. In Summe also so viel, wie wir fr\u00fcher in 2-3 Tagen abgearbeitet h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Teil des Lebens an Bord besteht in der Beschaffung von allem, was ben\u00f6tigt wird. Wie bequem war es fr\u00fcher, einfach mit dem Auto irgendwo vorzufahren und den Kofferraum vollzupacken. Wenn wir heute in einen neuen Hafen fahren, dann hei\u00dft es erst einmal herauszufinden, wo denn \u00fcberhaupt der n\u00e4chste Supermarkt ist. Dann werden die Fahrr\u00e4der aus ihren Taschen geholt und schon sind wir bereit, 20-30Kg Nahrungsmittel und Getr\u00e4nke zu transportieren. Meist \u00fcbernimmt Bine den Einkauf, da sie mich im Laden als wenig motivierend empfindet.<\/p>\n<p>Das Segeln ist bislang eigentlich so, wie ich es erwartetet habe. Es ist Mittel zum Zweck, um von A nach B zu gelangen. Oft kam der Wind sowieso aus der falschen Richtung, oder war zu schwach. Wir sind keine ambitionierten Segler und werden es wohl auch nicht mehr. Es ist das Leben an Bord, was den Reiz ausmacht. Es ist aber nicht so, dass wir das Segeln verdammen. Wir w\u00fcrden aber niemals auf die Idee kommen, unseren Liegeplatz f\u00fcr einen kurzen T\u00f6rn zu verlassen.<\/p>\n<p>Zeit\u2026der pure Luxus und das h\u00f6chste Gut. Zeit haben ist Grundlage, um diese Reise machen zu k\u00f6nnen. Gern h\u00e4tten wir noch mehr davon. Die Tage sind h\u00e4ufig unbestimmt im Ablauf. Meist stehe ich zuerst auf und genie\u00dfe die ersten ruhigen Morgenstunden im Hafen. Wenn Bine dann dazu kommt, wird irgendwann gefr\u00fchst\u00fcckt und der Plan f\u00fcr den Tag gemacht. Das kann dann von Einkaufen, Ausflug machen, Putzen\u2026.alles M\u00f6gliche sein. Anders als im Urlaub vermischen sich Dinge. Einkaufen und Ausflug schlie\u00dfen sich nicht aus, sondern werden h\u00e4ufig in einem Abwasch erledigt. Dinge lassen sich aber auch mal verschieben, wenn man einfach keine Lust hat, oder etwas anderes machen m\u00f6chte, wie z.B. Lesen oder einfach mal nur so dasitzen\u2026.<\/p>\n<p>Es ist schon erstaunlich, wie schnell man sich an einem komplett neuen Lebensrhythmus gew\u00f6hnt und Dinge als Normalit\u00e4t akzeptiert, die man zuhause wohl nicht lange ausgehalten h\u00e4tte (lange Wege zur Dusche, die auch h\u00e4ufiger mal kalt ist, ein handbetriebenes Klo, Beschaffung von Gas und Wasser, niedrige T\u00fcren, an denen man sich immer mal wieder den Kopf st\u00f6\u00dft, etc etc).<\/p>\n<p>Die Entlohnung in Form von maximaler Freiheit bei der Zeiteinteilung, den vielen neuen Eindr\u00fccken, dem Erleben der L\u00e4nder, die wir bereisen, ist f\u00fcr mich jeden Preis wert.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"gef\u00e4llt mir\" data-post-id=\"1779\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"doof\" data-post-id=\"1779\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sabine`s Fazit: Ich vermisse nicht\u00a0Fernsehen oder Auto, nicht die Arbeit (wen wundert&#8217;s) und weder Waschmaschine noch Geschirrsp\u00fcler. 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