{"id":7100,"date":"2016-11-05T18:52:02","date_gmt":"2016-11-05T18:52:02","guid":{"rendered":"http:\/\/atanga.de\/?p=7100"},"modified":"2016-11-05T18:52:31","modified_gmt":"2016-11-05T18:52:31","slug":"warum-wir-die-halbe-nacht-auf-see-verbrachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atanga.de\/?p=7100","title":{"rendered":"Warum wir die halbe Nacht auf See verbrachten"},"content":{"rendered":"<p>Sa., 05.Nov.16, Grenada &#8211; St. George&#8217;s, Tag 889, 8.288 sm von HH<\/p>\n<p>Wie schrieb ich gestern so beil\u00e4ufig: &#8222;es ist kein Vergn\u00fcgen bei Nacht in eine Bucht einzulaufen&#8220;?<br \/>\nWas f\u00fcr eine selten d\u00e4mliche Untertreibung. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_mrgreen.gif\" alt=\":mrgreen:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/><br \/>\nWir h\u00e4tten &#8218;beinahe Schiffe&#8216; versenken gespielt.<\/p>\n<p>Bei der Ann\u00e4herung an die Bucht sehen wir, dass eine von vier Fahrwasser-Tonnen tats\u00e4chlich rot blinkt. Immerhin eine Quote von 25 Prozent.<br \/>\nDer Wind, der uns auf 650 sm fehlte, ist nun auch da. Boen von 20 Knoten und eine Str\u00f6mung von einem Knoten treiben uns in die Bucht. Eine m\u00fcde Mondsichel schafft nicht wirklich Erleuchtung.<br \/>\nDie Fahrrinne ist schmal. Zweihundert Meter. Das klingt nach viel, ist nachts jedoch nur die H\u00e4lfte wert.<\/p>\n<p>Wir halten auf das rote Licht zu. Ich gehe nach vorne, um mit der Lampe nach den unbeleuchteten Tonnen, ankernden Schiffen oder sonstigem Zeug zu leuchten.<br \/>\nAchim geht runter mit der Geschwindigkeit auf zwei Knoten. Wir k\u00f6nnen ja nicht mit f\u00fcnf Knoten in das dunkle Loch schie\u00dfen.<br \/>\nWir werden sofort vertrieben. Ohne entsprechende Geschwindigkeit im Schiff erfasst uns der Wind und dr\u00fcckt uns auf die gr\u00fcne Tonnen-Seite. Achim h\u00e4lt dagegen. Keine Chance. Wir brechen ab. Zu gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Jetzt kommt Plan B zum Zug: Ankern in der n\u00e4chsten Bucht. Diese ist zwar klein, aber offen in der Einfahrt. Hinter dem Riff zur windzugewandten Seite biegen wir ein. Viel Schutz bekommen wir nicht. Der Wind heult \u00fcbers Schiff. Auch Welle und Str\u00f6mung sind noch nicht abgerissen.<\/p>\n<p>Die Meinungen an Bord gehen auseinander. Ich bin f\u00fcr Abbruch, Achim nicht.<br \/>\nEr gibt die Kommandos, er ist der Skipper. Demokratie wird in diesem Augenblick ganz kleingeschrieben. Eine Abstimmung ist bei zwei Personen witzlos, also kommt das Kommando: &#8222;Anker fallen lassen&#8220;<br \/>\nWas f\u00fcr eine Idee. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_mrgreen.gif\" alt=\":mrgreen:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/><\/p>\n<p>Der Anker f\u00e4llt. Und denkt \u00fcberhaupt nicht daran zu greifen. Nach uns greifen aber Strom und Wind.<br \/>\nMit einem Knoten Speed treiben wir auf die andere Seite der Bucht. Mit Grauen sehe ich auf die Instrumente. Ich\u00a0br\u00fclle die Infos nach vorne zum Ankermann.<\/p>\n<p>Ich will den Abbruch, das halten meine Nerven nicht aus.<\/p>\n<p>Nun kann man beim &#8218;Anker auf&#8216; nicht einfach auf das Kn\u00f6pfchen f\u00fcr die Ankerwinsch dr\u00fccken und die Kette in den Ankerkasten rauschen lassen. Die Kette bildet beim Reinholen unangenehme Haufen. Diese m\u00fcssen mit der Hand an die Seite geschaufelt werden. Entsprechend l\u00e4nger dauert es, den Anker wieder hoch zu ziehen.<br \/>\nIn der Zeit treiben wir munter auf die andere Seite der Bucht. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_eek.gif\" alt=\":shock:\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/><\/p>\n<p>Ich kann nicht viel tun, sondern muss auf die Info von vorne warten, dass der Anker oben ist. Endlich kommt die Erl\u00f6sung. Ich gebe Gas. Blo\u00df raus aus der Bucht. Gef\u00fchlt war es knapper als es wahrscheinlich in Wirklichkeit war. Die Nerven liegen trotzdem erst mal blank. Das gibt Mecker f\u00fcr den K\u00e4pt&#8217;n. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_smile.gif\" alt=\":-)\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/><br \/>\nDrau\u00dfen haben wir dann Platz und Zeit einen Plan C zu diskutieren. Einig sind wir uns, dass es keinen weiteren Ankerversuch mehr geben wird!<\/p>\n<p>Ich bin f\u00fcr auf und absegeln bis zum Morgengrauen. Achim ist dagegen. Da er heute schon einmal der Bestimmer war, wird ernsthaft \u00fcber meinen Vorschlag nachgedacht.<br \/>\nSchnell sehe ich ein, dass auch das Bl\u00f6dsinn ist: Richtung Nord-Osten segeln k\u00f6nnen wir nicht, da ist die Spitze von Grenada im Weg. Richtung S\u00fcd-Osten geht auch nicht, da kommt der Wind her. Richtung Nord-Westen wollen wir nicht, das bringt uns zu sehr aus der Spur f\u00fcr den Weg zur\u00fcck.<br \/>\nAlso bliebe S\u00fcd-West. So hoch am Wind wie m\u00f6glich. Wir legen unter Maschine den Kurs an.<br \/>\nNein danke. Es kommt uns eine fiese Welle von einem knappen Meter entgegen. Darauf hat nach dem Theater keiner von uns Bock.<\/p>\n<p>Also Plan D.<br \/>\nAb nach St. George&#8217;s. Die gro\u00dfe Bucht davor kennen wir von unseren Dinghy-Ausfl\u00fcgen als der Au\u00dfenborder neu war. Die ist riesig und gut gesch\u00fctzt.<br \/>\nBis dahin sind es zw\u00f6lf Meilen, die wir Morgen gegen Wind und Welle wieder zur\u00fcck m\u00fcssen, aber das ist jetzt egal.<\/p>\n<p>Auf halber Strecke kommen wir an der Prickly-Bay vorbei. Das ist eine der beliebtesten Buchten auf Grenada. Dort ankern unglaublich viele Yachten, die auf die Hurrikan-freie Zeit warten. Wir \u00fcberlegen kurz dort rein zu fahren. Aber die Bucht kennen wir nicht und bevor wir wie die Trottel durchs dicht belegte Ankerfeld slippen, fahren wir durch bis St. Georges.<\/p>\n<p>Auch dort ist es recht voll, so dass wir uns weit au\u00dferhalb eine flache Stelle auf acht Meter suchen zum \u00dcbernachten. Der Anker h\u00e4lt sofort.<br \/>\nWir bleiben noch drei Stunden wach zur Ankerwache. Das gibt genug Zeit zur Man\u00f6verkritik. <img src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/plugins\/classic-smilies\/img\/icon_wink.gif\" alt=\";-)\" class=\"wp-smiley\" style=\"height: 1em; max-height: 1em;\" \/><\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-7100 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a class=\"boxersandswipers\" title=\"Unm\u00f6gliche Einfahrt bei Nacht\" href='https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Einfahrt-in-die-Davids-Harbour-Bucht.jpg'><img decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Einfahrt-in-die-Davids-Harbour-Bucht-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"Unm\u00f6gliche Einfahrt bei Nacht\" aria-describedby=\"gallery-1-7104\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-7104'>\n\t\t\t\tUnm\u00f6gliche Einfahrt bei Nacht\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a class=\"boxersandswipers\" title=\"K\u00fcste von Grenada\" href='https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/K\u00fcste-von-Grenada.jpg'><img decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/atanga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/K\u00fcste-von-Grenada-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"K\u00fcste von Grenada\" aria-describedby=\"gallery-1-7106\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-7106'>\n\t\t\t\tK\u00fcste von Grenada\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl>\n\t\t\t<br style='clear: both' \/>\n\t\t<\/div>\n\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"gef\u00e4llt mir\" data-post-id=\"7100\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">1    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger  \" title=\"doof\" data-post-id=\"7100\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sa., 05.Nov.16, Grenada &#8211; St. George&#8217;s, Tag 889, 8.288 sm von HH Wie schrieb ich gestern so beil\u00e4ufig: &#8222;es ist kein Vergn\u00fcgen bei Nacht in eine Bucht einzulaufen&#8220;? 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