Di., 29.Jan.19, Chile/Osterinsel/Hanga Roa, Tag 1703, 15.744 sm von HH
Wie beim Moai-Transport und beim ‚warum gibt es überhaupt Moai‘, so heißt es auch bei den Augen der Moai: „genaues weiß man nicht“. Ein fast komplettes Auge hat man in Anakena im Sand gefunden. Das ist heute im Museum ausgestellt. Daneben entdeckte man noch einige Dutzend Augen-Fragmente – eigentlich zu wenig, um die These zu stützen,dass alle Moai Augen hatten. Andererseits ist das Material empfindlich und leicht vergänglich.
Einziges Original-Auge was man gefunden hat
Die Augen sind aus Koralle gefertigt mit einer Pupille aus dem gleichen roten Tuffstein, wie die Kopfbedeckungen. Sicher ist, dass die Augenhöhlen nicht im Geburts-Krater fertig gemeißelt wurden, sondern erst, wenn ein Moai bereits auf seinem Ahu, seiner Plattform, stand. Alle Moais, die den Transport nicht überlebten, fehlen die fertigen Augenhöhlen. Ob ihnen dann dauerhaft die weißen Augen eingesetzt wurden, ist ungewiss.
In Hanga Roa, dem einzigen Ort der Insel, steht ein restaurierter Moai mit nachgebildeten Augen. Den Blick leicht himmelwärts gerichtet, wie es bei Moai üblich ist.
Moai komplett restauriertMoai und AtangaDen Blick immer leicht himmelwärts gerichtet
Die Ahu-Dichte ist enorm. Schaut man sich auf der Karte die Standorte an, so findet sich alle paar Kilometer eine Plattform einmal um die gesamte Insel herum. Seit den 50er Jahren wurden ungefähr 40 Moai wieder aufgerichtet. Von 288, die jemals auf einem Ahu standen. Das muss einen phantastischen Anblick gegeben haben.
Es gibt übrigens auch einen Ahu ‚Atanga‘. Leider im straßenlosen Norden der Insel. Dieser Ahu hat die Form einer Rampe, wie sie Wasserski-Läufer benutzen. Ein gefundenes Fressen für Erich von Däniken. Sah er doch in dieser Rampe eine Ufo-Startbahn. Dazu die Alien-Finger der Moai und seine Außerirdischen-Theorie war perfekt.
Die Größenentwicklung der Moai ist erstaunlich. Vor 1200 Jahren als der Spaß begann, waren die Moai kaum größer als ein Mensch. Die letzten Moai, grade 300 Jahre alt, sind bereits zehn Meter hoch inklusive ‚Hut‘.
Do., 24.Jan.19, Chile/Osterinsel/Hanga Roa, Tag 1698, 15.744 sm von HH
Wir leihen uns erneut ein Auto, um uns die zweite Hälfte der Insel anzuschauen. Immer auf der Suche nach Moai. Wir können uns nicht satt sehen an diesen so exzellent verkniffenen Mündern. Am einzigen Sandstrand der Osterinsel (ein zweiter Strand wurde vor ein paar Jahren von einem Tsunami fortgespült) werden wir fündig. Anakena ist ein attraktiver Ort, endlich mal einer mit Schatten. Die Palmen sind in den 60er Jahren aus Tahiti eingeführt worden.
Anakena
Vier Moai Prachtexemplare und drei Stummel stehen am Strand von Anakena. Von hier aus soll vor 1300 Jahren die Besiedelung der Osterinsel begonnen haben. Ein Kanu mit Menschen aus Polynesien, vielleicht den Marquesas, landete mit Tieren und Pflanzen im Kanu an dieser Stelle.
Die Statuen sind so gut erhalten, dass sogar ihre Bauchnabeln und ihre Hände zu erkennen sind. Diese erinnern an Hände von Außerirdischen. Ein gefundenes Fressen für Spinner. Die Moai wurden nach ihrem Umsturz vom Sand begraben und hervorragend konserviert.
Die Sieben von AnakenaMoai mit HutDie geilen, verkniffenen Münder – zu schönAlien-Hände und Bauchnabel
Ein einzelner bulliger Moai steht etwas abseits. Dieser war der erste, der in der Neuzeit wieder aufgerichtet wurde. Thor Heyerdal zeigte, dass ein tonnenschwerer Moai mit Hilfe von Holzstangen und einer Steinrampe hingestellt werden konnte. Sein Team benötigte allerdings achtzehn Tage für das Experiment. Etwas abseits liegt noch ein zerbrochener Moai, der die unfertigen Augen aus der Steinbruch-Auslieferung aufweist. Ein klares Indiz, dass er nie auf der Plattform gestanden hat. Er ist vielleicht beim Aufrichten zerborsten. Ich möchte nicht der arme Kerl gewesen sein, der im Steinbruch beichten musste: „Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, aber ich habe deine Arbeit von mindestens einem Jahr umkippen lassen. Ohps …“
Koloss in der entwaldeten Landschaft
Vier Moai tragen wieder ihre Kopfbedeckungen von denen keiner weiß, ob es sich um einen Hut oder die Darstellung von Haar mit dem verbreiteten polynesischem Knoten handeln soll. Die meisten „Hüte“ sind beim Sturz zerbrochen und konnten den Moai nicht wieder aufgesetzt werden. Die Hut-Fabrik befindet sich in einem anderen Krater als die Moai-Werkstatt.
Kilometerweit liegen die beiden Krater auseinander. Im Krater ‚Puna Pau‘ gibt es roten, leichten Tuffstein, der einfach zu bearbeiten war. Auch in ‚Puna Pau‘ wurde die Arbeit einfach stehen und liegen gelassen. Ein Dutzend ‚Hüte‘ liegt fertig bearbeitet bereit. Aber niemand ist mehr zur Abholung erschienen.
Die Hutproduktion lief gutKopfbedeckung fertig zum AbtransportPetroglyphen in den Hüten
Am Ahu Akivi stehen sieben Moai. Sie sind die einzigen auf der Insel, die Richtung Meer blicken. Aber die Blickrichtung täuscht, denn ein Moai hatte immer auf das Dorf und seine Nachfahren zu schauen, um ‚Mana‘ abgeben zu können. Und tatsächlich wurden Überreste eines Dorfes zwischen den Moai und dem Meer gefunden. Somit schauen diese Moai nur scheinbar Richtung Ozean. Die Moai-Welt ist also auch im Inselinneren geordnet. Die Moai im Licht der noch tiefstehenden Morgensonne ist ein bewegender Anblick. Viel ruhiger und gelassener wirken die Inland-Statuen als ihre Kameraden, die am Ufer mit der tosenden Brandung wohnen.
Die Sieben, die aufs Meer blicken – alle ungefähr 4 Meter groß
Wir sind so angefixt von den Moai, dass wir sogar versuchen mit unserer 10-Tages-Karte noch einmal in den Geburtskrater eingelassen zu werden. Aber der Typ am Häuschen passt auf: „Nur gültig für einen Besuch!“ Schade, so bleiben die Moai ein im wahrsten Wortsinn ein einmaliger Anblick im Leben.
Mo., 21.Jan.19, Chile/Osterinsel/Hanga Roa, Tag 1695, 15.744 sm von HH
Moai satt
Endlich Moai. Den ganzen Tag Moai. Moai satt. Die berühmten Stein-Statuen der Osterinsel. Moai in Reihe, Moai am Hang, Moai mit dem Gesicht im Dreck. Kleine Moai, große Moai. Um zu den Moai zu gelangen, mieten wir uns ein Auto für 60 EUR. Nicht ganz preiswert, aber mit einer organisierten Tour, die einen über die Insel hetzt, wollen wir nicht fahren. Es gibt praktisch nur eine Straße auf der relativ kleinen Osterinsel (27 Kilometer in der längsten Ausdehnung). Wer abends mehr als 80 Kilometer auf der Uhr hat, macht etwas falsch.
Rano Raraku
Wir steuern direkt den Höhepunkt der Insel an: den Krater Rano Raraku. Dieser Krater ist die Geburtsstätte der Moai. Schon bei der Anfahrt sieht man die Statuen im Hang stehen. Die Faszination dieses Ortes springt sofort auf uns über. Die Anzahl der fertigen und halbfertigen Moai ist überwältigend. 397 Moai sind hier registriert. Und zweifellos sind noch weitere verschüttet.
Der Krater Rano Raraku wo die Moais entstanden
Der Ort gleicht einer Geisterstadt in der Arbeiter eines Tages alles stehen und liegen gelassen haben und nie zurück kehrten. Sogar ihre Arbeitswerkzeuge, einfache Keile aus härterem Gestein, fand man neben den halbfertigen Moai einfach fallen gelassen, so als sollte Morgen die Arbeit weiter gehen. Aber am nächsten Tag kehrte niemand in den Steinbruch zurück. Von ungefähr 250 Jahren hörte von einem Tag auf den anderen die exzessive Produktion der Moai einfach auf …
Im Hintergrund sieht man die eckigen Nischen aus denen die Moai heraus geschlagen wurden
Die Moai wurden auf dem Rücken liegend aus dem weichen Tuffgestein gemeißelt. Liegend erhielt er seine Gesichtszüge, die Details des Torsos und seine Arme. Lediglich die Einzelheiten der Augen fehlten. Die bekam ein Moai erst an seinem Bestimmungsort eingemeißelt.
Hier zwei unfertige KameradenDieser ist noch mit dem Rückrat mit dem Stein verbunden – der größte Moai von allen 22 Meter lang
Am Ende schlug man den Rücken keilförmig aus der Felswand heraus und ließ den Moai mit einem System von Seilen und Rollen den Abhang hinunter gleiten. Dort wurde er in vorher ausgehobene Gruben gestellt, damit der Rücken fertig bearbeitet werden konnte. Die Moai im Hang sind weder restauriert, noch wurden sie hier von Archäologen aufgestellt. Sie stehen so, wie die Steinmetze sie zurück gelassen haben. Nachdem der Steinbruch verlassen wurde, rutschen Erdreich und das Geröll der Meißel-Arbeit ab und begruben die weiter unten stehenden Moai. Die Köpfe, die heute zu sehen sind, haben alle einen Körper. Thor Heyerdal grub einen der Moai aus, um diese Theorie zu beweisen.
Sie sind zum Teil wirklich riesig. Die andere Hälfte ist im Erdreich begrabenBeeindruckende Moai
Die offensichtliche Besessenheit immer mehr und immer größere Moais zu bauen, führte zu einem Moai-Stau am Kraterhang. An Steinen und Baumeistern mangelte es nicht. Die Verknappung von Holz auf der Insel machte es zunehmend schwieriger, die Moai aus dem Steinbruch abzutransportieren.
Vom Fuß des Kraters traten die Moai ihren Weg über die Insel auf sogenannten ‚Moai-Straßen‘ an. Sie wurden zu ihrem Ahu gebracht. Einem Steinpodest auf dem die Moai aufgerichtet wurden. Ob sie auf einer Art Schlitten liegend oder auf Rollen stehend transportiert wurden, darüber herrscht unter Wissenschaftlern Uneinigkeit. Alles ist möglich. Sämtliche Theorien konnten mit den Mitteln, die den Insulanern damals zur Verfügung standen, erfolgreich nachgestellt werden. Der Transport war für den frisch geborenen Moai lebensgefährlich. Stein-Leichen pflastern die Straßen. Über die weite Ebene verstreut, liegen alle hundert Meter zerbrochene Moai. Ein zerbrochener Moai war wertlos, da er sein Mana (Kraft, Energie, Spiritualität) ausgehaucht hatte. Er wurde achtlos liegen gelassen und man wandte sich dem nächten Koloss zum Transport zu. Die Arbeit von ein, zwei Jahren war dahin.
Gefallener und zerbrochener Gigant
Angesichts dieser unglaublichen Ressourcen-Verschwendung scheint es nicht verwunderlich, dass diese Kultur unter gegangen ist. Als 1722 die Osterinseln von Europäern entdeckt wurde, schien die Moai-Welt noch in Ordnung. Aber bereits 50 Jahre später, als Thomas James Cook die Osterinsel besuchte, berichtete er von umgestoßenen Statuen. Weitere 60 Jahre später stand kein einziger Moai mehr auf seinem Ahu und es ist ein körperlich schlechter Zustand der Insulaner überliefert.
Tongariki
Nur ein paar Kilometer weiter befindet sich Tongariki. Wenn man mit dem Auto um die Ecke biegt, macht einen der Anblick sprachlos. Mit heruntergeklappter Kinnlade betreten wir das Gelände.
Tongariki ist unglaublich – der größte Moai ist fast 10 Meter hoch
Fünfzehn Moai stehen auf ihrem Ahu. Wie auf allen Ahu waren auch hier die Moai umgekippt worden. Dabei hat man sorgfältig darauf geachtet, dass die Moai mit dem Gesicht im Dreck landen. Warum? Es ist nicht überliefert. Uns erscheint die Theorie am wahrscheinlichsten, dass die Rapa Nui merkten, dass sich trotz des besessenen Baus von Moais ihre Lage kontinuierlich verschlechterte. Dabei sollten die Moai doch ‚Mana‘ auf ihre Erbauer abgeben. Als man merkte, dass dies nicht funktionierte, gab man die Moai auf und wandte sich dem Vogelmann-Kult zu. Vielleicht war es aber auch ganz anders. Vielleicht gab es Stammes-Fehden, die zum Umsturz der Moai führten. In den 90er Jahren konnten in Tongariki – mit Hilfe eines gesponserten Krans einer japanischen Baufirma – alle 15 Moai wieder aufgerichtet werden. Und bieten heute diesen spektakulären Anblick.
15 Moai in TongarikiAuf allen Ahu schauen die Moai nicht aufs Meer sondern senden ihr Mana in Richtung Land
Die fünfzehn Moai in Tongariki stammen aus unterschiedlichen Perioden, wahrscheinlich mehrere Jahrhunderte. Die Gestalt ist ähnlich. Nur in Größe und bei den Details finden sich Variationen.
Rano Kau und Orongo Fr., 18.Jan.19, Chile/Osterinsel/Hanga Roa, Tag 1692, 15.744 sm von HH
Wie läuft das hier auf der Osterinsel? Die Kult-Stätten mit den Moais, Petroglyphen, Höhlen und Kratern sind über die gesamte Insel verteilt. Daher hat man praktischer Weise die gesamte (fast die gesamte) Osterinsel zum Nationalpark erklärt. Man kauft einmalig eine Eintrittskarte für üppige 72 EUR pro Person und diese Karte wird an den einzelnen Sehenswürdigkeiten abgestempelt. Die drei Mega-Highlights darf man nur einmal besuchen mit einem bezahlten Eintritt. Außerdem hat die Karte nur eine Gültigkeit von 10 Tagen. Für Touristen, die mit dem Flugzeug kommen, kein Problem. Für Touristen auf ihren Segelbooten mit gesperrtem Hafen tickt die Uhr.
Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht. Wer zu den Stätten möchte, muss eine organisierte Tour buchen oder sich ein Auto mieten. Außer Rano Kau. Den nahe an Hanga Roa liegenden Krater erreicht man über eine Wanderung von sechs Stunden (hin- und zurück) auch zu Fuß.
Wir wählen den Marsch statt Touristenbus. Unser Weg führt uns an der Nordwest-Flanke des Krater hoch auf 300 Meter. Wir stoßen auf einen zaghaften Versuch der Wiederaufforstung der komplett entwaldeten Osterinsel. Eukalyptus, Zypressen und ein paar Palmen bilden einen lichten Wald. Der Rest der Strecke ist baumlos. Der wiesenartige Bewuchs erinnert an Europa: Klee, Binsen, Diesteln, Lupinen und etwas Bärenklau. Die angeblich dreitausend halbverwilderten Pferde auf der Osterinsel sorgen für einen flachen Bewuchs.
Blick zurück auf Hanga Roa
Eine Baum-Flüsterin
Denker auf der Bank
Der perfekt kreisrunde Kessel des Kraters Rano Kau ist zweihundert Meter tief und hat einen Durchmesser von einem Kilometer. Wie ein Flickenmuster wirken die Schilf-Inseln im Kratersee. Interessanter Weise ist es das gleiche Schilf, was am Titicacasee in Bolivien wächst. Dies führte Thor Heyerdal irrtümlich zu der Annahme, dass die Ureinwohner der Osterinsel aus Südamerika stammen und dass sie mit Schilfbooten, wie seine Kontiki, auf die Insel gelangt sein mussten. Diese Theorie ist heute durch Gentests widerlegt. Dier ersten Bewohner kamen aus Westen. Sie kamen aus Polynesien in ihren Kanus auf der Insel an. Das Schilf muss seinen Weg auf natürliche Weise gefunden haben.
Krater Rano KauSchilfinseln im Kratersee Rano Kau
An der Krater-Flanke zum Meer klebt das Dorf Orongo auf schmalem Grat. Vierhundert Meter fallen die Felswände ins Meer hinab. Orongo umfasst 48 ovale Gebäude, die ohne Mörtel aus schmalen Steinplatten aufgeschichtet sind. Die Eingänge bilden schmale Tunnel, durch die sich grade eine Person quetschen kann. In die Steine an der Klippe sind ‚Vogelmänner‘ gemeißelt. Menschliche Körper mit Vogelköpfen, von denen einige ein Ei in der Hand halten.
Die flachen Wohnhäuser in Orongosind direkt an die Klippen gebautmit ihren kleinen EingängenVogelmann-Petroglyphen
Diese Häuser wurden nur während der Vogel-Mann Zeremonie im Frühjahr genutzt. Bis 1862 war Orongo Mittelpunkt für diesen Kult. Die Zeremonie ehrt den höchsten Inselgott Makemake, der jahrhundertelang den einzigen Boten der Außenwelt auf die Insel brachte: die schwarze Seeschwalbe. Möglicherweise diente das Vogelmann-Ritual auch dem friedlichen Versuch die Stammes-Fehden auf der Insel zu beenden, denn das Ritual kam erst zu Beginn der Streitigkeiten auf der Insel so richtig in Mode.
Überliefert ist jedoch, dass im August jeder Stamm einen auserwählten Diener, einen Hopu, zur größten Insel vor der Küste schickte. Bis zu einem Monat mussten die Hopu auf der Insel ausharren bis einer von ihnen das erste Ei einer Seeschwalbe fand. Der Hopu band sich das Ei vor den Kopf und brachte es schwimmend seinem Häuptling. Der entsprechende Häuptling wurde zum Vogelmann des Jahres gekrönt. Ihm wurden Haare, Wimpern und Augenbrauen abrasiert. Als „Belohnung“ für den Erfolg seines Hopu wurde der Vogelmann das ganze Jahr in Einsamkeit eines der Häuser auf den Klippen von Orongo gesperrt.
Vielleicht symbolisiert der Vogelmann auch nur den geheimen Wunsch der Insulaner ihrer zum Alptraum gewordenen Enge und Abgeschiedenheit auf Vogelschwingen entfliehen zu können?
Mi. bis Sa., 02.bis 05.Jan.19, Süd-Pazifik, Tag 1676-9, 15.744 sm von HH
Tag1: „Paddel als ob es um dein Leben geht“, schreit Achim mir zu. Ich gebe alles. Aber wir kommen Atanga nicht einen Meter näher. Wir sitzen zusammen in unserem Dinghy und benutzen die Riemen als Stechpaddel. Zwanzig Knoten Wind fegen über uns hinweg. Das Mutterschiff ist unerreichbar. Es sind nur lächerliche fünfundzwanzig Meter, aber wir stehen auf der Stelle. „Ich schwimme hin, kletter an Bord und werf dir eine Leine zu“, schlage ich zwischen zwei Stößen vor. „Keine gute Idee, die Badeleiter ist oben, du kommst nicht an Bord.“ Hinter uns kommt nur Wasser. Nächster Stopp Pitcairn, tausend Meilen entfernt. Es würde uns schon jemand finden, überlege ich so, während mir die Kraft ausgeht. Wir haben die Hand-Funke dabei und draußen fahren immer ein paar Fischer entlang. Da naht Hilfe herbei. Scottsman von der ‚Cool Change‘ ***hat uns gesehen. Es geht doch nichts über die Segler-Gemeinschaft. Einer passt immer auf.
Drei Minuten später sind wir sicher an Bord. Ich habe die Nase gestrichen voll. Der Tag fing schon bescheiden an. Am zweiten Morgen nach unserer Ankunft wollen wir etwas anderes als Wasser sehen. Ein ausgedehnter Landgang ist nicht geplant, wir wollen dem Anker noch etwas mehr Zeit geben, sich festzusetzen. Aber ein Blick in den ‚Hafen‘, den wollen wir uns gönnen. Das Dinghy dümpelt im Wasser, der Motor ist montiert, ein Probelauf ist gemacht. Ich sitze erwartungsvoll vorne im Bug vom Dinghy. Der Motor stirbt, noch bevor ich die Leine losgetüttelt habe. „Klingt abgesoffen“, findet Achim. Alle Versuche den Motor erneut zu starten, schlagen fehl.
Er baut den Vergaser aus, reinigt, pustet und guckt wissenschaftlich. Eine halbe Stunde später höre ich den Motor brummen. „Kommst du?“ Schnell springe ich ins Dinghy. „Ich bleibe erst mal in der Nähe von Atanga.“ „Gute Idee, Skipper.“ Der Motor stirbt. „Klingt abgesoffen!“ Jedes Mal, wenn Achim etwas Gas zurück nimmt, füllt sich der Vergaser mit Sprit und säuft ab. Wir treiben direkt auf Atanga zu. Achim gibt mit den Riemen nur ein wenig Stützruder.
Das Cockpit wird erneut zur Werkstatt. Der Vergaser bekommt aus dem Reparatur-Kid eine neue Nadel und einen neuen Schwimmer.
Skipper gibt alles
Der Motor schnurrt wie ein Kätzchen. „Komm, wir versuchen es noch einmal“, fordert Achim mich auf. Nach ein paar gut funktionierenden Sicherheits-Schleifen um Atanga verrecken wir auf halber Strecke zum Hafen. „Klingt abgesoffen.“ Na, den Spruch kenne ich nun bereits. Achim beginnt zu rudern, aber das kann man bei unserem Schlauchboot und Wind komplett vergessen. Damit schaffen wir kaum einen Meter vorwärts. Die Stechpaddel-Methode kommt zum ersten Mal zum Einsatz. Mit Ach und Krach schaffen wir es, nicht vertrieben zu werden und erreichen Atanga.
Erneut liegt der Vergaser auf den OP-Tisch. Sogar ich werde zu Rate gezogen, ob ich an dem Ventil, dass von der neuen Nadel geschlossen wird, etwas erkennen kann. Nö, sieht gut aus. Beide schauen wir wissenschaftlich in das Gerät. Achim pustet, fummelt, probiert und baut den Vergaser erneut ein. „Jetzt aber“, freut sich der Skipper. Im Standgas läuft der Außenborder eine Viertelstunde neben dem Schiff. Achim dreht etliche Ehrenrunden, dann versuchen wir es noch einmal gemeinsam. Und, oh Wunder, wir kommen bis zu Hafen. Ein kurzer Blick und Orientierung, wie das hier wohl laufen mag und ein Schwätzchen mit unseren schwedischen Nachbarn. Der Außenborder springt danach problemlos an und wir düsen zum Schiff zurück. Hundert Meter davor säuft der Motor ab. Wir stechpaddeln bis Scottsman zur Hilfe eilt.
Tag2: „Mir reicht es“, lässt Achim mich wissen, „ich tausche jetzt noch alle Membranen und Dichtungen, die sich im Reparatur-Set befinden.“ Gesagt, getan und von Erfolg gekrönt. Achim düst durchs Ankerfeld, mit viel Gas, mit wenig Gas, alles super. Kurz bevor er stolz die ‚Cool Change‘ erreicht, ist der Ofen wieder aus. Allgemeine männliche Ratlosigkeit. Achims Diagnose lautet: die ‚Schwimmernadel‘ schließt nicht hundertprozentig das Ventil. Allerdings nur unter bestimmten Umständen, die noch im Dunkeln liegen.
Scottsman bringt Achim zu Martha. Martha ist eine junge Einheimische, die auf ihrem Segelboot wohnt und mit Touristen Sundowner-Segel-Touren unternimmt. Sie kennt zwei Mechaniker, die sie sofort anruft. Der eine lässt uns wissen, er habe keine Zeit, der andere ist gar nicht auf der Insel und wird erst am 11. Januar zurück erwartet. Wir sind ratlos. Mit unserem Dinghy können wir nicht an Land. Scottsman fährt uns nachmittags mit seinem Dinghy. Wir sollen uns noch einmal bei der Armada (Marine) melden, wurde uns beim Einklarieren erklärt. Und einkaufen würden wir auch ganz gerne etwas. Bei der Armada läuft es super. Wir erklären, warum wir nicht bereits gestern vorbei gekommen sind. Da macht Señor Gomez ein wichtiges Gesicht. Drei Telefonate später strahlt er und erklärt er uns, dass Morgen Nachmittag im Hafen ein Mechaniker auf uns warten würde. Und, dass wir nun zwei Monate (statt nur 30 Tage) auf der Osterinsel bleiben dürfen. Na, das läuft ja! Ein erster Versuch, per Internet Kontakt mit dem Rest der Welt aufzunehmen, ist von kurzem Vergnügen. Es gibt ein öffentliches Netz, aber das so langsam, das kann man vergessen.
Tag3: Kein Mechaniker um 14:00 Uhr im Hafen. Ich warte am Dinghy, was Scottsman für uns in den Hafen geschleppt hat, um den Kerl nicht doch noch zu verpassen. Achim stiefelt zur Armada. Dreißig Minuten kommt Achim mit dem jungen Fabien zurück. Es stellt sich heraus, dass Fabien der Mechaniker der Armada ist und extra für unsere Reparatur ‚freigestellt‘ wurde. Er startet den Motor, fummelt an der Standgas-Schraube. Dann guckt er in den Vergaser, pustet, prüft, pustet wieder, spielt mit der Nadel und ist nach zwei Stunden der gleichen Meinung wie Achim: Die Nadel dichtet das Ventil nicht richtig ab.
Fabien gibt alles
Beherzt verbiegt er die Lasche am Schwimmer, um mehr/früher Druck auf die Nadel zu bringen. Eine gemeinsame Probefahrt läuft großartig. Fabien möchte für seine Arbeit 12,50 EUR. Alle sind happy: „Muchas gracias, amigo.“ Achim und ich kaufen noch etwas ein, finden ein Internet-Cafe mit sowas ähnlichem wie Internet. Vergaser gut, Ende gut.
Wir fahren mit schurrenden Motor durchs Ankerfeld und legen einen Stopp bei der ‚Cool Change‘ ein, um die frohe Kunde zu verbreiten. Nach einem kurzen Plausch, springt der Motor nur zögerlich an. Grrrrr. Und bei wenig Gas gibt es jetzt ein ungesundes Geräusch. Das ist neu.
Tag4: Achim dreht die Standgas-Schraube in die Ursprungs-Lage zurück. Jetzt springt das Baby wieder vernünftig an. Dieses Problem ist vom Tisch. Er schaut erneut wichtig in den Vergaser. Bei Probefahrten wird klar, der Vergaser säuft nicht mehr ab und funktioniert bei Vollgas hervorragend. Die Reparatur war erfolgreich. Bei Standgas und langsamen Tempo stirbt der Vagaser nun an Spritmangel. So als ob jetzt zu viel Druck auf das Ventil ausgeübt würde. Es ist zum Heulen. Wir brauchen einen verlässlichen Außenborder. Ausgerechnet am Arm der Heide stehen wir vor diesem Problem. Plan A: wir wollen versuchen, einen neuen Vergaser zu bestellen. Fast täglich kommt ein Flieger auf die Osterinsel aus Santiago de Chile. Wir haben wenig Hoffnung. Hier fahren alle Yamaha, wir haben einen Tohatsu. Plan B: Achim pumpt mit der kleinen Handpumpe vom Benzinschlauch manuell Sprit in den Vergaser, wenn der droht zu ersticken. Bei ersten Probefahren klappt die Methode gut. ‚Cool Change‘ ist ein halbes Jahr so durch die Gegend gefahren. Plan C: gibt es nicht.
*** Kleine Nebengeschichte: Die ‚Cool Change‘ haben wir vor 2,5 Jahren auf Grenada kennen gelernt. Dort haben die beiden Filmemacher-Jungs unsere nagelneue Leine an der wir in der Marina an der Mooring hingen, kaputt gefahren. Dann haben wir uns aus den Augenverloren und vor zwei Monaten in Ecuador wieder getroffen.
Süßes Land nicht erreichbar
1
Cookie Hinweis und Einverständnis
Unsere Seite verwendet Cookies. Durch das Anklicken von "Einverstanden" stimmen Sie der Verwendung aller Cookies zu.
This website uses cookies to improve your experience while you navigate through the website. Out of these, the cookies that are categorized as necessary are stored on your browser as they are essential for the working of basic functionalities of the website. We also use third-party cookies that help us analyze and understand how you use this website. These cookies will be stored in your browser only with your consent. You also have the option to opt-out of these cookies. But opting out of some of these cookies may affect your browsing experience.
Necessary cookies are absolutely essential for the website to function properly. This category only includes cookies that ensures basic functionalities and security features of the website. These cookies do not store any personal information.
Cookie, der für die Erstellung der Besucherstatistik benötigt wird. Die IP wird dabei nur in verkürzter Form verwendet. Ihr Einverständnis zur Verwendung dieses Cookie ist notwendig.
Translate »
Lieber Besucher, diese private Seite verwendet Cookies. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, dann können Sie die Verwendung von Cookies in Ihrem Endgerät unterbinden bzw. die Seite verlassen.
Einstellungen