22. – 24. Jun. 26; Vanuatu, Efate, Esema Bay; Tag 4.405 – 7; 29.861 sm total
Zum nächsten Ankerplatz sind es nur 23 Meilen. Was für ein abwechslungsreicher Segeltrip. Wind: 5 bis 30 Knoten; Wellen: platt bis 2,5 Meter. Und obwohl wir Kurse von 230 bis 70 Grad anliegen haben, können wir komplett segeln. Das kann man genießen, wenn man will.

„Ach, die paar Wellen am Kap“, dachte ich noch so. Nein! Als Info für nachfolgende Boote: Hier geht es zur Sache. Aus dem Nichts 2,5 Meter Wellen aus vielen Richtungen. Ein Segler, der uns entgegengekommen ist (am Wind), ist tatsächlich umgedreht. Das war Arbeit am Ruder für eine knappe Stunde.

Außer am Kap ist es schönstes Küstensegeln. Abwechslungsreich wie lange nicht. Da gehe ich auch schon mal fünf Stunden freiwillig ans Ruder.
Der Anker fällt auf zehn Meter vor einer Mangroven-Wand. Vom nahen Dorf hören wir nichts. Ohne Wind und Schwell schläft es sich wie in einem Sarg. Wir können uns nicht an einen so ruhigen Ankerplatz erinnern. Mehr Genuss macht sich breit.
Wir paddeln mit dem Kajak zwischen den Mangroven umher. Dort treffen wir auf einen Trupp Arbeiter von der Insel gegenüber. Jeden Morgen kommen sie mit ihren einheitlichen Plastikbooten zu unserer Seite rüber gefahren. Zurzeit fangen sie etwas später an, wie man uns berichtet. Flexi-Time ist das Zauberwort.
Fußball ist der Grund für ihre Verspätung. Irgendeiner im Dorf hat eine Satellitenschüssel. Davor wird sich versammelt und kein einziges Spiel verpasst. Wenn die Leute hören, dass wir aus Deutschland kommen, freuen sich alle über den deutschen Einzug in die nächste Runde.
Vanuatu ist fußballbesessen.
Die Arbeiter gehen zu ihren „Gärten“, wie sie sagen. Auf dieser Seite werden Tomaten und Pak Choi angebaut. Auf ihrer Insel Maniok. Ohne das zufällige Treffen hätten wir den Weg in den Dschungel gar nicht entdeckt.
Am zweiten Morgen, als alle noch beim Fußball sitzen, suchen wir die Gärten. Vor unserem geistigen Auge tauchen gepflügte Felder auf. Beinahe wären wir dran vorbei gelaufen. Es ist eher ein wilder Acker. Der Begriff Garten ist dehnbar. ![]()

Einer der Gärten. Eine wild gerodete Fläche. In den Löchern stecken zarte Pflänzchen von Pak Choi und Tomaten. Alle tipp-topp. Keine hängenden Blätter, keine Kümmerlinge darunter.
Wir sitzen beim Mittag, als mein Blick auf eines der Longboote fällt. Da wir uns vor zwei Stunden noch darüber unterhalten haben, wie sorgfältig die Boote in den Mangroven vertäut und außerdem mit einem Anker gesichert werden, fällt es mir sofort auf. Eines der Boote ist auf Abwegen. Kein Zweifel. Da der Grund hier sehr steil abfällt, ist es nur noch eine Frage von Minuten, wann der Kahn richtig Fahrt aufnehmen wird.
Da wir nur mit dem Kajak unterwegs sind, liegt unser Dinghy an Deck. Der Motor ist am Heck festgezurrt. Bevor wir das in Betrieb haben, ist das Boot abgetrieben. Achim zögert nicht lange: „Ich muss das Kajak nehmen. Aber damit kann ich das schwere Boot nicht ziehen. Den fremden Motor lasse ich besser in Ruhe, man weiß nie, wie das aufgenommen wird. Ich renn in den Wald und suche die Leute. Tschüss.“
Ich bleibe an Deck und halte Ausschau. Ein Boot kommt von der anderen Seite und fährt zum Dorfanleger mit fünfhundert Metern Abstand. Ich winke wie wild. Man sieht mich nicht. Fünfzehn Minuten später kommt ein zweites Boot. Ich winke. Die beiden Männer winken zurück. Nein, nein, so war das nicht gemeint. Ich winke wilder. Sie verstehen und kommen auf mich zugefahren. Viel muss ich nicht sagen, ein Fingerzeig auf das Boot auf Abwegen reicht. „Tangkiu tumas!“
Und dann kommt auf einmal Hilfe von allen Seiten. Meine herangewunkenen Jungs. Ein Boot aus den südlichen Mangroven schießt auch auf uns zu. Wo das auf einmal herkommt? Und einer der Feldarbeiter paddelt wie verrückt in unserem Kajak auf den driftenden Kahn zu.
Achim war den Weg in den Wald entlanggerannt. Keiner zu sehen. Fast hatte er schon den Garten erreicht, laut rufend: „Eins eurer Boote ist auf Drift, eins der Boote ist auf Drift“, ohne jemanden zu sehen oder zu hören. Bis schließlich ein Mann hinter ihm auftauchte. Gemeinsam sind sie zum Ufer zurückgerannt und Achim hat ihm unser Kajak geliehen.
Der junge Mann erzählt, dass das Boot seinem Onkel gehört. Der wird sich heute Abend freuen. Die Kombination aus Longboot plus 30-PS-Außenborder hat einen Wert von sieben bis zehntausend Euro. Viel Geld für einen Arbeiter, der nur mit Spaten und Machete das Feld bestellt.
Auf jeden Fall bekommt Achim heute einen Helden-Stern von mir. ![]()










































