Pilbara = Roter Staub, lange Züge und viel Eisen

15.-19.04.24,  Australien/WA/Tom Price, Tag 137-141 Roadtrip,  12.421 km total, 186 Tages-km

Ich nehme es gleich vorweg: wofür Rio Tinto eine Prüfung zum Befahren ihrer Rail Road verlangt, verstehen wir nicht so recht. Die Straße dient als Service-Weg für Gleisarbeiten, weißt sonst jedoch keine Besonderheiten auf. Aber die Straße ist trotzdem spannend und eine Abkürzung von fünfzig Kilometer, wenn man von Karratha in den Karijini Nationalpark möchte.

Die Piste führt 150 Kilometer parallel zu einem Teilstück der Eisenbahntrasse, die ausschließlich zum Eisenerztransport genutzt wird.
Die Züge auf der Strecke können sich sehen lassen: Drei Loks und 236 Waggons bilden eine Länge von 2,4 Kilometern! Rio Tinto verfügt über ungefähr 75 Züge, die in durchschnittlich 28 Stunden ihre Runde Miene- Hafen- Miene schaffen. An uns zieht ein Zug nach dem anderen vorbei. Lokführer gibt es keine. Die Züge werden von Perth aus (Home Office vielleicht?  :mrgreen: ) gelenkt. Fein säuberlich sind die Waggons exakt mit 116 Tonnen Eisenerz beladen. Das ergibt die unglaubliche Menge von 332 Millionen Tonnen Erz jährlich. Die Pilbara wird buchstäblich häppchenweise auf Züge verladen und nach China verschifft. Eine eigene Stahlindustrie leistet sich Australien nicht.

Drei Lokomotiven ziehen 2,4 Kilometer Zug.

Endlose Waggon-Schlangen bringen Australiens Berge an die Küste

Säuberlich gefüllte Waggons

Drei Wasserwerfer fahren vor dem Grader vorweg. Ob das nur auf der Rio Tinto Straße zum Schutz der vielen Gleisarbeiter gegen den Staub gemacht wird, müssen wir noch heraus bekommen.

Der Grader zieht die Straßen glatt – im Grunde wie ein Schneepflug.

Die Entwässerung des Bahndammes nach heftigen Regenfällen. Alle paar Kilometer findet man solche Rohre. Zwei Meter und mehr im Durchmesser.

Wie nach dem Erz gebuddelt wird, wollen wir uns in Tom Price anschauen. Ihren Ortsnamen, der wie ein Video-Spiel klingt, verdankt die Kleinstadt einem amerikanischen Geologen, Thomas Price, der 1962 die Eisenerz Vorräte in der Region entdeckte. Diese gilt als das weltweit größte bekannte Vorkommen an Eisenerz.

Tom Price wurde für die Mienenarbeiter und ihre Familien gegründet. Wirkte die Goldminen-Stadt Roxby Downs wie aus dem Labor, so zeigt Tom Price ein anderes Gesicht. Die Pilbara ist staubig. Und die Pilbara ist rot. Alles ist mit dem farbechten Staub überzogen. Straßenschilder,  Leitplanken, Beton-Fußwege, Autos. Alles wirkt rostig-verstaubt. Versammelt. Puderfein dringt der Staub in jede Ritze und lässt sich nur schwer auswaschen und entfernen. Ein Staubsauger-Vertreter-Paradies.

Kommt ein Lkw entgegen, steht man lange im Nebel.

Der einzige Campingplatz im Ort hat ein dynamisches Preis-System. Achim fragt nach dem Preis pro Nacht. 44 Dollar. Beim Bezahlen von zwei Nächten wird die Kreditkarte mit 89 Dollar belastet. Warum? „ In der Zwischenzeit hat es wohl eine weitere Buchung online gegeben. Bei hoher Nachfrage steigen die Preise. Komm mal in vier Wochen, dann kostet hier die Nacht 100 Dollar“, freuen sich die Damen in der Rezeption. Als wir einen Tag später noch Nächte nachbuchen, ist der Preis auf 37 Dollar gefallen. ;-)
Dass wir in der Vorsaison sind, ist schön bei den Preisen und bei Ausflügen, aber schlecht für die Besichtigung der großen Tagbau-Mine von Tom Price. Buchbare Touren frühestens Ende April. Schade.

Ein Kipper aus der Mine – ein altes Model – die neuen fahren ebenfalls unbemannt und werden von Perth aus gesteuert.

Der Hausberg von Tom Price, Mount Nameless, wirbt mit einer echten 4×4 Strecke zum Gipfel. Von dort versprechen wir uns zumindest einen Ausblick auf das Minen-Loch. Die Dame in der Touri-Info empfiehlt ebenfalls den Weg. „Ist aber nichts für Anfänger“, warnt sie und macht eine Handbewegung, dass schon mal ein Reifen in der Luft hängen kann.
Die ersten fünf Kilometer sind harmlos. Viele Bodenwellen auf Schotter ohne großartige Steigungen. Dann steht ein Warnschild am Weg: ab hier keine Wohnwagen mehr ziehen! Hochmotiviert passiert Achim das Schild. Steil geht es weiter. Nach fünfzig Metern stopt Achim vor großen Auswaschungen. Direkt neben der Spur fehlt die halbe Straße. Rutscht der Reifen an dieser Stelle ab, gäbe es heftige Schräglage im Auto.
Rückwärts geht es bis zum Schild zurück. Wir wollen Auto und Unterkunft noch etwas länger behalten. Somit gehen wir die letzten drei Kilometer einfach zu Fuß.

Mount Nameless voraus. Noch ist die Straße gut

4×4 für Fortgeschrittene

selbst zu Fuß noch rutschig.

Viel rote Erde. Alles ist mit dem Staub überzogen.

Eine langweilige, aber vernünftige Entscheidung. Die weitere Strecke wird noch richtig steil, so dass stellenweise die Wanderschuhe durchdrehen.  Drei, vier Stellen an denen wir vorbei kommen, erscheinen uns unpassierbar. Wie zum Hohn steht auf dem Gipfel ein Arbeiter mit seinem Geländewagen, der etwas an den Antennen repariert. Profi!
Hoch ist es zu Fuß schweißtreibend anstrengend. Zurück geht es schneller, ist allerdings eine Rutschpartie auf rolligen Steinen. Die Mühe lohnt sich. Wir sehen zwar nicht das große Erz-Loch (das befindet sich auf der anderen Seite vom nächsten Berg), haben aber eine phantastische Aussicht zu allen Seiten.

Noch unberührte Hügel

Die Bahnnetz in der Pilbara umfasst 2200 Kilometer. Wo gebuddet wird, ist alles rot überzogen.

Der halbe Berg ist schon weg. 17 Eisenerzminen gibt es insgesamt in der Pilbara.

Der Campingplatz von Tom Price.

Steine wiegen das Doppelte von dem, was man beim Aufheben erwartet.

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Prüfungs-Stress und der Millstream Nationalpark

13.-15.04.24,  Australien/WA/Karratha und Millstream NP, Tag 135-137 Roadtrip,  12.201 km total, 560 + 120 Tages-km

Unser nächster Stepp ist mit 560 Kilometern der bisher längste. Vom Regen nach Zyklon Olga ist auf der Strecke nichts zu merken. Nur ein paar Wasserlachen in der Wüste sind zu sehen. Wir queren die westliche Pilbara. Das ist eine Provinz in Australien – knapp 50 Prozent größer als Deutschland. Mit einer lächerlichen Einwohnerdichte von 0,1 Person auf den Quadratkilometer. Entsprechend kommen wir auf 560 Kilometer durch keinen Ort. Zwei Roadhouses mit Übernachtungsmöglichkeit auf der Strecke und eine unbemannte Tankstelle, das war’s. Rechts und links nur endlose Ebene. Der Highway ist in einem ausgezeichneten Zustand, nicht ein einziges Schlagloch zu entdecken.

Die Strecke ist überwiegend flach

aber trotzdem nicht eintönig.

Im Nichts wird eine Brücke gebaut. An einer Stelle von hoher Überschwemmungsgefahr.

Australien muss richtig viel Geld haben. Der Grund für den Reichtum ist gut auf dem Satellitenfoto zu erkennen: Minen. Dank der Minen haben wir fast durchgehend Internet in der Abgeschiedenheit und wissen gleich, wer da nach was, wie erfolgreich buddelt. Alles Minen der Superlative: Magnetit-Mine oder normales Eisenerz.

Rastplätze vom Feinsten

Miene in der Pilbara (quelle google earth) Größte Magnetit Miene der Welt.

Wenn es keine Miene ist, dann ist es ein Gaswerk. Hundert Kilometer vor der Küste liegen die Quellen.

Karratha ist unser Tagesziel. In der kleinen Stadt können wir gut unsere Vorräte aufstocken und uns für die weitere Strecke vorbereiten. Der  teuerste Campingplatz unserer Roadtour: 60 Dollar! (Zur Erinnerung – in New South Wales haben wir mal mit 20 Dollar angefangen). Und dabei ist er gar nicht mal der beste Platz.

Dafür gibt es wieder Kakadus – von der Abendsonne beschienen – hier Rosakakadu

und morgens begrüßen uns Nacktaugenkakadus mit ihrem „lieblichen“ Gesang. Alle wachen deutlich vor Sonnenaufgang auf.

Viel Zeltplatt-Auswahl gibt es in dieser Region nicht und  wir wollen in den Millstream Nationalpark und dann ins Herz der Pilbara. Der kürzeste Weg dahin führt 150 Kilometer über eine Privatstrecke von Rio Tinto, dem Betreiber einer der größten Eisenerzminen in Australien. Diese Straße darf man nur mit Genehmigung befahren. Und die bekommt man in Karratha.

Jetzt wird es lustig. Alle verfügbaren Hinweise sagen, dass wir die Erlaubnis im Informationszentrum erhalten. Die sympathischen Damen haben zwar eine Detailzeichnung von der Strecke, aber keine Genehmigung für uns. Die bekämen wir in der Bibliothek.
In der Bibliothek erkennt die fröhliche Mitarbeiterin unseren Wunsch sofort am Streckenzettel in unserer Hand. „Glückwunsch! Ihr seid die ersten in der Saison, die sich die Rio Tinto Road – Genehmigung holen.“
Wir gewinnen nichts, wundern uns aber über den Freudentaumel.

Sie gibt uns einen Gutschein über kostenlosen Internet-Zugang in der phantastisch modern ausgestatteten Bibliothek (da war er wieder, der Reichtum Australiens).  Ein Link führt uns zu einem Film der Rio Tinto Gesellschaft.
Haarklein werden wir über die Straße aufgeklärt: Schotterpiste. Führt parallel zur Eisenbahnlinie, die natürlich auch Rio Tinto gehört.  Wir lernen das Verhalten bei Feuer. Bei Staub. Beim Überholen. Wie man die Bahngleise mit Schranken und ohne Schranken überquert. Und dass wir herzlich eingeladen seien, so viele Fotos (Abstand zehn Meter von den Gleisen) von den Zügen zu machen, wie wir möchten. Aber bitte kein rotes T-Shirt tragen beim Aussteigen. Das sei für die Lokführer das Signal von Gefahr und sie würden den Zug dann sofort abbremsen. Dass die Züge unbemannt fahren, die Info kommt ein paar Sätze später.
Gute zwanzig Minuten Film – mehr oder weniger unterhaltsam gemacht. Dann das Finale: Jeder Fahrer muss einen Test ablegen, ob er die Regeln nun auch wirklich verstanden hat. :mrgreen:
Man hat drei Versuche. Wer versagt, muss wieder von vorne anfangen. Achim besteht. Puh, Glück gehabt. Ich verzichte auf den Test – noch mal den ganzen Kram zu hören… nee, danke.
Die Genehmigung ist kostenlos, eine Bescheinigung drucken die netten Damen in der Bibliothek und wollen nur 20 Cent dafür haben. Der Vormittag ist zwar rum, aber Achim hat die offizielle Rio Tinto Genehmigung. Gültig für drei Monate. :-)

Rio Tinto Road Permit – wann hast du zuletzt etwas das erste mal gemacht? Eine Genehmigung für eine Straße beantragt :mrgreen:

Neben dem Streckenzettel wissen die Damen in der Karratha Information zu berichten, dass es mit den lästigen Fliegen ja schon so viel besser sei als letzte Woche. Der Zyklon habe die Viecher wohl (?) weggeblasen.
Wir riskieren es und fahren am nächsten Tag 150 Kilometer in den Millstream Nationalpark. Schon vor dem Mittag sind wir da. Außer uns nur ein Wohnwagengespann und tatsächlich nur mittelmäßig wenig Fliegen. Aber doch zu viele, um ohne Netz am Kopf zu sitzen.

Ein acht Kilometer langer Wanderweg führt am dauerhaft Wasser führenden Fluss entlang. Seit Wochen das erste Mal, dass wir frisches Grün zu sehen bekommen. Schilf und Binsen sogar.  Leider hat es im November neben dem Campingplatz gebrannt. Das bedeutet viel freie Fläche ohne Schatten beim Laufen. Aber inzwischen merkt man, dass es Herbst geworden ist, die Sonne brennt nicht mehr ganz so gnadenlos. Es ist wieder möglich auch am Nachmittag durch die Pampa zu wandern.

Zum Teil nichts mehr übrig vom sowieso schon spärlichen Bewuchs

Das Feuer war im November – fast alle Bäume in den Auen schlagen schon wieder aus.

Die Termiten werden das Feuer überlebt haben – sie sollen sich angeblich unterirdisch zurück ziehen

Die Millstream Palme hat es ordentlich erwischt – Livistona alfredii

Die Stämme schwarz verkohlt – allerdings sind die Wedel noch grün – es besteht Hoffnung

Lookout auf die Creeks im Millstream Camp

Besonders schöne Eukalypten haben überlebt

Beste Campküche in einem Nationalpark – keine Dusche, aber ein Herd und Spüle mit Wasser. Allerdings keine Dusche.

Und nach Sonnenuntergang keine Fliegen. Und keine Käfer im Dunkeln. Sehr schön. Hat uns gut gefallen dort.

Wegen der Fliegen bleiben wir nur eine Nacht. Nach ein paar asphaltierten Kilometern erreichen wir die Rio Tinto Road. Ob sich die Prüfung gelohnt hat, berichte ich dann im nächsten Blog. ;-)

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Olga

09.-12.04.24,  Australien/WA/Coral Bay, Tag 132-134 Roadtrip,  11.521km total, 247+245 Tages-km

Wir möchten eine Pause von den Fliegen und wissen, dass es weniger Fliegen an der Küste, bei viel Wind und in städtischer Umgebung gibt. Auch große Überdachungen, wie die Küche auf der Schaffarm, halten die lästigen Viecher fern. Städte sind auf weiter Flur nicht in Sicht, also entscheiden wir uns für die Küste.

Es sind noch immer Schulferien, wir versuchen trotzdem unser Glück in der Coral Bay. Eine Bucht für die viel Werbung gemacht wird. Perfekte Vermarktung vom Badestrand und dem Ningaloo Reef vor der Tür. Von der Straße sieht der Campingplatz proppenvoll aus. Aber wir sind erfolgreich. Auf der Wiese ohne Stromanschluss findet sich noch eine Stellfläche für uns.
Das Wetter ist toll, alle sind am Strand. Wir auch. Das Wasser ist herrlich warm.  Außerdem wird dies wohl unsere letzte Gelegenheit zum Baden sein. Weiter nördlich wohnen die großen Salzwasserkrokodile. Dort ist schwimmen nur noch unter Lebensgefahr möglich.

Der Zeltplatz ist fast zu einhundert Prozent belegt. So voll haben wir es noch nirgends erlebt.

Der Strand ist ebenfalls gut besucht.

Ein Plätzchen zum Abkühlen findet sich trotzdem noch im herrlichen Türkis. 38 Grad Luft, 26 Grad Wasser. Passt!

Berühmt ist das Ningaloo Reef für seine Walhai-Population. Einer der besten Plätze auf der Welt, um mit dem größten Fisch der Welt zu schnorcheln. Während unserer aktivsten Tauch-Zeit haben wir uns die Lunge aus dem Leib getaucht, wie Achim immer sagt, um einmal einen Walhai zu sehen. Nur ein einziges Mal. Auf hunderten Tauchgängen ist das nicht gelungen.
Und nun passt alles zusammen. Wir sind zur richtigen Jahreszeit am richtigen Riff. Gegen alle Erwartungen noch einen Campingplatz bekommen und dann sind alle Schnorcheltouren ausgebucht. ;-) Frühester Termin erst in einer Woche.  Solange wollen wir in Coral Bay nicht bleiben. Außer zwei Campingplätzen, einem total überteuerten Laden und zwei Restaurants gibt es nicht viel an Land zu entdecken. Gut, dass man im Alter gelassener wird, somit bleibt der Walhai auf unserer Liste.

Ningaloo Reef direkt vor der Nase. Walhaie zum Greifen nah.

Nach zwei Tagen ist es vorbei mit dem friedlichen Touristenleben am Strand.  Olga ist im Anmarsch. Olga ist wohl einer der letzten Zyklone für diese Saison. Wir hatten Olga schon vor ein paar Tagen auf ‚windy‘ gesehen und beschlossen abzuwarten, wie ihre Zugrichtung verlaufen wird.
Wir haben keine Erfahrungen mit australischem Regen. Die „Floodway“-Warn-Dichte auf Straßenschildern hat nach Norden auf jeden Fall zugenommen. Das gilt auch für den asphaltieren Haupt-Highway. Es heißt, dass es hunderte Kilometer entfernt regnet und sich zerstörerische Überflutungen an ganz anderen Stellen zeigen. Straßen können für Tage gesperrt sein. In Nord-Westaustralien fallen durchschnittlich keine dreißig Zentimeter Regen im Jahr. Aus eigener Kraft schafft es die Landmasse kaum mal einen Schauer zu fabrizieren. Somit kann es sein, dass der gesamte Jahresregen nur während eines einzigen Ereignisses fällt: wenn sich ein Zyklon über dem indischen Ozean bildet und an Australiens Küste abregnet.

Mit dieser unbekannten Größe wollen wir nicht über Land fahren. Steckenbleiben im Schlamm steht nicht auf unserer Agenda.
Also verlängern wir um eine Nacht und warten Olga in Coral Bay ab. Eine gute Entscheidung. Vom Wind bekommen wir nicht viel mit – dank einer großen Hecke um den Campingplatz. Und der Regen hält sich auch in Grenzen. Es beginnt in der Nacht und bereits mittags nieselt es nur noch ganz leicht.
Die Nachrichten sind gut – keine Sperrungen auf unserem weiteren Weg nach Norden. Wir können beruhigt das Zelt zusammen falten und Richtung Norden weiter ziehen.

Olga fegt den Strand leer. Unser erster Regen seit drei Monaten …

… mit einer Ausnahme: 30 Minuten Schauer in Denham vor vier Wochen. Die Emus haben sich den nächsten Vormittag noch über die Pfützen gefreut.

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Wir geben uns geschlagen …

04.-06.04.24,  Australien/WA/Kennedy Ranges NP, Tag 126-128 Roadtrip,11.029 km total, 136+233 Tages-km

Nach der Schaffarm legen wir einen erneuten Stopp in Carnarvon ein. Ein Scheidepunkt, ob man Richtung Norden an der Küste bleibt, oder durch die Hinterhöfe im Inland weiter fährt. Die Temperatur-Vorhersagen fürs Outback sind weiterhin hoch: 37 bis 40 Grad. Zu heiß für die Jahreszeit hört man überall. Wir entscheiden uns trotzdem für die Wüste, eine wenig gefahrene Route.

Die ersten 180 Kilometer sind asphaltiert und führen durch plattes Land. Drei Pkw und zwei Lkw kommen uns entgegen. Rechts und links nur Unendlichkeit an Buschland. Plötzlich geht Achim in die Eisen. „Ich bin sicher, da sitzt ein Thorny Devil – ein Dornteufel auf der Straße. Wir drehen um. Und tatsächlich. Das unscheinbare Stöckchen entpuppt sich als die schönste Echse Australiens. Wie auch immer Achim Adlerauge das erkannt hat?

Dornteufel – keine 20 cm lang. Er hat Kapillare auf der Haut durch die Wasser bis zu seinem Maul geleitet wird. Stehendes Wasser trinkt er nicht. Er frisst nur Ameisen und ist eigentlich nicht zu sehen, wenn es zu heiß wird.

Auf Sand ist er gar nicht mehr auszumachen. Achim hat ihn mit dem Kochlappen-Handschuh vom Asphalt gehoben, damit er nicht überfahren wird. Fand er doof und hat direkt seinen Schwanz aufgestellt und gedroht. Guten Weg, kleiner Schönling.

Wedge-tailed Eagle. Keilschwanzadler. Er hat bis 2,5 Meter Spannweite. Häufig haben wir sie schon auf Aas an der Straße gesehen. Meistens auf  überfahrenen Kängurus.

Immer wieder Rindvieher neben der Straße. Wovon die sich ernähren??

Ein Zwischenstopp im 150-Seelen-Dorf Gascoyne Junction bestätigt unsere Internet-Informationen. Alle Schotterpisten, die wir fahren wollen, haben geöffnet. „Tanke, wenn du die Möglichkeit hast, wer weiß, ob es an der nächsten Tankstelle möglich ist “, lautet eine eiserne Regel im Outback. Das scheint ein guter Rat zu sein: die Zapfsäule in Gascoyne Junction ist defekt. Nächste Tankstelle weitere 260 Kilometer entfernt.

Gasconye River in Gascoyne Junction. Der Fluss ist Richtung Meer total trocken. Aber 180 Kilometer von der Küste entfernt führt er Wasser.

Ein Nebenfluss auf dem Weg zum Campingplatz – vor ein paar Tagen war die Straße noch gesperrt, weil es vor drei Wochen geregnet hat. Die Messlatte zeigt gut, wie hoch das Wasser hier stehen kann.

Wir biegen auf eine gut gewartete Schotterpiste ab, die 60 Kilometer zum Kennedy Ranges Nationalpark führt. Eine Stunde später erreichen wir die Tafelberge. Was für eine Szenerie. Einfach großartig. Außer uns sind bereits zwei weitere Camper anwesend.
Wanderwege starten direkt am Campingplatz und die sind spektakulär. Führen tief in die engen Schluchten hinein. Durch ausgetrocknete Bachläufe.  Es ist viel Kletterei über vom Wasser mitgerissene und liegen gebliebene Felsen. Häufig muss ich die Hände zur Hilfe nehmen. Nicht ganz unanstrengend. Die Empfehlung lautet, vier Liter Wasser mitzunehmen. Und ja, es ist heiß. Ziemlich heiß. Aber inzwischen sind wir tatsächlich so gut an viel Hitze gewöhnt, dass wir gut damit klar kommen.

Frühstück vor Traumkulisse

In der Temple Gorge sind die Farben nicht von dieser Welt.

Steinformationen im Farbentaumel

bizarr

wie rosa Nasenlöcher

 

 

Wanderung mit Aussicht an Tag zwei

Wasserlose Wasserfälle führen zum Kopf der Tafelberge und bieten ein cooles Panorama. Recht heftige Kletterei zum Teil.

Endloses Land

Unten auf der Ebene liegt der Campingplatz – unser Bundy ist knapp von der Bergnase verborgen.

Kennedy Ranges – die weiße Fläche rechts ist kein Wasser, sondern ein Salzsee.

Billabong – dass sich die Wasserlöcher überhaupt halten können bei der Hitze, wundert uns. Viele Känguru-Spuren und etwas völlig Unerwartetes:

Die Kaulquappe muss sich beeilen. Jeden Tag wird der Tümpel kleiner.

 

Nachts sinkt die Temperatur auf 24 Grad. Kein Windhauch regt sich. Alles ist ruhig. Selbst die letzten Grillen schweigen. Die Luft liegt wie Seide auf der Haut. Wir löschen alle Lampen. Die Milchstraße glitzert als weißes Band am Himmel. Die Sterne scheinen zum Greifen nah. Die Welt bleibt stehen. Alles wird klein und unwichtig. Eine Nacht zum Niederknien.

 

Die Aufgabe, die Kapitulation. Wir beugen uns …

Diese himmlisch ruhigen Stunden haben wir uns hart erkauft. Zu hart. Nennt uns gerne Weicheier. Kein Problem. :mrgreen:

Diese Schönheit ist gepaart mit der garstigen Seite der Natur.

– Gleich beim Aussteigen am Campingplatz ist klar, hier gibt es Fliegen. Unfassbar viele Fliegen. Milliarden. Sofort ziehen wir uns die Fliegennetze über den Kopf. Aushaltbar!

Netzt vorm Kopf – 12 Stunden am Tag. Ohne Netz vorm Gesicht und beide Hände mit etwas beschäftigt, geht nicht. Die Viecher kriechen in die Augenwinkel, Ohren und Mundwinkel. Eine Hand muss zum Wedeln immer zur Verfügung stehen.

Fliegen! Alles, was nur ein klein wenig feucht ist, wird sofort besetzt.
Frisch ausgezogene Wandersocken zum Beispiel … yuck.

– Nur fünf Minuten später habe ich drei Bremsenstiche kassiert. Mit ihren Stacheln dick wie Stopfnadeln hinterlassen sie schmerzhafte Stiche. Dagegen hilft Mückenspray. Aushaltbar!

– Lebensmittel auszubreiten, kann man wegen der Fliegen vergessen. Wir wissen aber inzwischen, dass zehn Minuten nach Sonnenuntergang alle Fliegen verschwunden sind. Unser Abendessen ist entsprechend durchorganisiert. Während der kurzen Dämmerung von zwanzig Minuten schneide ich einen Krautsalat. Ein Rest Kartoffelsalat vom Vortag wartet im Kühlschrank. Dazu gibt es fertige marinierte Hühnchen-Spieße vom Grill.
Als alles bereit steht, ist es dunkel geworden. Wir schalten zwei Lampen an. Während die Spieße brutzeln, kann der Krautsalat durchziehen.
Gegen die Mücken, die nun auftauchen, hilft eine zweite Lage Spray. Alles aushaltbar!

– Noch während die Spieße brutzeln, erreicht uns eine Invasion kleiner Käfer. Auf dem heißen Herd machen sie beim Verbrennen Geräusche wie Popcorn. Im Krautsalat sind sie nicht mehr vom Kümmel zu unterscheiden. Wir haben jetzt schon mehrfach im Dunkeln, sowohl auf Campingplätzen als auch im Outback gekocht. So etwas kennen wir bislang nicht. Vor lauter Käfer aus dem Essen puhlen, vergeht uns der Appetit. Nicht aushaltbar!
Spontan ist Ruhe, als wir die Lampen löschen und die Sterne ihre Arbeit machen lassen. Das ist aber zu wenig Licht zum Essen.

Käfer-Invasion. Es sieht auf dem Foto nicht sooo beeindruckend aus. Es waren Tausende.

– Am nächsten Morgen erscheinen uns die Fliegen noch mehr geworden zu sein. Unter dem Netz ist es warm, man kann schlecht sehen. Und immer wieder schaffen es welche darunter zu kriechen. Sie krabbeln auf den Armen und Beinen. Das Gesumme hört nicht auf.
Wir können ihnen nicht entkommen. Ein Wohnwagen wäre schön. Wir gehen sogar in der schlimmsten Nachmittagshitze noch einmal in die Schlucht. Beim Laufen ist es erträglich. Uns ins Zelt zu verziehen, vermeiden wir aus zwei Gründen: viel zu heiß und es ist unmöglich durch die Gaze-Tür zu kommen ohne Fliegen mitzunehmen.

Tiefer Schatten in der Schlucht. Und man kann sich einbilden, dass es hier weniger Fliegen gibt. So schön hier.

– Am nächsten Morgen zum Frühstück sind sie noch etwas träge. Das ist grade noch genießbar. Viel Wedelei und schnell, schnell fertig werden.
Unser Mittagessen ist der Rest vom Vorabend und fällt eklig aus. Der Krautsalat ist gut durchsetzt mit Käfern. Achim isst während er läuft und schaufelt sich ungeprüft alles unter sein Fliegennetz in den Mund. Ich esse ohne Netz, nur mit der Gabel. Eine Hand zum Wedeln, um die Fliegen vom Essen und aus dem Gesicht fern zu halten. Ein unmögliches Unterfangen. Zumal ich die falschen Kümmel-Käfer aussortieren möchte. „Ich hatte keine Käfer“, Achim ist sich sicher. Ich mir auch, er hatte reichlich. :mrgreen:

– Ich hoffe am ersten Abend bei den Käfern noch auf eine Art Ereignis – nur einmal im Jahr zum ersten Neumond im April oder so was. Wir warten am zweiten Abend ab,  bis es richtig dunkel ist, machen dann Licht an und da fliegen sie auch schon herbei. Somit kochen wir nicht, sondern es gibt nur Brot mit Dosenfisch. Schnell runter geschlungen. Grade aushaltbar! Aber auf Dauer wertlos, wenn wir nicht mal kochen und richtig essen können.

– Wir löschen alle Lampen. Und da ist sie wieder, diese unbegreifliche Milchstraße. Es ist unbeschreiblich schön und wir sind insektenfrei.
Uns knurrt der Magen. Das Essen ist sparsam ausgefallen über den Tag. ;-)

Wir hatten den absoluten Willen durchs Inland zu fahren. Aber wir geben auf – nach zwei Tagen haben wir genug. Wir fahren zur Küste zurück. Das Outback muss warten. Wir geben diese Schlacht geschlagen, aber nicht den Krieg. Angeblich soll es im Winter keine, viel weniger oder wenige Fliegen geben. Je nachdem, wen man fragt.

Wir kommen wieder! Es ist einfach zu schön da draußen.

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Camping auf einer Schaffarm

29.-31.03.24,  Australien/WA/Quobba, Tag 120-122 Roadtrip,  10.589 km total, 85 Tages-km

Unser Ausweich-Zeltplatz wegen der Osterfeiertage zeigt sich als Glücksgriff. Übernachten auf einer aktiven Schaffarm ist spannend. Das Einzige, was wir nicht zu sehen bekommen, sind Schafe. :mrgreen:

Beim Einchecken in der Quobba Station bietet uns Betty einen Standplatz direkt gegenüber der Camp Kitchen an, statt in den baumlosen Dünen zu campieren. Wir schlagen ein. Ab und an kommt jemand zum Abwaschen vorbei, ansonsten haben wir die Küche mit ihrem tiefen Schatten für uns alleine. Bei 41 Grad nicht das Schlechteste. Die meisten Camper reisen mit klimatisierten Wohnwagen an. Die brauchen unseren Schatten nicht.

Die perfekte Camp Kitchen. Nur der Herd im Hintergrund braucht 40 Minuten, um Kartoffeln gar zu kochen. Der Grill ist aber super. Alles zu haben für üppige 44 Dollar die Nacht.

Tagsüber Schatten und abends kann man wunderbar drin kochen

Schaffarm seit 1898

Guten Morgen Quobba – Blick auf die Farm vom Dachzelt. Leider keine Schafe da.

Die Quobba Station wurde bereits 1898 gegründet. Anfänglich hielt man hier Merino-Schafe. Aber für diese Woll-Schafrasse ist die Region zu trocken. Die Farmer stellten sich darauf ein und wechselten in den 70er Jahren zur Damara Rasse, ein reines Fleischschaf.
Aktuell hält die Quobba Farm nur zweitausend Schafe. 2015 waren es noch zehntausend. Die letzten Jahre waren zu trocken. Zu wenig Futter und zu wenig Wasser, um so viele Schafe zu ernähren. In guten Jahren gebären die Muttertiere fast ausnahmslos Zwillinge. In mageren Jahren bleibt Trächtigkeit auch mal ganz aus. Die Herde schrumpfte.

Die Farm ist für australische Verhältnisse klein. Nur zweitausend Quadratkilometer (die größte Farm Australiens ist fünf Mal so groß). Das ist trotzdem größer als kleine Bundesländer in Deutschland. Deswegen bekommen wir auch nur ein einziges Schaf zu Gesicht. Das gehört Betty und wird nicht geschlachtet, weil sie es mit der Flasche groß gezogen hat.
Die Herde grast im Outback. 180 Kilometer führt die Farm an der Küstenlinie entlang. Wenn Schlachtzeit ist, werden die Schafe mit Hubschrauber (!) und Cross-Motorrädern zusammen getrieben und im Homestead verladen.

Betty (rechts) mit ihrem Schaf

Quobba Station

Betty kümmert sich um den touristischen Teil der Farm, der zwanzig Prozent der Einnahmen der Farm generiert. Während ihr Mann Farmarbeit erledigt. Mehr Angestellte gibt es im Augenblick nicht. Wanderarbeiter reisen durch Australien, die Schafe scheren und das Zusammentreiben von Herden übernehmen.
Zur Farmarbeit gehört die Kontrolle der acht Wasserpumpen, die im Outback verteilt stehen. Mindestens zweimal in der Woche muss diese Tour unternommen werden, denn auch Schafe können nur zwei Tage ohne Wasser überleben.
Die Pumpen fördern leicht salziges Wasser. Schafe kommen aber gut damit klar. Für die Gäste im Camp gibt es das gleiche Wasser zum Duschen und in der Küche zum Abwaschen. Trinkwasser muss man selber mitbringen.

Altmodische Windmühlen treiben die Wasserpumpen auf der Quobba Farm an. 3 bis 8 Meter hoch wird das Wasser mit einer Kolbenpumpe gepumpt. Die Hübe sind kurz. Vielleicht 30 cm.

Der Strand von Quobba Station. Wir hatten gedacht, dass wir hier auch eine Badewanne vorfinden wie im Peron Nationalpark, nur 150 Kilometer Luftlinie entfernt. Aber hier ist das Baden fast nicht möglich wegen der Wellen und Felsen.

 

Im Augenblick finden die Schafe überwiegend australischen Salzbusch zu fressen. Bei dieser wasserarmen Nahrung benötigen sie vier bis zwölf Liter Wasser am Tag.  Je nach Tagestemperatur und Trächtigkeit.
Die regenärmste und heißeste Zeit in West Australien neigt sich dem Ende entgegen. Sobald Regen fällt, keimen Wildgräser und andere Kräuter. Ein Regenschauer reicht, um die Saat zum Keimen anzuregen. Aber es sollte unbedingt nachregnen, damit die Gräser sich voll entwickeln können und nicht gleich wieder verdorren. Die Schafe wird es freuen, eine Abwechslung zum Fressen zu finden. Ihr Wasserbedarf sinkt dann auf zwei bis vier Liter. Bleibt der Regen aus, wie in den letzten Jahren wird sich die Herde in Quobba wohl weiter reduzieren.

Die Kängurus finden natürlich auch nur Salzbusch. Aber die sind noch besser als Schafe angepasst an dieses heiße und trockene Klima. Suchbild: in der Mitte sitzt eins. ;-)

Vormittags, wenn es noch nicht so heiß ist, erkunden wir den wilden Strand. Dieser wird von einer doppelten Dünenreihe von der Farm getrennt. Eine staubige Straße trennt die Farm vom „Weideland“. Dies besteht zunächst auch nur aus Dünen. Nach drei Dünenreihen geben wir auf, zumal es dahinter ohne Abwechslung so weiter geht. Tierspuren finden wir ohne Ende und in vielfältiger Weise, aber außer zwei Kängurus bekommen wir keine Tiere zu sehen. Halt! Stimmt nicht. Eine Million Fliegen leisten uns Gesellschaft. „Es ist nicht mehr so schlimm, wie die letzte Woche“, versichert Betty. Ob es jemals eine Zeit ohne Fliegen gibt, die Antwort bleibt sie uns schuldig.

Am Strand lassen die Fliegen uns in Ruhe. Es ist zu windig.

Blow Holes machen Spaß, wenn man auf der richtigen Windseite steht.

An Tag zwei haben wir ungefähr 2 Meter Welle. Bei richtigem Wellengang geht hier die Post ab.

Traumküste für Angler

Tausende Seeschwalben fressen sich hier ebenfalls satt

Surfer, Angler und andere Frlsen-Kletterer werden vor großen Wellen in Quobba gewarnt

 

Die Piste führt noch 110 Kilometer weiter bis zum Nationalpark Ningaloo Reef.

Geheimnisvolle Spuren. Und sehr viele Hasenköttel. Wir sind demnach dem Osterhasen nahe auf den Fersen gewesen.

Fliegen sind leider auch da

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