26.09.2026; Vanuatu/Espiritu Santo/Palikulo Bay; Tag 4.501; 30.106 sm total
Wir haben unsere Visa-Verlängerungen! Erst hat uns das Online-System noch einen Schreck eingejagt. Ohne Vorwarnung bekamen wir eine Aufforderung, dass wir die Rücknahme unseres Antrags bestätigen sollen. Nö, wollen wir ja gar nicht. Wie kommen die darauf? Wir haben widersprochen, prompt sprang der Status auf ‚unter Bearbeitung‘ zurück und zehn Tage später kam die Verlängerung bis 15. Oktober.
Perfekt für uns; so haben wir uns das vorgestellt.
Da wir nicht wussten, ob wir noch einmal bei Immigration vorsprechen müssen, sind wir während der Wartezeit in der Palikulo Bay geblieben. Eine Strafe ist das nicht. Wir können viel spazieren gehen und da die Siedlungen ihren traditionellen Charakter verloren haben, meistens alleine. Keine Anmeldung beim Chief notwendig. Keine Horde Kinder im Schlepptau. Und es tummeln sich am Ankerplatz auch andere Segler, eine prima Gelegenheit für gemeinsame Sundowner.
Die Bucht hat viel erlebt. Während des Zweiten Weltkriegs waren in Luganville über 100.000 US-Soldaten stationiert. Zweitgrößter Stützpunkt nach Pearl Harbor. Wer hat‘s gewusst? Wir haben noch nie davon gehört. Ein Flugplatz für Bomber befand sich am Scheitel der Bucht. Die Straßen aus verdichtetem Korallenschutt existieren heute noch.

Palikulo Bay während des Zweiten Weltkriegs mit einem von drei Flughäfen. Heute liegt Atanga hier. [Foto-Quelle: Wikipedia]

Die alten Wege der Amerikaner. Erst dachten wir, es sei Beton. Stark verdichteter Korallenschutt bekommt eine ähnliche Härte.
Nicht weit von der Stelle, wo sich neulich der Schiffbrüchige an Land retten konnte, spielte sich eine völlig absurde Geschichte ab.
Nach dem Krieg verließen die Amerikaner ihren Stützpunkt auf der Insel. Die angehäufte Ausrüstung zurück in die USA zu transportieren, war zu teuer. Also boten sie diese den Franzosen und Engländern, die zu der Zeit Vanuatu gemeinsam verwalteten, zum Kauf an.
Der Preis soll deutlich unter dem tatsächlichen Wert gelegen haben. England und Frankreich lehnten einen Kauf schlichtweg ab. Sie pokerten. Aber ihr Kalkül, dass die Amerikaner einfach alles stehen lassen würden, ging nicht auf.
„Ihr wollt nicht bezahlen, gut, dann vernichten wir alles!“ Die Amerikaner sammelten sämtliche Gegenstände zusammen und schufen ein Millionen-Dollar-Grab. Bulldozer, LKWs, Planierraupen und Muldenkipper. Sogar Vorräte. Konserven, hunderte Kisten mit Cola. Leere und volle Treibstofffässer. Alles versenkten sie im Meer.
Aus den ersten ins Flachwasser geschobenen Gerätschaften entstand durch das ständige Überrollen eine Art Rampe. Auf dieser Metall-Rampe fuhren die nächsten Fahrzeuge immer weiter ins tiefere Wasser hinaus. Am Ende war eine hunderte Meter lange, künstliche Landzunge aus Militärschrott entstanden.
Um sicherzugehen, dass die Kolonialherren nach dem Abzug der US-Truppen nichts mehr nutzen konnten, gingen die Soldaten systematisch vor. Bei vielen Fahrzeugen wurden die Ölablassschrauben entfernt und die Motoren mit durchgedrücktem Gaspedal laufen gelassen, bis sie sich festfraßen. Mit Äxten wurden Reifen zerschnitten, Scheiben und Bedienelemente zerschlagen.
Koloniale Gier und Fehleinschätzung trafen auf Trotz.
Das Millionengrab gilt heute als außergewöhnlicher Tauch- und Schnorchelspot. Zwischen 1 und 40 Metern liegen die Überreste. Obwohl bereits üppig von Korallen bewachsen, soll die Metall-Rampe noch klar zu erkennen sein.
Wir gehen zu Fuß zum Million Dollar Point. Es gibt neben einer Tauchbasis ein bescheidenes Hotel am Strand. Durch den Eingang des Hotels gelangen wir ans Wasser. Man möchte sich die Hände vors Gesicht schlagen. Der steinige Strand ist übersät mit Scherben. Über die Jahre glatt geschliffen. Dazwischen Metallreste aller Art. Verrostete Motorblöcke sind auszumachen. Selbst mit Schuhen ist Vorsicht beim Laufen angeraten. Es ist weniger reizvoll, als die Werbung der Tauchbasis geklungen hat.

Überreste von den versenkten Gerätschaften. Trotz ausdrücklichen Verbots haben die Einheimischen noch einige Teile bergen können.
Wir stapfen weiter am Strand entlang, als ein junger Mann uns anspricht. Hier herumzulaufen und sich umzusehen, kostet 1.000 Vatu (8,00 Euro) pro Person. Hm, eigentlich möchten wir ja erstmal in der Tauchbasis guten Tag sagen. Der junge Mann ist uns nicht gewogen: Zahlen oder umdrehen. Wir gehen durch das Hotelgelände zurück und finden weiter die Straße runter ein Schild. Es preist ein Restaurant, Massage und Beach-Aufenthalt an. Eintritt 1.000 Vatu.
Ob man die wieder bekommt, falls man etwas verzehrt? Werden sie beim Tauchen oder Schnorcheln angerechnet? Der junge Mann vom Strand taucht am Kassen-Häuschen auf. Er guckt grimmig. Wir lassen uns abschrecken, drehen um. Für einen Strand voller Scherben und Rost in einer Atmosphäre, in der wir uns als Störfaktor fühlen, ist uns der Aufwand zu schade.



























