Tasmanien – unser Fazit

9. Feb. – 11. März 2026; Australien/Tasmanien

Wer die Südinsel Neuseelands mag, wird Tasmanien lieben!
Vieles erinnert an die Nachbarinsel: Baumfarne, weiße Strände und knorrige Küstenwälder mit vom Wind gebeugten Bäumen. Tasmanien wird oft als die „wildere kleine Schwester“ der neuseeländischen Südinsel beschrieben.
Kaum zu glauben, der Westen Tasmaniens ist noch weniger besiedelt als das undurchdringliche Fjordland und die Catlins auf der Südinsel.

Das Wetter
31 Tage Tasmanien und wir haben es geschafft, dem Wetter aus dem Weg zu gehen. Normalerweise läuft das anders: Du kommst an die Westküste – Regen. Du willst wandern – Regen. Du willst spektakuläre Aussichten sehen – heute geschlossen wegen Nebel.
Und dann kommen wir: ein verregneter Nachmittag, ein verregneter Vormittag und der nasse Abschlusstag, der sowieso nicht mehr zählt.
Ich könnte behaupten, das sei gute Planung gewesen. ;-) Richtige Reisezeit, richtige Route. Nein, es war pures Glück, gegen jede Statistik.
Wir lieben Australien und Tasmanien hat uns scheinbar auch sehr gern.

Landschaft und Tiere
Tasmanien fehlen die schneebedeckten Alpen. Da hat Neuseeland die Nase vorn. Das macht Tasmanien mit seiner Tierdichte wieder weg. Der „Zoo ohne Zäune“ gegen Neuseeland, das Vogelparadies. Wobei es nur wenig Menschen geben dürfte, die jemals einen Kiwi zu Gesicht bekommen haben.

Bay of Fire.
Der Osten ist deutlich sanfter. Lieblicher.
Sogar das Meer ist hier zwei bis vier Grad wärmer. Eine Restströmung der Coral Sea aus dem großen Australien sorgt dafür.

Der wilde Westen.

Cradle Mountain

Der einsame Nordosten, der raue Westen und Cradle Mountain haben uns am besten gefallen.

Banksia in voller Blüte.

Verrückte Eukalyptusblüten. Ganze Straßenzüge waren rosa-rot von den abgefallenen Blüten.

Unsere Wunschliste an Tier-Sichtungen darf als abgearbeitet gelten. Wombats, Pinguine, Nasenigel und unzählige Kängurus in verschiedenen Größen. Vom Bus aus in Cradle Mountain konnten wir sogar eine ‚Tiger Snake‘ erhaschen. Der Besuch in der Auffangstation für den Tasmanischen Teufel war ein Highlight. Ihr Verhalten hat tatsächlich etwas Teuflisches. Die süßen roten Ohren sind nur zum Antäuschen.

Immer wieder Kängurus.

Die roten Ohren haben die Teufel, wenn sie sich aufregen oder sich abkühlen. Also eigentlich immer.

Ein verirrter Teufel im Camper.

Der Camper
Ich kann unseren Wagen gar nicht genug loben. Perfekt für zwei Erwachsene. Obwohl einer von uns Überlänge hat. Durch die integrierte Toilette gilt er als ‚self containted‘, man darf also überall damit campen. Die Toilette haben wir tatsächlich nicht benutzt. Wir haben darauf geachtet, dass alle Stellplätze über eine Toilette verfügen.
Hätten wir die Gelegenheit, noch einmal um das große Australien zu fahren, wäre das unsere Wahl. Die Kabine mit dem Tisch und Sitzbänken plus  Bett bietet einen idealen Rückzugsort bei schlechtem Wetter. Ein etwas anderer Schnack als das Dachzelt.

Das Auto innen. Due Verarbeitung ist nicht High-end-Qualität, aber alles da, was wir gebraucht haben.

Die Camper-Shell ist gut durchdacht.
Unsere Shell ist von ‚Pinguin‘, ein tasmanischer Hersteller. Nicht der teuerste, der solche Aubauten herstellt. Camper-Shells von anderen Anbietern gibt es auch zum Einklappen oder mit einem Pop-up-Dach.
Für die teuerste Varianten solcher Shells kann man 60.000 Euro kalkulieren. Plus Auto, versteht sich.

Ein kräftiger 4×4 bringt die Kiste überall hin. Für die Stadt ist die Kombination gut geeignet, weil der Wagen nicht länger ist als jeder normale SUV. Will man einen Tagesausflug unternehmen oder den Standort wechseln, so braucht man nur herumfliegende Kleinteile einzusammeln, die Schranktüren zu sichern und die Leiter einfahren. Kaum Aufwand.
Wir würden eine Markise und eine Außendusche anbauen. Und die Aufhängung der Leiter verändern. Die hängt nur an drei Bändern und sackt bei jedem Ein- und Aussteigen etwas nach unten.
Der Rest war perfekt.

Geländegängig

Unser Mietauto – zu gerne würden wir mit so einem Teil noch einmal um Australien fahren.

Die Kosten
Als wir uns für eine geländegängige Variante interessiert haben, waren wir überrascht. So ein 4×4-Camper ist teurer als die kleinen Hiace-Bully-Camper, in denen man alles umbauen muss und nicht stehen kann.
Aber gleichpreisig oder sogar günstiger als Camper in Sprinter-Transit-Größe. Je nach Ausstattung. Die haben häufig eine Klimaanlage. Darauf können wir gut verzichten.

Camper: 31 Tage – 3.908,00 Euro (mit Rundumsorglos-Versicherung, zweitem Fahrer und Übernahme am Feiertag)
Campingplätze: 663 Euro (5 mal haben wir kostenlos gestanden)
Diesel: 208 Euro (wir sind nur 1.800 Kilometer gefahren, Verbrauch: 12.7 Liter auf 100 km)
Eintritte: 199 Euro
Essen und Trinken: 669 Euro (wir haben uns fast zu 100 Prozent selbst verpflegt)
Sonstiges: 116 Euro (Taxi, Bus und ein paar Kleinigkeiten)

 

Tja, Neuseeland, bedank dich bei deiner Immigration. Das hättest du verdienen können. :mrgreen: Genau so eine Runde hatten wir auf der Südinsel geplant.
Wir senden an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Employee 50.496. Ohne diesen Mitarbeiter und eure Bürokratie hätten wir dieses Juwel nie erlebt. Danke!
Es hat uns ausgezeichnet gefallen. Abwechslungsreich, einfach zu befahren. Gute Campingplatzdichte, phantastische Nationalparks.
Ein wenig wie die Südinsel, nur mit Kängurus und Eukalyptus. Der Mix ist reizvoll.
Wir haben Ecken ausgelassen. Auch solche, die unter den Top fünf rangieren. Macht nichts, das gibt Raum, um noch einmal wiederzukommen.

Wer hätte gedacht, dass die kleine Karte unten in der Ecke unserer Landkarte von Australien noch eine Verwendung findet?

Unser kleiner Australien-Altar am Navi-Tisch. :lol:
Es ist nicht mehr zu leugnen, wir sind für immer und ewig Australien-Fans. Etliche Gespräche drehten sich bereits  um eine zweite Runde. Nur wie und wann ist noch nicht geklärt …
Man wird ja noch träumen dürfen.

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Zu guter Letzt noch Hobart

09.-11. März 2026; Australien/Tasmanien/Hobart; Tag 29-31, Tageskilometer 128, gesamt 1.824 km

Es geht gemütlich zu in Hobart, obwohl an unserem ersten Tag ein Kreuzfahrer an der Pier liegt. Die Passagiere werden von energischen Damen mit Warnweste so geleitet, dass sie nicht den Autoverkehr behindern. Wir werden kräftig angeschnauzt, weil wir uns nicht an die Cruiser-Regeln halten.

Gemütlicher Hafen – viel erinnert an Neuseeland, an Wellington. Viele Segelboote und Langustenfischer liegen im Hafen.

Hobart ist nach Sydney die zweitälteste Stadt Australiens. Die alten Sandsteinspeicher beherbergen heute schicke Bars und Galerien. Jeden Samstag findet dort ein prachtvoller Markt statt, den wir leider verpassen. Aber die Atmosphäre schwappt über.

Salamanca – die ehemaligen Lagerhallen.

Salamanca hat eine schöne Atmosphäre.

Statue: die Jagd nach dem perfekten Foto.

Oberhalb des Hafens liegt Battery Point. Ein Dorf in der Stadt. Zu erreichen über steile Steintreppen, direkt in die Klippen gehauen. Die alten Lagerhäuser hatten Keller, die direkt mit dem Wasser verbunden waren. Ideal, um Rum-Fässer an der Polizei vorbeizuschleusen. In den verwinkelten Gassen gab es Geheimgänge zwischen den Häusern. Razzia im Vorderhaus? Kein Problem, man spazierte mit seinem Drink einfach durch eine versteckte Tür im Kleiderschrank zum Nachbarn rüber. Die örtliche Kirche wurde von einem verurteilten Fälscher namens James Blackburn entworfen. Er hat die Architektur einfach so gut „nachgemacht“, dass Hobart heute wie ein englisches Dorf aussieht, das versehentlich hier gelandet ist.

Battery Point

In Battery Point finden wir den Arthur Circus. Es ist einer der wenigen Orte weltweit, an dem die Häuser in einem perfekten Kreis um einen Dorfplatz gebaut wurden. Ursprünglich war es für pensionierte Offiziere gedacht, die sich nichts Großes leisten konnten. Eines der Häuser ist gerade mal sechs Meter breit. Heute kosten diese „Puppenhäuser“ bis zu eine Million Euro.

Arthurs Circus

Der zweite Tag gehört dem Naturkunde-Museum. Eine kleine Ausstellungen bei freiem Eintritt. Die Hauptattraktion ist die Galerie über den tasmanischen Tiger.

Lange Zeit dachte man, die Überreste des letzten tasmanischen Tigers, der 1936 im Hobart-Zoo starb, seien verloren gegangen. Erst 2022 hat man das Fell und das Skelett dieses Tieres in einem Museumsschrank wiederentdeckt! Es war dort jahrzehntelang gelagert, ohne korrekt als „das Letzte seiner Art“ katalogisiert zu sein.
Wer kennt das nicht? Nie hat man Zeit, um Ordnung im Keller zu machen. :mrgreen:

Der letzte seiner Art.

 

Besonders eindrücklich sind die Original-Dokumente aus dem 19. Jahrhundert. Die Regierung zahlte damals 1 Pfund pro totem Tiger. Man zahlte den Jägern also mehr als einen Wochenlohn, um eine Spezies auszurotten. Nur 20 Jahre später waren Zoos bereit, über 150 Pfund pro lebendem Tier zu zahlen. Zu spät. :cry:
Das Museum zeigt diese Belege als mahnendes Beispiel dafür, wie schnell eine systematische Jagd zum Aussterben führt.

Tasmanische Tiger im Zoo von Hobart. Wie es sich für einen Australier gehört, haben die Tiere natürlich einen Beutel.

Während die Wissenschaft den Beutelwolf offiziell für ausgestorben erklärt hat, sieht die Realität in den Köpfen der Australier ganz anders aus. Besonders die „Doppelköpfigen“ auf Tasmanien lassen sich ihren Tiger nicht nehmen – und die Gerüchteküche brodelt 2026 heftiger denn je.

Die neuesten Berichte kommen plötzlich vom Festland! Im Riverland und bei Melbourne wollen Zeugen das markante Hinterteil und diesen seltsam „hüpfenden“ Gang gesehen haben. Ein Wärmebild-Clip aus den Yarra Ranges sorgt für Schnappatmung. Man sieht… etwas. Experten streiten: Ist es ein räudiger Fuchs oder das Wunder mit dem gestreiften Fell?

Statistisch liegt die Chance bei unter ein Prozent, dass der Tiger noch da draußen ist. Aber solange es noch unentdeckte Täler gibt, bleibt der Tiger der ultimative Star der tasmanischen Wildnis. Man sieht ihn nie, aber jeder kennt jemanden, der ihn gesehen hat.
Wir haben tatsächlich eine Frau in Cradle Mountain gesprochen, die uns erzählte, dass ihr Mann „besessen sei von Sichtungen“.

Am letzten Tag regnet es. Das spart uns, den Wagen noch einmal in die Waschanlage zu fahren. Wir packen unsere Sachen, gehen noch einmal „Power-Shoppen“ (Klamotten kaufen, funktioniert super in Australien) und liefern das Auto ab.
Die Abnahme verläuft absolut entspannt. Der ältere Herr lässt nicht mal die Leiter runter, um in die Wohnkabine zu gucken. „Getankt, Gast aufgefüllt?“ Wir nicken.
Er nickt ebenfalls und fährt uns dann auch noch zu unserer Cabin am Flughafen. Das entschädigt für die etwas raue Übergabe vor einem Monat.

Typische Cabins auf australischen Campingplätzen. Hier in Hobart weltklasse. Super sauber und gut ausgestattet in der Küche.

Unser Flug zurück zu Atanga geht um 6:00 Uhr morgens. Eine undankbare Zeit. Unser bestelltes Taxi soll um 4:15 Uhr kommen. Wir stehen bei frischem Wind am Eingang vom Campingplatz. Das Taxi kommt nicht. Wie lange sollen wir warten? Ich sehe mich schon im Stechschritt mit Koffer und Rucksack die zwei Kilometer zum Flughafen stapfen. Dann die Erleichterung: Scheinwerfer tauchen in der Dunkelheit auf.
Zwölf Stunden später sitzen wir wieder auf unserem schwimmenden Zuhause.

Schön war‘s. Ein Fazit folgt …

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In den Highlands: Wo Rindviecher auf Roboter treffen

8. März 2026; Australien/Tasmanien/Bethume; Tag 28, Tageskilometer 55, gesamt 1.696 km

Wir fahren eine gute Stunde weiter und finden einen weiteren Stausee. Und einen weiteren kostenlosen Stellplatz. Auch dieser gehört zu „Hydro Tasmania“. Dieses ist der staatliche Energieversorger und einer der größten Land- und Wasserbesitzer Tasmaniens.
Hydro bewirtschaftet die Seen für Wasserkraft und stellt die Uferbereiche für die Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung – quasi als Gegenleistung dafür, dass sie die Natur für die Energiegewinnung nutzen. Ein moderner Ablasshandel für die Energiegewinnung: Solange ihr euren Müll mitnehmt, haben wir einen Deal mit euch.

Der Blick aus der Camper-Tür. Der nächste Ort ist acht Kilometer entfernt. Ein netter Platz mit zwanzig Mitcampern auf trockener Wiese.

Dass es sich um einen Stausee handelt, ist nicht mehr zu erkennen. Malerisch liegt dieser eingebettet in die hügelige Landschaft der Highlands. Die Waldgebiete liegen hinter uns. Viehwirtschaft dominiert. Früher hauptsächlich Schafe, heutzutage Black-Angus-Rinder. Diese stehen fotogen in der Landschaft und ahnen nichts von ihrer Zukunft: zartschmelzendes Fleisch auf tasmanischen Grills.

Wir sind keine zwei Autostunden von Hobart entfernt. Die Vögel über dem Camper sind Kakadus.

Angus – noch ahnungslos und glücklich drein schauend.

Die gesamte Region hat seit Jahrzehnten mit abnehmenden Niederschlägen zu tun. Abhilfe schaffen effiziente Beregnungsanlagen, die „Center-Pivot-Anlagen“. Das System besteht aus einem mobilen Rohrarm, der an einem festen Mittelpunkt verankert ist. Der Arm ruht auf fahrbaren Türmen mit Elektromotoren. Damit sich der Arm nicht verbiegt, steuert ein Computer die Geschwindigkeit jedes einzelnen Turms. Der äußerste Turm muss logischerweise viel schneller fahren als der innerste. Entlang des Rohrs hängen Sprinkler. Die Düsenöffnungen werden nach außen hin immer größer oder die Abstände geringer, weil die äußeren Düsen in derselben Zeit eine viel größere Fläche abdecken müssen als die inneren.

Hightech vom Feinsten. Es gibt gigantische Anlagen mit über 800 Metern Radius, die bis zu 200 Hektar mit einer einzigen Umdrehung abdecken. Eine Grenze setzt nur die Statik des Rohrarms. solche Anlagen gibt es schon Jahrzehnte, aber die neuen Generationen sind KI-gesteuert. Kontrolliert mit dem Smartphone vom Sofa aus.

Dies ist eine kleine Anlage.
Sie entscheidet basierend auf integrierten Wetterstationen in Echtzeit, ob sie die Geschwindigkeit drosselt oder erhöht. Wenn eine Gewitterfront aufzieht, stoppt das System automatisch, um Wasser zu sparen.

Die Highlands von Tasmanien.
Ohne Bewässerung ist das Gras im tasmanischen Sommer oft braun und im Wachstums-Stopp. Mit Bewässerung kann die Menge der Tiere pro Hektar locker verdoppelt oder sogar verdreifacht werden. Kostenpunkt einer kleinen Beregnungsanlage: 100.000 Euro.

Auch der Ackerbau in der Region wird ‚remote‘ kontrolliert. Selbstfahrende Trecker pflügen exakte Furchen in die Erde. Bis auf zwei, drei Zentimeter genau. Mit Drohnen werden die Felder überwacht. Sensoren messen die Photosynthese-Aktivitäten der Pflanzen.
Bauer Harms sieht auf einer digitalen Karte, welche Stellen auf dem Feld Stress haben (Wassermangel, Stickstoffmangel oder Schädlingsbefall). Dann kommt eine zweite Drohnengattung zum Einsatz: die Dünger- und Pestizid-Sprüher. Bis 50 Liter Flüssigkeit können diese Drohnen tragen und sprühen nur die Bereiche auf dem Acker, die es nötig haben.

Von dem digitalen Wettrüsten merken wir nicht viel. Es ist ländlich-idyllisch. Die Schafe grasen unbeeindruckt auf der Weide. Brombeerranken haben die Feldränder erobert. Innerhalb einer halben Stunde könnten wir zwei Kilo Früchte sammeln. Hagebutten zeigen erste rote Bäckchen. Beide Pflanzen gehören hier nicht her. Es sind echte Pestpflanzen, im 19. Jahrhundert von den Siedlern aus Europa mitgebracht worden.
Für uns wirken sie vertraut. Und plötzlich weht ein Hauch Dänemark über die Hightech-Felder der Highlands. Wir könnten auch auf Fünen sein, wäre da nicht das laute Kakadu-Geschrei.

Das Wetter droht seit zwei Tagen mit Regen – aber es bleibt trocken :-) Sehr lange Brücke mit nur einer Fahrbahn zum Campingplatz.

Diese Verkaufsanzeige sehen wir beim Ströpern durch die Feldmark.
25 Hektar Land, zum Teil mit Wein. Hübsches Haus mit sechs Zimmern und zwei Bädern. Das Haus ist von der Straße aus nicht zu sehen.
Zufällig finden wir ein paar Tage später in Hobart beim Immobilienmakler im Fenster dieses Angebot wieder: knapp 2,5 Millionen Euro.
Aber schon schön. Und Tasmanien kann auch grün sein. ;-)

Sollen wir das Prachtgrundstück kaufen oder doch lieber zum Schiff zurückkehren?

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Campen am See

6. März 2026; Australien/Tasmanien/Tungatinah; Tag 26, Tageskilometer 134, gesamt 1.641 km

Wir verlassen Queenstown ostwärts. Die Straße windet sich von jetzt an in engen Kurven die Berge hinauf. Innerhalb weniger Kilometer schrauben wir uns 550 Meter hoch. 99 Kurven sollen es sein. Zunächst sind die Berge noch kahl. Ein Schaden des exzessiven Minenbaus in Queenstown. Zögerlich erobern sich robuste Akazien und Eukalypten den kargen Boden zurück. Es ist mehr struppiges Gebüsch als Wald.

Wilde, kurvige Strecke

Dann erreichen wir „kühlen Regenwald“. Kein Tropen-Dschungel, sondern ein verwunschener Nebelwald. Alles – wirklich alles – ist von einer dicken, weichen Schicht aus smaragdgrünem Moos überzogen. Es dämpft jedes Geräusch, sodass im Wald eine ehrfürchtige Stille herrscht. Mächtige Baumfarne recken ihre Wedel wie grüne Sonnenschirme in die Höhe.

Moos – Tonnen an Moos

Zum Ende der Strecke wird der Wald offener. Der feuchte Regenwald weicht trockenem Eukalyptuswald. Hier dominieren riesige „Gum Trees“ (Eukalyptus auf Australisch). Deren Rinde hängt in langen Streifen herab. Am Boden wächst Knopfgras, das in den sumpfigen Hochebenen riesige Flächen bildet.

Der Wald öffnet sich zu einer wunderschönen Landschaft.

Warum heißt das Knopfgras Knopfgras? ;-)

Eine bezaubernd schöne Strecke. Hier ist Tasmanien nur 250 Kilometer breit und trotzdem fahren wir auf 130 Kilometern durch keinen einzigen Ort. Das muss man auch erst einmal schaffen.

Wir wählen einen Campingplatz an der Tungatinah Lagoon ohne Infrastruktur – außer einem Plumpsklo. Eine ausgezeichnete Entscheidung. Ein Stellplatz direkt am See. Diese „Lagoon“ gehört zu einem komplexen System aus Kanälen, Stauseen und Rohrleitungen. Für ein Wasserkraftwerk, bereits in den 50er Jahren angelegt. Die Natur hat sich die Lagune längst zu Eigen gemacht. Forellen schwimmen im See und Wombats wohnen am Ufer.

Der Blick aus dem Auto. Unser Nachbar hat ein Boot dabei und fährt direkt ans Ufer. Typisch Australien.

Wir stehen auf 650 Metern. Es wird abends schnell kühl. Unser feines Auto hat einen Heizlüfter und eine Gasheizung. Auf Campingplätzen mit Stromanschluss haben wir bisher nur den Heizlüfter benutzt. Der ist schnell in Betrieb genommen und keiner muss morgens aus dem warmen Bett in die Kälte, um das Gas anzudrehen.
In Tungatinah testen wir das erste Mal die Gasheizung. Fein. Fein. Der Thermostat funktioniert tadellos und der kleine Innenraum verwandelt sich schnell in eine warme Höhle.

Mit glänzenden Augen schauen wir trotzdem auf die sicher aufgeschichtete Feuerstelle neben unserem Stellplatz. Darf man oder darf man nicht um diese Jahreszeit kokeln? Geldstrafen starten bei 3.000 Euro und die größte Belohnung sind 12 Monate Gefängnis.
Wir befragen das Internet und unseren angelnden Camping-Nachbarn. Beide geben „Feuer frei“.

Die Umgebung vom Seeufer ist abgegrast. Außer kleinen Stöckern ist hier nicht viel zu finden. Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang und kommen mit genug Beute für einen netten Abend zurück. Am meisten Spaß machen die abgefallenen Rindenstreifen der „Gum-Trees“. Helles Schlohfeuer vom Feinsten. Perfekt für kleine Feuerteufel.

Nachmittags gehen wir sammeln. Leider keine Wombats zu sehen und auch keine Schlangen. Dabei sind die Bedingungen perfekt.

Jeder Knüppel zählt!

Unsere Beute, sauber sortiert …

Noch eine Werbefoto für Autorent. Ein so tolles Auto.

Erst wollte Achim nicht. Das Ergebnis sieht man. :-)

  • Campingplatz: Null Euro

 

Internet Talk

In Tungatinah (und bereits einigen anderen Standorten) haben wir keinen Internetempfang. Kein Problem! Wir haben ja unsere Starlink-Mini mit nach Australien genommen. :mrgreen:
Die passt gerade in Achims Handgepäck-Rucksack. Und mit einem guten Kilo ist sie auch noch schlepp-tauglich.

Unseren Vertrag hätten wir für einen Monat sowieso nicht gekündigt, da Starlink in Neukaledonien eigentlich gar nicht zur Verfügung steht. Wir hätten viel zu viel Angst gehabt, dass wir den Vertrag nicht wieder aktiviert bekommen.
Da kam uns die Idee: Wenn wir sowieso schon bezahlen, dann können wir den Starlink auch mitnehmen. Und es spart uns, eine lokale SIM-Karte kaufen zu
müssen. ***
Voilà! Es funktioniert perfekt. Eine ziemlich coole Erfindung, der Starlink.

Der Starlink auf dem Schrank – Empfang durchs Dach der Wohn-Shell kein Problem. Der Monitor auf der Ablage ist ein Fernseher. Er hat keinen Empfang, macht nichts, den brauchen wir absolut gar nicht.

 

*** Dass wir trotzdem eine SIM-Karte kaufen mussten, ist eine andere Geschichte. Es liegt an der australischen Liebe zum Telefonieren. In ländlichen Gebieten nutzen die Aussies und Tasmanier das Handy überdurchschnittlich oft für echte Anrufe. Angeblich fast zu 99 %. Wenn man sich selten sieht, wird am Telefon ausgiebig gequatscht.
Und somit brauchten wir eine australische Telefonnummer zum Reservieren von Campingplätzen und für andere Auskünfte. Online-Buchungssysteme sind häufig schlecht gepflegt und fehlerhaft.

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Der leere Westen

04.-05. März 2026; Australien/Tasmanien/Queenstown; Tag 24-25, Tageskilometer 131, gesamt 1.507 km

Tassie hat die Form eines recht gleichmäßigen Dreiecks. Teil man die Insel in der Mitte, dann wohnen im Westen weniger als fünf Prozent der Tasmanier. Krass.
Wir verlassen unseren wilden Campingplatz und kommen durch Zeehan.

Geteiltes Tasmanien. Stanham und Queenstown erfahren immerhin noch eine Erwähnung auf der Karte. Das sind nicht mal Kleinstädte.Der Rest ist Nationalpark oder Schutzgebiet. Und Holzwirtschaft.

In seiner Blütezeit war Zeehan so reich durch Silber- und Bleifunde, dass es einen fast absurden Luxus bot. Es gab über 20 Hotels und eine prächtige Oper, das Gaiety Theatre. Man erzählte sich, dass die Bergleute so viel Geld hatten, dass sie Champagner aus Eimern tranken und die Schauspielerinnen mit Silbermünzen bewarfen, wenn ihnen der Auftritt gefiel.
Über 20.000 Menschen wohnten hier, jetzt sind es keine tausend. Der Verfall der Stadt ist an jeder Ecke zu sehen. Tourismus auf kleiner Flamme, ein paar Mountain-Bike-Strecken werden beworben.

Ein paar hübsche Details sind noch erhalten in Zeehan – das meiste sieht vergammelt aus.

Fast alle alten Häuser stehen leer.

Unser nächster Stopp liegt wieder am Wasser: Strahan. Keine Minenstadt, sondern das einstige Sägewerk-Zentrum von Tasmanien. Die begehrte Huon Kiefer wurde hier verarbeitet. Sie wächst extrem langsam (oft nur 1 mm pro Jahr) und kann über 3.000 Jahre alt werden. Das Holz enthält so viel Methyl-Eugenol, dass es fäulnisresistent ist. Es riecht herrlich und ist für den Schiffbau perfekt. Die Mühlen in Strahan verarbeiteten dieses Holz im Akkord, um Schiffe für das gesamte Britische Empire zu bauen.

Der Hafen von Stranhan. Witziger Weise haben wir hier die Teilnehmer der ‚Rund Tasmanien Rally‘ wieder getroffen. Einige Boote waren eine Woche in Stanley an der Nut gefangen.

Heute profitiert die Stadt von ihrem idyllischen Hafen und der Tatsache, dass die ‚Coast Wilderness Railway‘ hier ihre Endstation hat. Die Bahn wurde nicht gebaut, um Touristen die schöne Aussicht zu zeigen. Sie war eine reine Kupfer-Autobahn, um das Metall aus Queenstown verschiffbar zu machen. Da es keine Straßen gab und der Fluss zu wild war, blieb nur die Schiene. Die Arbeiter mussten sich mit Äxten und Schaufeln durch einen der dichtesten Dschungel der Welt graben.

Das Foto ist während des Baus entstanden. 1899.
Die Herren im Anzug wollten den Erfolg dokumentieren, und die Arbeiter wurden oft als Zeichen der „Bezwingung der Natur“ mit ins Bild genommen. Dass sie auf einer Brückenkonstruktion stehen, sollte die technische Meisterschaft unterstreichen – man blickte buchstäblich auf die Wildnis herab, die man gerade besiegt hatte. [Abfotografiert im Bahnhof von Queenstown]

Die Strecke zwischen Strahan und Queenstown ist so steil, dass normale Lokomotiven einfach abrutschen würden. Man importierte das Abt-Zahnstangensystem aus der Schweiz. Zwischen den Schienen liegt eine gezackte Stange. Die Lokomotive hat ein drittes Zahnrad unter dem Kessel, das sich dort einhakt. So „klettert“ der Zug den Berg hoch. Es war die erste Bahn dieser Art in Australien und ist heute eine der wenigen weltweit, die noch mit den Original-Dampflokomotiven aus den 1890ern betrieben wird.

Zu sehen bekommen wir die Bahn in Queenstown. Hier quartieren wir uns zwei Nächte ein und unternehmen ein paar Streifzüge durch den Ort. Die Bahn ist die Hauptattraktion. Selbst wenn wir mit ihr fahren wollten: „Ausgebucht bis Ende März.“

Queenstwon – in einem schmalen Tal gelegen.

Mitten im Ort – prominent der Bahnhof für den Zug.

Zu unserer Enttäuschung kommt die Lok rückwärts nach Queenstown eingedampft. Das sieht uncool aus.

Es gibt eine Drehscheibe hinter dem Bahnhof. Die wird aber nicht genutzt.

Vielleicht schaut der Heizer deswegen auch so verzweifelt, weil er weiß, dass er gleich wieder aus dem Bahnhof fährt, die Lok abkoppeln, Weichen stellen und alles wieder zusammenfügen muss.

Hochglanzpolierte Waggons. Drei Stunden mit dem Zug kosten 100,00 Euro.

Werbefoto für die Zugfahrt – schade dass keiner der Fahrgäste das so sieht. [abfotografiert im Bahnhof von Queenstown]

Unsere Nachbarn vom Campingplatz.

  • Campingplatz: 33,00 Euro

Camp Kitchen Talk

Da unser kleines Wohnmobil kein Raumwunder ist, kochen wir, wenn möglich, in den Camp-Küchen. Das ist meistens sehr brauchbar. Je mehr Dauergäste und Wiederholer ein Platz hat, desto besser die Küchen. Dann gibt es auch oft die Gelegenheit für ein Schwätzchen. Vor ein paar Tagen wurden wir sogar eingeladen, unbedingt in Horbart vor unserem Abflug bei unseren Tischnachbarn vorbeizuschauen. Sehr angenehm.

Kommen viele Touristen, sprich viel Durchgangsverkehr, ändert sich häufig das Bild. Benehmen ist Glücksache. Gäste sitzen mit dem Hintern und barfuß auf dem Esstisch und kochen ein Süppchen auf ihrem eigenen Kocher. Wer das macht, wischt auch mit dem Lappen in der Spüle den Fußboden (selber gesehen!). Augen auf beim Lappengebrauch. :mrgreen:

Und manchmal schämen sich auch die Camp-Betreiber nicht. ein Dreckloch als Küche anzubieten. So in Queenstown. Bäh. Dann kochen wir in unserer Puppenstube.

Bähhh – der Preis für eine Übernachtung sagt nichts aus über die Qualität. Dieser Platz kostet 33,00 Euro.

 

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