18. Apr. – 22. Apr. 2026; Deutschland/Singapore/Neukaledonien
„Ihr Flug SB741 von Singapore nach Nouméa am 19.04.2026 ist storniert. Danke für Ihr Verständnis.“
Wir haben Samstag, den 18.04.2026. Es ist 6:00 Uhr morgens und ich habe alles Mögliche, nur kein Verständnis für die lapidare SMS auf meinem Handy. Bestürzt starre ich auf die Nachricht. Was soll das? In vier Stunden startet mein Flug nach Istanbul. Von da aus geht es weiter nach Singapore und noch ein letzter Flug nach Nouméa. Zu Achim, zum Schiff zurück.
Ich erwische Achim per WhatsApp. Da mir die Zeit fehlt, weil ich noch meine Sachen zusammen grabbeln und zum Flughafen fahren muss, übernimmt er die Recherche.
Beim Einchecken am Flughafen erklärt mir der junge Mann, dass ich mir keine Sorgen machen muss, mein Flug findet statt. Eine Bordkarte bekomme ich allerdings nicht. Ich darf zwei Gepäckstücke mit jeweils 23 Kilo aufgeben. Der eine ist mit 23,7 knapp drüber. Dem jungen Mann ist es egal. Glück gehabt. Ich hatte Mecker befürchtet.
Ich gehe noch zum Türkish-Airlines-Schalter gegenüber. Die Dame weiß von nix. Der letzte Flug würde von Air Calin ausgeführt, da habe sie keinen Zugriff.
Als ich am Gate sitze, bekomme ich Infos von Achim am anderen Ende der Welt: „Air Calin hat nur vier Maschinen. Eine ist kaputt und seit Tagen fallen diverse Flüge aus, weil es keine Ersatzmaschine gibt.“
Mein Flug nach Istanbul dauert drei Stunden. Dort bekomme ich bei Türkish Airlines die gleiche Antwort wie in Hamburg. „Ich kann nicht sagen, ob der Flug stattfindet. Die Verantwortung läge außerdem bei Air Calin. Wir sind raus.“ Das stimmt so nicht, aber ich lasse dem Lackaffen seine Meinung.
Achim, mein Reisebüro in Nouméa, hat in der Zwischenzeit auf Hochtouren gearbeitet und versorgt mich mit Infos und einer Strategie: „In Singapore gibt es ‚Transitdesks‘. Da gehst du hin. Der nächste Flug nach Nouméa geht erst am Dienstag. Sag denen, dass du so lange nicht warten willst, und frage nach Flügen über Australien. Die Teams vom Transitdesk sollen super geschult sein, Leuten wie dir zu helfen.“
Am Sonntagvormittag Ortszeit lande ich in Singapore. Direkt am Gate-Ausgang steht ein dreiköpfiges Team mit ‚Nouméa-Schildern‘ in der Hand. Insgesamt 18 Leute sammeln sich mit dem gleichen Problem wie ich. Wir werden aufgeklärt, dass wir für Dienstag auf einen Flug nach Neukaledonien gebucht sind. Für Unterkunft, Essen und Transfer wird gesorgt.
Nach kurzer Bedenkzeit verwerfe ich die über-Australien-fliegen-Idee. Wie sich Tage später herausstellt, eine vortreffliche Entscheidung, denn ich wäre nur sechs Stunden früher in Nouméa angekommen. Und ich hätte den perfekten Service des dnata-Teams vom Flughafen Singapore verpasst.
Die drei Betreuer kleben jedem ihrer Schäfchen einen dnata-Aufkleber aufs Hemd. Dass bloß keiner verloren geht. Geduldig werden Fragen beantwortet, während wir auf unsere Koffer warten. Das zieht sich etwas hin, aber nach anderthalb Stunden ist das gesamte Gepäck endlich da. Mein schwarzer Koffer hat eine große Beschädigung. Eine Ecke ist aufgebrochen. Zwei Rollen funktionieren nicht mehr anständig.
Das Team übergibt uns einem Busfahrer. Nach einer halben Stunde erreichen wir das reservierte Hotel. Dort sind wir schon gemeldet. Es erfolgen nur noch die Schlüsselübergabe und der Hinweis, dass wir drei Mahlzeiten im hoteleigenen Garten-Café einnehmen dürfen.
In was für einer Unterkunft sind wir bloß gelandet? Ich traue meinen Augen nicht. Das Orchard Hotel Singapore hat sagenhafte fünf Sterne. Das Zimmer ist geräumig und mit einem riesigen Bett ausgestattet. Alles da, was man braucht, selbst wenn der Koffer verloren gegangen sein sollte.
Aber der absolute Hammer ist das Buffet. Gerichte aus dem Wok für Chinesische Gaumen. Zehn verschiedene Currys machen Inder glücklich. Euro-Asiatische Küche vom Feinsten. Gebratenes, Gesottenes. Sushi und Salate. Ein unfassbares Angebot an Nachtischen. Das erste Mal in meinem Leben esse ich eine Jack Frucht und darf Durian (Stinkfrucht) Mousse probieren. Ein Blick ins Internet: Das Buffet kostet 60,00 Euro pro Person. Pro Mahlzeit.

Das ist keine Torte, sondern geschichtete Nachtisch-Cremes. Hier Schoko mit Lemon mit crunchy Bodem. Köstlich! Davon gab mindestens sechs Stück zur Auswahl. Plus Pudding, Mousse und Eis plus, plus, plus. Ich kann mein Glück nicht fassen.
Zwei Tage darf ich den Luxus genießen. Mache Sightseeing und Urlaub in Singapore. Dann geht leider, leider
schon der Flug nach Nouméa. Das Hotel organisiert den Shuttle zum Flughafen. Morgens um sieben ist Abholung. Das Foyer ist rappelvoll. Alles hängengebliebene Air Calin Opfer. Drei Busse werden benötigt, um uns abzutransportieren.
Beim Einchecken werde ich gefragt, ob ich ein Rückflugticket habe. „Nein. Ich verlasse Neukaledonien mit einem Segelboot.“ „Haben Sie dafür ein Ticket?“ „Nein, es ist mein eigenes Boot.“ Die Dame am Schalter wird hektisch. Sie telefoniert wild umher, fragt ihre Kollegin am Nachbarschalter. Viel Palaver während ich mir fieberhaft überlege, wie ich das beweisen kann. Dann Entwarnung, sie checkt mich ein. Mein im Hotel ungeöffneter Koffer hat plötzlich ein Kilo mehr auf der Waage (ich bestimmt auch). Das winkt sie lässig durch.

Nur Gucci und Rolex in Hotelnähe. Das beste was ich in der Nobelstraße Orchard Road finden konnte: Frischhaltefolie zum Verbinden vom Koffer.
Zwei Flugzeuge werden diesen Morgen eingesetzt. Die ursprünglich fliegende Maschine von Air Calin und eine Boeing 777 von EuroAtlantic. Ich habe das Pech auf EuroAtlantic gebucht zu sein. Das ist eine portugiesische Fluggesellschaft, die darauf spezialisiert ist, ausgefallene Maschinen zu ersetzten.
Halleluja. Alle Maschinen sind bereits älter als 20 Jahre. Die Klimaanlage streut Eiswürfel aus. Zweite Decken werden gefordert. Glück für den, der früh danach fragt. Die Decken sind schnell aus. Die Auswahl der Filme beschränkt sich auf 8 (in Worten acht). Alle schon etwas älter. Aus dem gleichen Jahr wie die Filme stammen die Brötchen aus denen das Abendessen besteht. ![]()

Das schlechteste Flugzeug-Essen aller Zeiten. Auf dem großen Brötchen war Press-Rührei und eine Gurkenscheibe. Das Brot war pfurztrocken. Das kleine Brötchen war noch härter und kam ohne Butter. Nicht mal die übliche Stange Käse gab es dazu. Nach der Völlerei im Hotel der perfekte Kontrast. ![]()
Nach acht Stunden ist es überstanden. Mit zwei Stunden Verspätung lande ich endlich in Nouméa. Die Kofferausgabe zieht sich eine Stunde. Vor dem Zoll habe ich mit meinen 46 Kilo Kampfgewicht plus 11 Kilo Handgepäck etwas Angst. Einige Ersatzteile fürs Schiff könnten Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aber der Typ ist vollkommen gelangweilt. Er hat nichts zu tun. Alle Gäste strömen durch den Gang „nichts zu verzollen“.
Bleibt als letzte Hürde die Bio-Security. Ich habe wieder Angst. Habe auf dem Fragebogen brav angekreuzt, dass ich Nahrungsmittel dabei habe. Aber ich möchte keine Diskussionen über meine Nüsse, Schokolade und Kräuter führen. Dem Bio-Mann mit seinem Hund halte ich einen Opfer-Apfel und einen Müsli-Riegel unter die Nase. Den Apfel nimmt er, wie erwartet. Den Riegel darf ich behalten. Ich bin durch!
Noch eine Stunde Taxi, dann bin ich nach genau 98 Stunden wieder zu Hause. Das macht einen Schnitt von 163 km/h. Und ich dachte schon, dass der Hinweg mit 40 Stunden lang gewesen wäre. ![]()





































