Vanuatu ==> Australien – Tag 5 – 28.880 Kipper

20.10.2026; Pazifik / Coral Sea; Tag 4.525; 30.778 sm total

Bergfest ist durch. Wir kommen gut voran, die Sonne scheint, alles bestens. Wären da nicht Wind und Welle genau von hinten. Atanga rollt. Wir kippen nach rechts, drei Sekunden später kippen wir nach links. Keine besonders hohen Ausschläge, es ist die schiere Zahl: 28.880 Kipper an einem Tag.

Das Gehirn ist erstaunlich anpassungsfähig. Nach ein paar Tagen hat es verstanden: Das Schiff rollt. Der gesamte Körper korrigiert automatisch. Verlagert beim Liegen und Sitzen das Gewicht von rechts nach links. Die Beine korrigieren, der Oberkörper schwingt mit, die Hand sucht Halt. Die Lernkurve ist steil. Bei den meisten Menschen verschwinden Seekrankheit und Lethargie nach drei Tagen. Wir bewegen uns inzwischen halbwegs souverän durchs Schiff, tragen Kaffee durch die Gegend und bilden uns ein, wir haben die Lage im Griff.

Würde nicht jeder fünfzigste Kipper aus dem Rahmen fallen. Wellen aus unterschiedlichen Richtungen tun sich zusammen. Meistens sind die drei Schwestern mit im Spiel. Ein Phänomen, dass überdurchschnittlich hohe Wellen häufig im Dreierpack auftauchen. Die erste Schwester schubst Atanga deutlich auf die Seite. Die wehrt sich. Kommt mit Schwung zurück. Die nächsten Wellen warten schon. Die Situation eskaliert. Schubsen und Zurückschwingen schaukeln sich auf.
Das Gehirn kommt nicht hinterher. Die Hand greift ins Leere. Man stößt mit der Schulter gegen den Schrank. Der Kaffee schwappt aus dem Becher.
Eine regelmäßige Ermahnung, wer hier das Sagen hat.

Bergfest. Wenn es gut läuft nur noch 144.000 Kipper.

Familienausflug aufs Achterschiff. Tolle Bedingungen mit ausgebaumter Genua.


Tag 5
137 sm etmal
596 sm Rest
649 sm bereits gesegelt
Windstärke: 4
Wellen: 2,0 Meter
Essen: Gulasch und Salat
Position: 16°00,08 S / 156°05,9 E

32

Vanuatu ==> Australien – Tag 4 – Alles wieder normal

19.10.2026; Pazifik / Coral Sea; Tag 4.524; 30.641 sm total

Die Wellen sind wieder normal. Check.
Die Genua ausgerollt. Check.
Die Windsteueranlage arbeitet fehlerfrei. Check.
Nachtwachen-Rhythmus wieder hergestellt. Check.
Seebeine sind gewachsen. Check.
Ein Leben an Bord ist möglich. Check.
Stimmung hervorragend. Check.

Arbeiten in der Pantry ist nicht ganz einfach. Nicht nur, dass wir mit dem achterlichen Wind ganz schön rollen, wir liegen auch noch auf der falschen Backe. Unsere L-förmige Pantry bietet nach Steuerbord wenige Stützmöglichkeiten. Menschen und Material können dann schon mal bis zum Kartentisch fliegen. Salat schnippeln mit einer Hand: schwierig. Also Balance halten und aufpassen. Eine Salat-Schüssel hat heute das Zeitliche gesegnet. Die liegt nun auf dem Meeresgrund.
Das Hamburg-Wappen im Sinkflug.

Hamburg Schüssel seit über 12 Jahren an Bord.

 

Tag 4
135 sm
727 sm Rest
Windstärke: 5
Wellen: 2,5 Meter
Essen: Bratnudeln mit Ei und Salat
Position: 16°04,60 S / 158°27,2 E

32

Vanuatu ==> Australien – Tag 3 – der Ritt auf den Wellen

18.10.2026; Pazifik / Coral Sea; Tag 4.523; 30.506 sm total

Der dritte Tag beginnt mit kontinuierlich zunehmendem Wind. Zu früh, wir sind noch nicht ganz fest auf den Beinen. Sobald ich unter Deck etwas mache, außer sinnentleerte Spiele auf dem Handy zu daddeln, wird mir übel. Achim hält sich wie immer gut, ist aber ebenfalls antriebslos.
Gegen Abend werden die Wellen höher. Der Wind kommt 10 Grad von hinten. Atanga geigt. Der Wind legt weiter zu. Wir reffen mehrmals die ausgebaumte Genua, halten trotzdem unsere Geschwindigkeit: 6 Knoten, 7 Knoten, 8 Knoten.

Der erste Squall

Wenig Tuch und trotzdem halten wir über viele Stunden einen 6er Schnitt

Um 23:00 Uhr geht der Tanz richtig los. Der Mond ist untergegangen, Sterneleuchten fehlt. Es ist stockdunkel. Atanga läuft aus dem Ruder, luvt hart an, das Vorsegel flattert. Ich sprinte ins Cockpit, korrigiere den Kurs. Alles ist in Ordnung. Ohne Windanzeiger fühlt sich das Rudergehen an, wie Autofahren im Dunkeln ohne Licht. Den Wind kann ich nur erraten. Den Hightech-Baumwollfäden hätten wir das Leuchten beibringen sollen.
Die Windstärke beträgt geschätzte 20 Knoten, gar nicht so arg. Die Wellen kann ich kaum ausmachen, höre aber ihr Rauschen und Gurgeln. Wir donnern die Wellenberge runter. 9 Knoten, 10 Knoten. Puh, muss nicht sein!

Atanga läuft erneut aus dem Ruder. Diesmal kann ich es nicht alleine beheben, die Windsteueranlage ist „ausgehebelt“. Achim krabbelt aus dem Bett, geht nach hinten, kuppelt die Anlage wieder ein, während ich das Schiff auf Kurs halte. Eine Stunde später das gleiche Spiel.
Um 2:30 Uhr gehe ich ins Bett. Viel Schlaf bekomme ich nicht. Alle ein, zwei Stunden spinnt unsere treue Herta und klingt sich aus. Wir haben die lebensverlängernde Regel, dass keiner das Cockpit verlassen darf, während der andere schläft. Also muss ich aufstehen, das Ruder übernehmen, während Achim nach hinten geht.

Im Morgengrauen sehen wir, was los ist. Solche Wellen sind neu für uns. So was haben wir noch nicht erlebt. Geschätzte vier Meter alle sieben Sekunden. Steile Biester. Der Wahnsinn. Atanga surft die Berge runter – 11,9 Knoten beträgt die Spitzengeschwindigkeit, die wir sehen.
Natürlich geigen wir beim Surf, es ist unbequem an Bord. Nicht beängstigend, aber sehr beeindruckend. Und anstrengend. Was vor allem nervt, ist die weiterhin aussteigende Windsteueranlage. Keiner von uns hat die Möglichkeit, etwas Schlaf nachholen. Die Fehler-Ursache dürfte an unserer hohen Geschwindigkeit liegen. Das Heck wird aufs Wasser gesogen. Die Badeplattform ist bereits untergetaucht. Wahrscheinlich bekommt das Pendelruder durch den unglücklichen Winkel zu viel Druck und mag nicht mehr. Das Ausklinken ist in den letzten Jahren durchaus schon mal vorgekommen, aber in Summe seltener als an diesem besonderen Wellen-Tag.

Wer mal versucht hat, Wellen zu fotografieren, weiß, dass das nicht geht. Ich hab es endlos versucht. Der beste Schnappschuss ist Achim gelungen mit der Welle, die mir über die Schulter guckt. Ich sitze mit dem Kopf in 2,5 Meter über der Wasserlinie.

Zum Ende von Tag drei haben sich die Brecher etwas beruhigt und dürften mit der Windy-Angabe von 3,30 Metern übereinstimmen. Der Wind ist ebenfalls schwächer geworden. Wir sind jetzt langsamer und Herta arbeitet wieder ohne Mullen und Knullen. Wir atmen auf und spielen Schnick-Schnack-Schnuck, wer als Erster eine Runde schlafen darf.

Tag 3
130 sm
862 sm Rest
Windstärke: 5, in Böen 6
Wellen: Vorsichtige Schätzungen vermuten 4 Meter plus
Essen: Nudeln mit Pesto – für mehr fehlt die Kraft
Position: 16°07,60 S / 160°47,5 E

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Vanuatu ==> Australien – Tag 2

17.10.2026; Pazifik/Coral Sea; Tag 4.522; 30.376 sm total

In der zweiten Nacht schlafen wir schon etwas besser. Die Wellenhöhe ist zurück gegangen und passt jetzt besser zur Windstärke. Gleichmäßige Dünung im zwölf Sekunden Rhythmus wird allerdings noch gesucht. Mehr als 14 Knoten Wind sehen wir nicht.
Der Wind kommt wieder achterlicher. Wir haben auf die Genua mit kleinem Groß als Stütze zurück gewechselt. Vereinzelt ziehen Regenwolken ohne viel Wind vorbei.

Wir haben zwei Windanzeiger an den Wanten montiert. Einen für Starkwind aus schwerem T-Shirt-Stoff. Der rührt sich erst richtig bei über 15 Knoten. Der andere Windanzeiger besteht aus feinem Blusenstoff. Der zappelt schon bei einer leichten Briese. Hochpräzisionsmessgeräte!

Der Leichtwindmesser. Der hat auch schon mal einen Totalausfall, wenn er sich verheddert. Der könnte von Raymarine sein.

Viel geleistet wurde nicht. Wir liegen auf den Sofas und warten, dass uns Seebeine wachsen.

Tag 2
115 sm
993 sm Rest
Windstärke: 4
Wellen: schräg von hinten, deutlich flacher, wir rollen trotzdem.
Essen: Zweite Portion Kartoffelsalat, Krautsalat und kalte gebratene Hühnchenbrust.
Position: 16°06,15 S / 163°01,4 E

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Vanuatu ==> Australien – Tag 1

16.10.2026; Pazifik/Coral Sea; Tag 4.521; 30.261 sm total

Atanga, unser treues Mädchen, lässt es sich nicht nehmen, uns zwei Leckerbissen mit auf den Törn zu geben:

1. Komplettausfall der Windanzeige.
Bereits kurz nach unserer Ankunft in Vanuatu zeigten sich die ersten Ausfälle. Wie schon zwischen Neuseeland und Fiji war es ein langsames Sterben. Die neue Platine am alten Arm ist erst fünfzehn Monate in Betrieb gewesen. Grrr. Beste Grüße an dieser Stelle an Raymarine.

Wir segeln nun ohne Windanzeiger. Machbar, wenn auch bei Manövern etwas unpraktisch. Bei Böen kann es allerdings ganz schön sein, wenn man im Unklaren über die wahre Stärke gelassen wird.

2. Unser Kugelventil für die Toilette ist defekt.
Der kleine Stift im Inneren, der beim Bewegen vom Griff die Kugel dreht, ist abgebrochen. Die Öffnung ist auf ‚halb geöffnet‘ stehen geblieben. Bemerkt haben wir es, weil wir plötzlich weniger Wasser zum Spülen hochpumpen konnten. Die Toilette ist weiterhin nutzbar. Abpumpen funktioniert wie immer. „Nicht wie ein Pferd am Hebel pumpen“, lautet die neue Betriebsanleitung.
Das Ventil ist nun auch auf See dauergeöffnet. Natürlich segeln wir auf dem Bug auf dem sich die Toilette befindet. Ob die Kloschüssel bei ordentlich Schräglage überlaufen wird, bleibt abzuwarten. Bis jetzt ist alles okay.
Falls wir zu schräg segeln, wird Achim den Zulauf zur Toilette vom Ventil trennen, verstopfen und gespült wird dann mit köstlichem Trinkwasser.

Kugelventil

Bei bestem Wetter und achterlichem Wind legen wir von der Mooring ab. Wir motoren den Meerarm von Luganville Richtung offenen Ozean. Wir erwarten leichte Winde, wollen die Genua setzten. Da legt Atanga uns noch ein unerwünschtes Ei ins Nest.
Die Genua lässt sich nicht entrollen. Achim macht ein Fall im Masttop aus, was sich mit einer Wicklung um die Reffanlage geschlungen hat. Ihm steht wenig der Sinn nach einer Mastkletterei. Ein paar Wackelversuche, das Lösen vom Fall und Drehen der Anlage von Hand haben Erfolg. Die Genua entrollt sich wieder.

Fehlerdiagnose per Fernglas.

Einige Kaps und Inselchen können wir bereits segelnd umfahren. Dann sind wir auf Kurs. Es läuft gut. Noch sind wir im Windschatten von zwei Inseln. Glatte See.
Der Wind kommt zunehmend seitlicher. Zu seitlich für die ausgebaumte Genua. Sie flattert ärgerlich im Wind. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Wir setzten das Groß und die Fock. Der Baum für die Genua bleibt stehen. Den brauchen wir bestimmt noch. Mit Fock und Groß sind wir leider deutlich langsamer. Einen knappen Knoten. Okay, das ist nicht zu ändern.

Die Passage ist sowieso ein Ritt, möglichst gegen die Ankunft am nächsten Wochenende. ‚Overtime‘ heißt das Zauberwort. Sowieso schon hohe Einklarierungsgebühren werden bei Ankunft glatt verdoppelt. Bummeln oder Gas geben? Wie es scheint, hat die Windrichtung bereits früh entschieden.

Tag 1
132 sm
1.118 sm Rest
Windstärke: 4 bis 5 ohne Böen
Wellen: schräg von hinten, eigentlich zu hoch für den Wind, wir rollen ordentlich
Essen: Kartoffelsalat, Krautsalat und kalte gebratene Hühnchenbrust
Position: 15°53,2 S / 164°38.7 E

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