Cradle Mountain: Teufel, Moor und “Year-Year“-Mädchen

22.-25. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Cradle Mountain; Tag 15-18, Tageskilometer 91, gesamt 949 km

Wir wechseln von der Küste in die Berge. Wie vorher gesagt, gießt es wie aus Eimern an unserem Ankunftsnachmittag. Das sitzen wir mit Heizlüfter und Himbeer-Muffins locker in unserem Camper aus. Unser Vertrauen in den Wetterbericht wird belohnt: Am nächsten Morgen strahlt die Sonne vom blauen Himmel.

Wettervorhersage nach dem Regen. Die gefühlten Temperaturen waren zum Glück nicht so niedrig. Gute Decken im Auto und ein Heizlüfter haben uns gerettet.

Wir stehen im Cradle-Mountain-Nationalpark auf 900 Metern. Einem Touristen-Liebling. Trotzdem haben wir problemlos für drei Nächte einen Platz reservieren können. Das Informationszentrum und die Busse in den Park liegen nur 700 Meter vom Campingplatz entfernt. Das Bus-Ticket von 9,00 Euro ist nicht in unserem Parkpass enthalten. Es gilt allerdings für drei Tage, somit ist der Preis total okay.
Vor über 20 Jahren wurde ein Shuttle-Bus eingeführt, da die schmale Straße in den Nationalpark den zunehmenden Besuchermengen nicht mehr gewachsen war.
Ein tolles System. Auf der zehn Kilometer langen Strecke gibt es vier Möglichkeiten, um auszusteigen. Separate Wanderwege verbinden die Stationen. Man kann auf und abspringen nach eigenem Belieben. Alle fünf bis zehn Minuten kommt ein Bus.

Am ersten Tag wandern wir ein paar „Schnupperwege“ an der Talstation und laufen von Station drei einen der Bordwalks. Es ist phantastisch. Eine urwüchsige Landschaft. Im Hintergrund zeigen sich schon mal schüchtern der Cradle Mountain. Kaum jemand, der uns begegnet. Außer Wallabies und herzigen Mini-Beutler: ein paar Pademelons.
Wir sind begeistert und verlängern um eine Nacht.

Endlich ein Pademelon, was nicht sofort abhaut. Diese kleinen Kängurus sind grade groß wie eine dicke Katze.

Cradle Mountain im Hintergrund – die grüne Wiese besteht aus Farn.

Die Gräser wirken wie hingetupft – wie bei einer Modeleisenbahn-Landschaft.

 

Am nächsten Tag fahren wir bis zur Endstation. Die Kulisse ist der Hammer. Mutter Natur hat aus den Vollen geschöpft. Wunderschön angelegt.
Die Wanderung um den See ist Pflichtprogramm. Gehört dazu. Klar. Der Weg ist schmal und führt durch wechselnden Bewuchs. Mal offene Landschaft, mal Wald, mal Nadelholz, dann wieder Eukalyptus. Schön. Sehr schön.

Kaiserwetter für drei Tage. Ein seltenes Ereignis in den Bergen. Es überwiegt Regenwetter.

Der Weg um den See ist schmal – es ist nicht möglich nebeneinander zu laufen.

Cradle Mountain

Die Wanderung kann trotzdem nur drei von fünf Sternen bekommen: Man soll im Uhrzeigersinn laufen. Die zehn Prozent, die das nicht lesen können, kommen uns entgegen. Kurzer Blick. Selbsterkenntnis. Sie machen verlegen Platz. Oder auch nicht verlegen, sondern dümmlich grinsend. An Spitzentagen laufen bis zu 1.500 Leute um den See. :roll:
Wir haben hinter uns zwei junge Frauen, Schnatterlinchen und ihre beste Freundin. Die Freundin läuft hinten und gibt alle zehn Sekunden ein „year“ von sich, um zu zeigen, dass sie noch zuhört. Wir lassen die beiden mehrfach überholen. Müssen aber wieder an ihnen vorbei, weil sie Selfies, ein Picknick oder einen Kleiderwechsel vornehmen. Sie rücken dann von hinten wieder auf … „year, year“.

Deswegen wechseln wir an Tag drei wieder auf die Bordwalks zurück. Fünf von fünf Sternen. Ruhe, noch mehr Tiere. Moorlandschaft. Unwirklich schön. Viele Kilometer und nur zwei Dutzend Leute unterwegs. Die Bordwalks sind der Geheimtipp in Cradle Mountain.

Echidnas (Ameisenigel) sind zusammen mit dem Schnabeltier die einzigen Säugetiere der Welt, die Eier legen statt lebenden Nachwuchs zu gebären.

Sie sind recht scheu. Drehen einem sofort den Rücken zu und tun so, als könne man sie nicht mehr sehen.

Abwechslungsreiche Landschaft

Heide, Moor, Farne, Moose, Gräser.

Hier nur Farn.

Womats sind nachtaktiv. Manchmal scheint eins keinen Schlaf zu finden. Dann strolchen sie auch tagsüber auf den Wiesen umher.

Parallel zur Straße gibt es endlose Wanderwege – alle auf Holzwegen plus Karnickeldraht als Antirutsch.

Die Holzwege sind total sinnvoll – im Grunde läuft man durch Moorlandschaft

Teuflische Begegnung

Im Park befindet sich eine Tierschutz-Einrichtung für den Tasmanischen Teufel. Die armen Tiere leiden unter einer ungewöhnlichen und aggressiven Krankheit: Der „Devil Facial Tumour Disease“.
DFTD ist ein übertragbarer Krebs. Das ist extrem selten in der Natur. Bei den Teufeln verhalten sich die Krebszellen wie ein Parasit oder ein Virus. Die Krankheit wird durch Bisse übertragen. Da Tasmanische Teufel beim Fressen oder bei der Paarung sehr aggressiv sind und sich gegenseitig oft ins Gesicht beißen, gelangen die Krebszellen direkt in die Wunden des anderen Tieres.
Es bilden sich Tumore im Gesicht, am Kiefer und im Maul. Diese wachsen so schnell, dass die Tiere irgendwann nicht mehr fressen oder trinken können und qualvoll verhungern. Die Krankheit ist zu 100 % tödlich. Seit ihrem ersten Auftreten im Jahr 1996 ist die Population der wildlebenden Teufel um schätzungsweise 80 % bis 90 % zurückgegangen.

Ein großes Problem ist die geringe genetische Vielfalt der Teufel. Ihr Immunsystem erkennt die fremden Krebszellen nicht als „fremd“ an und bekämpft sie daher nicht.

Die ‚Devils@Cradle Sanctuary‘ im Park züchtet gesunde Teufel, die genetisch so vielfältig wie möglich sind. Falls die wilden Teufel aussterben sollten, dienen diese Tiere als „Backup“, um die Art später wieder auswildern zu können. Die Sanctuary kümmert sich um verwaiste oder verletzte Tiere. Wenn eine Teufelsmutter überfahren wird (leider ein häufiges Problem in Tasmanien), werden die Jungtiere im Beutel oft gerettet und in der Sanctuary von Hand aufgezogen.

Da für solche Rettungs-Einrichtungen immer zu wenig Geld zur Verfügung steht, zeigt ‚Devils@Cradle‘ zweimal am Tag eine Fütterung der Teufel. Einnahmen für die Züchtung. Wir gehen davon aus, dass wir in der Wildnis keinen Teufel sehen bekommen und nutzen die Gelegenheit.

Die Tiere wohnen in schön gemachten Gehegen. Alle haben Namen und man kann einzelne Tiere ‚adoptieren‘. Die Teufel müssen nichts anderes machen als fressen und sich vermehren. Kein schlechtes Leben. Die Vermehrung ist relativ erfolgreich, so dass die Sanctuary kontinuierlich wächst. Austausch mit anderen Einrichtungen und Zoos sorgt für genetischen Mix.
Während der Führung wird uns erst klar, wie knapp diese Art vor dem Aussterben steht.

In der Sanctuary gehört zum Eintrittspreis eine einstündige Führung mit Erklärung über die Teufel und Qualls und die Arbeit die dort geleistet wird Höhepunkt ist die Fütterung. Die Teufel sind überwiegend Aas-Fresser. Hier ein bisschen Wallaby.

Der Tasmanische Teufel ist nachtaktiv. Die Chancen ihn in der Natur zu sehen, gleich Null. Zumal er schwarz wie die Nacht ist, außer zwei individuelle Streifen an den Flanken und der Brust.

Das besondere am Devil sind seine Ohren: Sie werden feuerrot, wenn ihm warm ist. Er nutzt die haarlosen Ohren als Wärmetauscher, da er anders nicht schwitzen kann. Auch wenn er sauer ist und aggressiv sein Futter verteidigt, erröten die Ohren.
Eigentlich sind sie dauer-rot. :mrgreen:

Die zwei hatten ohne erkennbaren Grund Stress miteinander. Lauthals wurde gekreischt, geheult und geschrien.
Wegen dieser unheimlichen Laute nannten die ersten Siedler sie ‚Teufel‘.

Neben den Teufeln kümmert sich das Zentrum auch um ihre nahen Verwandten, die Beutelmarder (Quolls). In Tasmanien gibt es den Tüpfelbeutelmarder und den Riesenbeutelmarder, die ebenfalls bedroht sind. Hier ist die Zucht noch erfolgreicher. Regelmäßig können Tiere in die Natur entlassen werden. Verwilderte Hauskatzen sind ihre größten Feinde.

Die Quolls hüpfen in ihren Gehegen wie aufgezogene Plüschtiere umher. Der niedliche Eindruck mit großen Kulleraugen, dem rosa Näschen und gepunktetem Fell täuscht:  Quolls sind das perfekte Beispiel für das Prinzip „Small, but deadly“. Quolls sind hocheffiziente Raubtiere. Während ein Tasmanischer Teufel eher der „Panzer“ ist, der alles mit roher Gewalt zermalmt, ist der Quoll der „Ninja“.

Quoll mit Punkten auf dem Schwanz (Fleckschwanz-Beutelmarder). So niedlich, aber eine Kampfmaschine.

Dieser Tüpfelbeutelmarder – keine Punkte auf dem Schwanz – ist wie ein aufgezogenes Stofftier durch sein Gehege geflitzt.

Quolls haben eine extrem kräftige Kiefermuskulatur für ihre Größe. Ihre bevorzugte Jagdmethode ist ein gezielter, blitzschneller Biss in den Nacken oder den Hinterkopf der Beute, um das Rückgrat zu durchtrennen oder den Schädel zu knacken. Beutelmarder sind  furchtlos. Er jagt nicht nur kleine Echsen, sondern erlegt Tiere, die deutlich größer sind als er selbst, wie zum Beispiel Wallabys, junge Kängurus oder schwere Possums.
Ein Quoll im Hühnerstall ist ein Albtraum: Er tötet oft nicht nur ein Huhn zum Essen, sondern verfällt in einen Blutrausch und erlegt alle Vögel im Stall. Das hat ihnen in der Vergangenheit leider den Ruf eines Schädlings eingebracht.

– Campingplatz: 38 Euro pro Nacht, teuerster Platz bisher. Bäder sind beheizt und in den Campküchen brennt ein Kaminfeuer. Angenehme Details.

– Devils@Cradle: 18 Euro pro Person (Senior-Rabatt).

Eine tolle Camp-Küche mit Kamin.

 

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Lichtscheues Pack im Frack

20.-21. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Turners Beach; Tag 13-14, Tageskilometer 194, gesamt 858 km

Zwergpinguine sind unverschämt niedlich. Sie sind die kleinsten Pinguine der Welt und die einzigen, die kein klassisches schwarz-weißes Gefieder haben. Ihr Rücken ist blau. Größe maximal 40 cm, ein Kilo Kampfgewicht.
Die kleinen Pinguine sind extrem vorsichtig. Wenn sie nach der Jagd an Land kommen, warten sie im flachen Wasser, bis sich eine ausreichend große Gruppe gebildet hat. Erst dann watscheln sie gemeinsam über den Strand zu ihren Höhlen. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit für den Einzelnen, von einer hungrigen Möwe oder einem Greifvogel geschnappt zu werden.
Das sieht aus wie eine organisierte, sehr wackelige Mini-Armee.

Warten auf die Pinguine.

Dieses Spektakel bekommen wir nur zu sehen, weil die freiwilligen Helfer-Damen der „Friends of Lillico Penguins“ mit Taschenlampen mit Rotlicht den Strand ableuchten. Inzwischen ist es so dunkel, dass man die Watschelparade nicht mehr erkennen kann.

Am Lillico Beach wohnt eine große Kolonie der kleinen Pinguine. Eine Plattform ist direkt über ihre künstlichen Höhlen gebaut. Bereits tagsüber strecken sich einzelne Schnäbel aus Holzkisten. Das sind erwachsene Pinguine in der Mauser, die während der Mauser-Zeit für zwei Wochen nicht ‚wasserdicht‘ sind.
Oder Jung-Pinguine, die den ganzen Tag auf ihre Eltern warten, die Futter bringen sollen.

Künstliche Behausungen: Betonröhren oder Holzkisten. Das lieben die Pinguine. Sie bauen ihre Höhlen auch gerne unter Häuser oder in Abflußleitungen.
Hier soll es eine Hilfe für die Kolonie sein.

Die Kleinen sind ungeduldig. Lange bevor die Erwachsenen sich aus dem Wasser trauen, krabbeln sie aus ihren Höhlen. Unvorsichtige Kinder! Sie begrüßen sich untereinander mit lautem Piepen und Quietschen. Einige raufen wie junge Katzen miteinander.

Große Zwergpinguine sind ja schon klein, aber Baby-Zwergpinguine sind winzig. Total süß und tollpatschig.

Dann können wir die Ankunft der Pinguine hören. Diese Vögel sind unglaublich laut. Ihr Rufen klingt wie eine Mischung aus Esel-I-Ah, einem tiefen Knurren und einem kaputten Dudelsack. Die Lütten hören das auch. Ungeduldig stürzen sie sich das steinige Ufer den Erwachsenen entgegen. Fallen durcheinander, rutschen und schliddern. Betteln jeden Pinguin an, der ihnen entgegenkommt.
Die Vögel sehen für uns alle gleich aus, und am nächtlichen Strand erkennen sie sich selbst auch nicht besser. Deshalb verlassen sie sich auf ihr Gehör.
Jeder Pinguin hat einen individuellen Ruf. Eltern können den speziellen Bettelruf ihres eigenen Kükens aus dem Lärm der ganzen Kolonie herausfiltern. Auch die Küken lernen sehr früh, wie ihre Eltern klingen. Aber wenn die Alttiere am Strand ankommen, sind die Küken so hungrig, dass sie erst einmal alles anbetteln, was watschelt und nach Fisch-Lieferant aussieht.

Pingse im Rotlicht. Das stört sie überhaupt nicht in ihrem normalen Verhalten. Weißes Licht und laut sprechen, ist verboten. Fühlt sich ein ankommender Pinguin gestört, kann es sein, dass er ins Wasser zurück geht und sein Junges Hunger schieben muss.

Das totale Chaos auf Watschelfüßen. Auf uns wirkt das so, als wüssten sie nicht, wer ihre Eltern sind. In Wirklichkeit versuchen sie einfach ihr Glück bei jedem, in der Hoffnung auf einen Gratis-Snack.
Die Eltern verschwenden keinen kostbaren, vorverdauten Fisch an fremde Kinder. Wenn ein fremdes Küken sie hartnäckig verfolgt, wird es ignoriert oder sogar weggehackt.

Ein lustiges, rührendes Spektakel.

Wenn die Jungen schwimmfertig sind, dann gehen alle für mehrere Monate auf See (im April) und kommen monatelang nicht nach Hause.

Wir haben den Campingplatz gewählt, der am nächsten an der Pinguin-Kolonie liegt, damit wir nicht so weit im Dunkeln mit dem Auto fahren müssen. Die Menge an totgefahrenen Tieren, die man morgens auf den Straßen findet, ist erschütternd hoch. Da möchten wir nicht dabei sein.

Schon Achims Anruf auf dem Platz war witzig: „Ach, ihr habt ein kleines Auto. Dann lasse ich Euch den Platz für 10 Dollar günstiger“. Okay, das ist nett.
Wir landen dann in einer Wohnwagen-Siedlung. Die Wohnwagen sind schon lange nicht mehr mobil. Umbaut mit Bretterbuden, Schuppen und Zäunen. Eine Laubenpieper-Anlage ohne Gärten. Etwas schräg.  Auch die Bewohner. Camper wie uns gibt es nur eine Handvoll. Das hat den Vorteil, dass die sanitären Anlagen sehr sauber sind.

Schräge Typen wohnen hier, die solche Schilder aufhängen.

Laubenpieper auf Australisch.

Und die Lage des Platzes ist unwiderstehlich. Direkt am Strand und nur 500 Meter von der Mündung des Forth Rivers entfernt. Bei Ebbe ein toller Strand zum Wattwandern und Entdecken.

Viel breiter Strand wird bei Ebbe in der Flussmündung freigelegt.

Über eine Brücke kommt man zur andern Flussseite …

… mit Bergen an Treibholz.

Sieben Kilometer den Strand runter wohnen die Pinguine.

Am Ufer stehen Kiefern mit Handball großen Zapfen. die direkt an dicken Ästen wachsen.

Campingplatz: 18 Euro plus 4 x Dusche für je 0,60 Euro. Dass die Dusche extra kostet, passt zu dem skurrilen Platz. ;-)

Pinguin-Besichtigung: kostenlos, aber eine Spendenbox steht bereit. Das gibt man gerne, denn alles ist toll gemacht und mit viel Rücksicht auf die Tiere. Eine Besucherin, die Weißlicht angeschaltet hat, wurde kräftig zusammen gestaucht.

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Mount William NP – Schotterpisten, Grasbäume und der Duft von Freiheit

17.-19. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Mt. William+Scottsdale; Tag 10-12, Tageskilometer 46+101, gesamt 664 km

Über Schotter zuckeln wir weiter. Ganz hoch in den Nordosten. Der Mt. William Nationalpark taucht nicht in den „Must-see-Listen“ für Tasmanien auf. Hier gibt es schlichtweg nichts, außer einer letzten Siedlung – Musselroe Bay – mit 28 Einwohnern. Die müssen über 100 Kilometer für einen Einkauf fahren.

Wir freuen uns, dass wir diese Strecken fahren dürfen. Nicht bequem, aber sie führen dahin, wo es einsam ist.

Entsprechend leer ist der Campingplatz. Kaum ein Drittel belegt. Wohnmobile mit Vermieter-Namen sind komplett verschwunden. Ein einziger ‚AutoRent‘ wie unser steht für ein paar Stunden am Wegesrand. Hier campen die Tasmanier und ein paar verirrte Festland-Australier. Unsere Camping-Nachbarn kommen seit 30 Jahren hierher. Nach einem Tag wissen wir: Sie haben verdammt gute Gründe dafür. Es ist phantastisch!

Wir stehen mitten im Wald. Sogar Bänke werden angeboten.
Abendessen ist draußen möglich – aber es herrschen Zwiebel-Schichten-Temperaturen. Morgens und abends drei, vier Schichten Klamotten, tagsüber sind es über 22 Grad, dann reicht eine Schicht.

Wallabies schauen jeden Abend vorbei. Die braucht man nicht zu suchen.

Wenn es ganz dunkel ist, kommen auch Pomelons vorbei (kleine fellige Knäule).Die sind sind allerdings sehr kamerascheu. An die Anweisung, dass keine Kängurus mehr fotografiert werden, halten wir uns beide nicht. Zu süß, die kleinen Hüpfer.

Wir haben die Wahl am menschenleeren Strand zu laufen oder auf Wanderwegen durch trockenen Küstenwald. Dieser besteht aus gedrungenen Eukalyptus-Arten, Banksien, heideartigen Sträucher und einem Meer aus Grasbäumen.
Die harten Halme der kleinen Grasbäume wiegen sich langsam im Wind. Ein Schattenspiel entsteht.  Es sieht aus wie die Glasfaserlampen aus den 70er-Jahren.
Der Duft über dem Wald ist intensiv. Harzig, etwas mentholig, würzig. Männlich-herb.

Der Strand gleich neben dem Campingplatz.

Auf der anderen Seite endloser Wald. Und immer schön auf Schlangen achten. Drei Giftschlangen-Arten gibt es in Tasmanien.

Schneeweiße Feldwege

Gras-Bäume – noch klein und nicht sehr baumartig. Aber sie können schon die Schattenspiele wie die Großen.

Ungewöhnliches Moos

 

Mt. William ist das Reich von Kängurus und Wombats! Diesmal haben wir kein Glück. Wir geben alles und stapfen sogar in der Dämmerung auf ihren Wildwechsel-Wegen. Sie bleiben unsichtbar. Nur ihre würfelförmigen Ködel beweisen, sie sind da. Zumindest theoretisch.

Nach dem Gewitter finden wir am nächsten Tag Wombat-Pfoten

Das Wetter macht weiterhin mit. Ein Gewitter am Abend, als wir längst im Camper sitzen, macht uns nichts aus. In Mt. Williams könnten wir ewig stehen, aber die Vorräte schrumpfen und das Wasser geht uns aus. Seit fünf Tagen haben wir keinen Laden mehr gesehen, es wird Zeit für mehr Zivilisation. In Scottsdale finden wir einen Waschsalon, einen gut sortierten Supermarkt und eine heiße Dusche.

Ein Gewitter

am ersten Abend

Campingplatz Nationalpark: 8,00 Euro (nur Toilette, kein Wasser) pro Nacht.
Campingplatz Scottsdale: null Euro (heiße Dusche allerdings 3,00 Euro pro Person)

Dusch-und-Toilette-im-Auto-Talk

Unser Camper hat neben der Eingangstür eine Toilette und Dusche. Die Toilette hat eine Wohnmobil übliche Chemie-Kassette, die von außen wechselbar ist. Ein Vorhang sorgt – theoretisch – für Diskretion. Wir haben nicht vor, sie zu benutzen. Der eine macht das Frühstück, während der andere direkt daneben … :lol:                      Wenn die Campingplätze auch nicht viel haben, eine Toilette ist immer vorhanden.

Man kann in der Ecke mit der Toilette sogar duschen. Brause und Haken an der Wand sind vorhanden. Auch das werden wir nicht nutzen. Damit das Duschwasser ablaufen kann, muss der Wagen nach hinten geneigt sein. Entsprechende Ausgleichs-Keile gehören zur Ausstattung. Eine Überschwemmung scheint mir vorprogrammiert. Seifiges Duschwasser vermengt sich mit dem Sand, den man ständig in den Eingang schleppt. Nein, wir verzichten und duschen aus dem Gummieimer. Ist einfacher.

Unser „Bad“ – umgestaltet zum Hauswirtschaftsraum. Für Schuhe, Mülleimer und Handfeger. Perfekte Nutzung.

Das Bad ist von oben und vorne zu öffnen. An der Decke die Schiene für den Vorhang. Der ist hinten in der Ecke zusammengequetscht.

Ausgleichskeile sind vorhanden. Die nutzen wir, damit der Wagen grade steht und eben nicht abschüssig, damit die Dusche ablaufen kann. Das hätten wir mit dem Dachzelt auch häufig gut gebrauchen können. So manches Mal sind wir übereinander gerollt im Zelt.

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Bay of Fires

15. – 16. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Binabong und Ansons Bay; Tag 8+9, Tageskilometer 125+46, gesamt 517 km

Wir fahren weiter Richtung Norden an der Küste entlang. Städte gibt es jetzt nicht mehr, die Dörfer werden kleiner. Unser Ziel ist ein fünfzig Kilometer langer Strandabschnitt: die sogenannte ‚Bay of Fires‘. Das ist einer dieser Orte, bei denen man denkt: „Das kann doch nicht echt sein.“ Weißer Sand wie Puderzucker, Wasser in Karibikfarben und dazwischen liegen knallorange Felsen herum. Als hätte jemand mit dem Textmarker dekoriert.

Die Flechten

Knalliger Kontrast. Die Granitfelsen bestehen aus viel Quarz und sorgen für schneeweißen Strand.

Seychellen-Feeling

Die Flecken sind keine Malerei, kein Rost, sondern Flechten. Eine geniale Gemeinschaft aus Pilz und Alge. Der Pilz baut die Pflanzenstruktur und schützt vor Austrocknung, die Alge betreibt die Photosynthese und sorgt für Farbe.
Warum wachsen die Flechten gerade hier so intensiv?
Saubere Luft: Flechten sind empfindlich gegenüber Schadstoffen, Tasmanien liefert Bestbedingungen. Der Untergrund sind Granitfelsen: rau genug zum Festhalten, mineralisch passend. Salzige Meeresluft und Sonne sind Stress für andere Pflanzen. Ort und Gelegenheit für Flechten.

Sie wachsen extrem langsam, meist nur einen halben bis drei Millimeter pro Jahr. Die leuchtenden Flecken auf den Felsen können Jahrzehnte bis über 100 Jahre alt sein. Keine Wurzeln, kein Boden nötig, nur Licht, Luft und Zeit.
Der Name ‚Bay of Fires‘ sorgt für Verwirrung. Man erwartet Lava, Drachen oder zumindest ein Buschfeuer. Tatsächlich geht er auf die Feuer der Aboriginal People zurück, die europäische Seefahrer damals von ihren Schiffen aus gesehen haben.

Eine Postkartenfalle, man möchte „nur kurz schauen“, drei Stunden später klettert man noch immer zwischen den Felsen umher. Es gibt nicht den einen Spot. Wir fahren mehrere Punkte an und jeder Strand sieht aus wie der schönste des Landes.

Wir haben für vier, fünf Tage Proviant dabei. Unser erster Campingplatz liegt in der Binalong Bay. Noch über asphaltierte Straßen zu erreichen. Wir bekommen trotzdem ohne Anmeldung einen Stellplatz. Der Platz hat ein paar Makel, die viele Camper verscheuchen: keine Dusche, keinen Strom und nur ein Plumpsklo. Wobei „Klo“ wörtlich zu nehmen ist. Nicht mal Wasser zum Händewaschen gibt es.

Im Baumarkt kaufen wir einen Gummieimer zum Duschen. Eine Tupperdose dient als Schöpfkelle. Plus eine 1-Liter-Blumenspritze mit Druckpumpe. Damit kann man prima die Hände waschen und muss das nicht im Wohnwagen im Abwaschbecken erledigen. Geht auch gut, um die Füße einigermaßen zu entsanden. Camping :lol:

 

Eine Art Plumpsklo – mit Fusspumpe zum Spülen – aber nur wenn der Wassertank gefüllt ist. Alles einfach, aber okay und überraschend geruchsarm.

Die Lage ist der Hammer. Links ein langgestreckter Strand mit ungezähmten Wellen, rechts  – bei Ebbe – bilden sich türkise Buchten.

Wilder Strand zur linken Seite. So geht es endlos weiter. Bucht um Bucht.

Zahmer Strand rechts vom Campingplatz.

Baden ist für Mutige möglich, wenn man sich von 18 Grad Wassertemperatur nicht abschrecken lässt.

Die meisten, die baden gehen, schaffen es bis zum Bauch. Dann ist Schluss.

Das Wasser ist so kalt, dass sogar Pinguine erfrieren.
Dieser Zwergpinguin lag frisch angespült am Strand. Armer Kerl.

Das Hinterland direkt hinter den orangenen Steinen ist abgeholzt.

Einsame Farmer. Keine Orte weit und breit. Die glücklichen Angus-Rinder grasen im Hintergrund.

Nach einer Nacht fahren wir weiter Richtung Ansons Bay. Nur über fünfzig Kilometer Schotter zu erreichen. Die großen Wohnmobile haben wir abgeschüttelt. Auch die Besuchermengen. Ein Stellplatz, der glücklich macht. Nicht mal zur Hälfte belegt. Wohnen mit Meerblick. Vor schneeweißem Strand, der mit Hoch- und Niedrigwasser sein Gesicht verändert. Priele kommen und gehen. Sandbänke mit Möwen verschwinden wieder. Ein Farbenrausch.

Was wir im großen Australien nicht geschafft haben, gelingt in Tasmanien. Campen mit direktem Meerblick.

Sonnenaufgang. Das Wetter meint es gut mit uns. Viel Sonne.

Bei Ebbe wird schneeweißes Watt freigelegt. Ein Pril bleibt für kleine Boote befahrbar.

Im Unterholz am Ende der Lagune auf Schlangensuche

Kochen ist okay in der kleinen Pantry. Ich mache mir das Leben einfach und nehme zum Beispiel fertige Pizzasauce. Das spart tausend Gewürze.

Guten Appetit

  • Campingplätze: Null Euro :-)
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Wineglass Bay

13. – 15. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Coles Bay; Tag 5-7, Tageskilometer 207, gesamt 346 km

In vielen Ranglisten wird die Wineglass Bay unter die Top 10 der schönsten Buchten der Welt gezählt. Warum sie diesen Namen trägt, ist unklar. Ist es die perfekte Sichel, die an einen Weinkelch erinnert? Oder stammt der Name aus einer weniger romantischen Vergangenheit — vom Blut der Wale, die hier früher abgeschlachtet wurden und das klare Wasser wie Rotwein färbten?

Um die Bucht zu sehen, muss man sich einen Berg über etliche Stufen hochschnaufen. Wir sind nicht allein. Viele Besucher wollen diesen Blick. Zeitweise staut es sich förmlich. Und der Campingplatz-Wart hatte recht: Die Alten sind unterwegs. Das meistgesehene Wanderutensil sind Kniebandagen.

Wie Mönkebergstrasse

Umleitung für den Rückweg. Damit die Menschenmassen sich auf dem Weg nicht begegnen, gibt es für den Rückweg eine andere Strecke. 250.000 Besucher jährlich auf der Strecke. Alle heute da.

Die Alten sind unterwegs – und Achim! Mit zwei Kniebandagen. Hilft ihm sehr, sagt er.

Für die perfekte Sicht ist das Wetter heute nicht optimal. Die Sonne schafft es nicht durch die Wolken. Der weiße Sand will nicht leuchten. Auch der Blickwinkel ist nicht ideal. Die spektakulären Fotos dieser ikonischen Bucht entstehen meist aus der Luft.

Wineglass Bay – so versprechen es die Prospekte. foto credit: Luke Tscharke (freycinet.co.au)

Wineglass Bay wie es alle sehen.  Wenn wir nicht so segelfaul wären, könnten wir da unten ankern.

 

Die Wineglass Bay liegt im Freycinet Nationalpark auf einer verwinkelten Halbinsel. Überall tauchen überraschend neue Buchten auf. Besonders die Honeymoon Bay mit ihren rosa Granitfelsen gefällt uns. Nur noch als Attraktion dritten Grades gehandelt, ist es hier angenehm leer.

 

Honeymoon Bay

Extrem klares Wasser – übersät mit Austernschalen, vereinzelt Jakobsmuscheln dazwischen und Miesmuscheln.

Zwischen Selfies, Kniebandagen und den fließenden Besuchermassen merkt man aber immer noch, dass Freycinet hält, was die Listen versprechen. Die Buchten sind wild, rosa, türkis — und trotz aller Menschen noch nicht gezähmt.

Granitberge versperren noch den Blick auf die Wineglass Bay.

Tolle Aussichten auf tolle Buchten im gesamten Nationalpark.

Das ist kein Hof der Wohnwagen verkauft. Das ist der Campingplatz mit Wineglass Bay Besuchern. Es ist proppe voll …

– Campingplatz 33,50 Euro pro Nacht, powered.

 

Talk über einen 4×4 als Mietwagen

Als wir uns für Tasmanien begeistert haben, war schnell klar: Wir möchten ein Off-Road-Auto. Kein unbewegliches Wohnmobil, mit dem man schlecht parken und wenden kann. Wir wollten unsere Freiheit auch über zwölf Kilometer Schotter hinaus.
Wir dachten: Wer einen 4×4 mietet, sei frei. Falsch gedacht.
Auf Nachfrage bekamen wir den Hinweis, dass es für Ungeübte gar nicht so einfach sei, „off road“ zu fahren. Schwere Forstfahrzeuge könnten uns begegnen. Die Straßen seien schmal und hätten steile Schultern. Äste würden im Weg hängen.
Etwas umständlich formuliert stand dort im Grunde, auch mit einem Allradfahrzeug dürfen wir nur auf Asphalt unterwegs sein.

In der Zwischenzeit hatte ich schon tolle Wege abseits der Highways gefunden. Die sollten es nun auch sein. Achim hatte sich längst auf 4×4 eingeschossen.
Also habe ich die Strategie gegenüber der Vermietung geändert.
Beiläufig unsere Runde durch Australien erwähnt.
Zugesagt, dass wir weder an den Strand noch durch Flüsse oder „echte“ Off-Road-Strecken fahren würden. Wobei offen blieb, was Off-Road eigentlich bedeutet. Das ist ungefähr so schwammig wie „Outback“. Jeder versteht etwas anderes darunter. ;-)
Zusätzlich habe ich die von uns gewünschten Straßen namentlich genannt, damit der Vermieter überhaupt versteht, was wir vorhaben. Das alles hat geholfen. Wir bekamen die Erlaubnis, auf unbefestigten Straßen zu fahren. Sehr gut.

Eine Einschränkungen ist geblieben: Bei einem Überschlag stehen wir in der Vollhaftung.
Da wir das nicht vorhaben und das Risiko für kalkulierbar halten, haben wir uns für den Off-Roader entschieden.

Unsere erste Schotterpiste – 40 Kilometer Wald, statt 80 Kilometer Highway. Könnte auch jedes Wohnmobil fahren, ist aber nicht erlaubt.

Die Frau in der Vermietung hat natürlich Recht. Wie auch in Festland-Australien, kann man schon mal in Schieflage geraten. Bei dem kopflastigen Auto, muss der Fahrer aufpassen. :mrgreen: Der Bundy war da einfacher zu kontrollieren.

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