Stummes Feilschen

30.06. – 03.07.2026; Vanuatu, Moso, Embas Beach; Tag 4.413 – 16; 29.872 sm total

Wir bleiben noch ein paar Tage vor dem schönen Embas Beach. Das klare Wasser bietet sich zum Rumpfputzen an. Propeller und Welle sind schon ordentlich bewachsen. Der Rumpf hat einen Rasenüberzug plus „Korallen“-Bäumchen. Nur wenig Pocken und anderes hartes Zeug. Nach zwei Tagen ist Achim zufrieden.

Mit dem Kajak unterwegs.

Das Wasser ist toll zum Schnorcheln, allerdings nur vertikal glasklar.

Der Strand besteht nur aus Korallenbruch und zermahlenen Korallen. Was für hübsche Muster dabei entstehen.

Fertig zum Tauchgang. Mit dem Tauchkompressor macht man sich Freunde am Ankerplatz. ;-)  Der ist bei uns an Bord nur zu ertragen mit Ohrschützern. Zwanzig Minuten dauert eine Flaschenfüllung.

Ich widme mich dem Edelstahl. Der Yasur hatte durch seine sauren Auspuffabgase hässliche Flecken hinterlassen. Und dann ist da der Schandfleck am Heck: der Geräteträger. Mit dem verhält es sich so wie mit Giersch in der hintersten Gartenecke. Das will man auch immer bei der nächsten Gartenrunde abarbeiten und dann kommt (leider, leider :mrgreen: ) wieder was dazwischen.

Vorher. Seit vielen Putzrunden geflissentlich ausgelassen. Ich bin zu klein und komme schlecht ran, die Kabel sind im Weg. Noch mehr Ausreden …

Geht doch!

Wir gehen noch einmal zur anderen Inselseite. Diesmal ins große Dorf hinter dem Hotel. Freundliche Menschen grüßen uns. Hier und da müssen wir ein Schnäckchen halten. „Heute Abend hat die Kava-Bar geöffnet. Kommt gerne vorbei.“

Von weitem sehen wir noch einmal die Blue Gold. Die Segel machen einen Höllenrabatz.

Schon vorbei am Hotel. Der Weg zum Dorf.

Mama Laundry zeigt uns den Weg ins Dorf. Sie kommt vom Fluss und Wäschewaschen. Mit Blume hinterm Ohr.
Wann immer wir fragen, die Leute lassen sich furchtbar gerne fotografieren.

Ein älterer Mann winkt schon von weitem: „Wollt ihr Papaya?“ Gerne. „Und Kochbananen?“ Ich zögere kurz. Die habe ich noch nicht selbst zubereitet, aber schon gegessen. Ich stimme zu, wird schon was draus werden.
Unser Kumpel verschwindet hinter seinem Haus. Er kommt mit einer großen Tüte wieder. Ungefragt hat er noch zwei Süßkartoffeln dazu gelegt.

Die Ware

„Was möchtest du dafür haben?“, frage ich ihn. Er zuckt mit den Schultern. „Möchtest du Geld oder etwas mit uns tauschen?“ „Money“, kommt wie aus der Pistole geschossen. „Wie viel möchtest du?“ Wieder zuckt er die Schultern.
Oh, ich stöhne innerlich auf. Wie viel ist genug? Was ist eine Beleidigung? Als gute Mitteleuropäerin habe ich es am liebsten, wenn Preise ausgezeichnet sind. Auf dem Markt in Port Vila stehen die Preise mit Edding geschrieben auf den Bananenschalen. Das gefällt mir. Klare Ansage. Man kauft oder geht weiter. Handeln ist in Vanuatu traditionell nicht üblich. Ja, es soll sogar beleidigend sein.

Ich habe nur 500 Vatu, ungefähr vier Euro, Kleingeld in der Hosentasche. Die gebe ich ihm. Auf Grund der Erfahrung in Port Vila erscheint mir das angemessen, vielleicht etwas zu wenig. Wenn das reicht, umso besser.
„Ist das okay?“ Er sagt nichts, kein einziges Wort. Nicht mal ein Kopfschütteln bekomme ich als Reaktion. Aber sein Blick ist traurig. Achim sieht ebenfalls das Unglück in seinem Gesicht und kramt nach Kleingeld. Weitere 200 Vatu wechseln den Besitzer. Unser Freund strahlt und nickt zufrieden. Weitere 100 Vatu, die Achim noch in der Hand hält, möchte er nicht.

Eine echte Südsee-Falle, in die wir da getappt sind. Wir versuchen, das stumme Handeln zu entschlüsseln. Seinem Nachbarn gegenüber würde unser Freund seine Enttäuschung nicht zeigen, weil diese Situation untereinander nicht entstehen würde. Wenn er seinem Nachbarn die Tüte bringt, sagt der Nachbar einfach „Danke“ und nimmt das Geschenk. Es gibt keine „500 Vatu“, die zu wenig sein könnten. Er weiß, dass der Nachbar ihm dafür irgendwann beim Dachdecken aushelfen wird.

Bei uns fehlt das soziale Gefüge. Da wir weitersegeln, bricht das System zusammen. Unser Freund „muss“ einen Preis verlangen, um den Wert auszugleichen. Und weil er den Preis nicht aussprechen darf (das verbietet die Höflichkeit), muss die Mimik herhalten.

Eine Vanuatu-Lernkurve für uns. Absolutes Neuland. Französisch Polynesien und Fiji ticken da anders. Unser Freund ist jedenfalls zufrieden abgezogen und wir stehen vor einem Berg Früchte. Jetzt müssen nur noch die Kochbananen einen Weg in die Pfanne finden.

Zweimal frittierte Kochbananen: Patacones.
Bananen in Scheiben schneiden und in Öl anbraten, bis sie leicht gelb werden. Dann aus dem Öl nehmen und mit einem Becher platt drücken. Im gleichen Öl noch einmal braten, bis sie gold-braun werden. Noch Salz drauf wie bei Pommes Frites.

Sie schmecken wie etwas süßliche Kartoffeln. Außen sensationell knusprig, wie gute Pommes, innen noch weich. Sehr lecker für mich, Achim vergibt eine 4+.

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Einsame Strände und ein Millionen-Wrack

25. – 29. Jun. 26; Vanuatu, Moso, Embas Beach; Tag 4.408 – 12; 29.872 sm total

 Wir verlagern uns auf die Nordwest-Seite des Insel-Kanals. Elf Meilen Genuss-Segeln. Und dann fällt der Anker vor einem einsamen Traumstrand. Was ist in Vanuatu besser? Das Ankern oder das Segeln? :mrgreen: Wir werden hier sehr verwöhnt.

Von Efate nach Moso – kein Schwell, perfektes Segeln. Allerdings heftige Böen, wenn der Wind über Landschneisen gefegt kommt.

Blick von Bord auf Moso. Auf dieser Seite der Insel gibt es keinen Ort.

Blick vom Strand. Kaum Schwell, obwohl wir quasi auf dem offenen Ozean ankern. Es gibt kein vorgelagertes Riff. Der einzige Nachteil: Wir müssen wegen der Korallen ziemlich weit draußen ankern.

Gesunde Korallen bis zum Strand.

Bei Ebbe kurz vor Vollmond gucken die Hirnkorallen aus dem Wasser.

Gesund bis in die letzte Hirn-Windung.

Über einen Waldweg gelangen wir quer über die Insel auf die andere Seite. Dreißig Minuten einfacher Fußmarsch. Hier gibt es ein Hotel, private Luxusunterkünfte und Siedlungen der Ni-Vanuatu. Unterschiedlicher kann man kaum wohnen. Die Grundstücke grenzen direkt aneinander. Und doch lebt der Nachbar in einer anderen Welt.

Direkte Nachbarn

Harter Kontrast

Die Blue Gold ist unser Ziel. Ein Wrack der Güteklasse 1A. Der Trampelpfad führt vorbei an Bananen und Privathäusern. Sind wir bald da? Der Weg zieht sich. Wir haben kein Handy dabei und keinen Blick aufs Wasser. Sind wir etwa schon am Wrack vorbei?
Wir hören zunehmend ein Knallen. Es wird lauter, je weiter wir laufen. Wir können nicht bestimmen, was für ein Geräusch das sein könnte. Vermuten aber, dass es mit dem Wrack zusammenhängt. Wellen am Rumpf? Wir kommen nicht drauf. Ein ungleichmäßiger Rhythmus. Mal lauter. Mal leiser.
Und dann wird die Quelle für das Knallen sichtbar. Die Masten der Blue Gold ragen hoch aus dem Gestrüpp am Ufer. Segel peitschen im Wind. Das Knallen ist Ohren betäubend.
Wir stehen mit offenem Mund vor der Blue Gold. 50 Meter Luxusschrott liegen im seichten Wasser und rotten vor sich hin.

Blue Gold – 50 Meter lang, 300 Tonnen schwer, vor 11 Jahren gestrandet.

Besonders das rechte Segel knallt wie irre. Das Dorf liegt direkt daneben. Wir denken, dass die Bewohner ein Gespräch mit dem Chief über nächtliche Ruhestörung führen könnten. ;-)
Dass die Segel überhaupt noch vorhanden sind. Ein Vorstag-Segel hat sich noch nicht einmal entrollt.

Noch alles da.

Die Vorgeschichte: Zyklon Pam fegte 2015 über Vanuatu und rasierte mit Geschwindigkeiten von 250 km/h alles weg. Ein anderes Boot riss die Verankerung der Blue Gold aus dem Grund, der Koloss trieb ab und wurde von fünf Meter Wellen aufs Riff gespült. Da liegt sie nun seit Jahren wie ein gestrandeter Wal.

Das Theater über die Bergung läuft, denn die Besitzansprüche sind ein fetter Witz. Keiner weiß, wem das Wrack aktuell gehört. Und alle blockieren sich gegenseitig. Der niederländische Ex-Eigentümer hatte steuerliche Diskussionen mit den Behörden in Vanuatu. Daher lag die Blue Gold an der Kette, als das Unglück passierte. Die Behörden in Port Vila schieben Akten hin und her, und die lokalen Chiefs sagen: „Liegt auf unserem traditionellen Riff, also redet mit uns.“ Deshalb passen sie auch auf, dass niemand auch nur einen Fuß auf die Blue Gold setzt. Von außen betrachtet, fehlt nichts. Nicht eine Winsch wurde demontiert. Auch innen soll auch noch alles vorhanden sein.

Auf unserem Rückweg treffen wir auf Frank und seine Frau Sirana. Wir hatten schon auf dem Hinweg herzlich mit ihnen gelacht, weil Frank „Hallo Ladies“ gerufen hat als wir vorbeikamen und er Achim nicht als „he/him“ erkannte. Als er seinen Irrtum bemerkt, fallen er und Sirana in tosendes Gelächter ein.

Sie freuen sich, dass die Ladies noch einmal vorbeikommen. Wieder wird gelacht. Wir kommen ins Gespräch. Das Ehepaar stammt aus Port Vila, hat sich hier ein Grundstück gekauft und vermietet einfache Hütten an erholungsbedürftige Port-Vilaner. Frank weiß alles über die Fußballweltmeisterschaft. „Deutschland ist weiter, schön, wird aber schwierig. Neuer ist zu alt“, lautet sein Urteil.

Frank und Sirana bei der Yams-Ernte. Wir fragen, ob wir Papaya kaufen können. „Kommt nicht in Frage.“ Am Ende gehen wir mit drei Papaya und etlichen Mandarinen nach Hause. :-)

Er erzählt uns auch etwas über die Blue Gold: „Das Wrack gehört hier jedem. Egal, wen du hier fragst, jeder ist Eigentümer. Vor zwei Jahren hat jemand versucht, es vom Riff zu ziehen.“
Dieser Jemand ist Derek French, ein Geschäftsmann aus Australien. Er zahlte rund eine Million Dollar aus eigener Tasche für die Bergung und gab dem Dorf Moso eine monatliche Gebühr von 500 Euro, um überhaupt arbeiten zu dürfen.

Dorfbewohner tauchten mit Schnorcheln und Eimern, um den Sand unter dem Kiel per Hand wegzuschaufeln. Später kamen Hebesäcke und Schlepper zum Einsatz. Sie bewegen das Schiff während einer Springflut zwar um neun Meter, doch dann verkeilt sich ein Felsen unter dem Rumpf. Das Schleppseil riss. Die Aktion scheiterte.
Das Wrack liegt weiter auf dem Riff und niemand weiß, wie es weitergeht. Falls Interesse besteht: Das Wrack soll noch einen Wert von fünf Millionen Dollar haben.

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Aufregung in den Mangroven

22. – 24. Jun. 26; Vanuatu, Efate, Esema Bay; Tag 4.405 – 7; 29.861 sm total

Zum nächsten Ankerplatz sind es nur 23 Meilen. Was für ein abwechslungsreicher Segeltrip. Wind: 5 bis 30 Knoten; Wellen: platt bis 2,5 Meter. Und obwohl wir Kurse von 230 bis 70 Grad anliegen haben, können wir komplett segeln. Das kann man genießen, wenn man will.

Von Mele nach Esema. Kurvige Strecke. Zwischen den vorgelagerten Inseln ist es super ruhig.

„Ach, die paar Wellen am Kap“, dachte ich noch so. Nein! Als Info für nachfolgende Boote: Hier geht es zur Sache. Aus dem Nichts 2,5 Meter Wellen aus vielen Richtungen. Ein Segler, der uns entgegengekommen ist (am Wind), ist tatsächlich umgedreht. Das war Arbeit am Ruder für eine knappe Stunde.

Außer am Kap ist es schönstes Küstensegeln. Abwechslungsreich wie lange nicht. Da gehe ich auch schon mal fünf Stunden freiwillig ans Ruder.

Der Anker fällt auf zehn Meter vor einer Mangroven-Wand. Vom nahen Dorf hören wir nichts. Ohne Wind und Schwell schläft es sich wie in einem Sarg. Wir können uns nicht an einen so ruhigen Ankerplatz erinnern. Mehr Genuss macht sich breit.

Super Ankerplatz

Wir paddeln mit dem Kajak zwischen den Mangroven umher. Dort treffen wir auf einen Trupp Arbeiter von der Insel gegenüber. Jeden Morgen kommen sie mit ihren einheitlichen Plastikbooten zu unserer Seite rüber gefahren. Zurzeit fangen sie etwas später an, wie man uns berichtet. Flexi-Time ist  das Zauberwort.
Fußball ist der Grund für ihre Verspätung. Irgendeiner im Dorf hat eine Satellitenschüssel. Davor wird sich versammelt und kein einziges Spiel verpasst. Wenn die Leute hören, dass wir aus Deutschland kommen, freuen sich alle über den deutschen Einzug in die nächste Runde.
Vanuatu ist fußballbesessen.

Mit dem Boot zur Arbeit. Heute etwas später, England:Ghana hat die Kollegen aufgehalten. ;-)

Die Arbeiter gehen zu ihren „Gärten“, wie sie sagen. Auf dieser Seite werden Tomaten und Pak Choi angebaut. Auf ihrer Insel Maniok. Ohne das zufällige Treffen hätten wir den Weg in den Dschungel gar nicht entdeckt.
Am zweiten Morgen, als alle noch beim Fußball sitzen, suchen wir die Gärten. Vor unserem geistigen Auge tauchen gepflügte Felder auf. Beinahe wären wir dran vorbei gelaufen. Es ist eher ein wilder Acker. Der Begriff Garten ist dehnbar. :mrgreen:

Den Weg hätten wir nur schwerlich gefunden.

Einer der Gärten. Eine wild gerodete Fläche. In den Löchern stecken zarte Pflänzchen von Pak Choi und Tomaten. Alle tipp-topp. Keine hängenden Blätter, keine Kümmerlinge darunter.

Wir sitzen beim Mittag, als mein Blick auf eines der Longboote fällt. Da wir uns vor zwei Stunden noch darüber unterhalten haben, wie sorgfältig die Boote in den Mangroven vertäut und außerdem mit einem Anker gesichert werden, fällt es mir sofort auf. Eines der Boote ist auf Abwegen. Kein Zweifel. Da der Grund hier sehr steil abfällt, ist es nur noch eine Frage von Minuten, wann der Kahn richtig Fahrt aufnehmen wird.

Da wir nur mit dem Kajak unterwegs sind, liegt unser Dinghy an Deck. Der Motor ist am Heck festgezurrt. Bevor wir das in Betrieb haben, ist das Boot abgetrieben. Achim zögert nicht lange: „Ich muss das Kajak nehmen. Aber damit kann ich das schwere Boot nicht ziehen. Den fremden Motor lasse ich besser in Ruhe, man weiß nie, wie das aufgenommen wird. Ich renn in den Wald und suche die Leute. Tschüss.“

Den Vorwurf, kein Gas zu geben, braucht Achim sich nicht machen lassen. ;-)

Ich bleibe an Deck und halte Ausschau. Ein Boot kommt von der anderen Seite und fährt zum Dorfanleger mit fünfhundert Metern Abstand. Ich winke wie wild. Man sieht mich nicht. Fünfzehn Minuten später kommt ein zweites Boot. Ich winke. Die beiden Männer winken zurück. Nein, nein, so war das nicht gemeint. Ich winke wilder. Sie verstehen und kommen auf mich zugefahren. Viel muss ich nicht sagen, ein Fingerzeig auf das Boot auf Abwegen reicht. „Tangkiu tumas!“

Und dann kommt auf einmal Hilfe von allen Seiten. Meine herangewunkenen Jungs. Ein Boot aus den südlichen Mangroven schießt auch auf uns zu. Wo das auf einmal herkommt? Und einer der Feldarbeiter paddelt wie verrückt in unserem Kajak auf den driftenden Kahn zu.
Achim war den Weg in den Wald entlanggerannt. Keiner zu sehen. Fast hatte er schon den Garten erreicht, laut rufend: „Eins eurer Boote ist auf Drift, eins der Boote ist auf Drift“, ohne jemanden zu sehen oder zu hören. Bis schließlich ein Mann hinter ihm auftauchte. Gemeinsam sind sie zum Ufer zurückgerannt und Achim hat ihm unser Kajak geliehen.

Der junge Mann erzählt, dass das Boot seinem Onkel gehört. Der wird sich heute Abend freuen. Die Kombination aus Longboot plus 30-PS-Außenborder hat einen Wert von sieben bis zehntausend Euro. Viel Geld für einen Arbeiter, der nur mit Spaten und Machete das Feld bestellt.

Auf jeden Fall bekommt Achim heute einen Helden-Stern von mir. :-)

Ende gut – Boot im Schlepp

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Die beste Feuershow im Pazifik

Fr., 19.Jun.26; Vanuatu, Efate, Mele; Tag 4.390; 29.838 sm total


Die Eigenwerbung für die Feuershow, die jeden Freitag stattfindet, ist vollmundig. Da wollen wir hin. Dafür verlassen wir Port Vila mit seinen Supermärkten. In den nächsten Wochen erwarten wir keine Einkaufsmöglichkeiten. Atanga ist bis zum Versinken des Wasserpasses voll geladen: Wasser, Diesel und reichlich Futter. Ich habe dreißig Mahlzeiten eingekocht. Schwerstarbeit.

Wie zur Atlantik-Überquerung: Die nächsten Wochen erwarten wir wenig Infrastruktur.

Was fehlt, sind Eier. Um mit Oliver Kahn zu sprechen: Eier, wir brauchen Eier!
Im Supermarkt stehen wir vor einem leeren Regal. :shock:
Wir klappern die kleinen Mini-Shops an der Promenade ab und werden fündig. Ein letzter 30er-Träger, eingeschweißt mit einer Folie. Halt! Das Legedatum war am 5. Mai! Das ist ja über sechs Wochen her. Nicht klimatisierter Laden. Daneben stehen 6er-Kartons ohne Datum, aber gleiche Legebatterie. Die Katze im Sack, besser gesagt, das Küken im Ei. Wir suchen weiter. Nächster Laden, gleiche Eier, gleiches Datum.
Erst nach einem Gewaltmarsch durch die halbe Stadt finden wir Eier anderer Herkunft. Komplett ohne Datum. Die nehmen wir jetzt einfach. Was soll schon passieren? :mrgreen:

30er-Träger gibt es auch gerne mal ohne Folie. Gut für den, der ein Band im Rucksack findet. Diese Eier hatten auch kein Datum und waren tadellos.

Bis zur Beach-Bar mit der Feuershow ist es nicht weit. Nach sechs Meilen fällt der Anker vor einem weitläufigen Strand. Trotz kräftiger Böen liegen wir hier ganz prima.
Die Show ist beliebt. Frühes Kommen sichert gute Sicht. Wir sind schon um 17:00 Uhr am Strand. *** Wir finden einen Platz in der ersten Reihe, Mitte. Prima.

Plätze gibt es genug. Kurz vor 8:00 Uhr war noch viel frei. Links, das ist die Schlange für die Pizza-Bestellung. Knapp 90 Minuten später hatten alle ihr Essen.

Aufbau der Feuerstäbe und Dreizack und anderer Schleudergeräte.

Die Show beginnt. Dreißig Mitglieder der örtlichen Tanzgruppe ‚Wan Smolbag‘ springen auf den Strand. Zu moderner Popmusik wird Feuer geschleudert, gespuckt und gedreht. Die Funken sprühen. Es stinkt nach Petroleum. Bei vielen Feuerstößen gleichzeitig wird es warm in der ersten Reihe. Fast meint man, dass die Haare ansengen.
Hier wird nicht lang gefackelt, sondern die beste Feuershow des Pazifiks abgeliefert.

Wie man es sich vorstellt: knackige junge Männer …

Auch drei junge Frauen sind dabei. Die haben beim Jonglieren weniger gepatzt als ihre männlichen Kollegen.

Unter Einhaltung sämtlicher Feuerbrand-Vorschriften werden an langen Stangen Fackeln über die Köpfe der ersten drei Reihen gehalten. Mutig. :mrgreen:

Das furiose Finale. Eine absolut nette Show.

 

*** Show-Infos

Wir sind auf die allgemeine Information „man muss reservieren“ und „ man muss früh vor Ort sein“ hereingefallen. Reservieren muss man nur, wenn man in der Bar an einem der Tische sitzen will. Von wo aus man tatsächlich den schlechtesten Blick auf das Spektakel hat.
Wer zufrieden mit einer Pizza auf dem Schoß ist, braucht weder eine Reservierung, noch muss man bereits um 17:00 Uhr vor Ort sein. Auch eine Stunde später gab es noch gute Plätze, da die meisten Leute einen Tisch reservieren.
Und wer ganz spät kommt, setzt sich einfach vor die erste Reihe in den Sand. Hier wird es dann heiß. Stört aber nicht wirklich jemanden.

Da der Eintritt der Show kostenlos ist, wird die Sause durch den Verzehr der Zuschauer finanziert. Das Programm startet erst, wenn alle ihr Essen bekommen haben (Burger, Fish&Chips, Pizza usw.). Bei uns erst um 19:30 Uhr. Da war unser Hintern auf den schmalen, niedrigen Bänken schon ganz schön platt gesessen.

– Happy Hour auf Getränke zwischen 17:00 und 18:00 Uhr. Happy Hour heißt nicht ‚halber Preis‘. Aber ein Euro Nachlass für ein Bier macht ja auch schon happy.
– Am Ende der Vorstellung geht ein Hut durch die Reihen. Die Feuer-Truppe freut sich über Spenden.

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Margaritas im Steuerparadies – Ein Silberhochzeits-Upgrade

07. – 16.Jun.26; Vanuatu, Efate, Port Vila; Tag 4.390-99; 29.832 sm total

 Wir liegen noch vor Port Vila. Es gefällt uns hier. Die Leute sind sympathisch und super freundlich. Ausgedehnte Streifzüge durch die Stadt zeigen, nur die Hauptstraßen sind asphaltiert. Bereits in der dritten Reihe endet dieser staubfreie Luxus. Auch eine Dinghyrunde um die Inseln, in deren Schutz wir liegen, zeigt viel Verfall. Was irgendwann durch einen Zyklon zerstört wurde, wartet vergeblich auf einen Wiederaufbau.

Staubige oder schlammige Straßen gleich hinter der Marina. Viel Müll liegt herum in den Straßengräben.

Kreative Abstützung einer neu gemauerten Mauer.

Zyklon-Opfer. Unterhalb der Hauptpromenade liegen geblieben.

 

Im Gegensatz dazu wird die Resort-Insel Iririki direkt hinter uns mit noch mehr Unterkünften zugepflastert. Die Luxus-Inseln und Edel-Restaurants bedienen den Geldadel. Häufig durch ausländisches Kapital finanziert, importieren sie ihre Waren selbst und sichern sich mit eigenen Generatoren gegen einen lokalen Stromausfall ab.

Die kleine Insel ist schon seeeehr voll mit Bungalows. Mehr sollen folgen. Das Hotel gehört zwei australischen Brüdern.

Im Supermarkt stehen prall gefüllte Regale. Neuerdings mit australischen Dips und französischer Salami, während das Nationalmuseum von Vanuatu eine traurige, staubige Ansammlung von Artefakten ist. Unstrukturiert in Schaukästen ausgestellt. Gewellte Fotografien an den Wänden und abgeplatzte Fliesen auf dem Fußboden – alles deutet darauf hin, dass es hier schon oft durchs Dach geregnet hat.
Eine Zwei-Klassen-Realität eines Entwicklungslandes.

Die Vitrinen sind mit einer Folie von innen abgeklebt. Wahrscheinlich UV-Schutz. Dadurch kann man alle Gegenstände und Beschriftungen nur noch schwer erkennen. :roll:

Das wohl staubigste Museum, in dem wir bislang gewesen sind. Es wurde versucht Staub zu wischen. Wie bei uns, wenn ich die Cockpit-Scheiben entsalze.

Das Museum ist winzig. Kostet aber trotzdem 8,00 Euro Eintritt. Nicht gerechtfertigt, wie wir befinden. Vieles erschließt sich uns nur, weil wir schon einiges über Vanuatu gelesen haben.

Ein Foto von 1909 – Ein Ni-Vanuatu mit den gedrehten Hauern eines Ebers, die hier bis heute so begehrt sind.

Für nur rund 150.000 Dollar könnten Achim und ich uns hier eine Staatsbürgerschaft kaufen. In dreißig Tagen wäre der Deal perfekt. Früher war der Vanuatu-Pass der absolute Renner, weil man damit visafrei in die EU einreisen konnte. Interessant für wohlhabende Chinesen, Südafrikaner und andere Nationen mit „schlechtem“ Pass.
Damit ist es vorbei, weil Vanuatu die Pässe reihenweise an Leute vergab, deren Identität und Absichten kaum geprüft wurden. Zudem steht das Land auf der schwarzen Liste für Geldwäsche. Wer den Pass heute kauft, benötigt wahrscheinlich ein steuerliches Fluchtfahrzeug. Fehlende Einkommen- und Vermögensteuer in Vanuatu halten die Pass-Attraktivität weiterhin hoch.

Wir nutzen diese Zwei-Klassen-Gesellschaft aus, um eine Scharte vom letzten Jahr auszuwetzen: als unsere Silberhochzeit total unromantisch bei McDonald’s endete. Alles Liebe zur Silberhochzeit Dieses Jahr soll es besser werden. Wir wählen das Restaurant in der Marina.
Zum Glück geht alles glatt. Freundliche Kellner, Frozen Margarita und ein gelungener „Fish of the Day“. Der Gatte ist gut gelaunt und sogar der Himmel zeigt einen Hauch von rosa Färbung. Kaum zu glauben, vor zwei Tagen sind wir noch auf dem Schiff abgesoffen.
Vanuatu gefällt uns immer besser – und mal ehrlich, was sind schon 150 Tausend Dollar? :lol:

Vor 26 Jahren haben wir ja gesagt.

Ein feiner Aperitif mit Blick aufs eigene Schiff. Der Papierstrohhalm wird Vanuatu nicht helfen. Es liegt relativ viel Müll herum, was wenig Mülleimern geschuldet sein könnte.

Nicht nur Achim hat gute Laune.

Über Geschmack kann man nicht streiten: wer Pommes will, soll welche bekommen. Natürlich ist das Essen für das Preisniveau in Vanuatu viel zu teuer. Das ist auch so ein Phänomen von Entwicklungsländern. Aber der Standard war sehr gut und die fünf (!) verschiedenen Kellnerinnen und Kellner, die wir hatten, ausgesprochen nett.

Es gab sogar Blumen. Lotusblüten.

Was mir auf dem Markt noch gar nicht aufgefallen war: Die Blütenblätter sind alle umgekrempelt – ein sogenanntes „Lotus Folding“. Die Idee stammt aus Thailand, aus buddhistischem Umfeld. Die Marktfrauen in Port Vila haben sich diese Technik abgeschaut.
Lotusblüten verwelken in tropischer Wärme sehr schnell, falls die Knospen überhaupt aufgehen. Das Umkrempeln der Blütenblätter bringt die leuchtenden Staubblätter im Inneren zum Vorschein, lässt die Blume viel größer wirken und sorgt dafür, dass sie als Opfergabe im Tempel tagelang frisch  aussieht.

 

 

 

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