Gestrandet in Singapore

18. Apr. – 22. Apr. 2026; Deutschland/Singapore/Neukaledonien

„Ihr Flug SB741 von Singapore nach Nouméa am 19.04.2026 ist storniert. Danke für Ihr Verständnis.“

Wir haben Samstag, den 18.04.2026. Es ist 6:00 Uhr morgens und ich habe alles Mögliche, nur kein Verständnis für die lapidare SMS auf meinem Handy. Bestürzt starre ich auf die Nachricht. Was soll das? In vier Stunden startet mein Flug nach Istanbul. Von da aus geht es weiter nach Singapore und noch ein letzter Flug nach Nouméa. Zu Achim, zum Schiff zurück.

Ich erwische Achim per WhatsApp. Da mir die Zeit fehlt, weil ich noch meine Sachen zusammen grabbeln und zum Flughafen fahren muss, übernimmt er die Recherche.
Beim Einchecken am Flughafen erklärt mir der junge Mann, dass ich mir keine Sorgen machen muss, mein Flug findet statt. Eine Bordkarte bekomme ich allerdings nicht. Ich darf zwei Gepäckstücke mit jeweils 23 Kilo aufgeben. Der eine ist mit 23,7 knapp drüber. Dem jungen Mann ist es egal. Glück gehabt. Ich hatte Mecker befürchtet.

Ich gehe noch zum Türkish-Airlines-Schalter gegenüber. Die Dame weiß von nix. Der letzte Flug würde von Air Calin ausgeführt, da habe sie keinen Zugriff.
Als ich am Gate sitze, bekomme ich Infos von Achim am anderen Ende der Welt: „Air Calin hat nur vier Maschinen. Eine ist kaputt und seit Tagen fallen diverse Flüge aus, weil es keine Ersatzmaschine gibt.“

Mein Flug nach Istanbul dauert drei Stunden. Dort bekomme ich bei Türkish Airlines die gleiche Antwort wie in Hamburg. „Ich kann nicht sagen, ob der Flug stattfindet. Die Verantwortung läge außerdem bei Air Calin. Wir sind raus.“ Das stimmt so nicht, aber ich lasse dem Lackaffen seine Meinung.
Achim, mein Reisebüro in Nouméa, hat in der Zwischenzeit auf Hochtouren gearbeitet und versorgt mich mit Infos und einer Strategie: „In Singapore gibt es ‚Transitdesks‘. Da gehst du hin. Der nächste Flug nach Nouméa geht erst am Dienstag. Sag denen, dass du so lange nicht warten willst, und frage nach Flügen über Australien. Die Teams vom Transitdesk sollen super geschult sein, Leuten wie dir zu helfen.“

Am Sonntagvormittag Ortszeit lande ich in Singapore. Direkt am Gate-Ausgang steht ein dreiköpfiges Team mit ‚Nouméa-Schildern‘ in der Hand. Insgesamt 18 Leute sammeln sich mit dem gleichen Problem wie ich. Wir werden aufgeklärt, dass wir für Dienstag auf einen Flug nach Neukaledonien gebucht sind. Für Unterkunft, Essen und Transfer wird gesorgt.
Nach kurzer Bedenkzeit verwerfe ich die über-Australien-fliegen-Idee. Wie sich Tage später herausstellt, eine vortreffliche Entscheidung, denn ich wäre nur sechs Stunden früher in Nouméa angekommen. Und ich hätte den perfekten Service des dnata-Teams vom Flughafen Singapore verpasst.

Die drei Betreuer kleben jedem ihrer Schäfchen einen dnata-Aufkleber aufs Hemd. Dass bloß keiner verloren geht. Geduldig werden Fragen beantwortet, während wir auf unsere Koffer warten. Das zieht sich etwas hin, aber nach anderthalb Stunden ist das gesamte Gepäck endlich da. Mein schwarzer Koffer hat eine große Beschädigung. Eine Ecke ist aufgebrochen. Zwei Rollen funktionieren nicht mehr anständig.

Kaputter Koffer.

Das Team übergibt uns einem Busfahrer. Nach einer halben Stunde erreichen wir das reservierte Hotel. Dort sind wir schon gemeldet. Es erfolgen nur noch die Schlüsselübergabe und der Hinweis, dass wir drei Mahlzeiten im hoteleigenen Garten-Café einnehmen dürfen.

In was für einer Unterkunft sind wir bloß gelandet? Ich traue meinen Augen nicht. Das Orchard Hotel Singapore hat sagenhafte fünf Sterne. Das Zimmer ist geräumig und mit einem riesigen Bett ausgestattet. Alles da, was man braucht, selbst wenn der Koffer verloren gegangen sein sollte.

Aber der absolute Hammer ist das Buffet. Gerichte aus dem Wok für Chinesische Gaumen. Zehn verschiedene Currys machen Inder glücklich. Euro-Asiatische Küche vom Feinsten. Gebratenes, Gesottenes. Sushi und Salate. Ein unfassbares Angebot an Nachtischen. Das erste Mal in meinem Leben esse ich eine Jack Frucht und darf Durian (Stinkfrucht) Mousse probieren. Ein Blick ins Internet: Das Buffet kostet 60,00 Euro pro Person. Pro Mahlzeit.

Das Zimmer plus großem Bad. Ungefähr 270 Euro pro Nacht. Inklusive Frühstück.

Meeresfrüchte, Gemüse und Garnelen aus dem Wok, Sushi und tausend andere Köstlichkeiten.

Das ist keine Torte, sondern geschichtete Nachtisch-Cremes. Hier Schoko mit Lemon mit crunchy Bodem. Köstlich! Davon gab mindestens sechs Stück zur Auswahl. Plus Pudding, Mousse und Eis plus, plus, plus. Ich kann mein Glück nicht fassen.

Zwei Tage darf ich den Luxus genießen. Mache Sightseeing und Urlaub in Singapore. Dann geht leider, leider  :mrgreen: schon der Flug nach Nouméa. Das Hotel organisiert den Shuttle zum Flughafen. Morgens um sieben ist Abholung. Das Foyer ist rappelvoll. Alles hängengebliebene Air Calin Opfer. Drei Busse werden benötigt, um uns abzutransportieren.

Beim Einchecken werde ich gefragt, ob ich ein Rückflugticket habe. „Nein. Ich verlasse Neukaledonien mit einem Segelboot.“ „Haben Sie dafür ein Ticket?“ „Nein, es ist mein eigenes Boot.“ Die Dame am Schalter wird hektisch. Sie telefoniert wild umher, fragt ihre Kollegin am Nachbarschalter. Viel Palaver während ich mir fieberhaft überlege, wie ich das beweisen kann. Dann Entwarnung, sie checkt mich ein. Mein im Hotel ungeöffneter Koffer hat plötzlich ein Kilo mehr auf der Waage (ich bestimmt auch). Das winkt sie lässig durch.

Nur Gucci und Rolex in Hotelnähe. Das beste was ich in der Nobelstraße Orchard Road finden konnte: Frischhaltefolie zum Verbinden vom Koffer.

Zwei Flugzeuge werden diesen Morgen eingesetzt. Die ursprünglich fliegende Maschine von Air Calin und eine Boeing 777 von EuroAtlantic. Ich habe das Pech auf EuroAtlantic gebucht zu sein. Das ist eine portugiesische Fluggesellschaft, die darauf spezialisiert ist, ausgefallene Maschinen zu ersetzten.
Halleluja. Alle Maschinen sind bereits älter als 20 Jahre. Die Klimaanlage streut Eiswürfel aus. Zweite Decken werden gefordert. Glück für den, der früh danach fragt. Die Decken sind schnell aus. Die Auswahl der Filme beschränkt sich auf 8 (in Worten acht). Alle schon etwas älter. Aus dem gleichen Jahr wie die Filme stammen die Brötchen aus denen das Abendessen besteht. ;-)

Das schlechteste Flugzeug-Essen aller Zeiten. Auf dem großen Brötchen war Press-Rührei und eine Gurkenscheibe. Das Brot war pfurztrocken. Das kleine Brötchen war noch härter und kam ohne Butter. Nicht mal die übliche Stange Käse gab es dazu. Nach der Völlerei im Hotel der perfekte Kontrast. ;-)

Nach acht Stunden ist es überstanden. Mit zwei Stunden Verspätung lande ich endlich in Nouméa. Die Kofferausgabe zieht sich eine Stunde. Vor dem Zoll habe ich mit meinen 46 Kilo Kampfgewicht plus 11 Kilo Handgepäck etwas Angst. Einige Ersatzteile fürs Schiff könnten Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aber der Typ ist vollkommen gelangweilt. Er hat nichts zu tun. Alle Gäste strömen durch den Gang „nichts zu verzollen“.

Bleibt als letzte Hürde die Bio-Security. Ich habe wieder Angst. Habe auf dem Fragebogen brav angekreuzt, dass ich Nahrungsmittel dabei habe. Aber ich möchte keine Diskussionen über meine Nüsse, Schokolade und Kräuter führen. Dem Bio-Mann mit seinem Hund halte ich einen Opfer-Apfel und einen Müsli-Riegel unter die Nase. Den Apfel nimmt er, wie erwartet. Den Riegel darf ich behalten. Ich bin durch!

Noch eine Stunde Taxi, dann bin ich nach genau 98 Stunden wieder zu Hause. Das macht einen Schnitt von 163 km/h. Und ich dachte schon, dass der Hinweg mit 40 Stunden lang gewesen wäre. :mrgreen:

Da freut sich aber einer, dass ich wieder da bin. Schön!
Ich mich auch.

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„Me time“ für uns beide

Fast 12 Jahre zusammen auf 12 Metern. Daran haben wir uns längst gewöhnt. Im Grunde ist es eine 24/7 Dauerbeschallung mit den Marotten des Anderen. „Warum legt er leere Kekspackungen in den Schrank? Warum kann sie das Kabel nicht am Stecker aus der Dose ziehen?“ Gesprächsstoff, Zündstoff.

Die letzten fünf Jahre waren wir besonders eng beieinander. Die Zeit im Dachzelt. Und dann sind wir auch noch zusammen nach Deutschland geflogen. Weniger Freiraum geht nicht.
„Was ist diese moderne „me-time“? Wir wissen es nicht.

Damit ist Schluss. Ich bin recht kurzentschlossen für knapp vier Wochen in Deutschland. Achim hat das Boot ganz für sich und wehrt potentielle Zyklone ab (grade ist einer in gutem Abstand vorbeigezogen).

Ein Rentner auf Freigang sozusagen. Himmlische Ruhe vor weiblicher Organisation. Kein „Was machst du gerade? Mach doch mal etwas. Lies doch mal ein Buch.“ Achim hat jede Ecke nur für sich. Frühstück um halb zehn, Mittagessen um elf – essen, was er will, wann er will. Beziehungsweise, was er kochen kann. :mrgreen:
Werkzeug liegen lassen? Check! Die dazugehörige Späne ebenfalls. Check! Atanga ist nun meckerfreie Zone. Der Himmel auf Erden.
Er wird es genießen. Diese ultimative Freiheit.
Wie ich hörte, ist die Gitarre bereits in den Salon umgezogen, als ich noch in der Abflughalle saß. „Me-Time“ in Vollendung.

Ich mache in Hamburg, was in Hamburg gemacht werden muss. Freunde besuchen, ein neues Baby bestaunen, einen Toddler nicht wieder erkennen und ein paar Pflicht-Geschichten abarbeiten. Mein Rückgepäck von zweimal 23 Kilo soll nicht ungenutzt verfallen. Das Schiff ist wie immer hungrig.
Das wird meine „Ich-Zeit“. Inklusive Blogpause (ja, Freunde der Sonne, das Leben ist hart).

Den Rentner an Bord muss ich warnen: ich komme wieder. Gewöhn‘ Dich gar nicht erst an das Lodderleben. „Und dass mir die Späne verschwunden ist …“

Wie Achim sich freut.
Dass ich fahre oder, dass ich wieder komme.
Es darf spekuliert werden.

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Tasmanien – unser Fazit

9. Feb. – 11. März 2026; Australien/Tasmanien

Wer die Südinsel Neuseelands mag, wird Tasmanien lieben!
Vieles erinnert an die Nachbarinsel: Baumfarne, weiße Strände und knorrige Küstenwälder mit vom Wind gebeugten Bäumen. Tasmanien wird oft als die „wildere kleine Schwester“ der neuseeländischen Südinsel beschrieben.
Kaum zu glauben, der Westen Tasmaniens ist noch weniger besiedelt als das undurchdringliche Fjordland und die Catlins auf der Südinsel.

Das Wetter
31 Tage Tasmanien und wir haben es geschafft, dem Wetter aus dem Weg zu gehen. Normalerweise läuft das anders: Du kommst an die Westküste – Regen. Du willst wandern – Regen. Du willst spektakuläre Aussichten sehen – heute geschlossen wegen Nebel.
Und dann kommen wir: ein verregneter Nachmittag, ein verregneter Vormittag und der nasse Abschlusstag, der sowieso nicht mehr zählt.
Ich könnte behaupten, das sei gute Planung gewesen. ;-) Richtige Reisezeit, richtige Route. Nein, es war pures Glück, gegen jede Statistik.
Wir lieben Australien und Tasmanien hat uns scheinbar auch sehr gern.

Landschaft und Tiere
Tasmanien fehlen die schneebedeckten Alpen. Da hat Neuseeland die Nase vorn. Das macht Tasmanien mit seiner Tierdichte wieder weg. Der „Zoo ohne Zäune“ gegen Neuseeland, das Vogelparadies. Wobei es nur wenig Menschen geben dürfte, die jemals einen Kiwi zu Gesicht bekommen haben.

Bay of Fire.
Der Osten ist deutlich sanfter. Lieblicher.
Sogar das Meer ist hier zwei bis vier Grad wärmer. Eine Restströmung der Coral Sea aus dem großen Australien sorgt dafür.

Der wilde Westen.

Cradle Mountain

Der einsame Nordosten, der raue Westen und Cradle Mountain haben uns am besten gefallen.

Banksia in voller Blüte.

Verrückte Eukalyptusblüten. Ganze Straßenzüge waren rosa-rot von den abgefallenen Blüten.

Unsere Wunschliste an Tier-Sichtungen darf als abgearbeitet gelten. Wombats, Pinguine, Nasenigel und unzählige Kängurus in verschiedenen Größen. Vom Bus aus in Cradle Mountain konnten wir sogar eine ‚Tiger Snake‘ erhaschen. Der Besuch in der Auffangstation für den Tasmanischen Teufel war ein Highlight. Ihr Verhalten hat tatsächlich etwas Teuflisches. Die süßen roten Ohren sind nur zum Antäuschen.

Immer wieder Kängurus.

Die roten Ohren haben die Teufel, wenn sie sich aufregen oder sich abkühlen. Also eigentlich immer.

Ein verirrter Teufel im Camper.

Der Camper
Ich kann unseren Wagen gar nicht genug loben. Perfekt für zwei Erwachsene. Obwohl einer von uns Überlänge hat. Durch die integrierte Toilette gilt er als ‚self containted‘, man darf also überall damit campen. Die Toilette haben wir tatsächlich nicht benutzt. Wir haben darauf geachtet, dass alle Stellplätze über eine Toilette verfügen.
Hätten wir die Gelegenheit, noch einmal um das große Australien zu fahren, wäre das unsere Wahl. Die Kabine mit dem Tisch und Sitzbänken plus  Bett bietet einen idealen Rückzugsort bei schlechtem Wetter. Ein etwas anderer Schnack als das Dachzelt.

Das Auto innen. Due Verarbeitung ist nicht High-end-Qualität, aber alles da, was wir gebraucht haben.

Die Camper-Shell ist gut durchdacht.
Unsere Shell ist von ‚Pinguin‘, ein tasmanischer Hersteller. Nicht der teuerste, der solche Aubauten herstellt. Camper-Shells von anderen Anbietern gibt es auch zum Einklappen oder mit einem Pop-up-Dach.
Für die teuerste Varianten solcher Shells kann man 60.000 Euro kalkulieren. Plus Auto, versteht sich.

Ein kräftiger 4×4 bringt die Kiste überall hin. Für die Stadt ist die Kombination gut geeignet, weil der Wagen nicht länger ist als jeder normale SUV. Will man einen Tagesausflug unternehmen oder den Standort wechseln, so braucht man nur herumfliegende Kleinteile einzusammeln, die Schranktüren zu sichern und die Leiter einfahren. Kaum Aufwand.
Wir würden eine Markise und eine Außendusche anbauen. Und die Aufhängung der Leiter verändern. Die hängt nur an drei Bändern und sackt bei jedem Ein- und Aussteigen etwas nach unten.
Der Rest war perfekt.

Geländegängig

Unser Mietauto – zu gerne würden wir mit so einem Teil noch einmal um Australien fahren.

Die Kosten
Als wir uns für eine geländegängige Variante interessiert haben, waren wir überrascht. So ein 4×4-Camper ist teurer als die kleinen Hiace-Bully-Camper, in denen man alles umbauen muss und nicht stehen kann.
Aber gleichpreisig oder sogar günstiger als Camper in Sprinter-Transit-Größe. Je nach Ausstattung. Die haben häufig eine Klimaanlage. Darauf können wir gut verzichten.

Camper: 31 Tage – 3.908,00 Euro (mit Rundumsorglos-Versicherung, zweitem Fahrer und Übernahme am Feiertag)
Campingplätze: 663 Euro (5 mal haben wir kostenlos gestanden)
Diesel: 208 Euro (wir sind nur 1.800 Kilometer gefahren, Verbrauch: 12.7 Liter auf 100 km)
Eintritte: 199 Euro
Essen und Trinken: 669 Euro (wir haben uns fast zu 100 Prozent selbst verpflegt)
Sonstiges: 116 Euro (Taxi, Bus und ein paar Kleinigkeiten)

 

Tja, Neuseeland, bedank dich bei deiner Immigration. Das hättest du verdienen können. :mrgreen: Genau so eine Runde hatten wir auf der Südinsel geplant.
Wir senden an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Employee 50.496. Ohne diesen Mitarbeiter und eure Bürokratie hätten wir dieses Juwel nie erlebt. Danke!
Es hat uns ausgezeichnet gefallen. Abwechslungsreich, einfach zu befahren. Gute Campingplatzdichte, phantastische Nationalparks.
Ein wenig wie die Südinsel, nur mit Kängurus und Eukalyptus. Der Mix ist reizvoll.
Wir haben Ecken ausgelassen. Auch solche, die unter den Top fünf rangieren. Macht nichts, das gibt Raum, um noch einmal wiederzukommen.

Wer hätte gedacht, dass die kleine Karte unten in der Ecke unserer Landkarte von Australien noch eine Verwendung findet?

Unser kleiner Australien-Altar am Navi-Tisch. :lol:
Es ist nicht mehr zu leugnen, wir sind für immer und ewig Australien-Fans. Etliche Gespräche drehten sich bereits  um eine zweite Runde. Nur wie und wann ist noch nicht geklärt …
Man wird ja noch träumen dürfen.

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Zu guter Letzt noch Hobart

09.-11. März 2026; Australien/Tasmanien/Hobart; Tag 29-31, Tageskilometer 128, gesamt 1.824 km

Es geht gemütlich zu in Hobart, obwohl an unserem ersten Tag ein Kreuzfahrer an der Pier liegt. Die Passagiere werden von energischen Damen mit Warnweste so geleitet, dass sie nicht den Autoverkehr behindern. Wir werden kräftig angeschnauzt, weil wir uns nicht an die Cruiser-Regeln halten.

Gemütlicher Hafen – viel erinnert an Neuseeland, an Wellington. Viele Segelboote und Langustenfischer liegen im Hafen.

Hobart ist nach Sydney die zweitälteste Stadt Australiens. Die alten Sandsteinspeicher beherbergen heute schicke Bars und Galerien. Jeden Samstag findet dort ein prachtvoller Markt statt, den wir leider verpassen. Aber die Atmosphäre schwappt über.

Salamanca – die ehemaligen Lagerhallen.

Salamanca hat eine schöne Atmosphäre.

Statue: die Jagd nach dem perfekten Foto.

Oberhalb des Hafens liegt Battery Point. Ein Dorf in der Stadt. Zu erreichen über steile Steintreppen, direkt in die Klippen gehauen. Die alten Lagerhäuser hatten Keller, die direkt mit dem Wasser verbunden waren. Ideal, um Rum-Fässer an der Polizei vorbeizuschleusen. In den verwinkelten Gassen gab es Geheimgänge zwischen den Häusern. Razzia im Vorderhaus? Kein Problem, man spazierte mit seinem Drink einfach durch eine versteckte Tür im Kleiderschrank zum Nachbarn rüber. Die örtliche Kirche wurde von einem verurteilten Fälscher namens James Blackburn entworfen. Er hat die Architektur einfach so gut „nachgemacht“, dass Hobart heute wie ein englisches Dorf aussieht, das versehentlich hier gelandet ist.

Battery Point

In Battery Point finden wir den Arthur Circus. Es ist einer der wenigen Orte weltweit, an dem die Häuser in einem perfekten Kreis um einen Dorfplatz gebaut wurden. Ursprünglich war es für pensionierte Offiziere gedacht, die sich nichts Großes leisten konnten. Eines der Häuser ist gerade mal sechs Meter breit. Heute kosten diese „Puppenhäuser“ bis zu eine Million Euro.

Arthurs Circus

Der zweite Tag gehört dem Naturkunde-Museum. Eine kleine Ausstellungen bei freiem Eintritt. Die Hauptattraktion ist die Galerie über den tasmanischen Tiger.

Lange Zeit dachte man, die Überreste des letzten tasmanischen Tigers, der 1936 im Hobart-Zoo starb, seien verloren gegangen. Erst 2022 hat man das Fell und das Skelett dieses Tieres in einem Museumsschrank wiederentdeckt! Es war dort jahrzehntelang gelagert, ohne korrekt als „das Letzte seiner Art“ katalogisiert zu sein.
Wer kennt das nicht? Nie hat man Zeit, um Ordnung im Keller zu machen. :mrgreen:

Der letzte seiner Art.

 

Besonders eindrücklich sind die Original-Dokumente aus dem 19. Jahrhundert. Die Regierung zahlte damals 1 Pfund pro totem Tiger. Man zahlte den Jägern also mehr als einen Wochenlohn, um eine Spezies auszurotten. Nur 20 Jahre später waren Zoos bereit, über 150 Pfund pro lebendem Tier zu zahlen. Zu spät. :cry:
Das Museum zeigt diese Belege als mahnendes Beispiel dafür, wie schnell eine systematische Jagd zum Aussterben führt.

Tasmanische Tiger im Zoo von Hobart. Wie es sich für einen Australier gehört, haben die Tiere natürlich einen Beutel.

Während die Wissenschaft den Beutelwolf offiziell für ausgestorben erklärt hat, sieht die Realität in den Köpfen der Australier ganz anders aus. Besonders die „Doppelköpfigen“ auf Tasmanien lassen sich ihren Tiger nicht nehmen – und die Gerüchteküche brodelt 2026 heftiger denn je.

Die neuesten Berichte kommen plötzlich vom Festland! Im Riverland und bei Melbourne wollen Zeugen das markante Hinterteil und diesen seltsam „hüpfenden“ Gang gesehen haben. Ein Wärmebild-Clip aus den Yarra Ranges sorgt für Schnappatmung. Man sieht… etwas. Experten streiten: Ist es ein räudiger Fuchs oder das Wunder mit dem gestreiften Fell?

Statistisch liegt die Chance bei unter ein Prozent, dass der Tiger noch da draußen ist. Aber solange es noch unentdeckte Täler gibt, bleibt der Tiger der ultimative Star der tasmanischen Wildnis. Man sieht ihn nie, aber jeder kennt jemanden, der ihn gesehen hat.
Wir haben tatsächlich eine Frau in Cradle Mountain gesprochen, die uns erzählte, dass ihr Mann „besessen sei von Sichtungen“.

Am letzten Tag regnet es. Das spart uns, den Wagen noch einmal in die Waschanlage zu fahren. Wir packen unsere Sachen, gehen noch einmal „Power-Shoppen“ (Klamotten kaufen, funktioniert super in Australien) und liefern das Auto ab.
Die Abnahme verläuft absolut entspannt. Der ältere Herr lässt nicht mal die Leiter runter, um in die Wohnkabine zu gucken. „Getankt, Gast aufgefüllt?“ Wir nicken.
Er nickt ebenfalls und fährt uns dann auch noch zu unserer Cabin am Flughafen. Das entschädigt für die etwas raue Übergabe vor einem Monat.

Typische Cabins auf australischen Campingplätzen. Hier in Hobart weltklasse. Super sauber und gut ausgestattet in der Küche.

Unser Flug zurück zu Atanga geht um 6:00 Uhr morgens. Eine undankbare Zeit. Unser bestelltes Taxi soll um 4:15 Uhr kommen. Wir stehen bei frischem Wind am Eingang vom Campingplatz. Das Taxi kommt nicht. Wie lange sollen wir warten? Ich sehe mich schon im Stechschritt mit Koffer und Rucksack die zwei Kilometer zum Flughafen stapfen. Dann die Erleichterung: Scheinwerfer tauchen in der Dunkelheit auf.
Zwölf Stunden später sitzen wir wieder auf unserem schwimmenden Zuhause.

Schön war‘s. Ein Fazit folgt …

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In den Highlands: Wo Rindviecher auf Roboter treffen

8. März 2026; Australien/Tasmanien/Bethume; Tag 28, Tageskilometer 55, gesamt 1.696 km

Wir fahren eine gute Stunde weiter und finden einen weiteren Stausee. Und einen weiteren kostenlosen Stellplatz. Auch dieser gehört zu „Hydro Tasmania“. Dieses ist der staatliche Energieversorger und einer der größten Land- und Wasserbesitzer Tasmaniens.
Hydro bewirtschaftet die Seen für Wasserkraft und stellt die Uferbereiche für die Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung – quasi als Gegenleistung dafür, dass sie die Natur für die Energiegewinnung nutzen. Ein moderner Ablasshandel für die Energiegewinnung: Solange ihr euren Müll mitnehmt, haben wir einen Deal mit euch.

Der Blick aus der Camper-Tür. Der nächste Ort ist acht Kilometer entfernt. Ein netter Platz mit zwanzig Mitcampern auf trockener Wiese.

Dass es sich um einen Stausee handelt, ist nicht mehr zu erkennen. Malerisch liegt dieser eingebettet in die hügelige Landschaft der Highlands. Die Waldgebiete liegen hinter uns. Viehwirtschaft dominiert. Früher hauptsächlich Schafe, heutzutage Black-Angus-Rinder. Diese stehen fotogen in der Landschaft und ahnen nichts von ihrer Zukunft: zartschmelzendes Fleisch auf tasmanischen Grills.

Wir sind keine zwei Autostunden von Hobart entfernt. Die Vögel über dem Camper sind Kakadus.

Angus – noch ahnungslos und glücklich drein schauend.

Die gesamte Region hat seit Jahrzehnten mit abnehmenden Niederschlägen zu tun. Abhilfe schaffen effiziente Beregnungsanlagen, die „Center-Pivot-Anlagen“. Das System besteht aus einem mobilen Rohrarm, der an einem festen Mittelpunkt verankert ist. Der Arm ruht auf fahrbaren Türmen mit Elektromotoren. Damit sich der Arm nicht verbiegt, steuert ein Computer die Geschwindigkeit jedes einzelnen Turms. Der äußerste Turm muss logischerweise viel schneller fahren als der innerste. Entlang des Rohrs hängen Sprinkler. Die Düsenöffnungen werden nach außen hin immer größer oder die Abstände geringer, weil die äußeren Düsen in derselben Zeit eine viel größere Fläche abdecken müssen als die inneren.

Hightech vom Feinsten. Es gibt gigantische Anlagen mit über 800 Metern Radius, die bis zu 200 Hektar mit einer einzigen Umdrehung abdecken. Eine Grenze setzt nur die Statik des Rohrarms. solche Anlagen gibt es schon Jahrzehnte, aber die neuen Generationen sind KI-gesteuert. Kontrolliert mit dem Smartphone vom Sofa aus.

Dies ist eine kleine Anlage.
Sie entscheidet basierend auf integrierten Wetterstationen in Echtzeit, ob sie die Geschwindigkeit drosselt oder erhöht. Wenn eine Gewitterfront aufzieht, stoppt das System automatisch, um Wasser zu sparen.

Die Highlands von Tasmanien.
Ohne Bewässerung ist das Gras im tasmanischen Sommer oft braun und im Wachstums-Stopp. Mit Bewässerung kann die Menge der Tiere pro Hektar locker verdoppelt oder sogar verdreifacht werden. Kostenpunkt einer kleinen Beregnungsanlage: 100.000 Euro.

Auch der Ackerbau in der Region wird ‚remote‘ kontrolliert. Selbstfahrende Trecker pflügen exakte Furchen in die Erde. Bis auf zwei, drei Zentimeter genau. Mit Drohnen werden die Felder überwacht. Sensoren messen die Photosynthese-Aktivitäten der Pflanzen.
Bauer Harms sieht auf einer digitalen Karte, welche Stellen auf dem Feld Stress haben (Wassermangel, Stickstoffmangel oder Schädlingsbefall). Dann kommt eine zweite Drohnengattung zum Einsatz: die Dünger- und Pestizid-Sprüher. Bis 50 Liter Flüssigkeit können diese Drohnen tragen und sprühen nur die Bereiche auf dem Acker, die es nötig haben.

Von dem digitalen Wettrüsten merken wir nicht viel. Es ist ländlich-idyllisch. Die Schafe grasen unbeeindruckt auf der Weide. Brombeerranken haben die Feldränder erobert. Innerhalb einer halben Stunde könnten wir zwei Kilo Früchte sammeln. Hagebutten zeigen erste rote Bäckchen. Beide Pflanzen gehören hier nicht her. Es sind echte Pestpflanzen, im 19. Jahrhundert von den Siedlern aus Europa mitgebracht worden.
Für uns wirken sie vertraut. Und plötzlich weht ein Hauch Dänemark über die Hightech-Felder der Highlands. Wir könnten auch auf Fünen sein, wäre da nicht das laute Kakadu-Geschrei.

Das Wetter droht seit zwei Tagen mit Regen – aber es bleibt trocken :-) Sehr lange Brücke mit nur einer Fahrbahn zum Campingplatz.

Diese Verkaufsanzeige sehen wir beim Ströpern durch die Feldmark.
25 Hektar Land, zum Teil mit Wein. Hübsches Haus mit sechs Zimmern und zwei Bädern. Das Haus ist von der Straße aus nicht zu sehen.
Zufällig finden wir ein paar Tage später in Hobart beim Immobilienmakler im Fenster dieses Angebot wieder: knapp 2,5 Millionen Euro.
Aber schon schön. Und Tasmanien kann auch grün sein. ;-)

Sollen wir das Prachtgrundstück kaufen oder doch lieber zum Schiff zurückkehren?

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