Der Preis ist heiß auf Bora Bora

Do.,31. Mrz. 2021, Franz.Polynesien/Bora Bora/Yacht Club, Tag 2495, 21.385 sm von HH

Im Januar 2020 habe ich einen Blog über unsere Pläne für das Jahr 2020 geschrieben. Zitat: „Juni, wir können weiter nach Westen. Zuerst die Gesellschaftsinseln (hier wollen wir nicht so viel Zeit verbringen – teuer, vielfach ist ankern verboten, Aufenthalt auf wenige Tage begrenzt usw. Klangvolle Namen wie Bora Bora lassen wir also links liegen).“

Har, har, so kann man sich irren. Wir sind noch immer nicht im Westen und bereits seit drei Wochen auf Bora Bora. Wenigstens habe ich bei den Preisen keinen Blödsinn geschrieben: Zwei Tage nach unserer Ankunft kam ein großes Dinghy längsseits: „Willkommen auf Bora Bora. Die Nacht an der Mooring kostet 30 USD. Dafür holen wir dreimal in der Woche den Müll von Bord, egal wo in der Lagune ihr euch befindet.“ Schluck. Dreißig Dollar für eine Nacht! An einer Mooring! Heftig. „Oder ihr bezahlt dreihundert Dollar auf einmal, dann dürft ihr einen Monat bleiben.“ Das klang für uns nach einem vernünftigen Mengenrabatt. Der Deal war gemacht. Die zwei Tage vor der Kontrolle bekommen wir netterweise geschenkt und dann hat der März auch noch 31 Tage. Ein Schnäppchen.

Bora Bora gilt als eine der teuersten Urlaubsinseln weltweit.
– Eine Übernachtung im ‚Four Season‘ – fünf Sterne 1264 Euro. Check. ✓
– Eine Übernachtung im ‚Pearl Resort‘ – vier Sterne 746 Euro. Check. ✓
– Eine Übernachtung auf Atanga – unendliche Sterne, wenn die Luke in der Schlafkoje offen steht – 7,70 Euro. Check ✓
Man muss alles einfach nur ins rechte Licht rücken.

Ein Gin and Tonic im Yacht Club kosten 10 Euro (geht ja sogar noch). Dafür sind dann auch weiße Stoff-Tischdecken und Servietten eingedeckt, wenn man nach dem Drink etwas essen möchte. Ich weiß nicht, wann ich so etwas zuletzt gesehen habe. Es schmeichelt dem Auge. Und wenn Atanga dann wie eine Multi-Millionärs-Yacht direkt vor dem Club im Sonnenuntergang leicht schaukelt, dann ist dieser Drink unbezahlbar. 

Atanga vor dem Bora Bora Yacht Club

Die Preise im Supermarkt, für kleine Mittags-Snacks und die Miete eines Motorrollers liegen über Tahiti. Mit zehn Prozent in etwa. Uns schreckt das schon gar nicht mehr. Nach Gambier erscheint es überall preiswert. Drei Dollar für ein Kilo Kartoffeln oder für eine Dose Bier zahlen wir mittlerweile locker aus der Hüfte. Sogar die Obdachlosen – von denen es außerhalb von Tahiti nur wenige zu sehen gibt – haben sich angepasst: „Hast du mal ’n Euro“, war gestern. Wir werden tatsächlich um zehn Dollar angefragt. Wir sind so verschüchtert von der Höhe, dass uns Kleingeld in der Tasche stecken bleibt.

Die meistgestellte Frage an uns selber lautet, wie bezahlen die Einheimischen die hohen Preise? Die Lösung ist nicht befriedigend zu finden. Es fängt damit an, dass niemand in Französisch Polynesien Einkommensteuer zu zahlen braucht. Grundnahrungsmittel wie Mehl, Reis, fettarme Milch usw. sind subventioniert (von Frankreich) und kosten weniger als in Deutschland. Eine freiberufliche Sprachen-Lehrerin an der Uni in Papeete verdient 100 Dollar – die Stunde. Die Löhne sind allgemein hoch auf den Inseln. Eine echte Wortschöpfung  erfolgt durch Tourismus, Perlenzucht (rückläufig) und Kopra-Ernte (Kokosnüsse). Die restlichen Arbeitnehmer sind Staatsangestellte und sollen angeblich das zweieinhalb-fache verdienen wie in Frankreich. Und von Staatsangestellten wimmelt es nur so. Französisch Polynesien verwaltet sich selber. Jedes abgelegene Atoll gönnt sich eine Armee von Bauhof-Angestellten, die den ganzen Tag mit Bagger und Laster über die Insel fahren. Unkraut-Zupfer, Straßenfeger und andere Personen mit Gelbwesten schieben Geschäftigkeit vor. Postangestellte, Gemeindearbeiter, Lehrer und Polizisten. In jeder Familie gibt es mindestens einen ‚Beamten‘, der für ein gutes Familieneinkommen sorgt. So scheint die Blase am Leben gehalten zu werden.

Präsident Fritch war gerade gestern bei Macron in Paris. Er hat 237 Millionen Euro als Corona-Hilfe mit nach Französisch Polynesien gebracht. Das klingt spendabel. Aber es sind nur knapp 900 Euro pro Einwohner. Und auf einmal klingt es nicht mehr nach einer riesigen Summe. Aber er hat auch die Zusage der Grenzöffnung zum 1. Mai mitgebracht. Dann kann Französisch Polynesien wieder selber Geld verdienen.

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Zwei Jahre Französisch Polynesien – der Film

Fr.,24.Mrz.2021, Franz.Polynesien/Bora Bora/Yacht Club, Tag 2482, 21.385 sm von HH

Wer hätte vor einem Jahr erwartet, dass wir so lange hier bleiben würden? Im März vor zwei Jahren sind wir von der Osterinsel kommend in Gambier gelandet. Wir haben es gut getroffen mit Französisch Polynesien und trotz Segelverbot und Lockdown viel erlebt. Zur Feier des Tages habe ich aus noch vorhandenem Material 2019/2020 einen Film zusammen geschnitten.

Südsee-Schnipsel. Südsee-Feeling. Südsee-Spaß.

– Unser erstes Versorgungs-Schiff auf Gambier. Was für ein buntes Durcheinander an der Pier, wenn nach drei Wochen der Versorger eintrifft.
– Auf Tahiti gibt es für Kreuzfahrgäste regelmäßig kostenlose Shows der Tänzer von den Marquesas. Zufällig waren dabei – in der ersten Reihe.
– Unsere Wanderung zum Kopf vom Fautaua-Wasserfall auf Tahiti. Unsere schönste Wanderungen in Französisch Polynesien
– Ein Abstecher nach Makatea. Das gehobene Atoll mit der zusammen gebrochenen Verladebrücke auf der früher Phosphor auf Frachter geladen wurde.
– Tikehau in den Tuamotu mit rosa Strand und Südsee-Atmosphäre.

Besser geht nicht – perfektes Wasser, perfekter Strand

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Lagunen-Leben

Di.,23. Mrz. 2021, Franz.Polynesien/Bora Bora/Piti Aau, Tag 2487, 21.377 sm von HH

Knapp zwei Wochen schwimmen wir bereits in der Lagune und können uns nicht satt sehen. Diesem Rausch an Türkis kann man sich kaum entziehen. Die Tage ziehen wie ein blaues Band an uns vorbei.
Große Sandflächen sind ja meistens etwas fischarm, anders als die übervölkerten Riffe. Aber regelmäßig ziehen Rochen unter Atanga oder unseren Kajaks durch und wühlen im Sand nach Fütter. Eine Gruppe Adlerrochen fliegt stationär an der Südspitze der Lagune ihre Runden. Und einem Millionen-Heer an kleinen Schwarmfischen dient die Lagune als Kindergartenplatz. Manchmal wird Atanga für die Kleinen zum schützenden Riff und sie umkreisen uns in großen Schwärmen. Gefräßige Hornhechte und Makrelen stöbern ihre Beute trotzdem auf. Wir hören es sofort, wenn die Jäger die Kleinen entdeckt haben. Im Fressrausch klatschen die Makrelen mit ihrem Schwanz an unsere Bordwand. Zeitweise brodelt das Wasser regelrecht. Die Hornhechte sind da besonnener. Sie picken sich mit langem Schnabel ihre, vom Schwarm abgesprengten, Opfer aus dem Wasser.  Hunderte Hornhechte lungern an unserer Badeleiter. Als ich vorsichtig zu ihnen ins Wasser gleite, ist ihnen das allerdings nicht geheuer. Recht schnell suchen sie das Weite. Und wir haben unserem Schwarm für zwei Stunden das Leben gerettet.

Eine Formation Adlerrochen unter dem Kajak

Hornhechte umlagern Atanga auf Beutesuche

Wir sind umzingelt

In Deutschland ist Frühlingsanfang. Das freut mich, wenigstens ein Jahreszeiten-Hoffnungsschimmer am ewigen Lockdown-Horizont. Wir sprechen viel über die Lage in Deutschland, saugen uns Infos rein, so gut wie unser tägliches Daten-Volumen es zulässt. Zunehmend sind wir fassungsloser, ob der Einfallslosigkeit der Maßnahmen, der lähmenden Bürokratie und schlechten Organisation.
Bei uns ist Herbstanfang. Das freut mich auch. Die letzten Wochen ist es ganz schön heiß bei uns geworden. Das Meer hat seinen Wärme-Höhepunkt erreicht. Dauerhaft 28 bis 29 Grad. In der Lagune blühen die Algen und Atanga ist mit einem dicken Rasen bewachsen. Keine Pocken, nur weicher Bewuchs. Zwei Tauchflaschen-Füllungen verbraucht die Rasur. Zwei Tage später ist bereits ein neuer Flaum gewachsen. Unter Deck herrschen dauerhaft 31 bis 34 Grad. Die Tage in der Lagune waren windarm, was das Leben an Bord zum Kochen bringt. Besonders beim Kochen. Der Schweiß fließt in Strömen. Ich tippe auf vierzig Grad. Das einzige Thermometer an Bord, was nicht an die Wand geschraubt ist, binde ich mir vor die Stirn. Aha!, Kinderbad-Temperatur ist überschritten!

In the heat of the night

Über den Töpfen stehen 40 Grad zur Diskussion

Das bringt mich zum Drohnen-Info-Update. Unserem Gimbal ist es auch schlicht weg zu heiß. Achim hat die Idee, Atanga-Air vor dem Start eine Abkühlung im Kühlschrank zu verordnen. Und siehe da, seitdem funktioniert der Gimbal wieder prima. Auch die Landung auf meiner Hand bringt uns weniger erhöhten Blutdruck. Üben übt – alte Weisheit.

Wenn sogar der Mast noch einen Schatten aufs Wasser wirft

Wir teilen uns das Mooringfeld mit vier bis sechs anderen Booten. Ein Luxus-Zustand. Wir finden neue Segel-Freunde, leider nur für ein paar Tage, dann müssen Yvonne und Helmut nach Tahiti zurück. Das Hotel an der Südspitze vom Motu hat als eines der wenigen auf Bora Bora noch geöffnet. Ein bescheidener Gästeandrang herrscht nur am Wochenende. Wahrscheinlich Polynesier und Franzosen aus Tahiti. Die Grenzen sind nach wie vor geschlossen. Mit einer Öffnung ist nicht vor Mai zu rechnen.
Der Rest der Insel ist für uns tabu. Hinter dem Hotel stehen die Häuser der Einheimischen. Mit Schildern weist man uns darauf hin, dass die Grundstücke privat sind. Wir paddeln also vorbei und gehen nur dort an Land, wo niemand wohnt.

An der Südspitze der Lagune neben dem Hotelstrand

Haus auf dem Motu am Außenriff

Lagunenleben

Seit heute ist das Wetter gekippt. Die Flauten-Tage sind vorbei. Ein strammer Passat aus Ost peitscht die Lagune auf. Wir sind inzwischen auch arm an frischen Vorräten – eine letzte Gurke liegt im Kühlschrank. Es ist Zeit, die Lagune loszulassen.

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Atanga-Air

Fr.,19. Mrz. 2021, Franz.Polynesien/Bora Bora/Piti Aau, Tag 2483, 21.377 sm von HH

Da liegen wir in der schönsten Lagune der Welt und natürlich sollen Fotos von oben her. Aber unsere Drohne, Atanga-Air, macht weiterhin Zicken! Oder liegt es an uns? Oder sind gar die Mächte gegen uns?

Versuch No.1: Die Bedingungen sind wie aus dem Lehrbuch. Atanga liegt ruhig im Wasser, schwoit nicht, kaum Wind. Der Flughafen ist diesmal weit genug entfernt. Wir haben Starterlaubnis. Wir wagen unseren ersten Flug direkt vom Deck aus. Dafür wählen wir das seitliche Solarpanel. Das ragt über die Reling hinaus und scheint die perfekte Startbahn zu sein. Zur Sicherheit kommt eine Anti-Rutsch-Matte aufs Panel, das etwas zur See-Seite durchhängt. Nicht dass ein Dinghy vorbei kommt, eine Welle erzeugt und upps-hoppala.
Der Start vom Panel klappt perfekt. Atanga Air liefert erste sensationelle Fotos.

Als scharfe Kante zeigt sich die Grenze zwischen vier Meter Wassertiefe und einem Meter

Eine fast surreale Landschaft

Startbahn für Atanga-Air

Dann kommt der entscheidende Teil. Die Landung. Die Drohne wehrt sich mit allen Sensoren, die ihr zur Verfügung stehen. Sie will nicht auf dem Panel landen. Einen knappen Meter davor bleibt sie stehen. Achim lässt sie seitwärts und rückwärts fliegen, so nah wie es geht und greift mit langem Arm beherzt zu. Puh, das war knapp, aber geschafft!

Versuch No 2: Wir sehen ein, so geht das nicht. Ich muss lernen die Drohne auf dem Vorschiff zu fangen. Dort ist mehr Platz trotz Vorsegeln und Wanten, die die Sensoren irritieren. Dazu geht es zum Üben an Land. Erster Landfall erfolgt am weitläufigen Strand auf dem Motu – auf der windlosen Seite. Wir kramen alle Teile aus dem wasserdichten Sack hervor, bauen alles zusammen und werden von Mücken förmlich gefressen. Schnell raffen wir alles zusammen und bloß weg!

Versuch No 3: Wir düsen mit dem Dinghy zur Wind zugewandten Seite der Insel. Hier ist es mückenfrei, wie wir wissen. Wir bauen erneut alle Teile zusammen und los geht’s. Eine Akku-Ladung verbrauchen wir nur zum Landen. Dazu strecke ich meine Handfläche aus, so weit wie möglich vom Körper weg und Achim steuert seitwärts darauf zu. Klappt mehrfach ohne Probleme. Sehr gut!

Versuch No 4: Am nächsten Tag wollen wir es noch einmal an Land ausprobieren. Diesmal mit ausgeschalteten Landesensoren und im Sportmodus. Diverse Internet-Tipps deuten an, dass dies die optimale Lösung sei. Erneut fahren wir zur Windseite der Insel.
Unsere Dinghy-Sitzbank dient als Startfläche und liegt außerhalb der Wellenzone im trockenen Sand. Atanga-Air steht zum Start bereit, Achim tüttelt noch mit der Fernbedienung als er plötzlich ‚Achtung‘ brüllt. Ich merke es zeitgleich und greife mir beherzt die Drohne. Nicht eine Sekunde zu früh. Eine einzige vorlaute Welle überflutet das Sitzbrett. Atanga Air bekommt nur zwei Spritzer ab. Das war Glück!

Zwei Minuten später ist dieser Sicherheitsabstand nicht mehr ausreichend

Versuch No. 5: Wir trocknen das Sitzbrett und legen es noch ein gutes Stück weiter vom Wasser entfernt in den Sand. Nein, nein, hier geht es auch nicht. Tausend Ameisen wohnen an der Abbruchkante zum Wald. Bloß weg!

Versuch No 6: Wir fahren zu Atanga zurück. Ich kann ja fangen, habe ich gestern bewiesen. Mehr Übung an Land brauche ich nicht, entscheiden wir. Also los. Der Start erfolgt wieder vom Solarpanel. Die Drohne fliegt und Achim grummelt hinter seiner Steuereinheit: „Ich kann gar nicht sehen, wohin ich fliege. Es stimmt etwas nicht mit dem Gimbal. Ich lande. Bist du bereit?“ Bin ich und Atanga-Air landet souverän auf meiner Hand. Brust raus!

Die menschliche Landebahn

Ich mache es dem Piloten leicht

Der Gimbal ist die kardanische Aufhängung der Linse. Eine raffinierte Technik, die für ruhige Filmaufnahmen sorgt und mit der man die Linse hoch und runter, links und rechts bewegen kann. Jetzt zeigt die Linse traurig nach unten.
Wieder befragen wir das Internet. Ein gern beschriebener Fehler. Man soll gegen den unnormalen Widerstand die Linse bewegen, in die Mechanik pusten und daran wackeln. Und beten. Denn entweder funktioniert es nach dieser Behandlung wieder oder die Drohne muss zur Reparatur eingeschickt werden. Hätten wir nicht schon ein paar schöne Aufnahmen, der Spaß an Atanga-Air wäre jetzt spontan vorbei.

Atanga erscheint losgelöst im glasklaren Wasser

Versuch No 7, 8 und 9: Achim hat gewackelt und gepustet und die Linse neu kalibriert. Der Gimbal lässt sich wieder bewegen. Wir starten. Achim knipst und filmt. Es scheint alles gut. Es folgt die Landung. Eine klitzekleine Fehlbewegung meines Ringfingers. Zack, schmerzhaft bekomme ich zu spüren, dass eine Drohne kein Kinderspielzeug ist. Einer der Rotoren streift meine Fingerkuppe einen Millimeter. Das zwickt ganz ordentlich. Das Internet weiß für solche Fälle auch guten Rat: Nimm Sekundenkleber mit zum Drohne-Fliegen, um die Wunden kleben zu können, die die Rotoren in Finger hacken können. :mrgreen: Bei der Sichtung der Filme zeigt sich, dass der Gimbal noch immer eine Macke hat. Die Aufnahmen zittern unangenehm. Aber die Fotos sind eine Sensation!

Versuch No 10 und 11: Noch mehr Gewackel am Gimbal. Noch mehr Gepuste in die Mechanik und auch ein paar Gebete helfen. Atanga Air liefert wieder fast perfekte Filme. Nur wenn man genau hinsieht, erkennt man vielleicht noch ein paar Vibrationen. Wir sind aber happy, dass tatsächlich eine Selbstheilung erfolgt ist. Wir hatten es nicht zu hoffen gewagt. Die Landung ist mittlerweile auch schon Routine. Selbstsicher stehe ich vorne am Bug. Atanga-Air kommt und landet. Normalerweise stellt sich sofort nach der Landung der Motor von alleine ab. Heute nicht! Das Biest steht auf meiner flachen Hand und rotiert weiter. Ich spüre den Wind im Gesicht von den vier Propellern. Vorsichtig greife ich zu. Das Biest zieht. Man mag es nicht glauben, mit was für einer Kraft so eine Drohne zieht, um weg zu kommen. Ich halte dagegen. „Mach den Motor aus!“, rufe ich Achim zu. „Mach aus, mach aus!“ „Geht nicht“, kommt zurück. „Ich weiß nicht warum. Du musst die Drohne um neunzig Grad zur Seite kippen!“ Gesagt, getan. Spontan ist Ruhe. Puh, ich hatte mich schon kurz und klein geschreddert an Deck liegen sehen.
Woher der Fehler nun wieder kommt? Wir werden das Internet befragen.

Fazit: Im Augenblick glauben wir nicht, sollten wir die Drohne verlieren – was jetzt nicht so unwahrscheinlich erscheint und Statistiken geben uns Recht – dass wir uns wieder eine Drohne kaufen würden. ;-)

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Im Farbenrausch auf Bora Bora

Di.,16. Mrz. 2021, Franz.Polynesien/Bora Bora/Piti Aau, Tag 2480, 21.377 sm von HH

Bora Bora hat nur einen Passeingang ins Atoll – im Westen gelegen. Anders als in Tahaa ist es für uns unmöglich mit zwei Meter Tiefgang die Insel zu umrunden. Im Süden ist es einfach zu flach. Ein tiefblauer Kanal führt über Norden in den schönen Osten von Bora Boras Lagune.

Bora Bora Umrundung – im Nordosten lauert ein Engpass

Zunächst ist es bequeme fünfundzwanzig Meter tief. Die Sonne steht hoch als wir uns auf den Weg machen. Dann kommt ein Engpass. Also der Engpass, vielfach beschrieben in Büchern und von anderen Seglern. Ich stehe am Ruder und schwitze. Achim steht vorne am Bug mit dem Funkgerät in der Hand für Anweisungen an mich. Ich weiß nicht, welcher Job schweißtreibender ist. Der, der einen Bommy übersieht oder der, der dagegen brummt? Es gibt eine gute Anzahl an Seezeichen, die uns im Slalom den richtigen Weg weisen. Gelb-schwarze Gefahren-Tonnen, deren Toppzeichen anzeigen an welcher Himmelsrichtung man an ihnen vorbei fahren muss. Und außerdem grüne und rote Fahrwassertonnen. Aber Achtung! Eine Falle lauert auf Segler. Sind die roten Tonnen beim der Einfahrt ins Atoll noch links, so müssen die roten Tonnen nun rechts vom Schiff sein. Rechts. Man kann es sich gar nicht oft genug sagen.
Bei so viel Tonnen sollte man denken, kann ja nicht so schwierig sein. Einfach das befolgen, was die Tonnen anzeigen. Fertig. In der Praxis macht die Enge dann doch nervös. Das Wasser ist glasklar, jeder Korallenhaufen ist klar zu erkennen. Wer vom Weg abkommt, der rummst auf. Gleich neben der ‚erdachten‘ Fahrbahn wird es sofort flach.
Aber wir kommen gut durch. Ein Katamaran, der uns entgegen kommt, wartet am Ende der Slalom-Strecke darauf, bis wir durch sind. Ein Charter-Kat. Also ein Profi am Ruder. Der junge Mann lacht als ich ihm ‚first time for me‘ zurufe und imaginären Schweiß von der Stirn wische.

Diesen Bommies gilt es auszuweichen

Mit Hilfe einer Vielzahl an Seezeichen

und dem Skipper vorne am Bug der Kommandos über Funk an mich weiter gibt

Wir lachen dann auch. Vor uns liegt ein kleines Wunder: die Lagune von Bora Bora! Wir sind türkis ja doch etwas gewöhnt, aber so etwas haben wir noch nicht gesehen. Weder in der Karibik in den Tobago Cays, noch in Belize. Tiefe Bereiche von fünfzehn Metern gehen in flache Bereiche von vier Meter über, dann weiter runter auf einen Meter fünfzig. Die Farbkanten sind wie mit dem Messer abgeschnitten. Dunkelblau wechselt zu blau – himmelblau zu fast weiß. Gleißend liegt dieser Zauberkasten an Farben vor uns. Tiefere Bereiche zeichnen grünblaue Bänder ins helle Türkis. Pfauenblau – Porzellanblau – Wolkenblau., 89 Namen für Blau habe ich gefunden. Sie dürften alle vor uns liegen. Zumindest aber RAL 5000 bis RAL 5029. ;-)

Wir suchen uns eine leere Mooring. Atanga schwebt im glasklaren Wasser wie losgelöst. Alles an Deck schimmert grünlich, die Segel, der Mast, ja, selbst die Seeschwalben, die vorbei fliegen, sind von unten türkis.
Wir springen ins Wasser. Neunundzwanzig Grad bieten keine Abkühlung aber pures Vergnügen. Nur hundert Meter hinter uns wird es flach, dort können wir stehen. Der endlose Sandboden, der für diese zauberhaften Farben sorgt, wird nur von ein paar versprengten Korallenflecken unterbrochen. Manchmal schwimmt so ein Korallenfleck auch davon, dann ist es ein Stachelrochen. Und hinter all dem baut sich der ansehnliche Krater von Bora Bora auf. Grün vor blauem Himmel. Waldgrün vor Himmelblau.

Am Ufer vom nächsten Motu (Inselchen) wird die Lagune fast weiß

Die Lagune – mal blau

Mal türkis. Immer wieder in einer anderen Farbe

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