Zurück nach Panama City

Sa., 05.Mai 2018, Panama/Panama City – La Playita, Tag 1435, 12.523 sm von HH

Wikipedia sagt, dass es ungefähr 300 Tausend Braun-Pelikane geben soll. Ich bin mir sicher, die wohnen alle auf den Las Perlas. Morgens kommen sie in endlosen Formationen aus Süden und ziehen Richtung Norden. Jeden Morgen kommen neue Vögel. Hunderte. Ein wunderschönes Schauspiel, wie sie in Ketten über das Wasser gleiten oder ein sauberes V-Format bilden.
Abends kommt allerdings kein einziger Vogel zurück. Sie verschwinden alle im Norden, im Nichts (ich muss dann immer sofort an den Titti-Twister-Abhang aus ‚From Dusk till Dawn‘ denken).
Wir verlassen morgens um 7:00 Uhr Contadora und werden noch lange von den Pelikanen begleitet.

Endlose Pelikan-Schlangen ziehen in den Norden

Endlose Pelikan-Schlangen ziehen in den Norden

faszinierende Formationen bilden

faszinierende Formationen bilden

Wie fast jeden Tag ist es windstill in der großen Bucht von Panama. Wir müssen die 37 Meilen motoren. Achim versucht sein Angler-Glück und ‚bingo‘, nach zwei Stunden ein Biss. Eine Makrele. Ich möchte mehr Fisch und bekomme ihn – nur fünfzehn Minuten später beißt die zweite Makrele.
Eine geht noch, entscheiden wir. Ich möchte testen, wie gut man Fisch einkochen kann.
Der nächste Fang lässt einige Zeit auf sich warten, entpuppt sich dann aber als prächtiger Thunfisch. Na, endlich mal wieder ‚Petri heil‘.

So viel Angler-Glück wird auf dem Fuß bestraft. Während Neptun sein Füllhorn an Fisch über uns auskehrt, entscheidet der Gott der Skipper: „Ist mal wieder Zeit für ein unbekanntes Problem :lol: „.
Die Pumpe des Wassermachers pumpt, baut allerdings keinen Druck auf. Grrrr. Geht es auch mal einen Tag ohne?

Nach sieben Stunden erreichen wir Panama, grade rechtzeitig vor dem Nachmittagsregen. Wenigstens etwas. Und abends gibt es lecker Fisch.

Thunfisch - oder Bonito - wer weiß es

Thunfisch – oder Bonito – wer weiß es?

Der Beginn von über 2 Kilo Filet

Der Beginn von über 2 Kilo Filet

Si, claro!

Fr., 04.Mai 2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1434, 12.486 sm von HH

Drei Wochen am gleichen Ankerplatz – was machen wir eigentlich den ganzen Tag?
Hauptsächlich machen wir uns gegenseitig verrückt. :mrgreen:

„Bist du soweit?“ „Si, claro!“ Das hat Achim aus Kolumbien mitgebracht. Die Standardantwort der Kolumbianer ist nun auch seine. „Gleich gibt’s Regen.“ „Si, claro!“
„Kommst du mit schwimmen?“ „Si, claro!“
Es ist nicht zum Aushalten. Nebenbei übt er neue Stücke auf der Gitarre. ‚Nothing else matters‘ mochte ich auch schon mal lieber. Oder er wühlt das Internet nach DSGVO-Fallen durch und verdirbt mir die Bloggerei: „Die Kommentarfunktion muss weg. Facebook-Button, so nicht mehr erlaubt. Youtube-Filme hochladen, sehr bedenklich.“ Er macht mich verrückt mit seiner Genauigkeit. Wo ist die, wenn es ums Aufräumen geht?

Kirk Hammett ;-)

Kirk Hammett ;-)

Aber ich kann auch nerven. Ich schneide grade einen neuen Film. Das ist für einen unbeteiligten Zuhörer kein Vergnügen. Die gleiche Stelle läuft unendlich oft durch: „Ich geh voran, weil Maya sowieso die Kamera umrennt“, kann ich nach kurzer Zeit selber nicht mehr hören. Die unterlegte Musik kommt uns beiden zu den Ohren raus. Achim rächt sich, geht nach hinten und quält mich mit ‚Metallica‘.

Ein großer Teil des Tages geht mit dem Sex älterer Ankerlieger drauf: dem Essen!
Das Thema wird von Tag zu Tag schwieriger. Einen richtigen Supermarkt habe ich zuletzt vor vier Wochen gesehen. Unsere frischen Sachen sind längst verbraucht. Ich bin vorbereitet und habe Fleisch eingekocht und Gurken eingemacht. Verhungern müssen wir nicht. Was frisch Gekochtes ist trotzdem etwas anderes.
Selbstgezogene Sprossen aus Mungbohnen werden misstrauisch beäugt: „Bäh, die mag ich nicht.“ Die Zucht gelingt, trotz einiger Sabotage-Akte, die ich beobachten konnte. In einer leckeren China-Pfanne finden sie dann doch noch Gnade.

Zuchterfolge - Mungosprossen

Zuchterfolge – Mungosprossen

Die beiden Supermärkte auf der Insel haben wenig: gummiartige Möhren oder Paprika Typ ‚Großmutter‘ – komplett mit Falten übersät. Mal bekommt man eine frische Mango oder ein paar Bananen.
Die Fleischauswahl ist klein. Es gibt Hähnchenschenkel. Oder Hühnchenbrust noch mit Knochen. Die Brust brate ich am ersten Tag als Filet und der Knochen wird nächsten Tag zu einer Hühnerbrühe abgekocht. Dann gibt es Hühnerfrikassee ohne Frikassee. Aber mit Spargel, passend zur Jahreszeit. Beim nächsten Mal gibt es eine Bohnensuppe auf der Brühe-Basis.

Frische-Abteilung im Supermarkt

Frische-Abteilung im Supermarkt

Ich gehe viel schwimmen. Nach dem Quallen-Unfall jetzt nur noch mit Tauchermaske, dann kann ich den Biestern ausweichen. Von den kleinen roten Feuerquallen haben wir nie wieder welche gesehen. Es gibt manchmal weiße Harmlose. Die will ich aber auch nicht testen.
Das Wasser ist herrlich sauber, aber nicht klar. Grünlich schimmert das Plankton, was der kalte Humboldt-Strom in Mengen mit sich bringt.
Es muss unglaublich viel Fisch geben, trotz der Fischerflotte vor der Haustür. Delphine ziehen vorbei, wir sehen Rochen springen, kleine Fisch-Schwärme stehen unter dem Schiff oder springen über die Wasseroberfläche, um sich vor Jägern zu retten. Unglaubliche Mengen an Seevögeln hauen sich den ganzen Tag den Bauch voll. Ab Juni kommen die Buckelwale aus der Antarktis. Bis zu 6.000 Tiere ziehen an der Küste Ecuadors und Panamas vorbei.

Neben Essen und Vergnügen, gibt es auch Arbeit: alle Mückennetzte über den Luken mussten neu genäht werden. Und Achim schnorchelt fast täglich den Rumpf ab und entfernt angedockte Pocken und Muscheln. Das nährstoffreiche Wasser sorgt für ordentlichen Bewuchs.
Edelstahl will poliert werden und Hausputz fällt auch an.

Bleiben noch die Abende. Ein paar Restaurants und Kneipen gibt es auf Contadora. Da zieht es uns nicht hin. Die Anlandung mit dem Dinghy ist ohne montierte Räder einfach eine Qual. Die ‚Alrisha‘ und ‚Kokopelli‘ sind fort, weitere gesellige Abende fallen somit aus.

Kleines Restaurant auf Contadora - gemütlich wie bei Oma auf der Veranda

Kleines Restaurant auf Contadora – gemütlich wie bei Oma auf der Veranda

Aber an Bord ist trotzdem für Unterhaltung gesorgt: „Der Winter ist da.“
Wir haben sieben Staffeln ‚Game of Thrones‘ auf Festplatte und wissen jetzt endlich, was es mit diesem Winter auf sich hat, der da naht. Wir wissen Bescheid über Westeros und die Lennisters.
Gierig ziehen wir uns die Staffeln rein. „Noch eine Folge?“, frage ich Achim. „Si, claro!“ :roll:

Langweilig? Nicht eine Minute. Wir könnten es noch gut hier aushalten.
Morgen geht es trotzdem nach Panama City zurück. Wir brauchen neue Batterien. In der jetzigen Situation haben wir einfach zu wenig Strom. Es reicht nicht, um den Wassermacher zu betreiben, grade dass wir ihn spülen können. Still legen möchten wir ihn nicht, also geht es Morgen, früher als geplant, zurück. Und es wartet ein Wäscheberg von vier Wochen auf eine Waschmaschine.

Idylle auf Contadora

Idylle auf Contadora

DSGVO …. mit Kanonen auch auf kleine Spatzen

Di., 03.Mai 2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1433, 12.486 sm von HH

Ja, auch wir sind etwas genervt. Ab 25 Mai müssen die Regeln der DSGVO (Datenschutz Grundverordnung) umgesetzt sein. Das gilt nicht nur für die großen Internetversandhäuser, sondern auch für uns kleine Blogger.

Im Rahmen der Umstellung unserer Seite (u.a. von http auf https (ssl)) wird es möglicherweise ein paar kleine Stolpersteine geben, die dazu führen, dass euer Browser euch auf unsicheren Inhalt hinweist. Keine Bange, nichts hat sich geändert, aber die Browser reagieren auf vermeintlich unsicheren Inhalt bei https:// Seiten sehr empfindlich.

Wir hoffen aber, dass wir das Projekt schnell abschließen werden, sofern uns das Hotel, dessen Internet wir vom Schiff anzapfen, nicht den Hahn abdreht.

Gruss,

Euer Admin

Umzug vom Anker an die Mooring

Di., 01.Mai 2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1431, 12.486 sm von HH

An unserem Anker zu hängen von dem wir nicht wissen, wie schnell wir ihn hoch bekommen, ist uns zu heikel. Wenn wieder so ein verrückter Fischer durchs Ankerfeld pflügt, sind wir im schlimmsten Fall an der eigenen Kette gefangen.
Ein paar Hundert Meter weiter sind Moorings ausgelegt. Die werden nur am Wochenende von einigen Motoryachten aus Panama City genutzt. Wie es scheint, gibt es genug davon, sodass wir wohl nicht verscheucht werden. Ein Segler hängt schon seit Wochen an einer Mooring ohne Ärger zu bekommen. Also heißt es ‚Anker auf‘, so eine Mooring soll es für uns sein.

Atanga jetzt an der Mooring vor leeren Stränden

Atanga jetzt an der Mooring vor leeren Stränden

Achim hat Glück, wider Erwarten, braucht er den Anker nicht von Hand noch oben pumpen. Die Lichtmaschine liefert bei 1800 Umdrehungen Strom an die kaputten Batterien. Das reicht grade aus, um den Anker langsam elektrisch zu heben. Cool für den Moment.

Ein Besuch von weiteren Inseln ist unter diesen Umständen ausgeschlossen. Sollten die Batterien noch ihre letzten 20 Prozent Ladekapazität verlieren, funktioniert das Lichtmaschinen-Prinzip nicht mehr. Wir würden ungerne probieren wollen, ob der Regler der Lichtmaschine das überlebt.

Wir sind nicht traurig drum. Wenn wir uns die Strände von Contadora so anschauen, besteht kein Erlebnisdruck unbedingt noch weitere Inseln besuchen zu müssen. Menschenleerer als menschenleer geht nicht.
Und näher am Internet liegen wir jetzt auch noch. ;-)

Unser neuer Vorgarten - auch nicht schlecht

Unser neuer Vorgarten – auch nicht schlecht

Doppeltes Batterie-Sterben

Mo., 30.Apr.2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1430, 12.486 sm von HH

Schon seit einigen Tagen schleicht Achim um die Batterie-Spannungs-Anzeige herum. „Warum laden wir so schlecht?“, brummt er in seinen Bart.
Kurz nach Sonnenuntergang zeigt die Spannung nur 12,5 Volt: „Ja, das kann ja jetzt nicht sein!“
Achim hängt die beiden, parallel geschalteten, Batterien unserer Hauptverbraucherbank ab. Jetzt kann er direkt die Spannung an den Batterien messen. Eine zeigt 11,5 Volt. Klinischer Tod einer Batterie. Batterie zwei lebt, zeigt schnell über 12,5 Volt Spannung an und wird wieder ans Netz genommen. Puh! Glück gehabt.
Unsere Hauptverbraucherbank ist jetzt um die Hälfte ihrer Kapazität beraubt. Nicht so schlimm, wenn wir sparsam mit Strom sind, sollte es reichen. Zusätzlich haben wir noch eine separate Verbraucherbatterie mit 180 Ampere-Stunden, die gut arbeitet.

Beim zu Bett gehen, flackert das Licht im Bad, wenn die Wasserpumpe läuft. Kein gutes Zeichen.
Die Ursache ist schnell gefunden: Exitus! Der plötzliche Batterie-Tod hat jetzt auch Nummer Zwei befallen. Wir vermuten noch eine späte Folgeerscheinung vom Blitzeinschlag.

Kaputt nach 2,5 Jahren - unsere Hauptverbraucherbank mit 280 Ampere-Stunden

Kaputt nach 2,5 Jahren – unsere Hauptverbraucherbank mit 280 Ampere-Stunden

 

Jetzt haben wir ein kleines Problem. Nicht nur, weil wir jetzt noch sparsamer mit dem Stromverbrauch sein müssen, sondern in erster Linie, weil die Ankerwinsch nur über die leblose Verbraucherbank läuft. Eine Restspannung von höchstens 20% zieht den Anker keinen Meter.

Wir ankern auf 10 Meter Wassertiefe – bei Flut. Der Anker wiegt 33 Kilo plus Kette von 200 Kilo. Die elektrische Winsch kann auch manuell betrieben werden mit einem Hebel. Im Handbetrieb schafft die Winsch nur zehn Zentimeter pro Hub. Na, das wird ja ein schöner Spaß. Ich bin froh, dass ich bei den Ankermanövern immer (!) am Ruder stehe. Das bietet keinen Spielraum, das System ganz plötzlich doch noch zu ändern. :mrgreen:
Die letzten Meter werden die schwersten sein, wenn der Anker schon schwebt und noch zehn Meter Kette dran hängen. Kommando ‚Anker auf‘ also schon mal nur bei Ebbe, das spart die ersten vier Meter.