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Tasmanien – unser Fazit

9. Feb. – 11. März 2026; Australien/Tasmanien

Wer die Südinsel Neuseelands mag, wird Tasmanien lieben!
Vieles erinnert an die Nachbarinsel: Baumfarne, weiße Strände und knorrige Küstenwälder mit vom Wind gebeugten Bäumen. Tasmanien wird oft als die „wildere kleine Schwester“ der neuseeländischen Südinsel beschrieben.
Kaum zu glauben, der Westen Tasmaniens ist noch weniger besiedelt als das undurchdringliche Fjordland und die Catlins auf der Südinsel.

Das Wetter
31 Tage Tasmanien und wir haben es geschafft, dem Wetter aus dem Weg zu gehen. Normalerweise läuft das anders: Du kommst an die Westküste – Regen. Du willst wandern – Regen. Du willst spektakuläre Aussichten sehen – heute geschlossen wegen Nebel.
Und dann kommen wir: ein verregneter Nachmittag, ein verregneter Vormittag und der nasse Abschlusstag, der sowieso nicht mehr zählt.
Ich könnte behaupten, das sei gute Planung gewesen. ;-) Richtige Reisezeit, richtige Route. Nein, es war pures Glück, gegen jede Statistik.
Wir lieben Australien und Tasmanien hat uns scheinbar auch sehr gern.

Landschaft und Tiere
Tasmanien fehlen die schneebedeckten Alpen. Da hat Neuseeland die Nase vorn. Das macht Tasmanien mit seiner Tierdichte wieder weg. Der „Zoo ohne Zäune“ gegen Neuseeland, das Vogelparadies. Wobei es nur wenig Menschen geben dürfte, die jemals einen Kiwi zu Gesicht bekommen haben.

Bay of Fire.
Der Osten ist deutlich sanfter. Lieblicher.
Sogar das Meer ist hier zwei bis vier Grad wärmer. Eine Restströmung der Coral Sea aus dem großen Australien sorgt dafür.

Der wilde Westen.

Cradle Mountain

Der einsame Nordosten, der raue Westen und Cradle Mountain haben uns am besten gefallen.

Banksia in voller Blüte.

Verrückte Eukalyptusblüten. Ganze Straßenzüge waren rosa-rot von den abgefallenen Blüten.

Unsere Wunschliste an Tier-Sichtungen darf als abgearbeitet gelten. Wombats, Pinguine, Nasenigel und unzählige Kängurus in verschiedenen Größen. Vom Bus aus in Cradle Mountain konnten wir sogar eine ‚Tiger Snake‘ erhaschen. Der Besuch in der Auffangstation für den Tasmanischen Teufel war ein Highlight. Ihr Verhalten hat tatsächlich etwas Teuflisches. Die süßen roten Ohren sind nur zum Antäuschen.

Immer wieder Kängurus.

Die roten Ohren haben die Teufel, wenn sie sich aufregen oder sich abkühlen. Also eigentlich immer.

Ein verirrter Teufel im Camper.

Der Camper
Ich kann unseren Wagen gar nicht genug loben. Perfekt für zwei Erwachsene. Obwohl einer von uns Überlänge hat. Durch die integrierte Toilette gilt er als ‚self containted‘, man darf also überall damit campen. Die Toilette haben wir tatsächlich nicht benutzt. Wir haben darauf geachtet, dass alle Stellplätze über eine Toilette verfügen.
Hätten wir die Gelegenheit, noch einmal um das große Australien zu fahren, wäre das unsere Wahl. Die Kabine mit dem Tisch und Sitzbänken plus  Bett bietet einen idealen Rückzugsort bei schlechtem Wetter. Ein etwas anderer Schnack als das Dachzelt.

Das Auto innen. Due Verarbeitung ist nicht High-end-Qualität, aber alles da, was wir gebraucht haben.

Die Camper-Shell ist gut durchdacht.
Unsere Shell ist von ‚Pinguin‘, ein tasmanischer Hersteller. Nicht der teuerste, der solche Aubauten herstellt. Camper-Shells von anderen Anbietern gibt es auch zum Einklappen oder mit einem Pop-up-Dach.
Für die teuerste Varianten solcher Shells kann man 60.000 Euro kalkulieren. Plus Auto, versteht sich.

Ein kräftiger 4×4 bringt die Kiste überall hin. Für die Stadt ist die Kombination gut geeignet, weil der Wagen nicht länger ist als jeder normale SUV. Will man einen Tagesausflug unternehmen oder den Standort wechseln, so braucht man nur herumfliegende Kleinteile einzusammeln, die Schranktüren zu sichern und die Leiter einfahren. Kaum Aufwand.
Wir würden eine Markise und eine Außendusche anbauen. Und die Aufhängung der Leiter verändern. Die hängt nur an drei Bändern und sackt bei jedem Ein- und Aussteigen etwas nach unten.
Der Rest war perfekt.

Geländegängig

Unser Mietauto – zu gerne würden wir mit so einem Teil noch einmal um Australien fahren.

Die Kosten
Als wir uns für eine geländegängige Variante interessiert haben, waren wir überrascht. So ein 4×4-Camper ist teurer als die kleinen Hiace-Bully-Camper, in denen man alles umbauen muss und nicht stehen kann.
Aber gleichpreisig oder sogar günstiger als Camper in Sprinter-Transit-Größe. Je nach Ausstattung. Die haben häufig eine Klimaanlage. Darauf können wir gut verzichten.

Camper: 31 Tage – 3.908,00 Euro (mit Rundumsorglos-Versicherung, zweitem Fahrer und Übernahme am Feiertag)
Campingplätze: 663 Euro (5 mal haben wir kostenlos gestanden)
Diesel: 208 Euro (wir sind nur 1.800 Kilometer gefahren, Verbrauch: 12.7 Liter auf 100 km)
Eintritte: 199 Euro
Essen und Trinken: 669 Euro (wir haben uns fast zu 100 Prozent selbst verpflegt)
Sonstiges: 116 Euro (Taxi, Bus und ein paar Kleinigkeiten)

 

Tja, Neuseeland, bedank dich bei deiner Immigration. Das hättest du verdienen können. :mrgreen: Genau so eine Runde hatten wir auf der Südinsel geplant.
Wir senden an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Employee 50.496. Ohne diesen Mitarbeiter und eure Bürokratie hätten wir dieses Juwel nie erlebt. Danke!
Es hat uns ausgezeichnet gefallen. Abwechslungsreich, einfach zu befahren. Gute Campingplatzdichte, phantastische Nationalparks.
Ein wenig wie die Südinsel, nur mit Kängurus und Eukalyptus. Der Mix ist reizvoll.
Wir haben Ecken ausgelassen. Auch solche, die unter den Top fünf rangieren. Macht nichts, das gibt Raum, um noch einmal wiederzukommen.

Wer hätte gedacht, dass die kleine Karte unten in der Ecke unserer Landkarte von Australien noch eine Verwendung findet?

Unser kleiner Australien-Altar am Navi-Tisch. :lol:
Es ist nicht mehr zu leugnen, wir sind für immer und ewig Australien-Fans. Etliche Gespräche drehten sich bereits  um eine zweite Runde. Nur wie und wann ist noch nicht geklärt …
Man wird ja noch träumen dürfen.

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Tarkine – Albtraumstrecke für Autovermieter

3. März 2026; Australien/Tasmanien/Tarkine/Granville Harbour; Tag 23, Tageskilometer 141, gesamt 1.376 km

Hinter dem letzten Haus von Arthur River hört alles auf, was man Straße nennt: Asphalt, Verkehr, Orte. Auf der Piste durch die ‚Tarkine‘ fährt man automatisch langsamer, selbst wenn man gar nicht müsste. Links Regenwald, rechts Regenwald. Mächtige Scheinbuchen und Huon-Kiefern. Überzogen mit Moos und Flechten. Dazwischen offene Buttongrass-Flächen. Die sehen aus, als hätte jemand eine grün-goldene Steppe in den Wald gemalt. Die Tarkine ist der größte zusammenhängende Regenwald in Australien. Ein Naturerbe vom Ur-Kontinent Gondwana.

Der Blick auf die Landschaft ist phantastisch.

 

Enge Straßen – macht nichts, es kommen uns in Summe nur drei Autos entgegen.

Vor 13 Monaten hat es leider großflächig gebrannt – ein neuer Austrieb von knapp 50 Zentimetern ist schon zu sehen.
Die Brände wurden durch Trockengewitter (Blitzeinschläge) ausgelöst und durch eine extreme Hitzewelle und Trockenheit im Januar und Februar 2025 angefacht. Besonders kritisch war, dass das Feuer bis auf wenige Meter an uralte Huon-Pine-Bestände herankam, die teilweise über 3.000 Jahre alt sind.

Für unsere Geduld zwei Nächte in Arthur River ausgeharrt zu haben, bekommen wir fetten Lohn. Die Sonne strahlt vom Himmel. Das macht die Fahrt einfacher. Vor uns liegen über einhundert Kilometer Schotterstraße. ‚Maps.me‘ sagt, wir sollen vier Stunden planen. Ein Schild am Straßenrand behauptet: Eine Stunde und 55 Minuten. Wir rätseln über die 55 Minuten. Wird das Schild jedes Mal ausgetauscht, wenn jemand einen neuen Rekord gefahren hat?
Am Ende brauchen wir gute drei Stunden.

Ich hatte uns diese Strecke vom Autovermieter extra genehmigen lassen. Nach den drei Stunden wundern wir uns, dass wir die Erlaubnis bekommen haben. Viele Schlaglöcher und einige heftige Steigungen überraschen uns. Es ist nicht so, dass unser Vehikel das nicht schaffen könnte. Aber die Schüttelei hält zehnfach aufs Material, wie wir leidvoll im großen Australien selber feststellen durften. Außerdem sind die Reifen am Mietauto keine echten Offroader. Ihnen fehlt ‚more aggressive‘.

Es wird bergiger.

Die vier Spanner, die unsere Wohnkabine auf dem Auto-Chassis halten, haben sich los gejackelt.
Mit dem Leatherman kann Achim Schlimmeres verhindern. Splinte fehlen. Bei zwei Spannern sind nur ein paar Gewindegänge genutzt.
Vielleicht sollte da mal ein Rigger oder Bootsbesitzer drauf schauen. ;-)

Wir erreichen Corinna am Pieman River gelegen. Die einzige Siedlung auf der Strecke.
Corinna wurde im Jahr 1881 gegründet, nachdem in der Region Gold entdeckt worden war. In seiner Blütezeit war es eine Pionierstadt mit über 2.500 Einwohnern. Es gab zwei Hotels, mehrere Läden, ein Postamt, eine Schule und sogar eine eigene Zeitung.

Da es damals keine Straßen in diesen Teil der Westküste gab, war Corinna der wichtigste Versorgungshafen für Minenarbeiter. Schiffe fuhren vom Meer kommend die Mündung des Pieman River hinauf, um Vorräte zu bringen und Erz abzutransportieren. Der Goldrausch hielt nicht lange an. Anfang des 20. Jahrhunderts war Corinna fast vollständig verlassen und verfiel zur Geisterstadt.
Heute ist Corinna ein geschütztes historisches Juwel: Einige der ursprünglichen Holzgebäude wurden restauriert oder im passenden Stil wiederaufgebaut. Man hat die Möglichkeit, im Urwald zu übernachten. Das würden wir gerne, aber der Zeltplatz (nur zehn Plätze) ist ausgebucht bis Ende März.

Eines der Resthäuser. Heute Eco Lodge. Ausgebucht auf Wochen.

Wir lassen uns in Corinna von der ‚Ein-Auto-zur-Zeit-Fähre‘ auf die andere Flussseite übersetzen. Die Fähre ist an dicken Stahlseilen geführt, die über den Pieman River gespannt sind. Ein alter Dieselmotor treibt die Fähre an. Früher musste man sich per Hand selber rüber ziehen.

Auf Knopfdruck kommt der Fährmann. Kostenpunkt stolze 18,00 Euro.

Wir fahren noch dreißig Kilometer weiter nach Granville Harbour. Eine kleine Gemeinde, vielleicht zwanzig Häuser, keine Geschäfte, keine Kneipe. Wir schauen uns den dazugehörigen Campingplatz direkt am Wasser an.
Liebe auf den ersten Blick. Der Weg zum Campingplatz ist sehr schlecht. Aber hier wollen wir unbedingt bleiben! Wir suchen uns einen Stellplatz noch vor dem eigentlichen Campingplatz. Es sind noch zweihundert Meter. Wir verzichten auf die Holperpiste. Unser Vermieter soll doch keinen Herzinfarkt erleiden, falls er in seinem Büro auf den Tracker schaut, wo sich sein Fahrzeug gerade befindet. :mrgreen:

Fast leer Platz – nur zwei weitere Camper stehen mit uns am Wasser.

Diese Strecke wollen wir dem Leihwagen nicht antun.

Ich mache noch ein paar Werbefotos für den Vermieter. Damit der weiß, wo sein Auto überall stehen kann.

Leise ist der Platz nicht – die Brandung tobt.

Wir schätzen drei Meter.

Neben der Bootrampe dieses Schild. Ungefährlich ist der „Hafen“ nicht. Die Wellen dürften hier 360 Tage im Jahr rollen.

Der Abend endet toll. Vor uns der Sonnenuntergang. Hinter uns ein paar Stunden später eine (fast) totale Mondfinsternis. Zu sehen im Osten Australiens diese Nacht.

Der Platz ist kostenlos. Es gibt eine Toilette und hinter den Dünen liegt ein weitverzweigter Off-Road-Spielplatz für Quads und andere 4×4-Fahrzeuge. Morgens kommt eine nette Dame mit einem Quad und reinigt die Toilette.
Warum die kleine Gemeinde Granville Harbour den Platz und die Rennpiste kostenlos zur Verfügung stellt? Sie könnten doch wenigsten 20 Dollar in einer Ehlichkeits-Box sammeln.
Wir haben keine Idee. Vielleicht um sichtbar zu bleiben/zu werden? Damit die Infrastruktur dort erhalten bleibt, wie Müllabfuhr und Handymast?

Wer dort durch ihre Dünen pflügt, ist den Anwohnern nicht ganz egal. Das Fahrzeug muss eine Straßenzulassung haben und der Fahrer einen Führerschein besitzen. Die bereits angelegten Tracks dürfen nicht verlassen werden. Und ganz wichtig – wir zählen drei Schilder: „Bitte fahrt unsere Kinder nicht tot.“

Eine nicht zu viel verlangte Bitte der Granville Harbour Bewohner.

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Wineglass Bay

12. – 14. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Coles Bay; Tag 4-6, Tageskilometer 207, gesamt 346 km

In vielen Ranglisten wird die Wineglass Bay unter die Top 10 der schönsten Buchten der Welt gezählt. Warum sie diesen Namen trägt, ist unklar. Ist es die perfekte Sichel, die an einen Weinkelch erinnert? Oder stammt der Name aus einer weniger romantischen Vergangenheit — vom Blut der Wale, die hier früher abgeschlachtet wurden und das klare Wasser wie Rotwein färbten?

Um die Bucht zu sehen, muss man sich einen Berg über etliche Stufen hochschnaufen. Wir sind nicht allein. Viele Besucher wollen diesen Blick. Zeitweise staut es sich förmlich. Und der Campingplatz-Wart hatte recht: Die Alten sind unterwegs. Das meistgesehene Wanderutensil sind Kniebandagen.

Wie Mönkebergstrasse

Umleitung für den Rückweg. Damit die Menschenmassen sich auf dem Weg nicht begegnen, gibt es für den Rückweg eine andere Strecke. 250.000 Besucher jährlich auf der Strecke. Alle heute da.

Die Alten sind unterwegs – und Achim! Mit zwei Kniebandagen. Hilft ihm sehr, sagt er.

Für die perfekte Sicht ist das Wetter heute nicht optimal. Die Sonne schafft es nicht durch die Wolken. Der weiße Sand will nicht leuchten. Auch der Blickwinkel ist nicht ideal. Die spektakulären Fotos dieser ikonischen Bucht entstehen meist aus der Luft.

Wineglass Bay – so versprechen es die Prospekte. foto credit: Luke Tscharke (freycinet.co.au)

Wineglass Bay wie es alle sehen.  Wenn wir nicht so segelfaul wären, könnten wir da unten ankern.

 

Die Wineglass Bay liegt im Freycinet Nationalpark auf einer verwinkelten Halbinsel. Überall tauchen überraschend neue Buchten auf. Besonders die Honeymoon Bay mit ihren rosa Granitfelsen gefällt uns. Nur noch als Attraktion dritten Grades gehandelt, ist es hier angenehm leer.

 

Honeymoon Bay

Extrem klares Wasser – übersät mit Austernschalen, vereinzelt Jakobsmuscheln dazwischen und Miesmuscheln.

Zwischen Selfies, Kniebandagen und den fließenden Besuchermassen merkt man aber immer noch, dass Freycinet hält, was die Listen versprechen. Die Buchten sind wild, rosa, türkis — und trotz aller Menschen noch nicht gezähmt.

Granitberge versperren noch den Blick auf die Wineglass Bay.

Tolle Aussichten auf tolle Buchten im gesamten Nationalpark.

Das ist kein Hof der Wohnwagen verkauft. Das ist der Campingplatz mit Wineglass Bay Besuchern. Es ist proppe voll …

– Campingplatz 33,50 Euro pro Nacht, powered.

 

Talk über einen 4×4 als Mietwagen

Als wir uns für Tasmanien begeistert haben, war schnell klar: Wir möchten ein Off-Road-Auto. Kein unbewegliches Wohnmobil, mit dem man schlecht parken und wenden kann. Wir wollten unsere Freiheit auch über zwölf Kilometer Schotter hinaus.
Wir dachten: Wer einen 4×4 mietet, sei frei. Falsch gedacht.
Auf Nachfrage bekamen wir den Hinweis, dass es für Ungeübte gar nicht so einfach sei, „off road“ zu fahren. Schwere Forstfahrzeuge könnten uns begegnen. Die Straßen seien schmal und hätten steile Schultern. Äste würden im Weg hängen.
Etwas umständlich formuliert stand dort im Grunde, auch mit einem Allradfahrzeug dürfen wir nur auf Asphalt unterwegs sein.

In der Zwischenzeit hatte ich schon tolle Wege abseits der Highways gefunden. Die sollten es nun auch sein. Achim hatte sich längst auf 4×4 eingeschossen.
Also habe ich die Strategie gegenüber der Vermietung geändert.
Beiläufig unsere Runde durch Australien erwähnt.
Zugesagt, dass wir weder an den Strand noch durch Flüsse oder „echte“ Off-Road-Strecken fahren würden. Wobei offen blieb, was Off-Road eigentlich bedeutet. Das ist ungefähr so schwammig wie „Outback“. Jeder versteht etwas anderes darunter. ;-)
Zusätzlich habe ich die von uns gewünschten Straßen namentlich genannt, damit der Vermieter überhaupt versteht, was wir vorhaben. Das alles hat geholfen. Wir bekamen die Erlaubnis, auf unbefestigten Straßen zu fahren. Sehr gut.

Eine Einschränkungen ist geblieben: Bei einem Überschlag stehen wir in der Vollhaftung.
Da wir das nicht vorhaben und das Risiko für kalkulierbar halten, haben wir uns für den Off-Roader entschieden.

Unsere erste Schotterpiste – 40 Kilometer Wald, statt 80 Kilometer Highway. Könnte auch jedes Wohnmobil fahren, ist aber nicht erlaubt.

Die Frau in der Vermietung hat natürlich Recht. Wie auch in Festland-Australien, kann man schon mal in Schieflage geraten. Bei dem kopflastigen Auto, muss der Fahrer aufpassen. :mrgreen: Der Bundy war da einfacher zu kontrollieren.

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Überraschende Touristen-Schwemme

11. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Sunset Beach Holiday Spot; Tag 3, Tageskilometer 60, gesamt 139 km

Von Port Arthur fahren wir in den Fortescue-Nationalpark. Einen Parkpass (56 Euro, für zwei Monate gültig) haben wir gleich bei der Autovermietung mitbestellt.
Bis zum Campingplatz sind es nur achtzehn Kilometer. Davon sind zwölf nicht asphaltiert. Angeblich zwölf Kilometer! In echt sind es dreizehn. Das ist ein Trick. Die meisten Autovermietungen sowohl in Australien als auch in Tasmanien erlauben, nur zwölf Kilometer Gravel Road mit nicht 4×4-Wagen zu befahren. Und das auch nur, wenn der Weg unmittelbar zu einer Sehenswürdigkeit oder einem Campingplatz führt. Bei dreizehn Kilometern ist man als Mieter sofort in der Vollhaftung.

Die Straße ist für alle Fahrzeuge leicht zu befahren. Es staubt nicht mal richtig australisch. Der Fortescue-Nationalpark ist sehr beliebt. Landschaftlich der Hammer und nahe an Hobart gelegen. Und dank der 12-Kilometer-Mogelei für Wohnmobile ebenfalls erreichbar.
Und dann passiert uns, was in Australien in 14 Monaten nur ein einziges Mal vorgekommen ist: Der Platz ist ausgebucht! Keine Chance für uns, dass wir uns irgendwo dazuquetschen. Oh-hah.

13 Kilometer Gravel Road – machbar auch für Wohnmobile. Leider ;-)

Ganz am Rand können wir noch einen Blick auf den Fortescue-Nationalpark erhaschen.

Wir schauen in Wiki-Camps, der Camping-App für Australien, nach Alternativen. Die gibt es an der Küste reichlich. Die Entscheidung fällt auf Maria Island. Eine autofreie Insel. Ebenfalls sehr beliebt und Touristenmagnet.
Ein Blick in das Personenfähren-Buchungssytem sorgt für Ernüchterung. Alle Fährtouren sind für die nächsten sechs Tage ausgebucht. Och-nee.
Die Ferien sind doch vorbei. Was soll das? Wir schlucken die Kröte. Was können wir machen? Nichts! Fortescue und Maria Island streichen wir von der Liste.

Wir suchen uns einen x-beliebigen Campingplatz, um uns neu zu sortieren. Der Camp-Wart legt noch eine Schippe drauf: „Wenn die Ferien vorbei sind, dann kommen die Alten. Die Saison dauert noch mehr als vier Wochen. Und achtet drauf, ein langes Wochenende steht vor der Tür, dann ist alles richtig voll.“ So ein Scherzbold.

Beliebiger Platz direkt am Strand – eine gute Wahl. Der Wind von gestern hat zugelegt, es ist frostig.

Wir haben angenommen, dass Tasmanien noch in einem Touristen-Tiefschlaf steckt. Neuseeland wurde in den letzten zwanzig Jahren überlaufen. Das wussten wir.
Aber wer fährt schon nach Tasmanien? Jetzt wissen wir es: Es sind die Festland-Australier, die zu ihren zweiköpfigen Brüdern kommen. Über 90 Prozent der Touristen sind Aussies.

Wir aktivieren eine Telefonkarte, die wir in einem Gemischtwarenladen kaufen konnten. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Buchungssysteme der Campingplätze häufig ‚ausgebucht‘ zeigen, dass aber per Telefon die Lage ganz anders aussieht.

Bei Highlight Nummer drei auf der Ostseite sind wir per Telefon tatsächlich erfolgreich. Das Online-System zeigt ‚voll‘, aber die Dame hat noch einen Platz für uns: „Ohne Wohnmobil kein Thema, wir haben zwei Plätze, die klein sind.“
Wir gratulieren uns zu unserer Karre.
Morgen also Wineglass Bay. Eigentlich ausgebucht! Geht doch.

– Campingplatz 12 Euro ohne Strom

Auto Talk – ein paar Details über unser neues Zuhause

Unser Wagen ist klasse. War die Übergabe auch speziell, so gibt es sonst nichts zu meckern. Mückengaze vor den Fenstern. Alles, was man zum Kochen benötigt, ist dabei. Sogar einen Gurkenhobel und Sparschäler. Ein Starterkit mit Lappen, Müllbeuteln und Geschirrspülmittel. Handfeger und Schaufel.
Die Töpfe sind albern klein. Damit kann man nicht einmal ein Pfund Nudeln kochen. Aber wir sind sehr zufrieden.

Wenn man die vier Stufen hoch klettert, steht man direkt im „Wohnraum“. Kühlschrank, Spüle, Schubladen und Schränke mit Geschirr. Pass gut. Neben dem Kühlschrank eine von zwei Sitzbänken.

Der Blick vom Bett aus: Viel Ablagefläche. Im Schrank darüber finden alle Kleinigkeiten Platz, wie Salz, Öl und so weiter.

Der Tisch vor dem Bett, zum Ausziehen, aber ohne Stütze. Erst dachten wir, das hält gar nicht. Aber die Platte ist sehr lang und sehr dick. Alles fein.

Das Bett ist bequem und lang genug, da wir nicht quer zum Auto schlafen. Gasheizung, 80 Liter Frischwasser und Warmwasseraufbereitung inklusive.
Die Puppenstube ist ein Raumwunder. Unsere Klamotten, Handtücher und persönlichen Sachen sind wir spielend losgeworden. In den Außenfächern lagern bequem die beiden Koffer. Und ein Karton Bier. ;-)

Das Bett. 1,40 Meter breit. Passt gut für uns. Links und rechts sind Klappen mit viel Stauraum-Volumen. Natürlich bekommen wir die Decke nicht wieder so glatt, somit kann man die Schränke rechts und links nur öffnen, wenn man die Decke runterdrückt. Kleinigkeiten.

Die eine Außenklappe. Wie durch ein Wunder passen zwei Kartons aus dem Supermarkt und der Bierkarton genau neben einander. Besser kann man es nicht machen. :mrgreen: Lager für Obst und Gemüse und Konserven.

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Das Video unserer Rundreise in Australien

06.10.2025; Neukaledonien/Baie Papaye; Tag 4.146; 29.307 sm von HH

Wir ankern immer noch in der Lagune. Herrlich türkisene Tage.

Aber heute gibt es keine Strandfotos, sondern einen Blick zurück nach Australien.
Das Video über unsere komplette Rundreise ist fertig. Das Abenteuer im Abenteuer – die Simpson-Wüste – wurde ja bereits gewürdigt. ;-)

Vierzehn Monate in einen Film zu bringen, war eine Herausforderung. Neben einigen Video-Schnipseln hatte ich die Auswahl von 9.000 Fotos. Verteilt auf 132 Ordner.
Knapp 2.000 Fotos haben es in die engere Wahl geschafft; 400 davon in die Endfassung.
„Kill your darling“, eine gut gemeinte Video-Schneide-Regel. Aber von welchem liebgewonnenen Foto soll ich mich trennen? Das sind schwierige Entscheidungen.
Hunderte Male habe ich die Fotos verschoben und neu sortiert. Die Standzeiten wieder und wieder verändert. Zwei Sekunden oder besser nur eine?

Ein Panorama unseres großen Abenteuers. Das Ergebnis ist in sechzehn Minuten zusammengefasst. Ich glaube, dass es schöne Minuten geworden sind. Sie zeigen die tollsten Ausblicke und Momente, die wir unterwegs hatten.

Ich wünsche Euch viel Spaß damit.

#32 In 14 Monaten rund um Australien

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