Kategoriearchiv: Australien

Vanuatu ==> Australien – Tag 1

16.10.2026; Pazifik/Coral Sea; Tag 4.521; 30.261 sm total

Atanga, unser treues Mädchen, lässt es sich nicht nehmen, uns zwei Leckerbissen mit auf den Törn zu geben:

1. Komplettausfall der Windanzeige.
Bereits kurz nach unserer Ankunft in Vanuatu zeigten sich die ersten Ausfälle. Wie schon zwischen Neuseeland und Fiji war es ein langsames Sterben. Die neue Platine am alten Arm ist erst fünfzehn Monate in Betrieb gewesen. Grrr. Beste Grüße an dieser Stelle an Raymarine.

Wir segeln nun ohne Windanzeiger. Machbar, wenn auch bei Manövern etwas unpraktisch. Bei Böen kann es allerdings ganz schön sein, wenn man im Unklaren über die wahre Stärke gelassen wird.

2. Unser Kugelventil für die Toilette ist defekt.
Der kleine Stift im Inneren, der beim Bewegen vom Griff die Kugel dreht, ist abgebrochen. Die Öffnung ist auf ‚halb geöffnet‘ stehen geblieben. Bemerkt haben wir es, weil wir plötzlich weniger Wasser zum Spülen hochpumpen konnten. Die Toilette ist weiterhin nutzbar. Abpumpen funktioniert wie immer. „Nicht wie ein Pferd am Hebel pumpen“, lautet die neue Betriebsanleitung.
Das Ventil ist nun auch auf See dauergeöffnet. Natürlich segeln wir auf dem Bug auf dem sich die Toilette befindet. Ob die Kloschüssel bei ordentlich Schräglage überlaufen wird, bleibt abzuwarten. Bis jetzt ist alles okay.
Falls wir zu schräg segeln, wird Achim den Zulauf zur Toilette vom Ventil trennen, verstopfen und gespült wird dann mit köstlichem Trinkwasser.

Kugelventil

Bei bestem Wetter und achterlichem Wind legen wir von der Mooring ab. Wir motoren den Meerarm von Luganville Richtung offenen Ozean. Wir erwarten leichte Winde, wollen die Genua setzten. Da legt Atanga uns noch ein unerwünschtes Ei ins Nest.
Die Genua lässt sich nicht entrollen. Achim macht ein Fall im Masttop aus, was sich mit einer Wicklung um die Reffanlage geschlungen hat. Ihm steht wenig der Sinn nach einer Mastkletterei. Ein paar Wackelversuche, das Lösen vom Fall und Drehen der Anlage von Hand haben Erfolg. Die Genua entrollt sich wieder.

Fehlerdiagnose per Fernglas.

Einige Kaps und Inselchen können wir bereits segelnd umfahren. Dann sind wir auf Kurs. Es läuft gut. Noch sind wir im Windschatten von zwei Inseln. Glatte See.
Der Wind kommt zunehmend seitlicher. Zu seitlich für die ausgebaumte Genua. Sie flattert ärgerlich im Wind. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Wir setzten das Groß und die Fock. Der Baum für die Genua bleibt stehen. Den brauchen wir bestimmt noch. Mit Fock und Groß sind wir leider deutlich langsamer. Einen knappen Knoten. Okay, das ist nicht zu ändern.

Die Passage ist sowieso ein Ritt, möglichst gegen die Ankunft am nächsten Wochenende. ‚Overtime‘ heißt das Zauberwort. Sowieso schon hohe Einklarierungsgebühren werden bei Ankunft glatt verdoppelt. Bummeln oder Gas geben? Wie es scheint, hat die Windrichtung bereits früh entschieden.

Tag 1
132 sm
1.118 sm Rest
Windstärke: 4 bis 5 ohne Böen
Wellen: schräg von hinten, eigentlich zu hoch für den Wind, wir rollen ordentlich
Essen: Kartoffelsalat, Krautsalat und kalte gebratene Hühnchenbrust
Position: 15°53,2 S / 164°38.7 E

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Schietwetter in Vanuatu – zum Glück gibt es Tasmanien.

25.08.2026; Vanuatu/Espiritu Santo/Palikulo Bay; Tag 4.469; 30.106 sm total

Von Fiji bis zu den Salomonen zieht sich ein Wolkenband. Wobei „Wolkenband“ die Situation ziemlich verniedlicht. Die Wolkendecke ist so dick, dass selbst Starlink nur mühsam den Kontakt zur Außenwelt hält.

Ein Wolken“band“ von über 2500 Kilometer Länge. Wir haben Kontakt zu Seglern sowohl in Fiji als auch Salomonen: Alle berichten von dem gleichen schlechten Wetter.
Ab Morgen soll es besser werden.

Wir waren seit über einer Woche nicht von Bord.  Grau, grau, grau. Regen, Niesel, Regen. Und Wind. Homeoffice ist angesagt. Damit der Bordkoller nicht zuschlägt und irgendwann böse Worte fallen, beschäftigen wir uns mit Dingen, die gute Laune machen. Und so ist zwischen Wind und Regen etwas Schönes entstanden.

Vielleicht ist bei Euch ja auch Schietwetter? Dann ab aufs Sofa und kommt mit uns auf die Reise — der Film über unsere Tasmanien-Rundreise ist fertig.

Viel Spaß beim Anschauen.

Der You-Tube-Link behauptet „Fehler bei der Konfiguration des Videoplayers. Fehler 153.“
Warum das so ist, können wir im Augenblick nicht herausfinden. Der Link funktioniert tadellos.

#34 Tasmanien – Einmal rund im 4×4 Camper.

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Tasmanien – unser Fazit

9. Feb. – 11. März 2026; Australien/Tasmanien

Wer die Südinsel Neuseelands mag, wird Tasmanien lieben!
Vieles erinnert an die Nachbarinsel: Baumfarne, weiße Strände und knorrige Küstenwälder mit vom Wind gebeugten Bäumen. Tasmanien wird oft als die „wildere kleine Schwester“ der neuseeländischen Südinsel beschrieben.
Kaum zu glauben, der Westen Tasmaniens ist noch weniger besiedelt als das undurchdringliche Fjordland und die Catlins auf der Südinsel.

Das Wetter
31 Tage Tasmanien und wir haben es geschafft, dem Wetter aus dem Weg zu gehen. Normalerweise läuft das anders: Du kommst an die Westküste – Regen. Du willst wandern – Regen. Du willst spektakuläre Aussichten sehen – heute geschlossen wegen Nebel.
Und dann kommen wir: ein verregneter Nachmittag, ein verregneter Vormittag und der nasse Abschlusstag, der sowieso nicht mehr zählt.
Ich könnte behaupten, das sei gute Planung gewesen. ;-) Richtige Reisezeit, richtige Route. Nein, es war pures Glück, gegen jede Statistik.
Wir lieben Australien und Tasmanien hat uns scheinbar auch sehr gern.

Landschaft und Tiere
Tasmanien fehlen die schneebedeckten Alpen. Da hat Neuseeland die Nase vorn. Das macht Tasmanien mit seiner Tierdichte wieder weg. Der „Zoo ohne Zäune“ gegen Neuseeland, das Vogelparadies. Wobei es nur wenig Menschen geben dürfte, die jemals einen Kiwi zu Gesicht bekommen haben.

Bay of Fire.
Der Osten ist deutlich sanfter. Lieblicher.
Sogar das Meer ist hier zwei bis vier Grad wärmer. Eine Restströmung der Coral Sea aus dem großen Australien sorgt dafür.

Der wilde Westen.

Cradle Mountain

Der einsame Nordosten, der raue Westen und Cradle Mountain haben uns am besten gefallen.

Banksia in voller Blüte.

Verrückte Eukalyptusblüten. Ganze Straßenzüge waren rosa-rot von den abgefallenen Blüten.

Unsere Wunschliste an Tier-Sichtungen darf als abgearbeitet gelten. Wombats, Pinguine, Nasenigel und unzählige Kängurus in verschiedenen Größen. Vom Bus aus in Cradle Mountain konnten wir sogar eine ‚Tiger Snake‘ erhaschen. Der Besuch in der Auffangstation für den Tasmanischen Teufel war ein Highlight. Ihr Verhalten hat tatsächlich etwas Teuflisches. Die süßen roten Ohren sind nur zum Antäuschen.

Immer wieder Kängurus.

Die roten Ohren haben die Teufel, wenn sie sich aufregen oder sich abkühlen. Also eigentlich immer.

Ein verirrter Teufel im Camper.

Der Camper
Ich kann unseren Wagen gar nicht genug loben. Perfekt für zwei Erwachsene. Obwohl einer von uns Überlänge hat. Durch die integrierte Toilette gilt er als ‚self containted‘, man darf also überall damit campen. Die Toilette haben wir tatsächlich nicht benutzt. Wir haben darauf geachtet, dass alle Stellplätze über eine Toilette verfügen.
Hätten wir die Gelegenheit, noch einmal um das große Australien zu fahren, wäre das unsere Wahl. Die Kabine mit dem Tisch und Sitzbänken plus  Bett bietet einen idealen Rückzugsort bei schlechtem Wetter. Ein etwas anderer Schnack als das Dachzelt.

Das Auto innen. Due Verarbeitung ist nicht High-end-Qualität, aber alles da, was wir gebraucht haben.

Die Camper-Shell ist gut durchdacht.
Unsere Shell ist von ‚Pinguin‘, ein tasmanischer Hersteller. Nicht der teuerste, der solche Aubauten herstellt. Camper-Shells von anderen Anbietern gibt es auch zum Einklappen oder mit einem Pop-up-Dach.
Für die teuerste Varianten solcher Shells kann man 60.000 Euro kalkulieren. Plus Auto, versteht sich.

Ein kräftiger 4×4 bringt die Kiste überall hin. Für die Stadt ist die Kombination gut geeignet, weil der Wagen nicht länger ist als jeder normale SUV. Will man einen Tagesausflug unternehmen oder den Standort wechseln, so braucht man nur herumfliegende Kleinteile einzusammeln, die Schranktüren zu sichern und die Leiter einfahren. Kaum Aufwand.
Wir würden eine Markise und eine Außendusche anbauen. Und die Aufhängung der Leiter verändern. Die hängt nur an drei Bändern und sackt bei jedem Ein- und Aussteigen etwas nach unten.
Der Rest war perfekt.

Geländegängig

Unser Mietauto – zu gerne würden wir mit so einem Teil noch einmal um Australien fahren.

Die Kosten
Als wir uns für eine geländegängige Variante interessiert haben, waren wir überrascht. So ein 4×4-Camper ist teurer als die kleinen Hiace-Bully-Camper, in denen man alles umbauen muss und nicht stehen kann.
Aber gleichpreisig oder sogar günstiger als Camper in Sprinter-Transit-Größe. Je nach Ausstattung. Die haben häufig eine Klimaanlage. Darauf können wir gut verzichten.

Camper: 31 Tage – 3.908,00 Euro (mit Rundumsorglos-Versicherung, zweitem Fahrer und Übernahme am Feiertag)
Campingplätze: 663 Euro (5 mal haben wir kostenlos gestanden)
Diesel: 208 Euro (wir sind nur 1.800 Kilometer gefahren, Verbrauch: 12.7 Liter auf 100 km)
Eintritte: 199 Euro
Essen und Trinken: 669 Euro (wir haben uns fast zu 100 Prozent selbst verpflegt)
Sonstiges: 116 Euro (Taxi, Bus und ein paar Kleinigkeiten)

 

Tja, Neuseeland, bedank dich bei deiner Immigration. Das hättest du verdienen können. :mrgreen: Genau so eine Runde hatten wir auf der Südinsel geplant.
Wir senden an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Employee 50.496. Ohne diesen Mitarbeiter und eure Bürokratie hätten wir dieses Juwel nie erlebt. Danke!
Es hat uns ausgezeichnet gefallen. Abwechslungsreich, einfach zu befahren. Gute Campingplatzdichte, phantastische Nationalparks.
Ein wenig wie die Südinsel, nur mit Kängurus und Eukalyptus. Der Mix ist reizvoll.
Wir haben Ecken ausgelassen. Auch solche, die unter den Top fünf rangieren. Macht nichts, das gibt Raum, um noch einmal wiederzukommen.

Wer hätte gedacht, dass die kleine Karte unten in der Ecke unserer Landkarte von Australien noch eine Verwendung findet?

Unser kleiner Australien-Altar am Navi-Tisch. :lol:
Es ist nicht mehr zu leugnen, wir sind für immer und ewig Australien-Fans. Etliche Gespräche drehten sich bereits  um eine zweite Runde. Nur wie und wann ist noch nicht geklärt …
Man wird ja noch träumen dürfen.

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Zu guter Letzt noch Hobart

09.-11. März 2026; Australien/Tasmanien/Hobart; Tag 29-31, Tageskilometer 128, gesamt 1.824 km

Es geht gemütlich zu in Hobart, obwohl an unserem ersten Tag ein Kreuzfahrer an der Pier liegt. Die Passagiere werden von energischen Damen mit Warnweste so geleitet, dass sie nicht den Autoverkehr behindern. Wir werden kräftig angeschnauzt, weil wir uns nicht an die Cruiser-Regeln halten.

Gemütlicher Hafen – viel erinnert an Neuseeland, an Wellington. Viele Segelboote und Langustenfischer liegen im Hafen.

Hobart ist nach Sydney die zweitälteste Stadt Australiens. Die alten Sandsteinspeicher beherbergen heute schicke Bars und Galerien. Jeden Samstag findet dort ein prachtvoller Markt statt, den wir leider verpassen. Aber die Atmosphäre schwappt über.

Salamanca – die ehemaligen Lagerhallen.

Salamanca hat eine schöne Atmosphäre.

Statue: die Jagd nach dem perfekten Foto.

Oberhalb des Hafens liegt Battery Point. Ein Dorf in der Stadt. Zu erreichen über steile Steintreppen, direkt in die Klippen gehauen. Die alten Lagerhäuser hatten Keller, die direkt mit dem Wasser verbunden waren. Ideal, um Rum-Fässer an der Polizei vorbeizuschleusen. In den verwinkelten Gassen gab es Geheimgänge zwischen den Häusern. Razzia im Vorderhaus? Kein Problem, man spazierte mit seinem Drink einfach durch eine versteckte Tür im Kleiderschrank zum Nachbarn rüber. Die örtliche Kirche wurde von einem verurteilten Fälscher namens James Blackburn entworfen. Er hat die Architektur einfach so gut „nachgemacht“, dass Hobart heute wie ein englisches Dorf aussieht, das versehentlich hier gelandet ist.

Battery Point

In Battery Point finden wir den Arthur Circus. Es ist einer der wenigen Orte weltweit, an dem die Häuser in einem perfekten Kreis um einen Dorfplatz gebaut wurden. Ursprünglich war es für pensionierte Offiziere gedacht, die sich nichts Großes leisten konnten. Eines der Häuser ist gerade mal sechs Meter breit. Heute kosten diese „Puppenhäuser“ bis zu eine Million Euro.

Arthurs Circus

Der zweite Tag gehört dem Naturkunde-Museum. Eine kleine Ausstellungen bei freiem Eintritt. Die Hauptattraktion ist die Galerie über den tasmanischen Tiger.

Lange Zeit dachte man, die Überreste des letzten tasmanischen Tigers, der 1936 im Hobart-Zoo starb, seien verloren gegangen. Erst 2022 hat man das Fell und das Skelett dieses Tieres in einem Museumsschrank wiederentdeckt! Es war dort jahrzehntelang gelagert, ohne korrekt als „das Letzte seiner Art“ katalogisiert zu sein.
Wer kennt das nicht? Nie hat man Zeit, um Ordnung im Keller zu machen. :mrgreen:

Der letzte seiner Art.

 

Besonders eindrücklich sind die Original-Dokumente aus dem 19. Jahrhundert. Die Regierung zahlte damals 1 Pfund pro totem Tiger. Man zahlte den Jägern also mehr als einen Wochenlohn, um eine Spezies auszurotten. Nur 20 Jahre später waren Zoos bereit, über 150 Pfund pro lebendem Tier zu zahlen. Zu spät. :cry:
Das Museum zeigt diese Belege als mahnendes Beispiel dafür, wie schnell eine systematische Jagd zum Aussterben führt.

Tasmanische Tiger im Zoo von Hobart. Wie es sich für einen Australier gehört, haben die Tiere natürlich einen Beutel.

Während die Wissenschaft den Beutelwolf offiziell für ausgestorben erklärt hat, sieht die Realität in den Köpfen der Australier ganz anders aus. Besonders die „Doppelköpfigen“ auf Tasmanien lassen sich ihren Tiger nicht nehmen – und die Gerüchteküche brodelt 2026 heftiger denn je.

Die neuesten Berichte kommen plötzlich vom Festland! Im Riverland und bei Melbourne wollen Zeugen das markante Hinterteil und diesen seltsam „hüpfenden“ Gang gesehen haben. Ein Wärmebild-Clip aus den Yarra Ranges sorgt für Schnappatmung. Man sieht… etwas. Experten streiten: Ist es ein räudiger Fuchs oder das Wunder mit dem gestreiften Fell?

Statistisch liegt die Chance bei unter ein Prozent, dass der Tiger noch da draußen ist. Aber solange es noch unentdeckte Täler gibt, bleibt der Tiger der ultimative Star der tasmanischen Wildnis. Man sieht ihn nie, aber jeder kennt jemanden, der ihn gesehen hat.
Wir haben tatsächlich eine Frau in Cradle Mountain gesprochen, die uns erzählte, dass ihr Mann „besessen sei von Sichtungen“.

Am letzten Tag regnet es. Das spart uns, den Wagen noch einmal in die Waschanlage zu fahren. Wir packen unsere Sachen, gehen noch einmal „Power-Shoppen“ (Klamotten kaufen, funktioniert super in Australien) und liefern das Auto ab.
Die Abnahme verläuft absolut entspannt. Der ältere Herr lässt nicht mal die Leiter runter, um in die Wohnkabine zu gucken. „Getankt, Gast aufgefüllt?“ Wir nicken.
Er nickt ebenfalls und fährt uns dann auch noch zu unserer Cabin am Flughafen. Das entschädigt für die etwas raue Übergabe vor einem Monat.

Typische Cabins auf australischen Campingplätzen. Hier in Hobart weltklasse. Super sauber und gut ausgestattet in der Küche.

Unser Flug zurück zu Atanga geht um 6:00 Uhr morgens. Eine undankbare Zeit. Unser bestelltes Taxi soll um 4:15 Uhr kommen. Wir stehen bei frischem Wind am Eingang vom Campingplatz. Das Taxi kommt nicht. Wie lange sollen wir warten? Ich sehe mich schon im Stechschritt mit Koffer und Rucksack die zwei Kilometer zum Flughafen stapfen. Dann die Erleichterung: Scheinwerfer tauchen in der Dunkelheit auf.
Zwölf Stunden später sitzen wir wieder auf unserem schwimmenden Zuhause.

Schön war‘s. Ein Fazit folgt …

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In den Highlands: Wo Rindviecher auf Roboter treffen

8. März 2026; Australien/Tasmanien/Bethume; Tag 28, Tageskilometer 55, gesamt 1.696 km

Wir fahren eine gute Stunde weiter und finden einen weiteren Stausee. Und einen weiteren kostenlosen Stellplatz. Auch dieser gehört zu „Hydro Tasmania“. Dieses ist der staatliche Energieversorger und einer der größten Land- und Wasserbesitzer Tasmaniens.
Hydro bewirtschaftet die Seen für Wasserkraft und stellt die Uferbereiche für die Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung – quasi als Gegenleistung dafür, dass sie die Natur für die Energiegewinnung nutzen. Ein moderner Ablasshandel für die Energiegewinnung: Solange ihr euren Müll mitnehmt, haben wir einen Deal mit euch.

Der Blick aus der Camper-Tür. Der nächste Ort ist acht Kilometer entfernt. Ein netter Platz mit zwanzig Mitcampern auf trockener Wiese.

Dass es sich um einen Stausee handelt, ist nicht mehr zu erkennen. Malerisch liegt dieser eingebettet in die hügelige Landschaft der Highlands. Die Waldgebiete liegen hinter uns. Viehwirtschaft dominiert. Früher hauptsächlich Schafe, heutzutage Black-Angus-Rinder. Diese stehen fotogen in der Landschaft und ahnen nichts von ihrer Zukunft: zartschmelzendes Fleisch auf tasmanischen Grills.

Wir sind keine zwei Autostunden von Hobart entfernt. Die Vögel über dem Camper sind Kakadus.

Angus – noch ahnungslos und glücklich drein schauend.

Die gesamte Region hat seit Jahrzehnten mit abnehmenden Niederschlägen zu tun. Abhilfe schaffen effiziente Beregnungsanlagen, die „Center-Pivot-Anlagen“. Das System besteht aus einem mobilen Rohrarm, der an einem festen Mittelpunkt verankert ist. Der Arm ruht auf fahrbaren Türmen mit Elektromotoren. Damit sich der Arm nicht verbiegt, steuert ein Computer die Geschwindigkeit jedes einzelnen Turms. Der äußerste Turm muss logischerweise viel schneller fahren als der innerste. Entlang des Rohrs hängen Sprinkler. Die Düsenöffnungen werden nach außen hin immer größer oder die Abstände geringer, weil die äußeren Düsen in derselben Zeit eine viel größere Fläche abdecken müssen als die inneren.

Hightech vom Feinsten. Es gibt gigantische Anlagen mit über 800 Metern Radius, die bis zu 200 Hektar mit einer einzigen Umdrehung abdecken. Eine Grenze setzt nur die Statik des Rohrarms. solche Anlagen gibt es schon Jahrzehnte, aber die neuen Generationen sind KI-gesteuert. Kontrolliert mit dem Smartphone vom Sofa aus.

Dies ist eine kleine Anlage.
Sie entscheidet basierend auf integrierten Wetterstationen in Echtzeit, ob sie die Geschwindigkeit drosselt oder erhöht. Wenn eine Gewitterfront aufzieht, stoppt das System automatisch, um Wasser zu sparen.

Die Highlands von Tasmanien.
Ohne Bewässerung ist das Gras im tasmanischen Sommer oft braun und im Wachstums-Stopp. Mit Bewässerung kann die Menge der Tiere pro Hektar locker verdoppelt oder sogar verdreifacht werden. Kostenpunkt einer kleinen Beregnungsanlage: 100.000 Euro.

Auch der Ackerbau in der Region wird ‚remote‘ kontrolliert. Selbstfahrende Trecker pflügen exakte Furchen in die Erde. Bis auf zwei, drei Zentimeter genau. Mit Drohnen werden die Felder überwacht. Sensoren messen die Photosynthese-Aktivitäten der Pflanzen.
Bauer Harms sieht auf einer digitalen Karte, welche Stellen auf dem Feld Stress haben (Wassermangel, Stickstoffmangel oder Schädlingsbefall). Dann kommt eine zweite Drohnengattung zum Einsatz: die Dünger- und Pestizid-Sprüher. Bis 50 Liter Flüssigkeit können diese Drohnen tragen und sprühen nur die Bereiche auf dem Acker, die es nötig haben.

Von dem digitalen Wettrüsten merken wir nicht viel. Es ist ländlich-idyllisch. Die Schafe grasen unbeeindruckt auf der Weide. Brombeerranken haben die Feldränder erobert. Innerhalb einer halben Stunde könnten wir zwei Kilo Früchte sammeln. Hagebutten zeigen erste rote Bäckchen. Beide Pflanzen gehören hier nicht her. Es sind echte Pestpflanzen, im 19. Jahrhundert von den Siedlern aus Europa mitgebracht worden.
Für uns wirken sie vertraut. Und plötzlich weht ein Hauch Dänemark über die Hightech-Felder der Highlands. Wir könnten auch auf Fünen sein, wäre da nicht das laute Kakadu-Geschrei.

Das Wetter droht seit zwei Tagen mit Regen – aber es bleibt trocken :-) Sehr lange Brücke mit nur einer Fahrbahn zum Campingplatz.

Diese Verkaufsanzeige sehen wir beim Ströpern durch die Feldmark.
25 Hektar Land, zum Teil mit Wein. Hübsches Haus mit sechs Zimmern und zwei Bädern. Das Haus ist von der Straße aus nicht zu sehen.
Zufällig finden wir ein paar Tage später in Hobart beim Immobilienmakler im Fenster dieses Angebot wieder: knapp 2,5 Millionen Euro.
Aber schon schön. Und Tasmanien kann auch grün sein. ;-)

Sollen wir das Prachtgrundstück kaufen oder doch lieber zum Schiff zurückkehren?

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