Archiv der Kategorie: Auf See

In Cuenca

Fr., 26.Okt.18, Ecuador/Cuenca Tag 1609, 13.337 sm von HH

In Ecuador herrscht ein ewiger Wettkampf, ob Quito oder Cuenca schöner ist. Unesco Kulturerbe sind sie beide und ebenfalls fast gleich alt: ungefähr 500 Jahre.
Cuenca ist mit 350.000 Einwohnern nur 15% so groß und hat für uns schon daher die Nase vorne. Vom Busbahnhof brauchen wir nicht eine halbe Stunde, sondern sind mit dem Taxi in fünf Minuten an unserem Hostal. Das liegt ruhig am Rand der Altstadt, direkt am Rio Tomebamba, der sich durch die Stadt schlängelt.

Der Tomebamba schlängelt sich durch Cuenca

Der Tomebamba schlängelt sich durch Cuenca

Amaryllis auf der falschen Seite der Fensterbank in unserem Hostal

Amaryllis gehören doch innen auf die Fensterbank? In unserem Hostal sind es die Balkonblumen. :-)

Altes Gemäuer gibt es genug in Cuenca und für jeden Sonntag eine andere Kirche. Eine moderne Straßenbahn steht kurz davor in Betrieb genommen zu werden. Junge Leute, die optisch auch in Hamburg leben könnten, Sneakers, kaputte Jeans und modische Brillen in Sandwich-Optik, flanieren neben Indigena in traditionellen Klamotten. Quito hat mehr Prunk, Cuenca mehr Ruhe und Charme.

Das mächtige Portal der Kathedrale

Das mächtige Portal der Kathedrale

Wir haben uns aus Vilcabamba um tausend Höhenmeter auf 2550 Meter hoch gearbeitet. Im wahrsten Wortsinn. Der Bus hätte gut fünfzig PS mehr gebrauchen können, dann hätten wir für die 250 Kilometer vielleicht eine Stunde weniger gebraucht. Endlos ziehen sich die Schleifen, Biegungen und Steigungen die Anden entlang.
Statt Landwirtschaft, wie im Norden, wird hier hauptsächlich Viehwirtschaft betrieben. Unsere Holsteiner Schwarzbunte hält sich tapfer an den steilen Hängen. Dazwischen gibt es Abschnitte, da hat Ecuador den Anden ganz schön übel mitgespielt. Etliche Berge zeigen anklagend ihre von Erosion kaputte Flanken. Je näher wir Cuenca kommen, desto besser wird es. Großflächig hat eine Wiederaufforstung mit Kiefern stattgefunden.

Nach sechst Stunden empfängt Cuenca uns mit strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Selbst abends reicht eine dünne Jacke. Ganz klar, auch hier gewinnt Cuenca gegenüber Quito.

Tradition in Cuenca

Tradition in Cuenca

Ein Segel-Video ist online

Di.,25.Sep.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1578, 13.337 sm von HH

Die Fototapeten-Inseln ‚San Blas auf der Karibikseite von Panama und die nicht minder schönen ‚Las Perlas‘ im Pazifik. Dazu segeln mit Rundnasen-Delphinen und trampenden Tölpeln. Und mit Neptun an Bord, der extra zu unserer Äquatortaufe vorbei gekommen ist.
Viel Spaß.

 

#12 Panama – San Blas und Las Perlas

Ecuador – Rundreise Nord

Do.,26.Jul.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1516, 13.337 sm von HH

Achim hat Heimweh. Ich könnte noch ein paar Tage in den Bergen bleiben, freu mich aber auch auf die eigenen vier Wände. Der Heimweg über die West-Kordilleren der Anden gestaltet sich einfacher als erwartet. Wir müssen dreimal den Bus wechseln, was reibungslos klappt. Eine gut ausgebaute Straße führt über sensationelle Pässe hinunter in die Ebene. Hier ist – im vorbei fahren betrachtet -die Natur noch in Ordnung. Das erste Mal, dass wir die Anden so sehen, wie wir es erwartet haben: dünn besiedelt und ohne Ackerbau. Die flächendeckende Landwirtschaft in der ‚Avenida de los Volcanés‘ hat uns doch etwas erschreckt und überrascht.

Die Avenida de los Volcanes besteht nur aus Landwirtschaft

Die Avenida de los Volcanes besteht nur aus Landwirtschaft

Wir sind 1.300 km Bus gefahren für sensationell günstige 88 Euro für zwei Personen. Die Busse sind nicht so gut in Schuss wie in Kolumbien und lange nicht so komfortabel wie in Mexiko.
Es kommen auch ein paar Händler zu viel an Bord, um ihre fettigen Snacks zu verkaufen. Dafür wird weniger gerast als in Kolumbien. Da hatte ich auf einigen Strecken echt Angst.
Der Individual-Verkehr hält sich in Grenzen, die meisten Straßen sind gut, so dass man auch mit einem Leihwagen das Land erkunden könnte. Aber das ist teuer. Mit hundert Euro pro Tag muss man kalkulieren, kein Vergleich zu den Bussen.

Rundreise in Nord-Ecuador

Rundreise in Nord-Ecuador

Übernachtet haben wir in günstigen Hostals. Im Schnitt für 21 Euro. Dafür bekommt man ein Zimmer mit eigenem Bad, warmes Wasser, ein Frühstück (Eier nach Wahl, Brot, Saft, Kaffee oder Tee und manchmal Marmelade) und Handtücher. Die Zimmer waren alle gut bis okay. Mehr Geld auszugeben ‚lohnt‘ sich nicht, wie unsere Unterkunft in Riobamba gezeigt hat. Das Hotel hat 30 EUR pro Nacht gekostet und war weder besser gelegen, noch sauberer oder komfortabler.
In Zumbahua waren wir unzufrieden, was in erster Linie an den unfreundlichen Wirtsleuten lag. Gäste waren ihnen lästig. Das wurde durch extreme Freundlichkeit in den anderen Unterkünften wett gemacht. Gebucht haben wir über booking.com immer am Aufenthaltsort für das nächste Ziel. Reibungslose Abwicklung

Dort wo ‚Tourist‘ dran steht, wird es überdurchschnittlich teuer. Die Seilbahn in Quito kostet 15 Euro für zwei Personen, während man durch die gesamte Stadt für 25 Cent mit dem Bus fahren kann. Zur Toilette gehen (mit Papier) kostet so viel wie Bus fahren. Das Papier bekommt man abgezählt am Eingang in die Hand gedrückt. Ohne Papier-Nutzung darf man für 10 Cent zum Klo. Wobei das Papier immer in einen separaten Eimer landet, niemals in der Kanalisation.
Zur Toilette gehen kann zur Mutprobe werden, ist aber in den meisten Fällen eine akzeptable Angelegenheit.

Essen gehen ist extrem preiswert. Auf dem Land gibt es kleine Lokale, die im wesentlichen alle das selbe haben: Huhn mit Reis. ‚Pollo seco‘ genannt, wobei sich das seco -trocken- auf den Reis bezieht. Ein Hühnerbein oder auch Hühnerbrust an Bergen von Reis. Dazu gibt es eine Sauce mit oder ohne Bohnen. Das Ganze ist nicht schlecht. Aber naja, ich habe es dann an Tag drei auch über.
Mittags gibt es eine Suppe vorweg und einen Saft dazu. Oft Baumtomaten-Saft oder Tamarinde-Saft. Lecker. Kostenpunkt für ein Mittagsmenü zwei bis drei Euro.
In den größeren Städten ist die Auswahl größer, aber Helden am Herd haben wir keine gefunden. Selbst dann nicht, wenn man mehr Geld ausgibt und in ein richtiges Restaurant geht. Darüber hinaus findet man viele no-name-Fast-Food-Burger-Buden.

Ausnahmen bestätigen die Regel: wunderbar gegrillte Forelle. Merkwürdig aufgeklappt und absolut gretenfrei. Beilage: Seco und Bohnen-„pampe“. Die Forelle ist ein Gedicht gewesen.

Witzig aufgeklappte Forelle

Witzig aufgeklappte Forelle

Insgesamt ist Ecuador einfach und preiswert zu bereisen. Allerdings hilft es ein wenig Spanisch zu können. Auf Englisch trifft man kaum, mit Ausnahme von Quito. Die Ecuadorianer sind jedoch zu jeder Zeit bereit behilflich zu sein. Extrem liebenswürde, freundliche Menschen haben wir getroffen.

Ecuador-Kenner mögen sich wundern, warum wir nicht in Cuenca waren und den kompletten Süden ausgelassen haben? Warum wir nicht die Inka-Ruinen in Ecuador besucht haben?
Das holen wir im Herbst nach, in einer zweiten Runde. Wenn Achim kein Heimweh mehr hat.

Ein Kostenvergleich zu Mexiko und Kolumbien (ohne Inlandsflüge): Die Preise sind schon niedrig in Ecuador, trotz vergleichbar hohem USD-Kurs zur Zeit.
Mexiko: pro Tag 65 EUR/zwei Personen
Kolumbien: pro Tag 59 EUR /zwei Personen
Ecuador: pro Tag 50 EUR/zwei Personen

Über die Barre in den Rio Chone

Mo., 11.Juni 18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1471, 13.337 sm von HH

Die Nacht verbringen wir im sogenannten ‚waiting room‘ am Anker. Bereits nach wenigen Minuten ist klar, warum der ‚waiting room‘ nicht Ankerplatz genannt wird. Es ist nämlich gar kein Ankerplatz – die Dünung vom Pazifik rollt ungebremst auf uns zu. Wir haben mehr Seegang als auf der gesamten Tour. Bei Ebbe kommt die Strömung aus dem Fluss und wir liegen unglücklich mit dem Heck gegen die Wellen. Der Druck ist so enorm, dass ein 16 mm Tampen wie ein Bindfaden reißt. Dieser Tampen hält unsere Ankerkralle, besser gesagt, hielt unser Ankerkralle, denn nun liegt sie auf dem Meeresboden (Eine Ankerkralle dient dazu, den Zug der Kette von der Winsch zu nehmen und sie somit zu entlasten. Die Kralle wird in ein Kettenglied eingehengt und der Tampen am Bug des Schiffes belegt. Nun wird ein Stück Kette herausgelassen, so dass die Kette in einer Bucht lose und ohne Zug auf der Ankerwinsch liegt).

Über Funk melden wir uns in der Marina ‚Puerto Amistad‘. Dort haben wir eine Boje reserviert. Gene, der Chef der Marina schickt uns Ariostos als Lotsen. Eine Stunde vor Hochwasser können wir in den Chone rein. Aber Ariostos ist nicht zufrieden: „Heute stehen ungewöhnlich hohe Wellen vor der Flussmündung. Ihr müsst bis Hochwasser warten.“ Über Handy steht er in Kontakt mit seinen Kollegen in einem kleinen Motorboot. „Wie hoch sind die Wellen? Okay, jetzt soll es los gehen.“

Ariostos übernimmt das Ruder. Die Wellen werden durch abnehmende Wassertiefe immer steiler. Sie heben uns sacht an und nehmen uns im Surf mit auf ihren Weg. 6 Knoten, 7 Knoten, fast 8 Knoten Speed bekommen wir auf die Logge. Ariostos tut cool: „Alles gut!“
Als wir die flachste Stelle passieren, ist er dann aber auch sichtlich erleichtert: „Perfecto! Todo es perfecto“! Beim Skipper ist eher nichts perfekt, der wischt sich heimlich die feuchten Hände an der Hose ab.

Wir tuckern dann noch eine Meile flussaufwärts. Hinter einer Kurve des Chone liegt Bahia de Caraquez. Eine Marina mit Stegen ist ‚Puerto Amistad‘ nicht. Es gibt Mooringbojen, die als sicher gelten und offensichtlich auch gewartet werden. Hier können wir Atanga beruhigt alleine lassen, wenn wir Landausflüge unternehmen.

Hier noch ein paar Bilder unserer düsteren, sonnenlosen, aber ruhigen Überfahrt:

Hoffnung für eine Stunde, es zieht wieder zu

Hoffnung für eine Stunde, es zieht wieder zu

Fischer kommen morgens zum 'hallo' sagen vorbei

Fischer kommen morgens zum ‚hallo‘ sagen vorbei

Tramper

Tramper

Dusche bei fast Flaute am ersten Tag

Dusche bei fast Flaute am ersten Tag

Tag 9 nach Ecuador – Die Äquatortaufe

So., 10.Juni 18, Pazifik, Tag 1470, 13.333 sm von HH, etmal 76

Seit ich denken kann, kenne ich den Begriff der Äquatortaufe. Schon als kleines Mädchen habe ich den Taufschein meines Vaters bewundert. Der hing eingerahmt immer im Arbeitszimmer. Ein dicker Neptun sitzt in den Fluten und hält seinen Dreizack. Den Dicken, im Stil der 50er Jahre gehalten, mochte ich schon immer leiden. Die Dias der Taufen, die mein Vater von seinen Seereisen mitbrachte, fand ich schaurig-schön.

Eine fast hundertjährige Familientradition bekommt ein neues Kapitel: Opa (Seeteufel) getauft 1927, Papa (Schweinsfisch) getauft 1961 und jetzt ich (Knurrhahn) getauft 2018. Man darf behaupten, dass Seereisen in der Familie liegen.

Aus einer Dachlatte (ja, ja, man wundert sich, was Langfahrtsegler so an Bord mit sich schleppen) und drei Gabeln basteln wir uns einen Dreizack. Etwas Fischernetz ist auch noch aufzutreiben, so dass wir uns zünftig als Neptun verkleiden können.
Am Nachmittag, Wettergötter haben ein Einsehen und schicken die erste Sonne nach einer Woche, ist es dann soweit. Vorsichtig, so will es Neptun, überqueren wir über den Äquator.

Neptun mit Dreizack

Neptun mit Dreizack

Da eine Äquatortaufe nach den Meeresgesetzen vorgeschrieben ist, treffen Achim und ich uns auf dem Achterdeck und haben beide die gleiche Idee: den anderen vor der Taufe mit Rasierschaum einzuschmieren. Achim muss zusätzlich noch ein Ekelgetränk aus Milch, Tabasco und Sojasauce trinken und bekommt noch etwas Mehl auf seinen Rasierschaum gestreut.
Zum Abschluss gibt es eine Pütz voll Äquatorwasser über den Kopf. Achim segelt fortan als ‚Katzenhai‘ über die Weltmeere.
Um auf Nummer sicher zu gehen, bekommt Neptun noch einen guten Schluck aus der Schnapsbuddel und wir einen kleinen.

Schikane vor der Taufe

Schikane vor der Taufe

für beide Täuflinge

für beide Täuflinge

Ein frisch getaufter Knurrhahn

Ein frisch getaufter Knurrhahn

Ein frisch getaufter Katzenhai

Ein frisch getaufter Katzenhai

Weit ist es nun nicht mehr zu unserem Ziel, keine 40 Meilen. Der Kurs, den wir fahren können, ist gut. Der Wind ist schwach, so dass wir mitten in der Nacht in Bahia de Caraquez ankommen werden.
Die letzten zehn Meilen sind immer mehr Fischer unterwegs. Die Bucht blinkt wie ein Weihnachtsbaum in allen Farben. Rechts leuchtet ein Fischer mit einer rot-blauen Rundumleuchte, links flackert es grün, daneben ein Boot in rot. Dazwischen sehen wir weiße Blitzer oder plötzlich wird ein grüner Strahl auf uns gerichtet. Eine Fahrt wie durch ein Minenfeld.

Um 1.45 Uhr fällt der Anker. Nach 8 Tagen und sieben Stunden. Aus knapp 600 Meilen direkte Strecke sind knapp 800 geworden. Wir haben 15 Stunden motoren müssen und sind mit dieser Bilanz hoch zufrieden. Es gibt Yachten, die machten aus der Strecke tausend Meilen oder mussten dreiviertel der Strecke den Motor benutzen.

Die Nacht werden wir vor der Flussmündung des Rio Chone verbringen. Wir müssen auf das nächste Hochwasser warten und Morgen einen Lotsen über Funk anfordern.
In den Rio Chone kann nur bei Hochwasser eingefahren werden, nur dann steht über der Barre in der Mündung genug Wasser. Tonnen, die eine Fahrwasserrinne kennzeichnen, gibt es keine. Die Strömung verändert ständig den befahrbaren Kanal, so dass es nicht geraten ist, ohne Lotsen in den Fluss zu fahren.
Drei Meter, so heißt es, sei der Wasserstand bei Hochwasser . Allemal genug für uns, wenn der Lotse denn den richtigen Weg findet. Das wird nochmal spannend Morgen.

Tagesmeilen 76 – davon 12 unter Motor

Taufspruch:
Wir Neptun, der Einzige, Dreizackfürst, rechtmäßiger Beherrscher der veilchenblauen Meeresflut, Erdumgürter und Erderschütterer, haben allergnädigst den p.p. staubgeborenen Joachim Willner an Bord des Uns befreundeten Schiffes SY Atanga Erlaubnis zum vorsichtigen Überschreiten Unseres Äquators erteilt.
Die Unseren Meergesetzen vorgeschriebene Linientaufe ist geziemend vollzogen und überstanden worden. Der Täufling wurde mit geweihtem Linienwasser auf den Namen Katzenhai getauft.