Lichtscheues Pack im Frack

20.-21. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Turners Beach; Tag 13-14, Tageskilometer 194, gesamt 858 km

Zwergpinguine sind unverschämt niedlich. Sie sind die kleinsten Pinguine der Welt und die einzigen, die kein klassisches schwarz-weißes Gefieder haben. Ihr Rücken ist blau. Größe maximal 40 cm, ein Kilo Kampfgewicht.
Die kleinen Pinguine sind extrem vorsichtig. Wenn sie nach der Jagd an Land kommen, warten sie im flachen Wasser, bis sich eine ausreichend große Gruppe gebildet hat. Erst dann watscheln sie gemeinsam über den Strand zu ihren Höhlen. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit für den Einzelnen, von einer hungrigen Möwe oder einem Greifvogel geschnappt zu werden.
Das sieht aus wie eine organisierte, sehr wackelige Mini-Armee.

Warten auf die Pinguine.

Dieses Spektakel bekommen wir nur zu sehen, weil die freiwilligen Helfer-Damen der „Friends of Lillico Penguins“ mit Taschenlampen mit Rotlicht den Strand ableuchten. Inzwischen ist es so dunkel, dass man die Watschelparade nicht mehr erkennen kann.

Am Lillico Beach wohnt eine große Kolonie der kleinen Pinguine. Eine Plattform ist direkt über ihre künstlichen Höhlen gebaut. Bereits tagsüber strecken sich einzelne Schnäbel aus Holzkisten. Das sind erwachsene Pinguine in der Mauser, die während der Mauser-Zeit für zwei Wochen nicht ‚wasserdicht‘ sind.
Oder Jung-Pinguine, die den ganzen Tag auf ihre Eltern warten, die Futter bringen sollen.

Künstliche Behausungen: Betonröhren oder Holzkisten. Das lieben die Pinguine. Sie bauen ihre Höhlen auch gerne unter Häuser oder in Abflußleitungen.
Hier soll es eine Hilfe für die Kolonie sein.

Die Kleinen sind ungeduldig. Lange bevor die Erwachsenen sich aus dem Wasser trauen, krabbeln sie aus ihren Höhlen. Unvorsichtige Kinder! Sie begrüßen sich untereinander mit lautem Piepen und Quietschen. Einige raufen wie junge Katzen miteinander.

Große Zwergpinguine sind ja schon klein, aber Baby-Zwergpinguine sind winzig. Total süß und tollpatschig.

Dann können wir die Ankunft der Pinguine hören. Diese Vögel sind unglaublich laut. Ihr Rufen klingt wie eine Mischung aus Esel-I-Ah, einem tiefen Knurren und einem kaputten Dudelsack. Die Lütten hören das auch. Ungeduldig stürzen sie sich das steinige Ufer den Erwachsenen entgegen. Fallen durcheinander, rutschen und schliddern. Betteln jeden Pinguin an, der ihnen entgegenkommt.
Die Vögel sehen für uns alle gleich aus, und am nächtlichen Strand erkennen sie sich selbst auch nicht besser. Deshalb verlassen sie sich auf ihr Gehör.
Jeder Pinguin hat einen individuellen Ruf. Eltern können den speziellen Bettelruf ihres eigenen Kükens aus dem Lärm der ganzen Kolonie herausfiltern. Auch die Küken lernen sehr früh, wie ihre Eltern klingen. Aber wenn die Alttiere am Strand ankommen, sind die Küken so hungrig, dass sie erst einmal alles anbetteln, was watschelt und nach Fisch-Lieferant aussieht.

Pingse im Rotlicht. Das stört sie überhaupt nicht in ihrem normalen Verhalten. Weißes Licht und laut sprechen, ist verboten. Fühlt sich ein ankommender Pinguin gestört, kann es sein, dass er ins Wasser zurück geht und sein Junges Hunger schieben muss.

Das totale Chaos auf Watschelfüßen. Auf uns wirkt das so, als wüssten sie nicht, wer ihre Eltern sind. In Wirklichkeit versuchen sie einfach ihr Glück bei jedem, in der Hoffnung auf einen Gratis-Snack.
Die Eltern verschwenden keinen kostbaren, vorverdauten Fisch an fremde Kinder. Wenn ein fremdes Küken sie hartnäckig verfolgt, wird es ignoriert oder sogar weggehackt.

Ein lustiges, rührendes Spektakel.

Wenn die Jungen schwimmfertig sind, dann gehen alle für mehrere Monate auf See (im April) und kommen monatelang nicht nach Hause.

Wir haben den Campingplatz gewählt, der am nächsten an der Pinguin-Kolonie liegt, damit wir nicht so weit im Dunkeln mit dem Auto fahren müssen. Die Menge an totgefahrenen Tieren, die man morgens auf den Straßen findet, ist erschütternd hoch. Da möchten wir nicht dabei sein.

Schon Achims Anruf auf dem Platz war witzig: „Ach, ihr habt ein kleines Auto. Dann lasse ich Euch den Platz für 10 Dollar günstiger“. Okay, das ist nett.
Wir landen dann in einer Wohnwagen-Siedlung. Die Wohnwagen sind schon lange nicht mehr mobil. Umbaut mit Bretterbuden, Schuppen und Zäunen. Eine Laubenpieper-Anlage ohne Gärten. Etwas schräg.  Auch die Bewohner. Camper wie uns gibt es nur eine Handvoll. Das hat den Vorteil, dass die sanitären Anlagen sehr sauber sind.

Schräge Typen wohnen hier, die solche Schilder aufhängen.

Laubenpieper auf Australisch.

Und die Lage des Platzes ist unwiderstehlich. Direkt am Strand und nur 500 Meter von der Mündung des Forth Rivers entfernt. Bei Ebbe ein toller Strand zum Wattwandern und Entdecken.

Viel breiter Strand wird bei Ebbe in der Flussmündung freigelegt.

Über eine Brücke kommt man zur andern Flussseite …

… mit Bergen an Treibholz.

Sieben Kilometer den Strand runter wohnen die Pinguine.

Am Ufer stehen Kiefern mit Handball großen Zapfen. die direkt an dicken Ästen wachsen.

Campingplatz: 18 Euro plus 4 x Dusche für je 0,60 Euro. Dass die Dusche extra kostet, passt zu dem skurrilen Platz. ;-)

Pinguin-Besichtigung: kostenlos, aber eine Spendenbox steht bereit. Das gibt man gerne, denn alles ist toll gemacht und mit viel Rücksicht auf die Tiere. Eine Besucherin, die Weißlicht angeschaltet hat, wurde kräftig zusammen gestaucht.

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