Archiv der Kategorie: Osterinsel

14. Juli

13./14.Juli 2025, Neukaledonien/Nouméa, Tag 4.061/2, 29.095 sm von HH

Im krassen Gegensatz zu den Fenua-Tänzen stehen die Festlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag.  Am 14. Juli 1789 fand die Erstürmung der Bastille statt. Der Beginn der Französischen Revolution.
1880 wurde der 14. Juli als Nationalfeiertag in Frankreich erklärt und wird seitdem mit großen Militärparaden gefeiert. Da Neukaledonien seit 1946 Französisches Überseegebiet ist und seine Bewohner Franzosen sind, hat sich natürlich auch hier eine Feierkultur entwickelt.

Das Fest beginnt am Vorabend. Noch wenig militärisch. Genau gegenüber der Marina werden aus aufgebauten Pavillons Laternen verteilt. Sechstausend Stück sollen es sein, wie eine Info im Internet verrät. Geduldig stehen die Menschen in der Schlange. So eine Ausgabe über nur fünf Verteilerpunkte zieht sich.

Ausgabestation der Laternen.
Wir haben uns nicht angestellt, weil wir dachten, es sei nur für Kinder. Nein, jeder Erwachsene war scharf auf eine Laterne.

Dann haben alle ihre Laterne. Wir müssen lange rätseln, ob es sich um LED- oder Kerzenlaternen handelt. Diszipliniert entzündet niemand seine Laterne bevor über Lautsprecher das Kommando ertönt.

Echte Kerzen.
Wir sehen keine einzige Laterne abbrennen.

Den Zug führt ein Napoleon an. Auf einem Segway mit Bollerwagen auf dem die Lautsprecher montiert wurden. Marschmusik ertönt. Endlich setzt sich der Laternenumzug in Bewegung. Von der Musik ist schnell nichts mehr zu hören. Keine Militärkapelle, kein Spielmannszug, keine Gesänge. Stumm folgt die Menge dem entschwindenden Napoleon.

Napoleon und eine Marianne führen.

Endziel ist der schöne Park im Zentrum von Nouméa. Fressbuden und Schausteller sorgen für Unterhaltung auf ‚bal populaire‘. Wir lassen uns ein paar Leckereien beim Thailändischen Satay-Stand schmecken und lassen Nouméa alleine weiter feiern.

6000 Laternen sind dann ganz schön beeindruckend.
Aber das ganze ist leise wie ein Trauerzug.

Rummel – sowohl an der Ausgabestation als auch am Ziel.
Es gibt wohl Futterbuden, aber keine Bierstände oder ähnliches.

Militärparaden zum 14.Juli gibt es in Frankreich seit über 140 Jahren. Für ‚La Grande Nation‘  sind sie ein Symbol für eine starke Republik. Für Verteidigungsbereitschaft, Zusammenhalt von Armee und Volk und Respekt gegenüber Soldaten und zivilen Einsatzkräften.
Als Deutscher kennt man so etwas nicht. Für Frankreich ist es total normal – genau wie in China, Indien, Russland und Nordkorea. Bis auf eine Ausnahme am 4.Juli 2019, verzichten sogar die USA darauf, das Militär am Nationalfeiertag auflaufen zu lassen.
Viele Franzosen lieben die Live-Übertragungen aus Paris und sie gehören zum Feiertagsprogramm selbstverständlich dazu.

Da die Franzosen in Neukaledonien nicht so beliebt sind, erwarten wir keinen großen Andrang. Weit gefehlt. Kanak, Franzosen, bunt gemischt stehen alle an den Absperrungen. Denkt man an Paris, ist die Parade nicht besonders imposant. Es fehlen Panzer und anderes schweres Gerät.

Es besteht durchaus Interesse in der Stadt an der Parade teilzunehmen.

Richtig schweres Gerät fehlt.

Aber man kann staunen, wie viele verschiedene Truppen, Einheiten und Garden das kleine Neukaledonien zusammen bekommt. Zwischen 1.500 und 2.000 französische Soldaten sind auf der Insel stationiert. Als Souveränitätsschutz und Präsenz im Südpazifik.
Wir wundern uns über die komplette Abwesenheit von Militärkapellen. Die ‚Marseillaise‘ ertönt einmal über Lautsprecher. Mitgesungen wird nicht.
Den meisten Jubel erhalten die zivilen Truppen: Polizei und Feuerwehr. Und die kleine einheimische Einheit, die in das französische Militär integriert ist. Bestehend aus Kanak und anderen Bevölkerungsgruppen.

Während der Parade wird in Vollmontur gestanden. Es kippt auch immer mal einer aus den Reihen. Sanitäter stehen bereit.

Louis de Funès Gedächnis -‚Képi‘.
Das ist feinste Ausgehuniform.

Das ist mein Stolz und das ist mein Gewehr – Franzosen machen darüber keine Witze. Sorry, wir sind es nicht gewohnt. :-)

Im Gleichschritt – Marsch. Hier die Polizei.

Auffällig viele Frauen sowohl beim Militär als auch bei der Polizei.

Diese grimmig dreinschauenden jungen Männer sind von der lokalen Einheit. Sie sind die einzige Einheit die singt und nicht im Gleichschritt läuft, sondern einen wiegenden Gang hat.

Fein im Zwirn zur Parade.

Zum Abschluss gibt es eine Flug-Show neben der Marina. Ein (in Worten ein) Truppenhubschrauber! Keine Tricolore am Himmel. Aber immerhin wird zweimal ein Soldat abgeseilt. Das sonst übliche Feuerwerk am Abend fällt aus. Aus Kostengründen. Aber auch, weil ein Versicherungsschutz nach den Unruhen im letzten Jahr gestrichen wurde.
Vive la France.

Im Jeep liegen Muttis feuchte Spucke-Tücher. Gleich nach der Parade wird die Tarnfarbe entfernt.

Der Patrioten-Hund war auch mit dabei.

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Osterinsel – unser Video

Do., 28.Nov.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 2004, 19.044 sm von HH

Wenn wir schon auf den Segelmacher warten müssen, dann produktiv. ;-)

Das Video von der Osterinsel ist fertig. Zwei Monate auf meiner Wunsch-Traum-Insel, die sich für uns beide als Ziel unter den ‚Top-10-der gesamten-Reise‘ herausgestellt hat.  Viel Spaß mit den Moai und der Grinsekatze (siehe unten  Foto).

Moai und Atanga

Moai und Atanga

Ein neues Segel-Video

Fr., 04.Okt.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 1951, 18.962 sm von HH

Unser bislang längster Törn – von Ecuador auf die Osterinsel: ein Boot, zwei Menschen, 2400 Seemeilen, 24 Tage.

Ist ja schon eine Weile her, aber trotzdem viel Spaß!

Ein Boot, zwei Menschen, 2400 Seemeilen, 24 Tage

Ein Boot, zwei Menschen, 2400 Seemeilen, 24 Tage

Yacht Artikel Osterinsel

Yacht Artikel Osterinsel

Mi., 29.Mai 19, Franz.Polyn./Tuamotu/Insel Hao/d’Otepa, Tag 1822, 17.889 sm von HH

In eigener Sache ein kleiner Hinweis: Ich durfte für die Yacht erneut einen Artikel schreiben. Diesmal über unsere Anreise und den Aufenthalt auf der Osterinsel. Ab sofort ist das Heft am Kiosk erhältlich. :-)

Themen im aktuellen Heft

Ich freue mich natürlich riesig über die Veröffentlichung und zitiere Carlos Ruiz Zafón. Besser kann man es nicht ausdrücken!
„Ein Schriftsteller vergisst nie, wann er zum ersten Mal für eine Geschichte ein paar Münzen oder Lob empfangen hat. Er vergisst nie, wann er zum ersten Mal das süße Gift der Eitelkeit im Blut gespürt und geglaubt hat, wenn er nur seine Talentlosigkeit vor den anderen geheim halten könne, werde ihm der Traum von der Literatur ein Dach über dem Kopf, eine warme Mahlzeit am Ende des Tages und schließlich das heißersehnte verschaffen: seinen Namen auf ein paar kläglichen Blättern gedruckt zu sehen, die ihn mit Gewissheit überleben werden.“

Acht Wochen Osterinsel – ein Fazit

Mo., 25.Feb.19, Chile/Osterinsel/Hanga Roa, Tag 1730, 15.744 sm von HH

Dringende Empfehlung: Unbedingt machen!
Wir waren absolut begeistert. Trotz der heftigen Rollerei am Ankerplatz und unseres kleinen Dinghy-Überschlags. Hüstel, räusper, wir haben in den Wochen danach gelernt, wie man mit solchen Brechern umgehen kann. Der Rest war spitze und hat unsere Erwartungen übertroffen.

Die Osterinsel gilt als einer der isoliertesten Orte der Welt. Zur nächsten bewohnten Insel sind es zweitausend, zum Festland gar fast viertausend Kilometer. Aber isoliert ist die Insel schon längst nicht mehr. Täglich kommt ein Flieger aus Santiago oder Tahiti. Bringt frisches Obst aus Chile und Fleisch aus Argentinien mit. Versorgungsschiffe ankern vor der Insel, sie bringen Autos oder liefern Treibstoff an.

Die Osterinsel ist eindeutig touristisch. Ja, sogar Kreuzfahrtschiffe kommen hier vorbei.
Diese sind von uns nun endgültig zum Klassenfeind erklärt. :mrgreen:
Als ob es hier kein Platz gebe, versuchen sie mitten zwischen uns Seglern zu ankern. Die rasselnde Kette reißt uns aus dem Tiefschlaf. Ankert er direkt neben uns? Ein Blick nach oben bestätigt alle Befürchtungen. Das AIS zeigt einen Abstand unter 150 Metern. Muss das sein?  Die Generatoren vom Kreuzer zerreißen die Idylle.
Der weiß hoffentlich, dass er mitten in unserem Badezimmer parkt? Schluss mit hüllenloser Duscherei auf der Badeplattform. Oder man hat die einmalige Gelegenheit den zweihundert Zuschauern auf ihren Balkonen den nackten Arsch zu zeigen. Das hätte Symbolcharakter. :lol:

Na, der parkt ja direkt in unserem Badezimmer

Gleich müssen wir die Fender raus holen

Hanga Roa ist also fest in Touristenhand. Aber trotzdem angenehm. Kleine Souvenir-Buden stehen neben urigen „Supermärkten“. Fisch und lokales Gemüse werden direkt von der Ladefläche des Pickup verkauft. Einige der einheimischen Frauen tragen Blumenkränze (okay, aus Plastik), die Damen im Telefonladen haben eine Blume hinter dem Ohr. Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft wird großgeschrieben. Wir bekommen allerdings die Info: „Wenn du die Leute hier schon freundlich findest, dann warte ab bis du in Französisch Polynesien bis. Da sind die Leute freundlich.“

Es geht behäbig zu im Ort. Dazu gehören drei Stunden Mittagspause und eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h. Während des Tapati Festivals war etwas mehr Trubel, jetzt wirkt Hanga Roa wieder verschlafen.
Die meisten der Abendveranstaltungen vom Festival haben wir leider verpasst. Die Einfahrt im Hafen ist tagsüber schon tricky, in stockdunkler Nacht wird sie zum Kamikaze-Ritt. Hohe Wellen, die man abwarten muss, sind schwer auszumachen. Und dann gilt es absolut geradeaus zu steuern. Rechts und links lauern die Felsen. Wir haben es uns nur zweimal getraut. Die Veranstaltungen, die wir sehen konnten, haben uns begeistert. Am ersten Abend sind Kinder aufgetreten. Kinderveranstaltungen sind ja immer mit etwas Vorsicht zu genießen. Meistens finden diese nur die anwesenden Eltern toll. Aber auf der Osterinsel ist alles anders, die Kinder waren tatsächlich klasse.

Abendvorstellung mit Bodypainting

Abendvorstellung mit Bodypainting

Die Insel behält einige ihrer Geheimnisse für sich. Noch immer kennen wir nicht den Grund, warum die Ureinwohner so plötzlich mit dem Bau der Moai aufgehört haben. Und das gefällt mir. Ein Blick in diese unergründlichen Gesichter mit diesem so herrlich verkniffenen Mund genügt.
Großartige Stein-Gesellen, großartige Leistung. Sinnlos und doch sinnvoll.

Wundervoll und geheimnisvoll - absolut eine Reise wert

Wundervoll und geheimnisvoll – absolut eine Reise wert

Jetzt geht leider unsere Zeit zu Ende. Morgen geht es weiter. Unser Ziel sind die nächsten Nachbarn der Rapanui: die 50 Einwohner von Pitcairn. Dort spielt eine andere Liga. Die Nachkommen der englischen Bounty-Meuterer und einigen Polynesiern gelten, nun, ich sag mal vorsichtig, als schwierig. Über zweihundert Jahre Inzucht sollen nicht nur gutes Blut hervorgebracht haben.
Es sind tausend Seemeilen bis dahin. Die Strecke hat den Ruf widerborstig zu sein. Wir werden sehen.

Für alle, die das ebenfalls erleben wollen Revierführer Osterinsel

***neueste Nachrichten***neueste Nachrichten***neueste Nachrichten
Ich habe gerade den obigen Bericht fertig geschrieben, da kommt ein Funkspruch von der Armada: wir sollen schon etwas früher zu ihnen kommen zum Ausklarieren. Also packen wir unsere Pässe ein, schwingen uns in Schlauchboot und steuern auf die Hafeneinfahrt zu. Es ist absolut windstill, nur leichter Nieselregen fällt.
Puh, da läuft aber eine hohe Dünung zwischen den Felsen rein. Achim dreht seine Runden vor der Zone, wo die Wellen anfangen sich zu brechen. Wir warten und beobachten. So haben wir es die letzten Wochen gelernt. Hier sind wir sicher. Die Wellen sind uns deutlich zu hoch. Wir zögern. Da können wir nicht rein. Achim dreht eine weitere Runde, vielleicht kommt ja noch eine ruhige Phase.
Nein, alle Wellen bleiben hoch. Wir entscheiden nicht in den Hafen zu fahren. Dann müssen wir eben Morgen ausklarieren.
Wir drehen um, fahren Richtung Schiff. Eine runde, fette Dünung läuft unter uns durch. Und da, vor uns, kommt noch eine. Achim gibt Gas. Ach du heiliger Bimbam, die baut sich aber auf. Viel zu früh! Hier brechen die Wellen noch nicht! Sie wird höher und höher. Sie bildet diese berühmte Röhre aus. Sie wird durscheinend und türkis. Direkt vor uns jetzt diese Wand. Zweimeter fünfzig hoch. Mindestens. Vielleicht drei Meter. Ich glaube nicht, dass wir es schaffen. Unser Dinghy arbeitet sich senkrecht den Wellenberg hoch. So wie die ‚Andrea Gail‘ mit Georg Clooney in ‚der perfekte Sturm‘. Achim hockt auf dem Dinghyboden. Ich mache mich klein, meine Brille hab ich in der Hand, für einen besseren Ort ist keine Zeit. Wir klettern und klettern. Dann schlagen wir hinter dem Monster hart aufs Wasser im Wellental. Wir haben überlebt! Achim ist käsig um die Nase. Der Schreck ist ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. :lol:
Mensch, an dieser Stelle hatten wir noch keine Welle brechen sehen. Gib mir ‚high five‘ – wir haben überlebt. Schwein gehabt. Jetzt wird es aber wirklich so langsam Zeit, dass wir hier weg kommen.