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Technisches K.O. in sechs Runden

So., 15.Nov.20, Franz.Polynesien/Tahiti/Papeete, Tag 2359, 21.218 sm von HH

Runde 1 – die Software
Unsere Handys sind fast sieben Jahre alt. Unvorstellbar für einen Handy-Junkie, aber ein Leben mit solchen Geräten ist möglich. Beide Handys funktionieren tadellos und dank neuer Akkus hängen sie auch nicht nur an der Steckdose. Das Leben ist schön, wäre die Software nicht genauso alt. Ich laufe auf Android 5.0 – Achim, ganz modern auf 5.01 :mrgreen: .
„Dies ist das letzte Update für 5.0“ schnauzt uns unsere Online-Banking-App an. „Nicht mit ihrem Gerät kompatibel“, meckert die App der Krankenkasse. Ein Wunder, dass ‚whats app‘ noch läuft. Es müssen also dringend neue Handys her!

Runde 2 – die Simkarte
Was wir nicht wussten, dass in der Zwischenzeit normale Sim-Karten abgeschafft und durch Nano-Karten ersetzt wurden. Unsere alten Karten passen somit in kein neues Gerät mehr rein. „Kein Problem“, verspricht das Internet, „einfach beim Provider anrufen, dann kommt eine neue Sim-Karte direkt ins Haus geflattert.“ Aha. In unserer Situation etwas schwierig. Für Fälle wie uns gibt es Anleitungen im Netz, wie man seine Karte selber kleiner schneiden kann, was nicht selten zum Totalverlust der Karte führt. In einem der Handy-Läden in Papeete wird Achim fündig. Das Geschäft hat einen kleinen Stanz-Apparat mit dem unsere Karten verkleinert werden könnten.

Runde 3 – die neue Hardware
Groß ist die Auswahl an Handys vor Ort nicht. Ein paar ‚Huawei‘, einige ‚Samsung‘ und das ‚I-phone 10‘. Alles ein bisschen Technik vom letzten Jahr. Allen Geräten ist gemein, dass sie ungefähr das Doppelte kosten wie in Deutschland. Unsere Wahl fällt auf ‚Samsung A31‘. :roll:
Das gibt es nur in Weiß. Okay, man kann nicht immer gewinnen. Noch schlimmer ist, dass wir jetzt Handys im Partnerlook haben. Ich hasse Partnerlook. Und ständig wird man sich das falsche Gerät greifen – ich bin mir sicher. Schutzhüllen gibt es in so kleiner, aber hässlicher Auswahl, dass wir beide die gleiche Hülle wählen würden. Damit wäre also nichts gewonnen. Wir belassen es also vorläufig bei der durchsichtigen Hülle, die im Lieferumfang enthalten ist.

Runde 4 – der Kauf
Die junge Polynesierin bei der wir die Handys bezahlen wollen, ist zuckersüß und hat eine Blume hinter dem Ohr: „Soll ich das Handy gleich auf ‚deutsch‘ einstellen?“, fragt sie hilfsbereit.  „Ja bitte, und kannst du auch unsere Sim-Karten kleiner stanzen?“ Wir schwitzen etwas dabei. Aber das ist kein Problem. Unsere Verkäuferin macht es nicht zum ersten Mal, das sieht man. Souverän der Umgang mit Handy, Karte und Apparat. Achims Handy ist ruck zuck fertig. Bei meiner Sim-Karte passiert ihr ein kleines Missgeschick und die nun wutzi-wutzi klein geschnittene Karte flutscht ihr aus den Fingern und landet genau in dem Spalt zwischen Kassenschublade und Tisch. Sie kichert. Sie prockelt erst mit einer aufgebogenen Büroklammer, dann mit einem Messer und danach mit einem Stück Papier in dem Spalt herum. Ohne Erfolg, die Karte bleibt verschwunden Sie kichert wieder und wendet sich an einen Kollegen. Der drückt ihr einen Schraubenzieher in die Hand, der genau für die Schrauben an der Kassenschublade passt. Warum haben die in einem Handy Laden überhaupt einen Schraubenzieher? Man darf sich zu Recht fragen, wie oft die Kasse wohl schon auseinander gebaut wurde. Unter viel Gekicher schraubt die junge Frau ihre Kasse auseinander. Und dann taucht sie zwischen Wollmäusen wieder auf, meine Sim-Karte. Gut gemacht!

Runde 5 – Die Installation
Ich beginne beim Download fehlender Apps auf meinem neuen Handy mit ‚whats app‘. „Bitte verifizieren sie ihre Handy-Nummer“, werde ich gebeten. Kein Problem. Google-Konto? Nee, habe ich nicht, ich bin immer über Achims Google-Account mit gelaufen, nur irgendwelche Google-Götter wissen warum. Es war mir nie möglich das zu ändern. Damit ist nun Schluss. Ich richte  mir endlich mein eigenes Google-Konto ein. Alles klappt toll, nur meine alten ‚whats app‘ Chats fehlen. Ich frage das Internet. Okay, doof gelaufen, falsche Reihenfolge, ich hätte erst im alten Handy eine Sicherung meiner Chats erstellen müssen. Ich gehe also zurück aufs alte Handy, um dort ‚whats app‘ zu aktivieren. Aber Fehler wie meiner werden sofort bestraft – ich bin für eine neue Verifizierung direkt mal für dreißig Minuten gesperrt. Nach der Wartezeit kann ich dann aber die geforderte Sicherung vornehmen. Prima. Ich wechsle erneut aufs neue Handy, um ‚whats app‘ hier noch einmal zu verifizieren. Gesperrt für sieben Stunde! Na danke, Zuckerberg oder wer auch immer sich das ausgedacht hat. Na gut, das gibt mir Zeit, dass ich mich um meine Kontakte kümmern kann. Ich sehe Achim bereits tippen. „Ich habe keinen Bock mich durchzuwühlen, wie ich die Daten aufs neue Handy bekomme. Schafft auch mal Platz und bereinigt meine Daten“, ist seine Ausrede. Pfft, Anfänger. Ich kann das besser, denke ich und wühle im Internet.
Ich mach es kurz, drei Stunden später sitze ich auch am Tisch und tippe meine Kontakte ab. „Ein Übertrag ist wahrscheinlich wegen meines fehlenden Google-Accounts nicht möglich oder wegen Android 5.0“, so lauten meine Ausreden. Traurig, sehr, sehr traurig. Wenn ich mich in Zukunft bei irgend jemandem nicht mehr melde, es ist nichts Persönliches, sondern nur ein Tippfehler.
Meine ‚whats app‘ Chats bleiben verloren. Fotos kann ich immerhin über den Laptop retten. Gesamtheitlich betrachtet, sind unsere Leistungen aber eher eine Katastrophe.


Runde 6 – Datenvolumen
Wir haben vor fünf Wochen einen Internet-Vertrag abgeschlossen. Nix Flatrate oder ähnlicher Luxus, sondern 30 GB im Monat für 50 USD. Das ist für hiesige Verhältnisse ein ganz gutes Angebot. Ein kleiner Router ist im Paket dabei, so dass wir gleichzeitig surfen können und sogar unterwegs Internet haben. Bei 1 GB für zwei Personen pro Tag muss man schon darauf achten, was man macht. Filme angucken ist nicht und Updates sind auch so eine Sache. Abends rufen wir ab, was wir verbraucht haben, um am Ende des Monats nicht trocken zu laufen. Das klappt aber alles ganz gut und wir sind nicht unzufrieden – im Gegenteil – im Vergleich zur vorher schon fast Verschwendung.
Die Erstinstallation von zwei neuen Handys kostet mal eben 3,5 GB. Wow, unser Kontingent für  drei Tage ist futsch und dabei fehlen noch auf beiden Geräten lebenswichtige Apps wie ‚Google Maps‘ und ‚Instagram‘. Ich glaube wir müssen mal einen Kaffee trinken gehen, um ein Internet anzuzapfen. ;-)

Wir gehen nicht davon aus, dass die neuen Handys so lange halten wie die Alten. Akkus kann man in den modernen Geräten nicht mehr tauschen und den Türken um die Ecke, der das trotzdem kann, den gibt es hier leider auch nicht. Das ist aber vielleicht auch ganz gut so – sieben Jahre Pause machen einen zum Technik-Trottel, der seine Daten mit der Hand abtippt.

Unser beider Lieblings-Position zum Surfen

Corona in French Polynesia

Mi., 18.Mrz.20, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva, Tag 2117, 20.254 sm von HH

Vor ein paar Tagen dachten wir noch: „Hier sind wir gut aufgehoben!“
So wie Bundes-Spahn, Millionen anderer Menschen auf der ganzen Welt, so haben auch wir uns geirrt. Heute wurden zwei weitere Corona-Fälle auf Moorea gemeldet. Die Regierung von Französisch Polynesien erlässt seit Tagen neue Anweisungen im Stundentakt. Die Schulen sind ab heute geschlossen – zunächst bis Ostern. Auch auf den kleinen, abgelegenen Inseln wie bei uns in Gambier. Heute werden die Kinder, die in Tahiti zur Schule gehen hier eingeflogen. Ob es das letzte Flugzeug hierher sein wird? Das ist noch offen. Es gibt Diskussionen darüber den Flugverkehr zwischen den Inseln einzustellen. Mit den Flugzeugen kommen dringende Artikel aus Tahiti, wie Medikamente und Post. Lebensmittel, Diesel, Gas zum Kochen und Benzin liefern die Versorgungsschiffe. Hier sind keine Einschränkungen im Gespräch.

Der Flugverkehr aus Französisch Polynesien raus, nach Europa, ist bis auf weiteres eingestellt worden. Bis gestern kam man noch nach Frankreich – die Tür ist geschlossen. Kreuzfahrtschiffe dürfen nicht mehr ins Land, nur noch Frachtschiffe. Unter den Langfahrtseglern herrscht gerade Haupteinreisezeit vom Südamerikanischen Kontinent nach Französisch Polynesien. Bedingt durch die lange Anreisezeit von drei, vier Wochen hat die Regierung beschlossen, dass ankommende Yachten keine zusätzliche Quarantäne benötigen. Durch die neuen Corona-Fälle auf Moorea ist dies wieder aufgehoben worden: Einreiseverbot für Ausländer, heißt es nun. Außerdem wurde beschlossen, dass der Verkehr zwischen den Inseln für Segelboote untersagt ist. Ob das bedeutet, dass wir auch in Gambier nicht mehr die Inseln wechseln dürfen? Wir wissen es nicht. Das erste Mal sehen wir heute die Gendarmerie mit einem Boot durch den Ankerplatz ziehen.

An Corona zu erkranken, ist keine Sorge von uns. Wir haben sowieso wenig Sozialkontakte, mal ein Abendessen beim Segelnachbarn oder mal ein Einkauf im Dorf. Das war’s.
Die Nebengeräusche stimmen uns bedenklicher. Bleibt die Versorgung so bestehen wie bisher? Die Polynesier neigen nicht zum Hamstern. Ihnen ist eine Denkweise weit in die Zukunft zu planen fremd. In ihrer Muttersprache gibt es nicht mal ‚Futur‘, hat Vanessa uns erzählt. Sie sparen nicht, sie haben kein Bier auf Vorrat zu Hause und eine Cola wird direkt beim Bezahlen getrunken. Vor ein paar Tagen haben wir noch fünfzig Kilo Mehl im Shop gesehen. Einen Tag später war es verschwunden. Wenn es die Polynesier nicht waren, kommen nur Segler als Käufer in Frage.

Spätestens auf den Kap Verdischen Inseln lernt man als Weltumsegler: ‚Du musst Dinge dann kaufen, wenn du sie siehst, nicht wenn du sie brauchst. Am nächsten Tag kann der Artikel für Monate aus den Läden verschwunden sein.‘ Diese Regel haben wir uns in den letzten Jahren angeeignet. Außerdem haben wir häufig schon für Monate gebunkert, weil wir wissen, dass im neuen Land die Preise deutlich höher sind. Zur Planung, wenn man Tahiti verlässt, gehören volle Schränke dazu. Auf Gambier gibt es zwar vieles, aber Haferflocken, Nüsse oder Vollkornmehl bekommt man einfach nicht. Wir haben immer für bestimmt vier Wochen Nahrungsmittel an Bord, weil man auf einem Boot nie weiß, ob man nicht für etliche Tage an Bord bleiben muss oder schnell einen Ort verlassen muss. Hamstern, wie es jetzt ja heißt, ist uns also nicht mehr fremd. Aber fünfzig Kilo Mehl ist schon eine Hausnummer. Wer braucht so viel Mehl?

Wir als Ausländer stehen in Polynesien am Ende der Nahrungskette. Wir sprechen (trotz aller Bemühungen :lol: ) die Sprache nicht. Wir kennen keinen, der im Notfall noch den Keller voll Kartoffeln hat. Auf einer Insel in den Tuamotu soll es Schilder gegeben haben, die Segler auffordern auf dem Boot zu bleiben. Ein gewisser Vorrat an Bord bekommt eine neue Bedeutung.
Hier bei uns im Dorf wurden Schilder aufgehängt, die die Symptome von Corona erklären und zeigen, wie man sich verhalten soll (der in den Ellenbogen-niesen-Katalog). Phillipe, bei dem man neben Internet auch noch Brioche (feines Brot) kaufen kann, erzählte uns, dass die Dorfkrankenschwester ihn aufforderte, dass er einen Mundschutz und Handschuhe tragen soll, wenn er sein Brot verkauft. Segler haben ihm jetzt beides geschenkt. Die junge Frau an der Kasse im Supermarkt trägt seit gestern ebenfalls Gummi-Putz-Handschuhe und es ist uns ein Chinese von einer Perlenfarm mit Mundschutz begegnet. „Haben die Polynesier Angst?“, haben wir Philippe gefragt. „Nein, noch nicht, aber sie stellen Fragen.“

Wie lange wir hier gefangen sein werden, wir wissen es nicht. Großraum-Quarantäne würde ich es nennen. Gefangen im Paradies, trifft es auch. Und ganz plötzlich bekommt das Paradies einen Beigeschmack. Im Ausland gefangen zu sein und nicht jederzeit nach Hause zu können, macht ein merkwürdiges Gefühl.
Bleibt gesund in eurer Quarantäne.

Großraum-Quarantäne

4 – 8 – 15 – 16 – 23 – 42

Do.,19.Dez.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 2027, 19.044 sm von HH

Gefangen auf der Insel, gefangen in Papeete.
Bereits vor sechs Wochen sind wir nach Papeete zurückgekehrt. Es gab ein Wetterfenster als das Segel zur Reparatur war. Das haben wir verpasst und jetzt sind wir gefangen und drücken die Taste: 4-8-15-16-23-42. :mrgreen:

Es ist keine Besserung in Sicht. Die Konvergenzzone, die sich um diese Jahreszeit hunderte Meilen weiter südlich befinden soll, hält sich nördlich von Tahiti auf oder steht genau über uns.
Ein mehr oder weniger schlankes Band, das den Nordwind scharf begrenzt vom Südwind. Das Band kann nur fünfzig Meilen breit sein oder zweihundert. Es eiert wie ein Lämmerschwanz, bläht sich zeitweise ballonförmig auf und zieht sich wieder zusammen. In dieser Zone herrschen Flaute und Regen. Die Kanten sind geprägt von Squalls, Winddrehern und Unmengen Regen. Eine Vorhersage, wie sich die Konvergenzzone verschiebt, erscheint unmöglich. Stündlich ändern sich die Wettervorhersagen. Zweimal dachten wir schon, wir können los. Nein, dann doch wieder nicht.

Die Konvergenzzone teilt den Wind scharf abgegrenzt in Nord-Ost und Süd-Ost

Die Konvergenzzone kann auch kreisförmig sein, dann herrscht meilenweit Flaute

300 Meilen Flaute

Wo können wir hin?
– Nach Westen scheidet aus. Dort nimmt mit jeder Meile die Zyklon-Gefahr zu.
– Nach Norden-Osten, auf die Marquesas, scheidet aus. Oberhalb der Konvergenzzone hat sich ja der nördliche Wind etabliert. Siebenhundert Meilen gegen den Wind wollen wir nicht.
– Nach Osten, in die Tuamotu, ginge leidlich, obwohl die Wahrscheinlichkeit hoch wäre, dass wir auf halber Strecke in der Flaute stecken bleiben. Von dort erreichen uns Berichte über Winddreher, gefährliche Boen, unruhige Ankerplätze und Scheißwetter. Das brauchen wir nicht. In einer Marina mit Internet und Infrastruktur ist schlechtes Wetter besser zu ertragen.
– Nach Süd-Osten wollen wir ja, haben aber auch in diese Richtung den Wind genau auf die Nase.
Das nennt man wohl klassisch gefangen.

Und in der nahen Umgebung? Statt Papeete Stadthafen?
– Der größte Ankerplatz auf Tahiti – Taina – wird gerade geräumt. Bis April sollen alle Ankerlieger dort verschwunden sein. Da sind wir weder willkommen, noch gefällt es uns dort besonders gut. Außer einem großen Supermarkt (und den besten Blick auf Moorea) gibt es dort nicht viel.
– Taravao. Dort sind wir im Juli mit dem Schiff an Land gewesen. Das ist auch ganz hübsch, aber ein echtes Regenloch. Papeete ist trocken, in Taravao säuft man ab.
– Wieder rüber nach Moorea? Tja, auch dort sind wir Langfahrtsegler nicht mehr sehr willkommen. An den Ankerplätzen mit türkisem Wasser darf man zwei Tage bleiben. In den Buchten mit schlammigen Untergrund maximal eine Woche. Und wir lesen verzweifelte Berichte bei facebook: „Wir sind jetzt eine Woche hier, regnet es hier immer?“

Also bleiben wir in unserem Stadthafen. Papeete hat im Auenblick das trockenste Wetter in weiter Umgebung. Nur alle drei Tage Regen ist ein Spitzenwert. Die Empfehlung von Met-Bob, dem Wind-und Wetter-Guru, für den Südpazifik, lautet: „Lehnt euch zurück, relaxt. Es ist kein guter Zeitpunkt für Insel-Hopping.“
Wir sind überzeugt, dass die Konvergenzzone sich nach Süden verlagern wird. Wann? Kann täglich passieren. Kann noch vierzehn Tage dauern. Wir lehnen uns zurück und drücken die Taste. :-)

Senkrechter Schnürli-Regen bei Null Wind

Wem soll man glauben?

Mi., 06.Nov.19, Franz.Polyn./Moorea/Cook Bay, Tag 1984, 19.044 sm von HH

Neben uns am Anker liegt die Alrisha. Brigitte und Ferry kennen wir seit Kolumbien, bereits seit über zwei Jahren. Immer wieder haben sich unsere Wege getrennt und erneut gekreuzt: Panama, Ecuador, Osterinsel, Gambier und jetzt Französisch Polynesien.
Die beiden warten genau wie wir auf ihr Wetterfenster. Sie wollen auf die Marquesa Inseln, ein harter Ritt von 700 Seemeilen gegen den Wind – hier zu verfolgen.
Der logische Weg für die Alrisha führt über die Tuamotu, deckt sich also über zweihundertfünfzig Meilen mit unserem Plan. Eine kurze Nord-West-Wind-Lage am Wochenende haben wir verstreichen lassen, weil sie uns zu kurz erschien, um das Ziel zu erreichen. Die Alrisha, weil sie technische Probleme hatte.

Alrisha und Atanga am Anker

Jetzt hocken wir gemeinsam über den Wetterkarten und grübeln. Alrisha ist Kunde eines bekannten deutschen Anbieters für Wetterdaten. Wir beziehen unsere (kostenlosen) Infos von zyGrib oder Saildocs.
Unsere Vorhersage prophezeit Süd-Ost. Die Angaben von Alrisha sind um 180 Grad gedreht, verheißen einen Nord-West-Wind. Da soll man nicht bekloppt werden. Wem soll man glauben?
Der Nord-West-Wind wäre göttlich. Er würde uns ein gutes Stück nach Osten bringen ohne gegen an knüppeln zu müssen.
Die Crews haben unterschiedlich entschieden. Alrisha ist heute gefahren, wir brechen Morgen auf. Ich habe wieder vorgekocht. Obwohl ich das aus abergläubischen Gründen eigentlich sein lassen sollte. Aber wenn wir hoch am Wind segeln müssen, gibt’s Achims berüchtigten Nudeln mit Ketchup. Da sorge ich doch lieber für zwei Tage mit richtigem Essen vor. Sollte der Nord-West-Wind wirklich eintreffen, so schmeckt mein Essen auch mit achterlichem Wind. :roll:

Unser Ziel? Das wissen nur die Götter. Es kommt darauf an, welche Wind-Vorhersage eintreffen wird. Es stehen uns ein paar Atolle in den Tuamotu zur Auswahl.

Nebenbei erkunden wir die nähere Umgebung oder laufen die unendlichen Kilometer zum Internet. Gegenüber von unserem Ankerplatz liegt ein kleiner Friedhof hoch in den Hang gebaut. Am Abend von Allerheiligen ist dort mächtig Betrieb. Die Autos verursachen regelrecht einen Stau vom Friedhof bis zur Kirche. Aus der Kirche schallt Allerheiligen mehrere Stunden Gesang und der Gottesdienst zu uns herüber.
Am nächsten Tag sehen wir den Grund für die vielen Autos: Die Gräber sind mit überdimensionalen Blumengestecken regelrecht zugepflastert. Die Gestecke wurden am Straßenrand von fliegenden Händlern und schon Tage vorher in Papeete auf dem Markt zu hunderten verkauft. Ich hatte mich schon über das Überangebot an Blumengestecken gewundert, auf Grabschmuck war ich nicht gekommen. Jetzt ist es klar.

Friedhof mit phantasitscher Aussicht

St: Joseph Kapelle in der Cook Bay

Blumengestecke zu Allerheiligen auf dem Friedhof

 

175-Tage-Master-Plan

Fr., 18.Okt.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 1965, 18.962 sm von HH

Essig mit Austral-Inseln – zumindest für die nächsten fünf Tage. Der Wind soll komplett einbrechen auf unserem Weg dorthin. Das wollen wir uns nicht antun. Unser Wochenvertrag in der Marina läuft heute aus, nochmal verlängern wollen wir nicht, also kommt Plan B zum Zug: wir machen einen Abstecher nach Moorea.
„Perle der Südsee“, nennt die Touristen-Branche diese Insel. „Geschenk der Götter an die Polynesier“, sagen die Einheimischen. Klingt also nicht nach einer echten Strafe dort zu stoppen. Und weit ist es außerdem nicht. Nur ein Tageshüpfer. Und mein wichtig vorgekochtes Essen, schmeckt auch am Anker. :roll:

Geschenk der Götter an die Polynesier – Moorea