Kategoriearchiv: Karibik

Noch mal Hillsborough

Mo., 27. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 758, 6.552 sm von HH

Alle paar Tage fahr ich entweder alleine oder gemeinsam mit Achim nach Hillsborough.
Zum Nachbunkern von Leckerlies.

Es macht Spaß in diesen kleinen karibischen Orten einkaufen zu gehen.
Die Gemüse-Frauen sprechen einen mit ‚Sweetheart‘ oder ‚Darling‘ an und es gibt keine Touri-Preisaufschläge. Dafür eine philosophische Betrachtung, dass die Schwarzen nur grün-gelbe Tomaten kaufen und die Weißen nur die roten Tomaten wollen.

Im Ort gibt es immer was zu entdecken.

Wie in allen Ländern, die zum Commonwelth gehören, gibt es auch auf Carriacou Schuluniform. Ich finde in Deutschland müsste es auch mindestens bis zur 10. Klasse Schuluniform geben, aber doch bitte nicht so.
Die besonderen Verlierer sind die Mädchen: mausgraue Faltenröcke, die bis unter die Achseln reichen. Dazu weiße Kniestrümpfe und weißes Hemd. Unter dem Hemd muss ein ärmelloses Unterhemd getragen werden.
Besonders fies ist eine rot karierte Krawatte, die von Jungs und Mädchen getragen werden muss. Irgendwie geht das schöner.

Auf dem Bau wird Sicherheit ganz groß geschrieben: Sicherheits-FlipFlops beim Beton mischen.
Mit Adiletten wird auf dem Gerüst geturnt.
Natürlich hat das Gerüst weder Leiter, noch Geländer. Konsequenter Weise ist es dann aber auch nicht mit der Hauswand verbunden.
Einem versicherungs-närrischen West-Europäer dreht es dabei den Magen um.

 

Heute war leider unser letzter Besuch in Hillsborough.
Mittwoch ziehen wir weiter. Wir wollen zwei Nächte auf einer der vielen kleinen vorgelagerten Inseln von Carriacou verbringen und dann geht es ab nach Grenada.

Tyrrel Bay

Fr., 24. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 755, 6.552 sm von HH

Um so länger wir auf Carriacou verweilen, desto besser gefällt es uns hier.
Die Bucht ist nicht schwellig, es kommen keine Fallböen von irgendwelchen Bergen geschossen und im Ort bekommt man fürs tägliche Leben das Nötigste.
Ein tiefenentspannter Ort an dem einem die Kühe beim Strandspaziergang begleiten.

An der Nordseite der Bucht gibt es eine Mangroven-Lagune.
Im Revier-Führer steht, dass diese bei Hurrikan als Schlupf-Loch von Fischerbooten und Yachten genutzt werden kann.

Eine übliche Methode, um Sturm abzuwettern.
Dafür fährt man möglichst tief in die Mangroven-Verwurzelung hinein und vertäut sein Schiff mit Ankern und Landleinen so gut es geht. Alle losen Teile werden von Deck abgebaut oder so gesichert, dass der Sturm sie nicht losreißen kann.
Eine dringende Empfehlung lautet, unbedingt das Schiff zu verlassen und an Land den Sturm abzuwettern.

Mangroven verankern ihre Wurzeln im Salzwasser und bilden ein dichtes Geflecht, welches weltweit Tropen-Küsten wirksam vor Sturm-Schäden schützt. Nachweislich gibt es in Gegenden mit breitem Mangroven-Saum weniger Tote zu beklagen als in Regionen ohne Mangroven.

Als wir mit dem Dinghy durch die Lagune fahren, können wir sehen, dass nicht alle hier vertäuten Schiffe die letzten Stürme überlebt haben. Uns wäre sehr unbehaglich bei der Vorstellung Atanga in dem niedrigen Gestrüpp zurück lassen zu müssen. :shock:

Um einen gebrochenen Mast zu haben, ist allerdings kein Sturm nötig, wie uns unser englischer Nachbar zeigt.
Alle paar Tage geht er Anker auf, fährt wahrscheinlich zum Angeln, und kommt ein paar Stunden später wieder.

Am Mittwoch kommt er allerdings mit gebrochenem Mast zurück. :cry:
Er hat Glück und braucht sich nicht von Wanten, Segeln und Beschlägen trennen, sondern kann ohne Gefahr zu laufen, dass ihm der Mast sein Schiff zerschlägt, in die Bucht kommen.

Die Wind-Verhältnisse sind an dem Tag Passat-üblich normal: 17 bis 21 kn Wind, Windstärke 5. Eigentlich kein Wetter, dass einem den Mast herunter holt.
Vielleicht hat es ihn an einem der Kaps erwischt. Dort muss man mal mit zwei Windstärken mehr rechnen.
Armer Kerl. Sein kleines hübsches Schiff sieht jetzt total amputiert aus.

Auf St. Lucia haben wir mit Engländern gesprochen, die auf einem ähnlich großen Schiff ihr komplettes Rick verloren haben: Schaden 40.000 USD!

Karibik Feeling

Mo., 20. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 751, 6.552 sm von HH

Die Tage schmelzen dahin wie Eiswürfel im Rum-Punsch.
Entweder wir schwimmen und schnorcheln, erforschen die nähere Umgebung zu Fuß oder widmen uns dem täglichen Wahnsinn auf so einem Kahn.

Ehrlich, fast kein Tag an dem nicht irgendwas klemmt.
Meistens sind es nur Kleinigkeiten, die zu reparieren sind. Zum Glück.
Gastlandflagge nach nur drei Wochen Passat-Wind: kaputt
Lampe (nicht Birne) im Flur: kaputt
Lichtschalter im Salon: kaputt
diverse Tampen, Bänder, Schnüre, Fallen, Schoten: nicht kaputt, aber ausgefranst

Einen Tampenschneider haben wir nicht, also muss es der Lötkolben richten, die Enden zu verschmelzen. Ist ein ganz brauchbarer Ersatz.
Der Bunsenbrenner zum Karamellisieren von Zucker wird zu heiß, der fackelt den Tampen eher ab als dass er sie schmilzt.

Dann hauche ich unseren Frühstücksbrettern das Leben aus.
Unser Brot bewahren wir, in Geschirrhandtücher gewickelt, im Kühlschrank auf. Um sich ansammelnde Schimmel-Sporen zu vernichten, koche ich diese Tücher hin und wieder ab.
Im Schnellkochtopf. Der erreicht 120 Grad und die Tücher sind wieder ’steril‘.

Da fallen mir unsere Brettchen ins Auge. Bevor die wieder anfangen zu muffeln, denke ich, dass ihnen so ein Kochbad gut stehen könnte.
Falsch. Ihnen ist das Bad eindeutig zu warm. Kochendes Wasser vertragen sie, den Schnelldampfer nicht.
Ich bin ja nur froh, dass der Kunststoff nicht den ganzen Topf versaut. :shock:

Und dann, es war nur eine Frage der Zeit, musste es ja soweit kommen.
Unser manuelles Pumpklo pumpt nicht mehr. Wasser zum Spülen wird noch angesaugt, nur abpumpen geht nicht. :roll:

Da dies eindeutig eine hellblaue Arbeit ist, verschwindet der Skipper im Bad.
Wir haben einen Wartungssatz für unsere Jabsco-Pump-Toilette. Zuvor muss jedoch die alte Pumpe ab- und auseinander gebaut werden.
Ich höre unflätige Worte aus dem Bad: Mist, Dreck, Scheiss, Kack!

Inhaltlich ist das Gefluche so nicht korrekt! :mrgreen:
Das traue ich mich zur Aufheiterung aber nicht zu kommentieren.
Handelt es sich doch „lediglich“ um Urinstein, der in den Leitungen, Dichtungen und sonst wo zu einem Pump-Stopp geführt hat.

Bis hierhin alles nicht so schlimm, kann prima gewartet und repariert werden.

Bis zum Super-Gau. Unser Wassermacher macht kein Wasser mehr.
Das Problem hat Achim lokalisiert. Es ist die MCU, die dem hohen Druck von 60 bar nicht Stand gehalten hat, aus ihrem Gehäuse gedrückt wurde und nun für um sich spritzendes Wasser sorgt.
Diverse Reparatur-Versuche sind bereits gelaufen und Achim ist auf einem guten Weg.
Heute konnte er bereits wieder 50 bar Druck erzeugen.

Reparatur-Bericht von Achim folgt, sobald alles wieder heil ist. :-)

Hillsborough

Fr., 17. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 748, 6.552 sm von HH

Auf den ersten Blick fällt auf, dass Carriacou viel sauberer ist als St. Vincent und die Grenadinen. Die Häuser sind besser gebaut, weniger baufällige Bretterbuden, kaum Schutt vor der Haustür, weniger Müll. Sogar grüner ist es hier.

Das Hinterland, auf den anderen Inseln, häufig abgewohnt, sieht gepflegt und gut in Schuss aus. Die Menschen scheinen im Inselstaat Grenada ein erheblich besseres Auskommen zu haben.

Nach Hillsborough, der Hauptstadt ;-) von Carriacou, mit 600 Einwohnern, fahren wir mit dem Minibus.
Der Bus, der neben uns hält, fordert uns energisch auf einzusteigen: Ja, ja, alles richtig, es geht nach Hilsborough, obwohl er in die entgegengesetzte Richtung fährt.
Wir kommen also in den Genuss einer halben Inselrundfahrt. Da der Bus wenig Besorgnis erregende Geräusche macht und der Fahrer anständig fährt, können wir das genießen.

In diesen Minibussen ist der Kunde König.
Neben Passagieren werden auch Tüten aus Geschäften abgeholt und irgendwo in der Pampa an einem Haus ausgeliefert.
Eine Mutter mit zwei Kindern steigt an einer Apotheke aus und während der Fahrer Hillsborough auf der Suche nach weiterer Kundschaft abfährt, macht sie ihre Besorgungen. Die beiden Kinder bleiben im Bus.
Als Mutti zehn Minuten später auf dem Rückweg nicht vor der Apotheke wartet, geht der Fahrer rein, zum Nachschauen, wo sie bleibt. Was für ein Kundenservice.

Im Gegenzug kann es einem passieren, dass der Fahrer noch mal eben beim örtlichen Handy-Shop anhält, um für sich etwas zu besorgen. Niemand regt das auf, alle warten geduldig bis es weiter geht.

Hillsborough ist aufgeräumt und ganz niedlich. Es gibt einen kleinen Gemüse- und Fischmarkt und ein Dutzend Supermärkte mit dem üblichen Sortiment an Büchsen-Futter und Hähnchenfleisch.

Und wenn Du denkst, Tomate auf Brot schmeckt nicht mehr,
kommt von irgendwo Salami her. :mrgreen:

In diesem Fall kommt die Salami aus Patty’s Deli, einem kleinen Feinschmeckerladen.
Fast von uns unentdeckt geblieben beim Stöbern durch den Ort.
Die Salami ist nicht etwa eingeschweißt, sondern frisch im Anschnitt. Gekochter Schinken, geräucherte Putenbrust und ein paar Käsesorten liegen direkt daneben.
Pattys Preise sind extrem angenehm für die Region (Kilopreis bei 20 EUR). Das letzte Mal als wir solche Leckereien gesehen haben im Hotel auf Canouan, lagen die Preise bei 50 EUR/Kilo.


Der Fund des Tages ist ein Aushang im Supermarkt:
Von den üblichen 15% Mehrwertsteuer sind befreit: Grundnahrungsmittel, Solar-Panele und alle Gegenstände, die der Schadens-Minimierung bei Hurrikan dienen. Fensterläden, unabhängig ob geklappt und gerollt, mechanisch oder manuell. Alle Arten von Gurten und Riemen zum Festbinden von Teilen.

Schick essen gehen am Hochzeitstag

Mi., 15. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 746, 6.552 sm von HH

Ein scheinbar unmöglicher Wunsch, schaut man sich die Restaurants in der Tyrrel-Bucht so an. Kleine Bretterbuden, oft geschlossen, bieten lokale Kleinigkeiten zu essen.
Ganz nett, aber von schick weit entfernt.

Ein ‚Probe-Essen‘ letzte Woche im Iguana deutet an, dass es nicht einfach wird, diesen Wunsch umzusetzen. Im Iguana ist donnerstags Pizza-Tag.
Viel gepriesen, in Büchern, per Mail und über die morgendliche Funkrunde. Wir versuchen also unser Glück.

Der Pizzaboden ist noch das Beste an dem Teil, schön dünn, knusprig, alles gut.
Der Rest ist fad, ohne Salz. Es fehlen würzige Tomatensoße und Kräuter, den Käse habe ich als dieses fiese Vegi-Zeug in Verdacht. Schlechter kann eine Pizza kaum sein.

Erschwerend kommt die Gruppe, deutlich betagter, Amerikaner hinzu, die in der Pinte einen Auftritt wagen. Gesang mit Gitarre, Bass und Bongo-Spieler.
Oldies, but goldies.
Allerdings nach ein paar Songs reicht es dann auch. Als zwei Ladies die, nicht vorhandene, Tanzfläche entern, ist es Zeit zu gehen.
Wenn zwei Frauen miteinander tanzen, bist Du entweder in einer Striptease-Bar und solltest bleiben oder im Altersheim und solltest flüchten. :mrgreen:

Soviel ist klar, da brauchen wir am Verheiratungs-Tag nicht hin.

Dann hört Achim über die Nachbar-Kneipe, dem Slipway, dass die mittwochs Hamburger-Tag haben. Nun, schlechter als die Pizza, kann’s nicht werden. Wir gehen hin!

Burger gibt es nur mittags.
Die alternative Abendkarte steht auf einer Tafel am Tresen: gegrillter Schwertfisch, MahiMahi, Thunfisch oder Schweineschnitzel (wo haben die das Schwein denn her?).
Dazu kommen Kartoffeln und Gemüse. Vor meinen Augen tauchen olle Pommes, und als Gemüse, die üblichen Kochbananen auf.

Ich wähle den Thunfisch und schon lauert die erste Überraschung auf mich: die Wirtin fragt mich allen Ernstes, wie ich ihn gegrillt haben möchte. :shock:
Ich hätte ihn gern innen roh.

Am Tisch die nächste Überraschung: es gibt echte Stoffservietten. Nicht diese hauchdünnen Papierteile, die einem in Fetzten am Mund kleben bleiben, wenn sie feucht werden.

Zur Vorspeise, Salat mit cremigen Ziegenkäse (wusste ich doch, dass es sowas geben muss, schließlich laufen die Viecher überall rum), wird knuspriges Baguette (wo haben die das wieder her?) gereicht. Lecker.

Mein Thunfisch haut mich vom Hocker. In der Mitte noch roh, wie bestellt.
Dazu Wassermelone, angemacht mit Öl und, festhalten, frischem Basilikum (wo, verdammte Axt, haben die das her?). Eine köstliche Kombination, die zum Fisch vorzüglich passt.
So, Steffen Henssler, falls Du das liest, so muss Thunfisch. ;-)

Das Gemüse sind grüne Bohnen aus dem Wok (?) und die Kartoffeln sind knusprig gebraten. Achim ist mit seinem Schnitzel und den gleichen Beilagen ebenso happy.

Hier hätte ich einen tot gebratenen Lappen erwartet. Aber Fehlanzeige!
Es ist saftig und wird mit angedünsteten, getrockneten Tomaten gereicht.

Dass mein Thunfisch nur 4 EUR mehr kostet als die gruselige Pizza (13,00 EUR), kann ich fast nicht glauben. Ein Hoch auf das Slipway, können wir unbedingt empfehlen.

Mit dem am Nachmittag besorgten Eis, macht ein langes gehütetes Schätzchen den Abend perfekt. Da stört es auch keinen, dass wir eigentlich erst am 16. Juni Hochzeitstag haben. ;-)