Kategoriearchiv: An Land

Der Shelter Bay Marina Bus

Sa., 03.02.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1344, 12.404 sm von HH

Ich bin ja froh, dass es diesen Bus gibt, aber ein Quell der Freude ist er nicht. Langsam beginne ich ihn zu hassen.

Der Mini-Bus schafft 25 Personen und befördert neben Menschen auch Kakerlaken hin und her.
„Die laufen einem über die Füße“, aufgeregt warnt mich eine Amerikanerin gleich vor der ersten Fahrt. „Typisch Ami, immer übertreiben“, denke ich so bei mir. Ich sehe keine.
Vorsichtshalber stelle ich meinen Rucksack nicht auf die Erde.

In Woche 2 sehe ich dann beim Einsteigen das erste Mal eine huschen. Huch.
Noch wähne mich sicher, immer schön den Rucksack geschlossen halten und die Taschen auf dem Sitz.
In Woche drei scheint es Nachwuchs gegeben zu haben. Viele kleine Kakis sind nun unterwegs.
Die Taschen auf dem Sitz zu halten, ist ein Witz. Die kleinen Racker sind echte Pioniere. Krabbeln frech und munter über die Lehen, Sitze und an den Scheiben hoch.
Schuhe klatschen, verhaltenes Quicken hinter mir. Dann ein kräftiges ‚Pffffft‘. Im gut besetzten Bus sprüht eine verzweifelte Frau die Chemie-Keule aus der Dose auf die Tierchen.
Muss ja nun auch nicht sein, das giftige Zeug einzuatmen (warum hat sie überhaupt so eine Dose dabei, frage ich mich).
Wieder ein Schrei und erneutes Sprühen. Ich bitte darum mit dem Sprühen aufzuhören. Das Zeug stinkt wie Hölle und die Kakerlaken sind wahrscheinlich seit Jahren resistent dagegen.

In Woche vier ist wieder Ruhe im Bus. Vielleicht hat der Fahrer mal gründlich durch gewischt.  Ich glaube wieder dran, dass ich es schaffen kann, keines der Biester mit an Bord zu schleppen.

Abgesehen von den Kakerlaken ist die Tour unglaublich langweilig.
Zu 45 Minuten Fahrt kommt häufig noch das Doppelte an Wartezeit vor der Fähre dazu.
Ein echtes zwei-Minuten-Highlight bekommt man, wenn der Fahrer den Weg über die einspurigen Dreh-Brücken vor den Schleusen nimmt. Auf der Atlantikseite sind die auf Meeres-Niveau, auf der Gatun-Seite oberhalb der Schleusen, dann kann man mal einen Blick in die neuen, großen Schleusen erhaschen. Das war’s dann aber auch schon.
Oft sind diese Brücken gesperrt, weil grad das Schleusen-Tor geöffnet wird. Dann wartet man ebenfalls locker eine halbe Stunde.

Die neue Schleuse mit richtig großen Schiffen

Die neue Schleuse mit richtig großen Schiffen

Vormittags fährt der Bus um 7:45 Uhr. Mit Glück ist man eine Stunde später im Einkaufs-Komplex angekommen. Die meisten Läden haben dann noch geschlossen, außer dem Supermarkt.
Um 11:00 Uhr fährt der Bus zurück. Zwei Stunden Zeit für den Kauf von ein paar Lebensmitteln, hm, irgendwie zu lang und vorher bummeln, geht ebenfalls nicht, weil viele Läden erst um 10:00 Uhr öffnen. Und zum Bummeln laden die Plastik-Zeug-was-keiner-braucht-Läden auch nicht wirklich ein.

Also fahre ich meistens nachmittags. Der Bus startet um 13:00 Uhr. Wenn alles gut läuft, ist man noch vor 14:00 Uhr da und um 15:00 Uhr geht es bereits zurück.
Dauert es vor der Fähre mal wieder etwas länger, heißt es Gas geben. Plötzlich beträgt die Einkaufszeit nur noch 45 Minuten. Der Bus wartet nicht und der Fahrer muss deutsches Blut in den Adern haben, auf die Minute pünktlich wird abgelegt.

Profi-Einkäufer steuern direkt die Fleisch-Theke an. Hier verplempert man die meiste Zeit.
Erst mal eine Nummer ziehen. Auf den Bänken vor der Theke sitzen meisten drei, vier Kunden und warten. Der Schlachter hinterm Tresen hat die Ruhe weg, ist ja nicht sein Problem, wenn man den Bus verpasst.

In meiner Anfänger-Zeit habe ich nur eine Nummer gezogen.
Noch fünf Nummern vor mir, in der Zeit sollten doch Gemüse und Milchprodukte heranzuschaffen sein. Bloß die Nummer nicht aus den Augen verlieren. Den Einkaufswagen lasse ich beim Fleisch-Tresen und gehe immer mal wieder zurück.
Ewig leuchtet die 89, es geht nicht voran. Meine Kreise werden größer, ich arbeite schon mal die Non-Food Regale ab. Die 89 steht. Ich geh noch mal weg. Zwei Minuten später leuchtet die 95.
Nun stehe ich blöd da, mit meiner 94 in der Hand. Wie kann das sein? Der Trödel-Schlachter schafft doch keine vier Kunden in zwei Minuten.
Nach drei Wochen bin ich dahinter gekommen, wie viele potentielle Fleisch-Kunden es machen: Sie ziehen bei jedem Vorbeikommen an der Fleisch-Theke eine Nummer.
Sind sie gerade beim Mehl und ihre Nummer wird aufgerufen, egal, sie haben ja noch drei weitere Nummern in der Tasche. Mach ich jetzt auch so.

Panama Kanal – jetzt geht es in den Pazifik

Di., 16.01.2018, Panama/Kanal, Tag 1326, 12.404 sm von HH

Auf einer normalen Langfahrt-Yacht richten es sich zwei Menschen häuslich ein. Platz für drei weitere Übernachtungsgäste ist da nicht vorgesehen. Birgit und Bernd schaffen es trotzdem, Ferry und Achim bequem im Salon unterzubringen. Für mich bleibt ein Platz im Cockpit. Der wird mir kuschelig hergerichtet: wenn man will, dann geht alles.
Die Nacht ist trotzdem kurz und unruhig. Für alle.

Der Advisor kommt etwas zu spät, aber um 7.00 Uhr geht es los. Ein super Frühstück mit Ei, Wurst, Toast und Speck gibt es unterwegs. Birgit verwöhnt alle Gäste und schöpft aus dem Vollen.
Fünf Stunden dauert die Fahrt durch den Gatún-See.
Dieser See ist beim Bau des Panama-Kanals durch den Stau des Rio Chargres entstanden. Kurz vor der Mündung des Rio Chagres in die Karibik gab es eine natürliche Engstelle zwischen zwei Bergen. Diese nur zwei Kilometer breite Lücke wurde durch einen künstlichen Damm geschlossen. Der Chargres staute sich zurück und bildet heute den Gatún-See. Auf der 29 Kilometer langen Strecke zwischen den Schleusen musste nur vereinzelt die Fahrrinne ausgebaggert werden.

Aus unerfindlichen Gründen bleibt das Hubschrauber-Motorboot zurück. Auf der Schiffs-Liste unseres Advisors ist die Yacht vermerkt und vorgesehen, um erneut ein Dreier-Päckchens zu formen. Aber sie kommt nicht.
Somit bilden die ‚Rebell‘ und die ‚Seven Seas‘ heute alleine ein Paket.

Im Zweier-Paket auf dem Weg zur ersten Pazifik-Schleuse

Im Zweier-Paket auf dem Weg zur ersten Pazifik-Schleuse

Wieder binden wir uns kurz vor der Schleuse zusammen. Beide Segelboote sind in etwa von gleicher Größe und Gewicht, also müssen beide Skipper Gas geben und lenken.
Der Chef Advisor befindet sich auf der ‚Rebell‘ und übernimmt das Kommando über beide Schiffe.
Er gibt genaue Anweisungen, wer mehr Schub geben soll und welches Segelboot dagegen halten muss.

Die Jungs mit ihren Affenfäusten stehen schon bereit. Ferry und Achim bedienen die Leinen. Alles geht glatt über die Bühne, keiner bekommt den Stein an den Kopf.

Bei dem dicken Pott, der hinter uns in die Schleuse kommt, übernehmen kleine Elektro-Lokomotiven die Aufgabe der Leinenhalter. Winden an den Loks straffen Drahtseile zwischen Schiff und Lok.
Diese Loks übernehmen komplett die Führung der großen Schiffe.
Als Winzling hinter so einem Frachter wünscht man sich, dass die Bremsen der Loks auch wirklich funktionieren.

Der Frachter wird mit Schleppern in die Schleuse gebracht

Der Frachter wird mit Schleppern in die Schleuse gebracht

Hier haben die Loks die Arbeit übernommen

Hier haben die Loks die Arbeit übernommen

 

Hoffentlich halten die Bremsen

Hoffentlich halten die Bremsen

Viel Platz ist nicht übrig

Viel Platz ist nicht übrig

Zwischen der ersten und zweiten Schleuse liegen knapp zwei Seemeilen, die wir als Verbund zurück legen. Die beiden letzten Schleusen liegen wieder unmittelbar hinter einander.
Das bergab schleusen ist nicht halb so spannend wie bergauf. In der Schleusenkammer wird ein ‚Stöpsel gezogen‘, der das Wasser unspektakulär abfließen lässt.

Erst wenn sich das letzte Tor zum Pazifik öffnet, wird es noch mal spannend. Die Vermischung von Salz-und Süßwasser kann zu heftigen Turbulenzen führen. Bei der Fahrt der ‚Rebell‘ bleibt alles ruhig, so dass sie ihren Eintritt in den neuen Ozean ausgiebig genießen können.

Hinter der letzten Schleuse trennen wir uns von der ‚Seven Seas‘, die ‚Rebell‘ spendiert für alle noch ein leckeres Mittagessen und der Advisor wird von seinen Leuten abgeholt.
Ferry, Achim und ich gehen in der nächsten Marina von Bord. Es ist später Nachmittag und wir haben noch mindestens zwei Stunden Fahrt zur Atlantik-Seite zurück.

Liebe Birgit und Bernd, Euch wünschen wir eine tolle und sichere Reise in den Pazifik und danke für den Job auf Eurer ‚Rebell‘.

Das Tor zum Pazifik, was für Atanga noch eine lange Zeit verschlossen bleibt

Das Tor zum Pazifik, was für Atanga noch eine lange Zeit verschlossen bleibt

Als Line Handler durch den Panama Kanal

Mo., 15.01.2018, Panama/Kanal, Tag 1325, 12.404 sm von HH

Cooler Job.
Jedes Segelschiff, das durch den Panama Kanal will, muss vier ‚Leinenhalter‘ an Bord mit durch den Kanal nehmen. Das bedeutet für die durchschnittliche Zweier-Crew, dass sie sich drei fremde Line Handler suchen muss.
Üblicherweise tauschen wir Yachties uns untereinander aus: Ein Schiff, das durch möchte, sucht sich in der Marina willige Crew-Mitglieder anderer Schiffe, die ein paar Tage später auf dem eigenen Kiel fahren.

Zu unserer Überraschung ist es schwerer als erwartet, Mitfahrer zu finden. Wer niemanden findet, kann auf ‚Taxifahrer‘ zurückgreifen. Diese Jungs kommen in die Shelter Bay Marina und bieten gegen 120 USD ihre Dienste an.
Wir hatten mit Birgit und Bernd von der ‚Rebell‘ bereits in Santa Marta verabredet, uns gegenseitig zu helfen.
Für uns ist das keine lästige Pflicht. Wir erwarten von dem Testlauf, dass sich ein paar Mythen über die Kanal-Passage in Wohlgefallen auflösen. Von der Kanal-Aufsicht wird dieser ‚Übungslauf‘ ebenfalls empfohlen.

Die beiden alten Altlantik-Schleusen vom Atlantik aus gesehen

Die beiden alten Altlantik-Schleusen vom Atlantik aus gesehen

Um 14.00 Uhr finden wir uns gemeinsam mit Ferry (Österreicher und von der Alrisha), auf der ‚Rebell‘ ein. Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir den Warteplatz für Yachten. Dort nehmen wir den ‚Advisor‘ an Bord. Dieser wird von der Kanal-Aufsicht geschickt und ist ebenfalls ein Pflicht-Mitglied an Bord.
Der Advisor übernimmt keine Lotsen-Funktion, wie auf den großen Frachtschiffen, sondern dient nur als Berater. Die Skipper auf Sportbooten behalten die volle Verantwortung und ihre Aufgabe als Rudergänger. Wer sich allerdings nicht an die Advisor-Ansagen hält, wird an die Kette gelegt.

Sportboote werden meistens in Zweier-oder Dreier-Paketen zusammen gelegt.
Im Fall der ‚Rebell‘ erfolgt dies mit der ‚Seven Seas‘, einem weiteren Segelboot, und in die Mitte kommt ein großes Motorboot mit eigenem Hubschrauber an Deck. :shock:

Das Dreierpaket wird kurz vor der ersten Schleuse gebildet. Die Advisor haben genaue Vorstellungen, wie die Schiffe zusammen ‚geschnürt‘ werden, sind aufmerksam und behilflich.
Dann geht es in die Schleuse. Hinter einem recht kleinen Frachter hinterher.
Das Motorboot, mit seinen kräftigen Motoren, übernimmt die Führung. Die, an der Seite hängenden, Segelboote sind arbeitslos.

Die Besonderheit im Panama Kanal ist, dass Schiffe nicht an der Schleusenwand festmachen. Weder die Großen noch Sportboot-Pakete.
Jetzt kommen die angeheuerten Leinenhalter ins Spiel. Normalerweise. Im Fall der ‚Rebell‘ sind wir überflüssig. Das dicke Hubschrauber-Boot ist so viel länger als wir Segelboote an der Seite, dass die Motorboot Line Handler den Job übernehmen müssen.

Auf den Wänden der Schleusen stehen Jungs, die dünne Leinen mit Hilfe einer ‚Affenfaust‘ auf das Motorboot werfen. Das dünne Band wird an geliehene Festmacher gebunden und von den Jungs zurück zur Schleusen-Wand gezogen und dort belegt.
Die vier Leinenhalter haben die Aufgabe, die Leinen auf Zug zu halten. Wenn der Wasserstand in der Schleuse steigt, keine so leichte Aufgabe. Die Tampen sind dick und widerborstig. Man muss schon ordentlich ziehen, um die Leine dicht zu holen.

Zielgenau kommt die Affenfaust geflogen - die Jungs werfen ziemlich gut

Zielgenau kommt die Affenfaust geflogen – die Jungs werfen ziemlich gut

Mit der Hilfsleine wird der lange Tampen an Land gezogen

Mit der Hilfsleine wird der lange Tampen an Land gezogen

Die Rebell hängt am Motorboot - an der anderen Seite hängt die Seven Seas

Die Rebell hängt am Motorboot – an der anderen Seite hängt die Seven Seas

 

Wenn alle an ihren Positionen soweit sind, wird das Tor geschlossen und dann heißt es: „Wasser Marsch“. Also, das ist schon schwer beeindruckend. Die eben glatte Oberfläche des Wassers verwandelt sich in einen Hexenkessel. Drei Knoten Strömung misst Bernd an der Logge. Wow!
In Null-Komma-Nichts ist das riesige Becken gefüllt. Nochmal wow!

Sprudelwasser in der Schleuse

Sprudelwasser in der Schleuse

Sobald die Schleusenkammer voll ist, wird das Tor zur nächsten Kammer geöffnet. Unser Päckchen fährt hinter dem Dicken nach vorne, ohne dass der Leinenkontakt zu den Schleusen-Wänden gelöst wird. Dieser Vorgang wiederholt sich drei Mal. Die drei Atlantik-Schleusen-Kammern liegen direkt hintereinander. Ungefähr 26 Höhenmeter steigen wir auf das Niveau des Gatun-Sees.

In der Zwischenzeit ist es nach 18:00 Uhr und dunkel geworden. Im Dreier-Paket fahren wir hinter den Schleusen ‚rechts ran‘, der Verbund wird gelöst und einzeln geht es (20 Minuten Fahrt) weiter zum Nacht-Warteplatz. Hier werden die Advisor von ihren Booten abgeholt und wir Crews bekommen die Info: „Morgen früh um 6:00 Uhr kommen neue Advisor, die Euch durch den Gatun-See begleiten und die Schleusung in den Pazifik übernehmen. Gute Nacht.“

Das letzte Tor zum Gatun See öffnet sichnet sich

Der Blick zurück auf den Atlantik

Der Blick zurück auf den Atlantik

San Blas – Ein Blick hinter die Postkarten-Idylle

Mi., 03.01.2018, Panama/Puerto Lindo, Tag 1313, 12.374 sm von HH

In einem muss man der Dumpfbacke Donald Trump Recht geben: Die Klimaerwärmung kann man komplett ignorieren. Daran wird die Menschheit nicht zu Grunde gehen, sondern wir werden in unserem eigenen Plastik ersticken.

Über verdreckte Strände sind wir ja schon häufiger gestolpert.
Aber in dieser unwirklichen Schönheit der San Blas Inseln fällt der Müll zehnfach auf. Es treibt einem die Tränen der Verzweiflung in die Augen.

Eine unserer Weihnachts-Inseln in Coco Bandero vom Masttop fotografiert: schöne, heile Welt.

Himmlischer Strand von oben

Himmlischer Strand von oben

Die Realität sieht leider so aus.

Die Realität

Die Realität

 

Ein beliebiger Ankerplatz in den Lemmon Cays. Von Land betrachtet werden hier Segler-Träume war.

Ankerplatz geschönt

Ankerplatz geschönt

Die Realität sieht leider so aus.
Alle auf dem Foto sichtbaren Müll-Teile habe ich eingekreist. Dazu kommen noch die Kleinstteile und die knapp unter der Wasseroberfläche schwimmenden.

Vorbei treibender Müll am Ankerplatz

Vorbei treibender Müll am Ankerplatz

 

Die Küste von Panama bei Nargana.
Hinter den Inseln beginnen die Mangroven. Unberührte Natur. Endlose Kilometer Urwald liegen hinter den Mangroven. Unbewohnt. Unberührt.

Küstensaum von Panama

Küstensaum von Panama

Die Realität!

Müll ohne Ende in den Mangroven

Müll ohne Ende in den Mangroven

 

Stop plastic now

Jeder von uns kann, sollte und muss sein eigenes Verhalten ändern. Dringend. Das neue Jahr ist doch ein guter Zeitpunkt dafür.
Jeder nicht benutzte Strohhalm ist ein guter Strohhalm.
Jeder nicht getrunkene ‚Coffee to go‘ aus dem Plastikbecher ist ein guter Kaffee.
Kein Plastikbesteck mehr, kein Essen aus Styropor-Boxen, keine Geschenkpapier-Folien mehr, keine unsinnigen Tüten am Gemüsestand mehr.
Und Wasser, Joghurt und Milch schmecken aus Glasflaschen sowieso viel besser. Es gibt hunderte Beispiele mit denen jeder sofort beginnen kann.

Und keine Ausreden mehr: „es ist ja nicht mein Müll, der dort in den Mangroven steckt“.
Doch, ist es unser aller Müll. Es geht uns alle an.
„Sollen doch die anderen erst mal anfangen“. Die ‚anderen‘ haben bereits angefangen.
Ausgerechnet einige der ärmsten Länder haben bereits ein Plastiktüten-Verbot ausgesprochen: Ruanda, Tansania, Papua-Neuguinea, Marokko, Malawi und Bangladesch.
Viele Länder erheben Abgaben auf Tüten. Das ist ein guter Anfang und die Erkenntnis, dass etwas geschehen muss, greift rasant um sich.
Sogar in den USA haben einige Bundesstaaten ein Plastik-Tüten-Verbot eingeführt.

Unsere Enkel und Urenkel haben einen Anspruch darauf Fische ohne Mikroplastik essen zu können und solche Strände sehen zu dürfen.
Fangen wir alle sofort an.

Der perfekte Strand

 

 

Nargana

Sa., 30.12.17, Panama/Nargana, Tag 1309, 12.307 sm von HH

Ich möchte gerne etwas Schönes über Nargana schreiben.
Das ist schwierig, aber da gibt es zwei Dinge: Die Menschen sind hilfsbereit, lächeln und geben uns ein gutes Gefühl. Und wir bekommen einige Tomaten und Gurken nachgekauft.
Die Insel ist eine dicht besiedelte Wohn-Katastrophe. Eine baumlose Müllhalde. Dreck wohin das Auge reicht. Gegen die (vermeintliche) Idylle der letzten Tage erscheint es uns nicht erstrebenswert hier zu wohnen.

Traurige Häuser

Traurige Häuser

Aber Nargana hat Strom und wer Strom hat, der hat Licht. Die tropen-kurzen Tage künstlich zu verlängern, wem sollte das nicht gefallen? Und wer Strom hat, der kann einen Fernseher betreiben.
Aus den meisten Hütten dröhnt uns die ‚daily soap‘ entgegen. Wer will jemandem dieses Vergnügen verdenken? Schauen doch auch wir abends oft genug einen Film.
Handyempfang und Internet versteht sich von alleine. Der Generator, der das alles möglich macht, hallt über Insel und Bucht.

eng bebaut wird jeder Quadratmeter genutzt

eng bebaut wird jeder Quadratmeter genutzt

Und Nargana hat Frisch-Wasser. Vom Festland ist eine Leitung verlegt.
Das Festland mit Flüssen und vielen Niederschlägen ist nur einen knappen Kilometer entfernt.
Die verstreuten Inselbewohner kommen mit dem Kanu und holen in Fässern ihre Ration Frischwasser. Zehn Kilometer und mehr müssen sie dafür paddeln. Ein mühsames Geschäft für knapp 200 Liter. Wir kommen auf dem Boot damit vielleicht zehn Tage aus – für zwei Personen.
Die Bewohner Narganas drehen einfach den Hahn auf und haben Trinkwasser im Überfluss. Ist dieser Luxus ein guter Tausch für die Wohnsituation?

mühsamer Frischwasser-Transport

mühsamer Frischwasser-Transport

 

Frischwasser-Zapfstelle mit dem Festland im Hintergrund

Frischwasser-Zapfstelle mit dem Festland im Hintergrund

Eine Kanalisation existiert auf Nargana nicht. Die Häuser am Saum der Insel haben ein Plumps-Klo direkt ins Meer. Die Bewohner in der Mitte müssen den Nachbarn fragen oder eines der Gemeinschafts-Klos benutzen.
Der Wert eines Hauses setzt sich auf der ganzen Welt aus der Lage, der Lage und der Lage zusammen.
Dass die Lagune nicht zur Kloake wird, ist Ebbe und Flut zu danken und dass nur ein paar Hundert Menschen auf Nargana wohnen.

Reihen-Toiletten

Reihen-Toiletten

Plastikmüll wohin das Auge schweift. Es kommt viel Müll über die weite Karibik angetrieben und steckt in der Sackgasse Panama fest. Mit dem hausgemachten Plastikmüll wissen die Kuna nicht wohin. Das Hinterland ist frei von Städten, Mülldeponien und Straßen. Nur die Kuna siedeln am östlichen Küstenstreifen Panamas.
Der Wohlstandsmüll ist in dieser Welt, ihrer heilen Fischer-Welt nicht vorgesehen. In einer Welt in der es bislang nur Palmenwedel-Müll und Kokos-Schalen gab.
Also wird das Plastik in die Mangroven geworfen.

Müll-Katastrophe

Müll-Katastrophe

Weihnachts-Krippe

Weihnachts-Krippe

Für uns, die wir einfach den Anker lichten können, erscheint Nargana wie ein Desaster, was den Untergang der Welt nicht besser symbolisieren kann.

Wem diese Bilder zu düster sind, den möchte ich auf die Beiträge der letzten Tage verweisen, dort habe ich die Fotos der schönsten Seiten der San Blas Inseln nachgefügt.
Und mit diesen Ausblicken möchten wir Euch einen guten Rutsch in ein hervorragendes Jahr 2018 wünschen. Lebt großartig, bleibt großartig.