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Mooring Manöver – ein Drama in 7 Akten

Fr., 18.Mai 2018, Panama/Las Perlas – Contadora, Tag 1448, 12.560 sm von HH

Prolog
Nach einer windlosen (wie erwartet) Überfahrt erreichen wir nach sieben Stunden Contadora.
Ein Platz vor dem Hotel mit dem schicken Internet soll es sein. Außer uns ist keiner da, wir haben die freie Auswahl im Mooringfeld.
Eine Mooring ist eine kräftige Leine, die mit einem Betonklotz fest am Grund verankert ist. Durch einen Schwimmkörper (Fender, Mooringball oder Autoreifen) wird die Mooringleine an der Wasseroberfläche gehalten. Meistens ist eine Fangschlaufe am Schwimmkörper, die man mit dem Pickhaken angelt und so eine Verbindung zum Schiff herstellt. Oder man wirft eine Schlaufe über den Schwimmkörper und fängt ihn so ein. Achim hat die längeren Arme, ist bei uns also der Fänger der Mooring, während ich am Ruder stehe. Ab einer bestimmten Annäherung an den Schwimmkörper kann ich ihn von meinem Platz aus nicht mehr sehen und bin auf Achims Anweisungen angewiesen: mehr rechts, aufstoppen, hab sie!

1.Akt
Das Schiff und beide Darsteller betreten die Bühne, wählen eine Mooring aus (also Achim wählt aus – das ist wichtig zu wissen an dieser Stelle) und ich steuere auf sie zu.
Heute soll es die Pickhaken-Methode sein, der Fender hat eine gute Schlaufe. Ich ziele auf den Fender mit langsamer Fahrt, Achim angelt mit langem Arm. Dann erscheint ein wütendes, rotes Gesicht auf dem Vorschiff. „So ein Mist! Ich hab den Pickhaken verloren. Wenn du nicht richtig aufstoppst, kann ich das nicht halten. Du musst schon halten, also richtig stoppen“, giftet er mich an.
Na, prima, ist doch immer schön, wenn man einen Schuldigen für den eigenen Fehler gefunden hat. Er hat doch den Pickhaken fallen lassen, nicht ich. Außerdem hab ich nicht das Kommando ’stopp‘ gehört. Ich funkel wütend zurück (Anm. von Achim: unberechtigter Weise).

2.Akt
Der Pickhaken ist in der Schlaufe verheddert, kann also nicht abtreiben. Ich drehe eine Runde, um Fender und Pickhaken erneut anzusteuern. Der Kreis, den ich fahre, ist zu klein. Ich komm nicht an die Mooring, verrecke auf halber Strecke. Neuer Versuch. Ich sehe Achim mit den Augen rollen und doof mit den Armen fuchteln. „Dann mach es selber, wenn du alles besser kannst“, teile ich dem genervten Mann auf dem Vorschiff mit.
Beim zweiten Anlauf klappt es, ich ziele auf den Fender. Achim versucht nun, ohne Pickhaken, die Schlaufen-Wurf-Methode. Der Wurf geht daneben, der Pickhaken löst sich und treibt, von seinen Fesseln befreit, glücklich ab. Beherzt springt Achim dem wichtigen Teil hinterher.

3.Akt
Der letzte Rest an guter Laune ist dahin. Ich sammel meinen grummelnden Mann nebst Pickhacken auf und steuere erneut auf die Mooring zu. Am eigentlich menschenleeren Strand, steht eine Gruppe uns starrt zu uns rüber. Jetzt muss das sitzen! Achim fängt die Schlaufe. Wir sind fest. Für genau eine Minute. „Die Mooring gefällt mir nicht“, ruft Achim mir zu. „Ich habe nicht gesehen, dass der Tampen nur am Fender hängt. Wir müssen eine andere auswählen.“
Total genervt gehe ich an meinen Platz zurück. „Aber diesmal stoppst du richtig auf“, tritt Achim nach. „Blödmann!“ Im Schutz hinter meiner Sprayhood fallen mir noch bessere Schimpfwörter ein.
Ich sehe, dass sich sein Mund ebenfalls bewegt. Ohne Lippen lesen zu können, verstehe ich alles ganz genau. „Doofkopp“, schicke ich nach vorne.

4.Akt
Wir wählen gemeinsam eine neue Mooring aus. Ich halte drauf zu. Und stoppe auf. Sauer, wie ich bin, zu doll ( Anm. von Achim: das Schiff läuft rückwärts und die Boje liegt 15m vor uns).
Achim verpasst die Schlaufe. „Das gibt es doch gar nicht. Kannst du nicht mehr fahren?“ Eine echte Ehekrise bahnt sich an. Deutliche Flüche und Verwünschungen fliegen hin und her. Ich hab gestrichen die Nase voll. Achim auch. Er (!) entscheidet, dass wir ankern.
„Und wo soll das deiner Meinung nach möglich sein? Die Moorings sind viel zu eng gelegt, da klappern wir mit dem Heck dagegen“, wende ich ein.

5.Akt
Der Anker fällt. Viel zu nah am Ufer. Das finden wir nun beide. Anker wieder hoch.
Der Anker fällt erneut. „Hab ich’s doch gewusst“, triumphiere ich. Beim Kette raus rasseln, kommen wir den Moorings zu nahe und schwojen mit dem Heck dagegen.
Widerwillig gibt Achim mir Recht. Anker auf. Die Menschengruppe steht noch immer am Ufer. :oops:

6. Akt
Ankern hat keinen Sinn, sehen wir beide ein. Aber wir wollen das Internet. Eine neue Mooring wird ausgewählt. Ich komme mir vor wie in meiner eigenen Slapstick-Komödie. Ich ziele vernünftig auf die Mooring, ich stoppe vernünftig auf. Die neue Mooring hat als Schwimmkörper einen Autoreifen ohne Schlaufe. Achim verliert den Pickhaken (Anm. von Achim: weil das Schiff wieder mal nicht steht und ich nicht in der Lage bin, die 15 Tonnen zu halten) und springt erneut hinterher.

7. Akt
Mann und Haken wieder an Bord, drehe ich meinen Kreis, um noch einmal auf die Mooring zu zielen. Wieder ist mein Kreis zu kurz. Wenn mal der Wurm drin ist. Ich drehe einen Monsterkreis, um auf Nummer sicher zu gehen. Bloß aufpassen, dass ich nicht noch eine der Mooring-Leinen in den Propeller bekomme.
Zielen, stoppen, alles perfekt. Achim bekommt den Reifen nicht zu fassen. Wir sind quitt. :mrgreen:  Er hat jetzt die Nase voll. Er gibt mir ein Zeichen, dass er mit Tampen springen und uns im Wasser fest tütteln wird. Jetzt aber zügig, es ist keine Fahrt mehr im Schiff und wir treiben schnell von der Mooring ab.
Schwimmend versucht Achim das Schiff zu halten. Zu komisch, wie er versucht, wie ein Verrückter zu ziehen. In einer Hand den Autoreifen in der anderen den Tampen. Ich helfe ihm mit ein bisschen Gas vorwärts. Das klappt ohne ihn tot zu fahren. Zu viele Zeugen am Strand.
Dann sind wir endlich fest.

Das Gras wird gebeten über diese Sache zu wachsen. Das Gras bitte!

Epilog
Eine Stunde haben wir gebraucht für ein lächerliches Mooring Manöver an einem windlosem Tag. Ein Kinderspiel, normalerweise.
Zwei Stunden braucht es, bevor wir wieder miteinander sprechen.

Unsere Mooring - endlich fest

Unsere Mooring – endlich fest

Ciao-Ciao Panama City

Do., 17.Mai 2018, Panama/Panama City – La Playita, Tag 1447, 12.523 sm von HH

Der Ankerplatz am Ende der Stadt ist nicht für Großeinkäufe geeignet. Mit dem Bus ist es eine Quälerei. Dafür gibt es hier Taxifahrer, die sich auf abreisewillige Yachties spezialisiert haben.
Man kann sie auf 20 USD runter handeln, dafür fahren sie uns zum Frischemarkt, einem Supermarkt und Tankstelle zum Benzin tanken für den Außenborder. Der Fahrer wartet und passt auf die Einkäufe auf. Perfekt.
Der Markt ist großartig – es gibt alles: Rettich, zart wie Butter, Brokkoli, Süßkatoffeln, Kräuter in Hülle und Fülle und riesige Ananas, das Stück für 1 USD. Endlich mal wieder gutes Obst und Gemüse nach den vielen Monaten Supermarkt Auswahl.

Ananas - riesig große Früchte zuckersüß

Ananas – riesig große Früchte zuckersüß

Nach dem Einkauf klarieren wir aus. Ein problemloser Akt im Office gleich gegenüber der Marina.
Wir sind fertig mit Panama City und Atanga auch. Zuviel Stress für unser armes Schiffchen. Nach zehn Tagen sieht Atanga wie ein Dreck-Dampfer aus. Ganz schlimmes Wasser um uns herum.
Alle wollen hier weg. Keiner von uns mag ins Wasser springen und den Rumpf schrubben.

Über Wasser sehen wir schlimm aus - keiner mag sich das Unterwasserschiff vorstellen

Über Wasser sehen wir schlimm aus – keiner mag sich das Unterwasserschiff vorstellen

Morgen geht es zurück auf die Las Perlas. Dort werden wir auf unser Wetterfenster nach Ecuador warten. Wir haben zwar offiziell ausklariert, aber Kontrollen scheint es auf den Inseln nicht zu geben, so dass wir es riskieren dort ‚illegal‘ auf Wind zu warten. Ob es je welchen geben wird? Diese Bucht von Panama ist die Pest. Ein windarmes Loch. Morgen werden wir sicherlich ebenfalls motoren müssen.

Wir stellen uns auf mindestens zwei Wochen Wartezeit ein. Die Gemüsenetze sind voll. Wir haben Zeit. Ciao-Ciao Panama City.

 

Die alte Altstadt von Panama City

Fr., 11.Mai 2018, Panama/Panama City – La Playita, Tag 1441, 12.523 sm von HH

Wir sitzen im richtigen Bus zur alten Altstadt, soviel ist klar. Nur haben wir keine Idee, wo wir aussteigen müssen. Mehrfach benutzen wir den Begriff ‚Panama viejo‘ als wir uns während der Fahrt unsere Strategie zurecht legen. Die junge Frau gegenüber hält es nicht mehr auf dem Sitz: „Ihr wollt in die alte Altstadt? Dann nichts wie raus, die nächste Haltestelle ist eure. An der Kreuzung rechts abbiegen und ihr seid da.“
Keine Sekunde zu spät, springen wir aus dem Bus. Allerdings drei Haltestellen zu früh, wie sich beim weiteren Fußmarsch herausstellt. Die Ruinen können wir schon erkennen, aber ein Zaun dazwischen verhindert eine Besichtigung. Endlos führt eine hässliche Schnellstraße am Zaun entlang. Schlussendlich erreichen wir den Eingang vom Altstadt-Museums-Park. Leicht genervt von dem übereilten Ausstieg aus dem Bus. Der Eintritt zu den Panama-viejo-Ruinen ist mit 15 USD pro Person üppig, aber wo wir nun schon mal da sind.

Im Jahr 1513 durchquerte Vasco Balboa mit 190 spanischen Soldaten Panama. Hunderte von Indios dienten als Lastenträger. Gerüchte über ein weiteres Meer hatten sich verbreitet und unendliche Reichtümer an Gold soll es dort geben.
Nach drei qualvollen Wochen, in denen Balboa fast zweidrittel seiner Soldaten verlor, erreichte er die andere Seite. An der letzten Hügelkette, die Balboa noch vom Meer trennte, befahl er seinen Mannen zu stoppen. Er alleine wollte als erster Europäer, als erster Christenmensch, den neuen Ozean, das ‚Südmeer‘, erblicken.
Heute dankt es ihm Panama mit der Benennung von Straßen, Plätzen, der Währung und ihrem besten Bier nach ihm.

Bereits sechs Jahre später wurde Panama City gegründet und die Ermordung der Inkas und die Plünderung ihres Reiches nahm von hier seinen Lauf. Das erbeutete Gold wurde über Panama City an die Karibikseite gebracht und weiter nach Europa verschifft. Die Stadt wuchs 150 Jahre unbehelligt und kam zu großem Reichtum.
Dieser Wohlstand sprach sich zu Henry Morgan herum, der als legitimierter englischer Freibeuter bereits gute Beute in Portobello und im heutigen Venezuela machte. Mit 1200 Piraten navigierte er den Rio Chagres (dem heutigen aufgestauten Gatun See) flussaufwärts. Nach der Hälfte der Strecke mussten die Piraten ihre Schiffe verlassen und zum größten Beutezüge in der Karriere Henry Morgans zu Fuß aufbrechen. Was ist ein Pirat ohne sein Schiff? Anscheinend auffällig.
Der geplante Überfall ging schief. Die Ankunft der Piraten wurde frühzeitig entdeckt und die Einwohner brachten einen großen Teil ihres Besitzes in Sicherheit.
Außerdem brannte am Tag des Angriffes die Stadt bis auf die Grundmauern nieder. Die Ursache ist ungeklärt. Es gibt Vermutungen, dass die Einwohner von Panama City selber den Brand gelegt haben könnten. Die Beute von Henry Morgan fiel also beschämend klein aus und seine eigenen Leute verdächtigten ihn, in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben.
Er flüchtete, wurde gefangen genommen und nach England verschifft. Sein Überfall auf Panama City war illegal, denn England hatte mit Spanien in der Zwischenzeit einen Friedensvertrag geschlossen. Jetzt drohte Captain Morgen der Galgen. Er konnte das Blatt wenden und die Richter überzeugen, dass er von dem Vertrag nichts wusste. Er wurde zum Ritter geschlagen und segelte als reicher Mann nach Jamaika zurück, wo er an den Folgen seines übermäßigen Alkoholkonsum verstarb.

An diesem Geschichtsträchtigen Ort stehen wir nun und lösen unsere Eintrittskarte.
Viel ist nicht mehr übrig von der Gründer-Stadt. Ein paar Ruinen mit einem rekonstruierten Glockenturm von dem man einen guten Blick auf das moderne Panama City hat. Die Ruinen sind eingekesselt von Hochhäusern. Die höchsten Gebäude Südamerikas sind hier gebaut.

Die Altstadt umzingelt von den Hochhäusern

Die Altstadt umzingelt von den Hochhäusern

 

der rasant wachsenden Stadt mit Immobilienblase - angeblich wird hier kolumbianisches Drogengeld gewaschen

der rasant wachsenden Stadt mit Immobilienblase – angeblich wird hier kolumbianisches Drogengeld gewaschen

Alt und neu in Panama City

 

Im angrenzendem Museum gibt es ein paar Informationen zur Piraten-Pleite und ein schönes Model der alten Stadt. Insgesamt ist alles etwas dünn und eindeutig zu hoch im Eintrittspreis.

Ein Eichhörnchen auf der Flucht vor den Katzen zwischen den Ruinen

Ein Eichhörnchen auf der Flucht vor den Katzen zwischen den Ruinen

Auf uns wartet jetzt nur noch das urbane Abenteuer des Heimwegs. Wir möchten zurück zum Busbahnhof. Direkt dorthin fährt kein Bus und Zwischenstationen, die wir als Ziel dem Busfahrer nennen könnten, die kennen wir nicht. Aber auf die hilfsbereiten Panamaer ist Verlass. Ein Busfahrer schlägt uns vor, dass er uns an einer Metro-Station Bescheid sagt, denn mit der Metro kämen wir direkt zum Ziel.
Der Bus füllt sich auf seinem Weg zum Zentrum und wir befürchten, der Fahrer könnte uns vergessen. Da entdeckt Achim auf der anderen Straßenseite einen Bus, beschriftet mit unserem Ziel. „Komm, hier steigen wir aus“, schlägt er vor. Wir springen auf. „No, no“, schaltet sich ein weiterer Fahrgast ein, „ihr müsst noch eine Station weiter fahren, da ist die Metro. Mit dem Bus dauert es viel zu lange“. Woher auch immer er weiß, wohin wir wollen. Und wie nett, uns einfach so zu helfen.

Der Rest ist dann einfach. Ein bisschen Metro, deren System auch ein Doofer sofort versteht und noch einmal in einen Bus umsteigen und schon sind wir zu Hause.
Ein Hoch auf die hilfsbereite Bevölkerung, ohne euch würden wir noch im Kreis umher fahren.

Die junge Altstadt von Panama City

Fr., 11.Mai 2018, Panama/Panama City – La Playita, Tag 1441, 12.523 sm von HH

Panama City erstickt im Verkehrs-Chaos. Trotz Metro, gebaut mit deutschen Tunnelbohrern, die unter der Stadt verläuft. Eine Armada an Bussen und Taxen bringt die Stadt zum Erliegen. Nur knapp eine Million Einwohner schafft den Kollaps. Um das Chaos etwas zu entschärfen, wurde einfach eine Umgehungsstraße ins Meer gebaut. Kann man machen, Panama wird von Hurrikanen und tropischen Stürmen ganzjährig verschont. Die Unesco fand das nicht so toll, weil die Trasse zu nach am Weltkulturerbe, der Altstadt, vorbei führen sollte. Man hat sie dann weiter nach draußen verlegt, um kein zweites Dresden zu schaffen.

Umgehungs-Autobahn einfach ins Meer gebaut

Umgehungs-Autobahn einfach ins Meer gebaut

Der Bus von unserem Liegeplatz endet am größten Busbahnhof in Panama. Die Busse halten auf zwei Gleisen von mehreren hundert Metern. Auspuffgase heizen die Umgebung ein. Entweichender Hydraulik-Druck der Busse pfeift. Taxifahrer versperren die Parkbuchten der Busse, Busse hupen. Busse, die nicht in ihre Parkbuchten kommen, versperren den Anfahrtsweg, nachkommende Busse hupen lauter. Darüber schrillen Trillerpfeifen – ein paar Jungs versuchen den Verkehr so zu regeln, dass täglich nur eine Handvoll Fußgänger zu Tode kommt.
In einem System, was nicht zu durchschauen ist, finden Einheimische den richtigen Bus
Wir sind benachteiligt. Die Haltestellen der Busse sind nur in Ziele ‚Corredor Norte‘ und ‚Corredor Sur‘ aufgeteilt. Um Touristen zu verwirren, lautet bei der Hälfte der Busse die Zielangabe der Laufschrift ‚Viva Panama!‘. Patriotisch, aber wenig hilfreich. Der Busbahnhof stresst ungemein.
Wir wollen trotzdem mit dem Bus in die Altstadt. Einfach kann ja jeder. Zuerst möchten wir in die ‚Casco viejo‘ – die jüngere Altstadt.

Wir fragen einen Ordner mit Warnweste. Gute Idee. Der junge Mann kennt sich aus und schiebt uns zum richtigen Bus. „Ihr müsst an Station xy umsteigen, dann mit einem anderen Bus bis Station yz weiterfahren, ein Stück zu Fuß und, pronto, seid ihr da“, freut er sich.
Aha. Wir verstehen nur die Hälfte von seinem Wortschwall. Er informiert den Busfahrer über unser Ziel und der schmeißt uns an der richtigen Station raus. Hier sind wir nur kurz verloren, gleich der erste Passant ist unsere Rettung. Der dicke Mann mit Gehstock will zufällig in unsere Richtung. Wir tappen hinter ihm her. An der richtigen Stelle steigen wir aus und stehen fünf Minuten später in der Altstadt. Na, bitte, geht doch. Ist gar nicht schwierig in Panama City Bus zu fahren.

Ursprünglich wurde Panama City, die erste Stadt, die Europäer am Pazifik gründeten, zehn Kilometer südlich errichtet. 1671 überfiel Pirat Käpt’n Morgan Panama City und machte die Stadt dem Erdboden gleich.

Damit dies nicht wieder passiert, baute man die Stadt an einer besser zu verteidigenden Stelle wieder auf und umgab sie mit einer gewaltigen Festungsmauer.
Heute wird die jüngere Altstadt aufwendig renoviert. An jedem zweiten Haus wird gewerkelt. Schmucke Häuser stehen neben Bauruinen. Die Stadtväter haben das Potential eines Touristen-Magneten erkannt. Für einige Fassaden kommt die Erkenntnis allerdings zu spät.

Perfekt renovierte Fassaden - ein Augenschmaus

Perfekt renovierte Fassaden – ein Augenschmaus

Wunderschöne Straßenzüge in Panama City

Wunderschöne Straßenzüge in Panama City

Wohnungen mit Meerblick - jetzt leider auf die Umgehungsstraße

Wohnungen mit Meerblick – jetzt leider auf die Umgehungsstraße

Mit der Renovierung kommen die Touristen. Mit den Touristen steigen die Preise. Mit gestiegenen Preisen verschwindet das wahre Leben aus einem Viertel. In den Geschäften wird überteuerter Touristen-Ramsch verkauft oder Designer-Klamotten. Die Restaurants sind schikimiki und der Kundin des Schönheits-Salons wird nach dem Besuch ihr BMW X5 vom Pagen vor die Tür gefahren.

Wir machen unseren touristischen Rundgang, mögen die Fassaden leiden, aber echte Begeisterung kommt nicht auf. Was fehlt, das ist Leben zwischen den tot renovierten Häusern. Ein paar Touristen schlendern mit uns durch das hübsche Viertel und Handwerker machen ihre Pausen im Schatten der Häuserschluchten. Ansonsten ist das Viertel leer.
Die Stadt ist streng im Schachbrettmuster angelegt, so wie es damals Mode war. Die Straßen sind halb so breit, wie die Häuser so hoch, sodass immer ein Fußweg im Schatten liegt. Städtebau hatten die Spanier drauf.

Unseren Weg zurück zur richtigen Bushaltestelle haben wir längst verloren. Wir landen dafür in einer Fußgängerzone für Einheimische und freuen uns auf echtes südamerikanisches Leben zu stoßen. Kleine Küchelchen kosten plötzlich nur noch einen USD und nicht mehr vier, wie im ‚Casco viejo‘.

Echtes Leben in Panama City - nur nicht so schön

Echtes Leben in Panama City – nur nicht so schön

Zwei Kuna Indianerinnen im Handy Shop - was für ein Kontrast

Zwei Kuna Indianerinnen im Handy Shop – was für ein Kontrast

 

Jetzt noch zur Gründer-Altstadt, schlage ich vor. Achim ist Stadt und Sightseeing müde. Aber ich kann ihn überzeugen, dass das die gute Sache wird. Nur noch den richtigen Bus finden, lautet der Auftrag. :lol:
Ich habe ein glückliches Händchen. Der erste Lieferwagenfahrer kennt sich aus: „Zwei Ampeln weiter auf der linken Seite, da hält der Bus. Der bringt Euch ins Panama viejo – ins alte Panama“…

…Fortsetzung folgt.

Ankern in Panama City und Batterie-Tausch

Di., 08.Mai 2018, Panama/Panama City – La Playita, Tag 1438, 12.523 sm von HH

Ähnlich wie auf der Atlantikseite kann man auch im Pazifik nur meilenweit entfernt vom Stadt-Zentrum sein Schiff parken. Vor Panama City gibt es eine schmale Landzunge auf der sich die Marina ‚La Playita‘ befindet. Die ist unbezahlbar – der erste Tag kostet über 150 USD.
Wir dürfen allerdings davor ankern und das Dinghy Dock benutzen, für schlappe 55 USD die Woche.
Auf der anderen Seite der Landzunge darf ebenfalls geankert werden und es gibt ein öffentliches Dinghy Dock für lau. Uns will es, trotz sensationellem Blick auf die Skyline von Panama City, auf der Seite nicht gefallen. Das Wasser ist dreckig und das Dinghy Dock eigentlich für eine Fähre gebaut.

Liegeplatz La Playita

Liegeplatz La Playita

Ankerfeld mit öffentlichem Dinghy-Dock im Vordergrund

Ankerfeld mit öffentlichem Dinghy-Dock im Vordergrund

Wir entscheiden uns für die Bezahl-Variante. Unser Dinghy ist nagelneu und wir haben es noch richtig lieb. Bei der Fähre lungern ständig Menschen rum und jeder kann an den Dinghies herum fummeln.
Außerdem hat die Marina Waschmaschinen (für zwei USD pro Ladung), die die Ankerlieger mitbenutzen (dürfen?) – wer nicht fragt, bekommt keine ablehnende Antwort.
Und wir können das Internet fangen, so dass sich der überzogene Dinghy-Dock-Preis etwas relativiert. Schön ist der Ankerplatz trotzdem nicht.

Landzunge Amador als Naherholungsgebiet zurecht gemacht - charmant ist es allerdings nicht

Landzunge Amador als Naherholungsgebiet zurecht gemacht – charmant ist es allerdings nicht

Ankerfeld mit öffentlichem Dinghy-Dock im Vordergrund

Ankerfeld mit öffentlichem Dinghy-Dock im Vordergrund

In die Stadt kommen wir bequem mit öffentlichen Bussen, die direkt vor der Tür halten. Busfahren ist sensationell günstig: 25 Cent pro Fahrt. Es gibt Karten, die man überall in der Stadt und in Supermärkten aufladen kann. Zwei dieser Karten, mit einem kleinen Startguthaben, haben wir von der ‚Alrisha‘ geerbt, so dass wir sofort in einen der modernen Busse einsteigen können. Bezahlen beim Fahrer ist nicht möglich. Wer ohne Karte in La Playita ankommt, muss mit dem Taxi zum Busbahnhof fahren, um eine Karte zum Aufladen zu kaufen.

Unser erster Weg führt uns in ein ‚Casa de Batterias‘. Schnell finden wir von der Größe passende Batterien, zwar mit ein paar Ampere-Stunden weniger, aber haben wir eine Wahl? Die Anlieferung ist im Preis inbegriffen und für die alten Batterien gibt es Pfand in Form von zehn Prozent Preisnachlass, somit zahlen wir knapp 380 USD.

Die Anlieferung klappt reibungslos. Bleibt als Schikane nur noch der Transport mit dem Dinghy zum Schiff. Jetzt bloß kein Loch in die Bordwand schlagen mit den tonnenschweren Kisten.
Jetzt liegen die Batterien an ihrem angestammten Platz und warten auf ihre erste vollständige Ladung.

Batterie Transport

Batterie Transport