Archiv der Kategorie: Pazifik

Pacific Crossing – ein Fazit

Di., 01.Jan.19, Süd-Pazifik, Tag 1675, 15.744 sm von HH

Es waren 2.410 Seemeilen (4.463 km), die wir im Schneckentempo mit 4,2 Knoten gesegelt sind. Es lag im wesentlichen am schwachen Wind in der Anfangsphase und der Fast-Flaute von zwei Tagen in der Mitte. Aber wir sind auch sehr konservativ gesegelt. Bei hoch am Wind brauchen wir beide keine Schräglage von 30 Grad. Am theoretisch errechneten Punkt setzte tatsächlich nach einer Woche der Süd-Ost-Passat ein, der uns mit halben Wind eine angenehme Überfahrt bescherte.

Bereits heute sind die paar Squalls vergessen. Wer erinnert sich noch an die Rollerei? War da was mit der Mast-Kletterei? Alles Geschichte. Diese Tour wird uns als extrem wohlwollend in Erinnerung bleiben. Keinen Tropfen Regen, angenehmes Wetter. Das Aufregendste daran war die Aufregung vor dem Start. 24 Tage nur Wasser gucken, ist halt nicht sooo spannend. Ich würde nicht sagen, dass es langweilig war. Aber ermüdend. Der Schlafmangel setzt uns beiden zu. Und außer lesen, essen, abwaschen und schlafen gibt es nicht so viel zu tun. Zum Glück, denn gäbe es etwas zu tun, dann hat man schlechtes Wetter oder irgendein Teil ist kaputt.

Wenn es auch nicht aufregend war, so hat mich der Törn doch beeindruckt. Dieses Alleinsein fasziniert. Abseits sämtlicher Schifffahrts-Ruten unterwegs. Kein anderes Boot weit und breit. Ja, nicht mal einen Kondensstreifen eines Flugzeugs haben wir gesehen. Am Ende brach sogar die Funkverbindung zur Alrisha auf Galapagos ab. Und Achim hatte Mühe die Blog-Beiträge per Funk senden zu können. Allein. Einsamer als allein. Gemeinsam allein. Gemeinsam zweisam. Abgeschnitten von der Welt. Wenn etwas passiert wäre, wäre eine Hilfe erst nach Tagen zu erwarten gewesen. Die Größe der Welt ist mir auf dem endlosen Pazifik klar geworden. Wie klein wir doch sind. Und du lieber Himmel, wir haben erst ein Drittel dieses großen Wassers hinter uns. Was mag da noch an philosophischen Erkenntnissen kommen? :lol:

Drei Personen haben unseren Ankunftstag richtig getippt. Sabine, Stephan und Robert. Sabine ist Achims ehemalige Chefin. Ihr Tipp war besser als der vom Skipper. Das macht dann auch klar, warum sie die Chefin war. :mrgreen: Stephan hat nur zwei Stunden daneben getippt, eine saubere Punktlandung hingelegt. Super. Die Postkarten an Euch sind jetzt nur noch eine Frage der Organisation. Denn an Land können wir nicht. Aber das ist eine Geschichte, die ich Morgen erzähle. ;-)

Essen: Wir haben unglaubliche 50 Kilo Lebensmittel in uns rein gestopft. Ich habe mit geschrieben, was wir alles verdrückt haben: 24 Kilo Obst und Gemüse und nur 5,3 Kilo Fleisch und Wurst. Das wird das Herz eines jeden Ernährungsberater höher schlagen lassen. Brot, Tortillas und Kuchen: 6,1 Kilo – wir haben fünf Brote unterwegs gebacken.
Nudeln und Reis 3,4 Kilo. Konserven und sonstiges (unter anderem  43 Eier): 4,5 Kilo. Milchprodukte 3,4 Kilo. Bleibt ein Rest von 3,3 Kilo, der auf Schnöcker-Kram entfällt: Kekse, Kräcker, Nüsse, Gummibärchen und Schokolade. Getrunken haben wir 75 Liter, fast ausschließlich Wasser, Kaffee und Tee, 4 Liter Cola (Achim) und 4 Liter Milch. Eine Tube Zahnpasta und 10 Rollen Klopapier sind ebenfalls weg.

Irgendwo auf dem Pazifik
Irgendwo auf dem Pazifik
bei optimalen Bedingungen
bei optimalen Bedingungen
Blau, blauer, Pazifik
Blau, blauer, Pazifik
Sie haben ihr Ziel erreicht
Sie haben ihr Ziel erreicht

Adios Ecuador, Adios Kontinent

Fr., 07.Dez.18, Ecuador/Bahía de Caraquez, Tag 1650, 13.337 sm von HH

So, jetzt wird’s ernst. Morgen geht es nun wirklich los.
Vielen Dank für Eure vielen Tipps unserer Reisedauer. Wir haben echt die besten Leser der Welt. Unglaubliche 53 Tipps haben wir bekommen: zwischen 23. Dezember und 21. April (das ist garstig ;-) ) habt ihr Euch festgelegt. Am häufigsten (jeweils sechsmal) wurden der 3. und 4. Januar genannt.
Nun, wir werden sehen. Haltet schon mal Eure Adressen bereit.

Und wie ist es mit der Aufregung? Ja, vorhanden. Durchaus. Zwar wissen wir in der Zwischenzeit, dass man so lange Seereisen überlebt. Aber dieser Pazifik ist einfach groß. Wasser, Wasser, Wasser.
Wie immer werden wir über Funk (versuchen) jeden Tag zu posten, wie es uns ergeht. Während Ihr dann unter dem Tannenbaum sitzt und an Eurer Gänsekeule knabbert, schaukeln wir alleine in unserer Nussschale auf diesem großen Wasser herum. Falls Ihr nichts hört, handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um einen technischen Defekt. Mit schweren Winden ist nicht zu rechnen. Auch Inseln oder Riffe gegen die wir fahren könnten, liegen nicht auf dem Weg. Nur Wasser.

Wir wünschen Euch tolle Feiertage, einen guten Rutsch. Bis zum nächsten Jahr, lasst es Euch gut gehen. Ahoi, Eure Atangas – Joachim und Sabine

Frohe Weihnachten

Frohe Weihnachten


Mission ‚Abfahrt‘ läuft

Di., 04.Dez.18, Ecuador/Bahía de Caraquez, Tag 1647, 13.337 sm von HH

Mein Eindruck ist, dass ein Flug zum Mars weniger Projektpunkte hat, als eine kleine Segelreise auf den Pazifik hinaus. Nicht umsonst heißt es daher wahrscheinlich, dass der Weltraum besser erforscht ist als die Ozeane.

Viel Arbeit macht der Punkt ‚Angst vor dem Verhungern‘. Das Schiff ist bis zum Kragen voll. Da passt kein Klopapierblättchen mehr drauf. Der Wasserpass ist da wo er hingehört: im Wasser.
Der ‚black friday‘ hat uns Nudeln und Bier mit 35 Prozent Rabatt geschenkt. Immer rein in den Einkaufswagen. Ich habe schon eine Furche zum Supermarkt gelaufen. Die Kreditkarte glüht. Zahnbürsten, Shampoo und Duschgel, alles soll für zwei Jahre reichen. Ich habe keine Lust auf einer kleinen Insel den Einheimischen alles weg zu kaufen, wenn dort nach Wochen das erste Mal wieder ein Versorgungsschiff anlegt. Zudem sollen einige Artikel astronomische Mondpreise haben: eine Dose Bier schlägt mit 3 Dollar ein Loch in die Kasse.
Achim trinkt abends gerne ein Bierchen. Wenn er sich auf eine Dose beschränkt, reicht der gebunkerte Vorrat bis nächsten Herbst. :mrgreen: Beschränken würde, muss es lauten. Nun raucht der arme Mann ja schon nicht mehr.

Ich habe 40 Gläser Fleisch eingekocht. Gar nicht so sehr für die Überfahrt, sondern für die fleischarme Zeit auf den Südsee-Inseln. Das ergäbe fürs nächste Jahr einmal wöchentlich ein Fleischgericht. Ich höre den Nichtraucher und Nicht-Biertrinker im Geiste jetzt schon jammern. „Nun werde ich auch noch Vegetarier.“

Wir schreiben Staulisten. Das Schiff wird umgeräumt, Schränke neu organisiert. Wir schreiben neue Listen. Täglich grüßt das Murmeltier.

Ganze Tage verbringen wir mit Waschen und Putzen. Der Staub von sechs Monaten hat Atanga mit einem Grauschleier überzogen. Was abgebaut werden kann, kommt mit dem Dinghy an Land. Dort spüle und schrubbe ich am Steg mit endlosem Wasser aus dem Schlauch. Erstens fasst sich alles eklig an und außerdem habe ich Befürchtungen, dass der Dreck sich mit Salzwasser zu einem wunderbaren Kleber vereinigt.

Schoten und Tampen, Bimini und Abdeckungen werden an Land gewaschen

Schoten und Tampen, Bimini und Abdeckungen werden an Land gewaschen

An Bord sieht es anders aus. Da wir im sedimenthaltigen Chone unseren Wassermacher nicht betreiben, muss Achim in Kanistern Süßwasser vom Steg holen, um unsere Tanks zu füllen. Da werde ich schon mal beäugt, wenn ich einen weiteren Putzeimer an Deck schleppe und der ‚Wasserverschwendung‘ verdächtigt. Ein Schiff von 42 Fuß ohne Schlauch zu putzen ist, als wolle man eine Industrieanlage mit Lappen und Eimer sauber machen.

Achim nimmt sich die Ankerkette vor. Nutzlos im Kasten liegend, hat sie etwas Flugrost angesetzt. Sie wird kontrolliert, gereinigt, gedreht und für gut befunden.
Die Vorsegel brauchen an einigen Nähten Pflege. Stellenweise ist das Garn dünn gescheuert bzw. hat sich durch UV-Licht aufgelöst und wird vorsorglich repariert.

Schleifarbeiten abgeschlossen

Schleifarbeiten abgeschlossen

da wartet schon der nächste Job: Kettenreinigung und Kontrolle

da wartet schon der nächste Job: Kettenreinigung und Kontrolle

Segelmacher-Stube an Deck

Segelmacher-Stube an Deck

Der gemeine Segler lebt nicht vom Putzen allein und so haben wir uns noch ein neues Spielzeug zugelegt. Schon lange wünschen wir uns ein Kajak. Aber irgendwas war immer: zu lang, zu teuer, nicht die richtige Form. Eigentlich sollte es ein Zweisitzer sein, aber die sind in passender Länge noch schwieriger zu bekommen. Daher haben wir nun erst mal einen Einsitzer.
Durch Zufall gab es den im Supermarkt. Und durch Zufall gab es bei unserem Großeinkauf Gutscheine für die Spielzeug-Abteilung. Und somit haben wir einen Rabatt von 120 USD auf das Kajak bekommen. Na, bitte, geht doch.

Unser neues Spaßmobil

Unser neues Spaßmobil

In meiner Badewanne bin ich Kapitän

In meiner Badewanne bin ich Kapitän


Südsee – wir kommen

Di., 27.Nov.18, Ecuador/Bahía de Caraquez, Tag 1640, 13.337 sm von HH

So, Ihr neugierige Bande! Wie geht es jetzt weiter? Wir wollen zur Osterinsel.
Dazwischen hat der liebe Gott allerdings viel Wasser gekippt. Sehr viel Wasser. Die Entfernungen sind ab sofort nur noch als gigantisch zu bezeichnen. Gegen den Pazifik ist der Atlantik eine Pfütze.
Aber wir sind schlau, wir haben uns eine der kürzesten Strecken ausgesucht. Zur Osterinsel sind es auf gerader Strecke nur 2.400 Seemeilen. Auf direktem Weg kommen wir allerdings nicht dorthin. Strom und Wind stemmen sich gegen uns. Wir müssen erst sehr weit nach Westen raus (500 sm in etwa, fast bis zu den Galapagos Inseln **). Sobald wir durch den Humboldtstrom durch sind und der Wind von Süd auf Ost dreht, können dann nach Süden abbiegen. Somit werden wir wohl 2.700 sm brauchen, das sind exakt 5.000 Kilometer.

Man kann es drehen wie man will, es ist viel Wasser

Man kann es drehen wie man will, es ist viel Wasser

Von der Osterinsel aus geht es weiter nach Pitcairn (ihr wisst schon, die Bounty-Insel, wo die Meuterer Zuflucht gesucht haben), dann auf die Gambier Islands, in die Tuamotu-Gruppe und auf die Marquesas. Ab Gambier soll es dann so richtig Südsee-mäßig werden.

Die Entfernungen zwischen den Atollen haben es ebenfalls in sich. Tausend Meilen, dreihundert Meilen, achthundert Meilen. Kurzstrecken gibt es im Pazifik keine. Wenn wir auf den Marquesas ankommen, werden wir 5.000 Seemeilen geloggt haben – über 9.000 Kilometer.
Das sind tausend Meilen mehr als der übliche Weg direkt auf die Marquesas. Vielleicht sind wir doch nicht so schlau? Aber für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Seit ich in einem der ‚wieso?-weshalb?-warum?-Bücher‘ die mysteriösen Statuen auf der Osterinsel das erste Mal gesehen habe, wollte ich dort hin.

Gewinnspiel
In zehn Tagen geht es also los. Am 8. Dezember ist um 17:00 Uhr Hochwasser, dann kommen wir über die Barre aus dem Chone raus. Aber wann kommen wir auf der Osterinsel an?
Wir würden uns riesig über Eure Tipps freuen. Genau wie vor zwei Jahren vor unserer Atlantiküberquerung, das hat Spaß gemacht. Schreibt uns Euren Tipp per whats app, per Mail oder in die Kommentare. Diesmal gibt es auch etwas zu gewinnen ;-) : Der beste Tipper bekommt eine Postkarte von der Osterinsel geschickt.

Tipp-Hilfe
Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit der letzten Jahre betrug knapp üb5,5 Knoten over all.
Die Strecke Richtung Galapagos gilt jedoch als tückisch und windarm. Ob da diese Geschwindigkeit zu halten ist? Und auch danach ist eher mit mäßigem Wind (12 bis 17 Knoten Wind, Windstärke 4 bis 5) zu rechnen. Viel weniger als auf dem Atlantik. Bei Flaute oder Schwachwind können wir nicht motoren, dafür ist die Strecke zu lang. Wir müssten diese Zeit also aussitzen.

Achim ist Optimist und sein Tipp lautet: Ankunft 29. Dezember 10:00 Uhr (21 Tage)
Mein Tipp ist verhaltener: Ankunft 5. Januar 11:00 Uhr (28 Tage), ich glaube, dass wir ein paar Tage in einer Flaute hängen werden.

aktuelle Windsituation auf dem Pazifik

aktuelle Windsituation auf dem Pazifik

Dunkelblau kleiner 10 Knoten Wind
Hellblau = 12 Knoten Wind
grün = 18 Knoten Wind

Einsendeschluss ist der 6. Dezember Mitternacht in Ecuador. Also her mit Euren Tipps.

** Warum wir nicht auf die Galapagos Inseln fahren? Uns ist es schlicht zu teuer. Die Genehmigung für drei/vier Wochen Aufenthalt kostet bereits 1.750 USD. Jeder Ausflug wird mit 50 bis 150 USD pro Person berechnet, Tauchgänge kosten 250 USD. Dazu kommen Diesel-Nachtank-Gebühren, wenn man welchen benötigt und weitere Mondpreise für alles Mögliche. Der Schriftwechsel für eine Genehmigung ist kompliziert und liest man Berichte, scheint sich auch laufend etwas zu ändern.
Vieles ist auf den Galapagos nicht erlaubt. Davon macht einiges Sinn, andere Vorschriften sind totaler Blödsinn. Der Rumpf muss komplett Bewuchs frei sein, was mit einem Start aus diesem Loch fast nicht zu realisieren ist.
Es ist natürlich ein wenig schade Galapagos auszulassen, zumal wir sehr dicht an den einmaligen Inseln vorbei kommen werden, aber die Entscheidung ist gefallen.