Archiv der Kategorie: Pazifik

Noch ein Segel-Video

So., 01.Nov.20, Franz.Polynesien/Tahiti/Papeete, Tag 2345, 21.218 sm von HH

Wer erinnert sich noch an die Muppet-Show? An die beiden Alten? Statler und Waldorf, so heißen die beiden. Die Alten saßen immer meckernd auf ihrem Balkon in der Loge und haben kein gutes Haar an den Muppet-Shows gelassen. Sie waren mit jeder Aufführung unzufrieden und trotzdem als Stammgäste immer mit dabei.
Beim Schneiden dieses Films musste ich immerzu an Statler und Waldorf denken: Der Skipper nur am meckern, ich nur am meckern und trotzdem wieder auf See.
Auch so eine Art Hass-Liebe.

Viel Spaß mit dem zweiten Teil von Tahiti nach Gambier nach unserer Unterbrechung in Hao.

 

Unser Ankerplatz auf Mangareva

 

Ein Segelvideo

Do., 29.Okt.20, Franz.Polynesien/Tahiti/Papeete, Tag 2342, 21.218 sm von HH

Ein neues Video ist fertig. Der erste Teil unserer Tour 1.200 Meilen von Tahiti zurück nach Gambier. Ist schon ein wenig her … :shock: , genau genommen zehn Monate.
Wir haben jetzt einen Internet-Vertrag abgeschlossen *** und endlich genug Bandbreite, um  Filme hoch zu laden.

Viel Spaß auf der ersten Etappe: hoch am Wind mit einer unglaublich gut gelaunten Crew, mit Bratnudeln zu Sylvester, mit Tomatensaft und einem Bier bei Flaute; und einem unerbittlichen Tyrannen als Käpt’n. :-)

Spaß bei der Arbeit nach der Ankunft in Hao

 

*** So weit ist es jetzt schon. Der erste Schritt für eine ‚Einbürgerung‘ ist gemacht. Wir haben einen Vertrag gleich über zwölf Monate abgeschlossen. Verrückte Welt, wer hätte das erwartet …

Ankunft in Tahiti

Sa., 15.Aug.20, Pazifik, Tag 2267, 21.085 sm von HH

Captain Cook ==> Endeavour – Captain Bligh ==>Bounty – Captain Willner ==> Atanga.
Alle Grossen beieinander. :-) Wer im beruehmte-Seefahrer-der-Welt-Unterricht aufgepasst hat, der weiss wo wir vor Anker liegen. Richtig! In der beruehmten Bucht ‚Point Venus‘. Hier haben sich die Seefahrer der Welt bereits die Klinke in die Hand gegeben. Die weitlaeufige Bucht ist auch im Dunkeln ohne Schwierigkeiten anzufahren und somit verbringen wir die letzte Nacht dieses Toerns vor Anker. Hinter einem halbkreisfoermigen Riff faellt der Anker vor dem schwarzen Strand des ‚Point Venus‘. Ein Ankommen-Bier und wir schlafen tief und sorgenfrei acht Stunden durch wie die Steine.

Am Morgen koennen wir uns nur der Meinung von 1792 von Georg Forster, dem botanischen Begleiter von Captain Cook anschliessen: „… es kostet uns keine Schwierigkeiten denen, die bereits vor uns hier gewesen waren, auf ihr Wort zu glauben, dass dies der schoenste Teil der Insel sei. […] Die Ebenen schienen von betraechtlichem Umfang zu sein. Das Ufer, das mit schoenstem Rasen bewachsen und bis an den Strand herab von Palmen beschattet war, wimmelte es von Menschen, die ein lautes Freudengeschrei erhoben, als wir aus dem Boot stiegen.“

Okay, es bricht am Morgen keiner in Jubel aus, als wir an Deck erscheinen. Aber aehnlich wie damals, als hunderte Kanus, beladen mit Fruechten, Schweinen und Brotfruechten; und Maedchen, die nichts weiter trugen als einen Rock und ihr wunderbares Haar; auf die Neuankoemmlinge zu paddelten, so haben auch wir unser Begruessungs-Komitee. Bestimmt hundert und mehr kleine Motorboote, Angelboote und Jet-Skis kommen durch die Bucht direkt auf uns zugerast. Die vielen Boote fabrizieren derart viele Wellen und bringen die ruhige Bucht zum Kochen, dass kleinere Boote durch den Wellenschlag regelrecht aus dem Ruder geraten. Der Katamaran, der vor uns liegt, wackelt wie ein Einruempfer. Ein nie gesehenes Bild. Unvorbereitet und sorglos, wie die Kat-Leute so auf ihren Booten leben, sind bei dem heute Morgen bestimmt die Teller vom Tisch geflogen.

Wettfahrt der Motorboote an Point Venus

Blick über die schöne Bucht von Point Venus

Zu schade, dass diese Bucht so arg weit ausserhalb von Papeete liegt und keine Infrastruktur zu bieten hat, gerne wuerden wir hier vor Anker bleiben. Aber nachdem die Invasion der Motorboote durch ist (heute ist Feiertag, wie wir spaeter erfahren und wahrscheinlich handelt es sich um einen Angelwettbewerb), gehen wir Anker auf und motoren Richtung Marina. Viel Hoffnung auf einen freien Platz machen wir uns nicht, aber Gott ist mit den Dummen und wir finden tatsaechlich einen Parkplatz fuer Atanga. Yeepie! So hatten wir uns das gewuenscht. Nur das Internet funktioniert noch nicht, aber der Chef arbeitet dran.
Weniger erfreulich sind die neuesten Geruechte, die wir am Marina-Office erfahren: Neuseeland soll auf Grund der ueber siebzig neuen Faelle vor Ort, die Einreise fuer Boote aus Franzoesisch Polynesien komplett untersagt haben. Vielleicht nur Geruechte. Daumen Druecken und Finger kreuzen.

Frau bei der Arbeit

während drei Tage dauernden Schiet-Wetters

Südsee-Segeln in Faserpelz

Tag 5 nach Tahiti: Ein schoener Segeltag

Tag 5 nach Tahiti: Ein schoener Segeltag Do., 13.Aug.20, Pazifik, Tag 2361, 21.085 sm von HH
Es war ja klar, dass wir es nicht vor Einbruch der Dunkelheit nach Tahiti schaffen wuerden. Dafuer liegt ein angenehmer Segeltag hinter uns. Die Sonne lacht nach drei grauen Tagen, der Wind pustet gleichmaessig in Seglers Lieblings-Staerke von 14,5 Knoten, die Welle passt dazu, und schon Atanga zappelt nicht mehr wie ein junger Hund an der Leine. Super! Unser Ziel liegt im Nordwesten der Insel. Am liebsten wuerden wir in die Marina von Papeete gehen. Aber alle Geruechte sagen, die sei knueppelvoll. Reservieren geht leider nicht: wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Sollten wir keinen Platz bekommen, bleibt uns noch der Ankerplatz in Taina. Dieser liegt ca. zehn Kilometer ausserhalb von Papeete. Wir naehern uns von Sued-Osten an Tahiti an und haben zwei Moeglichkeiten, um an der grossen Insel vorbei zu kommen. Wir waehlen die Ostseite, die Windseite, da wir vermuten, dass wir auf der anderen Seite durch die hohen Berge im Windschatten landen wuerden. Eine gute Entscheidung. Die Seite Tahitis, die nicht oder kaum besiedelt ist, zieht an uns vorbei. Die schroffen Berghaenge mit ihren steilen Flanken sehen aus wie die Wellen eines Gugelhupfs. Ehemalige Vulkankrater sind zu bizarren Kronen, Saeulen und Pfeiler zerbrochen. Sie bilden imposant tiefe Einschnitte bis zur Uferzone. Jeder Quadratmeter ist gruen, ausser die Stellen, wo Wasserfaelle senkrecht in Taelern verschwinden.
UEber die Funkrunde erreichen uns schon wieder ungute Nachrichten – auch schon etwas abartig, dass man nicht mal in der Einsamkeit der pazifischen Wasser-Wueste verschont bleibt. In Neuseeland, in Auckland, sind Corona-Faelle aufgetaucht. In Teilen von Auckland wird sofort ein Lockdown der Stufe drei (von vier Stufen) verhaengt. Die Premierministerin von Neuseeland hat sich auf ihre politische Karte (im September sind Wahlen) geschrieben, dass ihre zwei Inseln ein Corona freies Land werden/bleiben sollen. „Koste es, was es wolle!“, scheint ihr Credo. Das geht soweit, dass tausende Neuseelaender, die zurueck in ihre Heimat wollen, seit Wochen nur haeppchenweise rein gelassen werden, da nicht genug (ueberwachte) Quarantaene-Plaetze zur Verfuegung stehen. Was das neue Aufflammen von Corona bei den Kiwis fuer unseren Einreise-Antrag bedeutet? Es bleibt spannend.
Tag 8: 95 Meilen
Rest: 15 Meilen

Tag 7 nach Tahiti: Grau und ruppig

Mi., 12.Aug.20, Pazifik, Tag 2264, 21.085 sm von HH
Wetter, Wind und Welle sind alles andere als schoen. Es regnet oder nieselt, der Himmel haengt noch immer voll grauer, tiefer Wolken. Der Wind hat weiter auf Osten zurueck gedreht, wir haben ihn nun wieder von der Steuerbordseite. Er schwankt zwischen zehn und fuenfundzwanzig Knoten. Allerdings handelt es sich nicht um Boeen, sondern um Windfelder und Wind schwache Phasen von zwanzig, fuenfundzwanzig Minuten. Das haelt uns in Trapp. Anluven, abfallen, Segel flattert, Segel steht. Der Pazifik hat es nicht so mit gleichmaessigem Wind.
Wir erinnern uns an den Atlantik, wo wir nach Stunden an den Windanzeiger geklopft haben, in Verdacht er sei kaputt, weil er bei neunzehn Knoten wie eingefroren stecken geblieben war. Innerhalb von zwei Tagen hat der Wind eine volle und eine Viertel Drehung um uns gemacht. Die Wellen sind deutlich ausgepraegt – eigentlich zu hoch fuer den Wind – und rollen von zwei Seiten hinter uns heran. Das fuehrt soweit, dass eine Welle, die sich an der Bordwand bricht mich noch am Herd stehend nass spritzt. Also bitte, sowas hatten wir ja noch gar nicht. Ankommen waere jetzt mal schoen.
Ueber Funk hoeren wir von weiteren Corana-Infizierten. Inzwischen von drei verschiedenen Inseln.
Tag 7: 120 Meilen
Rest: 115 Meilen – das wird knapp noch vor Einbruch der Dunkelheit anzukommen :-o