Vier Jahre – zwei Fazits

Do., 01.Juni 18, Panama/Las Perlas – Contadora, Tag 1461, 12.560 sm von HH

Wie immer getrennt voneinander geschrieben.

Die Fakten:
1.347 sm (Vorjahre im Schnitt: 3.737 sm )
2 besuchte Länder (Vorjahre im Schnitt: 8 Länder)

Achim:
Vier Jahre. Klingt erst einmal viel, ist es aber nicht.

An das alte Leben erinnert nicht mehr viel. Das Boot ist mein Heim und dort, wo es gerade liegt, ist mein Zuhause und das, was darum herum passiert, mein Leben. Recht simpel und auch sehr befriedigend. Ich möchte derzeit mit Niemandem tauschen.

Das letzte Jahr war besonders. Die sechs Monate in Kolumbien waren ein Geschenk. Tolles Land, nette Leute und aus meiner Sicht, ein sicheres Land. Es war eine schöne Zeit und ich hoffe sehr, dass das auch nach der Präsidentschaftswahl auch so bleiben wird. Kolumbien war die positivste Überraschung unserer Reise. Es wäre sehr schade, wenn der Friedensvertrag aufgekündigt würde und die Farc wieder „in den Wald zieht“.

Panama hat uns nicht nur Glück gebracht. Der Blitzeinschlag am 5. Januar hat unsere gesamte Planung durcheinander gebracht und mir drei heiße Monate unter Deck mit meinen Kabeln beschert. Das brauche ich definitiv nicht noch einmal und so schön ist es in Shelter Bay dann auch nicht. Insgesamt konnte Panama nicht mit Kolumbien mithalten. Vermutlich waren die Amis zu lange hier und haben nicht nur die erstrebenswerten Teile Ihrer Kultur hinterlassen.

Am meisten hat mich in den letzen zwölf Monaten der Müll schockiert, der überall in der westlichen Karibik, aber auch hier auf der Pazifik Seite umhertreibt. Egal, wann man auf das Wasser blickt, immer wieder sieht man Plastikteile an der Oberfläche treiben. Entsprechendes gilt für alle Strände auf der Windseite der Inseln, die wir besucht haben. Müll über Müll über Müll und in der Regel niemand, der sich dessen annimmt.

Ich frage mich, ob das überhaupt jemals reparabel ist. Ich wünschte es mir, glaube aber, dass aufgrund der langen Zeit, die es braucht, bis diese Plastikteile sich komplett zersetzt haben, es wohl nie passieren wird. So werden wir alle, einen großen Teil als Mikroplastik im Essen wieder finden. Was für eine Scheiße.

Jetzt freue ich mich auf Ecuador. Altes Heim, aber neues Zuhause und neues Leben für die nächsten Monate.

Sabine:
Viel gesegelt sind wir das letzte Jahr nicht. Da ist keiner an Bord böse drum. Weit rum gekommen sind wir ebenfalls nicht. Aber wir haben soviel erlebt.
Sechs Monate Kolumbien, das haben wir uns so ausgesucht und großartige Inlandsausflüge unternommen. Die Tour zur ‚verlorenenen Stadt‘ ist eine unvergessliche Erfahrung.
In Santa Marta und auf Providencia war die reisefreie Zeit unkompliziert und angenehm. Orte, wo man wohnen möchte. Für mich ist Kolumbien ein Highlight der letzten vier Jahre.

Weitere sechs Monate waren wir in Panama. Nicht ganz so freiwillig. Der Blitzeinschlag steckt uns noch immer ein wenig in den Knochen. Bei jedem Gewitter kreisen die Gedanken dorthin zurück. Zeitlich haben wir den Rückschlag längst akzeptiert: dann dauert die Reise eben ein wenig länger.
Das langsame Reisen gefällt uns von Jahr zu Jahr besser. Erst dadurch lernt man einen Ort richtig kennen. Bruce Chatwin, britischer Schriftsteller, bringt es auf den Punkt: „Wenn man weniger als drei, vier Tage an einem Ort bleibt, kommt die Seele nicht hinterher.“
Einfache Mathematik bringt es ebenfalls auf den Punkt: nach vier Jahren haben wir erst ein Viertel der rechnerischen Strecke hinter uns. :oops:

Dass man tatsächlich eine Weltumsegelung schafft, scheint nicht selbstverständlich. Wir haben überraschend viele Crews getroffen, für die vorzeitig die Reise zu Ende ist. Eine eigene Krankheit oder die von Familienangehörigen zwingt zum Abbruch. Es gibt Konflikte in der Partnerschaft, die zum Ausstieg eines Crewmitglieds an Ort und Stelle führen. In einem Fall einigte man sich grad noch auf eine gemeinsame Rückführung des Schiffes nach Europa.
Andere hören auf wegen ‚der Angst vor den langen Strecken‘ oder weil schlicht das Geld zu Ende ist.

Ich bin mir sicher, dass Achim mich auch gerne so manches Mal gerne auf einer einsamen Insel ausgesetzt hätte. Bis es soweit ist, genieße ich weiterhin jeden Tag und versuche die geschenkte Zeit nicht als selbstverständlich zu nehmen. (und ich freu mich im Sommer auf meinen Heimbesuch)

Ansonsten haben wir beide viel Spaß bei der Arbeit. :-)

Atanga Team bei der Arbeit - Selfies für den Blog

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Ein Gedanke zu „Vier Jahre – zwei Fazits

  1. Melanie

    man, man, man…..4 Jahre! Ich sehe noch immer Jo’s essen in Lissabon vor mir, als sei es letzte Woche gewesen…….:-) Freue mich auf August!

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