Kategoriearchiv: Allgemein

Die wundersamen Segelgeschichten der Piraten

So., 27.Mai 2018, Panama/Las Perlas – Contadora, Tag 1457, 12.560 sm von HH

Seit wir in der Karibik angekommen sind, finden wir sie, die Berichte über Piraten.
Wo wir auch hinkommen, Captain Morgan und seine Kollegen waren schon vor uns da. Man segelte vergnügt die Inseln auf und ab, man traf sich vor Providencia, man überfiel gemeinsam Panama City und die Beute kam nach Jamaika. Gemeinsam ging es auf die Bahamas und der ein oder andere Freibeuter kehrte zwischendurch nach Europa zurück. Einige freiwillig, andere an den Galgen.
Das Ganze liest sich locker leicht. Segel hoch und los.

Sind das alles Fake-News? Alles erfunden?
Immer wieder staunen wir über die Berichte während wir auf richtigen Wind warten und die zu segelnde Strecke als unlösbares Problem vor uns liegt.
Wie haben die das bloß gemacht? Moderne Segelschiffe können deutlich höher am Wind segeln als die alten Karavellen oder Galeonen. Letzte gelten zwar als wendige kleine Kriegsschiffe, die gerne von Piraten genutzt wurden, aber Wende-Wunder waren es nicht. Trotzdem gibt es keine Strecke, die damals nicht gesegelt wurde.

In der Shelterbay trafen wir eine Männercrew auf einem 57 Fuß Schiff. Die wollten von Panama nach Grenada segeln. Eine typische Piraten-Route, glaubt man den Geschichten. Die Jungs kamen nach vier Tagen in die Marina zurück. Keine Chance. Gegen Wind und Welle sind sie vor Kolumbien rückwärts gesegelt.
Okay, vielleicht war es eine Weichei-Männercrew. Moderne Bauspar-Männer und Balkonblumen-Gießer. Keine harten Raubeine mit Augenklappe und der Fähigkeit schon zum Frühstück einen Viertel Liter Rum zu saufen. Geschenkt. Aber komisch ist es schon. Die Zweifel an den alten Stories verdichten sich.

Die Geschichten der Pazifik-Seite sind eine Klasse für sich.
Nachdem Balboa 1513 das ‚Südmeer‘ entdeckte, fackelten die Spanier nicht lange. Die Gründung Panama Citys erfolgte 1519, erste Schiffe wurden auf dieser Seite des Kontinents gebaut und bereits 1526 erreichte Francisco Pizarro auf eigenem Kiel Peru. 1533 war der letzte Herrscher des Inkareiches getötet und das Reich seinem Untergang geweiht.
Das geraubte Gold der Inkas wurde nach Panama City verschifft und rief schnell die ersten Piraten auf den Plan, die Raubzüge im Pazifik auf dieses Gold unternahmen.

Aber wie haben die das gemacht? In der Bucht von Panama gibt es keinen Wind. Zumindest keinen, der länger als zwei Stunden anhält. Und der wenige Wind, den es gibt, der kommt aus Süden. Und im Süden gab es das Gold.
Die Segelfachliteratur von Jimmy Cornell sagt: „Alle Törns von Panama Richtung Süden sind sehr schwierig durchzuführen. [] Bei Flauten und Schwachwind muss man unter Motor fahren, um gegen den starken nach Nord setzenden Strom anzukommen.“

Na, erzähl das mal dem alten Captain Morgan oder den Konquistadoren – die hätten gerne einen Motor gehabt. Die alten Schiffe konnten nicht eigenständig gerudert werden. Mit Beibooten wurden sie rudernd in einen Hafen oder eine windstille Bucht gezogen. Bei bis zu 120 Tonnen Verdrängung kein Vergnügen und schon gar keine Möglichkeit, das über längere Distanzen durchzuhalten.

Aber sowohl Konquistadoren als auch Piraten sind munter die Westküste Amerikas auf- und abgesegelt. Bei den Überfällen soll weniger geschossen worden sein als man es aus Filmen kennt. Eine beliebte Taktik war es, dass sich der Pirat hinter einer Landzunge versteckte, um „überfallartig auf das Ziel zuzufahren und es zu entern.“
Auf den windlosen Las Perlas kann diese Taktik nicht erfunden worden sein. Wenn man den Anker lichtet, treibt einen der Ebbstrom höchstens weiter weg vom Opfer

Die tollste Geschichte erzählt man sich über Edward Davis. Er soll seinen erbeuteten Schatz auf den Islas de Cocos – vor Costa-Rica- versteckt haben. Auf Jamaika lebte er in Saus und Braus und wenn ihm das Geld ausging, holte er sich aus seinem Versteck Nachschub.
Er segelte also von Jamaika nach Panama, durchquerte den Isthmus, sprang auf sein zweites Schiff auf der anderen Seite, segelte zu den Kokos-Inseln, buddelte im Sand und kam auf umgekehrtem Weg zurück. :mrgreen:

Und wir sitzen vor unseren modernen Hilfsmittel und auf 400 Litern Diesel und haben ernsthafte Zweifel, dass wir es bis Ecuador schaffen. Pirat müsste man sein.

Alle Segel gebläht, alle fahren in andere Richtungen - aber Toten-Flaute

Die alten Meister spielen mit: Alle Segel gebläht, alle fahren in unterschiedliche Richtungen – aber Toten-Flaute…

DSGVO …. mit Kanonen auch auf kleine Spatzen

Di., 03.Mai 2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1433, 12.486 sm von HH

Ja, auch wir sind etwas genervt. Ab 25 Mai müssen die Regeln der DSGVO (Datenschutz Grundverordnung) umgesetzt sein. Das gilt nicht nur für die großen Internetversandhäuser, sondern auch für uns kleine Blogger.

Im Rahmen der Umstellung unserer Seite (u.a. von http auf https (ssl)) wird es möglicherweise ein paar kleine Stolpersteine geben, die dazu führen, dass euer Browser euch auf unsicheren Inhalt hinweist. Keine Bange, nichts hat sich geändert, aber die Browser reagieren auf vermeintlich unsicheren Inhalt bei https:// Seiten sehr empfindlich.

Wir hoffen aber, dass wir das Projekt schnell abschließen werden, sofern uns das Hotel, dessen Internet wir vom Schiff anzapfen, nicht den Hahn abdreht.

Gruss,

Euer Admin

Umzug vom Anker an die Mooring

Di., 01.Mai 2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1431, 12.486 sm von HH

An unserem Anker zu hängen von dem wir nicht wissen, wie schnell wir ihn hoch bekommen, ist uns zu heikel. Wenn wieder so ein verrückter Fischer durchs Ankerfeld pflügt, sind wir im schlimmsten Fall an der eigenen Kette gefangen.
Ein paar Hundert Meter weiter sind Moorings ausgelegt. Die werden nur am Wochenende von einigen Motoryachten aus Panama City genutzt. Wie es scheint, gibt es genug davon, sodass wir wohl nicht verscheucht werden. Ein Segler hängt schon seit Wochen an einer Mooring ohne Ärger zu bekommen. Also heißt es ‚Anker auf‘, so eine Mooring soll es für uns sein.

Atanga jetzt an der Mooring vor leeren Stränden

Atanga jetzt an der Mooring vor leeren Stränden

Achim hat Glück, wider Erwarten, braucht er den Anker nicht von Hand noch oben pumpen. Die Lichtmaschine liefert bei 1800 Umdrehungen Strom an die kaputten Batterien. Das reicht grade aus, um den Anker langsam elektrisch zu heben. Cool für den Moment.

Ein Besuch von weiteren Inseln ist unter diesen Umständen ausgeschlossen. Sollten die Batterien noch ihre letzten 20 Prozent Ladekapazität verlieren, funktioniert das Lichtmaschinen-Prinzip nicht mehr. Wir würden ungerne probieren wollen, ob der Regler der Lichtmaschine das überlebt.

Wir sind nicht traurig drum. Wenn wir uns die Strände von Contadora so anschauen, besteht kein Erlebnisdruck unbedingt noch weitere Inseln besuchen zu müssen. Menschenleerer als menschenleer geht nicht.
Und näher am Internet liegen wir jetzt auch noch. ;-)

Unser neuer Vorgarten - auch nicht schlecht

Unser neuer Vorgarten – auch nicht schlecht

Doppeltes Batterie-Sterben

Mo., 30.Apr.2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1430, 12.486 sm von HH

Schon seit einigen Tagen schleicht Achim um die Batterie-Spannungs-Anzeige herum. „Warum laden wir so schlecht?“, brummt er in seinen Bart.
Kurz nach Sonnenuntergang zeigt die Spannung nur 12,5 Volt: „Ja, das kann ja jetzt nicht sein!“
Achim hängt die beiden, parallel geschalteten, Batterien unserer Hauptverbraucherbank ab. Jetzt kann er direkt die Spannung an den Batterien messen. Eine zeigt 11,5 Volt. Klinischer Tod einer Batterie. Batterie zwei lebt, zeigt schnell über 12,5 Volt Spannung an und wird wieder ans Netz genommen. Puh! Glück gehabt.
Unsere Hauptverbraucherbank ist jetzt um die Hälfte ihrer Kapazität beraubt. Nicht so schlimm, wenn wir sparsam mit Strom sind, sollte es reichen. Zusätzlich haben wir noch eine separate Verbraucherbatterie mit 180 Ampere-Stunden, die gut arbeitet.

Beim zu Bett gehen, flackert das Licht im Bad, wenn die Wasserpumpe läuft. Kein gutes Zeichen.
Die Ursache ist schnell gefunden: Exitus! Der plötzliche Batterie-Tod hat jetzt auch Nummer Zwei befallen. Wir vermuten noch eine späte Folgeerscheinung vom Blitzeinschlag.

Kaputt nach 2,5 Jahren - unsere Hauptverbraucherbank mit 280 Ampere-Stunden

Kaputt nach 2,5 Jahren – unsere Hauptverbraucherbank mit 280 Ampere-Stunden

 

Jetzt haben wir ein kleines Problem. Nicht nur, weil wir jetzt noch sparsamer mit dem Stromverbrauch sein müssen, sondern in erster Linie, weil die Ankerwinsch nur über die leblose Verbraucherbank läuft. Eine Restspannung von höchstens 20% zieht den Anker keinen Meter.

Wir ankern auf 10 Meter Wassertiefe – bei Flut. Der Anker wiegt 33 Kilo plus Kette von 200 Kilo. Die elektrische Winsch kann auch manuell betrieben werden mit einem Hebel. Im Handbetrieb schafft die Winsch nur zehn Zentimeter pro Hub. Na, das wird ja ein schöner Spaß. Ich bin froh, dass ich bei den Ankermanövern immer (!) am Ruder stehe. Das bietet keinen Spielraum, das System ganz plötzlich doch noch zu ändern. :mrgreen:
Die letzten Meter werden die schwersten sein, wenn der Anker schon schwebt und noch zehn Meter Kette dran hängen. Kommando ‚Anker auf‘ also schon mal nur bei Ebbe, das spart die ersten vier Meter.

Erste Bekanntschaft mit dem Pazifik

Mo., 23.Apr.2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1422, 12.486 sm von HH

„Ich geh‘ baden“, höre ich Achim von der Badeplattform rufen.
„Warte, ich komm‘ mit.“ Schnell bin ich im Cockpit, die paar Klamotten sind flink vom Leib gerissen. Meine Brille lege ich ordentlich auf den Cockpittisch. Achim steht noch immer auf der Badeplattform und versperrt den Hauptausgang. Was trödelt er denn da rum?
„Wer zuerst im Wasser ist“, denke ich und entscheide mich für einen Sprung vom Seitenschiff.
Ohne Brille sieht das Wasser verlockend wie immer aus.

Noch im Flug, mich der Wasseroberfläche nähernd, sehe ich sie dann auch. Zum Stoppen ist es zu spät, zum Durchstarten fehlen mir die Flügel. Ich lande in einer Armee von Quallen. Die Erkenntnis und der Schmerz kommen gleichzeitig. Schnell rette ich mich zur Badeleiter. Bloß raus aus dem Wasser. Achim ist mein Held: „Du, da sind viele Quallen im Wasser. Ich wollte dich grade warnen, da platscht es auch schon hinter mir :mrgreen: . Ich bin mir nicht sicher, ob sie brennen“, kichert er.

„Es brennt wie Feuer, du Stinkfisch“, mache ich ihn schlau.
Mich hat es an beiden Armen und einem Bein erwischt. Dreißig Zentimeter lange Tentakeln kleben mir quer über die Brust. Schnell ziehe ich die Tentakeln ab und weg damit. Es brennt mehr.
Achim ist nun doch noch nett, rennt und holt Rasierschaum. Ich hatte mal gelesen, dass in Australien erste Hilfe Kästen am Strand mit Rasierschaum bestückt sein sollen. Fällt mir grad rechtzeitig ein, während ich in Flammen stehe. Bloß kein Süßwasser, erinnern wir uns beide. Essig soll auch gehen.
Mir hilft der Rasierschaum. Das Brennen lässt schnell nach.
Fassungslos starre ich ins Wasser, alle Quallen sind verschwunden. Ich bin wahrscheinlich in das einzige Nest im Umkreis von 100 Meilen gesprungen. Danke dafür, Gevatter Pazifik, wäre nicht nötig gewesen.