Archiv des Monats: Mai 2016

Überfall am Traumankerplatz

Do., 26.Mai 16, Tobago Cays, Tag 726, 6.537 sm von HH

Gleich in unserer ersten Nacht in den Tobago Cays kommt es zu einem ueblen Ueberfall: Eine englische Yacht wird von drei Maennern ueberfallen. Das Eigner-Ehepaar kommt zum Glueck mit kleineren Verletzungen, die von einem Messer herruehren sollen, davon.

Die Nacht haben sie wohl auf Union Island verbracht, wurden heute Vormittag aber von den Park-Rangern in Begleitung der Coast-Guard zu ihrem Schiff zurueck gebracht.

Der Ranger versicherte uns, dass die drei Raeuber bereits gefasst worden seien. Weitere Details sind uns nicht bekannt.

Verwunderlich ist, dass ausgerechnet diese englische Yacht ueberfallen wurde.
Die liegt mitten in einem engen Ankerfeld. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Findus und La Joya. Letztere haben den Ueberfall selig verschlafen.

Achim und ich waren gestern als erste in den Tobago Cays angekommen. UEberwaeltigt von dem Tuerkis der ersten Sandflaeche haben wir bereits ca. 700 Meter vom Hauptankerfeld entfernt unseren Anker geworfen.

Die meisten anderen Schiffe ankern ‚auf einem Haufen‘ am anderen Ende der Bucht.

Wir liegen komplett alleine. Im Umkreis von mindestens 500 Metern keine weiteren Schiffe.

Somit waeren Atanga oder zwei, drei andere Schiffe, die etwas separiert liegen, die logischeren Opfer gewesen. Warum es die Englaender erwischt hat, ist nicht bekannt.

Spekuliert wird, dass sie im Vorwege ausspioniert wurden und keine geschlossenen Luken hatten.

Wir liegen in einer traumhaften Bucht. Sicherlich einer der schoensten der gesamten Reise. So ein Ueberfall, direkt neben an, nimmt viel Freude. :cry:

P.S. Kein Internet hier, daher per Funk und ohne Bilder gesendet

 

Mayreau

Mo., 23.Mai 16, Mayreau/Saline Bay, Tag 723, 6.531 sm von HH

Zu den Tobago Cays gehört eine bewohnte Insel: Mayreau.
Diese wird allerdings nicht dem Nationalpark zugerechnet. Windiges Wetter hat uns einen Zwischenstopp hier einlegen lassen, da wir auf Mayreau noch ein wenig Abdeckung finden können.
Mittwoch soll der Wind nachlassen, dann geht’s in die Cays.

Auf der knapp drei mal zwei Kilometer großen Insel wohnen 250 Menschen.
Es gibt zwölf Autos, drei Mopeds und einen Supermarkt, der außer Mehl und Hülsenfrüchten nicht viel bietet.

Auf Mayreau liegt die wohl schönste Bucht der Kleinen Antillen.
Nur durch eine schmale Landzunge wird die Salt Whistle Bay vom offenen Atlantik getrennt. Die eine Seite wild und windig, liegt man zehn Meter weiter in glasklarem, ruhigen Türkis.

Wie es immer so ist, wo es schön ist, sind auch andere Menschen. Entsprechend voll ist die Bucht mit weißem Charter-Kunststoff.
Touristen hassen ja nichts mehr als andere Touristen. Somit sind wir froh auf der anderen Inselseite zu liegen.
Selbe Anzahl Yachten, allerdings zehnmal so viel Platz.

Manchmal kommen in diese Bucht Kreuzfahrtschiffe. Das mag man sich nicht vorstellen, wenn 1.000 Leute auf die kleine Bucht losgelassen werden.
Jetzt ist es ruhig und fast einsam hier. Die Saison geht zu Ende und die meisten Yachten sind schon viel weiter südlich.

Der namenlose Ort hat eine hübsche Kirche von deren Hinterhof man direkt die Cays überblicken kann. Der benachbarte Friedhof ist schlicht an den steilsten Hang des Ortes gelegt worden. Die Ziegen grasen zwischen den Gräbern, aber er ist nicht so vermüllt, wie bereits gesehen.

Am schwarzen Brett finden wir eine tolle Statistik der öffentlichen Bibliothek: Vielleser werden mit kleinen Preisen belohnt.
So hat eine Gewinnerin, Mutter Helen, ihrer Tochter 111 Büchern vorgelesen und erhält einen Gutschein über 25 EUR vom örtlichen Supermarkt.
Der dritte Gewinner fällt mit sechs Büchern deutlich hinter der Performance von Helen ab. Trotzdem herzlichen Glückwunsch auch von unserer Seite. ;-)

Tobago Cays

Sa., 21.Mai 16, Tobago Cays, Tag 721, 6.525 sm von HH

Gleich geht es weiter.
Zu einem der traumhaftesten Gebiete in der Karibik, so heißt es.
Es sind nur noch 5-6 sm zu den fünf unbewohnten Inseln der Tobago Cays.
Dafür lohnt es sich fast nicht die Segel auszurollen…

Für Euch und uns als Vorfreude ein Blick von oben auf das, was uns erwartet.

Tobago Cays

Tobago Cays

Gute Geschäfte in Charlestown

Fr., 20.Mai 16, Canouan, Tag 720, 6.525 sm von HH

Die Läden und Geschäfte auf den Mini-Inseln der Grenadinen sind schon eine Klasse für sich.
Es wäre mal wieder an der Zeit zum Friseur zu gehen, aber beim besten Willen, in den Laden traut sich keiner. Dass in dem dunklen Loch nebenbei auch noch Tattoos verabreicht werden, macht es nicht besser.

Die Wäscherei macht von außen keinen besseren Eindruck.
Jedoch, bekommen wir die Wäsche tiptop gewaschen und richtig trocken zurück. (12 EUR für 8 kg)


Dass ein Teil in der Wäscherei liegen bleibt, bemerken wir nicht beim Einräumen. Das Mädel aus der dem Laden aber schon.
Außer uns Yacht-Bewohnern gibt es im Ort keine Weißen, die ihre Wäsche dort waschen lassen. Somit ist ihr klar, dass sie zum Anlege-Steg gehen muss.
Sie wartet dort so lange bis jemand mit dem Dinghi angefahren kommt. Zufällig sind das Gabi und Petra. Den beiden gibt sie unser fehlendes Wäscheteil mit auf den Weg.
Gäbe es so etwas Großartiges in Deutschland? Ich behaupte nein!

Toll sind auch die Plakate im Supermarkt.
Neben der Kasse hängt eine abgegrabbelte Karte. Hier wird im Fall der Fälle die Zugbahn eines Hurrikans eingetragen. Das kann sicherlich lebensrettend sein.
Ob dann das Verbot für die Kassiererin aufgehoben wird, dass sie ihr Handy benutzen darf, haben wir nicht gefragt. Sie findet das Verbot in Ordnung, wie sie versichert, schließlich sei ja immer etwas zu tun. Trotz der harten Strafe von einer Woche Lohnabzug. Könnte ironisch gemeint sein, denn im Laden ist so wenig Kundschaft, dass alle Mädels gerne auf einem Haufen stehen und quatschen und giggeln. ;-)

Wenn man sich die Schlichtheit der Geschäfte so betrachtet, ist umso erstaunlicher, dass die gesamte Bucht mit einem kostenlosen Internet versorgt wird.
Dies funktioniert nicht immer gut, aber doch zumindest zu Zweidrittel des Tages. :-)

In den Kesseln, da faulte das Wasser

Do., 19.Mai 16, Charlestown/Canouan, Tag 719, 6.525 sm von HH

Wasser! Sowieso ist Wasser eines der höchsten Güter.
Mit zunehmender Ankerliegerei und das Vordringen auf Kleinst-Inseln ohne Marina, ohne Schlauch am Steg, wird Wasser immer wertvoller.

Viele Inseln der Grenadinen haben kein Grundwasser.
Neben jedem Haus steht ein Wassertank in dem Regenwasser eingefangen wird. Nur dass es zur Zeit nicht regnet. Zumindest nicht ergiebig.
Die Regenzeit in dieser Region beginnt erst im Juni. Wasserwagen versorgen somit die Häuser. Gestrüpp ist braun verbrannt, Pflanzen und Menschen warten auf Regen.

Wir Yachties können von kleinen Booten aus Wasser bunkern.
Das in Bequia angebotene Wasser war nicht nur teuer (0,15 EUR pro Liter :shock: ), sondern auch von schlechter Qualität.
Reinhard hat ein Messgerät mit dem er die Leitfähigkeit von Wasser messen kann. Die Leitfähigkeit gibt eine Indikation über enthaltene Salze und andere Mineralien.
Leitungswasser gemäß EU-Richtlinie darf 400 Punkte, in Krisengebieten gemäß WHO 750 Punkte vorweisen. Das Wasser aus Bequia zeigte einen Wert von 1.800 Punkten. :roll:

Die Tanks auf den Versorgungs-Booten stehen in den ganzen Tag in der prallen Sonne.
Sie sind zwar schwarz, damit sich die Algenbildung in Grenzen hält. Jedoch, ich möchte nicht wissen, wie es in den Tanks aussieht.

Für unsere Wassertanks gilt das gleiche. Eingebaut im Schiff sind die zwar beschattet, dafür aber auch schon fast 30 Jahre in Gebrauch. :shock:
Um es pseudo-Mikroben-frei zu bekommen schütten wir Silber-Ionen ins Wasser. Ob’s hilft, wissen die Götter.

Wir trinken das Wasser aus unseren Tanks nicht. Nur abgekocht für Kaffee und Tee. Und natürlich zum Zähneputzen und Waschen.
Wir hatten mal das Angebot, dass in einem Labor ein Bakterien-Abstrich von dem Wasser gemacht wird. Wir haben dankend abgelehnt: was ich nicht weiß, macht mich nicht krank.

Andere Schiffe gehen da durchaus anders mit um: da gibt es Vorfilter, Nachfilter und Wasserleitungen werden gereinigt. Wassertanks ebenso.
Wir machen und nutzen das nicht.
Den Schlauch, der auf dem Steg liegt, können wir schließlich auch nicht kontrollieren.
Auch zu Hause reißt keiner seine Wasserleitungen raus, um dort mal zu putzen.

Wir für uns, fahren gut damit. Keine Magen- und Darmprobleme und leuchten von den Silber-Ionen tun wir auch noch nicht. Die meisten Menschen auf der Welt dürften noch schlechteres Wasser jeden Tag zur Verfügung haben. Macht man sich das mal klar, relativiert sich alles wieder.

Unser täglicher Wasserverbrauch beträgt ca. 20 bis 25 Liter. Wir schauen zwar, nicht mit dem Wasser zu aasen, aber ultra sparsam sind wir nicht.
Je nach Sonne, machen wir täglich 15 bis 20 Liter neues Wasser mit dem Wassermacher.
Somit kommen wir 70 bis 90 Tage aus, ohne das Wasser von den Boat-Boys nehmen zu müssen. Bis dahin sind wir wieder in der Zivilisation. Mit altem, algigem Schlauch am Steg.