Archiv der Kategorie: Friedhof

Wem soll man glauben?

Mi., 06.Nov.19, Franz.Polyn./Moorea/Cook Bay, Tag 1984, 19.044 sm von HH

Neben uns am Anker liegt die Alrisha. Brigitte und Ferry kennen wir seit Kolumbien, bereits seit über zwei Jahren. Immer wieder haben sich unsere Wege getrennt und erneut gekreuzt: Panama, Ecuador, Osterinsel, Gambier und jetzt Französisch Polynesien.
Die beiden warten genau wie wir auf ihr Wetterfenster. Sie wollen auf die Marquesa Inseln, ein harter Ritt von 700 Seemeilen gegen den Wind – hier zu verfolgen.
Der logische Weg für die Alrisha führt über die Tuamotu, deckt sich also über zweihundertfünfzig Meilen mit unserem Plan. Eine kurze Nord-West-Wind-Lage am Wochenende haben wir verstreichen lassen, weil sie uns zu kurz erschien, um das Ziel zu erreichen. Die Alrisha, weil sie technische Probleme hatte.

Alrisha und Atanga am Anker

Jetzt hocken wir gemeinsam über den Wetterkarten und grübeln. Alrisha ist Kunde eines bekannten deutschen Anbieters für Wetterdaten. Wir beziehen unsere (kostenlosen) Infos von zyGrib oder Saildocs.
Unsere Vorhersage prophezeit Süd-Ost. Die Angaben von Alrisha sind um 180 Grad gedreht, verheißen einen Nord-West-Wind. Da soll man nicht bekloppt werden. Wem soll man glauben?
Der Nord-West-Wind wäre göttlich. Er würde uns ein gutes Stück nach Osten bringen ohne gegen an knüppeln zu müssen.
Die Crews haben unterschiedlich entschieden. Alrisha ist heute gefahren, wir brechen Morgen auf. Ich habe wieder vorgekocht. Obwohl ich das aus abergläubischen Gründen eigentlich sein lassen sollte. Aber wenn wir hoch am Wind segeln müssen, gibt’s Achims berüchtigten Nudeln mit Ketchup. Da sorge ich doch lieber für zwei Tage mit richtigem Essen vor. Sollte der Nord-West-Wind wirklich eintreffen, so schmeckt mein Essen auch mit achterlichem Wind. :roll:

Unser Ziel? Das wissen nur die Götter. Es kommt darauf an, welche Wind-Vorhersage eintreffen wird. Es stehen uns ein paar Atolle in den Tuamotu zur Auswahl.

Nebenbei erkunden wir die nähere Umgebung oder laufen die unendlichen Kilometer zum Internet. Gegenüber von unserem Ankerplatz liegt ein kleiner Friedhof hoch in den Hang gebaut. Am Abend von Allerheiligen ist dort mächtig Betrieb. Die Autos verursachen regelrecht einen Stau vom Friedhof bis zur Kirche. Aus der Kirche schallt Allerheiligen mehrere Stunden Gesang und der Gottesdienst zu uns herüber.
Am nächsten Tag sehen wir den Grund für die vielen Autos: Die Gräber sind mit überdimensionalen Blumengestecken regelrecht zugepflastert. Die Gestecke wurden am Straßenrand von fliegenden Händlern und schon Tage vorher in Papeete auf dem Markt zu hunderten verkauft. Ich hatte mich schon über das Überangebot an Blumengestecken gewundert, auf Grabschmuck war ich nicht gekommen. Jetzt ist es klar.

Friedhof mit phantasitscher Aussicht

St: Joseph Kapelle in der Cook Bay

Blumengestecke zu Allerheiligen auf dem Friedhof

 

Medellin – die einst gefährlichste Stadt der Welt

Mo., 16.Okt.17, Kolumbien/Medellin, Tag 1235, 11.850 sm von HH

Wer hat früher auch ‚SimCity‘ gespielt?
Genau wie die virtuellen Städte des alten Spiele-Klassikers, sieht Medellin von oben aus: belebte Hochausviertel, strategisch gestreute Parks, Stadien und Basketball-Felder. Dazwischen moderne Büro-Viertel, am Rand der Stadt die Industrie und ‚malerisch‘ kriechen die Würfel-Häuser der armen Viertel die Berge hoch.

SimCity = Medellin

SimCity = Medellin

 

Medellin hat inklusive seiner Randgebiete 3,5 Millionen Einwohner und weiteres Wachstum ist begrenzt. Der Hochland-Kessel zwischen den Bergen ist voll.
Abenteuerlich stehen Wohnblocks an Stellen, die so besser nicht bebaut werden sollten.

Noch vor zehn Jahren hat sich kein Tourist in die gefährlichste Stadt der Welt getraut. Drogen-Banden und Guerillas sorgten in Spitzenzeiten für 6.500 gewaltsame Todesopfer. Jährlich!
Zum Vergleich: In Hamburg gibt es ca. 80 Tötungsdelikte im Jahr.

Dieser Schreckensherrschaft hat die Regierung ein Ende bereitet. Allerdings mit brutaler Gewalt. 2002 fiel die Armee mit 1.500 Soldaten plus Hubschraubereinsatz in die ‚Comuna 13‘ ein, dem schlimmsten Viertel von Medellin.
In vier Tagen wurden alle Guerillas aufgestöbert und dingfest gemacht. Bei Aktion ‚Orion‘ kamen leider auch einige Zivilisten ums Leben. In einer Vertuschungs-Aktion hat man den toten Zivilisten die Uniformen von Guerilla-Kämpfern angezogen.

Aktion ‚Orion‘ ist nachhaltig.
Das Viertel gilt heute als sicher und kann (tagsüber) von uns Touristen besucht werden. In der ‚Comuna 13‘ wurden Rolltreppen gebaut, die den Anwohnern das Leben erleichtern sollen. Achtundzwanzig Stockwerke werden von sechs Rolltreppen überbrückt.

Eine bunte Graffiti-Subkultur hat sich bei den Treppen entwickelt.
Mit Kunst gegen Gewalt, so lautet das durchgängige Thema in gesamt Medellin. Die Rolltreppen sind wohl eher eine Touristen-Attraktion. Schon hundert Meter rechts und links daneben sollen die Graffitis aufhören. Der Drogen-Handel, die noch immer im großen Stil in Kolumbien existiert, wird von rivalisierenden Gangs verwaltet.
Aber die Mordrate ist um 90 Prozent zurück gegangen. Die Menschen lassen wieder ihre Kinder auf der Straße spielen.

Graffiti in Comuna 13

Graffiti in Comuna 13

 

Wer bei den Rolltreppen bleibt, sei sicher, heißt es. Auch mit Kamera und vollem Portemonnaie. Aber wir gehören hier nicht her. Es bereitet ein befremdliches Gefühl als Tourist durch die ‚Columna 13‘ zu ziehen: Gaffer, Voyeur, Spanner, ja, Fremdkörper sind wir.

Es wird trotzdem auf uns aufgepasst. An einer Stelle sind wir unsicher, die Gassen sind schmaler, ob es einen Ausgang gibt. Eine Frau die auf einer Treppe sitzt, zeigt uns den Daumen nach oben zu: Si,si, aqui es correcto.“
Ein Mann vom Balkon winkt ebenfalls den Daumen: Hier könnt ihr weiter, hier kommt ihr raus.

Der Gang durch die Stadt führt an einem total schönem Friedhof vorbei.
Im Rondell sind zweistöckig Wände gebaut in denen sich Urnen-Nischen befinden. Was für eine hübsche Anlage. Fest in der Hand von Sprayern.

Graffiti macht in Medellin nicht vor dem Friedhof halt. Wie mag wohl die Flächenvergabe von Wänden erfolgen? Mit illegaler Schmiererei, wie man sie in Europa vorfindet, hat das nichts zu tun. Es ist Kunst. Sogar Gastsprayer aus Mexiko und Brasilien reisen nach Medellin an.
Als Farbendosen-Hersteller hat man in Südamerika ausgesorgt. :lol:

Ein paar Meter weiter, wieder Kunst gegen Gewalt.
Steinmauern werden von Schülern mit Pflanzkästen aus alten Kanistern begrünt. Das erregt so viel Aufmerksamkeit, dass sogar das Lokal-Fernsehen mit zwei Teams vom Ort des Geschehens berichtet.

 

Medellin hat als eine der wenigen Metropolen Südamerikas eine ‚Metro‘.
Ein modernes Verkehrs-System, das aus Zügen und Seilbahnen besteht. Auf den Bahnhöfen ist es sauberer als in Hamburg.

Die Einwohner Medellins lieben ihre Metro.
Es wird weder in Bänke geritzt noch die Wände beschmiert. Hier herrscht Graffiti-freie-Zone. Mit dem Bau dieser Metro hat Medellin Preise als innovativste Stadt Südamerikas gewonnen. Städte wie Buenos Aires schicken ihre Landesvertreter, um sich die Lösung Medellins abzugucken.

Die Metro wird von den Anwohnern als echte Bereicherung gewertet. Wer früher drei Stunden zur Arbeit brauchte, endlos den Bus wechseln und sich zu Fuß über die Hügel kämpfen musste, der schafft es heute in 30 Minuten zur Arbeit. Preiswert ist es, auch für die Einheimischen, sechzig Cent kostet ein Ticket und ist gültig für Bahn und Gondel.

Wir fahren hinauf bis zur Endstation. Von weitem ein traumhafter Blick auf ‚SimCity‘.
Treppen und Fußwege zu den Gondel-Stationen sind beleuchtet. Mit Solar-Energie werden die, in kurzen Abständen stehenden, Straßenlaternen betrieben.

In gesamt Medellin fällt eine unglaubliche Sauberkeit auf. Egal ob reiches oder armes Viertel, kaum ein Papierschnipsel liegt herum.

Die Gondeln ziehen ihre Bahnen direkt über die ’schlechen‘ Viertel. So nah dran sieht es dann nicht mehr traumhaft aus. Kilometer lang kriechen die Favela Arme die Berge hoch.
Wieder ein komisches Gefühl. Wie Zoo-Besucher, die sich in Sicherheitskäfigen über die ‚wilden Tiere‘ fahren lassen.
Mit in unserer Gondel sitzen ein paar Einheimische. Ich mag den Fotoapparat nicht zücken. Zu respektlos erscheint mir diese Geste. Auf dem Rückweg sitzen wir allein in einer Gondel. Da sind diese Bilder entstanden. :cry:

Als Voyeur unterwegs

Als Voyeur unterwegs

San Andrés in Tierradentro

Fr./Sa., 06./07.Okt.17, Kolumbien/San Andrés, Tag 1224/5, 11.850 sm von HH

In San Andrés wohnen die wohl fröhlichsten und nettesten Menschen der Welt: „Hallo. Wie geht’s? Einen glücklichen Tag für euch.“, schallt es uns entgegen. Das Lächeln ist ehrlich und die Kinder strahlen.
Untereinander wird gescherzt und gelacht. Man neckt sich. Jeder hat für den anderen ein Lächeln.

Die freundlichsten Kinder der Welt gibt es in San Andrés

Die freundlichsten Kinder der Welt gibt es in San Andrés

 

Es sind die ‚Nasa‘, die im Tierradentro wohnen.
Als die Spanier 1539 in ihr Land kamen rief der Häuptling Juanchemo: „Tierradentro gehört den Nasa. Die Nasa, die ihr Blut niemals mit anderen mischen.“

So scheint es bis heute zu sein. Sehr hübsche, kleinwüchsige Menschen sind die Nasa. Nicht so zart, wie die Kogi und nicht so blass. Die Höhenluft malt rote Wangen.
Und ihre Freundlichkeit sucht ihres gleichen.

Das Tal in San Andrés beherbergt das Weltnaturerbe Tierradentro: In das Tuffstein geschlagene Grabkammern in fünf bis acht Meter Tiefe. Die Kammern sind unterschiedlich ausgeschmückt, die Prächtigsten haben zwei Säulen, um das Gewölbe zu tragen.
Es handelt sich um Sammelgräber, die bis zu vierzig Urnen aufnahmen.

Über die Urheber dieser Grabkammern ist wenig bekannt. Die verloschene Kultur von Tierradentro pflegte ihren Begräbniskult in zwei aufeinanderfolgenden Bestattungen. Der Verstorbene wurde zunächst in geringer Tiefe begraben. Wenn nur noch das Skelett übrig war, wurde die Leiche exhumiert und in einer Urne in einer der Kammern beigesetzt.

Das Alter der Skelette wurde auf 870 vor Chr. bis 600 n.Chr. datiert.
Die Grabkammern sind einmalig in gesamt Amerika. Über einhundert Gräber hat man bislang in Tierradentro gefunden.

Die Nasa lehnen es kategorisch ab, die Nachfahren der geheimnisvollen Baumeister der Grabkammern zu sein. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Nasa mit den Erbauern verfeindet waren und sie vertrieben haben.

Neben den Gräbern ist es vor allem die beeindruckende Landschaft weswegen man nach Tierradentro reist. Aber das machen nur wenige. Die erschwerte Anreise und der schlechte Ruf der Region, einst den Guerillas Unterschlupf gewährt zu haben, schreckt Touristen ab.

Die Anden - in der Ferne noch über 5000 Meter

Die Anden – in der Ferne noch über 5000 Meter

 

 

 

Wir kommen in einem tollen Posada (=Pension) unter. Großzügiges, sauberes Zimmer mit heißem Wasser, sagt die Eigenwerbung. Das ist wichtig, wir sind auf 1750 Meter und nachts fällt die Temperatur auf 10 Grad.

Tagsüber bei unseren Wanderungen zu den Gräbern und in das benachbarte Tal, ist es angenehm. Nicht zu heiß, um steile 500 Höhenmeter zu erklimmen.
Unser Reiseführer ist ein Miesepeter: „Um diese Jahreszeit wird der Regen gelegentlich von Nieselregen abgelöst.“
Gar nicht wahr, wir haben nur Sonnenschein. :-)

Die Hänge der Anden sind landwirtschaftlich genutzt von Klein-Bauern, die mühselig Kaffee, Bananen und Zuckerrohr anbauen. In den steilen Hängen muss die Ernte ein Knochen-Job sein.
Nur die Höfe nahe an den Dörfern haben Strom. Auf den Luxus von heißem Wasser müssen wohl die meisten verzichten.

Unsere Wanderwege sind ihre Arbeitswege, um von den bescheidenen Hütten zu den Feldern zu gelangen. Dazwischen Zäune mit Vieh-Türen, die Kühe und Ziegen von den Feldern fernhalten sollen.

Dörfer, Wege und Häuser wirken wie poliert. Nirgends liegt Müll herum, alles ist aufgeräumt und sortiert. Die Hütten sind in alter Bauweise mit Bambus (der hier meterhoch in den Himmel wächst) gebaut. Zwischen dem Bambus werden schlichte Ziegel gemauert.

Brücken, Zäune, überall wird der Bambus verwertet, der schon mit zehn Zentimeter Durchmesser aus der Erde schießt. Unglaublich, diese Sprösslinge.

Selten habe ich mich spontan so wohl gefühlt in einem Ort, wie in San Andrés.
Zauberhaft ist es hier.
Nicht zuletzt wegen Maya, die uns zwei Tage auf unseren Wanderungen begleitet. Wir gabeln die Hündin unserer Vermieter beim Frühstück auf und sie beschließt uns zu begleiten.

Treu bleibt Maya beide Tage an unserer (nun ja, an Achims Seite), bergauf, bergab, wartet vor den Gräbern, kommt mit zum Friedhof und liegt vor unserem Zimmer bis es zum Abendessen geht.

Maya - treuer Leihhund für zwei Tage

Maya – treuer Leihhund für zwei Tage

Ein Hund zum Verlieben. Eine Landschaft zum Verlieben. Ein Dorf zum Verlieben mit schönen Menschen zum Verlieben.
Ich bin ernsthaft überzeugt, hier ist die Welt noch in Ordnung. Kälber säugen auf der Weide, Ziegen strolchen umher und Hühner picken im Gras (nur die Schweine haben ein härteres Los zu tragen). Soviel Fröhlichkeit kann nur an einem Ort einstehen, an dem alle zufrieden sind.

Schweine werden etwas fies am weglaufen gehindert

Schweine werden etwas fies am weglaufen gehindert

Santa Marta

Do., 13.Jul.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1139, 11.850 sm von HH

Santa Marta ist wohl der quirligste Ort an dem wir bislang waren.

Die meisten Geschäfte werden auf der Straße gemacht.
Die Fußwege vor offiziellen Geschäften sind voll geparkt mit Fliegenden Händlern, Saftbuden oder Fress-Ständen.
Dadurch ist der Fußweg kaum mehr begehbar, was die Menschen auf die Straße zwingt.
Dadurch ist die Straße kaum mehr befahrbar, was die Autos zum Hupen zwingt.

Wer es eilig hat, umgeht besser die Einkaufsstraßen.

Touristen laufen fast gar keine umher. Der gemeine Touristen-Segler hasst ja auch nichts mehr als andere Touristen. :mrgreen:
Ein paar Backpacker, die in den angrenzenden Bergen wandern wollen. Das war’s.

Santa Marta gilt als die älteste Stadt Südamerikas. Gegründet 1525.
Schnell jedoch läuft Cartagena der Stadt den Rang ab. Santa Marta verliert an Bedeutung und an Glanz. Den holt sich der große Bruder Cartagena.

Heute ist nicht mehr viel aus der Kolonial-Zeit erhalten, nur ein paar Straßenzüge sind Zeitzeuge, dass vor 500 Jahren die Spanier hier landeten.

Kathedrale von Santa Marta

Kathedrale von Santa Marta

 

Ein zweihundert Jahre alter Friedhof liegt mitten im Altstadt-Centrum. Aufwendige Mausoleen mit Putten, Engeln und Inschriften wechseln mit Gräbern neueren Datums.
Hier wir in zwei Klassen beerdigt. In der ersten Reihe die Nobel-Gräber, dahinter, kaum zu erreichen und verdeckt, die ‚Favelas‘ unter den Gräbern. Grob gebaute Nischen für Urnen.

Die Preisliste steht gleich am Eingang: Vier Jahre ein „Gewölbe“ mieten, kostet 500 Euro.
Ein kleines „Beinhaus“ ist für den gleichen Zeitraum für 160 Euro zu haben.
Der Friedhof ist ein Treffpunkt für Jung und Alt, fröhlich schwatzend wird durch die Gänge flaniert oder die älteren Herrschaften hocken im Schatten der Bäume.

Die Versorgungslage in Santa Marta ist her-vor-ragend.
Es gibt Alles und alles für kleines Geld. Außer Milchprodukte und Schokolade, damit tun sich die Geschäfte schwer.
Obst und Gemüse ist von ausgezeichneter Qualität. Nie waren die Ananas saftiger, süßer und preiswerter. Weniger als ein Euro kostet eine große Frucht.
Auf dem offiziellen ‚Schwarzmarkt‘, mitten im Zentrum gibt es Zigaretten aus China (China Duty not paid :oops: ) und Rum aus Venezuela. Das Rauerherz freut sich, die Stange ist für 13 Euro zu haben.

Schwarzmarkt-Kunde incognito

Schwarzmarkt-Kunde incognito

Mittags können wir für 2,50 EUR pro Person essen gehen. Vorsuppe, Hauptgericht und köstlichen, verdünnten Fruchtsaft, soviel man möchte.
Abends kostet es ein wenig mehr…da muss man schon 4,00 EUR für ein Essen berappen. ;-)
Das Essen ist bodenständige Hausmanns-Kost. Die Suppe ein Reste-Mix, sämig aufgekocht mit Kartoffeln oder Bohnen. Herzhaft lecker.
Das Hauptgericht ist gegrillter Fisch oder Fleisch mit Salat, Reis und Kochbananen-Taler. Manchmal auch Pommes. Keine kulinarischen Höhenflüge, aber grundsolide.

Dafür kann man nicht selber kochen.
Was uns gut in den Kram passt, da die fortschreitenden Lackier-Arbeiten in der Pantry angekommen sind. Sperrzone.

Oder es gibt BBQ auf dem Marina-Gelände.
Organisiert von der kleinen Gemeinde der Langfahrtsegler (Finnen, Amerikaner, Engländer und ein paar Deutsche), die wir uns hier eingefunden haben.
Rinderfilet vom Markt kostet grad 11,00 EUR das Kilo. Da freut sich der Skipper, wenn sich die Grillstangen verbiegen. Fleisch satt.

Idyllisches Providencia

Mo., 12.Jun.17, Kolumbien/Providencia, Tag 1108, 11.213 sm von HH

Providencia muss man lieben. Bis auf das Essen.

Wir stoppen an einer zauberhaften kleinen Garküche.
Die Chefin rattert runter, was heute im Angebot ist. Und sie deutet in den Hintergarten. Dort steht ein Topf auf dem Holzfeuer und dampft vor sich hin.
„Was ist drin?“, fragt Achim. Ich höre ‚Fisch, muy bien, und Cocos‘ raus, die anderen Zutaten gehen in genuscheltem Spanisch unter.
Klingt doch gut, nehme ich. Achim setzt auf altbewährtes Huhn.

Der Hausherr scheint begeistert, ob meiner Wahl, ruft mich in den Garten und gewährt mir einen Blick in den Topf. Ich will nicht unhöflich sein und bleibe bei meiner Entscheidung, obwohl der Anblick keine Gelüste weckt.

Als mein Teller kommt, fällt sofort der zitternde Schweine-Schwanz ins Auge. Er erinnert stark an 50 Jahre Portugal. Der kommt als erstes an den Tellerrand.
Der Rest ist nicht gut. Warum sieht alles gleich blass aus? Die Soße ist fade und ungewürzt.War nicht von Cocos die Rede?

Was zum Teufel habe ich auf meinem Teller? Den Fisch (trocken und geschmacklos) erkenne ich und Maniok ebenfalls. Die beiden einzig essbaren Teile.
Der Restkommt zum Schweine-Schwanz.
Auf der anderen Tischseite wird lecker Huhn mit Kochbanane und Reis gefüttert. Gute Wahl.

Der Rest unserer Insel-Tour ist zauberhaft. Die besichtigt man am besten per Moto.
Für 13 EUR inklusive Sprit mietet man ein ausgelutschtes Teil.
Führerschein? Keiner fragt nach.

Ich lass mich kutschieren und spring bei Achim hinten drauf.
Trotz geringer PS-Zahl und Fliehkupplung, kommt sofort ‚Easy Rider Feeling‘ auf.
Man darf auf Providencia ohne Helm fahren.
Kein Mensch fährt mit Helm, außer der Polizei. Cool.

Dafür trägt die Lady, die als lebende Baustellen-Ampel den Verkehr regelt einen Bau-Helm. Das hat Sinn.

Providencia ist untouristisch. Nur ein paar blasse Kolumbianer machen hier Urlaub.
Kleine Hütten werden am Traumstrand im Süd-Westen vermietet. Der Rest der Insel ist Felsenküste.

Auf der ganzen Insel findet man liebevoll zurecht gezimmerte Mini-Pinten, Pensionen und Häuschen für die Kinder, die auf den Schulbus warten.
Kein Müll fliegt umher, die Mongo-Bäume brechen unter der Last der kommenden Ernte zusammen, die Menschen haben Freude an Blumen-Ampeln und pflegen ihren Garten.
Überall wird sich viel Mühe gemacht, dass diese Insel nett und gepflegt wirkt.

Als einziges will der Friedhof nicht dazu passen. Trostloser geht nicht.
Eine ungepflegte Wiese mit einer Mauer. Grau und ungeschmückt.
Die meisten Toten bekommen ihren Namen in den frischen Beton geritzt. Geburts-Tag und Todes-Tag dazu, fertig. Nur wenige Gräber sind verziert.
Entweder mit einem aufwendigen Relief aus Zinn oder mit einem bunten ‚Werbeplakat‘ der schlechtesten Machart.
Wahrlich, die Menschen investieren hier weder Zeit noch Mühe in einen Totenkult.

Am Ende unserer Tour stoßen wir auf eine überfahrene Schlange. :shock:
Ein Würger wahrscheinlich, so unsere Einschätzung.
Hätten wir die vorher gesehen, hätten wir uns wohl nicht so auf der Wiese herum gewälzt.

:mrgreen: