Idyllisches Providencia

Mo., 12.Jun.17, Kolumbien/Providencia, Tag 1108, 11.213 sm von HH

Providencia muss man lieben. Bis auf das Essen.

Wir stoppen an einer zauberhaften kleinen Garküche.
Die Chefin rattert runter, was heute im Angebot ist. Und sie deutet in den Hintergarten. Dort steht ein Topf auf dem Holzfeuer und dampft vor sich hin.
„Was ist drin?“, fragt Achim. Ich höre ‚Fisch, muy bien, und Cocos‘ raus, die anderen Zutaten gehen in genuscheltem Spanisch unter.
Klingt doch gut, nehme ich. Achim setzt auf altbewährtes Huhn.

Der Hausherr scheint begeistert, ob meiner Wahl, ruft mich in den Garten und gewährt mir einen Blick in den Topf. Ich will nicht unhöflich sein und bleibe bei meiner Entscheidung, obwohl der Anblick keine Gelüste weckt.

Als mein Teller kommt, fällt sofort der zitternde Schweine-Schwanz ins Auge. Er erinnert stark an 50 Jahre Portugal. Der kommt als erstes an den Tellerrand.
Der Rest ist nicht gut. Warum sieht alles gleich blass aus? Die Soße ist fade und ungewürzt.War nicht von Cocos die Rede?

Was zum Teufel habe ich auf meinem Teller? Den Fisch (trocken und geschmacklos) erkenne ich und Maniok ebenfalls. Die beiden einzig essbaren Teile.
Der Restkommt zum Schweine-Schwanz.
Auf der anderen Tischseite wird lecker Huhn mit Kochbanane und Reis gefüttert. Gute Wahl.

Der Rest unserer Insel-Tour ist zauberhaft. Die besichtigt man am besten per Moto.
Für 13 EUR inklusive Sprit mietet man ein ausgelutschtes Teil.
Führerschein? Keiner fragt nach.

Ich lass mich kutschieren und spring bei Achim hinten drauf.
Trotz geringer PS-Zahl und Fliehkupplung, kommt sofort ‚Easy Rider Feeling‘ auf.
Man darf auf Providencia ohne Helm fahren.
Kein Mensch fährt mit Helm, außer der Polizei. Cool.

Dafür trägt die Lady, die als lebende Baustellen-Ampel den Verkehr regelt einen Bau-Helm. Das hat Sinn.

Providencia ist untouristisch. Nur ein paar blasse Kolumbianer machen hier Urlaub.
Kleine Hütten werden am Traumstrand im Süd-Westen vermietet. Der Rest der Insel ist Felsenküste.

Auf der ganzen Insel findet man liebevoll zurecht gezimmerte Mini-Pinten, Pensionen und Häuschen für die Kinder, die auf den Schulbus warten.
Kein Müll fliegt umher, die Mongo-Bäume brechen unter der Last der kommenden Ernte zusammen, die Menschen haben Freude an Blumen-Ampeln und pflegen ihren Garten.
Überall wird sich viel Mühe gemacht, dass diese Insel nett und gepflegt wirkt.

Als einziges will der Friedhof nicht dazu passen. Trostloser geht nicht.
Eine ungepflegte Wiese mit einer Mauer. Grau und ungeschmückt.
Die meisten Toten bekommen ihren Namen in den frischen Beton geritzt. Geburts-Tag und Todes-Tag dazu, fertig. Nur wenige Gräber sind verziert.
Entweder mit einem aufwendigen Relief aus Zinn oder mit einem bunten ‚Werbeplakat‘ der schlechtesten Machart.
Wahrlich, die Menschen investieren hier weder Zeit noch Mühe in einen Totenkult.

Am Ende unserer Tour stoßen wir auf eine überfahrene Schlange. :shock:
Ein Würger wahrscheinlich, so unsere Einschätzung.
Hätten wir die vorher gesehen, hätten wir uns wohl nicht so auf der Wiese herum gewälzt.

:mrgreen:

2 Gedanken zu „Idyllisches Providencia

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