Maloche im Mast

So., 18.02.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1359, 12.404 sm von HH

Seit zwei Tagen geht es nur: hoch – runter, hoch – runter.
Als erstes schafft Achim das Radar nach oben. Er hat Glück und alten Schraubenlöcher in der Halterung passen mit dem neuen Radar genau überein. Leider sind die neuen Schrauben zu lang. Hoch -runter.

Der Radar-Dom hängt ungefähr in acht Meter Höhe. Wir haben eine Abmachung für den Mast. Bis zur ersten Saling darf Achim ohne Sicherung klettern.
Eigentlich auch Quatsch. Ein Sturz aus sechs Metern dürfte einen unschönen Fleck auf dem Deck hinterlassen. Aber ich will ja nicht den Kindergarten-Cop spielen.
Alles über diese sechs Meter hinaus, soll er gesichert klettern.

Auch eine doofe Abmachung. Erfordert dies doch meine Anwesenheit. An seinem Klettergeschirr befestigt Achim ein Fall und ich sichere das Fall von unten.
Wenn er wieder runter will, klopft er gegen den Mast, damit ich die Sicherung löse.
Wenn er etwas will, klopft er auch. Eigentlich klopft er nur: „Ich brauch einen 6er Maulschlüssel. Mir fehlt ein Tüttelband.“ Den benötigten Kram lege ich in einen Eimer, den ich an einem zweiten Fall nach oben ziehe. Hoch – runter.

Neben dem Radar muss die neue Antenne nach oben und der neue Windmesser. Das Zeug wird am Mast-Top montiert. Hierfür sind neue Halterungen erforderlich. Rostige Verbindungen lösen und neue Löcher bohren – in 16 Meter Höhe. Dass ein Wind von 20 Knoten plus über den Hafen fegt, macht es nicht besser. Ich bin froh nur der Laufbursche am Boden zu sein.

Die letzten beiden Maststufen sind auf gleicher Höhe angenietet, damit man dort oben „stehen“ und arbeiten kann. Leider sind diese Stufen zu niedrig montiert.
Achim kann sich nicht von oben über die Mast-Spitze beugen, sondern muss alles über Kopf erledigen. Eine sowieso schon hässliche Arbeit wird unnötig erschwert (also merke: wer Maststufen an seinen Mast montiert, darauf achten, dass die letzten Stufen hoch genug angebracht werden).

Eine Bohrmaschine plus Verlängerungskabel muss nach oben. Pullt Männer!
„Achte drauf, was du machst,“ schallt es von oben. „Das Kabel vertörnt sich im Fall.“
Wir bebrüllen den gesamten Hafen. Der Wind reißt sofort Wortfetzen ab.

Ich weiß nicht, wie oft Achim die letzten Tage geklettert ist. In jedem Fall über die Muskelkatergrenze hinaus
Altes Antennenkabel raus, neues Stromkabel rein: hoch-runter. Ein Werkzeug vergessen, was der Assi nicht findet (nicht finden kann ;-) : hoch runter. Eine Schraube will sich nicht lösen: hoch-runter.
Man soll ja kein Mitleid mit seinem Chef haben, aber arme Sau, ich möchte nicht mit ihm tauschen.

"Ich brauch noch mal eben..."

„Ich brauch noch mal eben…“

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