Die unglaubliche freche Wetterfenster-Lüge

Sa.,16.Juli 22, Neuseeland/Whangarei, Tag 2968, 24.696 sm von HH

Vor unserer Auckland-Auszeit hat es das Boot-Yard tatsächlich geschafft Atanga umzubocken und die Front- und Heckpartie vom Kiel inzwischen auch mit Interprotect und Copper Coat zu streichen. So weit, so Fortschritt.

Der Bug aufgebockt – damit Interprotect und Copper Coat außerhalb der Mitte vom Kiel aufgetragen werden kann

Das Anheben und Ablassen von Atanga passiert mit Wagenhebern

Der vordere Teil schwebt – jetzt fertig bis zum Copper Coat

Am Freitag nach Auckland zeigt sich dann ein Wetterfenster am Horizont, um Interprotect (die wasserdichte Sperrschicht auf dem Rumpf) sowohl auf Atanga als auch auf der Ari B zu pinseln und zu sprayen: für Mittwoch sieht es großartig aus.  Ein Wetterfenster deshalb, weil das Interprotect nicht bei Luftfeuchtigkeit über 85 Prozent aufgetragen werden darf – laut Hersteller. Das wissen wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht, sondern verlassen uns auf Aussagen, die man uns gegenüber trifft.
Eine Lage Interprotect wird gerollt, zwei Lagen gesprüht. Beide Schiffe sollen an einem Tag abgearbeitet werden. Das ist sinnvoll, weil wir uns dann die Kosten für die Reinigung der Spray-Anlage mit der Ari B teilen können.

Übers Wochenende und am Montag und Dienstag bleibt das Wetterfenster bestehen. Alle arbeiten auf Mittwoch hin. Beide Rümpfe werden in Folie gehüllt, damit das weiße Interprotect nur auf dem Unterwasserschiff landet. Bereits mit Copper Coat endfertige Bereiche werden abgeklebt.

Dienstag ist alles vorbereitet – Atangas Rumpf oberhalb der Wasserlinie mit Folie geschützt vor Farben-Sprühnebel

Am Mittwochmorgen scheint die Sonne. Hurra, besser könnte es nicht sein. Ich frage um 9:00 Uhr bei Lance, wann er meint, dass es los gehen wird. „Ich weiß noch nicht. Mein Computer sagt, dass die Luftfeuchtigkeit noch zu hoch ist. Nach der Frühstückspause um 10:30 Uhr treffe ich eine Entscheidung. Ich möchte, dass wir 70% Luftfeuchtigkeit haben.“ Ich denk noch so, dass er nicht im Internet schauen soll, wie die Luftfeuchtigkeit am Flughafen ist, sondern lieber das Werft eigene Hygrometer in der Halle aufstellen sollte, da kommt ein Arbeiter gelaufen und bringt das Teil.

Noch herrschen 87 Prozent in der Halle. Also warten. Kontinuierlich geht die Luftfeuchte runter. 80 Prozent, dann 74 Prozent um 11:00 Uhr. Kein Arbeiter, kein Lance lässt sich blicken. Achim fragt nach. Lance besteht auf 70 Prozent: „Wir brauchen nur einen halben Tag für die Arbeit, mittags kann es los gehen“.

Uns kommen Zweifel. Es hat ja noch nicht mal jemand die Eimer mit dem Interprotect angeschleppt. Wie wollen zwei Maler/Sprayer zwei Schiffe in der kurzen Zeit fertig stellen? Achim befragt einen der Maler, den er beschäftigt an einem Katamaran draußen auf dem Yard findet. „Interprotect sollte unter 85 Prozent Luftfeuchte gepinselt werden. Niedriger braucht es nicht zu sein. Lance ist kein Maler und mich hat er nicht gefragt. Sorry.“  Nee, nicht deine Schuld!

Ich befrage den zweiten Maler: „Sag mal, wenn ihr erst mittags anfangt, schafft ihr die zwei Schiffe überhaupt? Ist nur eine Frage, denn wenn ihr nicht mehr kommt, kann ich meine Bodenbretter lackieren.“ Mein Gegenüber druckst herum. „Du musst Lance fragen“. „Hab ich, hab ich, es geht mir nur um meine eigene Planung.“ Der junge Mann schüttelt den Kopf: „Nicht zu schaffen und außerdem ist heute das Wetter so gut, wir sind für Arbeiten draußen eingeteilt worden.“ Bäng!

Lance, dieser Gauner – oder feiger Hund. Da wurden wir mal richtig verarscht. Wir sind beide total sauer. Die Crew der Ari B nimmt unsere Informationen uninteressiert auf. Von der Seite ist keine Unterstützung zu erwarten.
Aber was können wir tun? Genau überlegt nichts. Lance ist der Yard Supervisor, der Werft-Leiter. Parallel dazu gibt es noch Aaron, ebenfalls Supervisor, zuständig für Abteilung „Farben, Interprotect, Copper Coat“. Wer mehr zu sagen hat, vermögen wir nicht zu raten. In jedem Fall kann man mit Aaron sprechen, diskutieren. Der junge Mann kann ganze englische Sätze formulieren. Lance kann das nicht. Lance grinst nur. Ein Vorwurf – Lance grinst. Eine Reklamation – Lance grinst. Achim meckert – Lance grinst. Ich spiele den Good Cop – Lance grinst. Unverbindlich, schwammig. Mit so einem Menschen kann man sich nicht verständigen. Wir beißen uns an diesem Grinsen die Zähne aus. Im Grunde seit Monaten.
Leider ist Aaron ausgerechnet an unserem Wetterfenster-Mittwoch krank. Unsere Vermutung ist, dass Lance nicht die Cojones in der Hose hatte, den Interprotect-Job ohne Aaron durchzuziehen.

Uns bleibt nichts anderes als uns in unser Schicksal zu fügen. Abends verlängern wir direkt das Air B&B in dem wir wohnen (bei Dina mit ihrer Küche bereit für eine Herz-Transplantation).
Ab Donnerstag – nach unserem Wetterfenster – sind schauderhafte Regenfälle mit Luftfeuchte von 95 Prozent und mehr angesagt. Ausnahmsweise stimmt die Vorhersage. Donnerstag und Freitag sind gelaufen. Wir bekommen von Aaron (ein Lichtblick) die neue Info, dass es nun wirklich am Montag los gehen soll, wenn das Wetter wieder besser ist. Im Augenblick soll es passen.
Wir hoffen, dass niemand einen Regentanz aufführt. Der Spaß ist zu Ende.

Das war unser Wetterfenster – grrrrrr

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