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Schweine zwischen den Hütten und Eier am Strand

Sa.–Di., 16.–19.Mai 26; Vanuatu, Tanna, Port Resolution; Tag 4.368–72; 29.683 sm total

Frage: Warum kochen zehn Erwachsene am Strand ein paar Eier hart?
Antwort: Weil sie es können. :mrgreen:

Der nahe Vulkan Yasur streckt seine heißen Arme aus bis in die Bucht. Regelmäßig steigen Dampfwolken aus der Steilwand an unserem Heck. Am Strand muss man aufpassen, wo man hintritt, sonst gibt es verbrühte Füße.
Kennedy, ein junger Mann aus dem Dorf, lockt uns vier Crews bei Niedrigwasser an den Strand. Hier würden seine Leute aus dem Dorf ab und an tatsächlich noch kochen. Heute ist es ein Spaß für verwöhnte Städter.

Kennedy zeigt uns den heißesten Bereich. Wenn man auf die falsche Stelle tritt, gibt es heiße Sohlen.

Wenn Eierkochen zur Sensation wird. ;-)
Nach 20 Minuten sind sie wachsweich nach 30 hart.

Kennedy hat auch Instantnudeln zum Kichen vorgeschlagen. Heimlich glaube ich, dass er die Koch-Aktion auch anregt, weil für ihn immer eine kleine Extramahlzeit abfällt. Heute die Nudeln und zwei Eier.

Dezent zieht er sich zurück und putzt die Nudeln weg. So ein junger Mann hat Dauerhunger.

 

Das Dorf von Kennedy scheint aus der Zeit gefallen zu sein. Wie ein großes Freilichtmuseum, nur ohne Hinweisschilder. Stünden da nicht vereinzelt Solarpanele, würden wir uns Jahrhunderte zurück versetzt fühlen: Mit der Hand behauene Ausleger-Kanus liegen am Strand. Es gibt keine Strom- und Wasserleitung. Die Wege sind unbefestigt, die Hütten mit Palmenblättern gedeckt. Geflochtene Matten dienen als Wände. Dazwischen laufen glückliche Hühner und Schweine umher.

Dorfleben – die Frauen sind bei den ganz Kleinen am Haus, die größeren Kinder in der Schule, die Männer sind Fischen.

Schweinchen laufen durchs Dorf. Es gibt aber auch Tiere hinter Zäunen.

Bescheidene Häuser aus Naturmaterialien – gekocht wird draußen.

Freilichtmuseum: hier Dachdecken. Mit vorgeflochtenen Palmenwedeln. Wer das Flechten erledigt, wäre noch interessant.

Relativ dunkle Häuser auf Stelzen. Es gibt allerdings auch Häuser aus Stein oder Wellblech. Besonders die Lehrer wohnen in steinschen Häusern.

Die Menschen leben von dem, was sie anbauen und fangen. Nur Luxus; wie Kleidung, Reis und der Transport in die „Stadt“ müssen verdient werden. Wie, ist für uns schwierig zu durchschauen. Allerdings gibt es zwei Bungalows für Touristen und an Segler werden Ausflüge ‚verkauft‘. Sind wir wieder weg, bringt ein bescheidener Handel mit Fisch und Bananen etwas Geld. Manchmal arbeiten die Ni-Vanuatu auch in Australien oder Neuseeland als Saisonarbeiter. Das schafft mehr Geld ins Dorf als jahrelange harte Kopra-Ernte.

Es gibt zwei, drei Autos im Dorf. Die gehören einzelnen Familien, nicht der Gemeinschaft. Es wird aber der Transport der Nichtautobesitzer als selbstverständlich angesehen.

Hier kann man sich als Tourist einbuchen. Nicht über booking zu finden. Der Preis beträgt wohl 75,00 Euro pro Person, hängt von der Verpflegung ab.

Ein Teil der Flotte in der Bucht. Es gibt bestimmt dreißig Kanus.

Nahe vom Strand entsteht ein neues Einbaum-Ausleger-Kanu. Drei Tage soll die Arbeit dauern.

Gefischt wir gemeinsam. Die Gruppe besteht aus zehn bis zwanzig Kanus. Es ziehen Trupps von Makrelen durch die Bucht, die sind heiß begehrt.

Der Fang gehört dem Einzelnen. Wer leer ausgegangen ist, kann Fisch gegen andere Lebtnsmittel tauschen oder kaufen vom Kumpel.

Feierabend. Jeden Tag, außer am Wochenende, wird gefischt. Mehrere Stunden.

Idylle

 

Die Dorfbewohner sind freundlich, aber eher zurückhaltend. Wir treffen auf Warry, den Bruder vom Chief. „Bewegt euch gerne frei im Dorf umher“, lädt er uns ein. „Es gibt zwei, drei Tabu-Zonen. Einfach im Dorf fragen, dann wird man euch schon Bescheid geben. Die Tabu-Schilder wurden leider vom Zyklon umgerissen“.
Warry spricht Englisch. Eine von drei Amtssprachen in Vanuatu. Auch die Bücher und Ankündigungen auf der Tafel in der Schule sind englisch. Kaum zu glauben, dass trotzdem nur vierzig Prozent der Ni-Vanuatu diese Sprache beherrschen sollen.
Es gibt 65 bewohnte Inseln, jedoch 138 Sprachen. Eine verrückte Dichte. Jedes Dorf hat seinen eigenen Slang. Dafür wurde Bislama, das lustige Pidgin-English kreiert. Als dritte Amtssprache und verbindendes Element untereinander. Jetzt auch für uns ganz nützlich.
„Halo. Olsem wanem? – Wie geht’s?“, ist jetzt Namba tu in unserem Dorf-Wortschatz.

Große Pause. Gespielt wird Fangen und ein Ballspiel. Der Ball ist eine harte, unreife Frucht. 300 Kinder sollen hier, auch aus anderen Dörfern, zur Schule gegen.

Von außen dachten wir, dass die Schule eine Ruine sein. Nein, dieser schäbige Raum ist aktiv. Tafeleintrag vom 12. Mai 2026.

Das Schulmaterial. Es lag auf einem Tisch neben der Tafel. Am Sonntag konnten wir einen Blick in die leeren Klassenzimmer werfen.

Merksätze an der Schulwand.

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