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The Next Generation

01.09.2026; Vanuatu/Espiritu Santo/Palikulo Bay; Tag 4.476; 30.106 sm total

Das Elend fängt mit einer Fehleinschätzung an. „Wo kommt denn bloß der Mohn her?“, wundere ich mich. „Wir hatten doch gar nichts mit Mohn!“ Ich wische die Krümel zwischen den Tellern im Schrank weg und denke nicht weiter drüber nach. Zwei Tage später finde ich die nächste Ladung an der gleichen Stelle. Eine genauere Betrachtung – diesmal ohne Brille – treibt mir Sorgenfalten ins Gesicht. Nix Mohn, es handelt sich eindeutig um Kakerlaken-Kacke.
Schöner Mist! Wenn Kakerlaken Mohnkörner großen Dreck hinterlassen können, dürften es Kavenzmänner sein.

Als Sofortmaßnahme baue ich aus Eierkartons Kakerlaken-Hotels. Bestückt mit Borsäure und Zucker. Seit Edgar der Schabe weiß jeder, Kakerlaken lieben Zucker. Zusätzlich kaufen wir Fressköder im Supermarkt. Beide Methoden wirken als Kaskadengift. Die Wirkstoffe werden ins Nest getragen und vergiften dort die Nachkommen.

 

Kakerlaken-Hotels bestückt mit Borsäure.

Borsäure ist ein weißes Pulver. Rein von der Optik hofft man dann, dass das Beutelchen nicht vom Zoll gefunden wird. :mrgreen:

Es dauert eine Zeit, da tauchen die ersten Leichen auf. Große Biester. Wahrscheinlich handelt es sich um die flugwillige amerikanische Schabe. Es dauert eine noch längere Zeit, da tauchen Baby-Kakerlaken auf. Die sind noch nicht so flink auf den Beinen wie ihre Eltern. Wir erwischen ein halbes Dutzend. Das reicht nicht! Ein Eipaket enthält 14 bis 16 Eier. Der Rest der Brut entkommt, häutet sich, wächst zu mittelgroßen Schaben heran. Wir erwischen weitere zwei.

Mit einem Körper, den nur eine Mutter lieben kann. Ein Amerikaner oder Australier. Die sehen sich sehr ähnlich.

Inzwischen haben wir das Land gewechselt. Die Geschichte zieht sich seit Nouméa, genau gesagt seit April. Wir wähnen uns schabenfrei, als an einem lauen Abend im Juni ein mausgroßes Teil in der Pantry landet. Das Biest ist so fett, dass es nicht mal eben in einer Ritze verschwinden kann. Achim ist schnell wie der Blitz. Gute Leistung!  Ein paar Tage später sehe ich am Dinghy-Dock eine Schabe am Nachbar-Schlauchboot hochklettern. Ich kann sie zum Schwimmen überreden.

An Bord ist Ruhe. Kein Mohn, keine Häute, keine weiteren Funde. Wir atmen auf.
Zu früh. Es erfolgen erneut Sichtungen und Fänge von mittelgroßen Schaben. Ob es sich um unsere Nouméa-Brut oder eine neue Familie handelt, ist nicht überliefert. Wir wechseln die Fallen, kontrollieren, putzen und passen auf.

Und tatsächlich, seit vier Wochen ist es friedlich. Wir erklären Atanga nun wirklich für kakerlakenfrei. Bis gestern. Die nächste Generation ist da. Ein kleines Tier rennt rotzfrech am hellen Tag im Cockpit umher. Aber auf Achim ist Verlass. Platsch. Weidmanns Dank. Zu hell der Körper, zu tagaktiv, um ein echter Amerikaner zu sein. Dazu kommen gestreifte Beine.

Es könnte eine Außenschabe sein. Dies sind keine Schädlinge, sondern sie fressen verrottendes Pflanzenmaterial im Garten. Es soll keine Vermehrung im Haus stattfinden. Was auf einem Boot passiert, ist natürlich nicht beschrieben. Hoffentlich weiß die Außenschabe, dass sie ohne Grünabfall nach ein paar Tagen zu verenden hat.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Kakerlake bitte zuerst.

Nicht nur, dass die Viecher eklig sind, sie richten echten Schaden an. Hier die Gummidichtung unseres Schnellkochtopfes. Als ob es in den Ritzen der Bodenbretter nicht genügend Krümel zu finden gäbe. Auch die Ringdichtung hat Frass-Spuren. Achim meint, das sei Abrieb vom Schaukeln. Ich sage, es waren die Amerikaner. Abrieb hatten wir in zwölf Jahren nicht  …