Schlagwort-Archiv: #lagunenzauber

Unser Dauerblick nach Nordwesten

So., 30.11.25; Neukaledonien/Îlot Nouen, Tag 4.201

Wir sind wieder in der Lagune. Jetzt ist wettertechnisch die schönste Zeit des Jahres: selten Regen, kaum Wind und Badewannenwasser von 27 Grad. Einfach köstlich.

Weil das Wetter so ruhig ist, reicht uns diese Sandbank als Schutz.

Lagunenvergnügen

 

Vom Feinsten. Die Sandbank ist einfach herrlich!

Wir brauchen uns das Inselchen nur mit Vögeln zu teilen.

Allerdings gilt morgens unser erster Blick dem Wettergeschehen nordwestlich von uns.
Zyklone, die Einfluss auf Nouméa haben, entstehen fast ausschließlich in der Salomonensee, östlich von Papua-Neuguinea. Das ist ungefähr 2.000 Kilometer entfernt. Ein typischer westpazifischer Zyklon legt 300 bis 700 Kilometer pro Tag zurück. So ein Wirbel kann innerhalb von vier bis sechs Tagen vor der Tür stehen.
Diese Vorwarnzeit ist deutlich kürzer als zum Beispiel bei atlantischen Hurrikanen, die auf die Ostkaribik treffen. Dort muss ein Hurrikan bis zu 4.000 Kilometer Strecke machen.

Wind am 30 November 2025. Allesruhig zur Zeit. Bei Darwin gab es den ersten Zyklon der Saison vor ein paar Tagen. Verdammt früh! [Quelle windy]

Daher unsere Überlegung, dass wir uns nicht weiter als eine Tagesreise entfernt von der Marina wegbewegen wollen. Es gibt im Notfall einiges zu bedenken. Was sich an Deck von Atanga befindet, muss entweder demontiert oder sturmsicher verzurrt werden. Lässt man seinen Blick schweifen, kommt da einiges zusammen.
Zusätzlich soll man sich für sieben bis zehn Tage mit Lebensmitteln eindecken, da der Nachschub an Nahrungsmitteln unterbrochen sein kann. „Und haben Sie Bargeld im Haus“, wird empfohlen. Falls der Strom ausfällt.

Natürlich beschäftigt uns das Thema ‚Zyklon‘.
Die größte Zerstörungskraft eines Wirbelsturms hat nicht der Wind, sondern Sturmflut und Schwell. Neukaledonien ist fast vollständig von einem schützenden Barriere-Riff umschlossen. Ein Zyklon kann auf dem offenen Ozean Wellen von zehn Metern vor sich hertreiben. Schwerer Schwell kündigt meistens schon ein, zwei Tage vor dem Wind einen nahenden Sturm an.
Diese Monsterwellen überspülen das Barriere-Riff. Das Wasser kann nicht schnell genug über die natürlichen Pässe abfließen. Es staut sich in der Lagune. Es kommt zu einer Sturmflut. Der Wasserspiegel kann innerhalb der Lagune bis zu 1,5 Meter steigen. Dadurch, dass die Lagune so groß ist, hat der Wind eine schöne Anlauffläche. Normalerweise schaffen die Wellen selten eine Höhe von über zwei Metern. Bei einem Wirbelsturm sind an exponierten Lagen innerhalb der Lagune schon sechs Meter gemessen worden.
Trotzdem gut, dass das Riff existiert. Ohne würde Nouméa bei jedem mittleren Sturm schwer beschädigt.

Die Poller in der Marina haben bei normalem Hochwasser grade noch zwei Meter Luft. Zu viel ist das nicht. ;-)

Im Inland bringt die größte Zerstörung der Regen, den ein Wirbelsturm mit sich führt. Durch Überschwemmungen und Erdrutsche. Für unser schwimmendes Zuhause das kleinste Problem.
Der Wind hat zerstörerische Kraft. Jedoch nur punktuell. Meistens bleibt es bei abgedeckten Häusern und umgestürzten Bäumen. Die kleinste Gefahr für Menschenleben.

Wir selber haben schon einen Zyklon erlebt. Gabrielle in Neuseeland. Aug in Aug mit Gabrielle vor knapp drei Jahren.Bei der Entstehung war Gabrielle ein Zyklon der Kategorie 3. Als er auf Neuseeland traf,  war er bereits herabgestuft zu einem Tropensturm. Trotzdem waren die Auswirkungen in Neuseeland schwerwiegend:

  • Der Sturm verursachte Starkregen, der zu verheerenden Überschwemmungen, Erdrutschen und Sturmfluten führte.
  • Die neuseeländische Regierung rief den landesweiten Notstand aus – eine Erklärung, die in der Geschichte des Landes erst zum dritten Mal erfolgte.
  • Die Schäden waren massiv und betrafen ein Drittel der neuseeländischen Bevölkerung.

Gabrielle ist im Februar 2023 mit 400 Kilometern Abstand an Neukaledonien vorbeigezogen. Trotz dieser sicheren Entfernung war der Einfluss deutlich spürbar. Örtlich fielen über 80 mm Regen. Windböen von 120 km/h kamen in Nouméa an.

Zyklone in der Saison 2022 2023: Gabrielle hatte die rosafarbene Zugbahn. Fast immer entstehen die Zyklone, die Neukaledonien beeinflussen in der Salomonensee (seltener in der Coral Sea). [Quelle ‚Meteo France‘]

Im Augenblick ist alles ruhig und wir selber stellen für uns die größte Gefahr dar. :mrgreen:
Heute Morgen gab es im Salon einen kleinen Knall und im Anschluss ein knisterndes Geräusch. Beide hören wir es, können es aber nicht zuordnen. Achim wirft einen Blick nach draußen. Nichts. Auf einmal ruft er mir zu: „Riechst du das auch?“ Ich blicke mich um. Aus unserer Dreiersteckdose steigt eine kleine Rauchwolke. Zwei Geräte hängen gerade zum Laden dran. Ich ziehe schnell den Übeltäter von der Sitzbank. Achim schaltet geistesgegenwärtig den Inverter aus.
Nichts passiert außer angekokelter Plastikgestank. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir gerade draußen gewesen wären. :shock:

Wundervolle Lagunenzeit

01.–14.10.25; Neukaledonien/diverse Buchten und Inseln; Tag 4.141–54; 29.298 sm von HH

Die Lagune von Neukaledonien hat den Vorteil, dass man im Zickzack Buchten und Inseln abfahren kann. Der Nachteil ist: Man muss es auch. Der vorherrschende Süd-Ostwind bläst gerne mal aus Westen.
Sofort verlieren die Inselchen ihren Charme. Erreicht der Wind dann noch über zwanzig Knoten, ist Schluss mit lustig. Wir liegen aufriffig. Schaumkronen und einen halben Meter hohe Wellen – es fühlt sich an wie ankern auf dem offenen Ozean. Wir fliehen. Nicht nur einmal.
Der Vorteil: Nur fünf, acht oder zwölf Meilen weiter, an der Mutterinsel, finden wir Schutz.

Wir flüchten …

Typische Sandbankinsel in der Lagune. Das Riff ist zehnmal so groß wie die Inselchen. Schutz allerdings nur bei Süd-Ostwind. Foto credit: rocket cruising guide

Die Buchten auf der Westseite gefallen uns nicht so gut wie im Osten. Es ist nicht so abwechslungsreich und wir kommen kaum an Land. In Neukaledonien gilt das Gesetz, dass private Grundstücke den Zugang zur Küste nicht blockieren dürfen. Der öffentliche Uferbereich ist der Gezeitensaum und darüber hinaus noch mindestens drei weitere Meter. :roll:
Und so finden wir es auch vor. Hinter den drei Metern versperren Zäune das Fortkommen. Es wohnt kaum jemand hier, die Zäune sind für Weidevieh. Rindviecher und Wild.

Unbewohnte Küste an der Haupinsel.

An der Mutterinsel ist nicht so viel los – das Wasser immer leicht undurchsichtig und der Strand, wenn es einen gibt, meistens steinig. Außer paddeln, kann man nicht viel unternehmen.

Die Tage auf den unbewohnten Sandbank-Inseln entschädigen. Manchmal haben wir sie für uns alleine, ab und an kommen noch zwei, drei Schiffe dazu.
Die Korallenbänke sind gesund und leuchten unter Wasser. Perfekte Schnorchelbedingungen. Sieht man von der Wassertemperatur ab. Noch immer keine 24 Grad. Zu kalt, um längere Zeit ohne Neopren zu schnorcheln. Der Fischreichtum beeindruckt. Große Teile der Lagune sind Schutzzonen, Fischen verboten. Die Rifffische danken es mit stattlichen Größen. Dazu die unfassbare Menge an Schildkröten. Wir sehen so viele Panzer, dass wir trockenen Fußes, von Kröte zu Kröte hüpfend, an Land kommen könnten.
Wundervolle Tage. Besonders die Tage komplett ohne Wind. Da brauchen wir nicht schnorcheln. Mit dem Waka über das Riffdach zu gleiten, ist wie in einem Glasboden-Boot zu sitzen.

Morgens hat man die Inseln noch für sich alleine.

Unser Dinghy brauchen wir gar nicht. MIt dem aufblasbaren Waka kommen wir überall gut hin. Mit zehn Zentimeter Tiefgang können wir herrlich über die Korallen gleiten.

Schnorcheln? – die Sicht ist schon über Wasser atemberaubend.

Leider ist der Akku unserer Unterwasserkamera kaputt – braucht man gar nicht. Zumindest bei Windstille.

Hunderte Schildkröten – zeitweise tummeln sich sechs, sieben Stück auf einer Stelle.

Der Beweis – das Wasser ist bebadbar.
Aber uns sind 23,5 Grad noch etwas zu frisch für Hochgenuss.

Und immer wieder Seeschlangen. Auch neben dem Boot und beim Tauchen. Von Australieien hören wir die Geschichte, dass sie in ihren Lenzrohren im Cockpit hoch gekommen sein sollen. Gerne klettern sie auch in Kajaks, wenn diese an Land lagern. Kontrollen sind angebracht.

Das Ende dieser Zeit ist eingeläutet. Vier Wochen sind rum und unser Essen ist aufgefuttert. Das ist der zweite Nachteil der neukaledonischen Lagune. Als Stadt gibt es Nouméa und sonst keine Einkaufsmöglichkeiten vom Schiff aus. Wir müssen zurück.

Die letzten zwei Nächte verbringen wir noch einmal vor der Hotelinsel Îlot Maitre. Viele Segler fangen an, sich für Neuseeland vorzubereiten. Die Gerüchteküche brodelt. Neben uns liegen Neuseeländer – sie wissen zu berichten, dass die ‚Biosecurity‘ dieses Jahr streng sein soll. Angeblich wird jedes dritte Schiff bemängelt und aus dem Wasser gekrant.
Achim füllt unsere Tauchflaschen. Wir gehen noch einmal den Rumpf putzen. Die letzte Reinigung darf nicht länger als dreißig Tage her sein. Wir rücken dem neuen Schleim und vergessenen Tieren am Ruderspalt auf den Haltefuß.
Der Rumpf ist jetzt sauber für Operationen am offenen Herzen. Unsere Kiwi-Nachbarn sind so nett und leihen uns ihre Unterwasserkamera.  Unsere GoPro hat einen kaputten Akku. Ein Ersatz ist in Neukaledonien nicht zu bekommen. GoPro liefert hier nicht her. Was für eine merkwürdige Vertriebs-Politik. Grrr.

Unterwasserschiff – wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Gute Arbeit. :-)

Wir fahren morgen nach Nouméa zurück und bereiten dort den Rest für die Überfahrt vor.
Dass wir nach sieben Wochen Wartezeit noch kein Visum von den Neuseeländern erhalten haben, ist eine andere Geschichte. Die normale Wartezeit beträgt drei Wochen. Achim, der geduldigste Visums-Antragsteller, den ich mir wünschen kann, hat eine E-Mail-Adresse gefunden, wo sich vergessene Antragsteller „beschweren“ können. Es gab eine Antwort, dass wir innerhalb von drei Werktagen eine Antwort erhalten werden. Die sind morgen rum.

Ungewohnter Scheinwerfer-Sonnenuntergang.

Jeden Abend Farbenzauber. Das erste Mal sehen wir einen ‚green Flash‘ beim Sonnenuntergang. Nicht bei diesem. ;-)
Tatsächlich gibt es Gerüchte, dass die grünen Blitze nur nach dem Konsum Bewusstseins erweiternden Drogen auftreten. Nein! Sie erscheinen bei sehr klarer Luft und wenn keine Wolken am Himmel sind. Lange mussten wir warten und haben schon nicht mehr dran geglaubt.

Alle zehn Tage kommt mal ein Kreuzfahrtschiff vorbei. Die halten aber nur in Nouméa.

54