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Markttag ist kein Zuckerschlecken

Fr., 22. Mai 26; Vanuatu, Tanna, Port Resolution; Tag 4.374; 29.683 sm total

Die Hauptattraktion auf der Insel Tanna ist der nahegelegene Vulkan. Uns macht für einen Besuch das Wetter bislang einen Strich durch die Rechnung. Somit liegen wir in Port Resolution länger als erwartet. Uns geht langsam das Grünzeug aus, weil wir nicht so viel schmuggeln wollten.
Hier im Dorf gibt es keinen Laden, aber im 50 Kilometer entfernten Lenakel. Zusammen mit Magali und Cyril von der Black Lion organisieren wir einen Transport. Die Fahrt kostet hin und zurück 45 Euro pro Paar. Bei dem Preis erscheint vor unserem Auge eine individuelle Fahrt quer über die Insel.

Unterwegs mit Magali und Cyril. Hier sieht es noch nach Luxusreisen aus.

Bereits im Dorf zerplatzt diese Vorstellung. Der Pick-up hält an jeder Milchkanne. Schnell ist die Ladefläche rappelvoll: sieben Erwachsene, zwei Kinder, eine große Gasflasche und diverse Taschen. Zwei Männer springen noch hinten auf die Stoßstange. Mehr passt beim besten Willen nicht.

Zwei Dorfbewohner hängen wenig begeistert an der Stoßstange. Ich muss aufpassen, dass ich dem Herren neben mir nicht den Ellenbogen ins Gemächt haue.

Gute beladen – einige müssen sogar stehen.

Volle Kiste

Begeisterung ist in alle Gesichter geschrieben

Die Straße ist in einem schlechten Zustand und verdient den Namen nicht. Aufgeweicht vom Regen der letzten Tage. Stellenweise muss der Fahrer anhalten. Die Männer springen dann von der Stoßstange. Mühsam arbeiten wir uns voran.
Der Wagen schaukelt. Das Gestänge sorgt für blaue Flecken im Rücken.

Nach einer halben Stunde wechselt der Feldweg in eine befestigte Straße. Eine Art Knotenpunkt der Pick-ups aus anderen Dörfern. Die Stoßstangen-Reiter wechseln das Auto. Ein Junge folgt ihrem Beispiel. Jetzt wird es leichter, denken wir. Unser Fahrer gibt Gas. Zu viel Gas für unseren Geschmack. Auf dem Rückweg sehen wir, dass er gerne und viel mit seinem Handy daddelt. Davon bekommen wir zum Glück nichts mit.

Es fängt an zu nieseln. Gefolgt von Regen. Dann ein Regenguss. Wir sind schon deutlich durchnässt, als der Fahrer anhält. Eine Plane wird über die Ladefläche gespannt. Sie wird notdürftig mit einem Band befestigt. Natürlich flattert die Plane wie verrückt. Es knallt und knattert, aber wir sitzen im Trockenen.
Immerhin. Besser schlecht gefahren als gut gelaufen.

Mit einem Band wird die Plane befestigt. Links, der junge Mann, ist übrigens ein Fahrgast. Hier muss jeder mit ran.

Damit die Plane nicht zu sehr schlägt, müssen die Gäste am Ende festhalten.

Regen zu Ende

Nach anderthalb Stunden kommen wir lebend in Lenakel an.
Der Markt von Lenakel ist der Ort, an dem die Insel zusammenkommt. Es herrscht ein großes Gewusel. Die Menschen reisen – genau wie wir auf der Ladefläche – von den entlegenen Dörfern an, um ihre Waren zu verkaufen.
Daneben gibt es eine Bank, eine Tankstelle und ein paar Läden mit einem einheitlichen Angebot: Reis in praktischen 25 Kilo Säcken, Dosen mit Thunfisch und Corned Beef. Waschpulver und etwas Hardware, wie Schaufeln und Schubkarren.

Nur Frauen verkaufen auf dem Markt. Fast einheitlich in Grün gekleidet.
Grün ist bei vilen protestantischen Kirchengemeinden dominant.

Mittagessen: Hühnerflügel auf Maniok oder Taro mit Spinat artigem Gemüse: 2 Euro.

Ganz toll sind die geflochtenen Bio-Tragetaschen aus Palmenblatt. Plastikeinwegtaschen sind streng verboten seit 2018. Das wird sehr gut umgesetzt.

Unser Snack sind gebackene und gezuckerte Teigröllchen. Man achte auf das Blatt als Teller.

Nach unserem erfolgreichen Einkauf stehen wir gerade mit Cyril und Magali zusammen am Straßenrand, als unser Fahrer uns entdeckt. Das ist nicht schwer. Außer uns zwei Crews gibt es nur noch zwei weitere Langnasen auf dem Markt.
„Seid ihr fertig? Dann könnte ich euch jetzt schon zurückbringen. Ich muss sowieso noch einmal hin und her fahren.“ Wir sind einverstanden und bekommen diesmal den Platz in der Fahrerkabine. Was für ein Luxus. Kostet aber nicht mehr. ;-)
Wir zahlen sowieso schon den Touristenpreis. Die Einheimischen brauchen nur zwischen 500 und 1000 Vatu zu bezahlen. Je nachdem, ob sie Waren zum Transport dabei haben. Wir haben 3.000 Vatu pro Person bezahlt. So ist das eben in Vanuatu, da kann man nichts machen und es gehört wohl zum Abenteuer dazu.