Blutsauger

Seit ein paar Tagen haben Mücken bei uns Einzug gehalten.

Zunächst hat mich persönlich das nicht so gestört, da sie nachts nur Achim belästig und gestochen haben. Dann habe ich aber morgens Stiche an meinen Beinen und Armen gefunden. Ganz werde ich den Verdacht nicht los, dass nachts Körperteile von mir aufgedeckt wurden, damit ich als Mücken-Buffet dienen kann.

Und die vorletzte Nacht war dann richtig schlimm (schlimm, schlimm, schlimm). Mit gefühlten 80 Dezibel wurden wir beide so aggressiv besummt, dass die Nacht einfach nur gruselig war. Finden kann man die Biester gar nicht, denn die sind mikroklein und es gibt einfach zu viele Ecken in denen sie sich verstecken können.

Wir haben dann gestern, bevor wir nach Santiago gefahren sind, dass Schiff mit Gift ausgeräuchert. Aber nur mit mäßigem Erfolg, denn heute Nacht wurden wir erneut besucht. Ob es neue Kameraden waren oder die alten überlebt haben, ist unbekannt.

Aus so gegebenem Anlass und da es heute sowieso regnen soll, habe ich ein altes, aber recht unpopuläres Projekt wieder hervorgeholt: Mückenschutz für unsere Luken. Den Zuschnitt der Gaze und den Tunnel für ein Bändsel hatte ich hatte ich schon mal im letzten Jahr angefangen. Da das Ganze aber nicht recht funktioniert hat, habe ich es wieder zur Seite gelegt. Dass immer erst Leidensdruck entstehen muss, damit man Dinge weitermacht…

Unsere Luken haben eine Nut für die schnell ein passendes Bändsel gefunden ist, welches man dort hineindrücken kann. Im Fundus von Omas Nähkästchen-Inhalt finde ich dann noch Schrägband (wofür man auch immer sowas im richtigen Leben benötigt) und nutze dieses zur Verstärkung des Tunnels. Denn jetzt kann ich mit der Nähmaschine die Gaze auf dieses Seitenband nähen ohne dass sich alles zusammenzieht bzw. gar nicht richtig vernäht wird. Dann das Bändsel für die Nut in den Tunnel eingezogen, auf die richtige Länge gebracht, noch zusammengenäht und mit etwas Hitze verschmolzen. Zum Öffnen und Schließen des Fensters müssen wir eine Hälfte der Gaze aus der Nut ziehen, dafür habe ich noch zwei kleine Schlaufen angenäht.

Die Mücke der letzten Nacht kommt nun garantiert nicht wieder raus ;-)

Jetzt schauen wir uns das eine Weile an, ob der Prototyp funktioniert. Wenn ja, dann geht das in Serie und wenn mal wieder Regenwetter ist, dann nähe ich für die anderen Luken auch noch solchen Mückenschutz.

 

 

Santiago de Compostela

Heute haben wir echtes Touri-Programm auf dem Zettel und machen uns auf den Weg nach Santiago. Dafür müssen wir erst mit dem Bus und dann 40 Minuten mit dem Zug fahren. Aber das mit den Zügen müssen wir noch üben, nach Brugge ist es jetzt das zweite Mal, dass uns die Bahn genau vor der Nase weg fährt und wir eine Stunde Wartezeit haben.

Dabei stehen wir extra früh auf, um genug Reserven zu haben, der Bus zum Bahnhof hält auch fast vor der Haustür und kommt in dem Augenblick wo wir die Haltestelle erreichen. Soweit so Sonnenschein… Leider verpassen wir an der richtigen Station auszusteigen (das sollte der Busbahnhof sein, der als solcher nicht zu erkennen ist), so dass eine 40 minütige Stadtrundfahrt folgt. So lernen wir zwar die Außenbezirke von La Coruña kennen, aber unser Zug ist mal weg.

Es tröstet aber, dass die spanischen Beamten am Ticketschalter genau solche Schlangen erzeugen können wie die Deutschen. Ob es an den Menschen oder den Systemen oder gar an einer üblen Kombination aus beidem liegt, ist nicht auszumachen.

Die Züge sind super pünktlich, modern und sauber und fahren uns durch leichtes Hügelland. Dieses ist sehr grün und stark landwirtschaftlich genutzt. Aber es gibt auch größere Waldflächen dazwischen, forstwirtschaftlich genutzt, entweder Eukalyptus oder Kiefern (wahrscheinlich keine Pinien).

Santiago ist, wie erwartet, voll mit Pilgern, die mit unterschiedlichem Erscheinungsbild und Erschöpfungsgrad die Kathedrale erreichen. Um die 200.000 Wanderer kommen hier jährlich an…das macht täglich immerhin fast 600 Pilger. Nach Rom und Jerusalem ist Santiago einer der wichtigsten Wallfahrtsorte. Dementsprechend reich ausgeschmückt ist die Kathedrale in der die Gebeine vom Apostel Jakobi lagern sollen.

Das Gehäuse der Jakobs-Muschel ist allgegenwärtig, als Souvenir, als Erkennungszeichen des erfolgreichen Absolvierens des Jakobsweges oder einfach kulinarisch. Die Altstadt ist sehr gut erhalten, recht weitläufig und Weltkulturerbe. Uns gefällt es ausgezeichnet, so dass wir lange durch die Gassen flanieren. Am Ende fühlen sich unsere Füße so an als wären wir den ganzen Camino de Compostela an einem Tag gelaufen..  ;-)

 

Regenwetter = Freßwetter

Zwei Tage ging eine Regenfront hier über La Coruña hinweg.
Das gibt gute Gelegenheit in Ruhe einzukaufen und lecker zu kochen.
Die Preise hier in Spanien sind gegenüber den Französischen deutlich geringerIn Frankreich haben wir z.B. Für ein Baguette zwischen 0,80 und 1,25 EUR bezahlt, hier muß man nur 0,36 EUR dafür hinblättern- bzw. klimpern.
Birnen und Pfirsiche (die leckeren, platten) kosten nur 1,00 EUR das Kilo und Dorade 7,60/Kilo.
Aber nicht alles ist so viel preiswerter.
In Frankreich waren Schokolade und Barilla Nudeln sehr günstig, das hat hier ungefähr die Preise wie zu Hause.
Und Grundnahrungsmittel Wein ist in beiden Ländern deutlich günstiger, aber, wenn man preisgünstigen Wein wählt, schmeckt uns der Spanische besser.

Die Supermärkte sind hier auch gut sortiert, allerdings fehlen die kleinen Schweinereien, die es in Frankreich gibt: Rillettes und Pasteten, und „nur“ noch 30 Sorten Käse statt 80. Aber überall hängen ganze, luftgetrocknete Schinken herum für 30 bis 120 EUR das Stück.

Also das Einkaufsparadies geht, nur etwas modifiziert, weiter.

Heute ist das Wetter wieder sehr gut und somit haben wir noch mal einen Bummel durch die Stadt unternommen. Dabei sind wir an einem Stand auf eine Teufelsküche gestoßen.
Vorsicht, das angehängte Foto ist nichts für schwache Gemüter…
Aber ganz Galicien scheint sich von Pulpo zu ernähren. Ich würde ja gerne mal ein kleines Stück probieren, aber eine ganze Portion ist da echt zu viel…

Wir haben es die letzten zwei Tage mit der Versorgung lieber etwas „normaler“ gehalten:
Vorgestern gab’s vorweg Pimentos und eine Art Caprése und als Hauptgang gegrillte Dorade.
Und gestern

frische Lammkeule, noch recht klein, da ganz jung und zart…(köstlich – das ganze Schiff duftet danach). Dazu ein kühler Rosé oder Rotwein – je nach Gusto.


Unser neues Leben könnte nicht viel besser sein ;-)

Spanien – erster Eindruck

Wir sind in Spanien.

Das merkt man daran, dass viel gehupt wird :-)

Zebrastreifen sind nur Farbe auf dem Asphalt, die der spanische Autofahrer nicht zu interpretieren weiß.  Und Geschäfte haben dreiviertel des Nachmitages geschlossen – wegen Siesta. Diese Siesta ist hier in Nordspanien aber aus unserer Sicht komplett überflüssig und wurde nur aus dem heißen Süden hierher übernommen, weil es grad mal so paßt.

Obwohl wir ja Hochsommer haben, kommen die mittäglichen Temperaturen kaum über 23 Grad und abends im Cockpit wird es fast bitterkalt. Der Wind ist eisig sobald die Sonne untergegangen ist.

Wir holen Kleidungsstücke hervor von denen wir erwartet haben, dass wir sie die nächsten Jahre nicht benötigen.

La Coruna ist recht groß mit 250.000 Einwohnern. Aber die Marina liegt genau zu Füßen der Altstadt, die ganz hübsch rüber kommt. Leider gibt es in unmittelbarer Nähe keinen Supermarkt, aber 6 km an der Küste lang geradelt, da findet man dann einen.

Wo es hier einen Markt geben könnte, haben wir noch nicht herausgefunden, aber dafür ist ja auch noch viel Zeit. Denn hier in La Coruna werden wir einen Monat bleiben (das gibt auch hübsche Liegeplatzrabatte, die den Preis fast halbieren), da ich von hieraus in knapp zwei Wochen nach Hause fliegen werde.