Tag 4 nach Gambier – Seglergespraeche

Mi.,01.Jan.20, Pazifik, Tag 2040, 19.436 sm von HH
Zu Beginn des Tages ist es ein wenig ruppiger, aber dann geht der Wind wieder auf Seglers-Koestlichkeit von 14 Knoten zurueck. Im Laufe des Tage schwaecht er weiter ab – auf 9 bis 12 Knoten. Eine Duenung ist kaum mehr vorhanden, wir gleiten aufrecht dem Ziel entgegen. Der Wind hat weiter nach Ost gedreht. Das ist schade, gerne waeren wir noch laenger etwas mehr Hoehe gesegelt. Aber wir koennen noch knapp unseren Zielkurs halten. Die Vorhersage sieht eine Flaute fuer Morgen vorher, so, dass wir uns ueber jede Meile freuen, die wir heute noch gut machen. Viele Alternativen, die wir auf der Strecke erreichen koennen, gibt es nicht. Alles liegt Nord-OEstlich von uns und mindestens zweihundert Meilen entfernt. Die Tuamotu sind schlecht zwischen Gambier und Tahiti angebracht. Wuerde man dieses Gebiet noch einmal entwerfen, so sollte derjenige darauf achten, die Tuamotu weiter nach Westen zu setzen.
Wir schlagen die Zeit mit erbaulichen Gespraechen ueber den Seenotfall tot: Wuerde Atanga hier im Nirgendwo sinken und wir in der Rettungsinsel sitzen, wuerde uns ueberhaupt jemand suchen? Und wenn ja, wann? Achim sendet taeglich unsere Position an den Blog. Aber mal ehrlich, wem faellt das auf, wenn keine Meldung mehr kommt? Meine Berichte wuerden aussetzen. Okay, wuerde auffallen, aber deswegen wuerde ja niemand eine Rettungskette aktivieren. Dafuer kann es tausend bessere Gruende als den Ernstfall geben. Bleibt also nur unsere Epirb (elektronische Rettungs-Boje), dem Lebensretter Nummero eins. Die sendet nach der Aktivierung ein Signal zu ‚Bremen Rescue‘. Die wissen was zu tun ist und setzten (wahrscheinlich :mrgreen: ) eine Rettung-Aktion in Gang. Aber bevor jemand hier ist, das kann dauern. Zuerst ruft Bremen bei der hinterlegten Nummer an und fragt, ob es ueberhaupt sein kann, dass die Inhaber der Epirb in Seenot sein koennen. Die Anzahl an Fehlalarmen ist wohl riesig. Wenn wir Glueck haben, wendet sich Bremen dann an, tja, an wen? Wir haben gegruebelt und hoffen, die Jungs wissen es besser als wir. Eine Gesellschaft zur Rettung Schiffsbruechiger sucht man vergebens. Schifffahrtsrouten gibt es ebenfalls keine. Kommt dann die Marine? Kommt ueberhaupt jemand? Wir wissen es nicht und haben schnell das Thema gewechselt und lieber wieder gelesen.

– gesegelte Tagesmeilen: 100, davon 80 nach Osten gutgemacht
– gesegelte Meilen gesamt: 392
– verbliebene Meilen: 555
– Kartenkurs: 118 Grad
– gesegelte Kurse: 105 bis 115 Grad

Tag 3 nach Gambier – Guten Rutsch

Di.,31.Dez.19, Pazifik, Tag 2039, 19.336 sm von HH
Unser zweites Silvester in Folge auf See. Gleiche Situation wie letztes Jahr: Achim verschläft den ‚Big Bang‘ und ich sitze allein im Cockpit. Letztes Jahr war es unsere letzte Nacht, bevor wir die Osterinsel erreichten. Dieses Jahr liegen noch mindesten acht Tage Segelei vor uns. Wieder eine Party verpasst. Macht nichts. Silvester wird nach meiner Meinung von jeher überbewertet (es sei denn man sitzt im Wald am Lagerfeuer und überfrisst sich mit gegrillten Scampies). :-)
Unser Silvester-Dinner besteht aus Salat und frisch gebackenem Brot mit Heringsfilet aus der Dose in Dill-Sahne-Soße. Ein Deutsches Produkt, gekauft in Kolumbien und noch nicht mal abgelaufen. Da sehnt man sich in den Wald zurück. Der dritte Tag in Folge ohne Geschaukel. Wir bekommen viel Schlaf und sind hoch zufrieden. Segeln kann ja sooo schön sein. Der Wind bleibt schwach mit 12 Knoten. Leider hat er etwas nach Ost nachgegeben, so dass wir unseren reinen Ostkurs aufgeben mussten. Wir sind weiterhin ungerefft hoch am Wind unterwegs und schaffen knapp vier Knoten im Schnitt.
Wir wünschen allen Lesern, der Familie und unseren Freunden einen tollen Start 2020. Viel Glück, Zufriedenheit und immer den richtigen Wind.
– gesegelte Tagesmeilen: 91, davon 75 nach Osten gutgemacht
– gesegelte Meilen gesamt: 292
– verbliebene Meilen: 651
– Kartenkurs: 118 Grad
– gesegelte Kurse: 100 Grad

Tag 2 nach Gambier – Go East!

Mo.,30.Dez.19, Pazifik, Tag 2038, 19.245 sm von HH
Der versprochene Nordwind ist da. Wir koennen einen direkten Ostkurs segeln. Zwar verschenken wir dabei die Suedkomponente, das macht aber nichts, denn jede Meile weiter oestlich ist eine gute Meile. Die sind am schwierigsten zu gewinnen. Der Wind ist schwach. Neun bis vierzehn Knoten Wind – eine schlappe Windstaerke vier. Hin und wieder ueberlaeuft uns eine dicke Wolke (ohne Regen), die schickt uns fuenf Knoten mehr. Wir schweben langsam vor uns hin. Gemuetlich ist es. Nichts wackelt, nichts rappelt – alles steht grade. Es schlaeft sich wie in einer gepanzerten S-Klasse auf frisch geteerter Autobahn. Koestlicher, suesser Schlaf. Das ist gut fuer die Stimmung, die am zweiten Tag schon deutlich besser ist. So langsam kommen die Seebeine zurueck. Nur kulinarisch ist noch Luft nach oben. Da ich aus aberglaeubischen Gruenden (insgesamt hatte ich uns sieben Mal so vorbereiten wollen und jetzt die Faxen dicke :roll: ) nicht vorgekocht habe, muss der Meister der Nudel ran.
– gesegelte Tagesmeilen: 91, davon 91 nach Osten gutgemacht
– gesegelte Meilen gesamt: 201
– verbliebene Meilen: 740
– Kartenkurs: 115 Grad
– gesegelte Kurse: 90 bis 100 Grad

Ueberraschung!â?¬%&13333

So.,29.Dez.19, Pazifik, Tag 2037, 19.154 sm von HH
Wir sind unterwegs. Einfach aufgebrochen, ohne Vorkochen und ohne grosse Vorankuendigung. Und diesmal scheint es zu klappen. Bereits 110 Meilen liegen hinter uns nach den ersten 24 Stunden. Es ist unser fuenfter Anlauf uns von Tahiti freizuschaufeln.
Der Wind ist wie vorhergesagt: laue 10 bis 14 Knoten. Zwar genau auf die Nase, aber mit so wenig Wind macht das nichts.
Wir sind mit Vollzeug unterwegs, die See ist glatt und Atanga haengt nicht zu schief auf der Seite. Alles gut. Es gab am Nachmittag sogar eine Dusche mit reichlich Wasser auf dem Vorschiff. Es koennte schlechter laufen. Zwar sind wir steifbeinig und noch lustlos dabei, aber nach der zweiten Nacht sollte das besser werden.
Um uns von Tahiti frei zu kreuzen, haben wir einen langen Schlag nach Norden (30 Grad) und dann suedoestlich an Tahiti runter mit 130 Grad gemacht. Wenn die Vorhersagen stimmen, dann gibt es ab Morgen Nordwind fuer ein paar Tage. Mit dem hoffen wir deutlich Ost gut zu machen.
– gesegelte Meilen: 110, davon 60 nach Osten gutgemacht (7 Meilen motort) – verbliebene Meilen: 820 – Kartenkurs: 115 Grad – gesegelte Kurse: 0 bis 30 Grad und 130 bis 140 Grad

Video – Festival in Gambier

Do.,26.Dez.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 2034, 19.044 sm von HH

Im April, als wir in Gambier waren, unserem ersten Südseeatoll, fand dort ein Kultur-Festival statt. Glückspilze wir waren!
Drei Tage Musik, Tanz und Gesang von fünf verschiedenen Inseln – allein der Empfang der Gäste aus den befreundeten Atollen war ein kunterbuntes Durcheinander an Lebensfreude.

Hier das Video zur Show. Viel Spaß damit.

 

 

Junge und alte Blumenmädchen

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