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St. George’s – Hauptstadt von Grenada

Mi., 06.Jul.16, St. George’s/Grenada, Tag 767, 6.590 sm von HH

Schon bei der Anfahrt und Ansicht von See, gewinnt St. Georges sofort mein Herz.
Gilt die Kleinstadt doch als eine der schönsten der Karibik.

Der Naturhafen ist gesäumt von Kolonialbauten und macht einen wuseligen Eindruck.
Ein richter Stadthafen.

St. George’s hat 7.000 Einwohner, allerdings wohnen im Großraum knapp 40.000 Menschen. Nach den vielen kleinen Karibik-Dörfern schon fast Großstadt-Flair.

Es gibt zwei Marinas in St. George’s: Den noblen ‚Port Louis‘ mit Swimmingpool und jedem Schnick-Schnack.
Genau gegenüber hat es den kleinen, älteren Yacht Club.
Nicht so edel, aber nur halb so teuer. Da wir schon vor drei Wochen reserviert haben, bekommen wir für zwei Monate ein Plätzchen und guten Rabatt (12 EUR/Tag).

Eine Bar mit EM-Fernseher und eine Dusche machen den Laden perfekt.
Das Duschwasser ist kühl und nicht verstellbar. Aber so kommt man wenigstens nicht in die Versuchung heiß zu duschen und schon beim Abtrocknen wieder zu schwitzen.

Auf der anderen Straßenseite gibt es einen Schiffs-Ausrüster, der Männerherzen zum Schlagen bringt. Die Wege zum Supermarkt und in die Stadt sind kurz.

Kurzum, es gefällt uns gut und wir beglückwünschen uns zu der Entscheidung direkt in die Stadt gegangen zu sein.
Morgen kommt die La Joya für ein paar Tage zu uns. Was will Mensch mehr. :-)

Die Idylle der Dragon Bay auf Grenada

So., 03.Jul.16, Grenada/Dragon Bay, Tag 764, 6.586 sm von HH

Nach einer schicken, schnellen Überfahrt (ich wiederhole mich: das Segeln in der Karibik ist eine Klasse für sich), erreichen wir die Dragon Bay auf Grenada.
In einer mikro-kleinen Bucht machen wir an einer Mooring fest. Wir sind das einzige Schiff.

Die Bucht lässt das Herz aufgehen: Hufeisenförmig mit Sandstrand gesäumt, an den Enden Felsenküste, alles ist wie gelackt grün bewachsen.
Zwei händevoll Häuser schmiegen sich an die sanften Hänge. Wir liegen vor saftigem Urwald keine 50 Meter entfernt. Wir ankern quasi im Wald.
Dass die Bucht arg schwellig ist, nehmen wir für Grillen-Gesang und das erwartete Laubfrosch (tree-frogs) Gequakte billigend in Kauf.

Der perfekte Frieden.

Die schläfrige Nachmittags-Idylle trügt, mit Sonnenuntergang geht es los.
Es kommen nicht etwa Moskitos, nein, Soca, kommt.
Diese allgegenwärtige, angesagte Musik dröhnt volles Pfund über die Bucht.

Entsetzt stürzen wir an Deck und erwarten einen Aufzug in der Größe der Love-Parade zu ihren besten Zeiten. Jedoch, zwischen den Büschen und Palmen können wir nur zwei, drei Menschen ausmachen.

Wir beide sind nicht empfindlich und wenn andere Crews von durchwachten Nächten und Oropax-Arien berichten, haben wir nur ein Fragezeichen übrig: „Wir haben nix gehört.“ Schließlich haben wir auch Lissabon überlebt.

Das, was sich uns heute bietet, ist brutal.
Wir können uns an Deck praktisch nicht unterhalten.

Was sagen bloß die Nachbarn vom Störenfried zu dem Lärm?
Das schöne deutsche Wort „Anwohner-Beschwerde“ scheint es hier nicht zu geben. :mrgreen:

In einem Dorf in der Nordheide wird schon für 50 Dezibel weniger von vertrockneten Nachbars-Hexen die Polizei gerufen. :shock:
Das ist ätzend, kleinlich und verbittert. Aber ätzend ist unser Dragon Bay Rowdy auch.

Die Vermutung liegt nahe, dass zum Ort hin eine Schall-Schutzmauer errichtet wurde, damit das Dorfleben normal weiter gehen kann.
Nur die Dragon Bay und der freie See-Raum bis Venezuela werden beschallt.

Da liegen wir in einer so schönen Bucht und dann das. :cry:
Als wir ins Bett gehen, dröhnt es noch immer aus allen Rohren. Wir lassen uns vom Soca-Sprechgesang in den Schlaf wiegen.

Hurrikan Saison

Mi., 29. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 760, 6.552 sm von HH

Die offizielle Hurrikan-Saison beginnt am 01. Juni eines Jahres.
Ab 01. Juli, Übermorgen, beginnt sie nun auch versicherungs-technisch.
Das bedeutet für uns (wie für die allermeisten Yachties), dass wir bei einem Sturm nicht versichert sind. Dieser Sturm braucht nicht unbedingt ein Hurrikan zu sein. Es reicht, wenn er Tropical Storm ist und einen Namen bekommt.

Ihre Namen bekommen die Stürme von der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) einer US-amerikanischen Behörde.
Der Versicherungs-Schutz bleibt erhalten, wenn man sein Schiff an Land auf eine bestimmte Art verankert oder sich während des Sturms auf hoher See befindet. :mrgreen: Geile Option!

Einfach in einer Marina festgetüttelt, gilt nicht.

Kontinuierlich wurde die Versicherungs-Grenze von den Versicherungen weiter nach Süden verlegt. Alles oberhalb von 10 Grad Nord ist nicht versichert.
Geschickter Weise hat man damit die gesamte Karibik ausgeschlossen, außer ein paar Quadratmeter in Panama.

Selbst Trinidad ist damit raus. Das ‚letzte‘ Hurrikan-Hole in der Karibik.
Die meisten Yachten gehen trotzdem nach Trinidad, um dort zu übersommern. Es hat sich auf Trinidad ein großes Business mit mehreren Werften entwickelt, die sich darauf spezialisiert haben, Yachten an Land zu verankern.

Viele Langfahrsegler fliegen dann für mehrere Monate nach Hause und lassen ihr Schiff auf Trinidad zurück. Wer allerdings auf seinem Schiff bleiben möchte, muss erfinderisch werden, wie er die Zeit bis 30. November herum kriegen will.

Unsere Pläne sehen wir folgt aus: Anfang Juli werden wir auf Grenada eintrudeln. Dort wartet dann hoffentlich schon unser Ruder für unsere Windsteueranlage auf uns (wir erinnern uns, da war doch was… ).

Zum Anbauen gehen wir in die Marina in St. George’s, der Hauptstadt von Grenada.
Wir haben vier Wochen Zeit unser Ruder in Ordnung zu bringen und die Insel zu besichtigen, bevor ich Anfang August für drei Wochen nach Hause fliegen werde.
Ich lasse Mann und Schiff auf Grenada zurück.

Grenada gilt als relativ Hurrikan sicher. Seit 1931 gab es dort nur drei Hurrikane. Ivan war 2004 der letzte. Dieser hat allerdings verherrende Verwüstungen auf Grenada hinterlassen. Die Schäden sollen heute noch nicht komplett beseitigt worden sein.

August und September sind die Hurrikan reichsten Monate.
Ausgerechnet dann, wenn Achim allein auf Grenada bleibt. Unser Plan sieht vor, dass er im Fall eines Tropischen Sturms oder Hurrikans zum Einhandsegler wird.
Er wird dann Richtung Süden fliehen, um aus der zugigen Ecke heraus zu kommen.

Vorwarnzeit genug wird er haben. Die NOAA  aktualisiert alle acht Stunden ihre Vorhersage auf ihrer sehenswerten und informativen Seite.
Sobald ein Tropischer Sturm in Anmarsch ist, werden stündlich die Zugbahn, die Stärke und alle relevanten Daten aktualisiert.
Seit sechs Wochen gilt morgens unser erster Blick dieser Seite.

Drei bis fünf Tage Vorwarnzeit gelten als sicher. Das wären für Achim ungefähr 400 sm (knapp 800 km), die er sich Richtung Süden verholen könnte.
Das sollte reichen.
Das muss reichen.

Karibik Feeling

Mo., 20. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 751, 6.552 sm von HH

Die Tage schmelzen dahin wie Eiswürfel im Rum-Punsch.
Entweder wir schwimmen und schnorcheln, erforschen die nähere Umgebung zu Fuß oder widmen uns dem täglichen Wahnsinn auf so einem Kahn.

Ehrlich, fast kein Tag an dem nicht irgendwas klemmt.
Meistens sind es nur Kleinigkeiten, die zu reparieren sind. Zum Glück.
Gastlandflagge nach nur drei Wochen Passat-Wind: kaputt
Lampe (nicht Birne) im Flur: kaputt
Lichtschalter im Salon: kaputt
diverse Tampen, Bänder, Schnüre, Fallen, Schoten: nicht kaputt, aber ausgefranst

Einen Tampenschneider haben wir nicht, also muss es der Lötkolben richten, die Enden zu verschmelzen. Ist ein ganz brauchbarer Ersatz.
Der Bunsenbrenner zum Karamellisieren von Zucker wird zu heiß, der fackelt den Tampen eher ab als dass er sie schmilzt.

Dann hauche ich unseren Frühstücksbrettern das Leben aus.
Unser Brot bewahren wir, in Geschirrhandtücher gewickelt, im Kühlschrank auf. Um sich ansammelnde Schimmel-Sporen zu vernichten, koche ich diese Tücher hin und wieder ab.
Im Schnellkochtopf. Der erreicht 120 Grad und die Tücher sind wieder ’steril‘.

Da fallen mir unsere Brettchen ins Auge. Bevor die wieder anfangen zu muffeln, denke ich, dass ihnen so ein Kochbad gut stehen könnte.
Falsch. Ihnen ist das Bad eindeutig zu warm. Kochendes Wasser vertragen sie, den Schnelldampfer nicht.
Ich bin ja nur froh, dass der Kunststoff nicht den ganzen Topf versaut. :shock:

Und dann, es war nur eine Frage der Zeit, musste es ja soweit kommen.
Unser manuelles Pumpklo pumpt nicht mehr. Wasser zum Spülen wird noch angesaugt, nur abpumpen geht nicht. :roll:

Da dies eindeutig eine hellblaue Arbeit ist, verschwindet der Skipper im Bad.
Wir haben einen Wartungssatz für unsere Jabsco-Pump-Toilette. Zuvor muss jedoch die alte Pumpe ab- und auseinander gebaut werden.
Ich höre unflätige Worte aus dem Bad: Mist, Dreck, Scheiss, Kack!

Inhaltlich ist das Gefluche so nicht korrekt! :mrgreen:
Das traue ich mich zur Aufheiterung aber nicht zu kommentieren.
Handelt es sich doch „lediglich“ um Urinstein, der in den Leitungen, Dichtungen und sonst wo zu einem Pump-Stopp geführt hat.

Bis hierhin alles nicht so schlimm, kann prima gewartet und repariert werden.

Bis zum Super-Gau. Unser Wassermacher macht kein Wasser mehr.
Das Problem hat Achim lokalisiert. Es ist die MCU, die dem hohen Druck von 60 bar nicht Stand gehalten hat, aus ihrem Gehäuse gedrückt wurde und nun für um sich spritzendes Wasser sorgt.
Diverse Reparatur-Versuche sind bereits gelaufen und Achim ist auf einem guten Weg.
Heute konnte er bereits wieder 50 bar Druck erzeugen.

Reparatur-Bericht von Achim folgt, sobald alles wieder heil ist. :-)

Schick essen gehen am Hochzeitstag

Mi., 15. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 746, 6.552 sm von HH

Ein scheinbar unmöglicher Wunsch, schaut man sich die Restaurants in der Tyrrel-Bucht so an. Kleine Bretterbuden, oft geschlossen, bieten lokale Kleinigkeiten zu essen.
Ganz nett, aber von schick weit entfernt.

Ein ‚Probe-Essen‘ letzte Woche im Iguana deutet an, dass es nicht einfach wird, diesen Wunsch umzusetzen. Im Iguana ist donnerstags Pizza-Tag.
Viel gepriesen, in Büchern, per Mail und über die morgendliche Funkrunde. Wir versuchen also unser Glück.

Der Pizzaboden ist noch das Beste an dem Teil, schön dünn, knusprig, alles gut.
Der Rest ist fad, ohne Salz. Es fehlen würzige Tomatensoße und Kräuter, den Käse habe ich als dieses fiese Vegi-Zeug in Verdacht. Schlechter kann eine Pizza kaum sein.

Erschwerend kommt die Gruppe, deutlich betagter, Amerikaner hinzu, die in der Pinte einen Auftritt wagen. Gesang mit Gitarre, Bass und Bongo-Spieler.
Oldies, but goldies.
Allerdings nach ein paar Songs reicht es dann auch. Als zwei Ladies die, nicht vorhandene, Tanzfläche entern, ist es Zeit zu gehen.
Wenn zwei Frauen miteinander tanzen, bist Du entweder in einer Striptease-Bar und solltest bleiben oder im Altersheim und solltest flüchten. :mrgreen:

Soviel ist klar, da brauchen wir am Verheiratungs-Tag nicht hin.

Dann hört Achim über die Nachbar-Kneipe, dem Slipway, dass die mittwochs Hamburger-Tag haben. Nun, schlechter als die Pizza, kann’s nicht werden. Wir gehen hin!

Burger gibt es nur mittags.
Die alternative Abendkarte steht auf einer Tafel am Tresen: gegrillter Schwertfisch, MahiMahi, Thunfisch oder Schweineschnitzel (wo haben die das Schwein denn her?).
Dazu kommen Kartoffeln und Gemüse. Vor meinen Augen tauchen olle Pommes, und als Gemüse, die üblichen Kochbananen auf.

Ich wähle den Thunfisch und schon lauert die erste Überraschung auf mich: die Wirtin fragt mich allen Ernstes, wie ich ihn gegrillt haben möchte. :shock:
Ich hätte ihn gern innen roh.

Am Tisch die nächste Überraschung: es gibt echte Stoffservietten. Nicht diese hauchdünnen Papierteile, die einem in Fetzten am Mund kleben bleiben, wenn sie feucht werden.

Zur Vorspeise, Salat mit cremigen Ziegenkäse (wusste ich doch, dass es sowas geben muss, schließlich laufen die Viecher überall rum), wird knuspriges Baguette (wo haben die das wieder her?) gereicht. Lecker.

Mein Thunfisch haut mich vom Hocker. In der Mitte noch roh, wie bestellt.
Dazu Wassermelone, angemacht mit Öl und, festhalten, frischem Basilikum (wo, verdammte Axt, haben die das her?). Eine köstliche Kombination, die zum Fisch vorzüglich passt.
So, Steffen Henssler, falls Du das liest, so muss Thunfisch. ;-)

Das Gemüse sind grüne Bohnen aus dem Wok (?) und die Kartoffeln sind knusprig gebraten. Achim ist mit seinem Schnitzel und den gleichen Beilagen ebenso happy.

Hier hätte ich einen tot gebratenen Lappen erwartet. Aber Fehlanzeige!
Es ist saftig und wird mit angedünsteten, getrockneten Tomaten gereicht.

Dass mein Thunfisch nur 4 EUR mehr kostet als die gruselige Pizza (13,00 EUR), kann ich fast nicht glauben. Ein Hoch auf das Slipway, können wir unbedingt empfehlen.

Mit dem am Nachmittag besorgten Eis, macht ein langes gehütetes Schätzchen den Abend perfekt. Da stört es auch keinen, dass wir eigentlich erst am 16. Juni Hochzeitstag haben. ;-)