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Einklarieren in Mexiko

Mi., 08.Feb.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 984, 9.937 sm von HH

Der Mexikaner an sich stempelt gern, liebt Fotokopien und hat für alles ein Formular.
Im Vorwege hatten wir umständliche Dinge über das mexikanische System gelesen.

-Zoll
-Immigration
-Gesundheits-Check
-das Schiff muss befristet ins Land importiert werden
-der Kahn wird ausgeräuchert (damit sich Antillen-Kakerlaken nicht mit hiesigen Viechern mischen :mrgreen: )
-man benötigt eine Fishing-Licence (eigentlich schon bevor (!) man in mexikanische Gewässer vordringt). Pro Person 40 USD, sobald sich auch nur eine Angel, ein Haken oder Köder an Bord befindet.

Um uns einreisenden Gästen das Leben zu erleichtern, bieten Agenten ihre Dienste an.
In der Marina Puerto Isla Mujeres übernimmt dies German. Per Mail wusste er, wann wir ankommen würden und alles war in die Wege geleitet: Schon drei Stunden nach Ankunft misst der Gesundheitsmann bei Achim Fieber. Körpertemperatur 36 Grad. „Du bist gesund und ihr Deutschen seid sowieso gegen alles geimpft.“
Ohne mich je gesehen zu haben, trägt er für mich ebenfalls ‚kein Fieber‘ ein.

Dagegen will der Immigrations-Inspektor einen Blick auf mich werfen und mein Konterfei mit dem Pass vergleichen. Alles gut.
Die Pässe nimmt er allerdings mit…Stempel vergessen. Die bringt er am nächsten Tag brav zurück. Nun gestempelt.
Auch das Ausreisepapier aus Curaçao ist übersät mit Stempeln und Unterschriften. Achim als Skipper muss an 16 verschiedenen Stellen unterschreiben. :shock:

Parallel dazu arbeitet der Zoll ebenfalls sein Pensum ab. Die benötigten Papiere bekommen wir nach drei Tagen geliefert. Wegen Feiertag am Montag hat es einen Tag länger gedauert als üblich. Grins.

Auf’s Ausräuchern und auf die Fishing-Licence wird verzichtet. Ob es an German’s Einsatz liegt oder wir einfach nur Glück haben, werden wir nie erfahren.
Trotzdem waren die 75 USD für German gut investiertes Geld. Anderenfalls hätten wir drei verschiedene Stellen an mehreren Tagen ablaufen müssen, so sind sie alle zu uns gekommen. :-)

Nur die Einfuhr (am Festland) von Atanga müssen wir selber vornehmen. Dabei darf German uns nicht helfen.
Dafür hilft Helena, die gute Seele der Marina.
Sie erklärt uns genau von welchen Dokumenten wir wie viele Kopien brauchen. Und warnt uns vor, dass häufig nicht elektronisch bezahlt werden kann, wir sollen auch Bargeld mitnehmen.
Elisabeth von der ‚Einfuhr-Behörde‘ sei zwar nett, aber wenig flexibel. Kopien macht sie nur für die Behörde. Sollte also eine fehlen, wird man erst durch die Stadt zu einem Kopier-Laden gehetzt.
Natürlich befindet sich die Behörde nicht im Zentrum.

So vorbereitet ist es ein schnelles, aber teures (60 USD) Vergnügen Atanga nach Mexiko zu importieren. Dafür hat dieser Import eine Gültigkeit von 10 Jahren. Na dann.
Über Sinn oder Unsinn dieser Vorschrift wollen wir nicht nachdenken.

Insgesamt kostet uns die Einreise 275 USD. Inklusive German und Aufschlag für Anreise am Wochenende. Viva Mexico.

Isla Mujeres Downtown

So., 05.Feb.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 981, 9.937 sm von HH

Die Hauptpromenade im Hauptort der Insel ist voll. Propevoll mit Touristen, Souvenirläden, buntem Talmi und Golf Carts. Dem Fortbewegungsmittel auf Mujeres.
Nicht nur für lauffaule Amis. Jeder scheint sich mit so einer Karre fortzubewegen. Wir sind die einzigen, die zu Fuß unterwegs sind auf der Zubringerstraße zum Ort.

Alles ist voll im Ort (der hat irgendwie keinen Namen): selbst die Strände sind mit Booten zugeparkt. Erst ganz im Norden findet der Tagestourist ein kleines Fleckchen Strand. Wahrscheinlich Traumstrand, das ist aber wegen der Überfüllung nicht klar zu erkennen.

Es ist kein Wunder, dass Isla Mujeres mit Touris überfüllt ist. Im Halbstunden-Takt kommen die Schnellfähren aus Cancún vom Festland. Eine größere Touri-Schmiede als Cancún dürfte schwierig zu finden sein.
Auf eine Länge von 27 Kilometer steht ein Hotel-Hochhaus am nächsten. Tausende und Abertausende Touristen machen dort Urlaub. Und ein kleiner Teil kommt als Tagestourist zur kleinen Insel rüber gedüst.

So gruselig die Promenade ist, zeigt die zweite Reihe ein Lichtblick, einen kleiner Vorgeschmack wie Mexiko vielleicht sein kann, den Vorstellungen von Mexico entsprechend: alles ist bunt in Leuchtfarben gestrichen, blumig bemalt, grafische Muster auf Decken, Ponchos und Häuserwänden. Unkomplizierter Mustermix.

Der kleine Friedhof ist unordentlich.
Alle Gräber sind durcheinander gebaut, bunt zwischen weiß, schlicht zwischen pompös. Kunstblumen, Kacheln, echte Pflanzen, Madonnen, handgetöpferte Figuren.
Eine Bauvorschrift scheint es nicht zu geben, jeder macht, was ihm und seinem Geldbeutel gefällt. Es gibt handbeschriftete Kreuze und kleine Verschläge, die an Tauben-Häuser erinnern. Überall wurde noch ein Grab dazwischen gequetscht, so dass stellenweise kein Durchkommen ist ohne auf die Gräber zu treten.
Eine liebenswerte Unordnung, ein sympathisches Chaos. Schon jetzt einer meiner Lieblings-Friedhöfe.

Vielleicht ist das ja schon ein wenig ‚das echte‘ Mexiko.